Urologie (Fach) / Leitsymptome und Befunde (Lektion)
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Veränderungen des Harns und der Harnkonzentration; Proteinurie; Bakteriurie u.a.
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- Veränderungen der Harnkonzentration Hyposthenurie = Ausscheidung von dünnem, schwach konzentriertem Urin bei Funktionsstörungen der Niere Isosthenurie = ständig gleichbleibendes spezif. Gewicht sowohl beim Dursten als auch bei ↑Flüssigkeitszufuhr → mangelnde Konzentrationsfähigkeit der Niere bei Niereninsuffizienz
- Proteinurie Norm: 20 - 120 mg/Tag < 300 mg/ Tag - Albumin - Diabetes mellitus; Hypertonie 300 mg bis 1,5 g/ Tag - kleinmolekulare Proteine - Tubulopathien 1,5 bis 3,5 g/ Tag - klein- und großmolekulare Proteine - chronische Glomerulopathien; Transplantatniere > 3,5 g/ Tag - großmolekulare Proteine - nephrotisches Syndrom Isolierte Proteinurie (ohne Erys und Leukos) kann Permeabilitätsstörung der Glomeruli anzeigen!!!
- Leukozyturie > 5000 Leukos/ ml Urin = Harnwegsentzündung
- Pyurie und Differentialdiagnose sterile Pyurie = Eiterbeimengungen zum Harn → eitrige Entzündung im Bereich des Urogenitaltraktes sterile Pyurie (= ohne Bakteriennachweis) → Urogenital-Tbc; schwer kultivierbare Erreger (Chlamydien, Ureaplasmen); antibiotisch behandelte HWI; Steinleiden
- Bakteriurie cave: Methode der Uringewinnung mehr als 10 Bakterien/ ml Urin (> 105) Bakterienzahl zwischen 10 – 105/ ml Urin → Verunreinigung des Harns aus physiolog. Bakterienflora des äußeren Genitales bzw. der Urethra - Methode der Uringewinnung berücksichtigen! ▪ Punktionsurin → pos. Kultur bestätigt HWI ▪ Katheterurin → Keimzahl > 104 = HWI ▪ Mittelstrahlurin → Keimzahl zwischen 103 – 105/ ml abhängig vom spezif. Gewicht: 1002 = patholog.; 1025 = Verunreinigung
- Pneumaturie = Luftbeimengungen im Urin → HWI mit gasbildenden Bakterien; Blasen - Darm - Fistel
- Hämaturie = vermehrte Beimengung von Erythrozyten im Harn (Norm: 3000 Erys/ml)
- Mikrohämaturie = Beimengung von Erythrozyten nur mikroskopisch sichtbar
- Makrohämaturie = Blutung mit bloßem Auge sichtbar Initiale Makrohämaturie: Blutung im Bereich der Harnröhre Terminale Makrohämaturie: Blutung am Blasenausgang Totale Makrohämaturie: Blutung im mittleren oder oberen Harntrakt
- Ursachen einer Hämaturie maligne: Karzinome der Niere, des Nierenbeckens, der Harnleiter; der Harnblase; der Prostata und der Urethra benigne: Nephritiden; Nierenruptur; Nierenbeckenstein; Niereninfarkt; Nieren-Tbc; Nierenvenenthrombose; Ureterstein; hämorrhagische Zystitis; Harnblasenstein; Harnblasenruptur; Fremdkörper; Überdosierung; Prostatitis; Prostatahyperplasie; Prostata-Tbc; Urethrastriktur; hämorrhagische Urethritis
- Hämoglobinurie - hellroter bis fleischwasserfarbener Harn - keine Erys nur Hämoglobin !!! → durch massive akute Hämolyse (Anämien, Transfusionszwischenfälle, Autoantikörperkrankheiten) cave: akutes Nierenversagen
- Zylinder und Kristalle im Urin - Nachweis in Urinmikroskopie - weisen auf eine Beteiligung des Nierenparenchyms hin
- Veränderungen der Harnmenge Norm: 1 - 1,5 l/ Tag Polyurie: > 2,5 l/ Tag → Polydipsie, Díabetes mellitus, Diabetes insipidus, nach Diuretikaeinnahme Oligurie: < 500 ml/ Tag Anurie: < 100 ml/ Tag → akutes Nierenversagen, Harnverhalt, Blasenentleerungsstörungen
- Miktionsstörungen - i. d. R. Symptom einer Erkrankung des unteren Harntraktes Dysurie: erschwertes Wasserlassen Algurie: schmerzhaftes Wasserlassen → Blasenentzündung; Blasenstein Pollakisurie: häufiges Wasserlassen bzw. Zunahme des Harndranges über den Tag ohne Erhöhung der Gesamturinmenge → Blasenentzündung; Prostatahyperplasie; Harnröhrenstenose; Blasentumor Nykturie: häufiges nächtliches Wasserlassen → Herzinsuffizienz; Blasenentleerungsstörung
- Harninkontinenz = unwillkürlicher Harnabgang durch Störung des Sphinktersystems u./o. des Detrusors
- Belastungsinkontinenz: - Definition - Ingelmann-Sandberg und Stamey - Einteilung - Therapie = unwillkürlicher Harnabgang durch Steigerung des intravesikalen Druckes (z. B. beim Hüpfen, Niesen, Pressen, GV) - Verminderung des Urethraldruckes und Erschlaffung der Beckenbodenmuskulatur mit oder ohne Deszensus der Urogenitalorgane - Schweregrade I - beim Hüpfen, Niesen, Pressen, Lachen II - beim Treppensteigen, Gehen, Aufstehen III - beim Liegen - Therapie: Beckenbodengymnastik; operativ (Blasenhalselevation)
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- Dranginkontinenz (Urge-Inkontinenz): Definition und Therapie = unwillkürlicher Harnabgang bei imperativem (nicht unterdrückbarem) Harndrang - durch Detrusorkontraktion oder eine sensible Reizüberflutung (reflektorische Erschlaffung des Beckenbodens) Therapie: nach Klärung der Ursache; ggf. Anticholinergika (Detrusordämpfung durch Parasympatholyse)
- Inkontinenz bei neurogener Detrusorhyperaktivität - Therapie - neurogene Störung mit intaktem spinalem Miktionsreflex bei nachgewiesener neurologischer Erkrankung - Patient hat willkürliche Kontrolle des Miktionsreflexes verloren (äußere taktile Reize können Miktion auslösen) Therapie: abhängig von Ursache; ggf. Anticholinergika (Detrusordämpfung durch Parasympatholyse)
- Inkontinenz bei chronischer Harnretention: Definition und Therapie = Urinverlust durch Überdehnung der Blase bei intaktem Harnröhrenverschlussmechanismus - Blasenentleerungsstörung durch Detrusorhypokontraktilität oder Obstruktion Therapie: Beseitigung der Harnabflussstörung; Tonisierungsversuch der Harnblase
- Extraurethrale Harninkontinenz = Urinabgang unter Umgehung der Harnröhre bzw. des Urethralsphinkters z.B. Blasen-Scheiden-Fistel, extravesikal mündende Harnleiter - kontinuierlicher Harnabgang !!!
- Dilatation der oberen ableitenden Harnwege: - Definition - Ursachen - Pathogenese Definition: Dilatation des Harnleiterabganges > 4mm Ursachen: Blasenentleerungsstörungen (obstruktiv; neurogen); supravesikale Harnabflusstörungen Pathogenese: 1. vermehrte Peristaltik, Muskelhypertrophie 2. Kompensation: nachgeben der Nierenbecken-/ Harnleitermuskulatur → Dilatation ohne Einschränkung der Nierenfunktion 3. Dekompensation: fixierte Ektasie mit fortschreitender Schädigung des Nierenparenchyms (irreversible Hydronephrose)
- Dilatation der oberen ableitenden Harnwege: - Symptomatik - Therapie akute Dilatation = kolikartige Schmerzen chronische Dilatation = asymptomatisch - HWI; Steinbildung; Schmerzen; arterielle Hypertonie (Aktivierung RAAS) Therapie: - infravesikale Obstruktion: transurethraler Katheter; suprapubische Blasenpunktion - supravesikale Obstruktion: Doppel-J-Katheter; Nephrostoma
- Schmerz: - Schmerzformen Perforationsschmerz: plötzliches und heftiges Einsetzen Kolikschmerz: krampfartig, intermittierend; wellenförmiger Verlauf Entzündungsschmerz: dumpf, gleichbleibend oder kontinuierlich zunehmend; Dauerschmerz
- Skrotalschwellung - Schwellung der Skrotalhaut → entzündlich ödematös infolge Lymphabflussstörung - Größenzunahme des Skrotalinhaltes (schmerzlos oder schmerzhaft)
- Schmerzlose Größenzunahme des Skrotalinhaltes Offener Proc. vaginalis beim Kind: Zunahme im Stehen, Abnahme im Liegen; Therapie bei Beschwerden und Persistenz über 1. Lj. hinaus Nicht eingeklemmter Leistenbruch: von Darm ausgefüllter Leistenkanal; Operation Spermatozele: = "Nebenhodenzyste" mit spermahaltiger bzw. seröser Flüssigkeit gefüllt; Operation nur bei Beschwerden Hydrozele: Ansammlung seröser Flüssigkeit in Tunica vaginalis testis oder in nicht verklebten Teil des Processus vaginalis peritonei; angeboren oder idiopathisch; bei Entzündungen, Traumata, HODENTUMOREN Varikozele: = erweitertes Venengeflecht m Skrotum → insuffiziente Klappen der V. testicularis; venöse Stase im Plexus pampiniformis; i.d.R. keine Symptomatik aber häufig subfertil Hodentumor: Knoten im Hoden; operative Entfernung Nebenhodentumor: solide RF Nebenhoden; operative Entfernung Hodentorsion: totale oder partielle Stieldrehung des Hodens
- Schmerzhafte Größenzunahme des Skrotalinhaltes Eingeklemmter Leistenbruch: sofortige OP Hydatidentorsion: Verdrehung eines Anhängsels am Hoden; "blauer Punkt" am Hodenoberpol; OP zur Diagnosesicherung und Linderung der Schmerzen Hodentorsion: Verdrehung des Samenstranges mit Durchblutungsstörung des Hodens; sofortige OP Epididymitis/ Orchitis: Anamnese (Mumps, HWI...); Bettruhe, Hochlagern, Kühlen, Antibiotika
