130

Diagnostik (Fach) / Diagnostik I (Lektion)

Diagnostik I; WS 13/14; Pilsz

Diese Lektion wurde von knoedel erstellt.

Lektion lernen

Anzeige
  • Nennen sie Argumente für und Gegen die systematische Beobachtung Dafür:Pro-Argument: Es wird reales und nicht bloß verbal bekundetes Verhalten erfasstIn Fragebogen gibt es Verzerrungen durch: Täuschung; Unbewusste "verzerrte" Wahrnehmung; Trügerisches SelbstkonzeptDagegen:Hoher technischer Aufwand von VideoaufzeichnungenFehler beim Protokollieren der BeobachtungBeobachtungsfehlerDirekter Einfluss eines Beobachters auf den UntersuchtenSubjektivität der BeobachtungHoher technischer Aufwand beim "Verstecken des Beobachters" (Einwegspiegel)
  • Ausmaß der Kontrolle und Strukturierung (Standardisierung) Je mehr Kontrollausübung auf Rahmenbedingungen, desto mehrStandardisierungStandardisierung => Bessere Vergleichbarkeit von PersonenFeldbeobachtung:Ereignissen freien Lauf lassenNaturalistische BeobachtungZiel: Möglichst realistisches, ökologisch valides Bild des Verhaltens und des situativen Kontext
  • Beobachtung in vivo vs. Beobachtung auf Basis von Aufzeichnungen Doppelbelastung bei in vivo Beobachtung BeobachtungRegistrierung Während dessen kann etwas unbemerkt bleiben daher Mehrere Beobachter
  • Grade der Teilnahme des Beobachters am aufzuzeichnenden Geschehen Teilnehmende Beobachtung Aktiv-teilnehmende Beobachtung (Beobachter mischt sich direkt ins Geschehen ein; hat daher aber Einfluss auf die Situation daher Durchführungsobjektivität gefährdet) Passiv-teilnehmende Beobachtung (Anwesend aber nciht aktiv Einmischend) Nichtteilnehmende, verdeckte Beobachtung Nachteile (kollidieren mit Rechtlichen und forschungsethischen Normen; Erfordert informt consent) Differenzierung der Vertretbarkeit (Bei Laboruntersuchung die möglichkeit nachzufragen und die daten ggf zu löschen; Bei Feldbeobachtung Einholen einer nachträglichen Einwilligung) Besser möglich durch Miniaturisierung der Videotechnik Ethischer Wandel: In 60er-70er war es noch möglich Vpn in einem simulierten Flugzeugabsturz in Todesangst zu versetzen, um die Schreckensreaktionen zu filmen
  • Stichprobenplan und Arten der Beschreibung Regelt wann Verhaltensstichproben gezogen werden Arten: Zeitstichprobenplan (legt zeitlich fest wann Verhalten registriert wird)Ergebnisstichprobenplan (legt fest nach welchen kritischen Ereignissen registriert wird) Arten der Beschreibung:Isomorphe Beschreibung (Freie Beobachtungsmethode; Versuch beobachtetes Verhalten möglichst vollstendig wiederzugeben; zB. Verlaufsprotokoll)Reduktive Beschreibung (Reduktion der Registrierung auf bestimmte Aspekte; Einzelne Verhaltensweisen werden in größeren Verhaltensklassen zusammengefasst)
  • Kodierschema / Beobachtungssystem Bei komplexeren Systemen: Kodiermanual; Enthält explizite Definitionen der Kodes und Bsp. Regeln, welche zu beachtende Verhaltensaspekte spezifizieren Messinstrumente der Verhaltensbeobachtung Liste von Kennzeichnungen (Kodes) möglichst explizit definierter Verhaltensklassen Aufgabe: Erstellung eines Protokolls des Verhaltensstroms
  • Was ist eine Beobachtungseinheit? Zeitlich oder inhaltlich definierter Abschnitt des Verhaltensstroms, für welchen eine Kodierung vorzunehmen ist
  • Was ist die Einfachste Form der Segmentierung des Verhaltensstroms? Beobachtungsperiode ist eine Einheit, ohne SegmentierungProtokollierung: Simple, mit den Kodes versehene, Strichliste Vorteile:Leichte HandhabungAuskommen ohne technische Hilfsmittel Nachteil:Beobachtete Ereignisse können nur Aufsummiert werden: Nur Auszählung der HäufigkeitenKeine zeitliche Zuordnung ist möglichMan weiß nicht, wie lange die einzelnen Ereignisse andauern
  • Nennen sie die Methoden echter Segmentierung IntervallkodierungZeit-Teil-MethodeZeitraster wird über Verhaltensstrom gelegtJedem der gleichlangen Intervalle wird ein Kode gegebenWichtig: Angemessene Intervalllänge EreigniskodierungEreignis-Teil-MethodeRegistrierung des Auftretens vorher festgelegter Ereignisse
  • Nennen sie die drei kategorien von Beurteilungsfehlern Beurteilungstäuschungen (Soziale Wahrnehmungsfehler)BeurteilungsversagenBeurteilungsverzerrungen
  • Anzeige
  • Zählen sie die Beurteilungstäuschungen (Soziale Wahrnehmungsfehler) auf Der erste EindruckDer Selbst-BezugTendenz zur Mitte: "Fehler der zentralen Tendenz"Der Kontrast-EffektKonformitätsdruck bei der PersonenbeurteilungDer Schlechte-Laune-EffektSoziale StereotypeImpressions-Management
  • Zählen sie die Beurteilungsverzerrungen auf Milde-EffektStrenge-EffektDer Nähe-EffektDer Hierarchie-EffektDer Benjamin-EffektDer Klebe-Effekt (Status-quo-Effekt)Der Matthäus-Effekt
  • Der Selbst-Bezug Eigene Maßstäbe gehen in Personeneinschätzungen einIn jeder Fremdbeurteilung steckt eine SelbstbeurteilungSprenger: „Jede Beurteilung ist Selbstbiographie.“   Beurteilungstäuschungen (Soziale Wahrnehmungstäuschungen)
  • Der erste Eindruck - (Beurteilungstäuschungen Soziale Wahrnehmungstäuschungen) Kann vermittelt über die eigene Erwartung zu einer "sich selbst erfüllenden Prophezeiung" führen Selektive Wahrnehmung Bildet ein Beurteilungssystem (weitere wahrnehmungen dienen hauptsächlich der  Bestätigung des gewonnen Urteils) Einschätzung über Sym- oder Antipathie erfolgt in wenigen Sekunden Personen mit ähnlichen Merkmalen werden positiver eingeschätzt Wirkt sich auf die Interaktion aus Positionseffekte bestimmen Urteileo Erster Eindrucko Letzter Eindruck  
  • Tendenz zur Mitte („Fehler der zentralen Tendenz“, Hofstätter) Beurteilungstäuschungen (Soziale Wahrnehmungstäuschungen) Personen neigen bei schriftlichen Beurteilungen zur Mitte / StandardnoteSozialwissenschaftliche Untersuchungen: Je unsicherer die Einschätzung, desto stärker die Tendenz zur MitteKann man am „wenigsten falsch machen“Zwei Bedeutungen der mittleren Noteo Leistungsmerkmal hat mittlere Ausprägungo Man ist sich in der Einschätzung unsicher
  • Was sind begünstigende Faktoren für Beurteilungstäuschungen? ErmüdungSinkende AufmerksamkeitFehlen von Beurteilungsrichtlinien
  • Kontrast-Effekt (Beurteilungstäuschungen Soziale Wahrnehmungstäuschungen) Kontrast verstärkt Augenscheinlichkeit von EigenschaftenKontrastfehler Untersucher erkennt beim Pb Eigenschaften, welche er sich selbst absprichtGegenteil Ähnlichkeitsfehler Man "entdeckt" eigene Eigenschaften
  • Der Halo-Effekt („Hof-Effekt“, „Überstrahlungseffekt“,) (Beurteilungstäuschungen Soziale Wahrnehmungstäuschungen) nach Thorndike Besonderes Merkmal überstrahlt andereHerausragende Einzelleistung blendet die GesamtleistungseinschätzungFehler: Aus der Präsenz einer Eigenschaft wird die Ko-Präsenz einer anderen Eigenschaft erschlossenLösung: Jedes Merkmal muss für sich erschlossen werden „Experimentator“-ErwartungseffektUnwissentliches Verstärken des Verhaltens der Testperson, meist durch nonverbale Kommunikation Bsp.: Rosenthal-Effekt / Pygmalion-EffektManipulierte Einstellung der Lehrer führt zu scheinbaren Leistungsunterschieden in Gruppen Self-fulfiling-prophecy
  • Konformitätsdruck bei der Personenbeurteilung Experiment von Asch: Größeneinschätzungsexperiment6 Konföderierte und ein ProbandKonföderierte Antworten falsch, 37% Probanden schätzen Liniengrößen auch falsch ein Eindeutiger ReizBei Personeneinschätzung ist Bedürfnis sich an anderen zu orientieren viel größer• Bei Urteilsübernahme fühlt man sich in Gruppe integriert• Sündenbockdenken führt zu größerem GruppenzusammenhaltSoziale Bedürfnisse nach Zugehörigkeit und Anerkennung steigern Konformität des Denkens und sozialen Urteils
  • Der Schlechte-Laune-Effekt Stimmungslagen beeinflussen BeurteilungRosarote-Brille: Gut gelaunter Mensch nimmt Welt so wahr, dass gute Laune erhalten bleibtLösung: Keine Menschenbeurteilung bei besonders positiven oder negativen Stimmungslagen
  • Soziale Stereotype Kollektiv vererbte Vorurteile erschweren unvoreingenommene Wahrnehmung Emotional gefärbte Schubladen in unserer Vorstellung, in die wir Andere einordnen Alltagssprachlich: Vorurteil Bestimmen: Wahrnehmung und Verhalten -> Notwendigkeit von: Offenheit, Toleranz, Fähigkeit zur Selbst-Kritik und Selbst- Hinterfragen des Beurteilers
  • Impressions-Management Wesentliches Element unseres Verhaltens im Alltag Beurteilte nutzen Wahrnehmungsmuster (erster Eindruck, blenden mit Einzelleistungen etc.) zu ihren Gunsten aus Ist ganze Forschungsrichtung Thema: Wie schafft man es, positivenEindruck zu erwecken Nicht zufällig viele Ausdrücke Bspw.: Eindruck schinden Versuch eigenen Eindruck zu kontrollieren Inszenierungsstrategie: Gelungene Selbstdarstellung als Erfolgsgrundlage Freundlichkeit hierarchisch Höher-Gestellten wird kritisch beäugelt
  • Arten des Mildeeffektes Generosity Error: Tendenz generell günstigere Urteile abzugeben Leniency-Error: Neigung, Personen günstig zu beurteilen, die dem Beurteilet sympathisch sind Folge aus beiden: Anteilsverzerrung zugunsten der positiven Eigenschaften im Gesamtbild Gründe:Vorgesetzter will "nicht weh tun"Bewertung von Anstrengungsbereitschaft, statt LeistungMan will "positiv denkend" wirken Besiegt die Logik: Richtwertvorgaben sind notwendig, damit Spitzennoten nur begrenzt vergeben werden
  • Effekte des Strenge-Effekt Schlechtere Bewertung von unbekannten oder negativ-wirkenden Personen Überbewertung schlechter Leistung bei grundsätzlicher Erwartung überdurchschnittlicher Leistung Bewusst-Werden der eigenen Milde führt zu Umkehr der Urteilstendenz
  • Der Nähe-Effekt Kontaktnähe und enge Zusammenarbeit führen zu positiverer Beurteilung Gründe: Mitarbeiter nicht verprellen wollen Eng-zusammenarbeitende Personen können sich leichter positiv profilieren haben mehr Möglichkeit gegenseitige Erwartungen abzustimmen Können besser mit gegenseitigen Stärken und Schwächen umgehen Besonders nahstehende Mitarbeiter sind "handverlesen" => Positive Voreingenommenheit
  • Hierarchie-Effekt Je höher der Rang, desto besser die Beurteilung• Vergleichsmaßstab muss geregelt sein• Vermeidung des Hierarchie-Effektso Abhängig von: Bereitschaft Status zu ignoriereno Status überblendet oft Leistung
  • Der Benajmin-Effekt Je kürzer jemand arbeitet und je jünger er ist, desto strenger ist die Beurteilung Gründe:Fehlende ErfahrungChance sich zu verbessern Pauschale Verteilung verstößt gegen gerechtes Leistungsprinzip
  • Der Klebe-Effekt (Status-quo-Effekt) Tendenz am Status Quo festzuhalten, ihn nicht zu hinterfragenIn psychologischer Entscheidungstheorie nachgewiesenAbweichen heißt: Handeln, sich neu entscheiden, Verantwortungübernehmen, ggf. Konflikte aushalten
  • Matthäus-Effekt „Wer hat dem wird noch mehr gegeben“KumulationseffektDem Klebeeffekt ähnlich
  • Beurteilungsversagen Beurteilungsversagen: Noten werden nicht (nur) nach den gezeigtenLeistungen vergeben, sondern es werden bewusst leistungsfremde Faktoren miteinbezogenLeistung ist LeistungPersönliche Hintergründe dürfen bei Leistungsbeurteilungen nichtinteressieren