24
internationale Politik (Fach) / Begriff, Dimensionen, Gegenstandsbereich (Lektion)
Anzeige
- Definition IB /IP Beziehungsgeflecht grenzüberschreitender Interaktionen von staatlichen und nichtstaatlichen Akteuren mehr als die Summe von AP(en) -> AP + IB zwei unterschiedliche anlaytische Ebenen - -> Cziempiel: IB als Oberbegriff der Disziplin List: IP, da: IB im dt. Sprachgebrauch viel breiter als im angelsächsischen IP erlaubt Fokussierung auf das Politische im engeren Sinn ->Vorteil sinnvolle Eingrenzung ->daher auch CZ: IP aus praktischen Gründen
- Definition Gegenstand IP/IB nach Cziempile "Wertzuweisungen" hervorgehoben damit Aspekt: Politik als Entscheidungsleistung (-handeln) auf Grundlage von politischer und gesellschaftlicher Macht · Durchsetzungsfähigkeit von Interessen und Werten -> Macht · nur in VL: Impliziert/Führt zur Frage nach Legalität (gesetzeskonform) und Legitimität: Anerkennungswürdigkeit des Handelns (Unrechtsstaaten / NS-Zeit) · Führt zur Frage: Entscheidungshandlung als Gerechtigkeit? (normative Dimension))
- Dimensionen /Gegenstandsbereiche IB: AP 1. Außenpolitik = „Auswärtige“ Politik einzelner Nationalstaaten auch unter Indienstnahme (Instrumentalisierung) von IGOs Mögliche Gegenstände entsprechender Analysen: · Ziele der AP einzelner Akteure · Mittel / Instrumente · Poltikfelder (Arenen) · Strategische Orientierungen Wichtig: Gedacht ( konzipiert) und gehandelt aus Perspektive eines einzelnen (Staaten-) Akteurs / Staatenverbunds mit zumindest partieller Akteursqualität (EU)
- Dimensionen/Gegenstandsbereiche IB: Int. Politik Interaktionsgefüge und komplexe Interdependenz · Ungeregeltes Miteinander (Machtkämpfe) unter Bedingungen von „Anarchie“ (Krieg / Naturzustand) · Nullsummenspiel: Neuverteilung von Macht / Gütern /begrenzte Ressourcen · Als auch: Geregeltes miteinander (Kooperation) gestützt auf (Völker-) Recht und Institutionen: Frieden Wichtig: Die einzelnen Staaten (= Souveräne) bleiben Herren des Geschehens („der Verträge“)
- Dimensionen/Gegenstandsbereiche IB: Transnationale Politik Bedeutungen von: · INGOS, · inbs. BINGOs also v.a. von multinationalen Konzernen, zivilgesellschaftlichen Akteuren Wichtig: besonders hervor tritt · die Bedeutung von Wirtschafts-,Handels-,Menschenrechts- und Umweltfragen
- Gegenstandsbereich /Dimensionen IB: Supranationale Politik Bedeutung von IOs: · Insbesondere von solchen mit hoheitlichen Befugnissen (Klassisches Beispiel EU) · Also mit dem Recht in einzelne Staaten „hineinzuregieren“ Wichtig: Unterstellt wird hier die partielle, relative Preisgabe von Souveränität
- Definitionen nach List: Politik „Politik ist die Regelung öffentlicher Angelegenheiten mit dem Anspruch auf Verbindlichkeit. So kann man den Begriff im Anschluss an das Vorverständnis des gemeinen Alltagsverstandes (common sense), aber auch an politikwissenschaftlich-fachliche Überlegungen, die darauf aufbauen, definieren. Aus fachlicher Perspektive ist es sinnvoll, drei Merkmale dieser Definition näher zu erläutern. - öffentlich - verbindlich - Regelung
- Definitionen nach List: Internationale Beziehungen 1. Oft Synonym für internationale Politik 2. in unserer Terminologie und i.w.S. die Summe aller politischen und nicht-politischen grenzüberschreitenden Beziehungen, egal ob von staatlichen oder nicht-staatlichen Akteuren unterhalten“ (List 2006: 20).
- Definitionen nach List: Int. Politik 1. oft Synonym für internationale Beziehungen; 2. in unserer Terminologie: grenzüberschreitende politische Beziehungen was die politischen Beziehungen staatlicher und nicht-staatlicher Akteure umfasst, also intergouvernementale Politik ebenso wie transnationale Politik deshalb definieren wir: i.P. = die Politik zwischen Gesellschaften, die in staatlicher Form organisiert sind (bzw. zwischen diesen und vor-, noch nicht oder nicht mehr staatlichen Akteuren und Kollektiven).“ (List 2006: 20)
- Definitionen nach List: AP · „grenzüberschreitende politische Aktivität staatlicher Akteure · im Kontext der heimischen Gesellschaft zu analysieren · die Überlagerung der staatlichen Außenpolitiken und auch der nichtstaatlichen transnationalen politischen Aktivität ergibt die internationale Politik.“ (List 2006: 20)
- Anzeige
- Definitionen nach List: Transnationale Politik Grenzüberschreitende politischen Beziehungen nicht-staatlicher Akteure, die ein Teil aller grenzüberschreitenden nicht-staatlichen Kontakte der transnationalen Beziehungen sind.“ (List 2006: 20)
- Definitionen nach List: Int. System Durch die Gesamtheit aller internationalen Beziehungen immer wieder reproduziertes System der Beziehungen zwischen in staatlicher Form organisierten Gesellschaften weist grundlegende Macht(verteilungs)struktur + eine zumindest minimale (aber ausbaufähige) normative Grundstruktur (Regeln für wechselseitige Anerkennung, Grenzziehung, diplomatischen Verkehr) aus polit-ökonomischen Wechselwirkungen resultiert eine Zentrum-Peripherie-Struktur ungleichmäßiger Entwicklung der nationalen Gesellschaften und internationaler Arbeitsteilung.“ (List 2006: 20)
- Der Gegenstandsbereich der IB aus Sicht der vier Paradigmen von Martin List (2006): Realismus 1. Realismus „internationales System von Staaten (staatliche Herrschaftszentren) -die sich durch Selbsthilfe unter Bedingungen der An-Archie (der Freiheit von Herrschaft im formalen Sinne) selbst behaupten müssen -also nach Macht streben.“ (List 2006: 36)
- Der Gegenstandsbereich der IB aus Sicht der vier Paradigmen von Martin List (2006): idealismus / Institutionalismus – „als „inter- und transnationales System der Beziehungen zwischen Staaten einschließlich ihrer gesellschaftlichen Umfelder, die unter Bedingungen der Interdependenz durch Institutionen-Bildung gemeinsame Probleme kooperativ bearbeiten können.“ (List 2006: 36)
- Der Gegenstandsbereich der IB aus Sicht der vier Paradigmen von Martin List (2006): gesellschaftskritischer Ansatz – als „transnationales System gesellschaftlicher Herrschaft (im materialen Sinne), in dem national- und/oder transnational herrschende Klassen unter Bedingungen einer (tendenziell) globalen kapitalistischen Ökonomie unter Nutzung der Mehr-Staatlichkeit (kein Weltreich!) ihre polit-ökonomischen Herrschaftsinteressen verfolgen (im Widerstreit mit den Unterdrückten/Ausgebeuteten).“ (List 2006: 36)
- Der Gegenstandsbereich der IB aus Sicht der vier Paradigmen von Martin List (2006):Konstruktivismus – als „im Prinzip jede der obigen Sichtweisen, jedoch: als komplexes soziales System, dessen Strukturen gleichermaßen durch das Handeln der (kollektiven) Akteure geprägt werden wie diese durch die Strukturen geprägt werden (Ko-Konstitution von Akteur und Struktur), wobei insbesondere die Fremd- (z.B. Feindbilder) und Selbst-Wahrnehmung (Rolle, Identität) der Akteure (z.B. Staaten) wesentlich ist, so dass das System nicht ,objektiv-äußerlich‘, sondern ein soziales Konstrukt ist.“ (List 2006: 36)
- Zur Institutionalisierung des Fachs und zu wichtigen Forschungs-Feldern bzw. -Einrichtungen: Ende 1. WK im Kontext der Errichtung des Völkerbundes die Lehre von den IB als akademische Disziplin etabliert (gewissermaßen als „Friedenswissenschaft“). Der Wilsonianismus als ‚geistiger Vater‘ des Völkerbundes (VB) und der IB.
- 14 Punkte von Wilson verkündet am 08.01.1918 als Programm für einen gerechten Frieden nach dem Ersten Weltkrieg, enthalten u.a.: · eine Absage an herkömmliche Geheimdiplomatie · ein Plädoyer für eine open door-Politik · eine Kritik des traditionellen Gleichgewichtsdenkens · das Verlangen nach Gründung eines Völkerbundes
- Idealismus als IB-Fundament: -1919 begründet -Lehre (mit Schwerpunkt Friedensforschung), auch idealistische Annahmen -konstitutive Grundannahmen der neuen Disziplin, nur vom Marxismus nicht geteilt (Folge: Verschärfung der seit dem 19. Jh sich entwickelnden Ideologien-Konkurrenz): o Weltkrieg als entsetzlicher, aber prinzipiell vermeidbarer Betriebsunfall o Moderner Nationalstaat als höchste Form politischer Organisation o Kriegsverhinderung als Aufgabe einer Wissenschaft von den internationalen Beziehungen – möglichst Kodifizierung/ Parlamentarisierung grundsätzlich harmonisierbarer Interessen in der Weltgesellschaft o Institutionen wie Völkerbund/IGH als konstruktive Antwort auf Zusammenbruch alter Friedensordnung
- -> IB-Gründung als Krisenreaktion : Nach Meyers -als Folge 1. WK - Kriseninterpretations- und Krisenbewältigungswissenschaft
- Institutionalisierung der neuen Disziplin: -> Anspruch : wissenschaftliche Politikberatung Zunächst zwei Gegenstandsbereiche: · Erforschung der Außenpolitik einzelner Staaten · Erforschung der Ursachen von Kriegen Geschichte: AP-Forschung in D meist nicht direkt an Unis, teilweise privat finanzierte Institute: · 1926:schon 12 Institutionen-> wissenschaftliche Unterstützung AP-> Interessenpolitik nicht primär Friedensbewahrung · NS-Zeit: Institute personell gesäubert + ideologisch ‚gleichgeschaltet’ · Ende der 30er Jahre IB-Forschung in Berlin zentralisiert + gleichzeitig institutionell erweitert · Ziel: Unterstützung der NS- Expansions- und Kriegspolitik
- Geschichte: AP-Forschung in D meist nicht direkt an Unis, teilweise privat finanzierte Institute: · 1926:schon 12 Institutionen-> nicht wissenschaftliche Unterstützung AP- Interessenpolitik/ Friedensbewahrung · NS-Zeit: Institute personell gesäubert + ideologisch ‚gleichgeschaltet’ · Ende der 30er Jahre IB-Forschung in Berlin zentralisiert + gleichzeitig institutionell erweitert · Ziel: Unterstützung der NS- Expansions- und Kriegspolitik
- Themenfelder traditioneller IB/IP-Forschung: o Erforschung der Außenpolitik einzelner Staaten o Auseinandersetzung mit dem Phänomen Rüstungswettlaufs bzw. Entspannungsprozess, etc. (Fortschreibung Friedensforschung): Sicherheitspolitik o Analyse von supranationalen, regionalen Zusammenschlüssen und Integrationsprozessen: Integrationsforschung o Akzentuierung der Fähigkeiten von politischen Systemen zur (Selbst-) Steuerung o Erforschung weiterer Politikfelder: Welthandel (Ressourcenproblematik; Öl- resp. Energie-Verknappung etc.), internationale Umweltpolitik (Rio, Kyoto etc.), Fragen der Menschenrechte/.internationales Recht, usw. o Erforschung von Entwicklungsprozessen und Strategien: Entwicklungstheorie und -politik, lateinamerikanische ‚Dependencia-Schule’; Theorien der internationalen Gerechtigkeit o Erforschung und Auseinandersetzung mit Werthaltungen bzw. normativen Konzepte, die Modernisierungsprozessen/ politischer Entscheidung (von Individuen) verbunden sind: Theorien der internationalen Gerechtigkeit, politischer Dezisionismus, politische Psychologie, politische Mentalitäten etc. o Erforschung der etablierten und ‚neuen’ (kollektiven) Akteure der i.B./i.P.: (National-) Staaten, v. a. aber auch von Internationalen Organisationen, Internationalen Regimen etc.
- Vier Paradigmen als Quellen der Inspiration 4 Paradigmen wirkten bei Begründung IP/IB als eigenständige Disziplin0 ein -> zwei davon später auf die sich im weiteren Verlauf ergebenden ‚Großen Debatten‘. Nach Menzel „bündelten“ sich „alle vier Traditionen“ (Paradigmen) bereits im Vorfeld des Ersten Weltkriegs 1. Realismus ´-> „lieferte in Gestalt der Geopolitik (…) Rechtfertigungen für den Imperialismus der Vorkriegszeit“ 2. Idealismus ->„lieferte die geistigen Wurzeln der pazifistischen Friedensbewegung und Friedenserziehung“ 3. Strukturalismus -> lieferte „die Kritik am Imperialismus in Form der Imperialismustheorie“ 4. Institutionalismus -> lieferte „die Vorlage für die frühen Vertreter des Völkerrechts (…) und zur »Organisation der Welt« durch einen Weltstaatenbund zur Wahrung des Weltfriedens