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1 Grundlagen der Psychotherapie (Fach) / 1.1.2 Methodische Grundlagen: Ätiologieforschung, Psychotherapieforschung (Lektion)
Methodische Grundlagen: Ätiologie-, PTforschung
Diese Lektion wurde von kristina83 erstellt.
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- Querschnitterhebungen; Def. und Bsp. zu best. Zeitpunkt werden mehrere unabhängige Stichproben mit demselben oder einem vergleichbaren Messinstrument jeweils einmal untersucht erlaubt Aussagen über Punktprävalenz Bs. Fragebogen zur Häufigkeit von Depression bei verschied. Altersgruppen in einem Altersheim eingesetzt
- Vor- und Nachteile der Querschnitterhebung Vorteile: kurze Durchführungsdauer, geringer Aufwand Nachteile: Kohorten könnten verschied. Sozialisationsbedingungen haben unabhängige Stichproben erlauben keine Aussagen zu intraindividuellen Unterschieden für unabhängige Stichproben gibt es weniger effiziente statistische Verfahren Generalisierung der Ergebnisse über Zeitpunkt der Untersuchtung hinaus ist problematisch
- Längsschnitterhebungen Kohortenstudie dieslbe abhängige Stichprobe wird zu verschiedenen Zeitpunkten mit demselben/ vergleichbarem Messinstrument untersucht Beispiel: Leistungsstand in Mathe wird in einer Klasse von der ersten bis zur vierten Klasse untersucht erlauben die Bestimmung der Periodenprävalenz und Inzidenzraten
- Vor- und Nachteile von Längsschnitterhebungen Vorteile: Unterschiede in den Messwerten erfassen intra- , Unterschiede innerhalb der Stichprobe interindividueller Unterschiede, für abhängige Stichproben gibt es effiziente statistische Verfahren Nachteile: veränderte Umweltbedingungen als unkontrollierbare Störfaktoren Mortalität und Alterung problematisch für AuswertungGefahr systematischer drop outs (Schwächung interner Validität) Lerneffekte/ reaktive Effekte können auftreten Untersuchungsverfahren im Verlauf nicht veränderbar richtige Wahl der Sequenz der Untersuchung ist bedeutsam
- Retrospektive Untersuchungen, Def., Bsp. vom Ergebnis ausgehend werden die Einflussgrößen untersucht Beispiel: Befragung von Senioren über ihre Erinnerungen an 2. Weltkrieg
- Vor- und Nachteile der Retrospektiven Untersuchung Vorteile: große Datenmengen, hohe Wirtschaftlichkeit (Untersuchungen leicht, schnell, billig) Nachteile: nur Hinweise, keine Beweiskraft Richtung des Zusammenhangs bleibt unklas Erinnerung können fehlerhaft sein (z.B. recall bias: Ereignisse, die unwichtig erscheinen, werden nicht erzählt) ! Eine Art ist die High-Risk-Studie, bei der das Zusammenwirken von genetischer Disposition und Umweltfaktoren erfasst wird, um Prädiktoren für das Auftreten von späteren Erkrankungen zu suchen.
- Laborstudie speziell für die Untersuchung entwickeltes (künsltiches) Milieu z.B. Fremde-Situation-Test hohe interne aber geringe externe Validität
- Vor- und Nachteile der Laborstudie Vorteile: Situation leicht manipulierbar, Störvariablen können gut kontrolliert werden, Untersuchung erfolgt unter optimalen Bedingungen Nachteile: Umgebung wirk oft unnatürlichPersonen wissen, dass sie untersucht werden und ändern viell. ihr Verhalten Übertragbarkeit auf natürliche Situationen fraglich
- Feldforschung diagnostisch-therapeutische Situation soll möglichst wenig verfälscht werden z.B. Auszählung aggressiven Verhaltens von Kinder auf Spielplatz hohe externe, aber geringe interne Validität
- Vor- und Nachteile der Feldstudie Vorteile: natürliche Umgebung, spontanes/ normales Verhalten, gute Übertragbarkeit auf natürliches Verhalten; keine Verfälschung durch Wissen um Studie Nachteile: Störvariablen können schlecht kontrolliert werden Manipulation der Situation schwierig Verhalten u.U. schwer zugänglich Untersuchungsbedingungen nicht optimal
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- Einzelfallstudie ein Individuum oder ein Merkmal in einem homogenem Kollektiv z.B. Verein keine/ wenig standardisierte Verfahren zur Untersuchung erlaubt detaillierte Beschreibung eines Phänomens dient oft der Hypothesengenerierung Auswertung erfolgt über Zeitreihenanalyse, die Aussagen über Trend, Oszillation und Fehlerkomponenten macht Zusammenfassung Einzelergebnissen (Aggregation) problematisch; Aussagen über die Generalisierung nur durch Replikationsuntersuchungen möglich
- Gruppenstudien möglichst große Stichproben Unterscheidung zwischen Experimental- und Kontrollgruppen Berechnung von Mittelwertsunterschieden, die statistisch auf Signifikanz überprüft werden bei repräsentativen Stichproben sind Generalisierungen möglich
- Experimentelle Studien 1) Situation genau definiert 2) dient Überprüfung von Hypothesen und kann diese bestätigen oder wiederlegen 3) muss reproduzierbar sein 4) Experimental- und Kontrollgruppe, die durch Randomisierung der Probanden gebildet werden 5) unabhängige Variable wird verändert, abhängige Variable gemessen 6) andere Variablen werden konstant gehalten oder kontrolliert 7) Es können Aussagen über die Kausalität von Beobachtungen gemacht werden. DAs Experiment ist Grundlage randomisiert kontrollierter Therapiestudien (RCT), die als Goldstandard für die Prüfung der Wirksamkeit von Therapien gelten.
- Quasiexperiment entweder keine Kontrollgruppe oder sie ist nicht durch Randomisierung entstanden Befünde müssen daher nicht auf die Veränderung der Bedingungen, sondern können auf Gruppenunterschiede zurückgehen
- deskreptive Epidemiologie beschreibt Auftreten und Verteilung der Krankheit über Populationen, geografische Regionen und die Zeit
- analytische Epidemiologie erfasst Ursachen, Risikofaktoren und weitere Determinaten von Gesundheit und Krankheit
- Epidemiologische Erhebungen Unterscheidung deskriptive und analytische Epidemiologie Beobachtungsgrößen: Prävalenz; Inzidenz Falldefinition: Unterscheidung Erkrankte und nicht Erkrankte, nach den Kriterien des ICD-10 getroffen Fallregister: erlaubt zentralisierte, personenbezogene, kontinuierliche Doku aller Kontakte von Pat. mit den verschiedensen med. Diensten einer Region; Register sind relativ teuer und bergen Datenschutzprobleme
- repräsentative Studien Stichprobengewinnung wird mit mathematischen Methode einer Teilmenge aus einer Grundgesamtheit (Population) erzeugt besteht aus einer Menge von Elementen, die hinsichtlich eines Merkmals übereinstimmen repräsentative Stichproben entsprechen in ihrer Zusammensetzung der Population, aus der sie entnommen sind - nur aus solchen Stichproben lassen sich Schlüsse auf die Population ziehen
- klinische Stichproben der Personenkreis, der sich in Behandlung befindet
- Ziele der Psychotherapieforschung Aussagen über Wirksamkeit; die über die Effektstärke ermittelt wird (berechnet aus dem Mittelwertsunterschied eines Merkmals vor und nach der Therapie dividiert durch Standardabweichung des Merkmals vor der Behandlung) Differenzielle Indikation: Angaben über welche Maßnahme, durch wen, wann, bei wem, mit welchem Problem und unter welchen Bedingungen es zu welchen Ergebniss geführt hat Prozessanalyse: Untersuchung der Abläufe zwischen Therapeut und Pat. ; erfasst werden Makro- (gesamter Therapieverlauf) und Mikroprozesse (einzelne Sequenzen); soll verdeutlichen, was in Therapie wie wirkt
- Strategien/ Methoden der Psychotherapieforschung u.a.Einzelfallstudien, Gruppenvergleich und Metaanalysen: Methoder zur Zusammenfassung von Primäruntersuchungen, in denen quantitative Daten statistisch ausgewertet werden; Nutzen: Ergebnisse aus verschiedenen Untersuchungen quantitativ vergleichbar; potentielle Fehlerarbeit bei der Durchführung von Metaanalysen liegt in der Nichtbeachtung des Publikations-Bias, mit dem umschrieben wird, dass Studien mit nicht signifikanten BEfunden seltener veröffentlicht werden als solche mit signifikanten Ergebnis.Berücksichtigung der methodischen Güte der Primäruntersuchungen wichtig
- spezifische Wirkfaktoren der Psychotherapie; Bsp. z.B. freie Assoziieren aus Psychoanalyse, Hot-Seat-Technik aus der Gestalttherapie, systemische Desensibilisierung aus der Verhaltenstherapie unspezifische Wirkfaktoren, die in allen Verfahren bedeutsam sind: nach Grawe!: Ressourcenaktivierung, Problemaktualisierung, aktive Hilfe zur Problembewältigung, motivationale Klärung wie diese verwirklicht und welche übergeordnete Bedeutung sie haben ist bei den einzelnen Verfahren unterschiedlich
- Wirkungsnachweise der Psychotherapie Äquivalenzparadoxon/ Dodo-Verdikt (= jede PT ruft Veränderung hervor und setzt gleiche Prozesse in Gang) scheint nach neueren Untersuchung nicht zu gelten differenzielle Wirkungen der Therapieverfahren; am besten kognitiv-verhaltenstherapeutische Verfahren untersucht: Vielzahl von Studien belegt Effekte z.B. bei Behandlung von Ängsten Wirksamkeit Psychoanalyse umstritten (auch weil Ziel einer langfristigen Persönlichkeitsumstrukturierung relativ schwer zu erforschen ist) TP und Gesprächspsychotherapie in verschiedenen Studien als verhältnismäßig gut wissenschaftlich gesichert
- Wie wird die Effektstärke berechnet? aus dem Mittelwertsunterschied eines Merkmals vor und nach der Therapie dividiert durch Standardabweichung des Merkmals vor der Behandlung
- ! Prävalenz (Grundanteil)beschreibt die Häufigkeit, mit der ein bestimmtes Merkmal (z.B. eine Diagnose)in definierten Zeiträumen in einer Population vorkommt. Punktprävalenz: Häufigkeit zu einem best. Zeitpunkt (Stichtag) Periodenprävalenz: Häufigkeit in best. Zeitabschnitt (z.B. in den letzten 7 Tagen) Jahresprävalenz: Periodenprävalenz für 12 Monate Lebenszeitprävalenz: Periodenprävalenz für das gesamte Leben Prävalenzrate ist die Anzahl der Erkrankten im Verhältnis zur Anzahl der untersuchten Personen.
- Inzidenz! gibt das Neuauftreten definierter Merkmale (z.B. bestimmter Diagnosen) in bestimmten Zeiträumen (z.B. während des letzten Jahres) in einer Population an.
- Effektstärke! Cohens d berechnet sich aus dem Mittelwertunterschied eines Merkmals vor und nach der Therapie dividiert durch die gepoolte Standardabweichung von Experimental- und Kontrollgruppe nach der Behandlung. Nach Cohen weist d zwischen 0,2 und 0,4 auf einen kleinen Effekt, d zwischen 0,5 und 0,7 auf einen mittleren und d zwischen 0,8 und 1 auf einen starken Effekt. Bei Effektstärken von d=1 haben sich die Pat. in der Interventionsstudie im Durchschnitt um eine Standardabweichung gegenüber der Kontrollgruppe verbessert.
- Wirksamkeit einer Therapie nach Orlinsky und Howards Nach dem allgemeinen Modell von Psychotherapie (AMP), 1987, ist die Wirksamkeit abhängig von der Passung zwischen dem Behandlungsmodell des Therapeuten, der Erkrankung des Pat., therapierelevanten Merkmalen des Therapeuten und therapierelevanten Merkmalen des Pat.
- Therapieforschung z.B. durch Cochrane Collaboration führt zu evidenzbasierten ("erwiesenermaßen wirksamen") Therapieempfehlungen auf verschiedenen Levels. Je nach Anzahl und Güte der zugrundeliegenden Studien steigt der Evidenzgrad.Man unterscheidet:Ia: es gibt mind. 1 Metaanalyse aus mehreren randomisierten, kontrollierten Studien (RCT), die die Wirksamkeit der Therapie belegen. Ib: Es gibt mind. eine randomisierte, kontrollierte Studie IIa: mind. eine kontrollierte Studie (ohne Randomisierung). IIb: mind. 1 quasi-experimentelle Studie III: es gibt nicht-experimentelle, beschreibende (=despkriptive) Studien, z.B. Vergleichsstudien. IV: es gibt anerkannte Autoritäten auf dem GEbiet der Psychotherapie, welche die Therapie aufgrund von klinischer Erfahrung als wirksam erachten.