Einführung in die Psychologie (Fach) / Agression und Altruismus (Lektion)

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  • Aggresion Lehrbuchdefinition Aggression bezeichnet absichtliches Verhalten, das auf die körperliche, emotionale oder soziale Schädigung anderer Personen oder auf die Beschädigung oder Zerstörung von Sachen gerichtet ist- Schlüsselbegriff: Absicht der Schädigung(unbeabsichtigte Zerstörung gilt nicht als aggressiv)- Aggression kann sich auch gegen Sachen richten- schließt auch indirekte Aggression über Dritte ein- hängt nicht zwingend von Emotionen wie Zorn oder Hass ab; auch ein Schreibtischtäter wie Adolf Eichann verhält sich aggressiv, selbst wenn er keine starken Emotionen gegen seine Opfer verspürt
  • Situative Ursachen von Aggression Schmerz, Unwohlsein, Hitze, EngeFrustration: Wenn Kinder lange auf das Spielen mit Spielzeugen warten müssen, spielen sie aggressiver damit, als wenn sie keine frustrierende Wartezeit einhalten müssenAndere Beispiele: Warteschlangen, StausRelative Deprivation: Der Eindruck, dass man verglichen mit anderen weniger Ressourcen bekommt, als man verdientDirekte Provokation: führt normalerweise zu Gegenaggression(wird aber durch die Kultur modelliert)Aggressive Hinweisreize: Studenten geben in einem Experiment stärkere Elektroschocks, wenn im Raum ein Gewehr statt eines Federballschlägers liegt 
  • Konrad Lorenz: Instinkttheorie der Aggression -Aggression ist biologisch verankert, dient dem Überleben der Art- Aggression ist ein Instinkt mit einem aktionsspezifischen Energiepotential, das sich periodisch aufstaut-Aufgestaute Energie verlangt nach Abfuhr auch ohne äußeren Anlaß-InstinktiveAggression kann kulturell gesteuert werden, aber Lorenz ist eher pessimistisch: Häufig heizt die Kultur die Aggression noch an
  • Freuds Konzept des Todestriebs postuliert 1920 in "Jenseits des Lustprinzips"auf Stillstand, Starre, unbelebten Zustand gerichtetim Gegensatz zu Libido(Lebenstriebe)Ausdruck: Wiederholungszwang zB leere Rituale, Zwangsneurose, Sadismus, Masochismuskann nach außen gerichtet sein(Objektaggression) oder auf einen selbst(Autoaggression)
  • Aggression im Tierreich Tödliche Revierkriege bei Schimpansen, vor allem dann sehr brutal, wenn einzelne Tiere isoliert angegriffen werden.Elektrische Reizung bestimmter Hypothalamus-Regionen löst aggressives Verhalten bei Katzen und Ratten aus, bis hin zur Tötung von Artgenossen.Hypothalamus-Stimualtion bei Rhesusaffen: führt zu Aggression bei übergeordneten, Submission bei untergeordneten MännchenAggression gegen Artgenossen besonders während der Paarungssaison.(Leider ist beim Menschen immer Paarungssaison)
  • Frustrations-Aggressions-Hypothese Zielgerichtetes Verhalten wird durch ein äußeres Hindernis blockiertBlockade löst Frustration ausFrustration aktiviert den AggressionstriebFreigesetzte Aggression richtet sich gegen das HindernisKritische Annahmen hier:Aggression kommt üblicherweise durch Frustration zustandeAggression ist Basisbetrieb, wie Hunger und Sexualitätgilt als Weiterentwicklung der Triebtheorien
  • Banduras Soziale Lerntheorie Unser Verhalten wird sowohl durch Verstärkung von anderen, als auch von inneren Determinanten gesteuert(Wünsche, Ziele, Erwartungen,..)Reziproker Determinismus: die Umwelt beeinflusst das Verhalten, aber das Verhalten beeinflusst auch die Umweltentscheidend: Prozesse der Selbstregulation und der Selbstkontrolle, die der Konditionierung von außen Grenzen setzenwichtig: Erfahrung der Selbstwirksamkeit, der eigenen Kontrolle über sich und die Umwelt
  • Beobachtungslernen Kinder beobachten, wie ein erwachsenes Modell eine Clownpuppe mißhandeltDanach imitieren sie dieses VerhaltenErgebnisse:Kinder verhalten sich aggressiver, wenn sie ein aggressives Modell sehen als bei einem nicht-aggressiven ModellEs ist egal, ob es ein realerMensch ist, oder eine ZeichentrickfigurNur ein Teil der aggressiven Verhaltensweisen wird direkt nachgeahmt
  • Implikationen Gewalt und Aggression haben in der Kindererziehung nichts zu suchen: Kinder erlernen diese Verhaltensweise, statt davon abgebracht zu werdenAndrohung von gewalttätigen Strafen kann die gegenteilige Wirkung haben: Sie macht Gewalt "hoffähig" und schafft eine gewalttätige soziale NormEine wichtige Rolle spielen Hinweisreize auf Gewalt: zB die Anwesenheit von Waffen, Gewalt in den Medien etc.
  • Aggression und Alkohol Alkohol stört die Informationsverarbeitung: soziale Situationen werden nur noch grob interpretiert, soziales Feedback wird unvollständig verarbeitet, das Verhalten wird schwieriger zu kontrollieren. Soziale Konflikte eskalieren dadurch schneller.Dadurch werden auch harmlose Ereignisse als persönliche Angriffe interpretiert, und kommt es schneller zur offenen Aggression.Laut Amerikanischen Statistiken sind ca 75%der aufgegriffenen Gewalttäter bei der Inhaftierung betrunken. Chronische Alkoholiker neigen stärker zu Aggressionen als Kontrollpersonen.
  • Aggression und Neurotransmitter Serotonin scheint aggressives Verhalten zu hemmen: Messungen an Gewaltverbrehern; Laborexperimente mit Tryptophan(Serotonin-Vorstufe) an freiwilligen Versuchspersonen.Ähnliche Wirkung: Oxytocin. Erforscht ist das aberhauptsächlich an Wühlmäusen.Testosteron hängt in Tierexperimenten direkt mit aggressivem Verhalten zusammen. Beim Menschen ist der Zusammenhang weniger klar.Es gibt korrelative Zusammenhänge zwischen dem Testosteronspiegel und Aggressionen bei Strafgefangenen, jugendlichen Straftätern und sogar Studentenverbindungen.
  • Aggression bei Männern und Frauen Testosteron-Hypothese: Männer sollten gewalttätiger sein als Frauen.Das ist offenbar der Fall: Männer sind viel häufiger an Gewaltverbrechen beteiligt als Frauen; Jungen spielen aggressiver als Mädchen.Aber: Auf Provokation hin verhalten sich Männer und Frauen ziemlich ähnlichFrauen üben mehr verdeckte Aggression aus, Männer mehr offene(stark kulturell geprägt)
  • Gewalt in den Medien Kinder sind massiven Mengen an Gewaltdarstellungen in den Medien ausgesetzt, zunehmend auch gewalttätiger Pornographie. Bei zwei bis vier Stunden Fernsehkonsum pro Tag mach das ca. 100000 Gewaltdarstellungen bis zum 12. Lebensjahr.Prospektive Langzeitstudien zeigen eine Korrelation zwischen Gewaltkonsum als Kind und Gewalttätigkeit als junger Erwachsener. Die Stärke der Korrelation nimmt mit dem Alter zu.Befunde an Erwachsenen: Auch hier Korrelation zwischen Konsum und Gewaltbereitschaft
  • Kausaler Zusammenhang? Problem mit Korrelationsstudien: Erzeugt Medienkonsum Gewalttätigkeit, oder konsumieren zur Gewalt neigende Kinder mehr gewalthaltige Medien?In typischen Experimenten werden Kndern gewalttätige oder gewaltlose Filme gezeigt; hinterher wird ihr Sozialverhalten beobachtet. Nach Gewaltkonsum verhalten sich die Kinder gewalttätiger. Scheint selbst für Kinder zu gelten, die von sich aus nicht zur Gewalt neigen.Starker Gewaltkonsum wirkt sich auf die Bewertung von Gewalt im Alltagsleben aus. Gewalt wird für häufiger und selbstverständlicher gehalten, als sie ist.
  • Soll man Aggression abreagieren? Katharsis-Hypothese: Man kann Aggression abragieren, zB auch indirekt durch Sport, Videospiele etcEmpirische Studien zeigen, dass das Gegenteil der Fall ist: Versuchspersonen , die geärgert werde und ihren Ärger an einer anderen Person auslassen dürfen sind in der nächsten Situation aggressiver, nicht milder gestimmt.Bessere Strategie: Langsam bis 10 zählen..
  • Was hilft gegen Aggression sich entschuldigennicht-aggressive VorbilderTrainings zu Kommunikations- und ProblemlösestrategienEntwicklung von Empathie und der Fähigkeit zur PerpektivenübernahmeVerbannung von aggressiven Hinweisreizen aus dem öffentlichen Raum(vor allem Schusswaffen)
  • Bystander-Effekt Je größer die Zahl der Umstehenden, desto geringer wird die absolute Häufigkeit von Hilfeleistungen!
  • drei Komponenten des Bystander-Effekts Pluralistische Ignoranz:Informationseinfluss; alle überzeugen sich gegenseitig von der Harmlosigkeit des NotfallsGruppennorm: Niemand möct aus der Reihe tanzenVerantwortungsdiffusion: Gefühl der eigenen Verantwortlichkeit sinkt, damit auch die Motivation, zu helfen
  • Was hilft gegen Verantwortungsdiffusion? Individuation, Vermeiden/Verhindern von AnonymitätEindeutige Information: Verhindert pluralistische Ignoranz, erhöht HilfeleistungHelfende Vorbilder(real oder im Fernsehen)