Klinische Psychologie (Fach) / Satz 2 Zwangsstörungen (Lektion)

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Symptomatik, Erklärungsversuche und PT-Verfahren

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  • Zwangsstörung - Symptomatik Welche zwei Arten der Zwangsstörungen lassen sich grob einteilen und wessen Inhalt haben sie? 1. Zwangsgedanken: Kontamination, Aggression 2. Zwangshandlungen: Waschen/Reinigen, Kontrollieren
  • Zwangsstörungen - Symptomatik Grenze die Symptomatik der Zwangsstörung zu der von Phobien ab. Zwänge vs. Phobie: Stereotype, wiederholte Gedanken und Handlungen vs. dauernde Sorgen um ein zentrales Thema Stimuli: Schmutz, Berührung, Verletzung, etc. als mögliche Quellen der Beunruhigung vs. spezielle Situationen verursachen Angst und Panik (z.B. Hunde) Emotion: anxiety/dicomfort, Unruhe, Ärger, Ekel vs. Angst und Panik Angst und Unruhe z.T. stimulusunspezifisch, Stimuli allgemeiner Art werden vermieden, zukunftbezogen vs. Angstsituation weitgehend bennenbar und konkret Angst vor möglichen, in Zukunft liegenden Konsequenzen vs. Angst vor Kontakt mit speziellen auslösenden Situationen unkonkrete, aber elaborierte Ideen, was als Folge passiert sein könnte (Schuld: z.B. Idee über Verteilung von Bakterien) vs. einigermaßen klare Vorstellung über Notwendigkeit der Vermeidung (was könnte passieren? Sterben, Ohnmacht?)
  • Zwangsstörungen - Symptomatik Grenze die Zwangsstörung von der Angststörung ab. + auf Ebene der Phänomenologie, der Neuropsychologie und der Verhaltens-Neurobiologie Zwang vs. Angst: Phänomenologie: repititive Vermeidung vs. einmalige Vermeidung Induktion von Erregung vs. Reduktion von Erregung Angsterleben oft fehlend vs. Angsterleben obligat Signalreize aktiv aufgesucht vs. Signalreize gemieden Aktivierung weniger Verhaltensschablonen vs. Aktivierung zahlreicher Vermeidungsstrategien Neuropsychologie/Neurobiologie: "frontalhirn"-bezogene Topik vs. keine spezifische Topik Störung der Verarbeitung komplexer Informationen vs. selektive Aufmerksamkeit auf Furchtsignale Modell orbitfrontaler Disinhibition vs. kein entsprechendes Modell Verhaltensneurobiologie mehr neuronale Disinhibition vs. gesteigertes Angsterleben mehr Selbstgenerierung bedrohungsass. Hinweisreize vs. mehr Vermeidung spezifischer Furchstimuli weniger Impulskontrolle vs. mehr Angstausdruck und -verhalten mehr Stereotypisierung vs. weniger soziale Kompetenz mehr Verhaltens-Hemm-System vs. mehr Verhaltens-Hemm-System mehr Evaluationsverhalten zur Lösung der behavioralen Inhibition vs. mehr Vermeidung und Flucht zur Lösung der behavioralen Inhibition --> Induktion von Circulus vitiosus-Effekten vs. kein circulus vitiosus-Effekt
  • Zwangsstörungen - Erklärungsmodell Nenne wichtige Elemente zur Erklärung von Zwängen (insb. Zwangsgedanken) und wie sie miteinander verkettet sind. "Normale" menschliche Denkprozesse/ Generiern von Ideen und Gedanken --> als "unwichtig" erachtet? --> unter bestimmten Umständen/ Interaktion mit externen Ereignissen werden Gedanken zu  aufdringlichen Gedanken (und der Bewertung als wichtig) trotz Ablehnung/Kritik des Gedankens: weitere Beschäftigung/ Verantwortung (+ Zusammenhang mit current concerns) Neutralisieren/Abwehr, Ablehnung (gedanklich, verhältnismäßig) Kontrolle/Abwehr gelingt nicht, Hilflosigkeit, niedergedrückte Stimmung/Unsicherheit Gedanke ist wichtig, weil unerledigt Emotionale Erregung, Anspannung, Unruhe, etc. wieder zu 1. Aufdringlicher Gedanken und Kreislauf von vorne
  • Zwangsstörungen - Hirnregionen Welches sind die Top 3 der auffälligen Hirnregionen bei Zwangsstörungen und welches sind ihre Funktionen (allgemein)? Orbifrontaler Kortex: Entscheidungsfindung unter Belohnung/Bestrafung, Wertigkeit von Handlungsalternativen, Antizipation von Bewertung und Handlungskonsequenzen anteriores Cingulum (+DLPFC): Konflikt- und Fehlerdetektion, Fehlerprädikation und Monitoring, Handlungsunterdrückung, allgemeine Entscheidungsfunktionen Ventrales Striatum, Nucleus accumbens und Nucleus caudatus: Ausbildung/Aufrechterhaltung von Verhaltensstereotypen, Wahrnehmung neuer, unerwarteter Reize, Relevanz sensorischer Infos, belohnungsbasiertes Lernen, implizites Lernen, Akquisition von Regeln
  • Zwangsstörungen - Hirnregionen Welche Hirnregionen sind auffällig beim 1. Waschen, 2. Kontrollieren, 3. Horten? Orbitofrontaler Kortex, Amygdala Gyrus cinguli, dorsaler Präfrontalkortex, Parietalkortex Orbitofrontaler Kortex, (prä)motorischer Kortex Außerdem beteiligt Basalganglien, Thamalus
  • Zwangsstörungen - Erklärungsmodell Wie erklärt man sich die Genese von Zwangsstörungen? Welche Faktoren spielen eine Rolle und welche langfristigen Folgen hat die? hierarchisches Modell: Genetisch Faktoren, elterlicher Erziehungsstil, kritische Lebensereignisse und dysfunktionale Kognitionen beeinflussden die individuelle Prädisposition Stress, soziale Defizite, maladaptive Bewältigungsstrategien Verknüpfung von Gefühlen der Bedrohung mit ursprünglich neutralen Reizen Teufelskreis: Aversive Gefühle (z.B. Beklemmung, Unruhe, Nervosität, Ekel, Angst bis hin zur Panik) und Überbewertung aufdringlicher Gedanken (Katastrophisierende) beeinflussen sich gegenseitig. --> Lernprozess: Vermeidungs-/Zwangsverhalten reduziert bzw. verhindert kurzfristig unangenehme Gefühle --> positive Rückkopplung: Aufrechterhaltung und Verstärkung der Bewertungen und Gefühle bezüglich relevanter Reize langfristig: Etablierung von Zwangsgedanken Reiz-Reaktions-Generalisierung Entstehung eines Zwangsnetzwerks neurophysiologische Veränderungen Funktionalität der Zwangssymptomatik
  • Zwangsstörungen - Therapie Was soll mit der Psychopharmakatherapie bei Zwangsstörungen erreicht werden? Durchbrechen des Teufelskreis Hilfe bei (schwerer zugänglichen) Zwangsgedanken Hilfe bei Neulernen und Speicherung neuer Erfahrungen entsprechende neurobiologischen Effekte sollten nachweisbar sein und mit Outcome korrelieren
  • Zwangsstörungen - Therapie Welche Phasen gibt es in der kognitiven Verhaltenstherapie bei Zwangsstörungen und welches sind ihre Inhalte? Vorbereitungsphase (1.-5. Stunde): Aufbau der therapeutischen Beziehung, Ziel- und Motivationsanalyse, Verhaltensanalyse, kognitive Vorbereitung der Expositionstherapie Expositionsphase (6.-13.Stunde): Expositionsübungen mit Reaktionsmanagement Kognitive Umstrukturierung (14.-17. Stunde): Selbstmanagement, Bearbeitung dysfunktionaler Annahmen Bearbeitung aufrechterhaltender Bedingungen (18.-22.Stunde) Beendigung der Therapie (23.-24.Stunde)
  • Zwangsstörungen - Aufrechterhaltung der Zwangssymptomatik Welche Faktoren begünstigen die Aufrechterhaltung der Zwangssymptomatik? Stimulus-Reaktion-Konsequenz? Stimulus direkte: Schmutz, Infektionsangst, Asymmetrie indirekte: Unsicherheit, Konfliktsituation, Anforderungen Reaktion: emotional: Angst, Anspannung physiologisch; Tachykardie (Herz-Rhythmus-Störung), Schwitzen kognitiv: "Wenn ich mich jetzt nicht wasche, bekomme ich Aids" motorisch: Waschritual, Kontrollritual Konsequenz: kurfristig: Spannungsreduktion, Bindung von Bezugspersonen, Vermeidung von Konflikten langfristig: Aufrechterhaltung der Zwänge, Zunahme familiärer Konflikte, sekundäre Depression
  • Zwangsstörungen - Situationshierarchie "Zwänge" Nenne einige Beispiele aus einer Situationshierarchie eines Patienten mit Putzzwangs. 100 = Schmutz auf Boden, Socken, jemand betritt die Wohnung mit Schuhen 90 = Essen oder Kaffeetrinken im Wohnzimmer 80 = Orangen essen (Spritzer) 70 = überraschender Besuch ... 0 = Geduscht mit frischen Haus- oder Schlafanzügen und sauberen Hausschuhen oder Socken fernsehen / alle Arbeiten sind getan
  • Zwangsstörungen - dysfunktionale Grundannahmen Welche dysfuntkionalen Grundannahmen gibt es? (6) übersteigerte Wahrnehmung eigener Verantwortung Überschätzung von Gefahr Überbewertung der eigenen Gedanken Notwendigkeit von Gedankenkontrolle hohe Unsicherheitsintoleranz Perfektionismus
  • Zwangsstörungen - dysfunktionale Grundannahmen Wie definiert sich die dysfuntkionale Grundannahme "Übersteigerte Wahrnehmung eigener Verantwortung? meist im Bezug auf das Wohergehen anderer Furcht, sich durch eigene Fehler oder Unterlassungen schuldig machen zu können
  • Zwangsstörungen - dysfunktionale Grundannahmen Wie definiert sich die dysfuntkionale Grundannahme "Überschätzung von Gefahr"? subjektiv sehr hohe Wahrscheinlichkeit, dass befürchtete Ereignisse eintreten, bzw. das eigene Handeln negative Konsequenzen hat
  • Zwangsstörungen - dysfunktionale Grundannahmen Wie definiert sich die dysfuntkionale Grundannahme "Überbewertung der eigenen Gedanken"? bloße Präsenz eines Gedankens impliziert dessen Wichtigkeit und verrät die wahre Natur des Denkenden häufig Gedanken-Handlungs-Konfusion
  • Zwangsstörungen - dysfunktionale Grundannahmen Wie definiert sich die dysfuntkionale Grundannahme "Notwendigkeit von Gedankenkontrolle"? Annahme, das die absolute Kontrolle über das eigene Gedankengeschehen unerlässlich ist und Gedanken prinzipiell unterdrückt bzw. vermieden werden können
  • Zwangsstörungen - dysfunktionale Grundannahmen Wie definiert sich die dysfunktionale Grundannahme "Hohe Unsicherheitsintoleranz"? Annahme, dass nur eine hundertprozentige Sicherheit vor Schaden schützt resultierend starkes Sicherheitsbedürfnis
  • Zwangsstörungen - dysfunktionale Grundannahmen Wie definiert sich die dysfuntkionale Grundannahme "Perfektionismus"? Annahme bzw. Anspruch, selbst in alltäglichen Belangen Perfektion erreichen zu können und zu müssen
  • Zwangsstörungen - Therapie Welches sind die vier Schritte und deren Inhalte der Therapie nach J. Schwartz? Neu benennen: Identifikation von Zwangsgedanken, Zwangsgedanken als Störung anerkennen/benennen, Attribution Neu zuordnen: psychologisches Erklärungsmodell, "Ich kann die Gedanken nicht abstellen, aber meine Reaktion verändern" (Brain versus Mind) Neu einstellen: Verhaltensmodifikation, emotionale Neubewertung (Gedanken nicht gleich Handlung), Expositionsübungen Neu bewerten: Zwangsgedanken = "falsche Botschaften des Gehirns", Bearbeitung aufrechterhaltender Problembereiche (Funktionalität)
  • Zwangsstörungen - Therpie Welches sind mögliche Schritte beim Expositionstraining bei Zwangsgedanken? Vermittlung des Expositionstrainings mit Reaktionsverhinderung willkürliches Hervorrufen von Zwangsgedanken (Imagination) wiederholtes Aufschreiben der Zwangsgedanken Abhören eines Endlosbands, das Patient selbst mit Gedanken besprochen hat
  • Zwangsstörungen - Therapie Differentielle Betrachtung des klinischen Syndroms und damit verbundene Differential-Therapie- welche Formen/Möglichkeiten werden angewandt? Zwangshandlungen: multimodale Verhaltenstherapie Zwangsgedanken > Zwangshandlungen: multimodale VT + SSRI Zwangsstörung + Depression: SSRI + mm VT Zwangststörung + Tic/Tourette-Störung: Neuroleptika + mm VT, SSRI
  • Zwangsstörungen - Neurobiologische Veränderungen unter PT erinnere: beeinträchtige Gehirnareale: Striatum, orbitofrontaler Kortex, anteriores Cingulum, letzteren beiden verändern sich Welche Veränderungen stellt man fest bei der PT? PT: neurobiologische Effekte im ZNS: verringerte neuronale Aktivität in der fronto-striato-thalamischen Regelschleife verringerte Glutamat im ACC/ korreliert mit Abnahme der Zwangssymptomatik, nicht bei Abnahme depressiver Symptomatik Glutamatkonzentration im OFC hat prädiktiven Wert für Behandlungserfolg
  • Zwangsstörungen - Neurobiologische Veränderungen unter PT Modell der fronto-striato-thalamischen Regelschleife: Welches sind Responder auf KVT? Siehe letzte Seite Folien Klausur 2: OFC, dorsolateraler präfrontaler Kortex (+) Striatum (+) GP ext. und int. ? Thalamus (-) N. Subthalamicus