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Modul 1 - 03400 Geschichte der Psychologie (Fach) / Kapitel 6.1 - Allgemeine Psychologie und deren Grundlagen (Lektion)

6.1.1  Seele und Seelisches als Gegenstand der Allgemeinen Psychologie 6.1.2  Allgemeine Gesichtspunkte des Gegenstandsbereiches der Allgemeinen Psychologie 6.1.3  Gegenstandsbereich, Aufgaben und Methoden 6.1.4  Die Beziehungen der Allgemeinen Psychologie zu den anderen psychologischen Teildisziplinen 6.1.5  Biologische Psychologie

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  • Grundlagendisziplinen der Psychologie Allgemeine Psychologie Differentielle P. und Persönlichkeitsforschung Sozialpsychologie Entwicklungspsychologie Biologische P.
  • Allgemeine Psychologie Beschäftigt sich unter dem allgemeinstmöglichen Aspekt mit der "Seele" als Sammelbegriff für seelische Eigenschaften, Prozesse & Funktionen Wurzeln der AP: Biologie, Philosophie enge Beziehung zu den Kulturwissenschaften gemeinsame Rahmentheorie Biologie & AP: Evolutionstheorie - diese Gemeinsamkeiten werden verstärkt durch die Evolutionäre Psychologie betrachtet
  • Begriff der "Seele" kulturhistorisch gesehen keine homogene Bedeutung des Seelenbegriffs variable mentale Begrifflichkeiten, mit denen sich der Mensch selbst deutet
  • Biologischer Seelenbegriff Seelische Merkmale finden sich nur bei Lebewesen Seele nach Aristoteles bezeichnet das Merkmal der dynamischen, offenen, umgebungsbezogenen Organisiertheit biologischer Eigenschaften und Funktionen Aristoteles/Platon: Seele als einhaltserhaltende Organisation des Organismus
  • Drei Arten von Seele (nach Aristoteles) vegetative S.  (modern vegetativ-physiologisch) sensitiv-motorische S. (modern sensu-motorisch) Denkseele (modern kognitiv & motivational)
  • Organismus als psychophysische Einheit In der elementaren Unterscheidung von "Selbstbewegung" und "Fremdbewegung" drücken sich die basalen seelischen Funktionen "Wahrnehmung" und "Aktion" aus Wahrnehmung und Aktion sind nötig, da jeder Organismus durch semipermeable Grenzfläche von der Umgebung abgegrenzt J. v. Uexkülls: Organismus muss über Merk- und Wirkorgane verfügen Bewerten, was behalten werden soll: = komplexe Einheit von kognitiven und emotionalen Kompenten
  • Repräsentationalität als psychische Funktion Repräsentation: Erstellung eines "Umgebungsbildes" als Resultat der Informationsverarbeitung Homunkulus-Fehlschluss: Umgebungsbild = Bild (in diesem Fall bräuchte es immer wieder ein anderes Wesen, dass das Bild liest) Das Repräsentierte IST nicht im Organismus, sondern ist als Repräsentandum zeichenhaft im Organismus als Repräsentat vertreten Umgebungsmodell
  • Umgebungsmodell Keine Kopie unserer Umwelt in unserem Kopf (das wäre ein 1:1-Modell), sondern abstrakte mentale Modelle nur bestimmte Aspekte der Umgebung und des Organismus sind im Modell repräsentiert Mentale Modelle (Beispiele): Körperbild, soziale mentale Modelle, Begriffe, Kenntnisse, Fähigkeiten Wichtiger Forschungsgegenstand der Allgemeinen Psychologie: Genese (Wahrnehmung), Struktur (Wissen), Aufrechterhaltung (Gedächtnis) & Nutzung (Wiedererkennen, Reproduktion, Denken, Handeln) von mentalen Modellen- GSAN
  • Intentionalität als Merkmal des Mentalen/Seelischen Franz Brentano: Intentionalität als das wesentliche Merkmal des Mentalen Intentionalität = Mentales hat semantischen Gehalt In Bezug auf die Welt-auf-Kopf-Beziehung: beim Wahrnehmen wird etwas wahrgenommen, beim Vorstellen etwas vorgestellt In Bezug auf die Kopf-auf-Welt-Beziehung: Intentionalität ist Ausgerichtetsein auf ein Ziel hin (Wünsche, Absichten, Wollen, Entscheiden) Intentionalität bringt normativen Aspekt i.d. Psy.
  • Phänomenale Welt als Forschungsgegenstand der Allg. Psychologie Erfahrungswissenschaften untersuchen Phänomene Psychologie untersucht die Erfahrung, das Erleben von Phänomenen z.B.: phänomenale Identität und Beständigkeit, phänomenale Ordnung und Erleben Phänomenales Bewusstsein = Reize werden nicht nur aufgenommen, sondern auch erlebt (Qualiaproblem der Naturwissenschaften)
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  • Zusammenfassende Charakterisierung des Gegenstands der Allgemeinen Psychologie Die  Allgemeine  Psychologie  charakterisiert  jeden  Menschen  durch  einen  biologisch verstandenen Kollektivbegriff der Seele als Insgesamt seelischer Funktionen und Eigenschaften, wobei der Mensch als psychophysische Einheit anzusehen ist. Die  Organismus-Umgebungsbeziehung  ist  neben  der  Energieverarbeitung  durch Informationsverarbeitung  gekennzeichnet,  deren  Resultat  mentale  Modelle  sind, die  durch  die  Eigenschaft  der  Repräsentationalität  charakterisiert  sind.  Mentale Modelle  ermöglichen  das  Wahrnehmen,  Denken  und  Handeln.  Der  wesentliche Unterschied zwischen dem Mentalen und dem Physischen besteht darin, dass das Mentale  als  Intentionalität  zu  verstehen  ist.  Mentales  hat  semantischen  Gehalt, wobei die rezeptive (Welt-auf-Kopf-Beziehung) und produktive Seite (Kopf-auf-Welt-Beziehung) eine Einheit bilden.
  • Themenbereiche der Allgemeinen Psychologie Wahrnehmung Bewussstein Denken Urteilen Kognitionen Informationsverarbeitung Handeln Sprache Sensomotorik Emotion Motivation Lernen Gedächtnis Wissen
  • Taxonomie psychischer Funktionen Klassifikationsschema psychischer Funktionen, die hierarchisch aufgeteilt werden Beispiel: Kategorie "Informationsverarbeitung" in "Wahrnehmung" und "Empfindung", etc.
  • "Bauplan der Seele" Dörner 1997: Ziel ist es zu zeigen, daß sich letztlich alle psychischen Phänomene als Prozesse der Informationsverarbeitung beschreiben lassen. Wenn dem so ist, ist es prinzipiell auch möglich, sie nachzukonstruieren, dabei dem Gang der Evolution von einfachen zu immer komplexeren Formen zu folgen, um am Ende etwas vor sich zu haben, dem man nicht nur das Attribut "lebendig" nicht absprechen kann. Entscheidend: Sprachfähigkeit, die zu "kognitiver Explosion" führt Eigentlich will er die Psychologie als Wissenschaft endlich auf ein tragfähiges Fundament stellen. Denn so lange diese nicht zeigen kann, daß alle Prozesse im Menschen determiniert sind, so lange ist Psychologie keine Seelenwissenschaft, sondern bloße Seelenkunde. Aufteilung d. Seele in kognitive, motivationale-emotionale und aktionale Fähigkeiten und Fertigkeiten des Meneschen
  • Beziehung der Allgemeinen Psychologie zu den anderen psychologischen Teildisziplinen Teildisziplinen untersuchen auch sehr allgemeine Aspekte des Psychischen, aber AP versucht die Schnittmenge all dieser Aspekte herauszuarbeiten große Nähe zur biologischen Psychologie: Wahrnehmungspsychologie hat ihren Ursprung in der Sinnesphysiologie, während das psychologische Experimentieren aus der Psychophysik (Sinnesphysiologie) hervorging
  • Kovariationsprinzip Unterschiede in Verhalten, Erleben und Urteilen entsprechen Unterschieden in physiologischen Zuständen Kovariate = Variable, von der vermutet wird, dass sie als Drittvariable den Zusammenhang zwischen anderen Variablen beeinflusst
  • Psychophysik Sinnesphysiologie Äußere Psychophysik: Untersuchung der Kovariation zwischen Reiz und Reaktion (oder Urteil) Innere Psychophysik: Einführung und Messung der physiologischen Änderung als dritte Kovariate
  • Erforschung der neuronalen Korrelate psychischer Funktionen neuronale Prozess- und Zustandsunterschiede nicht eindeutig und spezifisch in ihrer Bedeutung (z.B.: mehrdeutige Indikationen eines Lächelns) methodisches Problem: handelt es sich bei neuronalen Variationen tatsächlich um Korrelate? Daher: enge Zusammenarbeit zwischen Biologische und Allgemeiner Psychologie nötig
  • Definition Biologische Psychologie / Biopsychologie Früher: Physiologische Psychologie Schandry 2002: Teilgebiet der Psychologie, das zum Studium und zur Erklärung menschlichen Verhaltens & Erlebens einen (neuro-)biologischen Zugang wählt Pleonasmus, denn Psychisches ist Eigenschaft und Funktion von Lebewesen und damit Teil der Biologie Beschäftigung mit Prozessen, Veränderungen, Zuständen des Organismus, die von Außen mit physiologischen Methoden beobachtbar sind Besondere Bedeutung: Prozesse im Zentralnervensystem
  • Historische Vorläufer der Biopsychologie Wilhelm Wundt (Physiologe): "Grundzüge der Physiologischen Psychologie" (1874) - psychophysischer Parallelismus: jedem psychischen Prozess entspricht ein physischer William James (Humanmediziner): "Principles of Psychology" (1890) mit einem Kapitel über Gehirnfunktionen und Verhalten
  • Teilbereiche der Biologischen Psychologie Kovariationen zwischen Gehirn und Verhalten bei Mensch und Tier - Physiologische Psychologie, Neuropsychologie Gestörte Hirnfunktionen und menschliches Verhalten - (vor allem klinische) Neuropsychologie Physiologische Prozesse als Indikatoren psychischer Prozesse beim Menschen - Psychophysiologie Funktion neurochemischer und zellulärer Prozesse im Kontext der Verhaltensregulation - Psychopharmakologie, Psychoneuendokrinologie, Psychoneuroimunologie, Pharmakopsychologie
  • Kovariationen zwischen Gehirn und Verhalten bei Mensch und Tier Versuch, Indikatoren neuronaler Prozesse / Strukturen direkt möglichst direkt Verhaltens- und Erlebensweisen (psychischen Prozessen / Strukturen) zuzuordnen Aufstellung von Theorien & Modellen von Gehirnfunktionen in ihrer Bedeutsamkeit für psychische Funktionen Anwendungsaspekt im Hintergrund Wichtige Forschungsfelder: visuelle Wahrnehmung, neurobiologische Grundlagen von Lernen und Gedächtnis Invasive Verfahren in Tierexperimenten, non-invasive Verfahren beim Menschen (EEG)
  • Gestörte Hirnfunktionen und menschliches Verhalten Gestörte Hirnfunktionen als Ursprung von Störungen des Verhaltens/Erlebens  Ursachen: Erkrankungen, Drogenmissbrauch, Vergiftungen Zuordnung der Verhaltens- oder Erlebensstörung zu lokalisierten Schädigungen des Gehirns gibt Aufschluss über die funktionale Rolle dieser Hirnregionen Ziele der Klinischen Neuropsychologie: (a) Verbesserung der Situation betroffener Patienten durch Konstruktion/Anwendung ausdifferenzierter diagnostischer Instrumente, (b) Entwicklung von Rehabilitationsmaßnahmen
  • Physiologische Prozesse als Indikatoren psychischer Prozesse bei Menschen Zuordnung zwischen physiologischen Prozessen (z.B. Herzrate) und psychologischen Prozessen (z.B. Befinden unter Belastung) Betrachtung dreier Ebenen: (1) Ebene des Erlebens über die verbal Auskunft gegeben wird, (2) Beobachtbares Verhalten (motorische Prozesse), (3) Physiologische Prozesse, über die messbare Indikatoren gebildet werden Indikatoren gebildet aus allen möglichen vegetativen Veränderungen Ziel der Indikatorenbildung: Erleben / Verhalten vollständiger durch non-verbale Maße erfassen Klinische Psychophysiologie: Beschäftigung mit den Begleiterscheinungen psychischer Erkrankungen auf der körperlichen Ebene
  • Funktion neurochemischer and zellulärer Prozesse im Kontext der Verhaltensregulation Hauptziel der Psychopharmakologie: Erklärung der Wirkung von Medikamenten und Drogen auf das menschliche Verhalten Außerdem: Aufklärung der Bedeutung und Wirkungsweise körpereigener psychoaktiver Stoffe Zentrale Aufgabe: Entwicklung und Überprüfung von Pharmaka Psychoneuroimmunologie (PNI): wechselseitige Beziehung zw. menschlichem Erleben/Verhalten und Zentralnervensystem (ZNS), Hormon- und Immunsystem (Bedeutung der PNI z.B. für die Erklärung der Pathogenese psychosomatischer Krankheiten) Psychoneuroendokrinologie: innersekretorische Vorgänge, insbesondere Wechselwirkung zw. hormonellen Prozessen und Phänomenen des Erlebens/Verhaltens
  • Methoden der Biologischen Psychologie Bildgebende Verfahren zur Untersuchung des Gehirns: statistische Abbildung der Aktivitätsverteilung von Blutparametern im Gehirn mit dem Ziel der Aufeinanderbeziehung psychischer und neurophysiologischer Prozesse, Beispiele: Positronen-Emissions-Tomographie (PET), Single-Photonen-Emissions-Computer-Tomographie (SPECT), funktionelle Kernspin-Resonanz-Tomographie, Magnetoenzephalographie (MEG) Elektrophysiologische Techniken: Identifikation von unterschiedlichen Aktivierungszuständen im Gehirn, Beispiele: Elektroenzephalographie (EEG), Registrierung der Herz-Kreislauf-Aktivität (Elektrokardiogramm), der muskulären Aktivität (Elektromyogramm), elektr. Aktivität der Haus (Elektrodermale Aktivität) und der Augenbewegungen (Okulomotorik) Invasive Verfahren: (a) Selektive (Des-)Aktivierung bestimmter Gehirnareale bzw. Neuronenpopulationen (Stimulierung v. Neuronen durch Elektroden) (b) Einspritzen psychoaktiver Substanzen durch feine Glaskanülen in Gehirnareale bzw. Entnahme von Flüssigkeiten