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Wirtschaftsethik (Fach) / 3. Grundlagen der Wirtschaftsethik (Lektion)
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- Verhaltensprinzipien - Homo Oeconomicus“ • Individualprinzipein am Eigeninteresse orientiertes Handeln• Prinzip der Problemorientierungdie Fähigkeit zur vollständigen Strukturierung von Entscheidungsproblemen• Prinzip der Trennung von Präferenzen und Restriktionendie Annahme einer stabilen Nutzenfunktion bzw. die hohe Verhaltensrelevanz von Restriktionen• RationalitätsprinzipOptimierung von nutzenmaximalen Entscheidungen• Prinzip der „Nicht-Einzelfall-Betrachtung“die Annahme, dass rationales Verhalten eine allgemeine Tendenz ist• Prinzip des methodologischen Individualismusdie Annahme, dass Eigenschaften sozialer Systeme (Gruppen, Gesellschaften etc.) überdie individuellen Eigenschaften und Verhaltensweisen der beteiligten Akteure erklärtwerden können
- Ethische Reflexionsprozesse sind danach auf drei Objektebenen mit unterschiedlichen Aggregationsgraden der Handelnden angesiedelt. Individuum, Gruppe, Öffentlichkeit
- Beziehungskategorie (1): Individuum – Unternehmen Als typisches Beispiel für moralisch relevante individuelle Einflüsse auf das Unternehmen giltdie Persönlichkeit des Gründers und der von ihm getroffenen konstitutiven Entscheidungen(Rechtsform, Standort oder Produktionsprogramm).
- Beziehungskategorie (2): Unternehmen – Individuum Unternehmen verfügen über eine Vielzahl von formalen und informalen Verhaltenserwartungenan ihre Mitglieder, die deren Handeln entsprechend kanalisieren. Dieser Effekt gründetzum einen darauf, dass Menschen im Unternehmen ganz grundsätzlich sekundär sozialisiertwerden. Zum anderen erscheint es naheliegend, dass Unternehmen bei der Auswahl ihrer Mitarbeiterauch auf die Stimmigkeit von individuellem und betrieblichem Verhaltensrepertoireachten.
- Beziehungskategorie (3): Unternehmen – Rahmenordnung Bemühungen des Managements, eine aktive Einflussnahme auf die Spielregeln der Rahmenordnungauszuüben, können einerseits als logisches Gebot moderner Unternehmensführungaufgefasst werden. Andererseits sind solche Aktivitäten auch immer wieder Gegenstand kontroverser Diskussionen. Im Mittelpunkt stehen dabei beispielsweise exzessive Spielarten beim Einsatzvon Marktmacht (Stichwort Lobby-Arbeit) oder der bewusste Aufbau von Drohkulissen durchStandortverlagerungen.
- Beziehungskategorie (4): Rahmenordnung – Unternehmen Die in dieser Kategorie zum Ausdruck gebrachte Wechselwirkung zwischen Makro- undMesoebene ist zweifellos elementarer Natur und überaus facettenreich. Dies zeigt sich bereitsdaran, dass die auf Gutenberg zurückgehende Unterscheidung zwischen Betrieben und Unternehmendurch eine Differenzierung zwischen systembezogenen und systemindifferentenMerkmalen geprägt ist. Wirtschaftssubjekte vom Typ „Unternehmen“ sind danach untrennbarmit marktwirtschaftlichen Ordnungssystemen verbunden. Gleichermaßen selbstverständlichdürfte auch die Wirkung regulativer Maßnahmen in Form von Gesetzen sein. Weitaus subtileraber dennoch überaus wirkungsvoll sind hingegen auch Spielregeln, die als „ungeschriebeneGesetze“ die Rahmenordnung eines Landes prägen und ihren Ausdruck in bestimmten Verhaltensweisenfinden. (Beispiele hierfür sind Regeln im Umgang mit Wettbewerbern oder derÖffentlichkeit).
- Allokatives Marktversagen Dieses wird vor allem beim Auftreten externer Effekte (positiver wie negativer) und bei öffentlichenGütern (aufgrund des fehlenden Ausschlussprinzips) vermutet.
- Distributives Marktversagen Hier steht eine erhebliche Ungleichheit bei der Einkommensverteilung im Mittelpunkt, dienicht mit den gesellschaftlichen Gerechtigkeitsvorstellungen korrespondiert.
- Stabilitätspolitisches Marktversagen Diese Form des Marktversagens fußt auf historischen Erfahrungen. Es hat sich gezeigt, dass inmanchen Situationen die Selbstheilungskräfte des Marktes nicht ausreichen, so dass auf eineWirtschaftskrise größere soziale Verwerfungen (Arbeitslosigkeit, Armut) folgen.
- Abweichungen von diesem Idealzustand haben nach Noll vier wichtige Ursachen: • Erstens bilden auch funktionierende Gesetze lediglich einen äußeren Rahmen wirtschaftlichenHandelns. Ergo verbleiben immer Handlungsspielräume für Aktivitäten, diemoralisch fragwürdig sind. Deutlich wird dieses Problem beispielsweise im Zusammenhangmit den sogenannten „unbestimmten Rechtsbegriffen“. Formulierungen wie „nachTreu und Glauben“, „berechtigtes Interesse“ oder „angemessene Vergütung“ erweisen sicheinerseits als unverzichtbar, bedürfen andererseits aber immer einer Ergänzung und/oderInterpretationen der Handelnden.• Zweitens ist die Unvollständigkeit der marktwirtschaftlichen Rahmenordnung aufgrundihrer Einbettung in eine dynamische und von Diskontinuitäten geprägte Welt quasisystemlogisch. In diesem Sinne befindet sich die Gesellschaft in einem fortlaufendenEntdeckungsprozess neuer wirtschaftlicher Probleme, die es moralisch zu bewerten undgegebenenfalls auch zu regulieren gilt. Dabei ist es meist unvermeidlich, dass die ordnungspolitischeDimension diesen Prozess erst zeitversetzt flankiert.• Drittens geben die an anderer Stelle bereits angesprochenen Funktionsdefizite derDemokratie Anlass zu Zweifeln an der Möglichkeit, eine effiziente und gerechte Rahmenordnungzu formulieren. Gespeist wird dieser Verdacht unter anderem durch eineneher ungleichgewichtigen Interessenspluralismus, der seinen Ausdruck in eineiner einseitigenBeeinflussung der verantwortlichen politischen Entscheidungsträger findet. • Viertens erweisen sich die von nationalstaatlichem Denken geprägten Rahmenordnungen im Zeitalter der Globalisierung zunehmend als ergänzungsbedürftig. Die damit in den Vordergrund gerückte überstaatliche Rahmenordnung ist aus unterschiedlichsten Gründennur rudimentär ausgeprägt.
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- Die moderne Wirtschaftsethik setzt primär, wenn auch nicht ausschließlich, auf Ordnungsund Unternehmensethik. Mit diesem Akzent wird die auf der Mikroebene angesiedelte Individualethik keineswegs irrelevant. • Erstens, weil Institutionen nur funktionieren, wenn Individuen bestimmte moralischeStandards einhalten.• Zweitens, weil es die Individuen einer Gesellschaft sind, die wirtschaftsethische undunternehmensethische Systeme aus ihren Ansichten heraus erschaffen und durch moralischeInnovationen gegebenenfalls verändern.• Drittens sind es schließlich immer Individuen, die ethisch bedenkliche Handlungenbegründen, entscheiden oder umsetzen. Individualethische Defizite vermögen – insbesondereauf der Ebene von Führungskräften – erhebliche Schäden in wirtschafts- undunternehmensethischen Systemen erzeugen.
- zehn Reaktionsmöglichkeiten nach Richard P. Nielsen 1. Das Unternehmen verlassen (Leave)2. Nicht daran denken (Not think about it)3. Sich dem unmoralischen Verhalten opportunistisch anschließen und mitmachen(Go along and get along)4. Die Durchführung des unmoralischen Verhaltens durch Sabotageakte zu vereitelnsuchen (Sabotage)5. Anonym auf den Missstand aufmerksam machen (Secretly blow the whistle)6. Anonym damit drohen, Vorgänge publik zu machen (Secretly threaten to blow thewhistle)7. Öffentlich auf den Missstand aufmerksam machen (Publicly blow the whistle)8. Gegen das unmoralische Verhalten Protest einlegen (Protest)9. Gewissenhafte Einwände vorbringen (Conscientiously object)10. Mit den betroffenen Akteuren einen Konsens für moralisches Handeln suchen(Negotiate and build consensus for a change in the un-ethical behaviour)
- Führungsethik nach Ansicht dieses Autorenpaares • Wer nicht in ethische Dilemmata kommen möchte, kann nicht führen.• Eine zentrale Voraussetzung für verantwortungsvolles Führungshandeln bildet die Einsicht,dass es immer vom eigenen Führungshandeln betroffene Instanzen gibt, denen manetwas schuldig ist.• Eine Grundbedingung für ethisches Führungshandeln ist das Bekenntnis zur Ausrichtungdes eigenen Handelns an den Folgen für die Betroffenen.• In einem aufgeklärten Führungsverständnis wird Macht aufgrund von Vertrauen undimmer nur befristet vergeben.• Aufgeklärt handelnde Führungskräfte wissen, dass sie in Situationen kommen können, indenen sie sich rechtfertigen müssen.• Aufgeklärt handelnde Führungskräfte lassen sich auf Regeln verpflichten, vermeidenRadikalität und sind sich ihrer Austauschbarkeit bewusst.
- vier idealtypischen Formen der Unternehmensethik • Instrumentelle Unternehmensethik• Karitative Unternehmensethik• Korrektive Unternehmensethik• Integrative Unternehmensethik