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Modul 1 - 03400 Geschichte der Psychologie (Fach) / Kapitel 7 - Einführung in psychologische Anwendungsfächer (Lektion)
7.1 - Arbeit- und Organisationspsychologie
7.2 - Pädagogische Psychologie
7.3 - Gemeindepsychologie (Community Psychology)
7.3 - Klinische Psychologie
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- 7.1. AO-Psychologie Teilgebiet der Angewandten Psychologie Wissenschaft vom Verhalten und Erleben von Menschen in (Arbeits-)Organisationen Vorgänger-Begriffe: William Stern's Psychotechnik (1903), Industrial Psychology (Nordamerika) - Themen: Arbeitsbedingungen (Objektpsychotechnik), Personalauswahl (Subjektpsychotechnik) AO-Psychologie heute in Amerika: Industrial and Organizational (IO) Psychology Dreiteilung der Disziplin: Arbeit, Personal, Organisation Pionier: Kurt Lewin ("Nichts ist praktischer als eine gute Theorie")
- 7.1 Arbeitspsychologie Analyse der Arbeit hinsichtlich der Tätigkeitsmerkmale (Arbeitsanalyse) und ihrer psychologischen Voraussetzungen (Anforderungsanalyse) Bewertung der Arbeit in Hinsicht auf Humanität und Lohngerechtigkeit (Arbeitsbewertung, Arbeitsgestaltung, Ergonomie, Mensch-Maschine-Interaktion, Fehlbeanspruchungen) Basierend auf Allgemeiner Psychologie (z.B. Wahrnehmung, Denken)
- 7.1 Personalpsychologie Im Fokus: Unterschiede zwischen Personen (ähnlich d. Differentiellen Psychologie und der Diagnostik) Berufseignungsdiagnostik: Auswahl und Platzierung von Mitarbeitern Leistungsbeurteilung: Messung und Bewertung individueller Arbeitsleistungen Personalentwicklung: gezielte, lernpsychologisch fundierte Veränderung der Leistungsvoraussetzungen
- 7.1 Organisationspsychologie OP beschäftigt sich mit Individuen, allerdings weniger mit interindividuellen Differenzen (im Vergleich zu Personalpsychologie) Erforschung allgemeiner Gesetzmäßigkeiten der Arbeitsmotivation und der Arbeitseinstellungen In weiten Teilen OP = angewandte Sozialpsychologie, überlappend mit Industriesoziologie oder betriebswirtschaftliche Organisationslehre Themen: Führung, Arbeitsgruppen, Vertrauen, Konflikte, Organisationstheorie & -entwicklung)
- 7.1 Scientist-Practitioner Model Annahme (z.B. Petersen 2007), das professionelle psychologische Praxis wissenschaftliches Arbeiten erfordert, d.h. die Anwendung wissenschaftlicher Theorien, Methoden, und Forschungsergebnisse Symbiotische Beziehung zwischen Praxis und Forschung Phasen wissenschaftlich fundierter Maßnahmen: Diagnose (Analyse), Intervention, empirische Evaluation
- 7.2 Pädagogische Psychologie Enge Beziehung zu Prozessen der Erziehung, d. schulischen Entwicklungsförderung, Gestaltung von Lehr- und Unterrichtsmaterial, Didaktik, Unterrichtens, Lehr- und Lernmethoden Kaum zu unterscheiden von der Empirischen Pädagogik und Bildungspsychologie Englisch: Educational Psychology Zwei große Bereiche: Fragen des Lehrens / Lernens, und der Erziehung / Sozialisation
- 7.2 Lehren und Lernen Bedingungen, Prozesse und Effekte des Lehren und Lernens Anwendung der Erkenntnisse d. Allgemeinen Psychologie, insbesondere: Lern-, Denk-, Gedächtnis- und Wissenspsychologie, Fertigkeitserwerb, Handlungspychologie Erforschung der Determinanten von Lernprozessen Lerntransfer von besonderer Bedeutung
- 7.2 Lerntransfer Erkenntnis, dass jedes Lernen von dem abhängig ist, was man bereits weiß oder kann Negative oder positive Auswirkungen dieses Vorwissens/Vorkönnens möglich (= negativer vs. positiver Transfer) Transfer zudem individuell unterschiedlich, abhängig von Intelligenz, Motivation, Vorwissen, Lernstrategien Transfer zudem unterschiedlich in Abhängigkeit der Lehrdomäne (welche Art des Wissens soll gelernt werden?) und der Strukturierung der Lernumgebung Ziel der Unterrichtsgestaltung: Maximierung des positiven Transfers
- 7.2 Relevante Erkenntnisse aus anderen psychologischen Grundlagendisziplinen Differentielle & Persönlichkeitspsychologie, insbesondere der psychologischen Diagnostik - z.B. Messung von Hochbegabung, Intelligenz, Lernmotivation Anwendung von Erkenntnissen aus der Entwicklungspsychologie, z.B. im Hinblick auf Frühförderung, Schullaufbahnberatung, lebenslanges Lernen Aus der Sozialpsychologie: z.B. Erkenntnisse aus Gruppendynamik, Einflusses der Gruppe auf indiv. Leistung, Rolle von Einstellungen, soziokulturelle Stereotypen von Lehrenden (Pygmalioneffekt)
- 7.2 Erziehung und Sozialisation - Ebenenmodell Mikroebene: z.B. Familienprozesse, Erziehungshandeln, Interessen und Bildungsorientierung der Eltern + Auswirkung all dieser Gegebenheiten auf Persönlichkeitsentwicklung, Interessen und Leistungsmotivation des Kindes Mesoebene: z.B.Beziehung zw. Elternhaus und Schule Makroebene: Einwirkung indirekter Einflüsse auf Erziehung und Sozialisation - z.B. Bildungskanon, Arbeitsplatz der Eltern, Medien, Schul- und Kulturpolitik, Einfluss von Kulturgegebenheiten Interventationsmöglichkeiten v.A. auf der Ebene d. Erziehungsberatung und des Austausches zwischen Schule und Eltern
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- 7.2 Relevante Erkenntnisse aus anderen psychologischen Anwendungsfächern Psychologische Diagnostik: Individuelle Leistungs- und Lernproblemdiagnostik, z.B. Lese-Rechtschreib-Schwäche Klinische Psychologie: Pädagogischer Umgang mit Lernbehinderungen, Aufmerksamkeitsstörungen, oder problematischem Verhalten wie Aggression und Gewalt AO-Psychologie: Lernen und Lehren in Organisationen, Lehren als Arbeitshandlung Freizeit- und Gesundheitspädagogik Medienpädagogik, z.B. Lernen und Lehren mit Internet - distance education
- 7.2 Forschungsmethoden der Pädagogischen Psychologie Große methodische Vielfalt: Anwendung aller empirischen Forschungsmethoden der Psychologie und emp. Sozialwissenschaften Beispiele: Formen der Beobachtung, experimentelle Methoden, Leistungsmessungen, Einstellungs- und Persönlichkeitstests, Befragungen, Interviews Querschnitt- sowie Längsschnitt-Untersuchungen Kombination unterschiedlicher methodischer Verfahren, resultierend in komplexen Untersuchungsplänen mit entsprechenden statistischen Verfahren (Mehrebenenanalyse, multivariate Verfahren wie konfirmatorische Faktorenanalyse oder kanonische Korrelation) Notwendige Evaluation aller pädagogischen Interventionen
- 7.2 Gold&Borsch: Probleme der Pädagogische Praxis - Fragestellungen für die Pädagogische Psychologie Kann man Lernen lernen? Wie wirksam ist Schule? Wie gut können Kinder voneinander lernen? Kann man im schulischen Unterricht Leistungsunterschiede zwischen den Lernenden verringern und dennoch alle an ihr Leistungsoptimum heranführen? Was spricht dafür, Mädchen und Jungen gemeinsam zu unterrichten? Ist es sinnvoll, Unterricht nach Schulfächern und -stunden und die Schülerschaft nach Jahrgangsklassen einzuteilen? Was können Noten als Leistungsrückmeldungen im Hinblick auf das Selbstkonzept eigener Fähigkeiten bewirken? Wie unterrichtet man hochbegabte Kinder, wie Kinder mit Lern- oder Verhaltensstörungen? Was sind die Ursachen von Lese-/Rechtschreibschwäche und Rechenstörungen? Wie lässt sich die Lernmotivation steigern? Wie können Erwachsene am besten lernen?
- 7.2 Gold&Borsch - Kernfrage der PädPsy Welches sind die Bedingungen erfolgreichen Lernens und Lehrens und wie kann man sie gezielt herbeiführen?
- 7.2 Gold&Borsch - Eigenes Methodeninventar der Pädagogischen Psychologie Neben laborexperimentellen Studien auf Feldstudien, Feldexperimente, kontrollierte Interventions- und Trainingsstudien Überprüfung neuer Lehrmethoden durch Vergleichsgruppendesigns in replizierbaren Studien mit Ausschluss konkurrierender Alternativerklärungen (z.B. durch Randomisierung)
- 7.2 Gold&Borsch - Geschichtlicher Abriss der Pädagogischen Psychologie: Bedeutende Begründer Pädagogisch-psychologische Fragestellungen im Blick von Locke, Rousseau, und Herbart Pädagogische Psychologie als wissenschaftliche Disziplin erst mit Beginn des 20. Jahrhunderts Amerika - "Großväter": William James (1842-1910), Stanley Hall (1844-1924), John Dewey (1859-1952) "Vater" in Amerika: Edward Thorndike (1874-1949) Frankreich - Alfred Binet (1857-1911), Edouard Claparede (1873-1940) Russland - Lew Vygotskij (1896-1934)
- 7.2 Gold&Borsch - Geschichtlicher Abriss der Pädagogischen Psychologie: Allgemeine Richtung bis in die 40er Jahre des 20. Jhds. Vorgegeben von Edward Thorndike Pragmatisch-induktive, laborexperimentelle (oft auch tierexperimentelle), lernpsychologische Grundlagenforschung behavioristischer Prägung Theorie des assoziativen, verknüpfenden Lernens (Thorndike) Mit Thorndike Abwendung von Deweys reformpädgagischer Tradition, die Gesetzmäßigkeiten des Lernens in möglichst lebensechten Kontexten zu untersuchen (neue Aktualität erst Ende 20. Jhds. nach der konstruktivistischen Wende)
- 7.2 Gold&Borsch - Geschichtlicher Abriss der Pädagogischen Psychologie: Pädagogische Psychologie zwischen 1950 und 1980 Phase der Konsolidierung und Ausdifferenzierung des Faches Beständiger Export von Konzepten und Personen in andere Teilbereiche der Psychologie (z.B. Entwicklungspsychologie, Differentielle und Diagnostische Psychologie) Aufstieg, Blütezeit und Niedergang der behavioristisch ausgerichteten Lernforschung Thorndikes Zunehmend korrelative Studien zum Zusammenhand zwischen Lehrmethoden bzw. Unterrichtsprozessen oder Lehrermerkmalen und der Lernleistung von Schülern und Schulklassen
- 7.2 Gold&Borsch - Geschichtlicher Abriss der Pädagogischen Psychologie: Entwicklungen seit 1980 USA: kognitionspsychologische Ansätze zum Wissenserwerb und zur Selbstregulation von Lernen, zu neueren Unterrichtstechnologien, Problematik der Lernschwierigkeiten und der Hochbegabten Deutschland: Zunächst kognitive, dann konstruktivistische Wende Etablierung der Pädagogischen Psychologie als Anwendungsfach im Rahmen des Diplomstudienganges Psychologie Gründung der European Association for Research in Learning and Instruction (EARLI) In jüngerer Zeit vermehrte fachübergreifende Zusammenarbeit mit der empirisch arbeitenden Erziehungswissenschaft und mit den Fachdidaktiken der Unterrichtsfächer
- 7.2 Gold&Borsch - Pädagogische Psychologie als Lehr-Lernforschung Ankerpunkte: Individuelle Lernvoraussetzungen, Lehrmethoden, Umgang mit Differenz (= adaptives unterrichtliches Handeln als Reaktion auf die unterschiedlichen Lernvoraussetzungen in Schule und Unterricht)
- 7.2 Gold&Borsch - Individuelle Voraussetzungen erfolgreichen Lernens Größter Teil der Schulleistungsvarianz erklärbar durch individuell unterschiedliche Lernvoraussetzungen (geringere Rolle spielen Merkmale des Unterrichts, noch geringere Schulart) Bedeutung verschiedener Lernvoraussetzungen - LV - (von besonders bedeutend absteigend): Vorwissen, Arbeitsgedächtnis, Aufmerksamkeitssteuerung, strategische und meta-strategische Selbstregulation von Lernen, moviational-volitionale und emotionale Regulation Ind. LV ermöglichen und restringieren das Lernen - Funktionsdefizite von LV als mögliche Ursache von Lernstörungen Jene LV für PädPsy von besonderem Interesse, die für Interventionen leicht zugänglich sind, z.B. strategische Regulationsprozesse des Lernens
- 7.2 Gold&Borsch - Lehrmethoden und unterrichtliches Handeln Helmke, Lipowsky 2009: Angebot-Nutzungsmodell des Lernens - Quantität und Qualität der Lernangebote nicht allein ausreichend für gute Lernergebnisse, auch kognitive, motivationale und emotionale Lernvoraussetzungen der Schüler ausschlaggebend - guter Unterricht hat nicht automatisch gute Lernergebnisse zur Folge Bedingungsfaktoren für unterrichtliches Handeln: Leistungniveau der Lerngruppe, Klassenzusammensetzung, schulische Rahmenbedingungen, (Effizienz der) Klassenführung, konstruktive Unterstützung von Lernprozessen, Kognitiv aktivierender Unterricht Guter Unterricht = verschiedene, aber nicht beliebige Methoden: Lehrmethoden der direkten und adaptiven Instruktion, des entdeckenlassenden und problemorientierten Unterrichtens und die unterschiedlichen Formen des kooperativen Lernen und Lehrens
- 7.2 Gold&Borsch - Der Umgang mit Differenz Bedarf einer individuellen Förderorientierung des Unterrichts, sowie einer lernprozessbegleitenden formativen Diagnostik Erfolgversprechend: Verbindung einer curriculumbasierten Lernfortschrittsmessung mit individualisierten Lernangeboten Schulorganisatorische Antwort auf Differenz: Aufteilung der Schüler auf unterschiedliche Schularten nach der Grundschulzeit
- 7.2 Gold&Borsch - Auffassungen über Lehren Lerntheorien enthalten: Aussagen über Lernziele, anfängliche Lernstands- und abschließende Lernerfolgsdiagnostik, Angaben über die Natur von Lernprozessen und instruktionalen Maßnahmen zum Aufbau von Wissen und Können Lernzeitmodell von Carroll 1963 Modell des zielerreichenden Lernens von Bloom 1976 Ausubels Darstellendes Unterrichten 1974: Assimilation neuen Wissens in bestehende Denkstrukturen durch rezeptives Lernen Konstruktivistische Position: Betonung der Selbststeuerung, Individualität und Situativität von Lernprozessen - meist in Verbindung gebracht zu den problemorientierten und entdeckenlassenden Verfahren. Beziehen sich auf Piaget (individuelle kognitive Konflikte) und Vygotskij (Problemlösungsprozesse im sozialen Austausch)
- 7.2 Gold&Borsch - Methoden erfolgreichen Lehrens Direkte Instruktion - Sammelbegriff für effektive Vorgehensweisen beim Unterrichten: Eingangsprüfungen, explizit-darstellende Stoffvermittlung, regelmäßige Überprüfung des Lernerfolgs, Rückmeldung & Korrektur, angeleitetes & selbstständiges Üben (besser für Schüler mit schlechteres Lernvoraussetzungen) Kritik an direkter Instruktion: wenig Raum für Selbststeuerung und Selbstverantwortung des Lernenden, daher Förderung passiv-rezeptiver Lernhaltung Adaptive Instruktion - hohes Maß an Individualisierung: Bereitstellen von Aufgaben in unterschiedlicher Anzahl und Schwierigkeit, Gewährung unterschiedlich langer Lernzeiten Kooperative Lernmethoden - positive Interdependenz durch Gewährleistung individueller Verantwortlichkeit und gegenseitige Unterstützung - Beispiele: peer-assisted learning, Gruppenpuzlle, Gruppenrecherche, Gruppenrallye
- 7.2 Gold&Borsch - Besonderheiten des Lehrens