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Entwicklungspsychologie (Fach) / VL 2 (Lektion)
Grundbegriffe
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- Annahmen der traditionellen Entwicklungspsychologie Veränderungen in Richtung eines Endzustandes - wie eine Blume Der Endzustand ist immer höherwertiger als der Ausgangszustand Die Abfolge der Entwicklungsschritte ist irreversibel Die früheren Schritte sind Voraussetzung für die späteren Die Entwicklungsschritte sind universell (kulturunabhängig)
- Entwicklungspsychologie der Lebensspanne moderner Begriff Lebensspanne = Zeit von Geburt bis zum Tod Entwicklung ist ein lebenslanger Prozess, keine Lebensspanne hat Priorität Multidirektionalität: Entwicklungsverläufe können unterschiedliche Richtung nehmen Historische Eingebundenheit: Einfluss soziokultureller Bedingungen innerhalb einer historischen Periode Entwicklung umfasst Gewinne und Verluste
- Wachstum Bezeichnet den quantitativen Aspekt von Entwicklungsprozessen Mengenmäßige Veränderung an Kenntnissen, Fertigkeiten, Gedächtnisinhalten, Gefühlsqualit.ten, Interessen usw. wird betrachtet Nicht nur Zunahme sondern auch alle anderen messbaren Veränderungen werden eingeschlossen (auch Nullwachstum und Abnahme) Wachstumskurven und mathematische Wachstumsfunktionen basierend auf dem Paradigma V = f(A) Auf der Ordinate wird eine Leistungshöhe (V) abgetragen, auf der Abszisse wird das Alter (A) abgetragen
- Reifung Vorgänge, die spontan aufgrund endogen vorprogrammierter, d.h. durch Vererbung determinierter, innengesteuerter Wachstumsimpulse einsetzen und in ihrem weiteren Ablauf vorwiegend von diesen gesteuert werden Exogene Faktoren (z.B. Erfahrung, Lernen, Übung) haben keinen oder nur einen sehr geringen Einfluss auf das Zustandekommen von Veränderungen. Beobachtbare Veränderungen, die universell in einer Altersperiode auftreten und nicht auf Erfahrung, Übung oder Erziehung zurückzuführen sind Beispiel: alle gesunden Kinder können um den 13. Lebensmonat laufen -> universelles Auftreten, Auftreten in einem eng begrenztem Altersbereich, Nachholbarkeit
- Indizes für das Vorliegen von Reifungen Universelles Auftreten Auftreten in einem eng begrenzten Altersbereich Nachholbarkeit Nichtumkehrbarkeit Stimulation und Training bringen keinen Vorteil, erst ab einem bestimmten Zeitpunkt zeigt sich eine Wirkung
- Addition Bereits Existierendem wird Neues hinzugefügt Beispiel: Erweiterung des Wortschatzes
- Substitution Etwas Vorhandenes wird durch etwas Neues ersetzt Beispiel: Wenn das Kind gehen kann, krabbelt es nicht mehr
- Differenzierung fortschreitende Verfeinerung, Erweiterung und Strukturierung der psychischen Funktionen und Verhaltensweisen Besonders gut kann die Differenzierung bei der motorischen Entwicklung beobachtet werden: • Aus den anfänglich unkoordinierten Massenbewegungen des gesamten Körpers werden verschiedenartigere, gezieltere und spezialisiertere Bewegungen einzelner Glieder
- Integration Zusammenfügen vorhandener Fertigkeiten oder Konzepte Entstehung neuer Fertigkeiten/Fähigkeiten/Konzepte Beispiel: Verbindung zunächst einzeln gelernter motorischer Komponenten im Sport
- Prägung einmaliger, irreversibler Vorgang des Erlernens eines Auslöseschemas für bestimmte Instinkthandlungen, der nur während einer kurzen Zeitspanne, einer kritischen oder sensiblen Periode stattfinden kann bestimmte Erfahrungen haben maximal positive oder maximal negative Wirkung - ein gewisser Reifestand muss gegeben sein, damit die Erfahrung auf fruchtbaren Boden fällt
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- Heritabilitätskoeffizient = Anteil an der Gesamtvarianz eines Merkmals, der auf Anlageunterschiede zurückzuführen ist Werden typischer Weise durch Zwillingsstudien erhoben Interessant: sie bleiben im Laufe der Entwicklung nicht stabil: sie sind in der frühen Kindheit relativ gering, nehmen bis zum mittleren Erwachsenenalter stark zu und gehen im hohen Alter wieder etwas zurück
- Genom-Umwelt-Kovarianz Welcher Anteile an Fähigkeits- & Merkmalunterschieden in der Population sind zurückzuführen auf Unterschiede in den Anlagen und welcher auf Unterschiede in der Umwelt? passive Genom-Umwelt-Kovarianz reaktive Genom-Umwelt-Kovarianz aktive Genom-Umwelt-Kovarianz
- aktive Genom-Umwelt-Kovarianz Tendenz, sich eine passende Umwelt zu suchen/schaffen (z.B. Menschen suchen sich ähnlich musikalische Freunde)
- reaktive Genom-Umwelt-Varianz die soziale Umwelt eines Menschen reagiert auf dessen Persönlichkeitsmerkmale (z.B. das musikalische Interesse des Kindes wird erkannt und es besucht entsprechende Förderkurse)
- passive Genom-Umwelt-Varianz Verwandte schaffen eine bestimmte Umwelt für den Menschen (z.B. musikalische Eltern schaffen ihren Kindern eine musikalische häusliche Umgebung)
- Bedeutung von Kontinuität Versuch der Vorhersage von Entwicklungsverläufen - Wie kontinuierlich verläuft eine bestimmte Entwicklung? Was wird aus dem mal werden? - Warum ist der so geworden? beschreibt eher allgemeine Entwicklungsverläufe
- Sozialisation Einfluss soziokultureller Faktoren auf die Entwicklung im Sinne des Hineinwachsens in die umgebende Gesellschaft und Kultur Soziale Aspekte der Entwicklung, d.h. die Bezogenheit des Heranwachsenden auf seine soziale Umwelt, auf gesellschaftlich verankerte Institutionen, Gruppen und Normen werden thematisiert -> man wächst in seine Umwelt hinein..Uni..Job... Im Kindes- und Jugendalter sind Familie, Peers und Schule mit den wichtigsten Sozialisationsaufgaben betraut
- Sensible Perioden Entwicklungsabschnitte, in denen bestimmte Erfahrungen maximal positive oder negative Wirkung haben Perioden erhöhter Plastizität In vorhergehenden oder nachfolgenden Perioden haben die gleichen Bedingungsfaktoren (Erfahrungen) weniger starke oder gar keine Wirkung
- Zwillingsstudien Größere Anlageähnlichkeit geht mit höherer IQ-Ähnlichkeit einher, auch wenn die Paarlinge in verschiedenen Umwelten aufgewachsen sind In der untersuchten Population spielen Unterschiede im Erbgut eine größere Rolle als Umweltunterschiede Zwillingsstudien können nicht klären um welche Erb- und Umwelteinflüsse es sich genau handelt & wie diese ihre Wirkung ausüben Risiko: Überschätzung von Erbeinflüssen (-> Passivität) oder Überschätzung der Beeinflussbarkeit der Entwicklung durch beliebige Maßnahmen
- Erblichkeitskoeffizienten Was wird wie stark vererbt? Wurde vor allem für Intelligenz untersucht Typischerweise Koeffizienten zwischen 50 % und 70 % Für die meisten Persönlichkeitsmerkmale: 40 % - 50 % Für Schulleistung deutlich unter Intelligenz
- Stabilität absolute Stabilität: ein Merkmal bleibt genau gleich Positionsstabilität: Position in Bezugsgruppe bleibt gleich relative Stabilität: Unterschiede zwischen Personen bleibt über die Zeit konstant, IQ, Gedächtnisleistung & Aggressivität wird meist verwendet, wenn es um die Betrachtung eines bestimmten Merkmals geht