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6 Prävention und Rehabilitation (Fach) / 6.1.2 Methoden, Kennzeichen und Zielsetzung spezieller Präventionsprogramme (Lektion)

personorientierte vs. systemorientierte, populations- vs. zielgruppenorientierte

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  • Kennzeichen und Zielsetzungen populations- vs. zielgruppenorientierter Prävention Populationsorientierte oder universelle Präventionsprogramme sind für die Allgemeinbevölkerung (z.B. Appell zur gesunden Ernährung) gedacht. Ihr Ziel liegt in der allgemeinen Verbesserung der Gesundheit. Zielgruppenorientierte oder selektive Programme werden eingesetzt, wenn die Betroffenen ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung von Störungen haben (z.B. HIV-Aufklärung bei Drogenabhängigen).
  • Personenorientierte vs. systemorientierte Präventionsprogramme Das Anliegen der personenorientierten Prävention liegt in der Entwicklung individueller gesundheitsförderlicher Einstellungen und in der Erweiterung der persönlichen Kompetenz des Einzelnen (z.B. Aufklärung über die Gefahren von Drogen). Systemorientierte oder strukturorientierte Prävention (z.B. Finanzierung von Beratungsstellen, Fluoridbeigabe zum Wasser) bezieht sich auf die Veränderung der gesetzlichen, räumlichen, sozialen, ökologischen oder kulturellen Umelt. Die Systemorientierung lohnt sich nur, wenn viele Personen betroffen sind.
  • Präventionsprogramme für Paare und Familien man unterscheidet: - universelle Prävention: auf die Population bezogene Breitbandstreuung von Information- selektive Prävention: Angebote für Risikogruppen- indizierte Prävention: angesprochen werden Risikogruppen, die schon Symptome haben - Prävention zur Verhinderung von Beziehungsstörungen- bei werdenen Eltern- bei Geschiedenen- bei Eltern, Elterntraining
  • Prävention zur Verhinderung von Beziehungsstörungen, Bsp. - EPL - Ein partnerschaftliches Lernprogramm von Hahlweg et al. 1993 - FSPT: Freiburger Stresspräventionstraining für Paare von Bodenmann, 2000
  • EPL Teilnehmende Partner sprechen deutlich mehr über ihre Gefühle, zeigen mehr Wertschätzung und Akzeptanz, sind nonverbal und verbal positiver. Sie sind mit der Partnerschaft zufriedener und haben eine geringere Trennungs- und Scheidungsrate.
  • FSPT Es wurden kurz- und längerfristige signifikante Verbesserungen des individuellen und des dyadischen Copings, der Partnerschafts- und der Lebenszufriedenheit nachgewiesen.
  • Prävention bei werdenen Eltern, Bsp. "Wir werden Eltern. Ein Kurs zur Vorbereitung auf die Elternschaft" von Reichle, 1999: Der Kurs geht über 3 Tage und wird mit bis zu 7 Paaren durchgeführt. Über die Wirksamkeit liegen bisher noch keine Befunde vor.
  • Prävention bei Geschiedenen, Bsp. - SGG (Seminar für getrennt Lebende und Geschiedene von Siewert und Siewert, 1991: Individuelle Gespräche und Gruppeninterventionen führen zu leichten bis mittleren Verbesserungen bei der Bewältigung der Krise. - "Perspektive getrennt" von Grützner et al., 1997: Das Programm ist eine präventive Kurzzeitintervention. Über die Wirksamkeit ist noch nichts bekannt.
  • Prävention bei Eltern, Elterntraining, Beispiele - Gordon-Familientraining (1998, 1999) - Triple P (Positive Parenting Program von Sanders, 1999) - THOP (Therapieprogramm für Kinder mit hyperkinetischem und oppositionellem Problemverhalten im Alter von 3-12 Jahren), Döpfner et al. 1998
  • Gordon-Familientraining Schwerpunkt des Trainings ist die niederlagenlose Problemlösung bei Konflikten zwischen Eltern und Kindern. Es gibt viele Evaluationsstudien mit guten Wirksamkeitsnachweisen.
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  • Triple P Positive Parenting Program Das Ziel liegt in der Vermittlung von günstigem Erziehungsverhalten an die Eltern auf 5 Interventionsebenen. Bei Triple P wurde sowohl universelle wie auch spezifische Wirksamkeit (z.B. bei hyperkinetischer Störung, Schlafproblemen oder Depression) nachgewiesen. Ältere Kinder profitieren mehr als jüngere. Die Effekte bleiben mehr als ein Jahr stabil.
  • THOP Therapieprogramm für Kinder mit hyperkinetischem und oppostitonellem Problemverhalten (3-12 Jahre) Das THOP hat relativ gute Wirksamkeitseffekte. Hyperkinetische, aggressive und emotionale Auffälligkeiten gehen deutlich zurück. In der Beurteilung durch Lehrer zeigen 50-60% der Kinder mit THOP sehr gute Erfolge.
  • Interventionen in Kindergarten, Schule und Gemeinde Bei den Programmen wird versucht, über Multiplikatoren (Lehrer, Erzieher) eine große Anzahl Betroffener zu erreichen.Bei so genannten Peers-Projekten übernehmen speziell geschulte Gleichaltrige die Durchführung der Programme bei Jugendlichen. In der Gemeinde können die Programme z.B. über die offene Jugendarbeit, die Sozialarbeit in Brennpunkten oder Einrichtungen zur Erwachsenenbildung laufen. Die Eltern werden durch Elternabende oder Informationsveranstaltungen eingebunden. Die Interventionen reduzieren Auffälligkeiten. Die Stabilität der Erfolge und ihre Generalisierung sind noch nicht ausreichend erforscht.
  • weitere Formen der Prävention primäre Prävention: dient der Ausschaltung von Risikofaktoren sekundäre Prävention: entspricht der Vorsorge durch frühestmögliche Diagnose und Therapie tertiäre Prävention: soll die Krankheitsfolgen begrenzen
  • Methoden der Präventionsprogramme - Aufklärung: Wissensvermittlung im Vordergrund (z.B. Sexualaufklärung) - Beratung: alle Präventionsansätze können als Beratung verstanden werden, bei denen die Vermeidung zukünftiger und weniger die Beseitigung gegenwärtiger Probleme angestrebt wird - Training (Stressimmunisierung, Raucherentwöhnung, Antiaggressionstraining): Training dient der Vermittlung von Fertigkeiten und neuen Handlungsmöglichkeiten, die nicht oder gering ausgeprägt sind.