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03607 KE1 ss '14 (Fach) / 2 Forschungsfragen, Forschungsdesign, Forschungsprozess (Lektion)
es gibt keine allgemeingültigen Patentrezepte für emp Sozialforschung > Forscher gezwungen in Auseinandersetzung mit dem Untersuchungsgegenstand ein geeignetes Untersuchungsdesign zu entwickeln.
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- 2.1. Fragestellungen und Forschungsansätze: Einige Beispiele TYP 1: Problemfeld = relativ neu, bisher wenig gesichertes Wissen empirische Basisdaten beschaffen Themenbereich grob abstecken Forscher wird den zu beschreibenden Untersuchungsgegenstand nur vergleichsweise wenig vorstrukturieren können. → darauf angewiesen möglichst offene = wenig oder garnicht standardisierte Erhebungsinstrumente einzusetzen B: Leitfadengespräche, Gruppendiskussionen, freie (wenig systematisierte) Beobachtungen. → Seine Untersuchung hat in diesem Fall explorativen Charakter Mit Exploration verbindet man im Kontext analytisch-nomologisch orientierter Forschung die Vorstellung einer Vorstudie zur Vorbereitung einer danach "ernsthaften" Untersuchung/ Pretest zur Entwiocklung eines anspruchsvollen Erhebungsinstruments. In der qualitativen Sozialforschung dagegen wird unter Exploration eine methodologische Perspektive innerhalb des Prozesses von Informationssammlung und -analyse verstanden B: Blumer: Exploration = das umfassende in die Tiefe gehende detektivistische Erkunden des Forschungsfeldes, das Sammeln möglichst vielfältiger, das gesamte Spektrum abdeckender Info. Inspektion = Deuten und Analysieren der Information. TYP 2: Erkenntnisinteresse ist gerichtet auf eine möglichst exakte Beschreibung eines komplexwn Sachverhalts, über den breites hinreichendes Wissen bereits existiert. B: Verbreitung von Arbeitslosigkeit in unterschiedlichen Regionen der Bundesrepublik bei verschiedenen Berufs-, Bildungs- und Altersgruppen; Meinung der Wahlberechtigten Bevölkerung über die Arbeit von Regierung und Opposition sowie über die politischen Parteien. Untersuchungsthema = genau abgegrenzt + relevanten Themenaspekte + zu erhebenden Merkmale können im voraus angegeben werden. Erhebung soll lediglich die aktuelle "Diagnose" liefern. → hoch standardisierte Erhebungsinstrumente. Bei beiden Typen kann das Erkenntnisinteresse: ...statisch sein = Informationen beziehen sich auf den Zustand zu einem bestimmten Zeitpunkt → einmalige Datenerhebung genügt:.Querschnittuntersuchung ...dynamisches = kurz- mittel- oder langfristige Entwicklungen und Veränderungsprozesse beziehen. → Erhebungen müssen entweder von Anfang an langfristig durchgeführt werden oder zu verschiedenen Zeitpunkten wiederholt werden. Längsschnittuntersuchung Geschehen Datenerhebungswiederholungen immer wieder bei den gleichen UE (B: gleiche Personen, Haushalten, Oraganisationen) = Panel-Analyse // werden bei jeder der wiederholten Erhebungen die UE neu ausgewählt und bei der Auswertung lediglich die statistischen Merkmalsverteilungen verglichen = komparativ-statistische Analysen; ____________________________________________________________ Realzeituntersuchung = Spezialfall zeitlicher Übereinstimmung von Ereignissen + ihrer Erhebung. ex post facto = Ermittlung der Information im Nachhinein. Versuch die Abfolge von Ereignissen und Situationen zu rekonstruieren, etwa durch Auswertung von Dokumenten/ Sekundäranalysen früher erhobener Daten /durch Interviews mit Personen, die die interessierenden Ereignisse miterlebt haben. Zwei Typen deskriptiver Fragestellungen. Exploration (Fragestellung:Entscheidungsvorbereitung) als Basis für eine zu treffende Entscheidung empirisch gesicherter aktuelle Erkenntnisse über de un Frage stehenden Gegenstand zu erhalten. Diagnose (Fragestellung:Diagnose) bei unvorgesehenen gesellschaftlichen Veränderungen umfassende Informationen zur Beurteilung und zum Verständnis dieser Entwicklungen zu gewinnen. Es geht bei deskriptiver Forschung um die Erhebung von Daten im sozialen Feld. Deskriptive Forschung → Feldstudie theorietestende Analysen → Experiment Forschungsdesign Wozu dient die Untersuchung? 1. Fall= Grundlagenwissen vergrößern 2. Fall = anwendungsorientierte Information, kann ..direkt sein = Begleitung des Forschungsprojetk´ts (B: Beratung der Politik; Integration der Bewohner eines Obdachlosenheims) .Evaluationsstudie = Erfolg/Misserfolg einer Maßnahme/ eines Handlungsprogramms bewerten.→ evtl Prognose (B: eigener Forschungstyp = Tecnikfolgen- bzw. Technologiefolgen-Abschätzung (TA) Festzustellen = qualitative Methoden verwenden häufig durchaus die gleichen traditionellen Instrumente, lediglich in gering standardisierten, gegebenenfalls leicht abgewandelten Versionen. Es gibt dabei Ausnahmen: Interview →erzählgenerierende, das narrative Interview. Allerdings unterscheiden sich die Regeln der Anwendung der eingesetzten Instrumente : Informationsinteresse bei qualitativer Beobachtung = ein anderes als das Dokumentieren und Zählen des Auftretens vordefinierter Ereignisse und Merkmale im Falle standardisierter Beobachtung. auch erzählgenerierende Interviews zielen auf ganz andere Informationen als standardisierte Fragebögen und müssen daher in anderer Weise gehandhabt werden.
- 2.2 Der Forschungsprozess als eine Reihe ineinander verzahnter Entscheidungen gewählte Reihenfolge der Entscheidungen hat idealtypischen Charakter. Im realen Forschungsablauf werden Überschneidungen, Sprünge und Rückkopplungen die Regel sein. a) Klärung des "Entdeckungs-" und des "Verwertungszusammenhangs": Welches Problem soll erforscht werden (Forschungsfrage)? Warum ist diese Problem so relevant, dass es erforscht werden soll? Wessen Probleme werden aufgegriffen? Wessen Interessen werden berührt (Erkenntnisinteressen)? Handelt es sich um ein dem Forscher vorgegebenes oder ein von ihm selbst gestelltes Problem? Für welche Zwecke sollen die Ergebnisse verwendet werden (Verwertungsinteressen)? Welche Informationen werden zur Erfüllung dieser Zwecke und zur Beantwortung der Forschungsfrage benötigt (Informationsbedarf)? b) Präzisierung der Problemformulierung, "dimensionale Analyse" des Forschungsgegenstands: Weche Bereiche ("Dimensionen") der Realität sind durch die Forschungsfragestellung explizit angesprochen? Welche Dimensionen werden berührt, ohne direkt angesprochen zu sein? Können die als relevant angenommenen Dimensionen zusammengefasst werden, oder müssen sie differenziert betrachtet werden? c) Zuordnung von geeigneten Begriffen zu den als relevant angenommenen Dimensionen: Existieren bereits eindeutig verwendete und für die Fragestellung geeignete Begriffe, oder müssen diese neu eingeführt und unmissverständlich definiert werden? werden durch die verwendeten Begriffe bzw. durch die Wahl der für Definitionen verwendeten Merkmale möglicherweise vorhandene Beziehungen zwischen den realen Erscheinungen verschleiert "wegdefiniert"? d) Einordnung der Problemstellung in vorhandene Kenntnisse (Theorien, Forschungsergebnisse, Methoden); Hypothesenbildung unter Verwendung der definierten Begriffe; Entscheidung über das Forschungsdesign: Welche theoretischen Kenntnisse sind über den Untersuchungsgegenstand sowie über Beziehungen zwischen den angesprochenen Dimensionen vorhanden? Welche Vermutungen können/müssen zusätzlich formuliert werden? Welcher Untersuchungsansatz ist dem Forschungsproblem angemessen? Sind die vorhandenen Vorkenntnisse ausreichend, um ein endgültiges Forschungsdesign zu entwerfen? Oder ist zuvor eine (explorative) Vorstudie erforderlich? Welche Methoden der Informationsgewinnung sind prinzipiell geeignet und im gegebenen Zusammenhang zweckmäßig? e) Auswahl von Indikatoren für die verwendeten Begriffe (falls erforderlich): Fassen Begriffe mehrere Dimensionen der Reälität zusammen, so dass von einzelnen Aspekten auf den Gesamtbegriff (auf das sprachliche Konstrukt) geschlossen werden muss? Ist das mit einem Begriff bezeichnete reale Phänomen direkt beobachtbar, oder muss vom Vorliegen anderer, direkt beobachtbarer Sachverhalte (Indikatoren) auf das Vorhandensein des gemeinten Phänomens geschlossen werden? Welche Kenntnisse sind vorhanden um geeignete Indikatoren auswählen zu können? f) Festlegung des erforderlichen Differenzierungsgrades der Informationen sowie Angaben der Messinstrumente ("Operatinalisierung" der Begriffe): Kann auf bewährte Erhebungsinstrumente und Skalen zurückgegriffen werden? Oder ist ein spezifisches Instrument zu entwickeln und zu testen (Pretest)? Mit werlchen "Messverfahren" sollen die Ausprägungen der Variablen festgestellt werden? Wie muss die Situation beschaffen sein, in der die Messung vorgenommen wird? Auf welchem Skalenniveau kann/soll gemessen werden? sind die Indikatoren und die gewählten Ausprägungen "gültig" d.h. erfassen sie genau diejenigen Tatbestände und diejenigen Differenzierungen der Realität, die mit der Forschungs-Probestellung gemeint sind? Sind die verwendeten Instrumente zuverlässig, d.h. führt ihre wiederholte Anwendung unter gleichen Bedingungen zu gleichen Ergebnissen? g)Festlegung der Objekte (Merkmalsträger), bei denen die Merkmale gemessen werden sollen; Definition der Grundgesamtheit; ggf. Entscheidungen über Art und Umfang der Stichprobe: Wer sind die Merkmalsträger (B: Personen, Gebiete, Zeitschriften, Zeitpunkte)? Sollen alle Objekte, auf die dich die Problemstellung bezieht, untersuch werden oder nur ein Teil davon? Bei Teilauswahlen: sollen besonders typische Fälle herausgegriffen werden oder ist eine "repräsentative" Auswahl erforderlich h) Erhebung und Aufbereitung der Daten: Ist eine Primärerhebung erforderlich? oder existieren die benötigten Informationen bereits anderswo (Sekundärauswertung)? Stehen qualifizierte Personen für die Datenerhebung zur Verfügung? Oder muss Erhebungspersonal rekrutiert und geschult werden? Kann die Zuverlässigkeit der Datenerhebung kontrolliert werden (Feldkontrolle)? In welcher Weise sollen die Erhebungsprotokolle (B:Fragebögen, Beobachtungsprotokolle) aufbereitet und gespeichert werden? i) Verringerung der Unübersichtlichkeit der Informationsfülle, Straffung und Verdichtung von Informationen (Anwendung statistischer Modelle und Verfahren): Sollen die erhobenen Daten quantitativ ausgewertet werden? Welche statistischen Modelle sind geeignet? j) Interpretaion der Ergebnisse; Rückbezug zu den Punkten a) bis i) Im Interpretationsprozess sind folgende Fragen zu klären: Sind die statistischen Modelle sowohl dem Messniveau der Daten als auch der empirischen Realität angemessen? Werden die im Hinblick auf die Problemstellung wesentlichen Informationen ausgewertet? Können also die berechneten Beziehungen zwischen den Daten (= zwischen den Reihen von Zahlen) Überhaupt in Beziehungen zwischen Dimensionen der Realität zurückübersetzt werden? (vgl. i) Wenn ja: gelten die ermittelten Beziehungen nur für die untersuchten Menge von Objekten, oder können die Ergebnisse auf ähnliche Objekte oder auf eine größere Gesamtheit verallgemeintert werden? (vgl g) sind die Daten zuverlässig gemessen/erhoben oder aufbereitet worden? Können die ermittelten Beziehungen zwischen den Daten also als Beziehungen zwischen den Variablen interpretiert werden? (vgl. h) Ding geeignete Methoden gewählt worden? Die Fragestellung bei traditionellen emp Untersuchungen lautet: Welche Methoden der Datenerhebung sind geeignet, 1. die Dimensionen der Realität adäquat zu erfassen, ohne sie 2. durch die Datenerhebung selbst zu verändern? Sind die Ausprägungen der Variablen in geeigneter Weise abgegrenzt worden? Können also die ermittelten Beziehungen zw. den Variablen als Beziehungen zw. den (emp.) Indikatoren interpretiert werden? (vgl f) Sind geeignete Indikatoren für die mit Begriffen bezeichneten Sachverhalte gewählt worden? Können die ermittelten Beziehungen zw. den Indikatoren als Beziehungen zw den (mit Begriffen bezeichneten) Dimensionen der Realität interpretiert werden? (vgl e und f) Werden die vorher formulierten Hypothesen bzw. Theorien (vgl d) durch die Ergebnisse (vorläufig) bestätigt? Oder müssen die Hypothesen verworfen bzw. umformuliert werden? Ergeben sich durch die Resultate der Untersuchung Konsequenzen für die Auswahl und Abgrenzung der als relevant angenommenen Dimensionen der Realität sowie für die Definition der benutzten Begriffe (d.h. wurden relevante Dimensionen nicht berücksichtigt, haben sich Definitionen als nicht brauchbar erwiesen)? (vgl b und c) Welche Konsequenzen für die eingangs formulierte Problemstellung lassen sich aus den Ergebnissen ableiten? Können die auf der Ebene der Symbole (Begriffe, Sprache) gefindenen Erkenntnisse auf die Realität bezogen werden (Praxisrelevanz; Verwertungszusammenhang)? k) Dokumentation des Forschungsprozesses und der Ergebnisse (Forschungsbericht) sowie Präsentation der Befunde: Wie ausführlich sind die Entscheidungen im Projelkt und die verwendeten Instrumente zu dokumentieren (Sicherung der Möglichkeit untersubjektiver Nachprüfbarkeit?) Wie ausführlich und auf welche Weise sind die Ergebnisse der Analyse zu dokumentieren? Kann/soll der erhobene Datenbestand für Sekundäranalysen archiviert werden? Auf welche Weise werden die Befunde gegenüber der Öffentlichkeit, dem Auftraggeber etc. präsentiert (Artikel für Fachzeitschriften, Vorträge, Zusammenfassungen für die Presse)?
- 2.3. Entdeckungs-, Begründungs- und Verwertungszusammenhang: Das Problem der Wertung in der empirischen Forschung punkt a) von 2.2.!!!! Stellt den Ausgangspunkt un das Ziel der Forschung dar. eigentliche Bezugsgröße für alle Überlegungen und liefert im Zweifelsfall die Kriterien für die im forschungsprozess notwendigen Entscheidungen. Unterscheidundung zw.: Entdeckungszusammenhang Begründungszusammenhang Verwertungs- bzw. Wirkungszusammenhang ...der Forschung. 1-3 gehen wesentlich auf Reichenbach zurück erweisen sich als nützlich in der Einschätzung des Werturteilsfreiheits-Postulats der Erfahrungswissenschaft. Wertungen sind für das Wissenschaftskonzept des Kritischen Rationalismus in mehrfacher Hinsicht ein Problem. •Erfahrungswissenschaft soll über die Realität so wie sie ist unabhängig vom wissenschaftlichen Beobachter existiert, informieren, sie beschreiben, erklären → Wertende Aussagen können nicht aus Tatsachenaussagen logisch abgeleitet werden; anders ausgedrückt: Aus dem was ist, kann nciht hergeleitet werden, was sein soll. • Wertungen informieren nicht über die objektive Realität → sondern sind Ausdruck der subjektiven sicht der wertenden Person oder Instanz. → • Wertungen können nicht wahr/falsch sein. → über sie kann nicht mit Hilge des instrumentariums der Erfahrungswissenschaft entschieden werden. Die Wahrnehmung wird von den Zielen der beobachtenden Person beeinflusst. → man erkennt tendenziell vor allem das, was man zu erkennen hofft. • dies gilt für vertraute + ungewohnte Situationen: Unvertrautes wird zunächst so interpretiert, dass es in das eigene Orientierungsraster hineinpasst. • solche Wahrnehmungsverzerrungen können möglicht gering gehalten werden, indem man die strikte Neutralität =das Leitprinzip bei der Informationserhebung. vgl Basissatzdilemma. Kein Forschungsprojekt kann soziale Realität in ihrer Ganzheit untersuchen. → selektives Vorgehen • Jede Selektion kann nur unter Bezugnahme auf Werturteile vorgenommen werden ("Aktualität", "Relevanz", Gültigkeit....) Aus 1.-3. → Forderung nach strikt interesseneutralem und unparteiischem Vorgehen = Postulat der Wertneutralität bzw. der Wert(urteils)freiheit. Werturteilsfreiheit -ursprünglich von Max Weber formuliert- wird häufig missverstanden. Es bedeutet nicht, dass Wissenschaftler als Personen sich jeder Wertunf enthalten müssten, sondern lediglich, dass ihre subjektiven Wertungen ihre Entscheidung innerhalb des Forschungsprojekts nciht beeinflussen dürfen. Mit anderen Worten: Wertneuträlitätspostulat bezieht sich ausschließlich auf den sog. Begründungszusammenhang. = Methodologische Schritte mit deren Hilfe das Problem untersucht werden soll. innerhalb des Begründungszusammenhangs notwendigen Entscheidungen dürfen nicht nur auf der Basis subjektiver Wertungen und Präferenzen zustande kommen, sondern ausschließlich entsprechend den Normen der Methodologie emp Forschung + unter Rückgriff auf bestätigtes emp. Wissen. ¤ Das Postulat der Wert(urteils)freiheit lautet demnach: Werturteile sind erfahrungswissenschaftlich nicht begründbar. Im Begründungszusammenhang der Forschung haben subjektive Werturteile keinen Platz; hier haben sich die Wissenschaftler auf methodologisch begründbare Schlussfolgerungen und intersubjektiv nachprüfbare Aussagen zu beschränken. Für das Feld des Begründungszusammenhangs emp. Forschung soll also -zusammengefasst gelten: Werturteile (normative Aussagen) können nciht Inhalt erfahrungswissenschaftlicher Aussagen sein. • Werturteile ≠ intersubjektiv nachprüfbar • informieren nicht über gegenstandbereich → sondern über wertende Person • Bei identischen Sachverhalten können verschiedene Personen zu unterschiedlichen Wertungen gelangen Werturteile können zum Gegenstand sozialwissenschaftlicher Untersuchungen und erfahrungswisseschaftlicher Untersuchungen + erfahrungswissenschaftlicher Aussagen gemacht werden (B: Analys des Ideologiegehalts von Propagandasendungen). Vorab zu fällende Werturteile = Grundlage jeder Wissenschaftlichen Aussage. • Wissenschaftstheorie + Methodologie = Bestandteile der Wertbasis → explizit normativ: Setzen fest, welche Aussage als wahr oder zumindest vorläufig bestätigt akzeptiert bzw. wann sie als falsch zurückgewiesen werden soll. Solche immanenten Basisregeln des Forschens ermöglichen intersubjektiv überprüfbare wissenschaftliche Entscheidungen. immanente Basisregeln beruhen auf dem Konsens der scientific community. → sind nicht in das Belieben der einzelnen Forscherin oder des einzelnen Forschers gestellt. wissenschaftsimmanenten Normen informieren in diesem Fall nicht über die Person des einzelnen Forschers (vgl a) → sondern über die Wissenschaftlergemeinde, über deren Regeln für wissenschaftliches Vorgehen. Definition: Das Wert(urteils)freiheits-Postulat kann nach diesen Überlegungen dahingehend präzisiert werden: Innerhalb des Begründungszusammenhangs erfahrungswissenschaftlicher Forschung ist auf andere als wissenschaftsimmanente Wertungen zu verzichten! Ist aber die Wert(urteils)freiheit- wie vom Kritischen Rationalismus postuliert - in der praktischen empirischen Forschung überhaupt realisierbar? sehr schwer abgrenzbar, welche Forschungsentscheidungen schon (bzw. noch) zum "Begründungszusammenhang" gehört. (kapitel 2.2.) schwierig für alle Entscheidungen immer und schnell genug die erforderliche methodologische und/oder empirische Informationsbasis zu beschaffen prinzipiell umstritten, ob eine Realisierung des Werturteilsfreiheitspostulars -auch in der präzisierten Formulierung- überhaupt denkbar ist. Auswirkungen auf die Ergebnisse haben immerhin auch bspw. : Art der Präzisierung einer Fragestellung; Wahl einer theoretischen Perspektive; Begriffsdefinitionen uns Operationalisierungen. (und sei es auch nur dadurch, dass bestimmte Realitätsaspelte in den Blick geraten, andere ausgeblendet werden). schon aus logischen Gründen nicht möglich, alle Entscheidungen ausschließlich unter Rückgriff auf die methodologischen Regeln und auf empirisch gesicherte Kenntnisse über den Gegenstandsbereich der Untersuchung zu treffen. → dies würde voraussetzen , dass bereits vollständiges Wissen über den Untersuchungsgegenstand vorhanden ist → dann wäre die Forschung überflüssig. Also wird praktisch auch innerhalb des Begründungszusammenhangs des Projekts auf Argumente aus dem Entdeckungs- und dem Verwertungszusammenhang Bezug zu nehmen sein (=wissenschatsexterne Wertungen als Basis von Entscheidungen) oder Intuition der Forscherin/ des Forschers müssen weriterhelfen (= subjektive Überzeugung). dies spricht nicht gegen das Wertneutralitätspostulat als orientierende Perspektive erfahrungswissenschaftlicher Forschung. → Solange solche Wertbezüge NICHT verschleiert oder hinter scheinobjektiven Formulierungen versteckt werden → kein gundsätzliches Problem für die Intersubjektivität der Ergebnisse → durch Offenlegung aller Wertbezüge = wesentliche Vorraussetzung für die wechselseitige Kritik innerhalb des Wissenschaftsystems - EINE ZENTRALE FORDERUNG DES KRITISCHEN RATIONALISMUS- geschaffen. Im Bereich des Entdeckungs- und des Verwertungszusammenhangs der Forschung ist notwendigerweise eine Fülle von nicht wissenschaftlsimmanenten Werturteilen zu fällen. (von keiner Seite bestritten) Entdeckungszusammenhang = Anlass, der zu einem Forschungsprojekt geführt hat. → hier spielen Intressen immer eine Rolle, etwa: Erkenntnisinteresse d. Wissenschaftlers; problembezogene politische Interessen (wenn z.B vom Forscher/Auftraggeber soziale Situationen gesehen werden, die nciht im Einklang mit bestimmten Soll-Vorstellungen stehen. Insbesondere bei Auftragsforschung sollte also bei der LEktüre von Forschungsberichten immer die Frage geklrt werden, wessen Probleme und Interessen aufgegriffen worden sind (bzw. wessen Problem/Interessen ausgeklammert wurden!). Enge Verzahnung des Entdeckungszusammenhangs mit dem Verwertungs- sowie Wirkungszusammenhang der Forschung Verwertungs- Wirkungszusammenhang = Effekte einer Untersuchung. Jede Untersuchung erweitert Wissen über soziale Zusammenhänge → kann zur Lösung sozialer Probleme beitragen oder diese Lösung verhindern bzw. verzögern (wenn Kenntnisse bewusst zurückgehalten werden)
- 2.4 Forschungsplanung und Forschungsdesign für jedes Vorhaben ein zur jeweiligen Thematik " maßgeschneiderter" Forschungsplan muss entworfen werden Verschiedene Verfahren und Techniken der Methodenlehre können in vielfältiger Weise miteinander kombiniert werden, so wie sie bei gegebeneb Rahmenbedingungen (Zeitrestriktionen, Ressourcen, Stand der Vorkommnisse, Zugänglichkeit und Kontrolle des Untersuchungsfeldes, Art der verfügbaren Infoquellen u.a.) für den Untersuchungszweck am nützlichsten zu sein scheinen für bestimmte Gruppen von Fragestellungen gobt es durchaus einige spezifische Designtypen mit jeweils spezifischer Forschungslogik. Aus dem Spektrum der existierenden Designtypen sollen hier vier besonders häufig vorkommenden herausgegriffen und etwas näher dargestellt werden: die theorie- oder hypothesentestende Untersuchung, das Experiment, sowie quasi experimentelle Ansätze, das Standardmodell der Programm-Evaluation sowie das deskriptive Surveymodell (Querschnittserhebung nicht experimenteller Daten)
- 2.4.1 Das Modell wissenschaftlicher Erklärung von Hempel und Oppenheim Ausgangspunkt: etwas ist passiert, das erklärt werden muss = Ein aufgetretenes singuläres Problem soll logisch haltbar mit empirischen Argumenten erklärt werden. = Für einen "zu erklärenden Sachverhalt" (Explanandum) wird ein erklärendes Argument (Explanans) gesucht. Explanandum = zu erklärendes Sacheverhalt Explanans =Erklärendes Argument. → der zu erklärende Sachverhalt = Explanandum kann nur als Effekt einer wirksam gewordenen Ursache verstanden werden. (oder mehrerer Ursachen verstanden werden. → Eklärung besteht also in der Angabe von Ursachen. Beispiel Zusammengefasst: Explanans: (1) Ursache-Wirkungs-Prinzip (das Erklärende) (2) Vorliegende Ursache ----------------------------------------------------------------------------------------- Explanandum (3) Eingetretene Wirkung (das zu Erklärende) B: (1) Wenn Lehre an der Hochschule = Schlecht → Studiendauer = lang . (2) die Lehre an deutschen Schulen = schlecht . ----------------------------------------------------------------------------------------------------- . (3) Studiendauer an dt. Unis = lang ergänzende Bedingungen müssen erfüllt sein: (1) Ursache Wirkung-Prinzip muss ein emp. Gesetz sein. Verwendeten Begriffe müssen präzise definiert und operationalisiert sein + (2) + (3) müssen emp. wahr sein. Adäquatheitsbedingungen für Erklärungen singulärer Ereignisse: 1) Das Explanandum muss aus dem Explanans korrekt gefolgert worden sein. dies bedeutet: a) die Anfangsbedingungen stellen raum-zeitlich lokalisierte Elemente derjenigen Objekte dar, die die Wenn-Komponente bezeichnet. b) die Prädikate der Dann-Komponente und des Explanandums müssen entweder identisch sein, oder das Prädikat der Dann-Komponente muss in dem Prädikat des Explanandums enthalten sein. 2) Das Explanans muss mindestens ein Gesetz enthalten, das für die Ableitung des Explanandums erforderlich ist, sowie singuläre Sätze, die die Randbedingungen beschreiben. 3) das Explanans muss empirischen Gehalt haben, d.h. es muss empirisch überprüfbar sein. 4) die Sätze des Explanans müssen wahr sein (oder zumindest- weniger anspruchsvoll -: sie müssen sich sehr gut bewährt haben). Allgemein lautet das deduktiv-nomologische ERklärungskonzept von Hempel und Oppenheim (DN-Schema oder H-O-Schema): Explanans (1) Es gilt (mindestens) ein nomologisches Gesetz . (z.B.: Wenn A und B, dann C) . (2) Die in der Wenn Komponente genannten Randbedingungen sind erfüllt . . (z.B: A und B liegt vor) . ------------------------------------------------------------------------------------------------------------ . Explanan (3) Singulärer Satz der den zu erklärenden Sachverhalt beschreibt . -dum . (z.B: C liegt vor) Gegeben ist das zu erklärende "singuläre Ereignis" (3), gesucht ist das "Explanans" (1 und 2) . Bei dieser Art von Erklärung muss (3) deduktiv-logisch aus (1) und (2) folgen, wobei (2) aus der Wenn-Komponente und (3) aus der Dann Komponente des nomologischen Gesetzes abgeleitet wird. Bei der Prognose ist das Explanandum aus Gesetz(en) und Randbedingung(en) "vorherzusagen". Bei Technologischen Aussagen: Explanandum = das ind er Zukunft zu erreichende Ziel. hier gesucht: Gesetze, die in der Dann-Komponente das Explanandum enthalten + in der Wenn-Komponente Sachverhalte benennen, welche gezielt so veränderbar sind, dass dadurch das gewünschte Ziel erreicht wird.
- 2.4.2 Das Design hypothesen- und theorietestender Forschung Fragestellung: Kann eine Hypothese oder eine Theorie empirische Geltung beanspruchen? ZieL: eine bei der Analyse einer früheren Untersuchung ad hoc formulierte Dateninterpretation auf ihre allgemeinere Geltung testen. zwischen "konkurrierenden" Hypothesen eine empirische Entscheidung herbeiführen Theorien, die sich bisher zwar schon empirisch "bewährt" haben, einem härteren Test zu unterwerden, um sie ggf. weiterzuentwickeln oder zu präzisieren Logik des Hypothesentests anhand des H-O-Schemas Fragestellung: Kann eine Hypothese oder eine Theorie empirische Geltung beanspruchen? ZieL:eine bei der Analyse einer früheren Untersuchung ad hoc formulierte Dateninterpretation auf ihre allgemeinere Geltung testen. zwischen "konkurrierenden" Hypothesen eine empirische Entscheidung herbeiführenTheorien, die sich bisher zwar schon empirisch "bewährt" haben, einem härteren Test zu unterwerden, um sie ggf. weiterzuentwickeln oder zu präzisieren Logik des Hypothesentests anhand des H-O-Schemas: gegeben ist Aussage (1) - die zu prüfende Hypothese. gesucht: Situationen in denen die in der Wenn-Komponente genannten Aspekte als Randbedingungen (2) empirisch vorliegen In diesen Situationen wird "beobachtet", ob auch die aus der Dann-Komponente ableitbaren Sachverhalte (3) empirisch auftreten. Beobachtungen geschehen sowohl im Feld als auch in er Experimentalforschung Das Design einer hypothesentestenden Untersuchung ist so anzulegen, dass gezielter und kontrollierter Vergleich der empirisch feststellbaren Sachverhalte mit den aus der Hypothese ableitbaren Behauptungen über die empirische Realität möglich ist. Überlegungen beziehen sich also noch NICHT auf die Wahl bestimmter Instrumente oder Methoden! Mit der Bezeichnung "Design einer hpothesentestenden Untersuchung" ist vielmehr einerseits eine spezifische (1) Verfahrenslogik und andererseits ein spezifischer (2) Argumentationstyp angesprochen. Argumentationstyp= aus der zu testenden Theorie/Hypothese ((1) im H-O-Schema)→ deduktiv-logische Ableitung von Aussagenpaaren, so dass sie Sachverhalte in der Realität bezeichnen ((2) und (3) im H-O-Schema) → hypothesen- bzw. theorie-implizierte Basissätze = theoretische Basissätze. → Vergleich mit Aussagen über reale Situationskonstellationen. . • Beobachtungsaussage/emprirische Basissätze = von der Hypothese . . abgeleiteten Sätze → Theo./Hypo = bestätigt. Ansonsten → widerlegt. Die aus einer Hypothese ableitbaren Realitätsbehauptungen (2) und (3) = potentielle Konfimatoren (=Bestätiger, falls sie empirisch zutreffen sollten) bzw. Falsifikatoren der Hypothese (= Widerleger, falls sie nicht zutreffen sollten)Nicht alle denkbaren Tatsachenbehauptungen konenn getestet werden → gezielte Auswahl → Forderung: Hypothesen/Theorien möglichst harten Tests unterziehen. Hypothesen bzw. theorietestende Forschung besteht also darin, zunächst solche tatsachen behauptungen zu deduzieren, → in der Realität werden solche Stuationen geschaffen/ natürliche Situationen in denen die Wenn-Komponente der Hypo realisiert sind werden aufgesucht. Beschreibung der Ergebnisse der empirischen Feststellung= empirischen BasissätzeVergleich der empirischen mit den theoretischen Basissätzen = Grundlage der Entscheidung über Richtigkeit=Bastätigung/Falschheit= Falsifikation der Hypo/Theo. Zwei Probleme diese Verfahrens: Korrespondanzproblem: Hypothesen sind in theoretischer Sprache formuliert. Basissätze dagegen müssen auf "Beobachtungsbegriffe zurückgreifen, d.h. müssen auf "Beobachtungsbegriffe" zurückgreifen, d.h. sich auf Sachverhalte beziehen, die unmittelbar wahrnehmbar oder unter Benutzung geeigneter Instrumente erfassbar sind. • zw diesen beiden Aussage-Ebenen klafft eine semantische Lücke → diese wird mit Hilfe geeigneter Verknüpfungsregeln zw theoretischem Begriff und Beobachtungsbegriff geschlossen. → dem theoretisch bezeichneten Phänomen müssen direkt erfahrbare Sachverhlate zugeordnet werden, die als beobachtbare Hinweise (Indikatoren) auf das in seiner Allgemeinheit oder Abstraktheit nicht unmittelbar beobachtbare Phänomen dienen können. • diese Verknüpfungsregeln Korrespondenzregeln: stellen die Entsprechung von theoretischer Ebene und Beobachtungsebene her. • das Problem: nicht immer unbezweifelbare Indikatoren für das theoretisch gemeinte Phänomen können benannt werden. •Die Falsifikation/Bestätigung der Hypo ist immer in Verbindung mit den in diesem Projekt verwendeten Korrespondenzregeln zu sehen. → eine eigentl.. falsche/richtige Aussage könnte aufgrund der emp Daten bestätigt/falsifiziert scheinen, falls die Korrespondanzregeln falsch sind. •Das Problem ist unlösbar. → der einzige Rat= Operationalisierung +Korrespondanzregeln auf gut bestätigte Hypo/Theo stützen. -und zwar auf solche Theo/Hypo die nicht in der zu prüfenden Hypo/THeo enthalten sind. → Andernfalls Gefahr der Tautologisierung der Hypothesenprüfung •Tautologisierung= Fügung, die einen Sachverhalt doppelt wiedergibt (z. B. nackt und bloß) • → Allgemeiner: eine hypothesen- bzw. theorieunabhängige (sozusagen "objektive) Operationalisierung eines theoretischen Begriffs ist nicht möglich; beides hängt unauflösbar miteinander zusammen. Basissatzproblem: die empirisch gewonnene Beobachtungsaussage muss wahr sein, damit aus ihrem Vergleich mit dem theoretisch abgeleiteten potentiellen Falsifikator oder Konfirmator eine Schlussfolgerung auf die Wahrheit der Hypo begründet werden kann.
- 2.4.3 Experiment und Quasi-Experimente Experiment Das Design der Wahl bei jener Form von Kausalanalysen → Fragestellung des Typs: Wie und in welcher Stärke wirkt sich X (als Ursache) auf Y (als Folge) aus? Im Lexikon zur Soziologie wird das Experiment definiert als "planmäßige Beobachtung bestimmter Sachverhalte und ihrer Veränderung unter vom Forscher kontrollierten und variirten Bedingungen Unterschied zu anderen Beobachtungsformen: Vorgänge durch den Forscher hervorgerufen, hergestellt. • in Naturwissenschaften: Experiment = Zentrales Forschungsdesign., des . . .Entdeckens neuer Zusammenhänge und Gesetzmäßigkeiten in der Natur. • in den Sozialwissenschaften stößt die methodisch "reine" Form des Einsatzes von . Experimenten schnell an ethische Grenzen. In den Kategorien des H-O-Schemas konkretisiert: Forscher führt in einer kontrollierten Untersuchungssituation, die von allen externen Einflüssen abgeschirmt ist , eine "Maßnahme" durch ↔ entspricht (2) wenn-komponente im Explanans = Randbedingungen. → Treatment: Froscher setzt seine Untersuchungsobjekte dieser Maßnahmen aus (engl: treatment) → Beobachtung der Effekte der Maßnahme/ des Treatments auf die Versuchsobjekte. ↔ entspricht Punkt (3) des H-O-Schemas = dann-komponente = Explanandum. → mehrfache Wiederholung unter jeweils gleichen Bedingungen → Aus den Ergebnissen der Versuchsreihe kann das Ursache -Wirkungsprinzip Punkt (1) im Explanans abgelesen werden. wird in einer Versuchsreihe das "treatment" systematisch variiert, während alle sonstigen Bedingungen konstant bleiben, kann aus dem Zusammenhang von varrirendem "treatment" und in Abhängigkeit davon variierendem Effekt das Ursache-Wirkung-Prinzip (das empirische "Gesetz") differenziert ausformuliert werden. ging es bei der Konzipierung hypothesentestender Forschung in erster Linie um ein methodologisch abgesichertes Argumentationsschema → Konzentration auf Argumentationsschema Beim Design des Experiments : Konzentration der methodologischen Überlegungen um die Gestaltung und Kontrolle der Untersuchungssituation. Im Mittelpkt. des klassischen Experiments =(1) Erzeugung von Bedingungen , in denen nur das Ursache-Wirkungsprinzip zw Maßnahme und Effekt zur Geltung kommen kann. + (2) Vorsorge , dass die Art und die Stärke der vermuteten Kausalwirkungen eindeutig festgestellt und in gültiger Weise -nach Möglichkeit sogar quantitativ-gemessen werden können. Anforderung (1) erfüllt durch: Stimulus/treatment/als Ursache angenommene Einflussgröße wird kontrolliert in dei Untersuchung eingeführt + alle anderen denkbaren Einflussgrößen werden abgeschirmt/oder in anderer Weise z.B Randomisisierung unwirksam gemacht. Anforderung (2) ist dann erfüllt, wenn parallel zur Experimentalsituation eine geeignete Vergleichssituation existiert. in der die angenommene Ursache nicht wirkt. + in allen anderen aspekten der Experimentalsituation indentisch. Im Falle sozialwissenschaftlicher Experimente mit Menschen als Untersuchungsobjekten (in der Psy meist Vpn -genannt) zeichnet sich das Design eines "echten" Experiments dadurch aus, dass es mindestens die folgenden Merkmale aufweist: es existiert eine Experimentalgruppe G1 die dem "treatment" bzw. dem experimentellen "Stimulus" also der auf ihre Auswirkungen zu untersuchenden Maßnahme, ausgesetzt wird. es existiert einen in allen wesentlichen Merkmalen äquivalente Kontrollgruppe G2 die dem experimentellen Stimulus nciht ausgesetzt wird, also vom treatment verschont bleibt. In beiden Gruppen werden vor dem Zeitpunkt des treatments und ausreichende Zeit danach die Ausprägungen der abhängigen Variablen (also der Merkmale, bei denen man Auswirkungen durch das "treatment" erwartet ) gemessen. Stimmen vor dem "treatment" in der Experimental- und in der Kontrollgruppe die Verteilungen der abhängigen Variablen überein (was bei äquivalenten Vergleichsgruppen der Fall sein sollte) und sind nach dem treatment Unterschiede zw. den Gruppen feststellbat → Unterschiede= Effekte (Auswirkungen der experimentellen Stimuli) Prototyp des sozialwissenschaftlichen Experiments = Labor Experiment, hierfür gillt: im günstigsten Fall: die Auswirkungen möglichst aller Randbedingungen mit Ausnahme des experimentellen Stimulus sollten bekannt sein. so dass, äquivalenz zw. Versuchs- und Kontrollgruppe auf der Basis emp bestätigter Kenntnisse herstellbar ist. → in dem Fall kann zusammensetzung der Gruppen gezielt vorgenommen werden.+ Einflussgrößen sind gezielt kontrollierbar. vollständig kontrollierte Experimente kaum möglich, da nicht hinreichend emp bestätigte Kenntnisse exisitieren → Zufallsprinzip → Randomisierung: die Versuchspersonen werden zufällig auf Experimental- und Kontrollgruppe verteilt. (≠ Zufallsauswahl der Vp). sobals eine Anzahl von Vp gefunden → vorgruppierungen/Schichtung hinsichtlich derjenigen Merkmalde, die für das Experiment als bedeutsam gelten.→ danach entscheidet ein Zufallsprinzip , welche Personen aus jeder Schicht der Experimentalgruppe und welche der Kontrollgruppe zugewiesen werden. dadurch erreicht man zweierlei: (1) Bildung unmittelbar äquivalenter Experimental- u. Kontrollgruppen hinsichtlich der Schichtungsmerkmale . (2) durch das zufällige zuweisen → Ausschaltung der Gefahr,systematischer Ergebnisverzerrungen durch Faktoren, die dem Forscher vorab nicht bekannt sind. Zweigruppendesign (G1 G2) um weitere zwei Gruppen erweitert werden (EG, KG) → Verzicht auf den Vorgang des Messens vor dem eigentl. treatment. → Kontrolle, ob nicht durch die Messung Veränderungen in Gang gesetzt wurden. (Versuchskanninchen-Effekt) Für Untersuchungsgegenstände, bei denen man in verschiedenen Bevölkerungsschichten jeweils unterschiedliche Auswirkungen der gleichen Maßnachme für möglich hält, kann das Design auf eine größere Zahl von Experimental und zugeordneten Kontrollgruppen ausgeweitet werden. (für jede relevante Bevölkerungsschicht ein komplettes Experimentaldesign) Nachteil eines Laborexperiments = realitätsfern, kaum generalisierbar, da künstliches ausblenden von Einflussfaktoren (engl. screening) = widerspruch zu allen sozialen Situationen. Ideal geeignet sind Laboruntersuchungen für Fragestellungen, die den isolierten Einfluss einer einzigen Variable für den idealtypischen Fall nachweisen wollen, dass " alle übrigen Bedingungen gleich bleiben" ( sog. ceteris-paribus-Klausel), selbst wenn in der Realität dieser Fall nie eintritt. Für andere -insbesondere anwendungsorientierte-Fragestellungen ist die Realitätsferne ein kaum akzeptabler Nachteil: Anstelle von Laborforschung → Feldforschung Ziel: soziale Prozesse und Strukturen wie sie unabhängig vom wissenschaftlichen Forschungsprozess bestehen zu erfassen und zu analysieren. Feldexperimente Ziel: Übertragung und REalisierung der Logik des klassischen Experiments auch auf Untersuchungsanordnungen im sozialen Feld. In realen sozialen Situationen fast niemals im vollen Umfang möglich. B: im Allgemeinen wird nicht für Zwecke der Wissenschaft in die soziale Realität eingegriffen, vielmehr muss die Forschung sich an Situationen "anhängen", in denen im Rahmen des "normalen" sozialen Handelns Veränderungen in Gang gesetzt werden. (Einführung einer neuen Technik, reform von Abläufen mit einem bestimmten Ziel, Realisierung eines Programms für eine Bevölkerungsgruppe) In solchen Situationen wird allenfalls die Forschung geduldet → keinesfalls erhält sie eine federführende Rolle bei der Gestaltung der von ihr untersuchten sozialen Realität. Unrealistisch: Zusammensetzung von Versuchs- u. Kontrollgruppe; Radomisierung; manchmal gar nich möglich über direkte Kontrollgruppe zu verfügen; Häufig "Vorher-Messungen" der interessierenden Variablen nicht durchführbar; Probleme verursachen die Kontrolle der "treatments" sowie Abstimmung der übrigen Einflussgrößen. Ersatzlösungen: (1) Anstelle äquivalenter Kontrollgruppen kann man versuchen, Vergleiche mit Situationen anzustellen, in denen die untersuchten MAßnahmen nicht durchgeführt werden. (B: Vergleich mit anderem Bundesland, in dem die übrigen relevanten Situationsmerkmale ähnlich sind) . (2) Anstelle expliziter "Vorher-Messungen" → Daten aus früheren Zeiträumen. . (3) externe Einflüsse sind nicht abzuschirmen → Einflussgrößen müssen gleichfalls gemessen werden, um sie bei der Auswertung der gesammelten Daten berücksichtigen zu können. statistische Variablenkontrolle in der Phase der Datenanalyse anstelle der Situationskontrolle im Experiment. Quasi-Experiment: Untersuchungsanordnungen, die sich an der Experimentallogik orientieren, jedoch nicht alle Bedingungen des klassischen Experiments erfüllen können.Design aus Übersicht = nicht äquivalenter KG = fehlende Radomisieren // der statistische Gruppenvergleich (keine Vorher-Messung)
- 2.4.4. Das Evaluationsdesign der Programmforschung Evaluation im alltäglichen Sprachgebrauch= "Bewertung"; im Kontext zur Froschung wird der Begriff "Evaluation" in zweifachem Sinne benutzt: Bezeichnung einer spezifischen Fragestellung: ein bestimmter Sachverhalt / ein bestimmtes Handeln soll nach vorgegebenen Kriterien gestütz auf empirische Information bewertet werden. Bezeichnung eines spezifischen Designs, also einen besonderen Untersuchungsansatz: Das zu evaluierende Handeln + die durch dieses Handeln bewirkten Effekte werden in methodisch kontrollierter Weise miteinander in Beziehung gesetzt und auf ihren Erfolg hin bewertet. Zu Berücksichtigen: das Programm ist nur in enger Verflechtung mit seiner sozialen Umwelt durchführbar. → kann nicht von Umwelteinflüssen abgeschirmt werden . Abbildung Programmforschung: HANDLUNGSPROGRAMM -------------------------→ EFFEKTE (Maßnahmen/Instrumente) (beabsichtigte u. nicht beabsichtigte . Wirkungen=Kriterien der Zielerreichung) . ↑ PROGRAMMZIELE _______________________↑ ↑ . PROGRAMMUMWELT Bezug von Fragestellung und Design auf Hempel-Oppenheimsche Erklärungsschema Das Programm hat die gleiche Struktur wie eine "Erklärung" = Die Programmziele stellen die angestrebte künftige Situation dar = Punkt 3 im HO-Schema = Explanandum = zu erklärendes Sachverhalt Die Maßnahmen sind die zu vollziehenden Eingriffe in die gegenwärtigen Randbedingungen = Punkt 2 im HO Schema die Art und Weise wie eingegriffen werden soll beruht auf Annahmen über Ursache-Wirkungs-Prinzipien- Punkt (1) im HO schema HO-Schema ausgeführt: Art und Weise wie eingegriffen werden soll = das Erklärende Argument (wenn-dann) Maßnahmen = Randbedingungen (wenn) Programmziele = zu erklärendes Sachverhalt. (dann) Sie liefern die theoretische Basis des Programms: Wenn die Randbedingungen in bestimmter Weise verändert werden (2), dann werden dadurch die beabsichtigten Effekte hervorgerufen (3) Desweiteren orientiert sich das Evaluationsdesign an eben diesen Komponenten: Es hat sicherzustellen , dass sowohl die existirenden Randbedingungen (2) als auch der Ist-Zustand der Zielvariablen (3) vor Programmbeginn - also zum Zeitpkt. t0 empirisch beschrieben werden . während der Programmlaufzeit vorgenommenen Eingriffe in die Randbedingungen (2) = sowohl Eingriffe durch die im Programm vorgesehenen Maßnahmen, als auch andere relevante Veränderungen in der Programmumwelt. diese begleitenden Buchführung wird monitoring genannt. Beschreibung des Zustandes der Zielvariablen (3) nach Programmdurchführung - also zum Zeitpkt. t1 - so dass Art und Ausmaß der Veränderung feststellar sind. zentral methodisches Problem: Sind festgestellte Veränderungen der Zielvariablen (= Unterschiede zw. den Zeitpunkten t1 und t0 ) durch Umwelteinflüsse oder Maßnahmen des Programms bewirkt worden? Und in welcher Höhe? = Aufgabe der Wirkungszurechnung am ehesten lösbar, wenn die Evaluationsforschung sich an der Logik des Feldexperiments orientiert und soweit möglich eine quasi-experimentelle Untersuchungsanordnung mit Vergleichsgruppen realisiert. Der eigentliche Bewertungsteil der Evaluationsforschung besteht darin, anhand der festgestellten Effekte den Erfolg des Programms, seine Effektivität einzuschätzen. Als erfolgreich gilt ein Programm dann, wenn die getroffenen Maßnahmen die Zielvariablen in der gewünschten Richtung und in der gewünschten Stärke beeinflussen. Der Programmerfolg ist nict schon aus den festgestellten Veränderungen, sondern aus der Wirkungszurechnung (s.o.) ablesbar. Evaluation darf sich jedoch nicht auf den Nachweis des Eintretens oder Nichteintretens der beabsichtigten Effekte beschränken, Iauch nicht beabsichtigte Wirkungen werden zu beobachten sein, diese können von positiver oder von negativer Art sein → können somit das Gesamturteil über ein Programm in erheblicher Weise beeinflussen. Das Evaluationsdesign muss daher das Untersuchungsfeld von vornherein so weit erfassen, dass es über den Eingriffsbereich der Maßnahmen des Programms hinausreicht. Das schließt die Entwicklung eines theoretischen Wirkungsmodells - Punkt (1) im H-O- Schema ein , welches auch Alternativen zu den Ursachen-Wirkungsannahmen berücksichtigt. die dem Programm selbst zugrunde liegen(s.o.) . Darüber hinaus impliziert dieser Arbeitsschritt eine fundierte "dimensiionale Analyse" des Eingriffs- und des Wirkungsfeldes. solche umfassenden u- auch theoretischen- Vorarbeiten sind erforderlich, da von einer guten Evaluation nicht lediglich Aussagen über den Erfolg oder Misserfolg eines Programms erwartet werden. Vielmehr sollen bei ausbleibendem Erfolg aus den Forschungsergebnissen auch Hinweise auf Möglichkeiten zur Verbesserung des Programms ableitbar sein. Dazu ist neben der eigentlichen Wirkungsanalyse u.a. auch die Beurteilung der Programmdurchführung sowie der theoretischen Basis erforderlich. eine Evaluation in so umfasseder Weise, dass sie alle bisher angesprochenen Aspekte vollständig berücksichtigt ist in keinem Projekt realisierbar. Jedes vorhaben wird Schwerpunkte setzen müssen → dies führt zu unterschiedlichen Evaluationstypen, abhängig davon, welche der in der Abbildung "Programmforschung" angesprochenen Dimensionen und/oder deren Zusammenhänge den Kern der Evaluationsfragestellung bildet. Eine übliche Unterscheidung bezieht sich auf den Gegenstand der Evaluation. Im Vordergrund: Effekte der Maßnahmen → Wirkungsanalyse Im Vordergrund: systematische untersuchung der Planung, Durchsetzung und des Vollzugs eines Programms und seiner Maßnahmen → Implementationsforschung im Vordergrund : ob und in welcher Weise die von einem Handlungsprogramm gebotenen Leistungen von der Zielgruppe, für die diese Leistungen erstellt werden, in Anspruch genommen werden bzw. ob das Angebot auf Zustimmung oder Ablehnung stößt. → Akzeptanzforschung weitere gängige Differenzierung wird hinsichtlich des Zeipunkts vorgenommen an dem eine Evaluation ansetzt projektbegleitende Evaluation: regelmäßige Rückkopplungen von Ergebnissen in das Projekt → Konsequenzen für dessen Verlauf; sie wirkt "programmformend". Ein solches Konzept heisst: formative Evaluation abschließende Evaluation: verzicht auf formative Effekte, gibt im Nachhinein ein zusammenfassendes Evaluationsgutachten ab. Man spricht hier von summativer Evaluation es ist noch danach zu unterscheiden woher die Kriterien der Evaluation stammen und wer die Bewertungsinstanz ist. im traditionellen Fall, der hier bis jetzt dargestellt wurde - stammen die Beurteilungskriterien aus dem zu evaluierenden Programm selbst. Dieser Typ von Beurteilung besteht NICHT in der Abgabe subjektiver Werturteile, sondern in der Formulierung "technologischer Einschätzungen", die intersubjektiv nachprüfbar sein müssen. in manchen Fällen wird die Bewertung auf programm- und evaluationsexterne Instanzen verlagert. B= einholen von Fachgutachten; oder neutrale Experten befragen. a) Unter forschungsmethodischen Gesichtspunkten handelt es sich dabei jedoch NICHT um "Evaluationsforschung" sondern um herkömmliche Umfrageforschung: Unter Verwendung empirischer Instrumente → Erhebung und Auswertung von Experteneinschätzungen. b) eine Variante des Verlagerns der Evaluierung auf eine programmexterne Instanz wird verschiedentlich die Befragung der Adressaten eines Programms (Nutzer oder Betroffene) favorisiert , weil : Nutzer sind die eigentlichen Experte, haben den Gegenstand der Untersuchung aus eigener Erfahrung kennen gelernt → wissen wie er (bei ihnen) wirkt, sie sind also -so wird unterstellt- in der Lage, die konkretest-möglichen Urteile darüber zu fällen. Form b) = methodisch besonders problematisch, da die erhobenen Urteile, weder den Status von Bewertungen im Sinne "technologischer" Evaluation noch von Bewertungen neutraler Experten haben. → = individuelle parteiische Werturteile von Personen, die in einer besonderen Beziehung - eben als Nutzer, als Betroffene- zum Untersuchungsgegenstand stehen → hier sollte von Akzeptanzerhebung gesprochen werden.
- 2.4.5 Das deskriptive Survey- Modell: Querschnittserhebung nicht-experimenteller Daten kurzer Überblick zu den vorhergehenden Abschnitten: Es wurden drei wichtige Spezialfälle sozialwisenschaftlicher Forschungsdesigns vorgestellt: der Hypothesen- bzw. Theorietest als ser Prototyp wissenschaftlicher Fragestellungen und empirisch- methodologischer Argumentation, das Experiment als der "Königsweg" methodisch kontrollierter Gestaltung der Untersuchungssituation für die Entdeckung und Prüfung von Ursache-Wirkungs-Zusammenhängen sowie die Evaluationsforschung als eine Typische anwendungsorientierte Fragestellung. Es geht nun um den "Forschungsalltag" + allgemeinste und methodisch umfassendste Untersuchungsanordnung: um das Design für die Erhebung (engl.: survey) + Analyse emp. Info zur Beschreibung und Diagnose eines intressierenden sozialen Sachverhalts zu einem Zeitpunkt. Ziele deskriptiver Untersuchungen können sein, als Basis für eine zu treffende Entscheidung empirisch gesicherte aktuelle Erkenntnisse über den in Frage stehenden Gegenstand zu erhalten (Fragestellung: Entscheidungsvorbereitung) oder bei unvorhergesehnen gesellschaftlichen Veränderungen umfassende Informationen zur Beurteilung und zum Verständnis dieser Entwicklungen zu gewinnen (Fragestellung: Diagnose) oder eine noch relativ unbekannten empirischen Sachverhalt durch eine möglichst breit angelegte Deskription zu erkunden (Fragestellung: Exploration) oder beispilhafte Deskriptionen für eine allgemeine Regelhaftigkeit bzw. "Gesetzmäßigkeit" zur Verfügung zu stellen (Fragestellung:Illustration) oder in regelmäßigen Abständen die Informationen über wichtige Teilbereiche der Gesellschaft zu aktualisieren (Fragestellung: gesellschaftliche Dauerbeobachtung) oder zu aktuellen politischen und/oder gesellschaftlichen Themen das Meinungsbild in der Bevölkerung zu erheben (Fragestellung: Meinungsforschung/Demoskopie) oder die Vorlieben und Konsumneigungen potentieller Kungen für kommerziell anzubietende Güter und Dienstleistungen zu durchleuchten (Fragestellung:Marktforschung) und manches andere. Geltungsbereich empirischer Deskriptionen, kann entweder... • auf den untersuchten Fall beschränkt sein: etwa bei Gegenstandsbeschreibungen zur . . Vorbereitung spezifischer Entscheidungen oder bei Explorationen. . → Untersuchungsfeld = eindeutig abgegrenzt • Verallgemeinerung der Befunde über die untersuchten Fälle hinaus (B= Markt- und . Meinungsforschung oder bei gesellschaftlicher Dauerbeobachtung) . → "Grenzüberschreitung" wird beabsichtigt: die Befunde sollen "repräsentativ" . sein für eine über die untersuchten Fälle weit hinausreichende . "Grundgesamtheit" Im Vergleich zu den bisher behandelten Untersuchungsanordnungen verlangt die deskriptive Surveystudie die umfassendsten methodologischen Überlegungen zur Gestaltung des Forschungsdesigns. Sie reichen von der... Präzisierung der Fragestellung + Einbettung in den Entstehungs- und Verwertungskontext → Entwicklung eines untersuchungsleitenden u. theoretisch fundierten Gegenstandsmodells → Definition des Untersuchungsfeldes → Auswertungsplanung. Vergleich mit dem Untersuchungstyp Theorietest und Evaluationsforschung: Beim Theorietest: Fragestellung durch die zu prüfenden Hypothesen von vornherein eingeschränkt und präzisiert. + die kommenden Objekte der Untersuchung sind relativ eindeutig zu bestimmen. (nämlich mit Hilfe aus den Hypothesen abzuleitenden "theorie-implizierten Basissätzen") → → → Surveystudien erfordern in dieser Hinsicht umfassende Konzipierungsaufgaben mit zentraler Bedeutung füd die spätere Brauchbarkeit der Resultate. Bei Evaluationsforschung trotz aller Komplexheit der Aufgabenstellung immerhin der Gegenstand der Untersuchung (das zu evaluierende Programm und dessen Eingriffsbereich) = klar vorgegeben → → → in dieser Hinsicht müssen bei deskriptiven Studien konzeptionelle Vorleistungen erbracht werden. → diese sollen in ein Modell des Untersuchungsgegenstands einmünden, das sowohl dem Gegenstand selbst als auch dem Verwertungszweck der Studie gerecht wird + muss durch emp. und theo. Vorkenntnisse hinreichend abgesichert sein, um weder bei wichtigen Aspekten Lücken entstehen zu lassen noch Unnötiges Irrelevantes zu erfassen. + Im Idealfall sollen Surveystudien auch Ansätze für die Weiterentwicklung sozialwissenschaftlicher Theorien bieten → sie sollen nicht rein deskriptiv sonder auch zugleich theoretisch relevant sein. Das Strukturmodell für nicht experimentelle Forschungsprojekte zeigt die einzelnen Arbeitsschritte und ihre Zusammenhänge auf. Unter methodischen Gesichtspunkten ist das hier skizzierte Standardmodell deskriptiver Erhebungen das umfassendste und kompletteste Design der empirischen Sozialforschung. Es dient daher in diesem LEhrtext für die folgenden Kapitel als "roter Faden" der Darstellung und Argumentation. Hinweis: die Aneinanderreihung der Arbeitsaufgaben im Zusammenhang eines empirischen Projekts darf jedoch nicht so (miss)verstanden werden, als wäre der Prozess der Forschung eine lineareFolge von Entscheidungsschritten. Auch bei der Betrachtung der folgenden Übersicht sollten Sie sich vergegenwärtigen: Es handelt sich hierbei um ein Strukturmodell, nicht um ein Ablaufmodell. Faktisch sind in jedem Projekt alle Teilschritte untereinander vernetzt: Die Projektidee + die erste Formulierung der Forschungsfragestellung- also die "Geburtsphase" des Vorhabens - ist nicht denkbar, ihre endgültige Präzisierung ist nicht realisierbar ohne ausdrücklichen und intensiven Bezug zur Schlussetappe: zur (gedanklich als Projektziel vorweggenommenen) Aufbereitung und Verwertung der Forschungsergebnisse. Jede Entscheidung zwischen Beginn und Ende des Forschungsprozesses sind auf das Projektziel bezogen. Auch innerhalb des Prozesses läuft nichts gradlinig ab: Bei der Ausformulierung der untersuchungsleitenden Hypothesen und der Definition der zentralen Begriffe müssen schon die Erhebungsinstrumente mit bedacht werden, müssen zugleich Entscheidungen über die Informanten und Informationsquellen sowie über die "Objekte" der Forschung getroffen werden. (Personen, Familien, Organisationen, soziale Situationen etc.)
- 2.5. Annotation aus der Perspektive qualitativ-interpretativer Methoden Während auf dem Kritischen Rationalismus aufbauende Methodologie die von Hans Reichenbach vorgeschlagene Eingrenzung des Gegenstandes der Erkenntnistheorie auf den Begründungszusammenhang wissenschaftlicher Theorien übernimmt, Vertreter der qualitativ-interpretativen Methodologie sind der Meinung, dass die Ausgrenzung des Entdeckungszusammenhangs (Anlass der zu einem Forschungsprojekt geführt hat) zu einer problematischen Vereinseitigung führt → die von Reichenbach vorgeschlagene Verbannung des Entdeckungszusammenhangs aus der Erkenntnistheoris verkennt aus der Sicht qualitativ-interpretativer Sozialforschung die Zentralität des erkenntnispragmatischen Arbeitsschrittes der Entwicklung hypothetischer, theoretisierender Aussagen. Auch wenn dieser Teil des Forschungsprozesses nicht-logischer Natur ist und sich daher auch nicht vollständig logisch-zwingend rational herleiten oder begründen lässt: Für Forschungsprozesse, die im Kern immer auf die Generierung neuen Wissens zielen, finden entscheidende Weichenstellungen gerade vor der Etabilierung logischer Aussagesysteme statt. Und -so wird in qualitativ- interpretativer Perspektive weiter argumentiert- die erkenntnispraktischen Vorgänge der Hypothesengenerierung sind zumindest intersubjektiv plausibel darstellbar und nachvollziehbar bzw. finden darin ein wesentliches Gütekriterium. → Alle qualitativ-interpretativen Forschungsprozesse bestehen aus einem Wechselspiel zw. Theorie und Empirie.: Ohne vollständig von (auch theortetischem) Vorwissen absehen zu können, geht die Analyse primär vom empirischen Material aus. Dieses Primat (Vorrang von Emp. Daten) der Daten = eingebettet in einen größeren Wissens- und Entscheidungskontext → Lindemann betont, dass schon in die Konzeption von Methoden selbst basale sozial-theoretische Grundüberzeugungen eingehen, wie etwa die, ob ein handlungs- interaktions- oder strukturtheoretisches Grundmodell angenommen wird. Selbst innerhalb der qualitativ-interpretativen Methoden findet sich in Bezug auf diese erkenntnis-, wissenschafts- und sozaltheoretischen Grundannahmen eine große Variation. Allerdings existieren über alle Methoden hinweg basale Prinzipien qualitativen Forschend, die weitestgehend geteilt werden. Es sind dies die Prinzipien der... Offenheit Komminikation Prozesshaftigkeit Reflexivität Zu 1. Prinzip der Offenheit geht aus dem Interesse qualitativer Forschung an der Spezifik und Tiefengründigkeit sozialer Phänomene hervor. = Kritik am "methodischen Filtersystem" standardisierter Verfahren: Batterien geschlossener Fragen, selektive Beobachtungsschemata oder vordefinierte inhaltanalytische Kategoriensysteme können nur überprüfen, was vorab bereits gewusst- oder genauer: theoretisch begründet vermutet- wurde. Offenheit zielt auf eine initiale Öffnung des Forschungsprozesses gegenüber dem im empirischen Feld vorhandene Wissen. Das beginnt bereits mit der Art der Fragestellung → denn in der qualitativ-interpretativen Sozialforschung stehen Fragen des "Wie" und des "Was" im Vordergrund. Auch im Untersuchungsverlauf wird den Forschungsfragen einige Offenheit zugestanden: Gerade weil wir nicht genau wissen können, wie unser Forschungsgegenstand beschaffen ist, kann auch die Präzisierung der Forschungsfragen erst im Verlauf der Forschung erfolgen. Ofenheit als zentrales Charakteristikum für die Prozesse und Methoden der Datengewinnung. An die Stelle des in der standardisierten Forschung dominierenden Motivd der Vergleichbarkeit tritt in der qualitativen Forschung das Ziel einer maximalen Ausschöpfung des spezifischen Informationspotenzials. Statt z.B: starrer Fragebögen werden flexible, situativ zu variierende Interview Leitfäden verwendet, statt der selektiven Messung einzelner Variablen → ein offenes Spektrum kontextreicher Informationen wird angestrebt Ziel = Fromulierung und Überprüfung von Hypothesen im Lichte einer intensiven Materialerkenntnis → "Datenerkennung ist eine kommunikative Leistung", schreibt Christa Hoffmann-Riem ... zu 2. das Prinzip von Forschung als Kommunikation Um die angestrebte Ausschöpfung des spezifischen Informationspotnezials zu erlangen ist der Kontakt mit dem Forschungsfeld konsequent als ein sozialer Prozess der Kommunikation und Unteraktion aufzufassen und unsere Informanten im Feld als "orientierungs-, deutungs- und theoriemächtige Subjekte" zu behandeln , statt sie zu "Fällen" oder "probanden" zu degradieren, an denen uns nicht die Person sondern der Grad der Auprägung bestimmter Variablen interessiert hinter Prinzipien wie Offenheit und Kommunikation steckt wesentlich ein Qualitätsargument: Nur wenn wir unsere Forschung an diesen Prinzipien ausrichten, können wir die angestrebte Spezifität und Tiefgründigkeit unserer Ergebnisse erreichen. Forschung als Kommuznikation bedeutet daher, dass wir die Situation der Datengewinnung konsequent an den Strukturen des Alltagshandelns ausrichten müssen. Statt artifizieller Datenerhebungssituationen → alltagsähnliche Situationen des Gesprächs und des Mithandelns zu nutzen, insbesondere deshalbvon hoher Bedeutung, weil ein wesentlicher Teil unseres Forschungsgegenstandes immer auch die Motive, Reflexionen und Hintergrundkonstruktionen der handelnden Menschen betrifft, die wir nur in kommunikativen Prozessen erschließen können. zu 3. Prinzip der Prozesshaftigkeit Einerseits ist Forschung als Kommunikation ersichtlich als Prozess zu verstehen. In dem Sinne, dass ein Forschungsvorhaben immer eine gewisse Zeit beansprucht, ist diese Feststellung trivial. Gemeint ist aber, das die Gewinnung der Daten nicht als einmaliger Akt des Messens, sondern als fortgesetzter Interaktionsprozess mit den Aktueren im Feld zu konzipieren ist. Damit werden die Forschenden unvermeidlich selbst zu einem Teil des Forschungsprozesses und seiner Ergebnisse. zweite Bedeutung: Die soziale Wirklichkeit die wir untersuchen, wird von sozialen Aktueren fortwährend hervorgebracht, erhalten und modifiziert. Soziale Realität ist in fortwährendem Wandel begriffen; selbst vermeintlich Statistisches muss immer aufs Neue interaktiv erzeugt werden. Es sind genau diese Hervorbringungsprozesse, für die sich qualitative Forschung interessiert: Wie entstehen Gruppen oder Netzwerke? Aber auch : Wie werden sie erhalten, verändert, weiterentwickelt oder auch aufgelöst? Wie geht der Wandel gesellschaftlicher Institutionen - etwa Ehe oder Familie - tatsächlich vonstatten? Wie definieren Aktuere Situationen als z.B. kritisch, und wi gehen sie interaktiv damit um? zu 4. Prinzip der Reflexivität mit dem Prinzip der Reflexivität ist die qualitative Sozialforschung in doppelter Weise befasst: Zunächst einmal gilt, dass kein Objekt und keine Äußerung aus sich selbst heraus eine Bedeutung ha t→ diese erst in einem Verweisungskontext von Objekt, Äußerung und Kontext entsteht. Je nach Referenzrahmen ist ein Objekt oder eine Äußerung anders zu interpretieren. Dieses reflexive Verhältnis von Einzelnem und Ganzem, das Wilson als "indexikalität! bezeichnet hat, war der implizite Hintergrund schon der Hermeneutik Hermeneutik = Kunst der Auslegung, also, die sich mit der Interpretation des Sinns von Artefakten (Texten, Bildern, Objekten) befasst und von einer Zirkularität von Sinnkonstitution und Sinnverstehen ausgeht. hermeneutischer Zirkel:So wie das Einzelne erst im Kontext des Ganzen verstehbar ist, → so erschließt sich auch die Bedeutung des Ganzen erst aus der Bedeutung des Einzelnen. Zugleich existiert Reflexivität auch im Verhältnis von Forschungsfrage und Forschungsgegenstand: Unser Forschungsinteresse und unsere konkreten Forschungsfragen sind mitentscheidend dafür, welche BEdeutung wir bestimmten empirischen Phänomenen im Feld und bestimmten Daten, die wir über sie gewonnen haben, zuweisen. → in einem gewissen Umfang richtet die Fragestellung also die Daten zu, beeinflusst mithin, was die Daten uns bedeuten. → Mead: wir als Handelnde müssen unsere Objekte aus der Welt "herausmeißeln"+ Tatsachen sind nicht einfach vorhanden → können nicht einfach aufgesammelt werden → müssen als Daten herauspräpariert werden.
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