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Neurologische Erkrankungen (Fach) / Epilepsie (Lektion)
Epilepsie
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- Was ist eine Epilepsie? Wiederholtes Auftreten epileptischer Anfälle. Prognose abhängig von Ursache und Anfallsform. Erstmanifestation vor allem in Kindheit und Jugend sowie in höherem Lebensalter.
- Wie entsteht eine Epilepsie? exogene Momente (z. B. Verletzungen, Schlafentzug) und endogene Faktoren (erbliche Veranlagung) Für nahe Verwandte von Epileptikern ist das Erkrankungsrisiko leicht erhöht. idiopathischen Epilepsie, die sich überwiegend bis zum 20. Lebensjahr manifestiert symptomatischen Epilepsie, die durch eine ursächliche Hirnschädigung (z. B. frühkindliche Hirnschädigung, Hirntumor, -verletzung, Gefäßanomalie) feststellbar ist.
- Wie äußert sich eine Epilepsie? Generalisierte Anfallsformen (gesamtes Gehirn betroffen) Primär generalisierten Anfallsformen (gesamtes Gehirn von Beginn an beteiligt) Generalisierte tonisch-klonische Anfälle (Grand-mal-Anfälle). Beginnt manchmal mit einer Aura, der Wahrnehmung z. B. eines Gefühls, Geruchs, Geschmacks, Lichts Patient stürzt, evtl. mit einem Schrei (Initialschrei), bewusstlos zu Boden Tonische Phase mit steifen Gliedmaßen, Atemstillstand, weiten, lichtstarren Pupillen Klonische Phase mit Zuckungen am ganzen Körper Längere Schlafphase (Terminalschlaf) Später Amnesie Petit-mal-Anfälle (alle anders verlaufenden primär generalisierten Anfälle) Absencen, ganz kurze Bewusstseinsstörungen ohne Ohnmacht Myoklonische Anfälle, mit kurzen Muskelzuckungen Tonische Anfälle, mit Muskelverkrampfungen Atonische (astatische) Anfälle, Tonusverlust der Muskulatur mit Sturz. Fokale (partielle) Anfälle (lokale Veränderung des Gehirns; ohne Bewusstseinsstörung = einfach fokale Anfälle; mit Bewusstseinsstörung = komplex fokale Anfälle): Einfach fokale Anfälle, z.B. Jackson-Anfälle (Zuckungen oder Sensibilitätsstörungen beginnen an einer Körperregion und breiten sich die benachbarten Regionen aus (March of convulsion) Einfach fokale Anfälle, z.B. psychomotorische Anfälle (Dämmerattacken), mit Aura, Bewusstseinstrübung, Automatismen (z.B. Schmatzen, Grimassieren). Der Dämmerzustand kann im Extremfall mehrere Tage dauern. Jeder fokale Anfall kann generalisieren (sekundär generalisiert).
- Wie wird eine Epilepsie diagnostiziert? Abgesehen vom „typischen“Fieberkrampf eines Kindes ohne Hinweise auf eine neurologische Erkrankung muss jeder erstmalig auftretende Anfall umfassend diagnostisch abgeklärt werden: Ein EEG zeigt die für den entsprechenden Anfall typischen Veränderungen und ist oft auch zwischen den Anfällen pathologisch, vor allem bei Provokation z. B. durch Flackerlicht oder Schlafentzug Die Kernspintomografie, im Notfall oder ggf. zusätzlich die CT, dienen der Suche nach evtl. Ursachen Blutuntersuchungen sind z. B. bei Verdacht auf Niereninsuffizienz oder Alkoholmissbrauch erforderlich, die ebenfalls Ursache einer Epilepsie sein können.
- Nenne Erstmaßnahmen bei Status epilepticus Der lebensbedrohliche Status epilepticus (sehr langer Anfall oder Serie von Anfälle ohne zwischenzeitliche Erholung) muss immer medikamentös unterbrochen werden. Erstmaßnahmen: Sauerstoff (anfangs 4–6 l/ Min.) Venöser Zugang Ggf. wiederholt Benzodiazepine, Clonazepam, Phenytoin, Levetiracetam oder Valproinsäure i.v. Bei Therapieresistenz intensivmedizinische Betreuung, Intubation, Beatmung, Thiopental.
- Wie wird eine Epilepsie behandelt? Einzelner epileptischer Anfall meist nicht behandlungspflichtig Bei idiopathischer Epilepsie meist erst nach dem zweiten Anfall Antiepileptika angezeigt (mind. für zwei Jahre, oft lebenslang) Bei symptomatischer Epilepsie steht die Beseitigung der Ursache im Vordergrund Bei Therapieresistenz ggf. Epilepsiechirurgie Implantation eines Vagusnervstimulators.
- Nenne Pflegemaßnahmen bei Epilepsie Besonders bei noch unklarer Diagnose Arzt sofort benachrichtigen (lassen), Patienten möglichst nicht alleine lassen Sicherheit des Patienten gewährleisten, z. B. scharfkantige Gegenstände aus der Umgebung entfernen und Patienten von Treppe wegziehen. Das Schieben eines Gummikeils o. Ä. zwischen die Zähne wird nicht mehr empfohlen, da das Einschieben eine zusätzliche Gefahr von Mundhöhlenverletzungen birgt Keine Flüssigkeiten (oder Arzneimittel) oral einflößen (Aspirationsgefahr) Arzneimittel nach ärztlicher Anordnung verabreichen Für den Fall eines Status epilepticus Spritzentablett mit Venenverweilkanüle, Medikamente nach Verordnung, Guedel-Tubus, Ambu-Beutel und Intubationsutensilien richten Patienten nach dem Anfall bis zur vollständigen Wiedererlangung des Bewusstseins in die stabile Seitenlage bringen (Aspirationsprophylaxe), Erbrochenes entfernen Nach dem Anfall ggf. Mund- und Körperpflege durchführen, Mundraum auf Zungen- oder Wangenbiss kontrollieren. Gegebenenfalls reinigen und Wunde versorgen (z. B. mit Bepanthen ® Lösung spülen lassen) Während der ganzen Zeit Anfallstyp und -verlauf beobachten und dokumentieren, da dies von diagnostischer und therapeutischer Bedeutung sein kann. Dabei auch Uhrzeit zu Beginn und am Ende des Anfalls notieren.
- Prävention und Gesundheitsberatung bei Epilepsie Meiden anfallsauslösender Faktoren wie Schlafentzug, Flackerlicht (Diskothek, Videospiele) und Alkohol in größeren Mengen Insgesamt regelmäßiger Tagesablauf Führen eines Anfallskalenders, um Auslöser und Medikamentenwirkungen nachvollziehen zu können Mitführen eines Notfallausweises mit Erste-Hilfe-Maßnahmen; Information von Erzieherinnen, Lehrern oder Arbeitskollegen Umgang mit Antiepileptika: Kein eigenmächtiges Umstellen oder Absetzen; wegen der häufigen Wechselwirkungen behandelnden Arzt fragen, welche Medikamente z. B. bei Schmerzen oder Fieber eingenommen werden können; Kenntnis möglicher Nebenwirkungen Bei neuen Arztkontakten Information des Arztes über die Erkrankung Teilnahme an einem Schulungsprogramm, z. B. am „Modularen Schulungsprogramm Epilepsie" Meist Möglichkeit eines selbstbestimmten, weitgehend „normalen“Lebens, falls keine Grunderkrankungen wie eine schwere perinatale Hirnschädigung vorliegen. Kein Beruf mit erhöhter Selbst- oder Fremdgefährdung (z. B. Dachdecker, Kraftfahrer) oder unregelmäßiger Lebensführung (Schichtarbeit). Textverarbeitung am PC in der Regel möglich Sportauswahl im Hinblick auf Selbst- oder Fremdgefährdung durch einen Anfall. Generell: Nicht zu hoch, nicht zu schnell, nicht alleine ins Wasser Führen eines (Privat-) Fahrzeugs nur erlaubt nach Anfallsfreiheit von wenigen Monaten bis zwei Jahren (je nach Erkrankungsform) bei unauffälligem EEG Familiengründung in aller Regel möglich. Bei Frauen möglichst nur geplante Schwangerschaften, vorher Rücksprache mit dem Arzt und ggf. Arzneimittelwechsel.
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