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Einführung in die Medienpsychologie (Fach) / 1. Sitzung (Lektion)

- Definitionen - Verwandte Disziplinen - Geschichte der Medienpsychologie - Grundlagen der Medienpsychologie - Kognitionspsychologische Grundlagen - Emotionen vs. Stimmungen

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  • Definition: Medien Anspruchslose Standarddefinition Medien speichern und/ oder transportieren über unterschiedliche Kanäle (z.B. Bücher, Telefonleitungen, elektromagnetische Wellen, Glasfasernetze, Tonbänder, DVD's) Mitteilungen und Informationen.
  • Definition Medien Enger Medienbegriff Alle audiovisuellen Mittel und Verfahren zur Verbreitung von Informationen, Bildern, Nachrichten etc. Massenmedien: vorranig Presse und Rundfunk
  • Definition: Medien Weiter Medienbegriff schließt verbale und nonverbale Akte mit ein z.B. Sprache, Körperhaltung, Tanz etc.
  • Medienformen Primärmedien: kommen ohne Technikeinsatz aus Sekundärmedien: Technikeinsatz bei der Produktion Tertiärmedien: Technikeinsatz bei Produktion und Rezeption Quartärmedien: Digitalisierung und Vernetzung -> Internet/ Neue Medien
  • Medienfunktionen Transportfunktion -> Übertragungsmedium (Überwindung räumlicher Distanzen) Speicherfunktion -> Speichermedium ( Überwindung zeitlicher Distanzen)
  • Individual- und Massenkommunikation ein Empfänger vs. mehrere Empfänger zweiseitig vs. einseitig
  • Medien- Begriffserklärung lat. medium - Mitte(lpunkt), Zentrum unterschiedliche Bedeutungen, je nach betrachtender Wissenschaft Kommunikations- und Medienwissenschaft/ Psychologie = Träger von Informationen
  • Medien Definition nach Ohler/ Nieding "Medien sind durch Zeichensysteme binnenorganisierte externe Repräsentationssysteme" Zeichensysteme -> Schrift, Bild, Layout (Beispiel: Zeitung) binnenorganisiert -> mehrere Zeichensysteme können ein Repräsentationssystem organisieren externe Repräsentationsysteme -> materielle Zeichenträger z.B. (bedrucktes) Papier
  • Multimedia Interaktivität, mindestens ein zeitunabhängiges Medium Medien als Kombinationen von externen Repräsentationssystemen
  • Repräsentationen- Begriffserklärung lat. repraesentare: sich vergegenwärtigen; repraesentatio: bildliche Darstellung psychologisches Konstrukt für Aufbau und Funktionsweise psychischer Prozesse (Kognitionswiss.)
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  • Externe Repräsentationen (engl. external cognition/ external representation) Externalisierung von Gedankenbesitz -> Gedächtnisentlastung wahrscheinlich verfügt nur der homo sapiens sapiens über externe Repräsentationen von technologischer Weiterentwicklung beeinflusst /medientechnischer Innovationen Je nach Art des Zeichensystems abstrakt <-> wahrnehmungsnah Randständiger Teilbereich der Kognitionswissenschaft: Untersucht die Funktion externer Repräsentationen im Hinblick auf menschliche Kognition bzw. Zusammenspiel interner und externer Repräsentationen -> erst wenn sich interne Repräsentationen ausreichend entwickelt haben, können externe genutzt/ erstellt werden
  • Interne Repräsentationen Mentale Repräsentationen -> "Bilder im Kopf" Repräsentieren eine (reale) Begebenheit im Gedächtnis Arten interner Repräsentationen unterscheiden sich je nach Gattung (U.U. verfügt nur homo sapiens sapiens über entkoppelte mentale Repräsentationen) Grundlage unseres individuellen Gedächtnisses zwei Typen interner Repräsenationen (abhängig von deren Koppelung)  gekoppelte interne Repräsentation sind wahrnehmungsgebunden  entkoppelte interne Repräsentation sind nicht wahrnehmungsgebunden
  • Primäre oder gekoppelte mentale Repräsentationen beziehen sich auf Entitäten die in der gegenwärtigen Situation präsent sind -> Objekt vorhanden oder auf Entitäten, die durch Eigenschaften der gegenwärtigen Situation ausgelöst werden -> Hinweisreiz vorhanden sind wahrnehmungsgebunden
  • Sekundäre oder entkoppelte mentale Repräsentationen beziehen sich auf Entitäten, die nicht in der gegenwärtigen Situation präsent sind und auch nicht durch Eigenschaften der gegenwärtigen Situation ausgelöst werden nicht wahrnehmungsgebunden sind die Vorraussetzung jeglichen hypothetischen/ kontrafaktischen Denkens und der kritischen Reflexion wahrscheinlich eine differentia specifica des homo sapiens sapiens
  • Medienpsychologie - Ursprung Psychologie: Beschreiben und Erklären der Formen und Gesetzmäßigkeiten menschlichen Verhaltens und Erlebens Suche nach Inneren und äußeren Ursachen (meistens) auf mikroanalytischer Ebene mit Hilfe psychologischer Theorien und Methoden
  • Medienpsychologie - Aufgaben Beschreiben und erklären des Verhaltens von Individuen im Zusammenhang mit der Nutzung von Medien Mediennutzung (Wahl, Wahrnehmung) Medienwirkung (kognitiv, emotional, motivational) Schlüsse ziehen für nutzergerechte Gestaltung von Medien (User Experience/ Usability) Sender: Medienproduktionspsychologie Empfänger: Medienrezeptionspsychologie Mikroebene: Individuum Mesoebene: Kleingruppen Makroebene: Sozialschicht, Nation, Kultur
  • An der Medienwissenschaft beteiligte Disziplinen Medienpsychologie Mediensoziologie Linguistik Medienpädagogik Kommunikationswissenschaft und Publistik Politikwissenschaft Mediengeschichte/ Medientheorie Philosophie (theoretische und praktische) (Mediendidaktik)
  • Psychologische Grundlagen Allgemeine Psychologie I und II Entwicklungspsychologie Sozialpsychologie Persönlichkeitspsychologie Bio-/ Neuropsychologie (Methodenlehre)
  • Psychologische Anwendungsdisziplinen (Medienpsychologie) Pädagogische Psychologie Arbeits- und Organisationspsychologie Umweltpsychologie Verkehrspsychologie Forensische Psychologie Kulturvergleichende Psychologie Relegionspsychologie Klinische Psychologie etc.
  • Geschichte der Medienpsychologie 1.Phase 1.Phase (ca. 1900-1970) Vorläufer der Medienpsychologie kein eigenständiges Fach geringes Forschungs- und Publikationsaufkommen Ziele: vorrangig die Beschreibung der Mediennutzer anhand soziodemografischer Merkmale + evtl. schädigende Wirkung der Medien auf den Nutzer Filmforschung (Marbe 1910, Münsterberg 1916, Flik 1954/ Lewin 1934) Fernsehforschung (Koch 1954) Radioforschung (Cantril & Allport 1935, Herzog 1933, Lazarsfeld & Stanton) -> großer methodischer Fortschritt durch face-to-face Interviews
  • Geschichte der Medienpsychologie 2.Phase 2.Phase (Ende 1970- Ende 1990) Gründungsphase der Medienpsychologie Gründer: Sturm, Groebel, Vitouch, Winterhoff-Spurk Forschungs- und Publikationsboom Institutionalisierung (Fachgruppen, Fachzeitschriften) Emotionspsychologische Forschung (Sturm, Vitouch etc.)
  • Geschichte der Medienpsychologie 3.Phase 3.Phase (ab 2000, aktuelle Phase) Konsolidierung der Schwerpunkte Rezeptionserleben und -verhalten Mensch-Computer-Interaktion Lernen mit neuen Medien Hauptthemen: Social Web, Virtual Environments, Gaming
  • Kognition - Begriffserklärung lat. cognoscere = kennen, erkennen Kognition = geistiger Prozesse ( interne Repräsentationen Große Intelligenzleistungen, wie z.B. Erfindungen oder wissenschaftliche Entdeckungen, beruhen auf elementaren kognitiven Prozessen; aber auch profane Alltagshandlungen wie Medienunterhaltung basieren auf den gleichen kognitiven Prozessen.
  • Kognitive Psychologie - Ziel - kognitiver Apparat Beschreiben und Erklären menschlichen Denkens und Verstehen und der daran beteiligten Funktionsbereiche Ziel: Erfassen des Wesens der menschlichen Intelligenz und ihrer Funktionsweise (Anderson, 2001) Kognitiver Apparat des Menschen: komplexes System, bestehend aus spezialisierten Funktionsbereichen, Vielzahl unterschiedlicher Verarbeitungsprozesse + mentaler Repräsentationen
  • Kognitives System Biologisch oder technisch Mentale Repräsentationen: repräsentiert handlungsrelevante Aspekte der Umwelt sowie Teile des Systems selbst → nutzt frühere Erfahrung des Systems komplexe dynamische Systeme mit spezialisierten Funktionsbereichen (unterschiedliche Verarbeitungsprozesse) Lösungsansatz: Zerlegen einer kognitiven Aufgabe in einzelne Informationsverarbeitungsschritte ( → Kognitivismus) Ähnlich eines Computerfunktionalismus: mind/ brain = software/ hardware Interne Systemvariablen eines kognitiven Systems: Input → wahrnehmen - Erkennen -Enkodieren -Speichern - Denken/ Problemlösen -Erinnern -motorische Steuerung/ Sprache→ Output Komplexe dynamische Systeme mit spezialisierten Funktionsbereichen → interne Zustandsvariabel ändert sich mit der Zeit
  • Kognition - Geschichte Menschliches Denken als Untersuchungsgegenstand seit ca. 130 Jahren 1879 Beginn der Psychologie durch Wilhelm Wundt Introspektion (subjektive Innensicht, nicht wissenschaftlich) Zwei zentrale Paradigmen: Behaviorismus (Stimulus→ black box→ Response) Kognitivismus (Interesse für innere Vorgänge, "glass box") Seit ca. 1970: Trend zur Neurowissenschaft Neuropsychologische Basis (ZNS, Neuronen und deren Interaktion, Aufbau und Organisation des Gehirns) Spiegelneuronen (Gallese & Rizzolatti) →simulieren Situationen Methoden: Bildgebender Verfahren: Ereigniskorrelierte Potentiale (EKP,ERP), Positron-Emissions-Tomographie (PET), Funktionale magnetische Resonanz-Tomographie (fmRl)
  • Medien als externe Repräsentationen Medien basieren auf externen Repräsentationen Kognitives System auf internen Repräsentationen
  • Medienspezifisches Wissen als Rezeptionsvoraussetzung Kenntnis der Kodierkonventionen Kenntnis der Organisationsprinzipien des Medieninhaltes (kognitive Schemata, inhaltsbezogenes Wissen, Vorwissen) Wissen über Realitätsgehalt und kommunikativen Status eines Medieninhaltes (Genre, Realismus, Plausibilität) Voraussetzungen damit die Medien für den Rezipienten verständlich sind Erwartungshaltung wichtig
  • Kognitive Ressourcen komplexität des Medieninhaltes Menge der verfügbaren Verarbeitungsressourcen Anzahl simultaner Zeichensysteme (begrenzt!) → magic number 7 Art und Anzahl der erforderlichen Verarbeitungsprozesse Verfügbare Verarbeitungszeit zeigt sich phsiologisch (eingebauter Mechanismus
  • Situationsmodelle sind analog zur Struktur der der Geschichte zugrundeliegenden Sachverhalte (Johnson-Laird 1983,1989) enthalten die relevanten Situationen, Personen und Ereignisse der Erzählungen und ihre Verknüpfungen (van Dijk & Kintsch, 1983) mentale Strukturierung des Inhalts
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  • Situtuationsmodelle beim narrativen Textverstehen narratives Textverstehen: drei (gleichzeitig ablaufende) interne Repräsentationen textbasiert Oberfläche (Wort) propositionale Struktur (Bedeutung) nicht textbasiert Situationsmodell (Vorstellung des Gelesenen) bei der Medienrezeption werden verschiedene Kognitionen und interne Repräsentationen durchgeführt
  • Der Ansatz mentaler Situationsmodelle Textverstehen ist ein konstruktiver Prozess nicht vorhandene Informationen werden dem Vorwissen entnommen Verknüpfung von Inhalt und Vorwissen
  • Begriffserklärung- Emotion aktueller objektgerichteter, kurzzeitiger, aber intensiver psychischer Zustand mit einer bestimmten Erlebensqualität Problem der Messbarkeit: Befragung. Beobachtung, physiologische Messungen  →oft nicht eindeutig/ zu ungenau Etablierte Basisemotionen: Fröhlichkeit, Wut, Ekel, Furcht, Verachtung, Traurigkeit und Überraschung große Erregungsinensität von kurzer Dauer starke Fokussierung auf die auslösenden Ereignisse Erregungsverlauf: episodische (=vorübergehende) Energetisierung meist Zurdnung Ursache-Wirkung möglich (identifizierbarer Auslöser) Emotionen weisen eine enge Verbindung zur Handlung auf
  • Begriffserklärung- Stimmung (mood) "längerfristig" bestehende psychischer Zustand von geringer Intensität mit fehlender Objektgerichtetheit beeinflussen diffus die Kognitionen und das Verhalten größerer zeitlicher Abstand zwischen Ursache und Wirkung (Ursache kann meist nicht eindeutig identifiziert werden) geringes Erregungsniveau über eine längere Zeitspanne Stimmungen sind durch diffuse Motivation gekennzeichnet affektives Erleben von geriner bis mäßiger Intensität und relativer Dauer
  • Begriffserklärung- Affekt im Deutschen meist Bezeichnung intensiver emotionaler Zustände im Englischen (affect) weitgehend synonym mit Emotionen
  • Begriffserklärung - (emotionale) Disposition nicht aktuell gezeigtes Verhalten/ erlebte Emotion, sondern die Tendenz, bestimmte affektive Reaktionen zu zeigen
  • Emotionstheorien Verhaltenstheorien (z.B. Watson) Emotionen als Verhalten oder Verhaltenstendenzen/ Dispositionen Metalistische Theorien (z.B. James) Emotionen werden gleichgesetzt mit mentalen Zuständen, meist bewusste Zustände Syndromtheorien (z.B. Lazarus) Emotionen als Syndrome aus mentalen Zuständen, Verhaltensweisen und physiologischen Reaktionen→ adäquate Betrachtungsweise Behaviouristische Theorien (z.B. Watson) Emotionen=konditionierte Verhaltensweisen z.B. Little Albert und sein Hase →Angst "ankonditioniert", Relativierung durch Garcia-Effekt Evolutionäre Theorien (z.B. Darwin; Ekman) Untersuchung der phylogenetischen Entstehung von Emotionen Kognitive Theorien (z.B. Meinong; Weiner) Steuerung des emotionalen Verhaltens durch bewusste Beurteilungsprozesse Periphere/ pscho-physiologische Theorien (z.B. James; Schachter) James/ Lange Theorie: Erst wird Verhalten bewusst, dann zugehörige Emotion (Umkehrung der Interpretationsreihenfolge). Zwei-Faktoren-Emotionstheorie (Schachter): Wahrnehmung physiologischer Erregung, Suche nach Ursachen, Benennung der Emotion
  • Excitation Transfer Theory Zillmann,1972 Grundlage: physiologische Erregung ist "valenzfrei" →ist nicht positiv oder negativ → man ist physiologisch erregt oder nicht (ruhig) Emotionen werden schneller kognitiv verarbeit als physiologisch = Resterregung vorhanden, kann auf nachfolgender Emotion übertragen werden → Intensivierung der folgenden Emotion unabhängig von ihrer Valenz  
  • Mood Management Theory Zillmann, 1988 Grundannahmen: Wir setzen uns Stimuli aus, die unsere aktuelle Stimmung beseitigen... ...bzw. unsere aktuelle positive Stimmung aufrechterhalten Hedonismus Auswahl von Medienangeboten anhand verschiedener Kriterien wie Erregungspotential, erwartete Valenz der resultierenden Stimmung oder semantischer Affinität zum Auslöser → Selective Exposure- Ansatz Bei modernen Medien generell hohes Involvementpotential →besonders gut zum Mood Management geeignet