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Entwicklungspsychologie (Fach) / Einführung Entwicklungspsychologie (Lektion)

Grundlagen

Diese Lektion wurde von k_rich14 erstellt.

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  • Womit befasst sich die Entwicklungspsychologie? (Def.) Mit der Beschreibung, Erklärung, Vorhersage und Modifikation (=Optimierung) von Entwicklungsprozessen im menschlichen Lebensverlauf - von der Zeugung bis zum Tod. (Def. nach Baltes, weiter Entwicklungsbegriff, 1980)
  • Was sind die Aspekte des engen Entwicklungsbegriffes? (5 Aspekte) -die Veränderung läuft in Schritten ab, die auf einen höherwertigen Endzustand zulaufen-die Abfolge dieser Schritte ist irreversibel und die Veränderungen qualitativ und strukturell-frührere Schritte der Veränderung sind Vorausetzung für spätere-steigendes Alter führt zu steigendem Verlauf (Entwicklung ist an das Alter geknüpft)-universal gültig für den Menschen, nicht kulturgebunden
  • Was sind die Aspekte des weiten Entwicklungsbegriffes? (5 Aspekte) -die Veränderungen haben kein Ende, sondern sind lebenslang --> Lebensspannenperspektive-die Veränderungen sind  kontextabhängig und von vielen interagierenden Einflüssen geprägt-Entwicklung ist zugleich Gewinn und Verlust -->Spezialisierung + selektive Optimierung-nicht universal gültig für den Menschen, sondern kulturgebunden sowie interpersonell unterschiedlich-->unterschiedliche Verläufe (differentialpsychologische Perspektive) -mutlidimensional (vielschichtig) und multidirektional (in viele Richtugen, möglicherweise gleichzeitig)
  • Worin liegt die Kritik am engen Entwicklungsbegriff? (4 Aspekte) viele Veränderungen sind nicht als Abfolge zu sehen (keine feste Reihenfolge und nicht auseinander hervorgehend)ein universales höheres Endniveau als Zielzustand lässt keinen Platz für Aspekte wie Werteorientierungen und Interessen (Kritik an Endniveau)kulturspezifische und interindividuelle Aspekte werden nicht miteinbezogen, obwohl sie relevant sind (Kritik an Universalität)es gibt nicht nur qualitative Veränderungen, sondern auch quantitative, die miteinbezogen werden sollten
  • Was sind die Grundfragen der Entwicklungspsychologie? (6 mögliche) Anlage und UmweltKinder: aktiv in der eigenen Entwicklung?soziales Umfeld: beeinflusst die Entwicklung?interindividuelle Unterschiede - warum gibt es die?wie kommt es zu Veränderungen/Entwicklung? (Mechanismen)verläuft Entwicklung kontinuierlich oder diskontinuierlich?
  • Was sind die Mechanismen entwicklungsbedingter Veränderung, auf die unterschiedliche Theorien zurückgreifen? (4 Mechanismen) Reifung Sensible Phasen/ Reifestand/ readiness for learningKonstruktionSozialisation
  • Was ist Reifung? Wann wird sie als Erklärungsmechanismus genutzt? Reifung ist ein genetisch ausgelöster und altersbezogener Aufbauprozess von Strukturen und Funktionen /Reifung ist die gengesteuerte Entfaltung der biologischen Strukturen und FunktionenSie wird benutzt, um zu erklären, warum Kinder sich trotz eingeschränkter Erfahrungs-, Übungs- und Lernmöglichkeiten, trotz Deprivation (=Verlust, vgl. z.B. Wolfskinder) und sensorischen Defekten (Taubheit, ...) (in bestimmten Bereichen) identisch entwicklen.
  • Was ist der Reifestand/readiness for learning / sind die sensiblen Perioden? Welche Theorien nutzen diesen Mechanismus als Erklärungsansatz? Welcher bekannte Wissenschaftler hat dazu Experimente gemacht? Reifestand/readiness for learning/sensible Perioden sind Zustände zu bestimmten Zeitpunkten in der Entwicklung des Kindes, in dem spezifische Erfahrungen eine maximal positive/negative Wirkung haben. Sie werden auch Perioden erhöhter Plastizität (=Anpassung, Prägung) genannt. Als Erklärungs für die erhöhe Plastizität werden Veränderungen von Hirnfunktionen angenommen.Die sensiblen Perioden werden z.B. von der Bindungstheorie (nach John Bowlby) genutzt (vlg. Rhesusaffen-Experiment von Harry Harlow, 1958).Der Begründer der Instinkttheorie, Konrad Lorenz, hat Experimente mit Gänsen zu sensiblen Perioden und Bindung gemacht.
  • Was ist Konstruktion? Welche Theorien beziehen sich auf diesen Mechanismus? Konstruktion ist ein Mechanismus der Entwicklung (wie Reifung, sensible Phasen und Sozialisation auch).Konstruktion meint, dass das Individuum in der Interaktion mit der Umwelt (auch der sozialen) zunehmend komplexere psychische Strukturen entwickelt.Konstruktivistische "Kind als Wissenschaftler"-Theorien, kognitive Lern-Theorien beziehen sich auf den Konstruktionsmechanismus, um die Entwicklung von Denken und Wissen zu erklären.
  • Was ist Sozialisation? Welche 3 Komponenten enthält die Sozialisation? Welche Theorien beziehen sich auf diesen Mechanismus? Der Sozialisationsmechanismus besteht aus den KomponentenAnleitung und BelehrungBeobachtung und NachahmungBelohnung und Strafeund ist somit eng mit dem sozialen Umfeld des Individuums verknüpft.Somit beziehen sich viele Theorien zur sozialen Entwicklung darauf.
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  • Was ist die menschliche Natur nach -mechanistischer Sicht (überholt) -organistischem Ansatz -kontextualistischem Ansatz? Und welche Theorien beziehen sich auf welchen Ansatz? mechanistischer Ansatz: Mensch ist passives Rad im Weltmechanismus->Behaviorismus ("exogenistisch": von außen) nach Watson->Reifungstheorien ("endogenistisch": von innen, von den Genen) nach Hall und Gesellorganistischer Ansatz: Mensch als von Natur aus aktive, stukturierte Ganzheit, die sich ständig in eine bestimmte Richtung verändert->Konstruktivismus (Piaget)kontextualistischer Ansatz: Mensch (Subjekt) und Umwelt (Kontext) als gleichwertig gestaltende Quellen der Entwicklung--> kulturhistorische Schule (Lew Vygotski)
  • Was ist Entwicklung nach ökologischer und kulturvergleichender Definition? Entwicklung ist ein Prozess der Anpassung eines Individuums an seine physische und soziale Umwelt. Entwicklung kann nicht ohne die biologischen Grundlagen betrachtet werden, aber auch nicht ohne die historischen sowie die kulturellen/kontextuellen Umweltfaktoren.Dieser Entwicklungsbegriff geht stärker auf den Zusammenhang von Anlage und Umwelt ein.
  • Evolutionäre Entwicklungspsychologie - was ist sie und wodurch ist sie geprägt (3 Aspekte)? Was sind ihre zentralen Fragen? Die Evolutionäre Psychologie "...ist ein Forschungszweig, der Erleben und Verhalten des Menschen mit Erkenntnissen über die Evolution erklärt. Im Gegensatz zu Disziplinen wie etwa Sozialpsychologie, Lernpsychologie und Kognitionspsychologie soll die evolutionäre Psychologie auf jedes Teilgebiet der Psychologie anwendbar sein..." Sie ist geprägt durch...-Adaption (Anpassung), (ungerichtete) Variation und Selektion.-die Unterscheidung zwischen Phylo- und Ontogenese (Die Phylogenese meint die stammesgeschichtliche Entwicklung, die Ontogenese die eines Individuums.)-die Annahme universeller Prädispositionen des Menschen (wobei erblich != 100% uniform, genetisch determiniert, kontexinsensitiv).Sie geht z.B. darauf ein, wieso wir uns überhaupt entwicklen, inwiefern die Entwicklung reversibel ist und beeinflusst werden kann und inwiefern die Kultur zur Natur des Menschen gehört.    
  • Was meint Havighurst mit "Entwicklungsaufgaben"? (1948) Welche Aufgaben treten z.B. im Erwachsenenalter auf? Auf welchen der vier Entwicklungsmechanismen bezieht er sich dabei? "...Havighurst geht davon aus, dass der Mensch im Verlauf seines Lebens immer wieder unterschiedlichsten Problemen gegenübersteht, die es zu bewältigen gilt..." Diese Entwicklungsaufgaben...-tauchen in spezifischen Lebensabschnitten (insgesamt 9 Phasen) auf-schaffen Probleme, verursachen Krisen, deren Bewältigung zu Entwicklung führt-werden durch ein Zusammenspiel von 3 Faktoren beeinflusst, nämlich von innerbiologischen (z.B. Pubertät), soziokulturellen (z.B. Ausbildung), psychologischen (z.B. Werte und Ziele) FaktorenEin Beispiel:Im Erwachsenenalter sind die Aufgaben: Heirat, Geburt von Kindern, Bewältigung von Arbeit/Beruf, LebenstilfindungHavighurst bezieht sich dabei auf den Mechanismus der sensiblen Perioden/Reifestand/readiness for learning.
  • Wie ist der ökosystematische Ansatz nach Urie Bronfenbrenner aufgebaut? ("ökologische Systemtheorie") -Was ist ein Ökosystem? -Was sind die 4 Systemebenen? Das Ökosystem ist die gesamte materielle und soziale Umwelt eines Menschen und gliedert sich in folgende Systemebenen: 1)Mikrosysteme: die unmittelbaren Beziehungen eines Menschen zu anderen Menschen oder zu Gruppen [Mensch-Elternhaus] 2)Mesosystem: die Gesamtheit der Beziehungen eines Menschen, also die Summe der Mikrosysteme und die Beziehung zwischen ihnen [Elternhaus-Schule] 3)Exosystem: Beziehungsgeflecht, dem die Person nicht direkt angehört. Dennoch haben die Exosysteme mitunter erheblichen Einfluss, da ihm Bezugspersonen der Person angehören [Mutter-Arbeitsplatz der Mutter] 4)Makrosystem: die Gesamtheit aller Beziehungen in einer Gesellschaft [Normen, Werte, Gesetze, Traditionen]
  • Was ist das ökokulturelle Entwicklungsmodell nach Keller und Kärtner? (2012) Welchen Mehrwert hat die kulturvergleichende Perspektive? Das ökokulturelle Modell nach Keller und Kärtner versteht Entwicklung als Adaption. Die Adaption erfolgt dabei über kulturspezifische Entwicklungspfade.Die Adaption hat 2 universell gültige Aspekte:Die Entwicklungsaufgaben (vgl. Havighurst, 1948) sind universell.Die biologische Grundalge ist universell -> universelle PrädispositionenDie kulturspezifische Adaption differenziert sich vor allem im frühkindlichen Bereich und hat ein Spektrum von "psychologischer Autonomie" bis hin zu "relationaler Anpassung".Eine kulturvergleichende Perspektive hat den Vorteil, dass man den Blick dafür behält, dass die Güte einer Erziehungspraktik auch vom Kontext abhängt. Außerdem kann die Normativität (universelle Gültigkeit) von Annahmen in der Diagnostik und Intervention untersucht werden.
  • Was sind die gängigen Methoden (Operationalisierungen) in der Entwicklungspsychologie? (3 Stück, teilweise mit Untergruppen) 1) Selbstbeurteilung, Selbstauskunft-im halb- oder standardisierten Interview (ggf. mit Puppenspiel oder Bildwahlverfahren)-im Fragebogenverfahren (Persönlichkeit, Interesse, Einstellung)-in provozierten Niederschriften (Tagebuch, Aufsatz, Satzergänzung)2) systematische Verhaltensbeobachtung (Problem: Alternativinterpretationen)(-Zufallsbeobachtung (anekdotisch) oder Kindertagebücher (biografisch))-->kritisch, denn wenig reliabel, wenig valide-natürliche Beobachtung (teilnehmend, alltagsnah -->valide)-systematische Beobachtung (strukturiert, standardisiert) -->experimentelle Beobachtung (Experimental-, Kontrollgruppe, Randomisierung) (-->Kausalschluss möglich, reliabel, intern valide, extern nicht valide, weil künstlich)(3) klinische Methode / Fallstudie (vgl. Piaget und seine Interviews mit seinen Kindern))
  • Was ist das Querschnitts-, was das Längsschnittsdesign? Was sind die Vor- und Nachteile? Was ist die Lösung, um Nachteile etwas aufzuheben? Die Forschungsdesigns QS, LS Und Sequenzpläne betrachen das Alter als "Stellvertretervariable" zur Annäherung an die eigentlichen Ursachen. Querschnittsdesign (QS):-ein Messzeitpunkt + mehrere Gruppen verschiedener Altersklassen -Mittelwerte der Gruppen werden zu einer Entwicklungskurve kombiniert-interindividuelle Unterschiede werden untersuchtLängsschnittsdesign (LS):-eine Gruppe gleicher Altersklasse + mehrere Messzeitpunkte-intraindividuelle Veränderungen werden untersuchtVorteil QS: zeitsparend, konstengünstig, AltersgruppendifferenzenNachteil QS: fiktive Entwicklungskurve aus Mittelwerten muss nicht valide sein, erfasst keine intraindividuellen Unterschiede, Stichprobendilemma (Gruppen kommen alle aus derselben Population), Alter konfundiert mit Kohorte (=Jahrgang, Bevölkerunggruppe) -normativer Alterseffekt unterschiedlicher Kohorten: z.B. Pubertät, Schule)-Kohorteneffekt (normative historische Einflüsse) (z.B. Ältere haben Krieg miterlebt,...)-Periodeneffekt: zeitich begrenzte Einflüsse, die alle beeinflussenVorteil LS: misst intraindividuelle Veränderung (Zeitpunkt A, Zeitpunkt B), prüft MerkmalsstabilitätNachteil LS: zeitintensiv, teuer, Selektionseffekt der Stichprobe + Stichprobenmortalität, Lerneffekt bei Messwiederholung zu Zeitpunkt B, Alter konfundiert mit Messwiederholung)-Periodeneffekt: zeitich begrenzte Einflüsse, die alle beeinflussenDie Lösung ist ein Sequenzplan (Kombi aus QS und LS)-> kontrolliert Kohorteneffekt (historische Einflüsse)->kontrolliert Messwiederholungseffekt (Mess. A wirkt auf Mess. B)-> kontrolliert Alterseffekt (z.B. Pubertät,...)-->kontrolliert Periodeneffekt (der alle beeinflusst)Wie genau macht die Kombi das? Durch 2 QS und 2 LS, die sich überschneiden.