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3400 K1/ Psychologie M1 (Fach) / 4 Paradigmen der Psychologie (Lektion)

Paradigmen

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  • 4.5. Das konstruktivistische Paradigma   historische Vorläufer = Immanuel Kant Wahrnehmung aber auch Denken, Lernen, Wissenserwerb schon immer als objektive Konstruktionsprozesse aufgefasst und nicht als passive Abbildung der Welt. Drei Varianten: presonaler K., radikaler K., sozialer K.  
  • 4.5.1. Personaler Konstruktivismus   Kellys konstruktivistisches Menschenbild und seine wissenschaftstheoretische Position: Der Mensch als Wissenschaftler  stellt Hypothesen auf und überprüft sie Unterschiedlische Aussagen entsprechen unterschiedlichen Auffassungen verschiedener Wissenschaftler. → Mensch mit psy. Problemen = schlechte Wissenschaftler. Beim Beschreiben, Erklären, Vorhersagen und Verändern setzt Wissenschaftler hypothetische Konstrukte ein, also theoretische Begriffe. diese lassen sich nicht vollständig auf Beobachtungen zurückführen bspw. Angst, Aggression. Für Kelly ist ein Konstukt eine Unterscheidung die man machen kann, um sich selbst und die Welt zu interpretieren- metaphorisch: "Brille", durch die man die eigene Person und die Welt betrachtet. Personale Konstrukte sind nicht unbedingt explizit, müssen nicht sprachlich symbolisiert sein. Konstrukttheorie ist reflexiv auf sich selbst anwendbar → Psychologie der persönlichen Konstrukte ist eine Konstruktion, die durch die Theorie der persönlichen Konstrukte erklärt werden kann.  Kellys Konstrukttheorie lässt sich auf andere psy. Theorien anwenden: Kelly nimmt u.a. an, dass personale Konstrukte dichotom sind, z.B. gut vs. schlecht.  Dichotomisierung trifft auch auf viele persönlichkeitspsychologische Konzepte zu, z.B.: internale vs.externale Kontrollüberzeugung, extravertiers vs. introvertiert, emotional labil vs. emotional stabil.  kein rationalistisches Menschenbild mit der Wissenschaftler-Metapher impliziert, da:                                                                                   (1) Reflexionsprozess nicht immer verbal repräsentiert und logisch.                                                                                                               (2) immer von Emotionen begleitet. Emotionen reflektieren nach Kelly Konstruktionserfahrungen und -prozesse → eine Person erlebt Angst, wenn sie erkennt, dass Ereignisse, mit denen sie konfrontiert ist, außerhalb des Angemessenheitsbereichs ihres Konstruktsystems liegen. Das bestehende Konstruktsystem reicht also nicht aus, um gegebene Ereignisse angemessen zu interpretieren.  Kelly bezeichnet seine erkenntnis- bzw. wissenschaftstheoretische Position als konstruktiven Alternativismus, damit zwei Grundannahmen verbunden (1) Reälität existiert, kann aber nur insofern erkannt werden, als sie von Menschen bewertet und interpretiert wird; (2) es gibt keine absolute Wahrheit, sondern nur mehrere alternative Interpretationen, die man konstruieren und auswählen kann. positive und optimistische Sichtweise zur Entwicklung und veränderung: Mensch kann immer wieder neue, alternative Sichtweisen oder Konstruktionen entwickeln und ist damit nicht Gefangener seiner Erfahrung.  Gegenpositon zum konstruktiven Alternativismus = akkumulative Fragmentalismus (akkumulativ = angehäuft, Fragment = Bruchstück) → Annährung an die Wahrheit durch beständiges Sammeln von Informationen.    
  • 4.5.2 Radikaler Konstruktivismus   Zentrale Grundkonzepte: erkenntnistheoretische Position:   Gegenpostion zum ({insbesondere naiven} Realismus = Welt existiert unabhängig von einem Beobachter "da draußen") → naive Spiegelungsthese (Nervensystem spiegelt Welt wider) Anstelle der "Spiegelungsthese" tritt die Auffassung, die Welt wird nicht ge- sondern erfunden.  Menschliche Wahrnehmung und Erkenntnisse sind subjektive Konstruktionen. Belege für diese These sind Merkmale und Funktionsprinzipien des Nervensystems → Radikale Konstruktivismus gilt als neurobiologisch fundierte Erkenntnistheorie.  Das Gehirn als selbstreferenzielles System konstruiert aus neuronalen Impulsen eine subjektive Welt- und Selbstsicht. Selbstreferenz (sich-zu-sich-verhalten) bedeutet: ... dass die Systeme in der Konstitution ihrer Elemente und ihrer elementaren Operationen auf sich selbst (sei es auf Elemente desselben Systems, sei es auf Operationen desselben Systems, sei es auf dei Einheit desselben Systems) Bezug nehmen. (Luhmann)   Selbstorganisation und Autonomie gegenüber der Umwelt:   Selbstreferentielle Systeme sind durch das Netzwerk der Interaktionen ihrer Komponenten und nicht von außen, durch ihre Umwelt determiniert.  Selbstorganisation= eigenständige Ordnungsbildung innerhalb eines Systems "aus sich selbst heraus", infolge von Interaktionen der Systemkomponenten. Begriff Autopoiese (von Maturana) bezeichnet Selbstreferenz im Hinblick auf die Produktion und Reproduktion der Systemelemente.  Autopoiesische bzw. selbstreferenzielle Systeme sind operational geschlossen  Umweltkontakte benötigen ein selbstreferentielles System zur Aufrechterhaltung ihrer Existenz, wobei das System selegiert, was ob und wann ein Umweltereignis überhaupt ein relevanter Reiz ist: um weitgehende Autonomie des Nervensystems gegenüber der Umwelt zu belegen, wird auf der Verhältnis der seonsorischen Neuronen zu den Verarbeitungsneuronen im Gehirn und zu den Motoneuronen hingewiesen: 1:100 000:1 bis 1: 1 000 000: 1 → Dasjenioge was über die Sinnesorgane an Erregungen ins Gehirn gelangt = verschwindent gering gegenüber dem was insgesamt an Verarbeitungsprozessen im Gehirn stattfindet. →aus der Autonomie gegenüber der Umwelt wird gefolgert, dass das was das menschliche Gehirn produziert nur begrenzt oder gar nicht von außen steuer- bzw. vorhersagbar sind. trotzdem sind selbstreferentielle Systeme deterministisch (aufgrund der Interaktionen ihrer Komponenten determiniert) und nicht von ihrer Umwelt isoliert.  Passen statt stimmen: Ktiterium der Passung oder Viabilität als radikal-konstruktivistische Alternative. Viabilität ist ein Konzept des radikalen Konstruktivismus und lässt sich auf Ernst von Glasersfeld zurückführen. Der Begriff viabel bedeutet zunächst gangbar, passend, brauchbar, funktional.   Ein System muss ein Modell der Welt konstruieren, das sinnvolle Handlungsmöglichkeiten ermöglicht. Analogie ..."Vom gesichtspunkt des radikalen Konstruktivismus stehen wir alle unserer Umwelt gegenüber wie ein Einbrecher dem Schloss, das er aufsperren muss, um Beute zu machen. Kritik am radikalen Konstruktivismus Selbstwiderspruch: einerseits werden neurobiologische Befunde zur Begründung der erkenntnistheoretischen Position angenommen, andererseits wird behauptet, dass man über die Welt da draußen eigentlich nichts wissen könne, weil man die Realität nur erfinden kann. → da das menschl. gehirn und ihre Funktionsweise auch zur Welt gehören, kann man darüber nichts wissen. Tendenz die Unterschiede zw. eigenen und anderen Positionen zu betonen und Gemeinsamkeiten in den Hintergrund treten zu lassen. → Konstrukte des Mainstreams würden mitunter garnicht ernst genommen stattdessen falsch dargestellt.  Als Beispiel dafür ist das Ziel der Psychologie  der Vorhersage des menschl. Erlebens und Verhaltens. radikal konstruktivistische Vertreter betonen, dass Vorhersagen unmöglich seien.   
  • 4.5.3. Sozialer Konstruktivismus   paradigmen variieren enorm → explikation = schwierig bis unmöglich. Einige Autoren haben sich bemüht einige grundlegende Annahmen zusammenzustellen.  
  • 4.5.3.1. Grundlegende Positionen des sozialen Konstruktivismus 1. Anti-Realismus soziale Konstruktivismus wird als anti-realistisch bezeichnet. → Wissen wird nicht durch irgendeine objektiv gegebene Welt determiniert, sondern lediglich innerhalb sozialer Interaktionen erzeugt. Soziale Konstruktivisten untersuchen, wie Fakten entstehen bzw. sich erhärten, also die Transformation von Annahmen in etabliertes Hintergrundwissen innerhalb eines Felds.  zudem interessiert auch wie das sozial konstruierte Wissen soziale Wirklichkeit erzeugt. "Descriptions of things and people are constructed and constrictive. 2. Relativismus relativistisch, weil jegliches Wissen , also auch wissenschaftliches Wissen, als von historischen, kulturellen, ideologischen Kontexten abhängig betrachtet wird. Demnach gibt es kein objektives, "absolutes" Wissen, das unabhängig von historischen, kulturellen und ideologischen Kontexten Gültigkeit beanspruchen könnte.  3. Wissen und Macht mit der antirealistische und relativistischen Position verbunden ist die Auffassung, nach der auch Wissen von sozialen Konventionen, moralischen Wetvorstellungen und Machtverhältnissen abhängig ist, unter dieser Perspektive untersucht werden muss. Westmeyer weist auf soziale Konventionen innerhalb psychologischer Methoden hin: z.B. übliche Festlegung des Signifikanzniveaus auf 5% oder 1%., dies lässt sich vor allem historisch begründen.→ soziale Konvention nimmt in diesem Fall Einfluss auf die empirische Bewährung einer zu prüfenden Hypothese. 4. Sprache als Form sozialen Handelns: Sprache gewinnt erst innerhalb sozialer Interaktionen an Bedeutung → Sprache als Form sozialen handelns nicht nur Instrument zur Beschreibung der Welt. (Ludwig Wittgenstein, John Austin "How to do things with words") permformative Srechakte, z.B. "Sie dürfen hier nicht rauchen" →Implikation = Tatsachen werden in die Welt geschaffen. Art und Weise, wie Personen über sich selbst und die Welt sprechen, konstitutiv für ihre Sicht von sich selbst und der Welt. Beispiel Amerika: betont in der Sprache Tatkraft, Individualität, Freiheit und Unabhängigkeit. → diese Werte werden real. diskursive Psychologie untersucht Sprechakte, Diskursanalyse Zentrale Rolle der Sprache im sozialen Konstruktivismus (Gergen): Begriffe, die wir verwenden um uns und die Welt zu beschreiben, werden nicht von den Objekten der Beschreibungen diktiert. Diese Sichtweise hat auch Kelly vertreten. Die Begriffe durch die wir uns selbst und die Welt verstehen, sind soziale Artefakte, die Menschen vor ihrem historischen und kulturellen Hintergrund über die Zeit ausgehandelt haben. Jede Beschreibung der Welt und des Selbst wird nicht durch ihre objektive Validität (=Zuverlässigkeit), sondern durch die Unwägbarkeit (=Unvorhersehbarkeit) sozialer Prozesse aufrechterhalten.  Die Bedeutung und die Funktion von Sprache werden in den "Sprachspielen " sozialer Gemeinschaften festgelegt.  Post-Empirismus: Ausmaß, in dem sich bestimmte Theorien und Auffassungen durchsetzen, hängt nicht wesentlich von der emp. Bewährung dieser Auffassungen ab. sondern von den Eventualitäten sozialer Prozesse (Kommunikation, Verhandlung, Konflikt, Rhetorik)                 Eine extreme Variante dieser Position von Gergen vorgelegt:             → anti-empirisch                                                                                           → Bedeutung und Motivation von Verhalten ist eine Frage der                Interpretation                                                                                           → Interpretationen sind unbestimmt, es gibt immer                                    alternative Interpretationen                                                                   → eine eigene empirische (!)  Studie als Beispiel. Studie: Welches         Persönlichkeitsmerkmal indiziert das beobachtbare Verhalten          "eifriges, fleißiges Studieren".                                                                → Interpretationen geraten in einen infiniten Regress.                          → psychische Zustände und Dispositionen sind nicht empirisch             begründbar, hängen von linguistischen Konventionen ab.              →"Whether or not one uses the term "jealousy" does not depend           on what is "actually the case", but on local conventions of                   namin or indexing pattern of events." Mit dem soz. Konstruktivismus verbundene Post-Empirismus bedeutet nicht, dass auf ein empirisches Vorgehen vollkommen verzichtet wird.  Widerprüchlickeit Gergens, da empirische Studie herangezogen wurde um anti-empirische These zu stützen.  mit der post-empirischen Position verbundene Sichtweise von Forschungsmethoden → Konstruktivismus ist methodenkritisch und durch relativistische Haltung gegenüber Methoden gekennzeichnet. Jede Methode kann verwendet werden, solange damit nicht die Wirklichkeit reifiziert (=näher bestimmt, konkretisiert) und im Sinne universalistischer Prinzipien (Prinzipien die den Vorrang des Allgemeinen, des Ganzen gegenüber dem Besonderen und Einzelnen betonen)  beschrieben wird.  Empirische Forschung aus sozial konstruktionistischer Perspektive bevorzugt dialogische, narrative und diskursanalytische Methoden, die dem qualitativen Paradigma zugeordnet werden können. Anti-Individualismus: soziale Konstuktionisten betonen, dass der Mainstream der Psychologie auf einer Grundüberzeugung basiert, die in der wesentlichen Kultur tief verankert ist: Die grundlegende Ananlyse-Einheit der Psy. ist das menschliche Individuum.  Denken, Erinnern oder Emotionen = Merkmale des Individuums. →diese individualistischen Überzeugungen werden im sozialen Konstruktivismus fallen gelassen, das Primat (=Vorrang) des Sozialen wird betont. Denken,Erinnern, Emotionen werden als Phänomene verstanden, im im Zuge soz. Abstimmungsprozesse, durch sprachlichen Austausch konstituiert werden. Gergen: es geht um die soziale wiederherstellung des Individuums in nicht individualistischen  Begriffen: " from the constructionist standpoint, relationship takes priority over the individual self: selves are only realized as a byproduct of relatedness" der Vorstellung eines monolithischen,(=nicht zerlegbaren), einheitlichen Selbst wird die Idee eines multiplen, vielstimmigen und kontextabhängigen Selbst gegenübergestellt.
  • 4.5.3.2 Paradoxien und Schwächen des sozialen Konstruktivismus Positionen des soz. Konstruktivismus sind widersprüchlich: Relativismus als selbstdestruktive Waffe:   Auffassung alles Wissen sei lokal, kulturell und historisch relativ verunmöglicht eine Entscheidung für oder gegen eine bestimmte Position . es ist nicht wirklich klar, warum der soz. Konstruktivismus dem Empirismus vorzuziehen sei.  Kann die Kritik am Mainstream der Psy. ernst genommen werden, wenn betont wird, dass Kriterien für die Wahrheit und Richtigkeit von Aussagen nicht angegeben werden können? dies gilt natürlich auch für Aussagen gegenüber diesem Mainstream. Probleme durch das Verschwinden des Subjekts: Das Verschwinden des Subjekts und dessen Reduktion auf eine " Position innerhalb der Sprache" macht die sozialkonstruktionistische Kritik an Machtverhältnissen fragwürdig: im Namen welches Subjekts wird Kritik ausgeübt?  Wer oder Was kommuniziert eigentlich? Ausblendung des präkognitiven bzw. leiblichen Zugangs zur Welt (wird unter dem Stichwort Embodiment) diskutiert. Eine parasitäre Beziehung zum Mainstream: soz. Konstruktivismus ist auf die Position des Mainstreams angewiesen, um sich als Gegenposition zum Mainstream definieren zu können. wäre Entscheidend die Rolle des Kritikers abzulegen und echt Alternativen zum Mainstream zu entwickeln ohne dabei alten Wein in nein Schläuchen zu produzieren. Gergen: der effektivste Weg bestehe darum, inspirierende oder involvierende Vorschläge zu unterbreiten.  
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