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BAM (Fach) / Laxantien (Lektion)

Laxantien

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  • Laxantien allgemein Laxans (Plural Laxantien): Fachbegriff für Abführmittel (von lat. laxare = lockern) Laxantien fördern und erleichtern die Darmentleerung und wirken damit einer Verstopfung entgegen je nach Wirkmechansimus unterscheidet man bei den Laxantien: Gleitmittel (erleichtern die Darmentleerung) Füll- und Quellstoffe (fördern die Darmbewegung und damit den Weitertransport des Darminhalts) Substanzen, die den Entzug von Flüssigkeit aus dem Stuhl hemmen und Mittel, die Wasser im Darm binden
  • Laxantien allgemeine Infos sozialmedizinische Bedeutung Prävalenz von 15% Frauen und ältere Menschen deutlich höhere Prävalenz Deutschland ca. 2,5 Mio chron. obstipierte Menschen die pro Jahr ca. 150 Mio. Euro für Laxantien ausgeben häufig wird über Obstipation geklagt, obwohl medizinisch keine vorliegt
  • Was ist normaler Stuhlgang? 3x täglich bis zu 1x alle 2-3 Tage →abhängig von der Ernährungsweise, der Tätigkeit und Gewöhnung
  • Anatomie und Physiologie der Darmentleerung Dem "Willen" unterworfener Vorgang Stuhldrang wird durch Druck auf dehnungsrezeptoren im Rektum ausgelöst über parasympathische Nerven erschlafft der innere Schließmuskel (glatte Muskulatur) Öffnung des gesamten Schließmuskels nur wenn äußerer Schließmuskel (quer gestreifte Muskulatur) ebenfalls erschlafft durch reflektorisch gesteuerte Kontraktion des gesamten Enddarms und Bauchpresse (Bauchmuskulatur) der intraabdominellen Druckerhlhung tritt der Fäces in's Freie
  • Diagnose Obstipation genaue Anamnese mit Analyse: des Stuhlverhaltens Medikationseinnahme Begleitsymptome und -erkrankungen verursachende Erkrankungen körperliche Untersuchung inkl. Anusinspektion und rektal-digitale Untersuchung Prüfung Sphinktertonus, Kneifdruck und des Defäkationsversuchs
  • Definition Obstipation chronisch = mindestens seit 3 Monaten unbefriedigende Darmentleerung Leitsymptome: starkes Pressen klumpiger oder harter Stuhl subjektiv unvollständige Entleerung subjektive Obstruktion oder manuelle Manöver zur Erleichterung der Defäkation
  • chronische Obstipation wird der Stuhlgang unterdrückt, bewegt sich die Faecessäule zurück in den Dickdarm und wird dort durch Wasserentzug weiter eingedickt Rektum füllt sich erneut mit Faeces und es entwickelt sich erneut das Gefühl des Stuhldranges häufiges Unterdrücken kann zu chronischer Obstipation führen, da Entleerungsreiz verloren geht und Eindickung zu lange erfolgt 80% beschriebene Rektumsobstipation 20% der Fälle ist der Dickdarm selbst beteiligt
  • Gründe für funktionelle Obstipation Bewegungsarmut mit ballaststoffarmer Ernährung unzureichende Flüssigkeitszufuhr Depression und andere psychische Erkrankungen UAW: H2-Blocker Diuretika Morphin/Codein Calcium/Aluminium Antazida Neuroleptika Antidepressiva Spasmolytika Antihypertensiva ... starke Schweißproduktion ohne ausreichende Flüssigkeitszufuhr (Arbeit, Sauna, Sport)
  • chronische Obstipation organische Ursachen Dickdarmerkrankungen einschließlich Tumore schmerzhaft Erkrankungen im Analbereich Stenosen (Verengung von Blutgefäßen) Hernien (Austritt von Eingeweiden aus der Bauchhöhle, z.B. durch die Bauchwand) Stoffwechselstörungen
  • Gründe für akute Obstipation Änderung der Lebensgewohnheiten (Kostwechsel, Reisen, Bettruhe, Fieber) Ursachen vielfältig: ein akuter depressiver Schub Überdosierung von Sedative Morbus Crohn oder Tumore in den erwähnten Fällen können kurzfristig und unbedenlich Laxantien eingesetzt werden → CAVE: keine Anthranoidgabe bei Morbus Crohn und Darmtumoren!! evt. an einen Arzt verweisen
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  • Laxantien Geschichte Abführmittel seit 2400 v.Chr. bekannt in Mesopotamien und im alten Ägypten wurde das aus dem Samen des Wunderbaumes gewonnene Rizinuzsöl eingesetzt die Assyrer verwendete 1500 v. Chr. ballaststoffreiche Nahrungsstoffe wie Kleie, Hülsenfrüchte und getrocknetes Obst gegen Obstipation Griechen haben schon vor Hippokrates (gestorben um 370 v.Chr.) den getrockneten Milchsaft der Wurzel von Convolvulus scammonia (Purgierwinde) als stark (drastisch) wirkendes  Abführmittel (Drastikum) genutzt
  • eingesetzte pflanzliche Laxantien Füll- und Quellmittel Weizenkleie Semen lini (Leinsamen) Semen psylli (Flohsamen) Anthranoide Aloe Cascararinde Sennesblätter Faulbaumrinde Sennesfrüchte Rhabarberwurzel Kreuzdornbeeren Rizinusöl
  • Füll- und Quellmittel: Ballaststoffe Definition: Als Ballaststoffe bezeichnet man Nahrungsbestandteile, die von Verdauungsenzymen des Menschen unverdaut in den Dickdarm gelangen andere Bezeichnung:Nahrungsfasern, Pflanzenfasern, Faserstoffe, Füllstoffe, unverdauliche Polysaccharide, pflanzliche Hydrokolloide
  • Empfehlungen zu Ballaststoffen Ballaststoffe ("natürliche" und spaltbare lösliche) können Obstipationssymptome verbessern bei fehlender Wirksamkeit und/oder Auftreten von unangenehmen Begleitsymptomen sollte die Zufuhl von Ballaststoffen reduziert und andere Maßnahmen zur Obstipationstherapie bevorzugt werden
  • Quell- und Füllmittel: Ballaststoffe Allgemeines Anwendung abends können im Darm viel Wasser aufnehmen quellen durch Wasser auf und üben einen Reiz auf die Darmwand aus (Entleerung wird gefördert) Wirkung tritt erst nach mehreren Tagen der Anwendung ein bei chronischer Verstopfung zum Dauergebrauch geeignet nicht im akuten Fall geeignet Wichtig: Quellmittel benötigen viel Wasser, daher viel Flüssigkeit dazu aufnehmen!!
  • Einteilung der Ballaststoffe lösliche Ballaststoffe = Quellmittel (Umfang der Gelbildung von Molekülstruktur abhängig) Pflanzenextrakte Samenschleime Cellulosederivate Pektine
  • unlösliche Ballaststoffe = Füllstoffe Aufgrund der Struktur wasserunöslich, können Wasser binden
  • Pflanzenextrakte Cellulose Lignin Hemicellulose
  • Kleie nach Abrieb des Mehles zurückgebliebene Rückstände aus Schalen, der Aleuronschicht und den Keimlingen Mühlennachprodukt Ballaststofflieferant Drogen: Getreidesorten (Weizen, Roggen, Hafer und Gerste) Reis: Cellulose Hemicellulose Lignin Nicht-Stärke-Kohlenhydrate
  • Lini semen Leinsamen Droge: Lini semen Stammpflanze: Leingewächse (Linaceae) Inhaltsstoffe: wirksame Inhaltsstoffe in der Samenschale Schleimstoffe Zucker: Xylose, Galactose und Galacturonsäure etwa 25% Ballaststoffe 25% Eiweiß 30-45% fettes Öl Öl-, Linol- und Linolensäure in geringen Menschen Lignane etwa einen Meter hoch Stängel: aufrecht, im oberen Teil verzweigt Blätter: wechselständig, glatte Oberfläche, schmallanzettlich geformt Blüten: 5-zählig, leuchten himmelblau Frucht: eine runde Kapsel mit mehreren bräunlich glänzenden Samen
  • indischer Flohsamen, indischer Wegerich Droge: Psylli semen Stammpflanze: Plantago ovata Familie: Plantaginaceae niedrig wachsende, einjährige Pflanze, sehr fein behaart Blätter: linealisch, bilden eine Rosette Blüten: unscheinbar, stehen in kurzen, dichten Ähren Samen: runde Kapseln, oval geformt Farbe der Samen: reicht von blassrosa bis rötlich-gelb Inhaltsstoffe: arzneilich wirksam sind die Samen, äußere Schicht (Epidermis) der Samenschalen große Mengen an Schleimstoffen Galactose und Rhamnose fettes Öl
  • Anthranoide Derivate des Anthracens mit 1,8-Dihydroxyanthracen als Grundstruktur leiten sich vom Tautomerenpaar Anthron/Anthranol ab durch Ox. entstehen Anthrachinone (am häufigsten) durch Ox. Dimerisierung entstehen Dianthrone insg. ca. 200 Anthrachinone bekannt Verbreitung ca. 50% der Flechten, Pilze und Bakterien, der Rest in höheren Pflanzen Vorkommen in den Familien: Asphodelaceae Polygonaceae Rhamnaceae Rubiaceae
  • Anthranoide Vorliegen Anthrone/Anthranole kommen als Glykoside bzw. C-Glycosylverbindungen vor Anthrachinone kommen in Drogen frei oder als Glykoside vor Dianthrone kommen überwiegend als Glykoside vor
  • Anthranoide Wirkung Anthranoide wirken direkt abführend Anthrachinone sind Prodrugs, die während der Darmpassage durch Bakterien zu wirksamen Anthronen umgewandelt werden laxierender Effekt beruht auf Stimulierung der Motilität des Kolons (Anregung der Peristaltik) Resultat: beschleunigte Darmpassage und damit verbundene Verminderung der Flüssigkeitsresorption (antiabsoptive Wirkung) zusätzlich werden durch Stimulierung der aktiven Chloridsekretion Wasser und Elektrolyte in's Darmlumen sezerniert (sekretagoge Wirkung)
  • Anthranoide Wirkmechanismus Hemmung der Na+/K+-ATPase verringerte Wasser- und Elektrolytresorption Wasser- und Elektrolyteinstrom in den Darm Volumenzunahme, gesteigerte Peristaltik evt. ist die Stimulierung der Prostaglandinbiosynthese (PGE2) der Hauptmechanismus (Untersuchungen an Ratten- und Meerschweinchenkolon) Anwendung: bei Verstopfung bei Untersuchungen Krankheiten, bei denen Darmentleerung mit weichem Stuhl angezeigt ist Laxierende Wirkung tritt nach 8-10 Stunden nach Einnahme ein
  • Anthranoide Anwendung in BRD sind Indikationen für Anwendung von Anthranoiden seit 1997 beschränkt auf: kurzfristige Anwendung bei Verstopfung (nicht > 2 Wochen) zur Darmentleerung bei Röntgenuntersuchungen und anderen diagnostischen Untersuchungen, bei denen Gabe von Elektrolyten (Glaubersalz →  Natriumsulfat, Bittersalz → Magnesiumsulfat) keinen ausreichenden Effekt bringt kontraindiziert: Darmverschluss entzündliche Darmerkrankungen (Morbus Crohn, Colitis Ulcerosa, Blinddarmentzündungen) Dehydratation Kinder unter 10 Jahren Schwangerschaft Stillzeit
  • Anthranoide unerwünschte Wirkungen chronische Anwendung führt zum Auftreten kolikartiger Beschwerden Anthranoide bewirken kräftige Blutfüllung der Abdominalgefäße im Becken (Verstärkung der Menstruationsbeschwerden) Schwarzfärbung des Dickdarms (reversibel) Störungen des Elektrolythaushaltes, insb. Kaliumverlust →CAVE bei gleichzeitiger Gabe von HWGs, Diuretika) Auftreten eines Circulus vitiosus
  • Anthranoidgebrauch langfristige Folgen Muskelschwäche Herzrhythmusstörungen Nierenschädigungen
  • Empfehlungen zu Anthrachinonen Anthrachinone können bei akuter Obstipation angewendet werden Dosierung und Einnahmefrequenz richtet sich mach dem individuellen Bedarf Wirksamkeit bei kurzfristiger und mehrwöchiger Gabe Überlegenheit der Wirksamkeit gegenüber Lactulose in kontrollierten Studien nachgewiesen Substanzen "scheinen sicher zu sein, langfristige Beobachtungen fehlen"
  • Anthrachinone verwendete Drogen Aloe Cascararinde Sennesblätter Faulbaumrinde Sennesfrüchte Rhabarberwurzel Kreuzdornbeeren (Riszinusöl?)
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  • Aloe (Aloe Curacao) Trockenrückstände des gelblichen Zellsaftes aus den fleischigen Blättern xerophytischer Aloe-Arten (Asphodelaceae) langsames Eindicken des Saftes in der Sonne/Vakuum = Aloe hepatica-Typ schnelles Eindampfen (Feuer) ergibt Aloelucida-Typ Inhaltsstoffe Aloine A und B, Aloeresin A und B
  • Kap-Aloe (Aloe capensis) 2-3 m hoher, baumartiger Xerophyt aus Südafrika (um Kapstadt) Inhaltsstoffe: Aloin A und B 5-Hydroxyaloin B Aloinosid B Aloeresin Aloenin
  • Faulbaumrinde Frangulae cortex Stammpflanze: Rhamnus frangula (syn. Frangula alnus) Rhamnaceae Droge: getrocknete, ganze oder zerkleinerte Rinde der Stämme und Zweige Inhaltsstoffe: Glukofranguline A und B
  • Cascararinde/amerikanischer Faulbaum Rhamnus purshianus Stammpflanze: Frangula purshiana Familie: Rhamnaceae Droge: getrocknete Rinde Inhaltsstoffe: Anthranoide (Cascaroside, z.B. Cascarosid A) Mindestgehalt an Hydroxyanthracen-Glykosiden
  • Kreuzdornbeere Cathartici rhamni fructus Stammpflanze: Rhamnus catharticus Familie: Rhamnaceae Droge: ganze, reife getrocknete Früchte Inhaltsstoffe: 4% Hydroxyanthracenderivate Glucofrangulin A als eine Hauptkomponente
  • Rhabarberwurzel Rhei radix Stammpflanzen: Rheum palmatum/Rheum officinale bzw. deren Hybriden Familie: polygonaceae Droge: vom größten Teil der Rinde befreite Wurzeln Inhaltsstoffe: mindestens 2,2% Hydroxyanthracenderivate Hauptglykosid ist Physcion-8-0-ß-D-gentobiosid (Aglycon Physcion) weitere Inhaltsstoffe sind Gerbstoffe
  • Sennesblätter Sennae folium Stammpflanzen: Cassia angustifolia Tinnevelly Senna C. senna Familie: Fabaceae Anbau von C. angustifolia ind Indien, C. senna in Ägypten Inhaltsstoffe: Droge enthält 3% Hydroxyanthracenderivate bei Trocknen entstehen die dimeren Sennoside Dimere Aglykone heißen Sennidine Sennosid A und B unterscheiden sich in ihren Konfigurationen an C-10 und C-10'
  • Sennesfrüchte Sennae fructus acutifolia/Sennae fructus angustifolia Alexandriner-Sennesfrüchte/Tinnevelly-Sennesfrüchte für die beiden Drogen liegen im Arzneibuch jeweils eine eigene Monographie vor Wirkstoffzusammensetzung beider Drogen ist einheitlich und entspricht der, der Blätter
  • Rizinusöl Rizinus communis Der Wunderbaum Familie: Euphorbiaceae Gewinnung des fetten Öls (Kaltpressung) aus den Samen innerhalb einiger Stunden abführend zur kurzfristigen Behandlung der Verstopfung nicht bei Schwangerschaft, kann Geburt einleiten Inhaltsstoffe: Die Triglyceride im Öl enthalten einen hohen Anteil Ricinolsäure, der eigentlichen Wirkform im Darm
  • Laxantien-Abusus oft falsch gebraucht bei chronischer Anwendung: unerwünschte Gesundheitsrisiken Laxantienabusus in großen Teilen der Bevölkerung (OTC) bei Patienten mit Bulimia nervosa/Anorexia nervosa zur Unterstützung der angestrebten Gewichtsreduktion
  • Laxantien - Risiken Elektrolytstörungen können mit vorliegenden Grunderkrankungen und deren Therapie (z.B. Digitalisglykoside und Herzinsuffizienz) zu Komplikationen führen chronischer Gebrauch von Laxantien kann zu irreversiblen Strukturveränderungen des Darmes führen (Darmatonie)
  • Empfehlungen zu Obstipation/Laxantien tägliche Trinkmenge von 1,5-2 L körperliche Inaktivität vermeiden nicht den Stuhlgang unterdrücken bei unzureichender Wirkung: Änderung der Wirkstoffklasse Abdominal-Massagen können unterstützend eingesetzt werden