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Schulgeschichte und Schulgestaltung (Kramer) MLU (Fach) / Schulgeschichte und Schulgestaltung (Lektion)

Hauptaussagen des Skriptes zur Vorlesung Schulgeschichte und Schulgestaltung an der MLU zur Prüfungsvorbereitung.

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  • 1 Historische Daten Moderne Teritorialstaaten und deutsches Kaiserreich 1717 > General Edict: Erster Versuch einer rechtlichen Verankerung der allgemeinen Schulpflicht in Preußen 1788 > 1. Abiturientenreglement: Abitur als Nachweis der Studierfähigkeit, Voraussetzung aber nur für Stipendium 1812 > 2. Abiturientenreglement: Abitur als Berechtigung für höheres Lehramt und Justizdienst 1832 > Vorläufige Instruktion für höhere Bürger- und Realschulen 1834 > 3. Abiturientenreglement: Abitur als Zugang zur Universität 1854 > Stiehlsche Regulative: Festlegung der Grundlagen der Elementarschulbildung mit drei Regulativen: Zentrales Prinzip war die Bildungsbegrenzung 1859 > Unterrichts- und Prüfungsordnung für Real- und höhere Bürgerschulen
  • 1 Warum brauchen wir Schulgeschichte? ...Als Hintergrundfolie um Besonderheiten des deutschen Schulsystems zu verstehen ...Zur Aufdeckung historisch gewachsener Strukturen ...Zur Entwicklung und Abwägung von Gestaltungsperspektiven ...Aufschluss über prinzipielle Verfasstheit (Möglichkeiten und Grenzen) der absichtsvollen Gestaltung von Schule
  • 1 Von der ständischen zur Bürgerlichen Gesellschaft Vorindustrielle Welt/ständische Gesellschaft: Soziale Herkunft bestimmte Ansprüche Erziehung wenig ausdifferenziert Statusvererbung Schulen eher Ausnahme und wenig differenziert Prozess:Ausbreitung rationalisierter, kapitalistischer Verkehrsformen, ökonomischer Tauschakt formal gleicher Rollenträger, Postulate der natürlichen Freiheit und Gleichheit, Umarbeitung des Rechtssystems Statusrecht > Kontraktrecht, Französische Revolution Bürgerliche Gesellschaft:universalistische Verkehrsformen, freie Entfaltung des Individuums, Agrarreform, Gewerbe- und Handelsfreiheit, Soziale Folgen: Bevölkerungsexpansion, Überangebot an Arbeitskräften, Massenelend
  • 1 Zusammenhang Politischer Reform und Bildungsreform Ausgangslage war der Zusammenbruch Altpreußens (1806) Reform als Alternative zur Revolution liberale Freisetzungsprogrammatik (Stein) humanistische Bildungsansprüche (Humboldt) Humboldt: Forderung einer durchgängigen Einheit der Bildungs-organisation vom Elementarunterricht bis zur Universität Bildung als Medium sozialer Integration, Vorrang formaler Bildung (Lernen lernen) Ergebnis: Hochgesteckte Ziele von sozialer Realität entfernt materielle Verhältnisse als Schranke der Verwirklichung allgemeine Bildungsansprüche waren abstrakte Pragramatik Bildungsreform war sozial begrenzt
  • 1 Wirkungen der Bildungsreform in Preußen Wirkungen der Bildungsreform in Preußen Staatsfunktionale Koppelung der höheren Bildung (Berechtigungswesen) Interessenlage des höheren Beamtenstaates war die eigene privilegierte Reproduktion, u.a. durch 1-3 Abiturientenreglement Institutionelle Absonderung des höheren und niederen Bildungswesens durch Elementarschulen, Stadtschulen und Gymnasien
  • 1 Institutionelle Absonderung des höheren und niederen Schulwesens Institutionelle Absonderung des höheren und niederen Schulwesens Widerstand vorherrschender Interessenlagen (Gutsherrliche Klassen/Kirche) Reorganisation des gelehrten Schulwesens aber kaum Verbesserungen im Elementarschulwesen Motiv vermeintliche Überfüllung der Universitäten und schwierige Finanzlage Ausdiferenzierung zweier Lehrerstände (Gymnasiallehrer Vs. Stadt- und Dorfschullehrer)
  • 1 Bildungsreform: Süvern vs. von Beckedorff Süvern: Forderung eines integrierten Schulsystems -Allgemeine Bildung des Menschen an sich, Integriertes System von 3 Stufen (Elementarschule, Stadtschule, Gymnasium), Aber: Allgemeine Elementarerziehung genüge für untere Klassen Von Beckedorff: Gegen Gleichförmigkeit der Bildung und allgemeine Gleichheit -Allgemeines Bildungsrecht verstößt gegen die Ordnung der Natur, Er war für die Beibehaltung von verschiedene Standesschulen
  • 1 Hindernisse zur Durchsetzung der Allgemeinen Schulpflicht Kinderarbeit Finanzschwäche Zunahme verarmter Schüler aus der Unterschicht Verschlechterung der Unterrichtssituation staatliche Geringschätzung der Elementarschule Elementarschullehrer ohne universitäre Ausbildung
  • 1 Stiehlsche Regulative Stiehlsche Regulative 1854 Zentrales Prinzip war die Bildungsbegrenzung-Schule als Tochter der Kirche und Diener des Staates-Keine Überbildung der Elementarschullehrer-Lernverbote für Pädagogik, Methodik, Didaktik, Psychologie - dagegen christliche Sitte und Patriotismus
  • 1 Modernisierung und Herrschaftssicherung in der höheren Bildung Modernisierung und Herrschaftssicherung in der höheren Bildung Gymnasium als Schule der beamteten Elite und des Landadels > Es fehlte eine höhere Schule um den Bedürfnisse der Industrie und des Wirtschaftsbürgertums zu entsprechen Reaktion: Vorläufige Instruktion (1832) erkennt höhere Bürger- und Realschulen an Unterrichts- und Prüfungsordnung für Bürger- und Realschulen (1859),  Offiziell Realgymnasium für die wissenschaftliche Vorbildung für höhere Berufsarten (1882), aber: keine Berechtigung zum Universitätsstudium Kriterium der Latinität als Scheidegrenze zwischen höherer und niederer Bildung
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  • 2 Historische Daten Schule vom 1. Weltkrieg bis zur Machtergreifung der Nantionalsozialisten 1872 > Revision der Stiehlschen Regulative durch liberalen Kultusminister Falk.  1900 > Schulkonferenz: Formelle Gleichstellung der Vollanstalten Gymnasium, Realgymnasium und Oberschule. Historischer Durchbruch zur Bildungsexpansion 1908 > Frauen zum Universitätsstudium zugelassen 1919 > Weimarer Schulkompromiss: Ergebnis der Koalitionsverhandlungen zur Bildung der Reichsregierung 1920 > Gundschulgesetz: Einführung einheitlicher Grundschulen. Einführung der Selektionsfunktion der Grundschule. Seit 1931 Besuch der Weiterführenden Schule abhängig von Zeugnis und Gutachten 1931 > Gleichstellung der mittleren Reife und dem untersekund-Abschluss der höheren Schule
  • 2 Modernisierung und Herrschaftssicherung in der höheren Bildung Modernisierung und Herrschaftssicherung in der höheren Bildung Kampf um Exklusivität des höheren Gymnasiums Militär und Großindustrie fordern Technische Hochschulen Realschulmännerverein forderte Gleichberechtigung des Realgymnasiums Schulkonferenz im Jahr 1900 (Juni Konferenz) formelle Gleichstellung der Vollanstalten Gymnasium, Realgymnasium, Oberrealschule beim Zugang zum Universitätsstudium > Durchbruch zur Bildungsexpansion im Kaiserreich, der Berechtigungsstatus wurde ausgeweitet
  • 2 Zwischenfazit - Modernisierung und Herrschaftssicherung  Zwischenfazit - Modernisierung und Herrschaftssicherung Schule zwischen 1800-1900 zwischen Modernisierungsansprüchen und Ansprüchen der Herrschaftssicherung Modernisierungszwänge im Bereich der Qualifizierung und Demokratisierung durch Industrialisierungs- und Liberalisierungstendenzen Folge war sozial umkämpfter Ausbau der Schulwesens Bildungsexpansion bei gleichzeitiger sozialselektiver Begrenzung der höheren Bildung durch das Berechtigungswesen
  • 2 Anpassungstendenzen im elementaren und mittleren Bildungsbereich Anpassungstendenzen im elementaren und mittleren Bildungsbereich Vorsichtiger Ausbau der Volksschule in Preußen Revision der Stiehlschen Regulative durch Falk mehrklassige Volksschule wurde Norm. Auch bessere Bedingungen. Aber: ungleiche Entwicklung Stadt Land Qualifikationserwartungen der Industrie spiegelten sich in der Schulgestaltung wieder. Unterordnung/Gehorsam (Hierarchie), Aufstiegsorientierung (Sitzenbleiben), Pünktlichkeit/Regelmäßigkeit (Stundenplan), konkurrierendes Leistungsdenken (Zensuren) Enstehung und Etablierung des Mittel- und Fachschulwesens als Anpassung an die Anforderungen des gewerblichen Lebens und des Mittelstandes z.B. Sprachen und kaufmännisches Rechnen Weiterführender berufsorientierter Charakter, aber: keine höhere Berechtigung Zurückweisung der sozialistischen Ideologie und Fokus auf Gottesfurcht und Vaterlandsliebe Nach 1890 Schule im elementaren und mittleren Bildungsbereich systematisch als Herrschaftsmittel und Stabilisierungsstrategie eingesetzt (Volksschule als Bildungsbegrenzung, Mittelschule als Anhebung mittlerer Schichten und gleichzeitig abgegrenzt von den Privilegien höherer Bildung)
  • 2 Schulkämpfe und Schulkompromisse in der Weimarer Republik Schulkämpfe und Schulkompromisse in der Weimarer Republik ...Ausgangslage war Machtvakuum nach dem 1. Weltkrieg zwischen konservativen Eliten, Bürgerlicher Mitte, Sozialdemokraten und Sozialisten/Kommunisten Von neuen parlamentarischen Bewegungen weitgehend unbeeinflusste Schulbürokratie Basisdemokratische Bewegungen unter Volksschullehrern forderte: Abschaffung der geistlichen Schulaufsicht, Trennung von Kirche und Staat im Unterricht, Wahl der Schulleiter durch das Kollegium, Lehrervertretungen erste Schulbehörden jedoch in Funktion nicht beeinträchtigt > Ohnmacht der Arbeiter- und Soldatenräte gegenüber der Bürokratie 1919 Weimarer Schulkompromiss ...Ergebnis der Koalitionsverhandlungen Schulwesen mit gemeinsamer vierjähriger Grundschule, mittlerem und höherem Schulwesen Aufnahme eines Kindes an bestimmter Schule anhand seiner Anlage und Neigung und nicht gesellschaftlichen, wirtschaftliche oder religiöse Stellung Gemeinden können auf Antrag Volksschulen eines Bekenntnisses oder einer Weltanschauung einrichten Konflikte um die Einführung der obligatorischen Grundschule Grundschulgesetz 1920 Einheitliche 4-jährige Grundschule für alle > erstmals Trennung von höherer und niederer Bildung durchbrochen und neue Funktion der Grundschule als Zuteiler Aber: Keine einheitlichen Regelungen für Übergang > erst 1931 Zeugnis und Gutachten Reform der Volksschullehrerbildung: Länderspezifische Organisation  Unterschiedliche Regelungen in den Ländern In Preußen Mittelweg mit Abitur und 2-jähriger Ausbildung an pädagogischen Akademien  Kampf um Entkonfessionalisierung der Volksschule: Bekenntnisschule vs Simultanschule Arbeiterbewegung: Weltlichkeit der Volksschule Kirche, Konservative: Religion und Schule  Konsolidierung des mittleren Bildungswesens Umstellung von getrenntem auf vertikal verzweigtes Schulsystem Geprägt vom Kampf um Erweiterung der Berechtigung unterhalb des Abitur Seit Bestimmungen des preußischen Unterrichtsministeriums 1910 stärkere Differenzierung mit Unter-, Mittel- und Oberstufe Gleichstellung der Mittleren Reife 1931 mit Untersekunda Abschluss der höheren Schule als Berechtigung für mittlere Berufslaufsbahnen Krise der höheren Bildung Nach 1900 Modernisierungszwang und Aufhebung des Berechtigungsmonpols des humanistischen Gymnasiums Zeit geprägt von Missverhältnis zwischen Berufsnachwuchs und Bedarf > Beamtenabbau > Ressentiments gegen Frauen, Juden, Angehörige unterer Schichten 
  • 2 Zwischenfazit - Modernisierung und Herrschaftssicherung in der höheren Bildung Zwischenfazit - Modernisierung und Herrschaftssicherung in der höheren Bildung Trotz Modernisierungsdruck und Demokratisierungstendenzen blieb die Spitze der Schulbürokratie in ihrer Stellung ungefährdet Schulpolitik in der Weimarer Koalition als Kompromiss Mit der Grundschule erste Überbrückung der Trennung von höherer und niederer Bildung (aber Integrationskraft unterwandert und durch Selektionsauftrag geschwächt) Öffnung der höheren Bildung (Bildungsexpansion) kippt mit dramatisch verschlechterter ökonomischer Lage Bedrohter Statuserhalt und enttäuschte Aufstiegshoffnungen bestärken Ressentiments
  • 3 Fazit - Schulgeschichte und Schulgestaltung im Nationalsozialismus Fazit - Schulgeschichte und Schulgestaltung im Nationalsozialismus ...keine konsistente Gesamtstrategie der Bildungspolitik und Schulreform im Nationalsozialismus, d.h. Abwertung höherer Bildung, breite Bildungsbegrenzung und Eliteschulen ...nationalsozialistisches Prinzip der Bildungsbegrenzung als Ausdruck einer autoritären, ideologisch untermauerten Kristenstrategie, d.h. aufgrund des Loyalitätsverlustes des Weimarer Verfassungsstaates mit Kontinuität aus wilhelminischer Ära und der Weimarer Republik ...Gleichsschaltung der Lehrerverbände, Zerschlagung der hochschulmäßigen Lehrerbildung, ideologische Indoktrination der Schule und des Unterrichts ...Keine Aufhebung des Leistungs- und Berechtigungswesens
  • 3 Gesetz gegen die Überfüllung deutscher Schulen und Hochschulen 25.03.1933Gesetz gegen die Überfüllung deutscher Schulen und Hochschulen-Schlussstrich unter die Krisendebatte der Weimarer Zeit mit rassistischem Akzent Die Zahl der Schüler und Studenten wurde beschränkt und herabgesetzt Anteil der Nichtarier im Verhältnis zum Anteil der Arier wurde festgelegt Höchstzahl der Zulassungen für ein Hochschulstudium wurde festgelegt, was zu einem rapiden Rückgang der Studentenzahlen bis zum Beginn des 2. Weltkriegs führte
  • 3 Schulpolitik der Nationalsozialisten Schulpolitik der Nationalsozialisten Gegenüber dem liberalen Bildungsprinzip der wilhelminischen Ära und dem Gleichheitsversprechen der Weimarer Republik nun das Versprechen, dieses liberale System auszurotten und durch das Prinzip der Führer-Gefolgschaft zu ersetzen statt individuellem Egoismus national Solidarität statt parlamentarischer Querelen Führertum und Volk statt schulischer Leistungsorientierung reinrassige Kämpfernatur statt weiblicher Entartung die natürliche Rolle der Frau
  • 3 Gleichschaltung der Lehrerschaft Gleichschaltung der Lehrerschaft -Bereits vor der Machtergreifung Annäherung von Lehrern an die Neuordnungsvorstellungen der Nationalsozialisten durch Identifikationsbruch mit Weimarer Verfassungsstaat -nach der Machtergreifung Gleichschaltung der Länderkultusverwaltungen, Hochschulen für Lehrerbildung und Lehrerverbände (Neu: Nationalsozialistischer Lehrerbund NSLB) und Austausch in der Ministerialbürokratie -Änderungen in der Lehrerbildung (preußische pädagogische Akademien > Hochschulen der Lehrerbildung) durch hochschulmäßige Ausbildungsform. Nach preußischem Vorbild dann in allen Länder ab 1937 Hochschulmäßige Ausbildungsform. -Lehrerbildung war in der NSDAP auch umstritten, kritisiert wurde das Abitur als Eingangsvoraussetzung (ab 1938 starke Debatte die an die Stiehlsche Regulative erinnert: Kritik an Eingangs-voraussetzung und Höherwertung der Wissenschaft) -Hochschulen für Lehrerbildung wurden 1941 durch Führerbefehl abgeschaft und durch Lehrerbildungsanstalten ersetzt. Hier wurde mit Hilfe der HJ Absolventen aus Volksschulen rekrutiert.
  • 3 Schulpolitik der Nationalsozialisten Schulpolitik der Nationalsozialisten -Programmatik zielte auf die vollständige Zerstörung der Reste einer wissenschaftlich ausgerichteten Lehrerbildung und damit auf die Zerstörung einer wissenschaftlich und an höherer Bildung ausgerichteten Schule -strenge ideologische Ausrichtung an Führertum und Volksgemeinschaft -Muster der nationalsozialsozialistischen Bildungsbegrenzung
  • 3 Grenzen der nationalsozialistischen Schulpolitik Grenzen der Nationalsozialistischen Schulpolitik -Propagandistisch Versuch eine Umgestaltung des Schulwesen zu vermitteln tatsächlich aber immer wieder Widerstände (z.B. Alte Eliten) -Nationalsozialistische Bildungspolitik war nicht konsistent und widerspruchsfrei Erfolge: Zentralisierung der Schulverwaltung im Reichsministerium für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung (1934/35) und damit faktische Beseitigung der Kulturhoheit der Länder Lückenlose ideologische Erziehung durch das Reichsschulpflichtgesetz (1938) Ideologisierung des Unterrichts durch neue Lehrpläne (1938/39) Vereinheitlichung des höheren Schulwesens mit der Oberschule als Hauptform. Daneben elitäres, parteieigenes System nationalsozialistischer Ausleseschulen seit 1933 Nationalsozialistische Erziehungsanstalten dann 1936 Adolf-Hitler-Schulen Grenzen: Keine schulorganisatorische Entsprechung zum Elitenaustausch Soziale Öffnung des Bildungssystems eher wieder geschlossen Ungeklärte Zuständigkeiten hinter den Kulissen zwischen Partei und Staatsinstanzen Schule bei Nationalsozialisten selbst als bürgerliches Relikt verachtet. Funktion der politischen Sozialisation vor allem ausserhalb der Schule in HJ Angestrebte Funktionsminderung bezogen auf Berechtigungswesen und Qualifikationen der Schule durch Widerstand der Wirtschaft nicht gelungen (Klage über allgemeinen Leistungsrückgang der Absolventen)
  • 3 Wichtige Daten Schule und Schulgestaltung im Nationalsozialismus 25.03.1933 > Gesetz gegen die Überfüllung deutscher Schulen und Hochschulen 06.07.1938 > Reichsschulpflichtgesetz
  • 4 Fazit Schulgeschichte und Schulgestaltung in der BRD 4 Fazit Schulgeschichte und Schulgestaltung in der BRD Die Möglichkeit der Überwindung der gegliederten Schulstruktur durch die Allierten scheiterte Restauration des Schulwesens bis 1960 durch Gliederung zwischen höherer und niederer Bildung mit der Wiederherstellung der Sonderstellung des Gymnasiums Bildungsreformen seit Mitte der 1960er Jahre sind Teil des längerfristigen Prozesses der Bildungsexpansion. Stichwort: Begabungsreserven, Recht auf Bildung Keine Einigung in der Frage der Schulstruktur auch durch wirtschaftliche Stagnation Gesamtschule nur als Schulversuch und später als 4. Schulform
  • 4 Fazit Schulgeschichte und Schulgestaltung in der DDR Fazit Schulgeschichte und Schulgestaltung in der DDR Die Umsetzung der Prinzipien der Allierten gelang anfangs in der SBZ und späteren DDR etwas besser als in der BRD und es konnten viele Forderungen der Schulreformer der wilhelminischen Ära und der Weimarer Republik umgesetzt werden > Einführung der Einheitsschule, Abschaffung privater Schulen, Entkopplung von Schule und Religion Allerdings folgte eine parteiideologische Durchdringung des Unterrichts. Auch durch Parteiorganisationen, FDJ, GST Neue Form der Bildungsbegrenzung und Reglementierung der höheren Bildung durch Ideologie und Formen der Überhöhung der Arbeiterschicht
  • 4 Gemeinsame Kontrollratsdirektive Nr. 54 der Allierten von 1947 Gemeinsame Kontrollratsdirektive Nr. 54 der Allierten von 1947 ...Hintergrund: Kritik an der Trennung zwischen dem System der höheren Schulen (Eliteschulen) und der Volksschule. Diese entwickle Überlegenheit/Minderwerigkeit und ermöglichte das autoritäre Führerprinzip ...Die Kontrollratsdirektive war inhaltlich für: Gleiche Bildungschancen Unentgeldlichkeit des Unterrichts Mehr Mit- und Selbstbestimmung Integriertes und stufenartiges Bildungswesen Ausgeprägte staatsbürgerliche Erziehung
  • 4 Wiederherstellung des Schulwesens nach dem 2. Weltkrieg Wiederherstellung des Schulwesens nach dem 2. Weltkrieg Träger der Reforminitiativen im Bildungsbereich waren die Allierten und zuvor unterdrückte politische Organisationen Grundlegende Stoßrichtung Entnazifizierung und Demokratisierung An drei Stellen waren Veränderungen besonders wichtig: Revision der Lehrpläne, Auswechseln der nationalsozialistischen Lehrer, Veränderung der Schulstruktur 1947 ging Teil der Verwaltungsfunktionen auf Landesregierungen über; ab 1948 lag die Gesetzesinitiative bei Kultusverwaltungen. Drei zentrale Reformtendenzen: Verlängerung der Grundschulzeit bis zur 6. Klasse, gegliederte Einheitsschule (4 Jahre GS und 2 Jahre Förderstufe), zwölfjährige Einheitsschule (8 Jahre GS und anschließend praktischen und wissenschaftlichen Zweig) Reformansätze wurde rückgängig gemacht und das verzweigte Schulssystem der Weimarer Zeit voll hergestellt (4 Jahre GS und anschließende Verzweigung) Gründe für das Scheitern: Rasche Herstellung des Schulbetriebs, schwache Stellung der Schulreformer, Entnazifizierung nur auf höchster Stufe, Umstellung der Deutschlandpolitik auf Ost-West-Konflikt und daher Ablehnung der sozialistischen Einheitsschule Verhinderung von Reformansätzen durch konservativen Block Wiederherstellung des dreigliedrigen Schulsystems mit Düsseldorfer Abkommen 1955 In 1950er Jahren bildungspolitische Stagnation ohne Schulreformerische Initiativen, aber Einzelmaßnahmen im Inneren Ausbau der Schulen: Veränderungen der Aufnahmeverfahren durch Elternwunsch/ Grundschulempfehlung, Ausbau der Volksoberstufe zur Hauptschule
  • 4 Gründe für das Scheitern der Reformansätze Gründe für das Scheitern der Reformansätze Rasche Herstellung des geordneten Schulbetriebs Schwache Stellung der Schulreformer Entnazifizierung nur auf höchster Stufe wirksam Umstellung von Entnazifizierung auf Ost- West-Konflikt führte zur Stärkung privatkapitalistischer Bestrebungen starker konservativer Block gegen Entkonfessionalisierung
  • 4 Wiedereröffnung der Bildungsreformdiskussion 1960er Jahre Wiedereröffnung der Bildungsreformdiskussion 1960er Jahre ...Auslöser und Wendepunkt war der Rahmenplan zur Umgestaltung und Vereinheitlichung des allgemeinbildenden Schulwesens (1959) vom Deutschen Ausschuss für das Erziehungs- und Bildungswesen ...keine radikale Änderungen (Bestätigung der Dreigliedrigkeit) aber Thematisierung vorhandener Entwicklungstendenzen wie steigende Überganzzahlen, Problem der Auslese, Auspowerung der Volkschule ...Pflicht sei soziale Gerechtigkeit und Ausnutzen von Bildungsreserven Folgen: Aufwertung der Volksschuloberstufe zur Hauptschule mit 9./10. Schuljahr Einführung einer zweijährigen Förderstufe nach der Grundschule Vorschlag zur Differenzierung der höheren Schule in humanistisches (9 Jahre) und naturwissenschaftliches (7 Jahre + 2 Jahre Förderstufe) Gymnasium Bildungsexpansion:Annahme von Bildungsreserven, Möglichkeit einer gerechten Auslese, demographische Entwicklung trugen dazu bei, dass immer mehr Schüler immer höhere Bildungsgänge absolvierten.
  • 4 Schulreform und Widerstände 1965-1980 Schulreform und Widerstände 1965-1980 ...verstärkte Bildungspolitische Aktivitäten ab Mitte der 1960er Jahre > vermutete ökonomische Defizite, spektakuläre technologische Durchbrüche, Fehlsbestand von 50.000 Lehrern Stichwort: Deutsche Bildungskatastrophe, Herausarbeitung von 4 Diskriminierungsdimensionen (Mädchen, ländliche Gebiete, Katholiken, Arbeiterkinder) ...Konsequenzen für die Bildungsverwaltung waren: Erhöhung der Abiturientenzahlen Verstärkung der Bildungsaktivitäten Forderungen: Bildung als Bürgerecht ohne Strukturänderung (Ralf Dahrendorf) materielle Chancengleichheit und Strukturänderung (Sozialdemokraten) ...Sozialdemokraten, GEW und DGB forderten den Abbau langfristiger sozialer Ungleichheiten durch neue Schulform der integrierten Gesamtschule ...Strukturplan für das Bildungswesen vom Deutschen Bildungrat enthielt die Befürwortung von Schulversuchen mit Gesamtschulen, aber als Schulstruktur: Stufensystem mit Differenzierung ab Sek ...Für Bildungsrat erreicht man die größtmögliche Chancengleichheit durch: Die Auflösung fester Bildungsgänge zugunsten differenzierter Lerneinheiten (schulorganisatorisch) Wissenschaftsorientierung für alle Schüler (didaktisch-curricular) Orientierung an Förderung des Lernens (unterrichtsmethodisch) Grundproblem dieses Entwurfs war die Spannung zwischen Förderung und Selektion
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  • 4 Bilanz der Schulreform in der BRD Insgesamt geringe Fortschritte der Schulreform Beseitigung der schulischen Benachteiligung von Mädchen Beseitigung konfessioneller Unterschiede Regionale Unterschiede blieben bestehen Schicht-und klassenspezifische Unterschiede blieben bestehen
  • 4 Folgeprobleme der Bildungsexpansion Folgeprobleme der Bildungsexpansion Einseitige Ausrichtung der Bildungsexpansion an höheren Abschlüssen des allgemeinbildenden Schulwesens. Mit steigender Nachfrage Anhebung der Qualifikationsvoraussetzungen > Meritokritischer Teufelskreis Entwertung des Hauptschulabschlusses Verschärfung von Übergangsproblemen an Hochschulen und Abwertung des Abitur Hochschulabsolventen in Berufe unterhalb traditioneller Karrieren
  • 5 Bildungsexpansion in der niederen Bildung Bildungsexpansion in der niederen Bildung In der BRD durch: Durchsetzung der Unterrichts- und Schulpflicht Verlängerung der Pflichtschulzeit Einführung des verpflichtenden neunten Schuljahres an Hauptschulen und Angebot eines freiwilligen 10. Hauptschuljahres in einigen Ländern In der DDR zehnjährige Vollzeitschulpflicht (Gesetz über die sozialistische Entwicklung im Schulwesen von 1959)
  • 5 Bildungsexpansion im Bereich der mittleren Bildung Bildungsexpansion im Bereich der mittleren Bildung in der BRDVerlagerung von Schülerströmen zu den mittleren Bildungsgängen der Realschule in der DDRTrennung von niederer und mittlerer Bildung gab es in der DDR nicht
  • 5 Bildungsexpansion im Bereich der höheren Bildung Bildungsexpansion im Bereich der höheren Bildung BRD Expansion der höheren Bildung Ausweitung der Übergangsquoten zum Gymnasium seit den 1950er Jahren Steigende Bildungsbeteiligung und steigende Erfolgsquoten > Verringerung der internen Selektivität des Gymnasiums Ausbau der Gesamtschulen und der Möglichkeiten des Zweiten Bildungswegs DDR Quoten der Abiturienten eines Jahrgangs kontinuierlich zwischen 12-14 %
  • 5 Bildungsexpansion in Deutschland Bildungsexpansion ...bezeichnet gesellschaftlichen Trend das immer mehr immer höhere Abschlüsse im Bildungssystem erwerben. Also sowohl Bildungsbeteiligung als auch Bildungsabschlüsse Ist verbunden mit zunehmender Demokratisierung der Bildungsangebote und Ausbreitung von Schule als Modell institutionalisierter Bildung Bildungsexpansion in Deutschland in zwei Bahnen: nieder + mittlere und höhere Bildung Kennzeichen:  Entmonopolisierung des Gymnasium Entwicklung von Bildungsgang und Abschluss Bildungsexpansion besonders Trend der höheren Bildung Die Deutlichkeit der Bildungsexpansion wird im internationalen Vergleich relativiert Verlierer und Gewinner der Bildungsexpansion Durch die Bildungsexpansion insgesamt bessere Bildungschancen für alle Sozialschichten und Höherqualifizierung der Bevölkerung. Aber: Bildungsungleichheiten nach sozialer Herkunft Verpufften der Bildungsexpansion durch Eigen-und Fremdeliminierung Steigerung der Verweilzeit im Bildungssystem Gewinner haben erfolgreich Bildungsabschlüsse erlangt - Verlierer haben keine oder niedere Bildungsabschlüsse Konfessions- und geschlechtsspezifische Ungleichheiten sind weitgehend abgebaut. Aber: regionale und sozialschichtbezogene Ungleichheiten sind stabil. Zudem neu hinzugekommen ist der Migrationshintergrund als Ursache
  • 5 Bildungsungleichheiten Bildungungleichheiten Vier Bereiche werden in den Blick genommen: Bildungsübergänge > Boudon Innerhalb von Bildungsinstitutionen > Bourdieu Zwischen Bildungsinstitutionen > institutionelle Effekte der Schulform Außerhalb des Bildungssystems > Boudon primäre Herkunftseffekte
  • 5 Bildungsungleichheiten innerhalb von Bildungsinstitutionen Bourdieu Bildungsungleichheiten innerhalb von Bildungsinstitutionen Bourdieu und Passeron Schule ist Ursache für die Reproduktion sozialer Ungleichheiten Diese sind das Ergebnis von Wechselwirkungen zwischen Personenmerkmalen und dem Angebot der Nutzung schulischer Möglichkeiten Es gibt eine sozial selektive Erwartungshaltung-, Belohnungs- und Wertschätzungsstruktur in Bildungsinstitutionen Es kommt zum misfit zwischen sozialem Habitus der Schule und dem kulturellen Habitus der Angehörigen unterer sozialer Schichten Befunde: Stabile Kompetenzunterschiede im Verlauf des Schuljahres Sommerloch-Effekt
  • 5 Bildungsungleichheiten zwischen Bildungsinstitutionen Bildungsungleichheiten zwischen Bildungsinstitutionen Schulen unterscheiden sich... hinsichtlich der inhaltlichen-curricularen Ausrichtung (institutionelle Effekte der Schulform)> Stichwort: Leistungsbezogene Differenzierung zwischen Schulen hinsichtlich der sozialen und kulturellen Hintergrundmerkmale (Kompositionseffekte)> Stichwort: Soziale Differenzierung zwischen Schulen Folge der Struktur des gegliederten Schulsystems ist die Entstehung unterschiedlicher Lern- und Entwicklungsmilleus, die den Kompetenzerwerb beeinflussen Befunde: Homogene Entwicklungsmileus im Sekundarbereich Unterschiedliche Entwicklungsmileus einerseits durch Schulform oder andererseits durch Einzelschule
  • 5 Bildungsungleichheiten außerhalb des Bildungssystems Bildungsungleichheiten außerhalb des Bildungssystems Unterschiedliche Eingangsvorraussetzungen > Nach Boudon z.B. die unterschiedlichen primären Herkunftseffekte (z.B. kognitive Fähigkeiten) Unterschiedliche Entwicklungsmileus auch außerhalb der Schule  Befunde:  Sommerlocheffekt Der Wechsel von homogenen institutionellen Lernangelegenheiten und unterschiedlichen außerschulischen Anregungsmilleus bewirkt über die Jahre sozial bestimmte Leistungsunterschiede
  • 5 Erklärungen für Bildungsungleichheit Erklärungen für Bildungsungleichheit Raymond Boudon Bildungsungleichheit durch Entscheidungen Ausgangspunkt ist Handeln der Familien mit dem Ziel des Erhalts oder der Verbesserung des sozialen Status Zwei Ursachenkomplexe: primäre (in Familie erzeugte Fähigkeiten) und sekundäre  (elterliche Bildungsentscheidungen) Herkunftseffekte Bildungsentscheidungen durch rational-choice Ansatz  Sekundäre Effekte als bedeutsamer eingeschätzt Daraus folgt doppelte Diskreditierung der Eltern Piere Bourdieu> Bildungsungleichheiten durch Habitus Konträr zum rational-choice-Ansatz Erklärung über unbewußte Handlungsmuster Ausgangspunkt ist der Habitus Habitus führt zu spezifischer Deutung der sozialen Welt und entsprechenden Handlungen Entsprechend auch Bildungsentscheidungen Aufgrund der verschiedenen Positionen und knapper Ressourcen Kämpfe oder symbolische Kämpfe Symbolische Kämpfe auch zwischen Institutionen des Bildungssystems Schulen sind für Bourdieu an der Herstellung und Reproduktion sozialer Ungleichheiten beteiligt Soziale Ungleichheiten sind Zusammenspiel sozialer Schichten und des Bildungssystems These der kulturellen Passung: Schulbildung an Elitekultur ausgerichtet > 3 Typen kultureller Passung 
  • 6 Fazit - Schule nach der Wiedervereinigung Fazit - Schule nach der Wiedervereinigung ...Stark gegliedertes, sozial selektives Schulwesen. Im OECD Vergleich mit durchschnittlicher Leistungsfähigkeit ...Schule umkämpft zwischen Gestaltung und Wirkung ungeplanter Nebenfolgen ...trotz einiger Dynamik stabile Merkmale: Konstanz der Trennung zwischen höherer und niederer Bildung durch Unantastbarkeit des Gymnasium, Verkopplung mit Berechtigungswesen und Trennung der Lehrerbildung ...Kulturhoheit der Bundesländer mit KMK zur ständigen Abstimmung
  • 6 Schule nach der Wiedervereinigung - Transformation des Schulwesens in Ostdeutschland Schule nach der Wiedervereinigung ...Durch den Einigungsvertrag Anpassung an bestehende Schulstruktur der BRD Transformation des Schulwesens in Ostdeutschland Ablösung eines stärker an Einheitlichkeit orientierten Schulsystems durch stärker äußerlich differenzierendes und segregierendes Schulsystem Grundlegende rechtliche Änderungen, z.B. Stärkung des Elternrechts, neue Partizipationsgremien Durch Stärkung des Elternrechts Bildungsexplosion Veränderung der sozialräumlichen Einbettung, der Schulen, Größe der Schulklassen Ideologische Veränderungen (z.B. Neue Fächer: Sozialkunde) Änderungen der Curricula, der Fächerstruktur und Inhalte Aufhebung der Verzahnung von Schule und Parteiorganisationen Verunsicherung bei Lehrern
  • 6 Schule nach der Wiedervereinigung - Struktur und allgemeine Merkmale Allgemeine Merkmale der Schule nach der Wiedervereinigung Gemeinsames deutsches Bildungssystem mit Variationen in den einzelnen Bundesländern Allgemeine Schulpflicht (umfasst 12 Jahre) Gemeinsame Grundschule von 4 Jahren Förderschulen für verschiedene Förderschwerpunkte Weiterführende Schulen der Sekundarstufe 1 und 2 Schulformen: Hauptschule, Realschule, Gymnasium als klassische Schulformen nach dem Hamburger Abkommen von 1964, außerdem Gesamtschulen und teilintegrierte Schulformen des Haupt- und Realschulbildungsgangs
  • 6 Schulparcours von der Einschulung bis zum Schulabschluss Schulparcours von der Einschulung bis zum Schulabschluss Einschulung: In der Regel mit vollendetem sechsten Lebensjahr (Stichtag 30.06), Möglichkeit der Flexiblen Einschulung (Zurückstellung/vorzeitige Einschulung) Überweisung an Förderschule: Feststellung des sonderpädagogischen Förderbedarfs, zunehmende Integration in allgemeinbildenden Schulen, Anteil steigt seit UN Behindertenrechtskonvention von 2008 Übergang an weiterführende Schulen: Je nach Bundesland unterschiedliches Verhältnis zwischen Schullaufbahnempfehlung und Elternwunsch - in einigen Bundesländern gibt es Probeunterricht und Aufnahmeprüfungen, starke Abhängigkeit der von der sozialen Herkunft emprisch belegt, große Überlappungen Klassenwiederholungen: v.a. deutsches Phänomen, Annahme das mit der Klassenwiederholung auch eine Leistungsverbesserung verbunden ist Durchlässigkeit (Auf- und Abstiegsmodalitäten): Nach dem Schulgesetz Zwang der frühen Anschlussentscheidung mit Korrekturmöglichkeiten verbunden, mehr als 4/5 Abstiege (Durchlässigkeit nach unten) Schulabschlüsse: Abschlüsse gelten als Eintrittskarten in anschließende Bildung (Berechtigungswesen), enorme Schwankungen zwischen den Bundesländern Soziale Kopplung und Entkopplung: Hohes Risiko für Irrwege und Sackkassen, Durchlässigkeit hält nicht was es verspricht, Entkopplung von Schulabschlüssen und Schulformen, Prozess der strukturellen Zerfaserung, Entgrenzung und Monopolisierung der einzelnen Schulformen, Unterschiede bei Kompetenz und Leistungsentwicklung
  • 6 Aktuelle Reformen im Bildungssystem Aktuelle Reformen im Bildungssystem Gestaltung des Schulanfangs: Flexibilisierung des Einschulungsalters, Neugestaltung des Schulanfangs durch Schuleingangsphase mit Verzicht auf Zurückstellungen Teilintegration und neue Zweigliedrigkeit: Tendenz zur Zweigliedrigkeit des allgemeinbildenden Schulsystems als Reaktion auf das Sterben der Hauptschule und demographischen Wandel Reform des Gymnasium: Verkürzung der gymnasialen Schulzeit auf 12. Schuljahre (G8), Folge ist Erschwerung der Durchlässigkeit nach oben Standardisierung durch zentrale Abschlussprüfungen: Ziel ist die Erhöhung der Vergleichbarkeit Ganztagsschule: Ausweitung in allen Schulstufen und Schulformen, Führt zu einer besseren Vereinbarkeit von Schule und Familie, Soll bestehende Ungleichheiten abbauen Selbstständigkeit der Schule: Ziel der Qualitätsverbesserung
  • 7 Fazit - Schulreform, Schulentwicklung und Neue Steuerung Fazit - Schulreform, Schulentwicklung und Neue Steuerung ...Schulgeschichte und Schulgestaltung hängen eng zusammen ...Schule ist immer ein Ergebnis von Steuerungsversuchen, nicht beabsichtigten Nebeneffekten und gesellschaftlichen Prozessen ...Schulgestaltung ist keine Geschichte ohne Brüche, sondern mit Konflikten behaftet ...Steuerungsstrategien wandeln sich dabei > Von der zentralistischen Außensteuerung, über Gestaltungsautonomie zur Verklammerung von Autonomieverpflichtung und Außensteuerung ...NEUE STEUERUNG als Qualitätskreislauf von Bildungsstandards, Kompetenzmessung und Rechenschaft ...daraus resultieren neue Anforderungen an Lehrerhandeln und Lehrerprofessionalität
  • 7 Schulgeschichte und Schulgestaltung Schulgeschichte und Schulgestaltung ...die Geschichte der Schule ist in weiten Teilen Geschichte der Schulgestaltung; z.B. per Gesetz und Verordnung (General Edict 1717 zur Durchsetzung der Schulpflicht; 1.-3. Abiturreglement von 1788 - 1834  Neuordnung des höheren Schulwesens, der Abschlussprüfungen, des Berechtigungswesens) ...Schulgeschichte ist vor allem Geschichte der Versuche der Schulgestaltung und nicht automatisch Gestaltung der Schule (Siehe tatsächliche Umsetzung der Schulpflicht in Preußen zu Beginn des 19. Jh.) ...Es unterscheiden sich 3. Bereiche der Gestaltungsversuche: Qualifizierungsaufgabe (Anpassung der Unterrichtsinhalte/Fächerstruktur) Selektionsaufgabe (Berechtigungswesen) Legitimationsaufgabe (Durchsetzung der Bestätigung der Herrschaftsform) ...Insgesamt sieht man für alle 3. Bereiche Versuche der Gestaltung und politischen Einflussnahme, gegenläufige Gestaltungsversuche, Konflikte, Abhängigkeit von günstigen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, starke Momente der Trägheit (Sonderstellung des Gymnasium) ...Ist durch drei Momente charakterisiert: Schulgestaltung Trägheit Transformation ...Unterscheidung von Steuerung/Gestaltung und Schulentwicklung (bewusste, absichtsvolle Versuche der Veränderung) Wandel/Transformation (nicht beabsichtigte Veränderungen). Veränderung im Bildungssystem sind meist Kombination aus Beiden
  • 7 Formen der Schulgestaltung und Wandel der Steuerungsstrategien Formen der Schulgestaltung und Wandel der Steuerungsstrategien Beginn des 19. Jh > bewußte Einflussnahme durch Versuche der Außensteuerung durch Monarchie und Kultusbürokratie. Kritik an bestehenden Verhältnissen der Schule, da Schule nicht so war, wie herrschaftlich gewünscht Wende 19./20. Jh. > Kritik an einseitiger Ausrichtung des schulischen Lernens an kognitiven Leistungen und repetitivem Wissen (Paukerschulen).> Forderung der Reformpädagogik nach Berücksichtigung der Perspektive des Kindes/Jugendlichen mit dem Ziel der Schaffung einer Alternative zur bestehenden Schule (nicht umfassende Veränderung) 1970 Jahre > Bildungsreformära
  • 7 Formen der Schulgestaltung und Wandel der Steuerungsstrategien - Zentralistische Steuerungversuche Formen der Schulgestaltung und Wandel der Steuerungsstrategien - Zentralistische Steuerungversuche kaiserreich 1. Mai 1889 Allerhöchste Ordre> Versuch die Gesinnungstreue und Loyalit des Schulwesens per Verordnung durchzusetzen Weimarer Republik Fehlen zentralistischer Steuerung aufgrund von parlamentarischer Kompromissbildung Nationalsozialismus 1941 Führerbefehl> Abschaffung der Hochschulen für Lehrerbildung und Schaffung der Lehrerbildungsanstalten BRD 1945 Potsdamer Abkommen> Forderung eines demokratischen Bildungswesens (allerdings nur Rahmen und nicht Konzept der Schulentwicklung) DDR 1946 Gesetz zur Demikratisierung der deutschen Schule> Einführung der 8-jährigen Grundschule ...Allgemein werden zentralistische Steuerungsversuche von der Kulturhoheit der Länder im Föderlismus gebrochen.