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4 Psychische Störungen im Kindes- und Jugendalter (Fach) / 4.4.2 Grundlagen von Behandlungskonzepten und -methoden bei Ki&Ju (Lektion)

verhaltenstherapeutische, psychoanalytische

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  • Verhaltenstherapeutische Methoden bei Ki&Ju - psychische Stör werden als ungünstig verlaufene Lernprozesse verstanden- in der Therapie sollen neue Erfahrungen ermöglicht werden- bei Kindern Übungen mit Spiel, bei Ju mit Gespräch verbunden - Verstärkerpläne- Selbstkontrolltechnik- kognitive Verfahren- Konfrontationsverfahren- Elterntraining
  • Verstärkerpläne Erziehungssituationen im familiären Alltag können in Verstärkerpläne eingebettet werden. Unerwünschtes Verhalten soll ignoriert und nur im Extremfall bestraft werden. Erwünschtes Verhalten soll kontingent verstärkt weren. Eingesetzt werden Verstärkerpläne z.B. bei der Behanldung von Phobien, von Störungen des Sozialverhaltens oder von Essstörungen.
  • Selbstkontrolltechnik werden z.B. eingesetzt bei der Behandlung von Essstörungen, von aggressivem Verhalten, beim Einnässen oder bei hyperkinetischer Störung. Selbstgespräche, Selbstbeobachtung und lautes Denken können helfen, unvermitteltes Verhalten in aktiv herbeigeführtes Verhalten zu verändern.
  • kognitive Verfahren Für Ki&Ju modifizierte kognitve Verfahren werden häufig zur Therapie von Depressionen, Essstörungen und Zwängen eingesetzt. Ihr Einsatz setzt eine gewisse Reife des Pat. voraus.
  • Konfrontationsverfahren Exposition in vivo oder als systematische Desensibilisierung kann auch bei Ki&Ju zur Angstreduktion eingesetzt werden. Die Behandlung erfolgt bei ihnen grundsätzlich graduiert. Interventionen mit langandauernden Konfrontation der Angstreize werden nur selten angewendet. Die Vorbereitung der Konfrontationsintervention sollte bei Ki&Ju noch intensiver erfolgen als bei Erwachsenen. Die Eltern müssen informiert sein.
  • Elterntraining Beim Elterntraining werden Strategien zur Verbesserung der Kommunikation und des Problemlöseverhaltens sowie zur Umsetzung klarer Regeln für den Umgang mit dem Ki/Ju erarbeitet. Die Eltern erfahren u.a. wie sie das Verhalten der Kinder angemessen verstärken können und welche Rolle sie als Modelle haben. Sie werden darin unterstützt, ein adäquates und konsequentes Kontrollverhalten zu zeigen. Das Elterntraining spielt z.B. eine wichtige Rolle in Programmen zur Therapie von kindlichem aggressivem Verhalten.
  • Grundlagen psychoanalytisch begründeter Therapie bei Ki&Ju Durch Bearbeitung unbewusster Konflikte und Aktivierung gesunder Anteile soll psychische Entwicklung gefördert werden. Kinder bis zum 7. J besonders für analytische Spieltherapie geeignet. Zwischen 7-11 J wird vornehmlich mit therapeutischen Fantasie- und Rollenspielen gearbeitet. Ab dem 12. J sind verbale Therapieformen möglich. - Handhabung von Übertragung und Gegenübertragung- Umgang mit Fantasie- Umgang mit Träumen- Umgang mit Agieren- Deutung- Abwehr und Widerstand- therapeutische Abstinenz
  • Handhabung von Übertragung und Gegenübertragung - Kinder können wenig aus Vergangenheit übertragen (leben in realen Abhängigkeitsbeziehung), Therapeut nur eingeschränkt ein Übertragungsobjekt auch bei Jugendlichen - Behandlung von Ju oft von Übertragungswiderständen gekennzeichnet; kommt es zur Übertragung, kann sie extrem idealisierend oder entwertend sein - Therapeut muss ich Gegenübertragungsgefühlen möglichst bewusst sein; ansonsten kann es zu Loyalitätskonflikten kommen, bei denen es z.B. aufgrund Allmachtsphantasien und in Rivalität ums Kind zum "besseren Elternteil", zu großen Konflikten mit wahren Eltern führen kann - v.a. bei Ju kann es zu starken aggressiven oder sexualisierten Gegenübertragungsgefühlen kommen; ausserdem bringen die häufig destruktiven Verhaltensweisen der Ju den Therpeuten leicht in Gefahr, ins Agieren zu kommen - um damit umgehen zu können, muss sich der Therapeut in der Selbsterfahrung mit seinen Erlebnissen mit den eigenen Eltern, Geschwistern oder Kindern intensiv auseinandersetzen.
  • Umgang mit Fantasie Tagträume, magisches Denken, halluzinatorische Wunscherfüllung und unbewusste Fantasien dienen auch bei Kin&Ju der Befriedigung frustrierter Bedürfnisse und können therapeutisch genutzt werden. Im Vergleich zum Erwachsenen versuchen sie die Realität stärker zu verleugnen. Die Deutung der Fantasietätigkeit muss schrittweise erfolgen.
  • Umgang mit Träumen Die Träume von Kindern sind kurz, klar, kohärent und relativ leicht zu verstehen. Der Kindertraum bewahrt den Schlaf, indem er einen best. Wunsch erfüllt. Die Traumstellung ist nur gering ausgeprägt. Die Deutung von Träumen wird erst bei Ju angeraten.
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  • Umgang mit Agieren In gewissem Maß ist das Agieren bei Ki&Ju alterstypisch. Je früher es zu einem Trauma kam, umso größer ist die Neigung zum Ausagieren. In der Therapie wird versucht, das Handeln in Worte zu übersetzten und so einer Bearbeitung zugänglich zu machen.
  • Deutung Die Deutungsarbeit in der Therapie bei Ki&Ju entspricht weitgehend der bei Erwachsenen. Sie dient der Überführung unbewusster in bewusste Prozesse und fördert die Entwicklung. Deutungen reduzieren den Widerstand, stabilisieren die therapeutische Beziehung und verbessern die Einsicht des Pat. Die Technik muss dem Entwicklungstand des Pat. angemessen sein. Bei Kindern haben sich Deutungshilfen, wie z.B. eine Puppe, als nützlich erwiesen. Die Deutung wird dadurch zunächst externalisiert, was ihre Akzeptanz erleichtern kann.
  • Abwehr und Widerstand Widerstand als Erscheinungsform der Abwehr zeigt sich schon sehr früh. Bei Kindern sind Abwehr und Widerstand oft hoch, weil sie keine eigene Therapiemotivation haben, die Therapie oft als Lustverzicht erleben, das Ich noch schwach ist und eine starke Neigung zum Agieren besteht. Jugendliche wehren sich gegen die Therapie, weil sie subjektiv ihre Autonomiebestrebungen bedroht sehen, in ihren Allmachtsfantasien den Therapeuten scheitern lassen wollen und die Regression fürchten. Wichtige Abwehrmechanismen beim Ju sind Askese, Intellektualisierung und sekundärer Narzissmus. Ausserdem neigen sie zur Wendung der Aggression gegen die eigene Person, die im Extremfall Suizid bedeuten kann.
  • therapeutische Abstinenz In der Ki&Jutherapie ist der Therapeut aktiver als in der Behandlung von Erwachsenen. Dennoch bleibt eine professionelle Distanz zum Pat. bestehen.
  • Multimodale Behandlungsformen, welche können kombiniert werden? Multimodale Interventionen sind meist den Therapien überlegen, die nur mit einer Methode arbeiten. Kombiniert werden können z.B. Einzel- und Gruppentherapie sowie pädagogische, pharmakologische und psychotherapeutische Methoden.
  • Pat.zentrierte Interventionen (Welche Interventionen gibt es daneben? Welche Voraussetzungen müssen vorliegen?) Man unterscheidet einerseits umfeld- (z.B. Kindergarten, Schule) oder familienzentrierte und andererseits pat.zentrierte Verfahren. Pat.zentrierte Ansätze sind eher bei ältern Ki&Ju sinnvoll. Voraussetzung ist das Herstellen eines tragfähigen Arbeitsbündnisses und die Einsicht beim Pat., dass er selbst an sich arbeiten muss.
  • Bedeutung von Spiel M. Klein, 1962, und A. Freud, 1989, erfassten über das Spiel das Unbewusste des Kindes. Das Spiel dient der Selbstdarstellung. Es tritt an die Stelle der freien Assoziation und der Traumerzählung bei der Therapie Erwachsener. Im Spiel kann das Kind neue Fähigkeiten erwerben. Man unterscheidet die direktive (Führung durch Therapeuten) von der non-direktiven (Führung durch das Kind) Vorgehensweise. Die Spieltherapie wird vor allem bei emotionalen Störungen und Selbstwertproblemen eingesetzt.
  • Familienbezogene Interventionen, Elternarbeit, Familienberatung (Warum notwendig?) Durch den Einbezug der Eltern sollen die Bedingungen des familiären Umfeldes so verändern, dass die Therapieeffekte beim Ki/Ju auch längerfristig Bestand haben. Ziele liegen unter anderem in der Verbesserung der Eltern-Kind-Interaktionen und in der Stärkung der Erziehungskompetenz.
  • Einzeltherapie Vereinzelt wird die These vertreten, dass die Eltern von der Therapie ihres Kindes ausgeschlossen werden sollen. Im Allgemeinen werden aber Einzelsitzungen mit dem Kind/Ju und Sitzungen mit den Eltern kombiniert. Unter Umständen werden auch Gruppensitzungen angeboten.
  • Krisenintervention (Was versteht man darunter? Ziele?) Unter Krise im Ki/Ju-alter versteht man meist Suizidversuch, akuten Substanzmissbrauch oder einem aggressiven Ausbruch. Die Kriseninterventionen sollen immer lösungs- und ressourcenorientiert sein. Ihr Ziel liegt in der Deeskalation der Situation, z.B. indem der Therapeut die Bezugssysteme des Kindes vernetzt. Bei Suizidalität muss stationäre Versorgung gesichert werden.
  • Gruppenpsychotherapie (Beispiele; Interventionen und Ziele) In der Ki&Ju-psychotherapie werden ergänzend zur Einzeltherapie oft Eltern- und/ oder Kindertherapiegruppen angeboten. Beim Anti-Aggressionstraining für Kinder werden z.B. in Einzelsitzungen zunächst Übungen zur Selbstbeobachtung und Selbstinstruktion durchgeführt sowie ein Entspannungsverfahren erlernt. In der Gruppensituation werden dann z.B. durch Rollenspiele eine angemessene Selbstbehauptung und das Einfühlungsvermögen in andere gestärkt.
  • Behandlung von Säuglingen und Eltern (Wann? Wie viele? Ziele) Säuglinge kommen z.B. in Behandlung, wenn sie unstillbar schreien, Schlaf- oder Fütterstörungen haben, eine Bindungsproblematik deutlich wird oder es Anzeichen für Misshandlung gibt. Ungefähr 5-10% der Säuglinge entwickeln schwere, behandlungsbedürftige Störungen. Die Eltern stehen oft unter hohem Druck, leiden an Erschöpfung, Versagensängsten und Schuldgefühlen. Das Ziel der Therapie ist, dass die Eltern das kindliche Verhalten besser verstehen und sich die Interaktion dadurch bessert.