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Modul 1 - 03400 Geschichte der Psychologie (Fach) / Kapitel 6.5 - Psychologische Diagnostik (Lektion)

1. Definition 2. Arten, Zielsetzung, Dimensionen 3. Psychologische Tests 4. Grundlagen des diagnostischen Prozesses und der diagnostischen Urteilsbildung 5. Ausblick

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  • Definition psychologische Diagnostik Methodenlehre im Dienste der Angewandten Psychologie Gegenstand: gezielte und regelgeleitete Sammlung und Verarbeitung von Daten, die für die Bearbeitung von Fragestellungen relevant sind, mit Hilfe spezieller diagnostischer Verfahren (z.B. Tests, Fragebögen, Interview, Verhaltensbeobachtung) Fragestellungen: Beschreibung, Klassifikation, Vorhersage und Evaluation von Unterschieden zwischen und innerhalb von Personen im Hinblick auf psychische Zustände (z.B. Angst), Eigenschaften und deren Veränderungen Vorbereitung von Entscheidungen (z.B. Berufseignung) nach wissenschaftlichen Kriterien und Standards Phasen: (1) Klärung d. Fragestellung, (2) Auswahl von psychologisch-diagnostischen Verfahren, (3) Anwendung, (4) Auswertung, (5) Interpretation & Gutachtenerstellung, (6) Interventions- bzw. Maßnahmenvorschlag
  • Erweiterter Interventionsbegriff Enger Interventionsbegriff: systematische, auf Veränderung abzielende therapeutische oder pädagogische Maßnahme Jäger 2003: Erweiterung - jede Maßnahme, die für die Probanden eine Wirkung nach sich zieht, ist Intervention Beispiel: Entscheidung für oder gegen einen Beruf nach Eignungstest Fließende Übergänge zwischen Diagnostik und Intervention (z.B. Auslösen von Reflexionsprozessen bei Bearbeitung eines Fragebogens)
  • Diagnostisches Dreieck (DD) Hossiep und Wottawa 1993 Grundlagen-, Anwendungsfächer und Methoden konstituieren diagnostisches Dreieck, in dem die psychologische Diagnostik entsteht und fruchtbar wird Von "außen" auf das DD einwirkend: kulturelle, technische, soziale und wirtschaftliche Rahmenbedingungen
  • Diagnostische Aufgabenfelder und Fragestellungen in einigen wichtigen Anwendungsfächern •  ABO-Psychologie, z.B. Personalselektion und -entwicklung •  Pädagogische Psychologie, z.B. Eignung für weiterführende Schulen und Studiengänge•  Klinische Psychologie, z.B. Diagnose psychischer Störungen•  Forensische Psychologie, z.B. Bewährungsprognose •  Markt- und Werbepsychologie, z.B. Diagnose der „Anmutungsqualität“ eines neuen Artikels •  Ökologische Psychologie, z.B. subjektive Wahrnehmung von Wohnumwelten•  Verkehrspsychologie, z.B. Erfassung der Fähigkeit zum Führen von Fahrzeugen
  • Selektionsdiagnostik (Amelang & Schmitz-Atzert 2006) zielt im Rahmen personal-, organisations- oder pädagogisch-psychologischer Aufgaben darauf ab, geeignete Personen oder Bedingungen auszuwählen (zu selegieren) Personenselektion = Anforderungen fixiert, Personen variabel (z.B. Einstellung einer Lehrkraft) Bedingungsselektion = Für eine Person mit ihren stabilen Eigenschaften werden passende Anforderungen gesucht (z.B. Empfehlen für bestimmte Berufe)
  • Modifikationsdiagnostik Modifikationsdiagnostik im Mittelpunkt klinisch-psychologischer Fragestellungen Für Verhaltensmodifikation: Ermitteln, welche Erlebens- und Verhaltensweisen einer Person verändert werden sollen Für Bedingungsmodifikation: Ermitteln, welche externen Bedingungen verändert werden müssen, damit ein Problemverhalten reduziert werden kann basiert auf verhaltensdiagnostischen Prinzipien
  • Eigenschaftsmodell Personen können auf bestimmten (eignungsrelevanten) Dimensionen - z.B. Intelligenz, soziale Kompetenz, Gewissenhaftigkeit) miteinander verglichen werden  Individuelle Eigenschaften werden zu den Ausprägungen einer Normstichprobe in Beziehung gesetzt - dadurch kann abgeschätzt werden, ob d. Person unter-, über-, oder durchschnittliche Werte auf der interessierenden Dimension aufweist Prognosen möglich auf Grund der relativen zeitlichen Stabilität und transsituativen Konsistenz von Eigenschaften
  • Verhaltensdiagnostisches Modell Verhalten ist erlernt, variiert von Situation zu Situation und lässt sich prinzipiell verändern Zentrale diagnostische Frage: Welche situativen Bedingungen lösen ein Verhalten aus und erhalten es aufrecht? Nicht, was eine Person (an Eigenschaften) "hat", sondern was sie tut, ist von Interesse
  • Unterscheidung der Eigenschafts- und Verhaltensdiagnostik (ED vs. VD) Status- vs. Prozessdiagnostik - Ziel d. Statusdiagnostik: Erfassung des Ist-Zustands, die eine probalisierte Vorhersage ermöglicht. Ziel der Prozessdiagnostik: Veränderungen interessierender Verhaltensweisen im Zeitverlauf zu erheben Norm- vs. Kriteriumsorientierung - Ziel ED - Vergleich individuelles Untersuchungsergebnis mit dem Durchschnitt einer Normstichprobe. Ziel VD - Untersuchung einer Person im Hinblick auf ein vorgegebenes Erlebens- oder Verhaltensziel Testen vs. Inventarisieren - ED: Eigenschaftsausprägungen werden ermittelt, indem aus der Grundgesamtheit des Erlebens- und Verhaltensrepertoires eine Stichprobe gezogen wird. VD: Inventarisierung des gesamten, für eine Fragestellung relevanten Verhaltensrepertoires und der damit verbundenen auslösenden und aufrechterhaltenden Bedingungen Diagnostik als Messung vs. Diagnostik als Information für und über Behandlung      
  • Übergänge zwischen Selektions- und Modifikationsdiagnostik Selektionsdiagnostik der Arbeits- und Organisationspsychologie zugeordnet Modifikationsdiagnostik der Klinischen Psychologie zugeordnet Real: Selektionsdiagnostik geht of in Modifikationsdiagnostik über, weil es nicht (immer) nur darum geht, einen Ist-Zustand zu erfassen, sondern auch Veränderungen einzuleiten Beispiel: Differentielle Indikation
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  • Datenquellen und Erhebungstechniken - Auflistung nach Pawlik 2006 1.  Biographische und Aktuardaten 2.  Verhaltensspuren 3.  Verhaltensbeobachtung 4.  Verhaltensbeurteilung 5.  Ausdrucksverhalten 6.  Interview 7.  Projektive Tests/Verfahren 8.  Objektive Tests 9.  Fragebogen 10.  Psychophysiologische Diagnostik
  • Psychologische Tests Verfahren zur Gewinnung diagnostisch relevanter Daten 1. "Test" im engeren Sinn: Verfahren zur Gewinnung von Daten unabhängig von den subjektiven Einschätzungen und Urteilungen des Probanden - lediglich Fähigkeits-, Leistungstests und objektive Tests, deren Messintention für den Probanden nicht durchschaubar ist 2. "Test" im weiteren Sinn: Wissenschaftliches Routineverfahren zur Untersuchung eines oder mehrerer empirisch abgrenzbarer Persönlichkeitsmerkmale mit dem Ziel einer möglichst quantitativen Aussage über den relativen Grad der individuellen Merkmalsausprägung
  • DIN 33430 Qualitätsnorm im Bereich der Eignungsdiagnostik, die Mindeststandards für eignungsdiagnostische Untersuchungen festsetzt Test liefert quantitative Aussage über ein interessierendes Merkmal, da die Antworten der Probanden mit Zahlen verknüpft und zu einem Gesamtwert (Score) zusammengefasst werden Ermittlung des relativen Grades der individuellen Merkmalsausprägung aus diesem Gesamtwert, duch die in-Beziehung-Setzung mit einer Vergleichsgruppe (Norm- bzw. Eichstichprobe) oder einem Kriterium
  • Brickenkamp 2002 Klassifikation psychologischer und pädagogischer Tests, Leistungstests: Entwicklungs-, Intelligenz-, Schul-, Einschulungs-, Lesetest, Allgemeine Leistungstests, Spezielle Funktionsprüfungs- und Eignungstests Psychometrische Persönlichkeitstests: Persönlichkeits-Struktur-Tests, Einstellungs- und Interessenstests, Klinische Tests Persönlichkeitsentfaltungsverfahren: Formdeuteverfahren, Verbal-thematische und zeichnerisch-gestalterische Verfahren
  • Speed-Tests Konzentrationstests mit Zeitbegrenzung Schwierigkeit der Aufgaben gleichbleibend und eher gering
  • Power- oder Niveau-Tests keine oder sehr großzügige Zeitvorgabe Lösung von Aufgaben mit steigender Schwierigkeit Ziel ist es, intellekt. Niveau des Pbn zu erfassen
  • Einzel- und Gruppentestung Projektive Tests normalerweise nur als Einzeltest (wegen gleichzeitiger Verhaltensbeobachtung und nicht-standardisierter Antwortmöglichkeit Leistungs- und psychometrische Persönlichkeitstests als Einzel- oder Gruppentestung
  • Soziale Erwünschtheit Bei Aufforderung nach Selbstbeschreibung (bei Bewerbung auf Pbn-Stelle oder Arbeitsplatz) Bedarf nach möglichst authentischer Vermittlung von Persönlichkeitsmerkmalen Möglichkeit des faking-good: Pbn stellt sich so dar, wie er glaubt, das es für ihn am günstigsten ist Einschätzung der Authentizität / Echtheit: Problem der authentischen vs. täuschenden Selbstdarstellung Empirischer Befund: Keine Beeinträchtigung der Validität verfälschbarer Persönlichkeitsfragebogen in der Personalauswahl durch Selbstdarstellung
  • Phasen des diagnostischen Prozesses (Jäger 2006) 1.  Fragestellung 2.  Übersetzung und Differenzierung 3.  Generierung von Hypothesen  4.  Operationalisierung, Untersuchungsplanung und -durchführung 5.  Auswertung und Interpretation 6.  Beantwortung der Fragestellung bzw. erneute Hypothesengenerierung  und Datensammlung.
  • Diagnostischer Prozess ähnlich einer empirischen Untersuchung alltagssprachlich formulierte Fragestellung wird in psychologische Terminologie übersetzt und präzisiert dann Aufstellung von Hypothesen und deren Prüfung durch geeignete diagnostische Verfahren Unterschiede zu emp. Studien: (a) Diagnostischer Prozess betrifft oft nur eine Person (im Gegensatz zu empirischen Studien) - d.h. Überprüfung idiografischer (einzelfallbezogener) Hypothesen, (b) nicht nur Überprüfung von a priori aufgestellten Hypothesen, sondern auch Überprüfung neuer, im Verlauf der Forschung resultierender Hypothesen
  • Klinische Urteilsbildung Stützt sich auf intuitive, auf klinischem Erfahrungswissen basierende Informationsverarbeitung Erhobene Daten werden auf der Basis klinischer Erfahrungen intuitiv zusammengefasst
  • Statistische Urteilsbildung Kombination und Gewichtung der Vorhersage-Variablen an Hand von statistischen Beziehungen, die vorher empirisch ermittelt wurden
  • Meta-Analyse zur klinischen vs. statistischen Urteilsbildung (Grove et al. 2000) 136 Studien aus unterschiedlichen diagnostischen Bereichen berücksichtigt Überlegenheit der statistischen Urteilsbildung in 50% der Fälle Gleichwertigkeit der statistischen und klinischen Urteilsbildung in den anderen 50% Klinische Erfahrung notwendig für Identifikation relevanter Prädiktorvariablen, die dann statistisch abgesichert werden müssen
  • Zeitschriften der Psychologischen Diagnostik Diagnostica Journal of Individual Differences European Journal of Psychological Assessment
  • Datenbanken und Internetquellen PSYNDEXplus Tests 1945-2008 (via Bibliotheksserver) testzentrale.de Schuhfried.at www.pearsonassessment.de Diagnostische Verfahren in der Konstruktion (via Website der Fachgruppe Differentielle Psychologie, Persönlichkeitspsychologie und Psychologische Diagnostik, www.dgps.de/dgps/fachgruppen/diff_diag/)