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Biologie Ökologie (Fach) / Wildtierökologie (Lektion)
Übungsfragen für Wildtierökologie im Fach Waldwirtschaft und Umwelt 2. Semester Uni Freiburg
Diese Lektion wurde von tomki93 erstellt.
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- 01. Welche Daten müssen Sie erheben, um die Habitatpräferenzen einer Wildtierpopulation festzustellen? Ein Habitat ist der natürliche Lebensraum („Wohnort“) einer Tierart. Er bietet alleVoraussetzungen für das Überleben einer Art. Für dieHabitatpräferenzen sind also diese Voraussetzungen entscheidend. Diese können unteranderen-‐ die Versorgung mit Nahrung und Wasser (handelt es sich bei Population umBrowser oder Grazer? Sind es Herbivore, Carnivore, Omnivore? Spezialistenoder Generalisten?)-‐ abiotische Faktoren wie das Vorhandensein von Deckungsmöglichkeiten vorFeinden und Witterungseinflüssen oder die nutzbare Fläche (sieheStreifgebietsgröße, Habitattyp)-‐ das Vorhandensein von Nist- und Brutplätzen / Bauen-‐ die klimatischen Bedingungensein.
- 02. Beziehen sich die Begriffe a) Streifgebiet und b) Verbreitungsgebiet auf die Ebene des Individuums, der Population, oder der Art? Das Streifgebiet ist die von einem Individuum in einem bestimmten Zeitabschnittgenutzte Fläche [PDF „Habitat“, Seite 20].Das Verbreitungsgebiet ist jene Fläche der Erdoberfläche, die von einer bestimmtenArt oder einer Lebensgemeinschaft genutzt wird.
- 3. Angenommen, Sie sollen 3 Säugerarten untersuchen, deren Raumnutzung unbekannt ist. Alle 3 wiegen etwa 20 kg; A ist carnivor, B herbivor, C omnivor. Erwarten Sie ähnliche Home Range Größen für alle 3? Wenn ja, warum? Wenn nein, welche Unterschiede erwarten Sie? (beachten Sie hierzu auch „Ernährungsökologie“) Herbivore sind Pflanzenfresser. Sie brauchen eine geringere Streifgebietsgröße alsCarnivore, da diese eben von ihnen Leben. Auf derselben Fläche ist fürPflanzenfresser etwa zehn mal mehr Energie in Form von Nahrung vorhanden, als fürFleischfresser.Zwischen den Fleisch- und Pflanzenfressern sind die allesfressenden Omnivoreangesiedelt.Entscheidend für die Streifgebietsgröße ist aber nicht allein die Stellung in dertrophischen Ebene, sondern z.B. auch, ob das gefragte Individuum eher Generalistoder eher Spezialist ist, ob es im Verlauf seines Lebens Streifgebietswechsel /Wanderungen unternimmt, wie alt es ist und wie hoch seine biologische Amplitudeist (eurök/stenök).
- Was versteht man unter dem englischen Begriff „Dispersal“ in der Wildtierökologie? In welchem Zusammenhang ist Dispersal populationsökologisch bedeutsam? Mit Dispersal/Disimigration ist der Wechsel des Streifgebiets durch Abwanderunggemeint. Z.B. werden Jungvögel irgendwann „aus dem Nest geworfen“ und findeneigene Streifgebiete.Die Abwanderung dient dazu, den Geenpool durch Durchmischung mit anderenPopulationen zu bereichern, neue Gebiete zu besiedeln oder alte wieder zu besiedelnund letztlich der Ausbreitung der Art selbst.Ökologisch ist dies interessant, weil so die Zu- und Abwanderungsraten, sowiepopulationsdichteabhängige Faktoren wie Krankheiten und Nahrungsverfügbarkeitbeeinflusst wird. Dies wiederum ist entscheidend für das Aussterben oder Überlebeneiner Population.
- 5. In einem Waldbestand tritt lokal sehr hoher Verbiss an der Waldvegetation auf. Auf welche Einflussfaktoren könnte dies zurückzuführen sein? Erklären sie die Wirkungsweise von zwei Einflussfaktoren genauer. 1. Eine hohe Wilddichte: „Eine überhöhte Wilddichte ist die häufigste Ursache für Verbiss- und Schälschäden.Eine für den Wirtschaftswald durchschnittlich tragbare Dichte von Rehwild liegt beiungefähr 8 Stück pro 100 ha, bei Rotwild ca. 1-2 pro 100 ha. Unzureichende Jagdoder ungünstige Abschusspläne bewirken, dass Wilddichten von bis zu 20 StückRehwild pro 100 ha durchaus anzutreffen sind.“Aber: „Die lineare Beziehung: viel Wild – viel Schaden und die einfache Lösung: vielSchießen – wenig Wild – wenig Schaden wird diesem komplizierten Wirkungsgefügenicht gerecht. Nur ein integrativer Ansatz, der alle Einflussfaktoren sorgfältig undohne Voreingenommenheit analysiert, wird langfristig zielführend sein.“ 2. Räumliche und zeitliche Verteilung: „Einmaliger Verbiss wird i.d.R. gut regeneriert, während wiederholter, alsomehrjähriger andauernder Verbiss, zu starker Verbuschung und z.T. auch zumAbsterben der Pflanze führt.“ 3. Die Artenzusammensetzung: Je nachdem, ob nur bestimmte Gewächse angegriffen sind oder sich der Schadenannähernd gleichmäßig auf alle Vegetationsarten verteilt, sind entweder Browser oderGrazer verantwortlich. 4. Jahreszeitliche Einflüsse: Im Winter werden beispielsweise Tannen besonders gerne verbissen, da sie über eineeventuelle Schneedecke herausragen.Im Sommer werden große Teile des Triebes komplett abgebissen, während imHerbst/Winter nur die Triebspitzen abgefressen, da die Triebe bereits verholzt sind. 5. Menschliche Einflüsse / Fütterungen: „Alle menschlichen Aktivitäten, die verhindern, dass Wild seinem natürlichenÄsungsrythmus folgen kann, engen den verfügbaren Lebensraum ein und verstärkendie Schadensanfälligkeit des Waldes. Freizeit- und Tourismusaktivitäten – besondersabseits gekennzeichneter Wege und Loipen – sind ein wesentlicher Bestandteil desWirkungsgefüges „Wildschäden“.Fütterungen sind zwar „gut gemeint“, können aber die Schadensproblematikverschärfen. In Baden-Württemberg ist die Fütterung von Rehwild auswildökologischer Sicht i.d.R. nicht notwendig, da nicht von einer für Populationengegebenen Notzeit ausgegangen werden kann. Die Rehwilddichte im Nahbereich derFütterung wird künstlich erhöht und das Raum-Zeit-Verhalten stark beeinflusst. DerVerbissdruck wird auch durch die Wahl falscher Futtermittel, unregelmäßigesFüttern oder frühzeitiges Beenden der Fütterung im Spätwinter erhöht. Im Sinneeiner Wildschadensvermeidung ist keine Fütterung besser als eine falsche.“ 6. Jagddruck Manche Arten ziehen sich in dichtere Gebiete zurück und fressen dort die Verjüngungab, wenn sie stark bejagt werden. 7. Nahrungsangebot Wenn es viel zu fressen gibt, wird natürlich der Druck auf Jungpflanzen gesenkt.
- 6. In einem Fichtenreinbestand werden Fichten durch Rotwild geschält. Welche ökologischen Auswirkungen kann das Schälen nach sich ziehen? Welche Tierarten könnten hiervon profitieren? Bei geringer Intensität kommt es lediglich zu kurzzeitigen Einbußen bei Vitalität undZuwachs. Die Schäden äußern sich durch Wundüberwallung (Überwachsen einerVerletzung der Baumrinde ⇒ unregelmäßige Form des Baumstammes).Pilzinfektionen kommen als sekundäre Wirkung oft dazu.Bei mittelmäßiger Intensität können einzelne Bäume durch Ringschäle (Loslösen vonMaterial entlang der Jahresringe durch Spannung im Holz) absterben.Eine sehr hohe Intensität führt zu Stabilitäts- und Vitalitätsverlust des ganzenBaumbestandes. Generell alle Tierarten, die Licht- oder Totholz brauchen, wie zum BeispielAuerhühner.Schädlinge wie Borkenkäfer oder Holzwürmer können bei teilweise fehlender Rindeleichter in den Baum eindringen. Allerdings bietet diese auch einen Vorteil für ihreFressfeinde wie beispielsweise Spechte.
- 7. Was ist notwendig, wenn sie einen möglichen „Schaden“ durch einen Wildtiereinfluss erfassen und bewerten wollen? Welche Schäden können durch den Einfluss von Wildtieren entstehen? Zunächst muss definiert werden, wann ein Schaden vorliegt. Beispielsweise istWildverbiss eine Lebensäußerung vieler Wildtiere und wird erst zu einem Schaden,wenn dadurch Ziele der Waldnutzung gefährdet werden.Die Eckdaten der hiesigen Wildtierpopulationen (Dichte, Artenvielfalt, räumliche undzeitliche Ausdehnung, die Qualität und Quantität der verzehrten Nahrung) müssenbekannt sein. Nur damit und einer genauen Untersuchung der Verbiss-, Schäl-,Trittschäden ist eine sinnvolle Bewertung der Schäden möglich. VerbissSchaden an Keimlingen (Verjüngung wird unterdrückt) oder am Terminaltrieb(Verbuschung des Baumes). Ein Abfressen der Seitentriebe und Blätter hatnormalerweise keine Schäden zur Folge.Insgesamt betrachtet erfolgt eine Verschiebung der Konkurrenzverhältnisse, was zumBeispiel für die natürliche Sukzession nicht störend sondern sogar notwendig ist.SchälenDurch das Schälen wird die Rinde des Baumes oder seine Wurzeln beschädigt. Hierbesteht das Risiko eines sekundären Pilzbefalls. Je nach Intensität kommt es zumAbsterben einzelner Bäume oder zu Vitalitäts- und Stabilitätsverlusten des gesamtenBestandes.TrittVerletzung der Narbe und der Vegetation, Schaffung offener Bodenstellen (kann zurErschließung von neuen Standorten sogar hilfreich sein), Bodenverdichtung,Ausbildung von Trittsiegeln. [PDF „Wald und Wild 1“, Seite 7]Je nach Intensität kommt es zu kleinflächigen Störungen oder gar dauerhaft offenenBereichen.Wühlen, Scharren, SuhlenVerletzung der Bodenvegetation, Freilegung des Mineralbodens,Nährstoffanreicherung (Eutrophierung).Aus forstlicher Sicht sind folgende Probleme wichtig:1. Zuwachs- oder Werteverlust (Die Holzernte wird gefährdet oder die Qualität desHolzes ist beispielsweise durch Wundüberwallung verschlechtert)2. Stabilitätsverlust3. Diversitätsverlust4. Verlust an erwünschten Waldfunktionen
- 8. Wie unterscheidet sich die Nahrungswahl bei Reh und Rothirsch? Rehe sind Browser (Konzentratselektierer). Sie bevorzugen leicht verdauliche,energiereiche Narhung wie Kräuter, Knospen oder Früchte.Trotzdem sind sie Generalisten, da sie mehrere hundert verschiedene Pflanzenartenfressen. Ihre Nahrungspräferenzen ändern sie sehr rasch.Rehe führen schnelle Präferenzwechsel, ausgelöst durch Änderungen in saisonalerQualität und Quantität der angebotenen Nahrung.Rothirsche sind Mischäser (ein Intermediärtyp). Sie sind ebenfalls Generalisten(fressen 300 verschiedene Pflanzenarten, einschließlich Flechten, Moosen und Pilzen),zeigen jedoch Tendenzen zum Grasfressen. Außerdem bevorzugen sie im Vergleich zuRehen zellulose- und eiweisreiche Nahrung. Diese ernähren sich von energiereicheraber ebenfalls eiweisreicher Nahrung.Für Rothirsche entscheidet das Angebot über die Nahrungsaufnahme. Sie selektierenim Vergleich zum Reh kaum (Intermediärtyp).
- 9. Beide Arten (Reh und Rothirsch) besiedeln den selben Lebensraum. Welche Art würden sie für dominanter einstufen und warum (beachten Sie hierzu auch die Vorlesung Populationsökologie?) Der Rothirsch ist dominant, da er nicht selektiert und auf andere Nahrungsquellenausweichen kann (braucht aber auch viel mehr Äsung). Außerdem sind sie oftmals inGruppen unterwegs, was Rehe, die eher Einzelgänger sind, einschüchtern kann. Siemeiden auch Gebiete die nur früher Reviere von Hirschen waren. Andersherum istdies nicht der Fall.Allerdings ist das potentielle Populationswachstum bei Rehen doppelt so groß wie beiden Hirschen. Aber das muss nicht als Dominanz angesehen werden.Trotzdem weist der Rothirsch in Deutschland kaum eine Verbreitung auf. Er istnicht so gut an Menschen „gewöhnt“ wie der Kulturfolger Reh. Dies wir dadurchverstärkt, dass Rehe mit viel kleineren Streifgebietsgrößen klarkommen, was imdichtbesiedelten Deutschland ein Vorteil ist.
- 10. Würden sie durch das Wirken von Rehen oder von Rothirschen einen größeren Einfluss auf den Lebensraum erwarten (beachten Sie hierzu auch die „Funktionen von Herbivoren im Ökosystem“)? Das Reh ist ein Konzentratselektierer, das heißt wenn kaum Alternativäsungvorhanden ist kann deutlicher Schaden entstehen, da dann der Fokus auf einer oderwenigen Pflanzenarten liegt ⇒ höhere Verbissdruck aber auch die Förderungkonkurrenzschwacher Arten ist möglich. Im Gegensatz dazu können Rothirsche aufandere Nahrungsquellen übergehen. Wobei die von Hirschen ausgelösten Schäden imEinzelfall schlimmer sein können (siehe Schälen).Außerdem fressen Rehe Knospen an Bäumen und schaden somit dem Terminaltrieb.Rehe sind gegenüber Hirschen „zahlenmäßig überlegen“, da sie mehr Junge werfen.Insgesamt dürften also Rehe den größeren Einfluss haben, auch wenn das imEinzelfall sicher nicht immer stimmt und auch Rothirsche, zum Beispiel durch Sulenund dem damit verbundenen Freilegen des Mineralbodens, neue Flächen zurBesiedlung durch Pflanzen schaffen können.
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- 11. Sie arbeiten an einer Konzeption zur „Reintegration des Rothirsches im Schwarzwald“. Durch welche Maßnahmen könnten sie den potentiell entstehenden Wildschaden minimieren (Ökologie der Art beachten)? 1. Einzelbaumschutz junger Bäume (teuer aber effektiv)2. Möglichkeit zum Zurückziehen in Täler zulassen3. Füttern (Verhältnismäßigkeit beachten)4. Wegegebote und das Anlegen eines weitmaschigen Wegenetzes ⇒Rückzugsmöglichkeiten für das Wild entstehen, außerdem wird ein größeresStreifgebiet zur Verfügung gestellt ⇒ lokal nur geringer Äsungsdruck5. Breites Nahrungsangebot bereitstellen ⇒ Alternativäsung verhindert„Notlösungen“ wie das Schälen
- 12. Kann der Altersaufbau einer Population von Wildtieren ihre Fertilität beeinflussen? Warum oder warum nicht? Ja. Wenn der Population besonders viele Jungtiere, die noch nicht geschlechtsreif sind, angehören oder der Anteil an alten Tieren hoch ist, die ihre Fruchtbarkeit eingebüßt haben, sinkt insgesamt die Fertilität. Gehören der Population hauptsächlich geschlechtsreife Tiere „in den besten Jahren" an, steigt sie.
- 13. Männchen und Weibchen werden fast immer ungefähr im Verhältnis 1:1 geboren. Wie kommt es dann, dass das Geschlechterverhältnis unter den Adulten oft stark davon abweicht? Dispersal kann ein Grund dafür sein. Bei Säugetieren wandern meistens dieMännchen einer Population ab ⇒ Anteil der Weibchen steigt.Auch das Nahrungsangebot spielt eine Rolle. Bei guter Nahrungsversorgung nimmtder Anteil der Weibchen zu, sonst jener der Männchen. So wird sichergestellt, dass inschlechten Zeiten viele Männchen wenige Weibchen mit Nahrung versorgen könnenund in guten Zeiten viele Nachkommen zur Welt kommen können.
- 14. Unter welchen Bedingungen ist das exponentielle, unter welchen das logistische Wachstumsmodell realistisch? Das exponentielle Wachstum ist für Bakterien, Einzeller, Invertebraten wie Insekten,etc. realistisch. Diese sind oftmals recht anpassungsfähig und besiedeln ein eherkleines Areal, auf dem genug Nahrung vorhanden ist.Arten, die sich auf fluktuierende und unvorhersehbare Lebensräume spezialisierthaben, setzen sich durch eine hohe Wachstumsrate, frühe Geschlechtsreife, vieleNachkommen und eine geringe Körpermasse durch (StarCraft-Strategie: Ressourcenschnell verbrauchen, viele Einheiten produzieren).⇒ Das exponentielle Wachstum ist immer dann realistisch, wenn praktischunbegrenzte Ressourcen zur Verfügung stehen und es keine/wenig Einflussfaktorengibt, die von der Populationsdichte abhängig sind.Das logistische Wachstum ist für anspruchsvollere, größere Tiere (Ressourcen könnennicht einmal annäherungsweise unbegrenzt sein) und immer dann realistisch, wennFaktoren die Mortalität/Natalität beeinflussen, die von der Dichte der Populationabhängig sind. Zum Beispiel steigt die Seuchengefahr bei steigenderPopulationsgröße.Begrenzt wird das logistische Wachstum durch eine Wachstumsgrenze K, die imWesentlichen von den Gegebenheiten (Nahrungsangebot, Deckungsmöglichkeiten,Klima) des Habitats abhängt.Arten, die sich auf stabile Lebensräume spezialisiert haben, folgen einer logistischenWachstumskurve. Sie zeichnen sich durch späte Geschlechtsreife, eine langeLebensspanne, wenig Nachkommen pro Wurf und eine große Körpermasse aus.
- 15. Ein Jäger möchte nachhaltig (=jedes Jahr) eine hohe Anzahl Rehe schießen können. Um das zu erreichen, will er die Rehdichte in seinem Revier so hoch wie möglich halten. Führt sein Ansatz zum gewünschten Ziel? Warum oder warum nicht? Der Jäger folgt der Idee des „Überschusses“. Das heißt, er will die Population nahean der Kapazitätsgrenze halten und durch sein Jagen die dichteabhängigen Faktorenkompensieren, sprich Tiere schießen, „damit“ diese nicht an Krankheiten, fehlendemNahrungsangebot oder ähnlichem sterben.In der Realität hat die Mortalität aber immer kompensatorische und additive Anteile(also solche, die „dazukommen“, egal wie groß die Population ist). Ausunterschiedlichen Gründen (der Jäger kann durch seine Jagd keine Seuchenverhindern) ist die Mortalität unter Bejagung fast immer höher als ohne.Im Endeffekt wird die Population also über die Jahre hinweg schrumpfen, anstatteinen nachhaltigen „Ertrag“ zu liefern.
- 18. Welche Faktoren beeinflussen die Populationsdynamik der Elche auf Isle Royale? Zum einen die Anzahl der Wölfe und deren Jagdverhalten. Die Wölfe jagen vor allemalte oder durch Krankheiten geschwächte Elche ⇒ Beitrag der Wölfe hauptsächlichkompensatorisch. In der Grafik (nach 22 Jahren) ist jedoch zu erkennen, dass mitdem sprunghaften Größer werden der Wolfspopulation auch der Prädationsdruck aufdie Elche anwächst. Die Wölfe jagen sehr geschickt (erkennen Schwäche undKrankheit sofort, jagen im Rudel und haben im Schnee Vorteile).Neben den Prädatoren selbst üben aber auch Nahrungsmittelverfügbarkeit,Krankheiten (Einfluss von Zecken) und klimatische Faktoren (strenger Winter) einenEinfluss aus. In der Grafik (nach 39 Jahren) ist zu erkennen, wie die Elchpopulationzusammenbricht, obwohl die Populationsdichte der Wölfe gering wie selten zuvor ist.
- 19. Welche Faktoren beeinflussen die Populationsdynamik der Wölfe auf Isle Royale? Neben der Populationsdichte der Elche sind Faktoren wie Krankheiten(Zusammenbruch der Population nach 24 Jahren) und Inzuchtdepressionentscheidend. Hierbei ist zu beachten, dass die Elche den Wölfen zahlenmäßig weitüberlegen sind, sodass sie auch nach einem Rückgang ihrer Population alsNahrungsquelle dienen können. Tatsächlich zeigte sich eine Zunahme derWolfspopulation, als die Elche durch eine geringe Populationsdichte verwundbargeworden sind.
- 20. Warum sind Langzeitstudien wie die auf Isle Royale so wertvoll? Diese Studie zeigt die starken Abweichungen von Theorie und Realität. DiePrädatorpopulation steht und fällt nicht mit der Größe der Beutepopulation (sieErreicht sogar einen Höchststand, als die Beutepopulation die geringste Dichteaufweist). Tatsächlich sind viele andere Faktoren, wie Krankheit, generelle Fitnessdes Rudels (Stichwort: Inzuchtdepression), Nahrungsverteilung, Einflüsse durchandere Arten und dem Klima (strenge Winter drücken die Elchpopulation sehr stark)wirksam.Außerdem wirken die Einflüsse oft als eine Art Komplex zusammen und ergänzensich. Die Populationsdichte der Elche brach zusammen nachdem es einen Ausbruchvon Zecken und einen strengen Winter gab.Es wirken also dichteabhängige und dichteunabhängige Faktoren zusammen.
- 21. Beschreiben Sie das Jagdverhalten der Yellowstone-Wölfe. Die Wölfe jagen vor allem kranke und alte Tiere (schlechte Kondition).Gute Reaktionszeit / „gutes Auge“: Es wird sofort bemerkt, wenn sich ein Tier vonder Herde entfernt. Außerdem erkennen die Wölfe geschwächte Tiere sofort.Kompensatorischer Einfluss: Gesunde Tiere werden kaum gejagt.Durch die Jagd bei Nacht und im Schnee haben die Wölfe ein Vorteil aufgrund ihresgeringeren Gewichts. Die Hirsche brechen ein.Koordiniertes Jagen: Während der Jagd verständigen sich die Wölfe durchKörpersprache.
- 22. Welche Faktoren begrenzen die Populationsgröße der Wölfe in Yellowstone? Territorialverhalten und Populationsgröße beeinflussen sich gegenseitig. Wird einRudel zu groß wandern junge Tiere ab oder werden ausgestoßen. Je kleiner ein Rudelwird, umso schlechter ist aber auch der Genaustausch. Außerdem folgen Nachteile imKonkurrenzkampf mit anderen Rudeln.Unterschiedliche Rudel bekämpfen sich gegenseitig. Überschreitet ein fremder Wolfdie Grenze des Territoriums eines Rudels, wird er oft getötet. Zuwanderung istextrem selten und „Glückssache“.Jäger stellen einen anthropogenen, begrenzenden Faktor dar. Dies betriffthauptsächlich die Randgebiete des Nationalparks.Weitere Faktoren sind die Dauerbrenner Nahrung, Krankheiten und das Klima.
- 23. Können Räuber eine Beuteart ausrotten? Unter welchen Umständen ist das besonders wahrscheinlich? Unter welchen ist es unwahrscheinlich? Unter bestimmten Umständen ist das möglich. Wenn die Beuteart den Prädatoren konditionell nicht gewachsen ist, wenn es kaumVerstecke gibt oder wenn eine Alternativbeute fehlt, ist der Prädationsdruck enormhoch (und wird weiter verstärkt durch eine hohe Populationsdichte der Räuber).Ökosystemfremde Arten sind besonders gefährlich, da die Beutetiere nicht an sieangepasst sind.In einem „normalen“ Ökosystem, das auch den Beutearten Möglichkeiten lässt, isteine Ausrottung unwahrscheinlich.
- 24. Was versteht man unter einem „Kulturfolger“, und wie lässt sich deren Verhalten erklären? Kulturfolger sind Arten, die sich auf, unabsichtlich vom Menschen geschaffene, für siegünstige Lebensbedingungen spezialisiert haben. Beispiel: Der Turmfalke benutzt alteHolzdächer als Ersatznistplatz.Auch Tiere führen eine Art „Kosten-Nutzen-Rechnung“ durch, bei der sie dieVorteile (oft leicht verfügbare Nahrung) den Nachteilen (Nähe zum Menschen)vorziehen.
- 25. Was versteht man unter „Neozoen“ und inwiefern sind diese problematisch? Neozonen sind ökosystemfremde Arten, die vom Menschen eingeschleppt wurden.Problematisch sind sie besonders als „Alien Predators“, die heimischen Artenüberlegen sind und an die sich die heimischen Beutetiere nicht angepasst haben.Dadurch können sie das Gleichgewicht der Kräfte innerhalb eines Ökosystemszerstören.
- 26. Im Sommer 2006 tauchte in Bayern ein Bär auf, den die Medien „Bruno“ nannten. Er suchte immer wieder gezielt in menschlichen Siedlungen nach Nahrung. Während er dabei anfangs Zusammentreffen mit Menschen vermied und nur nachts in Dörfer ging, ignorierte er Menschen mit der Zeit immer mehr, bis er sich schließlich auch tagsüber aus kurzer Distanz fotografieren ließ. Erläutern Sie anhand dieser Verhaltensweisen die Begriffe Habituation und Konditionierung. Habituation (oder Gewöhnung) ist das antrainierte Ausbleiben einer Reaktion.Voraussetzungen dafür, dass es zur Habituation kommt, sind:• Regelmäßigkeit, Häufigkeit• Vorhersagbarkeit• Harmlosigkeit des Reizes.Alles war im Fall Bruno gegeben. Er traf zwar oft auf Menschen, diese hatten aberselbst Angst und haben wiederum ihn gemieden. So konnte er immer wieder an dieNahrungsquellen gelangen, ohne daran gehindert zu werden ⇒ Vorhersagbarkeit.Konditionierung ist ein erlerntes Reaktionsmuster, das durch Erfolg verstärkt wird.Der Bär gelangte immer wieder an Nahrung, ohne sich dafür sehr anstrengen zumüssen. Dieses Phänomen ist typisch für Bären. Man findet es häufig inNationalparks, in denen Nahrung weggeworfen wird oder Jungbären sogar gezieltgefüttert werden.
- 27. Wie ist zu erklären, dass es heute „Stadtfüchse“ gibt? Vorstädte bieten ihnen gute Deckungsmöglichkeiten und ausreichend Nahrung(kleinere Streifgebiete sind so für sie ausreichend). Das sind nicht nur Abfälle vonMenschen, sondern auch andere Tiere, wie Wühlmäuse, die ebenfalls von diesenprofitieren.In Städten ist eine Jagd nicht möglich. Überhaupt sind Füchse recht schlau undkönnen dem Versuch der Ausrottung – die früher sogar wesentlich stärker betriebenwurde – immer wieder erfolgreich entgehen.Außerdem werden Füchse heute mehr akzeptiert als früher, als sich noch für Bauernein lästiges Ärgernis waren (fraßen Hühner). Abgesehen vom Fuchsbandwurm, stellensie für den Mensch heute eine geringe Gefahr/Last dar.
- 28. Wie würden Sie vorgehen, um zu klären, ob sich die Befallsraten von Rotfüchsen mit dem Fuchsbandwurm zwischen Freiburg-Stadt, dem Kaiserstuhl und dem Schwarzwald unterscheiden? Wo würden Sie die höheren Befallsraten erwarten? Warum? Dies kann anhand von Blutproben (Antikörper) im Zuge von Laboruntersuchungengeprüft werden. Dazu müssen stichprobenartig Füchse gefangen und untersuchtwerden. Eine Markierung der gefangenen Füchse bietet sich an. Der Fuchsbandwurm ist auf Wühlmäuse als Zwischenwirt angewiesen. Wo diese alsovorkommen, ist die Infektionsgefahr am größten. Menschen sind ein sogenannterFehlzwischenwirt. Sie können infiziert werden, geben den Parasiten aber nicht weiter.Wühlmäuse (und andere Nager) kommen hauptsächlich im ruralen (also ländlichen)Gebiet vor. In der Stadt und im Wald sind sie ebenfalls vorhanden, jedoch langenicht in derselben Dichte. Dasselbe gilt auch für den Fuchs.In der Freiburger Innenstadt sollte das Infektionsrisiko am geringsten sein. Höher istes im Schwarzwald und am höchsten am Kaiserstuhl. Begründung: Siehe oben.