Konsumsoziologie (Fach) / Fragenkatalog (Lektion)
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- 1. Nennen Sie Charakteristika gesellschaftlicher Strukturen. Definieren Sie den Begriff "Sozialstruktur" und beschreiben Sie die Analyseebenen der Sozialstrukturanalyse Charakteristika gesellschaftlicher Strukturen:- Sie legen steuernd die Möglichkeiten und Restriktionen des Handelns fest.- Bedingen Regelmäßigkeit und Ordnung (=Berechenbarkeit) sozialer Systeme.- Zeigen sich in dauerhaften Zuständen und Ablaufmustern sozialer Prozesse.- Reproduzieren sich durch Regelmäßigkeiten sozialen Handelns, institutionalisierten Regelungen und gemeinsam geteilten Werte-/Normensystemen Sozialstruktur: Eine der drei Dimensionen gesellschaftlicher Strukturen. Sie umfasst:- Die soziale Beziehungsstruktur = Die Gesamtheit der dauerhaft angelegten Formen sozialer Beziehungen zwischen Mitgliedern einer Gesellschaft.- Die soziale Verteilungsstruktur = Gliederung der Gesellschaft nach sozial relevanten Merkmalen und deren Kombinationen, d.h. nach Merkmalen die für Aufnahme und Pflege sozialer Beziehungen, sowie der hierfür relevanten Handlungsmöglichkeiten bedeutsam sind (sozialstrukturelle Merkmale) Analyseebenen der Sozialstrukturanalyse:- Analyse einzelner Bereiche der Sozialstruktur- Analyse typischer Handlungsbedingungen und sozialer Rollen- Einordnung von Gesellschaften in Idealtypen- Einordnung in supranationale Systeme (Europäisierung, Globalisierung)
- 2. Bennen Sie die Analyseebenen der Sozialstrukturanalyse und diskutieren Sie mögliche Unterteilungskriterien im Rahmen solcher Aufgaben. Analyseebenen:- Analyse einzelner Bereiche der Sozialstruktur- Analyse typischer Handlungsbedingungen und sozialer Rollen- Einordnung von Gesellschaften in Idealtypen- Einordnung in supranationale Systeme (Europäisierung, Globalisierung) Unterteilungskriterien:- Nach Subsystemen: ökonomisches, politisches, kulturelles System- Nach Gruppenstrukturen und Lebensbereichen: Familie, Organisation, Arbeits-, Freizeitbereich- Nach Bevölkerungsgruppen (=Sozialdemographie): Alte, Junge, Frauen, Männer, Ausländer, Behinderte- Nach Problembereichen: Arbeitslosigkeit, Armut, Mitbestimmung, Integration=> Nicht jedes Kriterium erfasst alle Bevölkerungsteile (z.B. Subkulturen wie Punkter, etc.), Genau Abgrenzung/Definition erforderlich (wer gilt ab wann als "alt", "Familie" oft individuell anders aufgefasst bzw. definiert, so gehören für den Einen Großeltern etc. mit dazu, für den Anderen nicht), Gefahr der Pauschalisierung. Aber: Strukturen oft sehr komplex, Kriterien bieten guten Zugang und Überblick.
- 3. Charakterisieren Sie Theorien sozialer Ungleichheit und beschreiben Sie ihre Funktion. Theorien sozialer Ungleichheit erklären, warum im Miteinander von Menschen, Ungleichheit begründende Verhältnisse entstehen und wie sie wirken. Die empirische Untersuchung der Folgen dieser Verhältnisse für die Lebenschancen von Gruppen und Individuen wird als Sozialstrukturanalyse bezeichnet. Funktion: Theorien gehören zusammen mit Sozialstrukturanalyse, damit theoretische Annahmen nicht spekulativ und empirische Analysen nicht punktuell bleiben. Dienen also der Verallgemeinbarkeit von Ergebnissen.
- 4. Welches sind Determinanten, welches sind Dimensionen sozialer Ungleichheit? Was bedeuten in diesem Zusammenhang "Statuskonsistenz" und "vertikale Mobilität"? Determinanten sozialer Ungleichheit: Sind Bestimmungsgründe, z.B. Geschlecht, Ethnie, Alter, Beruf, Wohnregion, Konfession, Lebensform, Behinderung, Hautfarbe, Herkunft, Sprache,... Dimensionen sozialer Ungleichheit: Sind Erscheinungsformen, z.B. Materieller Wohlstand, Macht, Prestige, Bildung, Arbeits-, Wohn-, Umwelt-, Freizeitbedingungen, Gesundheit, .... und hängen oftmals mit dem Beruf zusammen! Statuskonsistenz: Status = Verortung des Einzelnen im Gefüge einzelner oder mehrerer Dimensionen sozialer Ungleichheit. Statusmerkmale korrelieren oft stark miteinander (z.B. materieller Wohlstand und Prestige oder Bildung). Konsistenz meint dabei, dass der Einzelne bei dieser Verortung, in den verschiedenen Dimensionen einen unterschiedlichen Rangplatz einnehmen kann (z.B. hoher Rang in Bildung, aber niedriger Rang in puncto Gesundheit). Vertikale Mobilität: Bewegung von Einzelpersonen oder Gruppen zwischen unterschiedlichen sozioökonomischen Positionen, Aufstieg / Abstieg bezogen auf eine gedachte Ordnung (Status).
- 5. Bennen und charakterisieren Sie verschiedene Konzepte von Gefügen sozialer Ungleichheit in einer Gesellschaft. Worin sind die Vorteile des Lebensstilkonzeptes zu sehen? Gefüge sozialer Ungleichheit:- Stände: Gruppierungen deren Zugehörigkeit in der Regel durch Geburt zustande kommt, mit weitergehend geregelten Existenzbedingungen und Lebensweisen (z.B. der Sohn eines Königs wird später auch König) - Klassen: Gruppierungen aufgrund ihrer Stellung innerhalb des Wirtschaftsprozesses, die vergleichbare Lebensbedingungen hervorruft. - Schichten: Gruppierungen von Menschen mit ähnlich hohem Status innerhalb einer oder mehrerer berufsnaher Ungleichheitsdimensionen (z.B. materieller Wohlstand) - Lebenslage: Gesamtheit (objektiv) ungleiche Lebensbedingungen des Einzelnen. Die durch das Zusammenwirken von Vor- und Nachteilen der Ungleichheitsdimensionen zustande kommt. - Milieu: Gruppe gleichgesinnter mit gemeinsamen Wertehaltungen, Mentalitäten, Arten der Sozialbeziehungen und SIcht- / Gestaltungsweisen ihrer Umwelt bei ähnlichen objektiven Bedingungen. - Lebensstil: Regelmäßig wiederkehrender Gesamtzusammenhang der Verhaltensweisen, Interaktionen, Meinungen, Wissensbestände, Einstellungen des Einzelnen, bestehend aus subtiler Distinktion (innere Prägung), Distinktion und Stilisierung (Lifestyle) Vorteile des Lebensstilkonzeptes:- erfasst mehr Lebensbereiche als Klassen-/Schichtansätze- erfasst größere Personenanteile der Gesellschaft (berufsnahe Gruppen)- ist flexibel im Bezug auf Statuskonsistenzen und Lebensläufe- bietet ganzheitliche und lebensnahe Sicht auf die Struktur sozialer Ungleichheit- individuelle Wahlfreiheiten werden berücksichtigt
- 6. Bennen Sie Ursachen des Geburtenrückgangs und beschreiben Sie die allgemeine Geburtenentwicklung in der Bundesrepublik Ursachen:- Funktions- und Strukturwandel der Familie- "Emanzipation" und "Enthäuslichung" der Frau- Konsumdenken und anspruchsvoller Lebensstil- "strukturelle Rücksichtslosigkeit gegenüber der Familie" = mangelnde gesellschaftliche Anerkennung und materielle Unterstützung- Scheu vor langfristiger Festlegung- Emotionalisierte oder verengte Paarbeziehungen (Kind wird als Last, Störung oder Konkurrenz empfunden)- zunehmende gesellschaftliche Akzeptanz von Kinderlosigkeit- gestiegene Ansprüche an die Elternrolle- Rationalisierung der Familienplanung- ungünstige Wirtschaftslage, Arbeitslosigkeit und Zunahmen prekärer Arbeitsverhältnisse Geburtenentwicklung in Deutschland:- Abnahme der Mehrkinderfamilien- 1-Kind-Familien sind nicht im Trend- Späte Mutterschaft- Anteil der nichtehelichen Geburten steigt- Annäherung des Ostens an den Westen (in DDR hatten 90% der Frauen mindestens 1 Kind, das Erstgebäralter lag ca. 7 Jahre niedriger als im Westen!)
- 7. Welches sind die Funktionen der Familie nach Goode? Beschreiben Sie Funktionsverlust und -wandel der Kernfamilie. Funktionen nach Goode:- Reproduktion- Statuszuweisung, soziale Verortung- Sozialisierung und soziale Kontrolle- Biologischer Erhalt, Fürsorge- Regeneration (=emotionaler und wirtschaftlicher Erhalt) Funktionsverlust und -wandel der Kernfamilie:- Verlust an Selbstversorgung und der Einheit von Wohnen und Arbeiten- Verlust der Altenfürsorge, der Kindererziehung/-beaufsichtigung durch die Alten, durch 2-Generationen-Familien- Verlust der Fürsorge- und Pflegeleistungen- Verlust der Erziehungs- und Ausbildungsfunktionen- Verlust an familienzentrierter Geselligkeit
- 8. Was bedeutet "Soziologie sieht Jugend als soziale Phänomen"? Zeigen Sie die unterschiedliche Ausprägung und die historische Entwicklung der Jugendphase. "Soziologie sieht Jugend als soziale Phänomen" bedeutet:- alltäglicher Sprachgebrauch ist mehrdeutig und gegenüber den Phasen Kindheit und Erwachsenenleben unscharf.- Abgrenzung in Medizin, Psychologie, Erziehungswissenschaften, Soziologie und Rechtswissenschaften unterschiedlich.- Jugend ist eine gesellschaftlich institutionalisierte, intern differenzierte Lebensphase, deren Verlauf, Ausdehnung und Ausprägung wesentlich durch soziale Einflüsse (sozioökonomische Lebensbedingungen, Strukturen des Bildungssystems, rechtliche Vorgaben, Normen und Erwartungen) bestimmt sind.- Jugend ist keine homogene Sozialgruppe, sondern umfasst unterschiedliche Jugenden.- Jugendphase hat sich in Europa erst im Laufe des letztend Jahrhunderts richtig entwickelt. Vorher gab es keine wirkliche "Jugend". Ausprägung und historische Entwicklung der Jugendphase:- Landwirtschaftliche Hausvatergesellschaft kennt keine Jugend.- Ausprägung der Lebensphase "Jugend" in griechischen Stadtstaaten (z.B. Sparta)- Mittelalter: Jugendphase für männliche Eliten (längere, spezialisierte Ausbildung, Zünfte und Gesellenstand entstehen, Universitäten werden gegründet, Knappentum in der Ritterschaft.)- Formierung der Jugend im 18./19. Jahrhundert (Jünglingsideal der Aufklärung, Burschenschaften, allgemeine Schulpflicht, Wandervogelbewegung,...)- Heute: Jugend wird beeinflusst durch soziale Gebilde (Gesellschaftsstrukturen: Familie, Schule, berufliche Ausbildung, die Gleichaltrigen, Kirche/religiöse Institutionen)
- 9. Beschreiben Sie die Situation der Jugend in der Gesellschaft von heute. Der Jugendliche, die Jugendgruppe, die Jugend als Ganzes wird beeinflusst durch soziale Gebilde (Gesellschaftsstrukturen). Wichtig dabei sind vor allem: - Die Familie: Elterlicher Einfluss sinkt (z.B. weniger Patriarchalismus, sinkende Berufsdetermination, mehr Diskurs und Konkurrenz, Beziehungsstrukturen verändern sich, fehlende antizipatorische Sozialisation (Übernehmung von Einstellungen, Normen, Werten,...) - Die Schule: Mehr öffentliche Verantwortung (Entlastung der Familie). Aufgaben der Schule sind z.B. Sozialisation, Qualifikation, Vermittlung von Verhaltensweisen,... - Berufliche Ausbildung: Ausdifferenzierung und Standardisierung, mehr Flexibilität, breiteres Ausbildungsspektrum. Probleme: Berufswechsel, Ausbildungsfähigkeit. - Die Gleichaltrigen: Einfluss steigt seit den 60ern, Sozialisation in Eigenregie, Ausgleich familiärer Bedingungen, Kommunikations- und Begegnungsraum -> räumlicher Bezug meist erhalten. - Die Kirche/religiöse Institutionen: Verzerrte Wahrnehmung, Jugendsekten, wenig fundierte Erkenntnis zu Religiösität, nachlassende religiöse Erziehung. Christliche Religion ist für viele ein Angebot neben anderen Sinn-, Lebensdeutungen und Weltanschauungen.
- 10. Was meint die Aussage "bisher wurden kaum soziale Räume für das Altern und die unterschiedlichen Altersphasen geschaffen"? Für das Altern gilt: Individualisierung und Modernisierung bedingen ein Bruch der Einheit von Arbeiten, Wohnen, Freizeit und von Familie und Gemeinschaft. Dem steht jedoch oft noch das Leitbild der Mehrgenerationenfamilie gegenüber. Alte sind in der Gesellschaft oft als "unproduktiv" und Last angesehen. Die Folge ist, dass ältere Menschen zum Teil mit einem Rückzug ins Private reagieren, passiv werden. Das Bild vom Altern ist geprägt durch Rückzug, Kräfteabbau, Genügsamkeit und Anspruchslosigkeit.Zusätzlich zur gesellschaftlichen "Stigmatisierung" gibt es Probleme in der Situation der Kranken- und Pflegeversicherungen, da es mit steigender Lebenserwartung der Menschen zu einer Zunahme von Alterskrankheiten führt. Weiter gibt es teils starke Disparitäten in der medizinischen Versorgung zwischen Stadt und ländlichen Regionen. Weiterhin gibt es jedoch einen starken Anstieg der Alten (Stichwort: demographischer Wandel, vgl. Bevölkerungspyramiden), was zukünftig zu weiteren Kapazitätsprobleme im medizinischen und Pflegebereich führt. Zudem ist vor diesem Hintergrund der soziale Umgang/gesellschaftliche "Platz" für Alte ausbaufähig, um dem Rückzug ins Private un der gesellschaftlichen Desintegration zu begegnen, da es ansonsten zukünftig bei steigender Zahl an Alten zu Problemen kommt (Generationenvertrag, Pflegeengpässe,...)
- 11. Erläutern Sie die wesentlichen Determinanten des Funktionswandels des Haushalts und die sich daraus ergebenden Veränderungen der Gesellschaft. Determinanten:- steigende Zahl der Einkommensbezieher- starker Anstieg der mehrere Einkommen beziehenden Haushalte- mehr Sach- und Geldvermögen der Haushalte- Anstieg der Realeinkommen je Haushaltsmitglied- Verkürzung der Erwerbsarbeitszeit (aber "Neue Zeitknappheit" / "Freizeitstress")- Veränderung der Rolle der Frau Daraus resultierende Veränderungen für die Gesellschaft:- Außenbeziehungen der Haushalte nehmen zu, Haushalte immer weniger "isoliert"- Haushalt immer weniger ein Ort der manuellen Vor-Ort-Tätigkeiten- Inanspruchnahme haushaltsbezogener Dienstleistungen (z.B. Outsourcing von Haushaltsarbeit wie Putzen, Waschen, Bügeln,...), je nach Einkommen und Haushaltsstruktur (Putzfrauen eher nicht bei geringem Haushaltseinkommen,...)- Haushalt wird zu einer kleinen sozialen Einheit mit aktiver, gestalterische und pro-sozialen Seite -> Also stärkere gesellschaftliche Integration der Haushalte
- 12. Worin begründet Kutsch die mangelnde Rationalität bei Kaufentscheidungen von Familien? Verdeutlichen Sie dies an zwei Beispielen zur Bedeutung von Rollenelementen im Kaufentscheidungsprozess. Mangelnde Rationalität bei Kaufentscheidungen in der Familie durch:- ungünstige Problemlösungszeitpunkte: Früh morgens oder abends- sachliche Kompetenz wird von Liebe, Macht und Legitimation überlagert- unterschiedlicher Informationsstand der Beteiligten- gefühlsbetonte Problemdiskussionen sind nicht tabuisiert (z.B. Kind weint um seinen Willen zu bekommen)- Beteiligung aller am Entscheidungsprozess eher die Regel (viele Wünsche, Meinungen -> Suche nach einem "gemeinsamen Nenner" oft schwer)- Entscheidungen parallel zu anderen Problemdiskussionen- gewohnte Bedarfslagen und Lösungsmuster Rollenelemente im Kaufentscheidungsprozess: Je nach Verfügbarkeit, Haushaltseinkommen oder Kompetenz ist es keineswegs festgelegt, welches Haushaltsmitglied für den jeweiligen Entscheidungsschritt zuständig ist.Beispiel:- Rolle des Produktexperten: Wer kennt sich mit dem Produkt am besten aus? -> Autokauf eher beispielsweise der Vater, beim Kauf eines neuen Smartphones bzw. einer Spielkonsole eher das Kind.- Rolle des Budgetierers: Wer hat die Ausgabenhöhe fixiert? -> Autokauf: Frau legt Budget fest: 2000€ - Mann aber Experte und weiß, dass ein neuer Familienvan 6.000€ kostet => problematisch!- Rolle des Kaufinitiators: Wer hatte die erste Idee? -> Unterschiedliche Rollen können von unterschiedlichen Haushaltsmitgliedern eingenommen werden = Erschwerung der Kaufentscheidung. Konstellation der Rollen können weiter von Produkt zu Produkt variieren (Bsp. Produktexperte Autokauf = Vater, Produktexperte Smartphone-Kauf = Kinder) = ebenfalls Erschwerung.-> Entscheidung also oft nicht rational sondern von vielen Personen beeinflusst.
- 13. Begründen Sie warum wir Institutionen unter Umständen mehr vertrauen als Individuen. - Institutionen dienen der Verhaltenssteuerung und als Anreizsysteme, die den prinzipiell eigeninteressierten Akteur zu gewünschter Handlungsweise motivieren.- Wir vertrauen Institutionen, weil und soweit sie in der Lage sind, wichtige Positionen mit vertrauenswürdigen Personen zu besetzen, die im Bedarfsfalle unter Zurücksetzung ihrer Privatinteressen handeln.- Institutioneller Mechanismus der Vertrauensbildung ist das Anreizsystem, dass persönliche Vertrauenswürdigkeit steigert, durch Auswahl-, Allokations- und Verstärkungsmechanismen -> "Der ist ja nicht umsonst Vorsitzender (etc.) geworden"
- 14. Skizzieren Sie den Wandel der Geldwirtschaft. Verdeutlichen Sie bitte in diesem Zusammenhang die "Entkontextualisierung" des Geldes am Beispiel. Grundlage der Entstehung des Geldverkehrs ist die Begrenztheit des Tausches: räumlich, zeitlich, personell, kulturell. Geld ist als Zwischentauschmittel entstanden und hat im Zeitablauf seinen Charakter verändert: Waren- und Geldcharakter -> zunehmender Verlust des Warencharakters. Wandel:1. Naturalgeld (Nutzgeld): Nahrungs- und Genussmittel (z.B. Salz, Kakao, Felle, Waffen, Zigaretten, Alkohol)2. Zeichen-/Schmuckgeld: Kauri-Muscheln, Perlen, Federn, Steinscheiben, (Halb-)Edelsteine3. Metallgeld: Edelmetalle in verschiedenster Bearbeitung: Ringe, Ketten, Barren, Scheiben, Schnallen, Münzen4. Papiergeld: Wechsel, Noten (als Goldumlaufwährung)-> Geld als Kommunikationsmittel wichtiger als militärische/politische Macht Entkontextualisierung:- Entpersönlichung -> Geldströme sind Versprechen auf die Leistungsfähigkeit in der Zukunft, werden elektronische Impulse oder zu Information -> man muss die Leite, mit denen man handelt nicht kennen, man muss sicht nicht mal auf demselben Kontinent befinden (Bsp: Früher Kleider im Geschäft in der Stadt / beim Schneider um die Ecke gekauft, heute via Internet aus Hong Kong bestellt und nach Hause kommen lassen -> Verlust der sozialen Komponente!)- Geld hat sich gelöst von realen Gütern, Arbeit und sozialen Situationen (=Entkontextualisierung!) Beispiel: Geld als Kommunikations- und Machtmittel
- 15. Beleuchten Sie bitte das Verhältnis von Gabentausch und Warenkauf. - Heutige Formen des Gabentauschs (des Schenkens) entstehen simultan mit den Praktiken des Kaufens und Verkaufens von Waren. Beispiel: Schenkt man jemandem kein Geld zum Geburtstag (weil eventuell unangebracht/unpassend), sondern beispielsweise ein Buch, muss man dieses zuerst käuflich erwerben. - Tausch lässt sich nicht auf zweckrationale Handlungsformen verengen. Beispiel: Man hilft jemandem beim Bau eines Hauses (fährt einen Tag lang ein paar Schubkarren Steine bspw.) und erhält Jahre später ebenfalls Hilfe, obwohl man gar nicht mehr damit gerechnet hat, oder sogar längst vergessen hat, dass man ebenfalls selbst einmal geholfen hat. -> Starke soziale Komponente ("Wiedergutmachung") - Die Einzelpraktiken des Gabentauschs ereignen sich in zeitlicher Streckung (man bekommt Jahre später noch Gegenleistungen) und seine Symbole sind primär auf die Sozialdimension des Sinngeschehens (man will einem Freund helfen, etc.) geformt, während sie im Warentausch (Warenkauf) primär auf die Sachdimension der getauschten Waren bezogen sind (man kauft Ware, weil man sie gerne haben möchte und erhält sie in der Regel umgehend) - Reiner Warentausch = gelegentliche, flüchtige Form der Gegenseitigkeit. - Bestimmte Dinge (Glück, Liebe, Freundschaft) lassen sich nicht, oder nur bedingt für Geld kaufen, können jedoch Gegenstand des Tauschs werden, wenn sie verschenkt werden. - In der Praxis zwar eindeutige Unterscheidung zwischen Geschenken und Waren (man entfernt das Preisschild von einem Geschenk, bspw.), jedoch gibt es praktische Simultanität der Gaben- und Warentauschlogik (Warenkauflogik) (man muss ein Geschenk in der Regel eben auch vorher kaufen) - An geldbasierten Warentauschbeziehungen (Warenkaufbeziehungen) kommen Menschen nicht vorbei!
- 16. Strukturieren und charakterisieren Sie unterschiedliche Höhepunkte im Laufe der Zeit. - Regelmäßig wiederkehrende Höhepunkte = Feiertage (Sonntage, politische, religiöse oder individuelle Feiertage)- Einmalige bzw. in größeren Abständen zu unterschiedlichen Zeitpunkten stattfindende Ereignisse: Mega-Events sportlicher, politischer und kultureller Art.- Religiöse Feiertage: Häufig an Gestirnen ausgerichtet, von animalistischen Religionen übernommen.- Politische Feiertage: Erinnern an nationale und historische Ereignisse (z.B. 3. Oktober = Tag der deutschen Einheit)- Persönliche Feiertage: An Lebensphasen orientiert (z.B. Hochzeit, Einschulung, Kinderkommunion, Jubiläen,...)- Mega-Events: Außergewöhnliche, zeitlich begrenzte Veranstaltungen mit weltweitem Interesse und medialer Informationsverbreitung. Sportlicher Art (Fußball WM, Olympiade), Politischer Art (US-Präsidentschaftswahl, G8-Gipfel), Kultureller Art (Expo, Eurovision Song Contest Bedeutung: Sie Prägen das kollektive Bewusstsein, bewirken globale Vernetzung und sind wichtiger Bestandteil kultureller Prozesse (z.B. Halloween)
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- 17. Erläutern Sie Inhalt und Begründung der These von der Beschleunigung nach Rosa. Inhalt:- Beschleunigung mündet objektiv in der Verkürzung und Verdichtung von Handlungsepisoden und subjektiv in eine Empfindung von Zeitknappheit und Zeitnot.- Eine Perspektivdifferenz von z.B. Politik und Wirtschaft bzw. Lebensformen und Koordinationsbedarf der Institutionen führt zu Problemen sozialer Ordnung.-> In vielen neuzeitlichen Gesellschaften hat sich eine besonders differenzierte Selbstregulierung des einzelnen Menschen im Sinne der Zeit und eine entsprechend hohe individuelle Sensibilität im Bezug auf die Zeit entiwckelt. Begründung:- Plädoyer für eine "Kontrolle über die Zeit": Überhöhung des Augenblicks = Gegenwartsschrumpfung = Verlust des Zeitflusses.- Modernisierungsprozess führt zur Beschleunigung (Bsp. Kommunikation via Brief früher dauerte Wochen, heute via Email dauert Minuten.)- Beschleunigung ist für jeden evident und verändert soziale Beziehungen!- Dem sozialen Fremdzwang der Zeit, repräsentiert durch Uhren, Kalender, Fahrpläne etc. kann sich niemand entziehen, er ist zwar subtil und gewaltlos, jedoch allgegenwärtig und unentrinnbar. - Je größer, je menschenreicher, differenzierter und komplexer eine Gesellschaft ist, desto größer ist das Bedürfnis der Menschen nach Koordination und Synchronisation.
- 18. Erläutern Sie die Vershofen'sche Nutzenleiter und die Marlow'sche Bedürfnispyramide. Vershofen'sche Nutzenleiter: Stellt schematisch die "Nutzenerwartungen" dar, die der Konsument beim Kauf irgendwelcher Güter (unbewusst) antellt. - der stofflich-technischer Nutzen ist der Grundnutzen und der seelisch-geistige Nutzen ist der Zusatznutzen des individuellen Gesamtnutzens. - Der Zusatznutzen wird weiter unterteilt in den sozialen Geltungsnutzen und den persönlichen Erbauungsnutzen Marlow'sche Bedürfnispyramide: Nach Marlow müssen Bedürfnisse auf einer jeweils niedrigeren Ebene bis zu einem gewissen Grad gesättigt sein, bevor höherrangige Bedürfnsise gezielt verfolgt werden. Jemand der nichts zu Essen hat, bzw. Hunger leidet wird sich nicht um die Selbstverwirklichung bemühen, sondern seine Priorität wird (logischerweise) die Nahrungsmittelbeschaffung sein (Stichwort: Luxusprobleme).Selbstverwirklichungsbedürfnisse -> Geltungsbedürfnisse -> Soziale Bedürfnisse -> Sicherheitsbedürfnisse -> Physiologische Bedürfnisse
- 19. Benennen und erläutern Sie die Determinanten des Konsumwandels. Wandel des Konsums und der Konsumstrukturen (des Konsumprofils = Konsumstil des Einzelnen) ist erklärbar durch:- Strukturelle Änderungen der Gesellschaft: Alterung, Einkommensspreizung und -verteilung, Migration, kulturelle Überformung.- Soziokulturellen Wandel: Wertewandel führt direkt oder indirekt (z.B. über geänderte Familienstrukturen) zu Änderungen im Konsummuster.- Innovationen: Die zunehmend in Massenproduktion erstellten Güter müssen verbraucht werden. Neue Innovationen führen zu effizienterer Produktion und somit zu mehr Massenproduktion- Mode: Fluktueller Wandel peripherer Verhaltensformen, der durch willkürliche Vorbildsetzung, ohne wesentliche Beeinflussung sozialer Strukturen erfolgt und sich auf größere Bevölkerungsteile erstreckt.
- 20. Erläutern Sie den Begriff "Mode". Welchs sind sinngebende Motive für Folgen der Mode? Welche Produkteigenschaften sind für modische Güter erforderlich? Mode: Fluktueller Wandel peripherer Verhaltensformen, der durch willkürliche Vorbildsetzung, ohne wesentliche Beeinflussung sozialer Strukturen erfolgt und sich auf größere Bevölkerungsteile erstreckt.- Begriffsentwicklung: Von großen Zentren (Paris) ab dem 17. Jahrhundert ausgehende Änderung der Kleidung -> Von der standesgemäßen Kleiderordnung des Mittelalters hin zum persönlichen und sozialen Erscheinungsbild.- Mode signalisiert neben Selbstbeschreibung auch Information, Kennerschaft und Gruppenzugehörigkeit. Sinngebende Motive:- Selbstwertgefühl- Rivalitäts-/Wettbewerbsdenken- Schmuck- und Geltungsbedürfnis- erotische Interssen an der Körperbetonung- soziale Nachahmung Produkteigenschaftens für modische Güter:- Äußerlichkeit, äußerer Kern veränderbar- weisen soziale Sichtbarkeit, Wahrnehmung auf- aus sozialer Sicht "entbehrliche Güter" (sind nicht lebensnotwendig, z.B. Schmuck)- nach ästhetischen Kriterien gestaltet
- 21. Beschreiben Sie die Entwicklung und Veränderung der Konsumorte im Zeitablauf. - Hausierer, Krämer, Wochen- und Jahrmärkte -> waren auf keinen fixen Ort beschränkt, Verkäufer kam zum Kunden (Problem z.B. bei Umtausch etc.) - Läden, Markthallen, Magazine, Kauf-/Warenhäuser: Absatz von industriellen Massenprodukten -> fixer Ort, Verkäufer war immer am selben Ort erreichabr -> Entstehung von Beziehungen zwischen Kunden und Verkäufern, Kunde ging zum Verkäufer. - Versandgeschäfte (mit Aufkommen des Waren-/Postversands), vor allem für ländliche Regionen interessant. - Verkaufsautomaten, durchgesetzt bei Zigaretten und Getränken. - Niedergang der Tante-Emma-Läden, Warenhäusern und Fachgeschäften -> Aufstieg der Verbrauchermärkte, FOCs und Einkaufszentren - Shopping Malls mit Shop-in-Shop Systemen liegen stark im Trend! -> große überdachte Räumlichkeiten, oft auf "grüner Wiese" mit großem Parkplatzangebot (Tendenz zum Einkaufen mit dem Auto, Platz in der Innenstadt bspw. nicht vorhanden). Breites Angebot, viele Geschäfte, einheitliche Öffnungszeiten. -> Kaufen wird zum "Erlebnis" mit Serviceleistungen, Gastronomiebetrieben, Kulturevents. Trend zum Urban Entertainment Center mit reichhaltigen zusätzlichen Freizeitangeboten (z.B. Kini)-> Wandel: man konsumiert nicht mehr nur die erworbenen Güter sondern auch den Ort!-> Wandel: man konsumiert auch an dem Ort, wo man einkauft (Bsp: Snack-Oasen, etc.)
- 22. Erläutern Sie den Begriff der "Erlebnis- und Konsumgesellschaft Erlebnisgesellschaft: Von hedonistischen Werten geprägt und auf das Erlangen von möglichst viel Genuss konzentrierte Gesellschaft. Glückseligkeit als oberstes Lebensziel, auf Tugenden wie Solidarität, Anstrengung, Geduld wird zunehmend verzichtet.-> Gegenwartsorientierte Gesellschaft("den Moment vollkommen auskosten", seinen Lebensstil vollkommen individualistisch gestalten"). Konsumgesellschaft: Der Konsum von Gütern / der Akt des Konsumierens wird zum Mittelpunkt des Lebens. Massenprodukte ("Wegwerfprodukte") werden durch Werbung vermittelt. Die Befriedigung möglichst vieler Bedürfnisse ist nur durch Konsum gegen entsprechende Bezahlung möglich.-> Gesellschaft, die "im Überfluss lebt" und keine Güterknappheit kennt. Der Begriff verdeutlicht, dass Konsumdenken und -handeln sehr stark die alltägliche Wahrnehmung des Einzelnen prägen.
- 23. Erörtern Sie die These von der strukturellen Benachteiligung des Verbrauchers. Der Verbraucher ist benachteiligt, da auf dem Markt asymmetrische Information besteht. Das bedeutet, dass die eine Marktseite (Anbiete von Waren) besser informiert ist, als die andere Seite (Verbraucher). z.B. Bezogen auf die Qualität seiner Ware (Anbiete kennt sie, Konsument nicht unbedingt). Aufgrund dieser strukturellen Benachteiligung (asymmetrischer Information) ist der Verbraucher gegenüber gewinnorientierten Anbietern ("Hauptsache Profit") im Nachteil.
- 24. Beschreiben Sie die Notwendigkeit und die Formen des staatlichen Verbraucherschutzes. Notwendigkeit:- Beeinflussung der Konsumenten, insbesondere junger Konsumenten, via Werbung, Marketing etc. macht das Einschreiten des Staates notwendig. Formen: Unterstützung der Verbraucherinformation- und aufklärung, sowie dem Verbraucherschutz:- zahlreiche Informationskampagnen- institutioneller Förderung- gesetzliche Vorgaben (Kauf- und Werkvertragsrecht des BGB, Einzelbestimmungen: Lebensmittelkennzeichnungs - und Preisauszeichnungsverordnung, Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb, Öko-Verordnung, Verbot von Tabakwerbung, etc.)- Verbraucherpolitik im Allgemeinen (umfasst Verbraucherschutz, Verbraucherinformation, -beratung, -erziehung und aufklärung)
