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Pädagogische Diagnostik (Fach) / Fragen 1 + 2 (Lektion)

Einführung, Grundlagen Diagnostik

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  • Was unterscheidet Alltagsdiagnostik von professioneller Diagnostik? Nennen Sie mindestens drei Unterscheidungsmerkmale! Urteile: implizit (nach Gefühl) oder explizit (basierend auf theoretisch und empirisch relevanten merkmalen) Subjektivität: hoch oder niedrig Art der Beobachtung: ohne System, beiläufig oder systematisch, gezielt Reflexion und Kontrolle der Urteilsbildung: niedrig oder hoch Methodischer Anspruch: keiner oder gemäß wissenschaftlicher Gütekriterien Vollständigkeit des Bildes: selektiv, eher auffälliges betrachtend oder bemüht um Vollständigkeit Gerechtigkeit: anfällig für Vorurteile, u.U. ungerecht oder faire Bewertung als Ziel
  • Was ist das Hauptmerkmal, das pädagogische Diagnostik von anderen Diagnostiken und anderen Bereichen der Pädagogik unterscheidet! Zweckgebundenes Handeln mit dem Ziel der Erkenntnis, die pädagogische Entscheidungen (Folgehandlungen) auslöst. Kategorisieren des Einzelfalls Abzugrenzen von der: psychologische Diagnostik: eher Dienstleistung ohne direkte Folgehandlung, päd. Diagnostik ist gekennzeichnet durch inhaltlichen Bezug, mehr als durch eigene Methoden: pädagogische Einzelfallentscheidungen sollen aktuelle päd. Maßnahmen hervorbringen (Beispiel IQ-Test) pädagogische Forschung: Fokus generelle Regelhaftigkeiten; päd. Diagnostik: Fokus Individuum und Verbesserung individueller Lernprozesse (Beispiel Deko im Klassenzimmer allgemein störend oder nur den einen Schüler störend, sodass er dadurch schlechte Noten schreibt) Curriculumsevaluation: SuS sind nur Merkmalsträger, Fokus Lehrplan; päd. Diagnostik: Schüler im Fokus (Beispiel Erfolg des Lehrplans (nicht Erfolg der einzelnen Schüler) pädagogisch-psychologische Diagnostik: Synonym, aber fachspezifische Traditionen: gehört eher zur Psychologie, päd. Diagnostik eher zur Pädagogik
  • Nennen Sie drei der fünf Dimensionen des diagnostischen Urteils nach Helmke! 1) Merkmale der Person (z.B. Intelligenz, Vorwissen, Motivation..) vs. der Aufgabe (z.B. Schwierigkeit, typische Fehler und Fehlermuster) 2) fachlicher (bereichsspezifisch) vs. überfachlicher Bezug (Schlüsselqualifikationen) 3) Individuum vs. Klasse (ständiger Wechsel der päd. Perspektive- ständige Interaktion der Beteiligten) 4) Status ( Ist-Zustand) vs. Potenzial (Entwicklungsmöglichkeit) -> Zone der proximalen Entwicklung (Wygotski) 5) Bezugsnorm des Urteils - kriterial (bezogen auf sachliche Kriterien z.B. die Aufgabe) vs. sozial (bezogen auf den Vergleich zu anderen) vs. individuell (bezogen auf die Person z.B individuelle Verbesserung)
  • Was sind die Charakteristika der Pädagogischen Diagnostik? Wofür brauchen wir sie? · Erkenntnisbemühen · Fokussiert aktuelle pädagogische Entscheidungen/ Maßnahmen ·  Kategorisierung/ Einordnen eines Einzelfalls (keine Entdeckung allgemeiner Zusammenhänge) · Einzelne Lerner und in der Gruppe Lernende Wir brauchen sie zur: · Ermittlung von Voraussetzungen und Bedingungen planmäßiger Lehr- und Lernprozesse ·Analyse von Lernprozessen · Feststellen von Lernergebnissen ·Zur Optimierung von individuellem Lernen · Zur Steuerung des Bildungsnachwuchses, die Erteilung von Qualifikationen, Ermöglichung einer Zuweisung zu Lerngruppen oder zu individuellen Förderungsprogrammen
  • Wählen Sie eins der Spannungsfelder der pädagogischen Diagnostik nach Ingenkamp und Lissmann (2008) aus, erläutern Sie die “Gegenpole” und beschreiben Sie, ob und ggf. wie sich dieser Widerspruch in der pädagogischen Praxis auflösen lässt! 1) Eigenschafts- vs. Verhaltensdiagnostik: a) bestimmt stabile Merkmale einer Person durch die stabiles Verhalten vorhersagbar wird, vom Allgemeinen zum Speziellen; Merkmale lassen sich messen und untereinander vergleichen; dadurch können geeignete Bedingungen geschaffen werden, keine konkreten Handlungsanweisungen b) Situative Bedingungen beeinflussen das variable Verhalten, vom Speziellen zum Allgemeinen; vergangenes Verhalten sagt zukünftiges voraus; Verhalten soll modifiziert werden, durch konkrete Handlungsanweisungen beide haben im Zuge eines zielorientieren sequenziellen Vorgehens ihre Berechtigung, da das pädagogische Ziel trotz stabiler Merkmale und systematischer Zusammenhänge zu Verhalten eine Optimierung ist 2) Status- vs. Prozessdiagnostik a) punktuelle Messung unter Stabilitätsannahme; Funktion einer Ergebnisdiagnostik (z.B. Messung d. Erfolgs päd. Maßnahmen) b) Beeinflussung erzieherischer und unterrichtlicher Abläufe durch wiederholte Messung (Häufigkeits-Genauigkeits-Dilemma: wie genau ist die Messung, wenn sie sehr häufig stattfindet?!) beides wichtig, da unterschiedliche Gesichtspunkte gemessen werden, analog zu formativer (Bewertung eines Prozesses innerhalb definierter Zeiträume und Kriterien-> Zwischenevaluation zur Optimierung) und summativer (Abschluss-Evaluation zur Überpürfung eines entwickleten Programms) Evaluation 3) Selektions- vs. Förderdiagnostik a) eine Alternative: Ja oder nein (Beispiel: Auswahl des Begabten, gefördert zu werden) b) es gibt mehrere Alternativen, auf die Bewerber zugeteilt werden (Beispiel: Schultypen nach Notenschnitt) Pawlik: Diagnostische Strategien: Personenselektion, Bedingungsselektion - Verhaltensmodifikation, Bedingungsmodifikation -- Selektion ordnet sich eher unter zur Modifikation (indivuelle Selektion nicht so oft möglich, wie die Anpassung an gegenbene Rahmen), jedoch zielabhängig Entscheidungen auf den Einzelfall bezogen, da es kein richtig und kein falsch gibt, aber zielabhängig geeignet oder nicht geeignet gibt
  • Was ist der Unterschied zwischen Eigenschafts- und Verhaltensdiagnostik? Nennen Sie je ein Beispiel! Diagnostik der Merkmale einer Person entgegen der situativen Bedingungen, die ein Verhalten hervorrufen: Max ist schlau, der schreibt die Mathearbeit bestimmt gut. Kevin hat künstlerisches Talent vs. Eileen hat in den letzten Mathearbeiten jeweils die volle Punktzahl erreicht. Susanne kann ihren Standpunkt sicher vertreten.
  • Was ist das Häufigkeits-Genauigkeits-Dilemma? Ist es noch möglich bei häufiger Messung so genau zu sein, wie bei einer einmaligen oder seltenen Messung?
  • Ist Prozessdiagnostik im Wesentlichen nur eine wiederholte Statusdiagnostik? Begründen Sie Ihre Entscheidung kurz! Ja, da eine Statusdiagnostik den aktuellen Ist-Zustand aufnimmt, die Prozessdiagnostik, das eben nur in Intervallen macht, um eben nicht ein Ergebnis festzuhalten, sondern während eines Prozesses Modifizierungen durchführen zu können.
  • Welche diagnostischen Strategien kann man nach Pawlik (1976) unterscheiden? Benennen Sie dabei auch die den beiden “Polen” untergeordneten Strategien! a) Zuordnungsstrategien vs. b) Modifikationstrategien a) Personenselektion (Auswahl für ein Förderprogramm), Bedingungsselektion (Empfehlung für eine weiterführende Schule) b) Verhaltensmodifkation (Vermittlung sozialer Kompetenzen), Bedingungsmodifikation (Deko im Klassenzimmer) Selektion ordnet sich eher der Modifikation unter (indivuelle Selektion nicht so oft möglich, wie die Anpassung an gegenbene Rahmen), jedoch zielabhängig
  • Was ist “Bedingungsselektion”? Erklären Sie, was das ist, nennen Sie ein Beispiel und ordnen Sie es in das Modell von Pawlik (1976) ein! Die Person ist vorhanden, die passende Bedingung wird gesucht. Beispiel ist die Empfehlung der passenden Schulform für den/ die SuS Gehört zu den reinen Zuordnungsstrategien (Selektion) der diagnostischen Strategien (entgegen zu den Modifikationsstrategien).
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  • Sind die beiden diagnostischen Strategien nach Pawlik (1976) gleichberechtigt im Hinblick auf das pädagogische Handeln? Begründen Sie Ihre Ansicht kurz! Selektion ordnet sich eher unter zur Modifikation (indivuelle Selektion nicht so oft möglich, wie die Anpassung an gegenbene Rahmen); Die Wahl der geeigneten Startegie ist jedoch zielabhängig
  • Nennen Sie die sechs zentralen Aufgaben der pädagogischen Diagnostik nach Ingenkamp und Lissmann und erläutern Sie diese an einem selbst gewählten Beispiel! 1) Vergleichen- Verhalten beschreiben 2) Analysieren- Verhalten erklären 3) Prognostizieren- Verhalten vorhersagen 4) Interpretieren- Diagnostische Informationen werten 5) Mitteilen- Ergebnisse kommunizieren 6) Evaluieren- (Neben-)Wirkungen überprüfen 1) Beobachtung zu früheren Erfahrungen in Relation setzen. Bezugnormorientierung individuell (ispativ), sozial oder kriterial (sachlich), Nutzung objektiver Verfahren, um ein Richtschnur zu entwickeln -> Mia schreibt immer gute Noten in Mathe, die letzte Arbeit war nur eine fünf 2) Analyse des Grundes für abweichendes Verhalten (im Vergleich zur Person, der Klasse oder der Erwartungen in Bezug zur Aufgabe), kann Aufschluss über Optimierungsmöglichkeiten geben -> Weitsprung: Mia nimmt zu wenig Anlauf 3) Durch Wissen über Ist-Zustand Vorhersagen treffen -> Lehrplan: Wenn die Schüler den Aufbau von Atomen kennen, verstehen sie auch den Aufbau von Molekülen 4) Sammeln von Informationen aus unterschiedlichen Quellen (aus mehreren Wahrnehmungen zur Vermeidung von Subjektivität)  und Zusammenfügen zu einem Gesamtbild --> Beobachtung dass Mia alleine auf dem Schulhof ist, sie hat schlechtere Noten, meldet sich nicht im Unterricht, Interpretation: Sie hat Probleme sich zu integrieren/ Zu Hause?! 5) Soll pädagogische Effekte erzielen -> Weitsprung: Mia sagen, dass sie zu wenig Anlauf nimmt: Dann macht sie es besser 6) Instrument wissenschaftlichen Handelns,da Ressourcen begrenzt sind ->
  • Warum trägt professionelles pädagogisch-diagnostisches Handeln dazu bei, Schülerinnen und Schülern individuell gerecht zu werden? Weil dadurch über einen längeren zeitraumm objektive, reliable und valide Informationen über den einzelnen Schüler gesammelt werden und so individuelle Handlungen ausgelöst werden können
  • Bestimmen Sie das Skalenniveau von Name, Land, Medaillenplatz und Punktzahl der Wettkampfergebnisse folgender Leichtathleten! Name Land Punkte Medaille Hiro Sudoku Japan 8466 Gold Haile Yaounde Kenia 8324 Silber Heinz Becker Saarland 8210 keine Medaille Pjotr Wassiliewicz Russland 8322 Bronze John Doe USA 8210 keine Medaille Skalenniveaus: a) Nominalskala b) Ordinal- (Rang-) Skala c) Intervallskala d) Verhältnis- (Proportinal-) Skala Name: Nominal (gleich/ ungleich, Messung des Modus) Land: Nominal Punktzahl: Intervallskala? (Gleichheit von Differenzen, arithm. Mittelwert) Medaille: Ordinalskala (Größer/ kleiner; Besser/ schlechter, Median)
  • Ermitteln Sie Mittelwert, Median, Modus und Range (Spannbreite) der Puntke! Name Land Punkte Medaille Hiro Sudoku Japan 8466 Gold Haile Yaounde Kenia 8324 Silber Heinz Becker Saarland 8210 keine Medaille Pjotr Wassiliewicz Russland 8322 Bronze John Doe USA 8210 keine Medaille Mittelwert: 41532 / 5 = 8306,4 -> Summe / Anzahl = Mittelwert Median: Mitte bei Anordnung der Noten nach Größe- teilt die Gruppe in stark und schwach ein: 8210, 8210, 8322, 8324, 8466 -> 8322 bei gerader Zahl den Durchschnitt der  beiden mittleren Werte berechnen  Modus / Modalwert: Wert, der am häufigsten vorkommt -> 8210 Range (Spannbreite): Abstand zwischen größten und kleinstem Wert: 8466 - 8210 = 256
  • Frau Weiland überprüft mit einem Maßband, wie hoch Nesrin gesprungen ist. a. Warum handelt es sich hierbei um eine Messung? Nutzen Sie hierbei die Definition von “Messen”. Messen = Bestimmen einer Ausprägung einer Eigenschaft, Zahl als Messobjekt homomorphe Abbildung eines empirischen Relativs in ein numerisches Relativ homomorph: auch die Beziehung darstellend empirisch: auf Erfahrung/ Beobachtung basierend, Maßband ist genormt Relativ. Objekte sind durch bestimmte Relationen miteinander verbunden, Höhe numerisch: in Zahlen, in Metern
  • Frau Weiland überprüft mit einem Maßband, wie hoch Nesrin gesprungen ist. b. Welches Konstrukt wird hier operationalisiert? [Anmerkung: Es gibt nicht nur eine richtige Lösung.] Merkmale (Konstrukte) können nicht direkt beobachtet werden, sondern nur erschlossen: Anhand der beobachtbaren Indikatoren für das Konstrukt kann die Ausprägung erschlossen werden. Konstrukt: Sprungkraft, Indikator Höhe
  • Was sind Variablen? beliebige Merkmale oder Eigenschaften einer Person oder eines Objekts, die mindestens zwei Ausprägungen annehmen können (z.B. Größe, Farbe, Geschlecht, Intelligenz...) Bei jeder Messung entscheidet man sich für eine Auswahl an Variablen: Was will ich messen?
  • Was sind die Streuungsmaße? Range (Spannbreite): Abstand zwischen größtem und kleinsten Wert Varianz. Ein Maß, das zusammenfasst, welchen Abstand die einzelnen Werte vom Mittelwert haben Standardabweichung: Quadratwurzel aus der Varianz; wichtig, wenn es um die Normverteilung geht