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Systemtheorie (Fach) / Zentrale Kategorien: Politik und Staat (Lektion)
Ideen in politischen Systemen
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- Was ist Handlungstheorie? - beschreibt Zusammenhänge zwischen dem Menschen und seinen Handlungen -> Handlungen sind keine reinen Reaktion, sondern ein intentionales und interpretatives Handeln -> Gesellschaftliche Phänomene werden also aus Intentionen, Situationsdefinitionen, Handlungen und Interaktionen der Individuen erklärt (Methodologischer Individualismus) - Beispiele: Organisationssoziologie (March und Olsen), Theorie des kommunikativen Handelns (Jürgen Habermas), Typen rationalen Handelns (Max Weber) - Problem: Bieten kein ausreichendes Erklärungsmuster
- Was ist die Evolutionstheorie? - Charles Darwin: Evolution selbst als Idee - Problematik: keine Gesetzmäßigkeit, sondern ein Warten auf nutzbare Zufälle -> Überleben des Stärksten ist durch genetischen Zufall gesichert, es ist keine direkte Anpassung der Arten möglich
- Was ist die Schöpfungstheorie? - weltliche Ordnung als Ausdruck des Plan Gottes, der Ursache und Wirkung umschließt - Problematik: Widerspruch durch "schlechte Wesen" und Selektion -> theoretisch nicht erklärbar -> Ende der Schöpfungstheorie und Ersatz durch Geschichtsphilosophien im 19. Jahrhundert, die Erklärungen bieten (z.B. Evolutionstheorie durch die Typenfestigkeit der Arten)
- Welche Funktion hat der Buchdruck? - Irritation von Kommunikation: - Verbreitung von Ideen durch erhöhte Auflagen -> dadurch Überdenken des Individuums - gesellschaftlicher Hintergrund für politische Irritation in Europa: Beispiel: Martin Luther als Bestsellerautor der frühen Neuzeit
- Welchen Einfluss hat der Buchdruck auf politische Systeme? - Selektions- und Restabilisierungsdruck durch Ideenflut - Schrift verhindert das sonst schnelle Vergehen von Irritation (Luhmann) -> politische Zusammenbrüche -> tiefgreifender Umbau der politischen Systeme
- Wie hat sich der Buchdruck in Europa entwickelt? - bis 1500: 20 Millionen gedruckte Bücher - 1500 - 1600: ca. 200.000 neue Bücher-> durchschnittliche Auflagenhöhe: 1000 Stück - 1600 - 1700: 150 - 200 Mio Bücher in Europa verbreitet - ab 1700: Entwicklungen von Zeitungen - 1700 - 1800: ca. 1,5 Mrd. neue Bücher - Zentren des Buchdrucks in Deutschland: Frankfurt/Main, Leipzig
- Wie hat sich der Buchdruck im osmanischen Reich entwickelt? - 1483: Verbot des Buchdrucks unter Todesstrafe (Sultan Bajesid II.) - 1727: Erlaubnis einer Druckerei mit einer Druckmaschine durch Sultan Ahmed III. - Anfang des 19. Jhd.: Aufschwing des Buchdrucks durch Napoleons Einmarsch in Ägypten
- Welche Selektionsstrukturen entstehen durch den Buchdruck? - auf Irritation wird mit Selektion reagiert, die Filter benötigt -> Parteien-, Fraktions-, Teilöffentlichkeitenbildung - dadurch Reduktiond er Irritation durch grundlegende Beschreibungsformeln -> Rechts (ist nicht gleich) Links
- Welche Restabilisierungsleistungen ergeben sich durch die Irritation? - politische Beteiligung zur Kanalisierung der massenmedial angeboteten Variationen, die Irritation von Kommunikation erzeugt - Diskussionen werden an politisch orientierte Teilgesellschaft gegeben (Beschäftigung mit Links oder Rechts)
- Welche politischen Systeme haben sich daraus entwickelt? - Entwicklung zwei politischer Systeme: a) Liberal repräsentative Demokratie b) System des realen Sozialismus -> Untergang, da keine Einplanung von Irritationen (keine Selektionsstrukturen)
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- Welchen Einfluss hat das Internet auf die Ideenverbreitung? - Verbreitung von Ideen, auch ohne Fundament -> Obskurantismus (irrationals verbreiten, an Übernatürliches glauben lassen, ...)
- Wie entstehen Politik und Staat? - Ausdifferenzierung eines politischen Systems: Ausgangspunkt einer sozialen Organisation ist die Familie (der Mensch als Herdentier) - Organisationsmuster von Inklusion und Exklusion - Ausdifferenzierung von Herrschaftsrollen (Autonomisierung von Macht, Familienoberhaupt): Beginn von Politik
- Was sagt Niklas Luhmann über die Entwicklung eines politischen Systems? - Politik: Jede Kommunikation, die dazu dient, kollektiv bindende Entscheidungen durch Testen und Verdichten ihrer Konsenschancen vorzubereiten - Ausdifferenzierung eines politischen Systems: keine Gliederung der Gesellschaft, sondern likaler Vorgang, der Machtressourcen bündelt und von ihren eigenen Wirkungen abhängig macht (geschlossenes System) - anschließend Experimenieren der Gesellschaft mit zwei Formen der Institutionalisierung der politischen Funktion:a) Inklusionshierarchienb) politische Zentralisation außerhalb der Verwandschaftsverhältnisse -> B) setzt sich druch wegen der Möglichkeit zur höheren Komplexität durch Ausdifferenzierung politischer Herrschaftsrollen
- Was ist die Souveränität der Macht? - Quintessenz der Politik ist Macht -> Macht ist Politik ist Macht Besondere Ausdifferenzierung: Staat als Machtzentrum des politischen Systems -> Souveränität der Macht nur durch Selbstreferentialität möglich (nicht auf andere Dinge zurückführbar, z.B. Religion) -> ausdifferenziertes politisches System im Sinne modernen Staatlichkeit
- Wandel der Staatssemantiken (Staatarten) a) Territorialstaat (Machtstaat): Zentrierung/Monopolisierung von Gewalt -> Machiavelli (Der Fürst) b) Absoluter Staat: Selbstreferenz von Herrschaft (L'etat, c'est moi) -> Hobbes c) Gewaltenteilender Staat: Selbstbindung von Herrschaft - Beschränkung von Willkür -> Locke, Montesquieu d) Verfassungsstaat: Operative Schließung der Politik durch rechtliche Nebencodierung -> Kant e) Demokratischer Staat: Stärkere Orientierung an Fremdreferenz durch Binnendifferenzierung - Machtkreislauf -> Locke, Rousseai f) Wohlfahrtsstaat: Selbsternannter Adressat für alle ges. Probleme - Redefinition von unlösbaren in lösbare Probleme g) Ironischer Staat / Abgeklärter Staat: Selbstbindung, Selbstbeschränkung der Politik -> Luhmann