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Psychologie (Fach) / systematik klinisch-psychologischer Interventionsmethoden (Lektion)
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- Was sind klinisch-psychologische Interventionsverfahren Ø umfassen alle wissenschaftlich begründbaren u. empirisch als wirksam nachgewiesenen psychologischen Interventionen,die bei psychischen Störungen und Problemen (u.a auch im Rahmen körperlicher Erkrankungen und deren Prävention wie auch im pädagogischen Bereich) zum Einsatz kommen können! Ø Psychotherapie ist dabei eine wichtige u. zentrale Komponente – aber nicht deckungsgleich mit Klinischer Psychologie!
- Definition von Psychotherapie „Psychotherapie ist ein bewusster und geplanter interaktionaler Prozess zur Beeinflussung von Verhaltensstörungen und Leidenszuständen, die in einem Konsensus (möglichst zwischen Patient, Therapeut und Bezugsgruppe) für behandlungsbedürftig gehalten werden, mit psychologischen Mitteln (durch Kommunikation, meist verbal, aber auch nonverbal), in Richtung auf ein definiertes, nach Möglichkeit gemeinsam erarbeitetes Ziel (Symptom-Minimalisierung und/ oder Strukturänderung der Persönlichkeit) mittels lehrbarer Techniken auf der Basis einer Theorie des normalen und pathologischen Verhaltens. In der Regel ist dazu eine tragfähige emotionale Beziehung notwendig.
- Klinische Psychologie und Psychotherapie - Ein problematisches Verhältnis Idealerweise: Psychotherapie = Anwendungen der klinisch-psychologischen Wissenschaft ABER: (akad.) Klinische Psychologie u. psychotherapeutische Praxis in d. Realität oft entkoppelt: Ø geringe Rezipierung wiss. klinisch-psychol. Erkenntnisfortschrittes Ø ungenügende Evidenzbasierung (kaum Leitlinien d. Psychotherapie Verbreitung wiss. ungenügend geprüfter Verfahren i.d. Praxis) Ø statt Treatment-Integrität u. differenzieller Indikation „pragmatischer Eklektizismus“ (willkürl. Zus.stellung u. Umsetzung therap. Interventionsverfahren) Ø fehlende Qualitätssicherung u. Evaluation Gründe für mangelnden Forschungs-Praxis-Transfer Ø historisch getrennte Entwicklung: Psychotherapie unabängig und vor klinisch-psychologische Wissenschaft entstanden Ø historisch begründetes Übergewicht tiefenpsychologische Verfahren i.d. Versorgungspraxis, insb. Unter ärztlicher Psychotherapeuten und im stationären Setting (Psychiatrie, Psychisomatik) à Ärztelobby Ø ideologischer „Schulenstreit“ unter Therapierichtungen Zerplitterung therap. Fachgesellschaften keine einheitl. Standards auf wiss. Grundlage (“evidenzbasiert“)
- Intra- und interpersonelle Interventionsebene 1. intrapersonelle Systeme -> Funktionen -> Funktionsmuster 2. interpersonelle Systeme -> Dyade -> Betrieb -> Gemeinde -> Familie -> Schule
- wie lässt sich das klinisch-psychologische Handeln wissenschaftlich begründen? 2 Formen wissenschaftlich begründeter Handlungsregeln 1. Indikationsempfehlungen -> allg. Handlungsregeln (Leitlinien) die angeben, welche Maßnahmen unter welchen Bedingungen optimal sind 2. Heuristiken -> Problemlösestrategien: Technologische Regeln/Regelsysteme für das Suchverhalten nach Lösungen bei komplexen/schlecht definierten Problemen
- 2 Formen wissenschaftlich begründeter Handlungsregeln 1. Indikationsempfehlungen --> Leitlinien/Handlungsregeln die angeben, welche Maßnahmen unter welchen Bedingungen optimal sind 2. Heuristiken --> Problemlösestrategien => Technologische Regeln/Regelsysteme für das Suchverhalten nach Lösungen bei komplexen/schlecht definierten Problemen
- Merkmal Zielorientierung 1. Therapieziele müssen explizit beschreibbar sein 2. Erreichung v. therapeut. Fern- und Nahzielen durch regelgeleiteten Einsatz spezifischer Interventionsmethoden (Heuristiken, Indikationsempfehlungen) 3. Die pscholog. Mittel (Interventionen) müssen in ihrem Bezug zu den Therapiezielen klar umschrieben sein
- Merkmal Theoretische Fundierung Wissenschaftlich begründetete Invertenvion = expliziter Bezug zu rationalem Korpus d. Psychologie u. Nachbarsdisziplinen --> Rationaler Korpus = alle Theorien, Hypothesen, Forschungsmethoden und empirische Ergebnisse die v.d. Scientific Community anerkannt werden => wissenschaftliche Fundierung unterliegt d. Dynamik d. Erkenntnisfortschritts
- Merkmal: Evaluation folgende Kriterien müssen erfüllt sein, um ethisch und wissenschaftlich vertretbar zu sein: 1. begründet auf überprübarer Theorie 2. empirische Überprüfung in Bezug auf ihre Anwendungsfelder 3. Nachweis d. Wirksamkeit (Effizienz + Effektivität) und Unschädlichkeit --> ausgeschlossen sind esotherische Therapieverfahren
- Merkmal: Professionalität klinisch-psychologische Interventionen werden berufsmäßig ausgeübt, also von Personen mit -> spezifischen Kompetenzen (durch Aus-/Fortbildung erlangt) -> definierter Berufsrolle -> Legitimation zur Ausübung d. Tätigkeit => ausgeschlossen sind esoterische Therapeuten d. grauen Therapiemarktes
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- Interventionsrelevante Wissensarten 1. Tatsachenwissen: singuläre Beobachtungen, z.B. Beschreibung von Merkmalsverteilungen in einer Population o. Ist-Zuständen in einem Individuum (ohne Wenn-dann-Verknüpfungen) 2. Nomologisches Wissen (Bedingungswissen): Erkenntnisse über gesetzmäßige (i.d.R. probabilistische) psychologische Zusammenhänge (der Grundlagendisziplinen: Allg.Psychologie, Bio-, Entwicklungs-, Sozial und Persönlichkeits-Psychologie; z.B. Neurotizismus, Behavioral Inhibition) 3. Nomopragmatisches Wissen (technologisches Handlungswissen): Generierung von Handlungswissen (Ausgangsbedingung à Handlung à Folgen) à Ableitung von Handlungsempfehlungen à Indikationsaussagen (nicht Wahrheits-, sondern Effektivitäts-/ Effizienzkriterium!)
- Wissensquellen 1. Alltagserfahrung: unsystematischer subjektiver Erfahrungserwerb ohne strenge empirische Überprüfung àVerzerrungseffekte u. Fehlerquellen nicht kontrollierbar 2. Wissenschaftlicher Erkenntnisprozess: Vermutungen (Hypothesen) werden systematischer empirischer Prüfung unterzogen; Erkenntnisprozess durch wissenschaftliche Regeln (Methodik) geleitet 3. Ideologie: willkürliche Annahmen, die keiner Überprüfung zugänglich u. häufig von sachfremden Interessen geleitet sind Ø viele psychotherapeutische Methoden sind eher auf Alltagstheorien und Ideologien begründet als auf wissenschaftlicher Erfahrungsbildung!
- Wann gelten Interventionsmethoden als "wissenschaftlich fundiert"? wenn sie 1. auf theoretisch begründeten Annahmen d. Grundlagenpsychologie/Klinischen Psychologie basieren 2. Ableitung v. nomopragmatischen Aussagen (Wenn Intervention A dann Effekt B) zulassen 3. wissenschaftlich prüfbar 4. empirisch bestätigt wurden
- 6 Kriterien für "wissenschaftliche Fundierung" klinisch psycholog. Verfahren (Baumann, Perrex) 1. Grundannahmen sind mit mit wissenschaftlichen Erkenntnissen vereinbar 2. Ableitung v. nomopragmatischen Regeln aus bewährten psychologischen Gesetzen 3. ethische Legitimierbarkeit v. Methoden u. Prozesszielen 4. empirischer Wirksamkeitsnachweis 5. positive Effekte und Nebeneffekte 6. angemessenes Verhältnis v. Kosten und Nutzen => wissenschaftliche Fundierung als Grundlage für professionelles und zweckrationales Handeln
- 6 Merkmale v. klinisch-psychologischer Interventionsmethoden 1. Wahl spezifischer Mittel 2. differenzielle Interventionsfunktion 3. Zielorientierung 4. Theoretische Fundierung 5. Evaluation 6. Professionalität
- Merkmal: Wahl der Mittel -> Gespräch -> Übung -> zwischenmenschliche Beziehungen -> spezifische Techniken (zB Bodyfeedback) => Ansatzpunkt d. Intervention = Erleben und Verhalten => Interventionen vollziehen sich immer in sozialer Interaktion zw. Hilfesuchendem und Helfendem
- Merkmal Interventionsfunktionen 1. Gesundheitsförderung (gesundheitl. Entfaltung/Förderung d. körperlichen, psychischen u. sozialen Wohlbefindens) 2. Prävention (Maßnahmen zur Verhinderung v. Störungen; Risikovermeidung) 3. Therapie 4. Rehabilitation (soz. u. berufl. Wiedereingliederung chron. kranker u. behinderter Personen; Bewältigung u. Anpassung an Krankheitserfodernisse) => Psycholog. Interventionen können sich auf Veränderung psychischer o. somatischer Zustände beziehen (s. Funktions-Interventonsmatrix)
- Merkmal: Zielorientierung - Ziele müssen explizit beschreibbar sein - Nah-/Fernzielerreichung durch regelgeleiteten Einsatz spez. Methoden (Heuristiken/Indikationsempfehlungen) - Interventionen müssen in Bezug auf ihre Therapieziele klar umschrieben sein (s. Matrix d. Klassifikation v. Therapiezielen)
- Worin unterscheiden sich psychotherapeutische Ansätze? - Metatheorie, theoretisch-konzeptuelle Grundlagen und Begründung - Störungs-, Krankheitsmodell - Zielsetzung - Strukturmerkmale - diagnostisches Vorgehen + Methoden - therapeutische Vorgehensweisen + Techniken - Beziehungsgestaltung, Gesprächsführung - postulierte Wirkmechanismen (spezifische + unspezifische Wirkfaktoren) - empirische Fundierung
- Psychotherapeutische Ansätze 1. Tiefenpsychologische Ansätze -> klassische Ansätze (zB Psychoanalyse, Analytische Psychologie) -> moderne Abwandlungen (zB Psychoanalytische Kurztherapie) -> spätere Derivate (zB Transaktionsanalyse) 2. Verhaltenstherapie (respondente + operante Verfahren) 3. Kognitive Therapie (zB KVT) 4. Hypnotherapeut. Ansätze 5. Humanistische Ansätze (zB Gestalttherapie) 6. Systemische Ansätze (zB Familientherapie)