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Boden (Fach) / Bodentypen (Dtl) (Lektion)

Bodentypen nach 'deutscher' Systematik

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  • Pseudogley - Entstehung Wasserstau entsteht dadurch, dass ein sprunghaft weniger gut wasserdurchlässiger Horizont im Bodenprofil vorliegt. Dies kann an einem bereits durch die Sedimentation bedingten Schichtwechsel der Fall sein, aber auch durch eine sogenannte Einlagerungsverdichtung geschehen, bei der Tonpartikel im Bodenprofil nach unten verlagert werden (Lessivierung) und den Querschnitt der Poren im dann tonangereicherten Horizont verkleinern. Das Wasser verdrängt die Bodenluft aus den Poren. Der Sauerstoff im Niederschlagswasser ist relativ bald von den Bodenmikroorganismen verbraucht und es entstehen reduzierende Bedingungen, unter denen Eisen(III) und Mangan(IV,III) bei gleichzeitiger Oxidation von organischer Substanz zu Fe(II) und Mn(II) reduziert werden. In reduzierter Form als Fe2+ bzw. Mn2+ sind sie in der Bodenlösung mobil. Sie gelangen durch Diffusion auch ins Innere der Bodenaggregate. Hier ist in mit Stauwasser gesättigten Horizonten oft noch Bodenluft eingeschlossen, so dass Eisen und Mangan wieder oxidiert werden. Das Konzentrationsgefälle bleibt so erhalten. Mit der Zeit bilden sich gebleichte Aggregataußenbereiche einerseits und rostfarbene bis schwarze Eisen- und Mangan(hydr)oxid-Flecken bzw. –Konkretionen im Aggregatinnern andererseits.
  • Pseudogley - Nutzung Pseudogleye sind wegen der Staunässe und der damit einhergehenden Sauerstoffarmut im Frühjahr problematische Standorte und werden vornehmlich mit Wald bestockt oder als Wiesen genutzt. Die Wälder sind oft schlechtwüchsig, weil die Wurzeln der Bäume die jahreszeitlich sauerstoffarmen Horizonte meiden und entsprechend nur flach wurzeln. Wenn im Laufe des Jahres das Stauwasser schließlich versickert bzw. von den Pflanzen aufgenommen worden ist, können sie dann über ihr flaches Wurzelsystem nicht mehr ausreichend Wasser aufnehmen. Vor einer Ackernutzung sind zum Teil umfangreiche Drainagemaßnahmen nötig. Ertragsausfälle oder -einbußen sind trotzdem nicht ausgeschlossen. Dennoch sind vor allem die durch Einlagerungsverdichtung aus Parabraunerden oder Fahlerden entstandenen Pseudogleye auch brauchbare Ackerstandorte.
  • Pseudogley Der Pseudogley ist in der deutschen Bodensystematik der wichtigste Typ aus der Klasse der Stauwasserböden. Veraltete Bezeichnungen sind Staugley, Staunässegley, nasser Waldboden oder gleyartiger Boden. Die Böden dieses Bodentyps sind durch einen Wechsel von jahreszeitlich starker Staunässe und relativer Austrocknung geprägt. Er unterscheidet sich dadurch von den Gleyen, deren Bildung (Vergleyung) durch Grundwasser im Bodenkörper hervorgerufen wird.
  • Pseudogley - Verbreitung Pseudogleye sind in Mitteleuropa weit verbreitet. Man findet sie sowohl im Tiefland als auch in den Mittelgebirgen. In den Moränenlandschaften sind sie typische Böden der Grundmoränen. Man findet sie dort bevorzugt in den eher niederschlagsreichen und küstennahen Gebieten (z.B. Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern). Ebenfalls häufig sind sie auf den Hochflächen der Mittelgebirge, wo Tone, Ton- und Schluffsteine anstehen oder wo im Tertiär die tropische Verwitterung zu tonigem Ausgangsmaterial der holozänen Böden geführt hat.
  • Braunerde Die Braunerde (Abk. der deutschen Bodensystematik: BB), nach der internationalen Bodenklassifikation WRB Cambisols oder Brunic Arenosols ist ein häufig vorkommender Bodentyp des gemäßigt humiden Klimas mit der Horizontabfolge Ah/Bv/C (Anreicherung von Humus < 15 Masse-% / Eisenoxidation, Mineralneubildung / wenig oder gar nicht verwitterte lose oder feste Gesteinsschicht). Typprägende Prozesse sind die Verbraunung und Verlehmung auch im Unterbodenhorizont (B). Braunerden entwickeln sich überwiegend aus silikatischem, kalkfreiem oder kalkarmem Ausgangsgestein.  
  • Parabraunerde Als Parabraunerde (ein Lessivé) bezeichnet man einen Boden, bei dem Partikel der Korngrößenfraktion Ton vom Oberboden in den Unterboden verlagert worden sind. Die Parabraunerde ist ein weit verbreiteter Bodentyp im gemäßigt-humiden Klima aus primär kalkhaltigem Lockergestein. Typprägender Prozess ist die Tonverlagerung. Die Bestandteile der Tonfraktion (< 2 µm), vor allem Tonminerale und Eisenoxide werden entlang von Makroporen mit dem Sickerwasser in den Unterboden verlagert. Voraussetzung für die Verlagerung der Tonfraktion ist die Dispergierung der Tonminerale. Da das Auftreten von mehrwertigen Kationen (Ca, Mg, Al) in der Bodenlösung zu einer Flockung der Tonminerale führt, ist die Tonverlagerung in der Regel nur in mäßig versauerten Böden nach vorangegangener Entkalkung und vor Einsetzung der Silikatverwitterung im pH-Bereich zwischen (pH 7-5,5) möglich. Die Tonanreicherung erfolgt im noch carbonathaltigen Unterboden. Ausnahmen sind Böden mit hoher Natriumsättigung, wie die salzwasserbeeinflussten Marschenböden und Salzanreicherungsböden in ariden Klimazonen, bei denen auch bei höheren pH-Werten eine Tonverlagerung stattfinden kann. Bodenprofil einer mitteleuropäischen Parabraunerde aus Löss mit der typischen Horizontfolge Ah-Al-Bt-(Bt/C-)C
  • Parabraunerde - Nutzung Die Eigenschaften und die daraus folgenden Nutzungsmöglichkeiten der Parabraunerde sind je nach Ausgangsgestein und Verwitterungsgrad sehr unterschiedlich. Sie ist ein sandig bis lehmiger, mäßig nährstoffreicher, tiefgründiger und sehr gut durchwurzelbarer Bodentyp. Das Ausgangssubstrat der Bodenbildung besteht oftmals aus primär kalkhaltigem Lockergestein, zum Beispiel Löss. Die Versorgung mit pflanzenverfügbarem Wasser und der Gehalt an Nährstoffen in Löss-Parabraunerden ist meist vergleichsweise gut, sie werden überwiegend ackerbaulich genutzt. Aus sandigem Substrat bilden sich Bänderparabraunerden, in denen die Tonpartikel in meist mehreren, mehrere Zentimeter mächtigen Bändern im Unterboden akkumulieren; sie wurden früher als Bänderbraunerden bezeichnet. Parabraunerden unter Wäldern sind meist stark versauert. Auf sandigem Substrat ist die Bodengüte niedriger, da es wegen einer geringeren Wasserspeicherkapazität häufiger zum Austrocknen des Bodens kommt. Außerdem muss der Boden bei landwirtschaftlicher Nutzung aufgrund seines geringen Nährstoffgehalts gedüngt werden, um gute Erträge zu erzielen. Auf Löss, Sandlöss und Geschiebemergel dagegen besitzt Parabraunerde eine sehr hohe Bodengüte.
  • Fahlerde Die Fahlerde ist ein Bodentyp aus der Klasse der Lessivés. Sie ist stärker versauert als die verwandte Parabraunerde, was zu deutlich stärkerer Tonverlagerung geführt hat. Sie kommt vor allem unter Löss und Geschiebemergel vor, aber auch auf lehmigen Sanden. Bei der Fahlerde findet unter dem Humushorizont eine Tonverlagerung (Lessivierung) aus dem A1-Horizont in tiefere Bodenhorizonte mit anschließender Versauerung statt. Diese Versauerung bewirkt unter dem Humushorizont die Entstehung eines fahlgrauen Ael-Horizontes; der Übergang zum Bt-Horizont ist in der Regel verzahnt. Er ist ein typischer Übergangshorizont (hier Ael+Bt), der für die Fahlerde diagnostisch ist und Verzahnungshorizont heißt. Außerdem sind in ihm die Bodenaggregate im trockenen Zustand weiß gepudert, was eine Folge der Schluffverlagerung und Tonmineralzerstörung ist. Die Fahlerde weist im Idealprofil die Horizontfolge Ah/Ael/Ael+Bt/Bt/C auf. Sie kommt verbreitet als Reliktboden vor. Ihre Verbreitung erstreckt sich auf die Feuchten Mittelbreiten der feucht-gemäßigten Klimazone Nordamerikas, Europas und Asiens. Genutzt werden Fahlerden bevorzugt als Weideland, auf Ackerstandorten neigen sie aufgrund der Schluffgehalte zu Bodenerosion. Weiterhin ist der Bt-Horizont anfällig für Pseudovergleyung.
  • Ranker Als Ranker wird in der Bodenkunde ein schwach entwickelter und flachgründiger Boden bezeichnet, der auf kalkarmen bis kalkfreien Festgestein wie Sandstein, Granit oder Quarz entsteht. Der Name leitet sich vom österr. Ranker ab, was Steilhang bedeutet. Der Bodentyp weist zwei Horizonte auf und wird in die Klasse R (Ah/C-Böden) eingeteilt. Seine Abkürzung lautet RN.
  • Ranker - Entstehung Wenn sich auf Festgestein eine dünne Schicht Boden gebildet hat, ist ein frühes Stadium der Bodenentwicklung erreicht (Syrosem). Die Bodenschicht wird durch fortschreitende Humusbildung, Ablagerung von Staub und Verwitterung des Gesteins zunehmend mächtiger. Sobald sie größer als 2 cm ist, gehen aus dem Syrosem höher entwickelte Bodentypen hervor -- die Böden der Klasse R (Ah/C-Böden). Auf kalkarmen bis kalkfreien Gesteinen (Quarzit, Tonstein, Sandstein oder Schluffstein) sind das die Ranker. Damit ist die Bodenentwicklung aber nicht abgeschlossen. Im weiteren Verlauf kommt es zur Verbraunung und Verlehmung, so dass sich ohne weitere Störungen ein B-Horizont bildet und das Folgestadium erreicht wird (Braunerde). Am Ende der Bodenentwicklung steht meist der Podsol; in seltenen Fällen (Tonstein) die Terra fusca.
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  • Ranker - Verbreitung Ranker sind in Mitteleuropa typisch für die Hanglagen der Mittelgebirge, wenn entsprechende Ausgangsgesteine anstehen. Für Mitteldeutschland sind dies beispielsweise im Harz der Granit oder im Wiehengebirge der Sandstein. Der Bodentyp kommt, wie bereits die Namensherkunft schließen lässt, nur an Hangpositionen dauerhaft vor, da nur dort die Erosion der (schnellen) Weiterentwicklung des Bodens entgegenwirkt. Darüber hinaus sind Ranker heutzutage aufgrund menschlicher Tätigkeit weitaus häufiger als früher. So kam es auf vielen Ackerflächen an Hanglagen zu einer Bodenerosion. Dadurch wurden höhere Entwicklungsstadien abgetragen und erneut Ranker erreicht.
  • Ranker - Horizontierung Der Ranker besitzt laut Deutscher Bodensystematik die Horizontierung Ah/imC. Ah: Der Oberbodenhorizont (A) ist humos (h). Er besitzt eine Mächtigkeit von mindestens 2 cm und maximal 30 cm (andere Ah/C-Böden 40 cm). Unter landwirtschaftlicher Nutzung kann auch die Bezeichnung Ap (p = gepflügt) vorkommen. imC: Das Ausgangsmaterial (C) ist massiv (m) und kalkarm bis kalkfrei (i = silikatisch; ≤ 2 Gew.% Kalk). Dabei kommen zahlreiche Gesteine wie Sandstein, Quarzit, Granit, Tonstein oder Schluffstein in Frage. Das Material ist weitgehend unverwittert. Nach der internationalen WRB-Bodenklassifikation gehören Ranker meist zu den Leptosolen, Arenosolen oder Regosolen.
  • Ranker - Nutzung Ranker haben ein geringes landwirtschaftliches Ertragspotential. Wegen der häufigen Hanglage, Flachgründigkeit und Nährstoffarmut werden sie in Mitteleuropa nur noch selten als Acker genutzt. Auf ackerbaulichen Flächen überwiegt eine Nutzung als extensives Grünland. Bedeutend ist vor allem die forstwirtschaftlich Nutzung. Durch den steinigen, geringmächtigen Untergrund bieten Ranker aber nicht allen Bäumen einen hinreichenden Standort. Es dominieren Nadelbäume wie Tannen und Fichten.
  • Pararendzina Die Pararendzina ist ein Bodentyp, der sich in einem frühen Stadium der Bodenbildung auf mergeligem Ausgangsmaterial (Kalkgehalt > 2 Gew.% und < 75 %) bildet. Dabei kommen feste oder lockere Materialien wie Kiesel- oder Silikatgestein, Lehmmergel oder Löss in Frage. Der Bodentyp weist zwei Horizonte auf und wird in die Klasse R (Ah/C Böden) eingeteilt. Seine Abkürzung lautet RZ.
  • Pararendzina - Entstehung Auf freien Oberflächen kommt es relativ schnell zu einer Besiedlung mit Pionierpflanzen. Wenn sich ein geringmächtiger humoser Horizont gebildet hat, wird das Anfangsstadium der Bodenbildung erreicht (Lockersyrosem auf Lockermaterialien bzw. Syrosem auf Festgestein). Sobald diese humose Lage eine Mächtigkeit von über 2 cm hat, wird die Klasse der Ah/C-Böden erreicht, zu denen auch die Pararendzina gehört. Damit ist die Bodenentwicklung aber nicht abgeschlossen. Im weiteren Verlauf kommt es durch die Verwitterung zur Verbraunung und Verlehmung, so dass sich ein B-Horizont bildet und die Folgestadien erreicht werden. In Mitteleuropa folgt die Braunerde und/oder Parabraunerde; unter Steppenklimaten die Schwarzerde.
  • Pararendzina - Verbreitung Da mergelige, massive Gesteine selten sind, liegen Pararendzinen fast immer auf Lockermaterialien. Diese sind in Mitteleuropa weit verbreitet, etwa in den Börden (Löss) oder dem Geschiebe der Jungmoränenlandschaften (Allgäu, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein). Dennoch sind natürlich entstandene Pararendzinen in Mitteleuropa nur wenig verbreitet, da sie durch die Bodenentwicklung schnell in spätere Bodenstadien übergehen und mergelige Lockermaterialien nur selten an erosionsträchtigen Standorten anliegen. Am ehesten findet man sie an den Steilküsten der südlichen Ostsee, wenn dort anstehender Geschiebemergel durch die Bodenerosion immer wieder freigelegt wird. Bedingt durch die vom Menschen verursachte Bodenerosion sind Pararendzinen heute aber weit verbreitete Böden auf landwirtschaftlichen Nutzflächen. Pararendzinen können auf natürlichem Wege in trockenen Gebieten (z. B. Kaiserstuhl) durch sekundäre Kalkbildung (Aufstieg von Kalk mit verdunstendem Wasser) auch aus kalziumreichen und siliziumarmen Magmatiten entstehen.
  • Pararendzina - Horizontierung Die Pararendzina besitzt laut Deutscher Bodensystematik die Horizontierung Ah/eC. Ah: Der Oberbodenhorizont (A) ist humos (h). Er besitzt eine Mächtigkeit von mindestens 2 cm und maximal 40 cm. Unter landwirtschaftlicher Nutzung kann auch die Bezeichnung Ap (p = gepflügt) vorkommen. eC: Das Ausgangsmaterial (C) ist mergelig (e; Kalkgehalt > 2 Gew.% und < 75 %). In der Regel handelt es sich um Löss oder Jungmoränengeschiebe. Das Material ist weitgehend unverwittert und muss eine Mächtigkeit von mindestens 30 cm haben. In der internationalen Bodensystematik WRB gibt es keine Referenzbodengruppe, die der deutschen Pararendzina entspricht. Die Standorte werden je nach Mächtigkeit und Humusgehalt verschiedenen Gruppen zugeteilt (Regosol, Leptosol, Phaeozem, Chernozem, Kastanozem oder Cambisol)
  • Pararendzina - Nutzung Natürliche Standorte sind wegen der Erosion nicht nutzbar. Ansonsten sind Ackerbau, Grünland (Weide und Mähweide) und Forstwirtschaft (Buchen) üblich.
  • Unterschied Pararendzina - Rendzina Die Eigenschaften der Pararendzina ähneln sehr denen der Rendzina, sind aber im Vergleich leicht abgeschwächt. Dies ist der Grund für die Namensgebung (Para (= scheinbare) Rendzina). Der A-Horizont ist wegen der noch nicht sehr ausgeprägten Entkalkung in der Regel noch carbonathaltig. Dadurch liegt der pH-Wert meist im oberen Bereich zwischen 5 und 7.
  • Rendzina Als Rendzina oder Rendsina wird in der Bodenkunde und Geologie ein flachgründiger Boden bezeichnet, der sich auf karbonat- oder gipsreichen Gesteinen bildet. Der Bodentyp weist zwei Horizonte auf und wird in die Klasse R (Ah/C-Böden) eingeteilt. Seine Abkürzung lautet RR. Rendzina-Böden sind für Karst und viele Gebirge typisch, können sich aber bei günstigen Bedingungen zu Schwarz- oder Braunerde weiterentwickeln.
  • Rendzina - Entstehung Rendzinen können sich auf carbonat- oder gipsreichem Festgestein oder Lockermaterial (≥ 75 Masse-% Carbonat oder Gips) bilden. Sie sind damit eine Weiterentwicklung der Intitialböden Syrosem oder Lockersyrosem. Das mit Abstand häufigste Ausgangsmaterial mit dieser Eigenschaft ist der Kalkstein. Weitere feste Ausgangsgesteine sind Marmor, der magnesiumhaltige Dolomit und Gips (Calciumsulfat). Als carbonatreiche Lockergesteine kommen Kreide (z. B. auf Rügen) oder geologisch sehr junge Seekreiden (z.B. im Bodenseeraum) vor. Daneben können heutzutage auch kalkreiche technogene Materialien wie Beton oder Ziegel in Frage kommen. Neben der physikalischen Verwitterung, die die Struktur des Festgesteins lockert, wirkt bei der Entstehung von Rendzinen auch die Lösungsverwitterung. Carbonate werden durch kohlenstoffdioxidhaltiges Wasser gelöst und mit dem Sickerwasser als Hydrogencarbonat abtransportiert. Die Formel lautet grob betrachtet: CaCO3 + H2O + CO2 → 2 HCO3− + Ca2+ Bei Sulfaten läuft eine einfache Lösung ab, die das Sulfat ebenfalls mit dem Sickerwasser abführt. Je reiner bzw. klüftiger das Material ist, desto schneller läuft die Lösungsverwitterung ab. Im Oberboden reichern sich die unlöslichen Bestandteile, vor allem Tonminerale an. Diese Form der Bodenbildung läuft im Vergleich zur Verwitterung eines carbonat- bzw. gipsfreien Bodens relativ schnell ab. Zusätzlich kommt es aufgrund der biologischen Aktivität im Oberboden zur Akkumulation von Humus. Der Ah-Horizont einer Rendzina ist damit deutlich humos aber nach wie vor carbonat- bzw. gipshaltig, auch wenn die Gehalte deutlich niedriger sind als im Ausgangsgestein. Die Rendzina geht mit fortschreitender Carbonat- bzw. Gipsverarmung in stärker differenzierte Böden über. Wird der A-Horizont über 40 cm mächtig, wird die Klasse der Schwarzerden erreicht. Kommt es im Untergrund zur Ausbildung eines verbraunten Horizonts, entwickelt sich eine Braunerde (B-Horizont im Unterboden) oder Terra fusca (T-Horizont im Unterboden). Die Rendzina ist daher meist ein Entwicklungsstadium eines Standorts, das relativ schnell überschritten wird. Die Erosion kann allerdings den Bodentyp der Rendzina dauerhaft erhalten, da der kontinuierliche Bodenabtrag die Bodenentwicklung beständig zurückwirft.
  • Rendzina - Verbreitung Das klassische Verbreitungsgebiet der Rendzinen liegt in Karstgebieten und Gebirgen, in denen kalkreiches Material und Hangneigung zusammentreffen. In den Schichtstufenlandschaften der Mittelgebirge treten sie überall dort auf, wo Kalksteinschichten freiliegen.
  • Rendzina - Horizontierung Die Rendzina besitzt als ein nicht tiefgründiger Boden zwei Horizonte: Ah/cC. Ah - Über dem Ausgangsmaterial liegt ein humoser (h) Oberbodenhorizont (A). Seine Mächtigkeit muss > 2 cm und ≤ 40 cm betragen. Die Färbung ist wegen des organischen Materials meist dunkelgrau bis schwärzlich. Bei Ackernutzung trägt dieser Horizont die Bezeichnung Ap (p für Pflughorizont). cC - Unter dem Ah-Horizont steht direkt das Ausgangsmaterial (C) an. Dieses muss carbonatisch oder gipshaltig (c) sein, also einen Kalk- bzw. Gipsgehalt von ≥ 75 Masse-% haben. Oft wird das vorangestellte c weggelassen, da es für die Ansprache als Rendzina obligatorisch ist. Zum Teil ist der C-Horizont angewittert und wird als Cv bezeichnet (v für verwittert). In der internationalen Bodensystematik WRB gehören Rendzinen zu den Leptosolen, Chernozemen oder Kastanozemen.
  • Rendzina - Eigenschaften Der Ah-Horizont ist in der Regel noch carbonat- oder gipshaltig. Dadurch liegt der pH-Wert meist im saurem Bereich zwischen 5 und 7. Da der Rückstand der Lösungsverwitterung vor allem aus Ton besteht, ist die Bodenart der Rendzinen fein mit bis zu 60 Masse-% Ton. In dem Ton sind prinzipiell auch sehr viele Nährstoffe enthalten, so dass die Kationenaustauschkapazität hohe Werte von bis zu 40 cmol+ erreicht. Als weitere Besonderheit kann das sehr hohe Porenvolumen betrachtet werden. Während es in durchschnittlichen Böden bei 45 Vol-% liegt, sind in Rendzinen bis zu 70 Vol-% möglich. Dies sorgt für eine hervorragende Belüftung, Bearbeitbarkeit und Entwässerung der Standorte. Durch den hohen pH-Wert, die Nährstoffe und die Poren bieten die Böden ideale Bedingungen für Bodenlebewesen. Eingetragenes organisches Material wird sehr schnell abgebaut und vollständig in den Boden eingearbeitet. Der Humus liegt in der Form Mull vor und hat damit die höchste mögliche Qualität. Der gesamte A-Horizont ist sehr humusreich (oft 10-20 Masse-%) und weist eine hervorragende, lockere Krümelstruktur auf.
  • Rendzina - Nutzung Trotz der oben genannten guten Grundbedingungen sind Rendzinen aufgrund ihrer Flachgründigkeit für die landwirtschaftliche Nutzung nur bedingt geeignet. Einerseits wird die mechanische Bodenbearbeitung behindert. Andererseits fehlt ein ausreichendes Bodenvolumen für die Wasserspeicherung oder Nährstoffversorgung, so dass die Standorte eher karg sind. Durch die lockere Lagerung mit hohem Porenvolumen neigen die Böden prinzipiell zur schnellen Austrocknung. Insbesondere an Südhängen und in niederschlagsarmen Wintern sind sie sehr dürregefährdet. Für die Pflanzen gibt der geringmächtige Ah-Horizont kaum Wurzelraum. Nicht zuletzt liegen Rendzinen meist an Hängen mit mehr oder weniger starker Neigung. Bei einer Flächennutzung tritt daher oft Bodenerosion auf. Zu Zeiten der Pferdepflüge lag die Pflugtiefe bei etwa 15-20 cm. Diese Tiefe erlaubte häufig die landwirtschaftliche Nutzung von Rendzinen ohne den steinigen Untergrund zu berühren. Der regelmäßige Kontakt von Pflug und Kalksteinen sorgte für schnarrende Geräusche, was zur Namensgebung des Bodentyps führte. Durch die Einführung großer Landmaschinen wurde die Pflugtiefe auf etwa 30 cm gesenkt, so dass die Flachgründigkeit häufig zu Problemen führte. So lange die Erosion und die Wasserversorgung im Griff sind, können auf Rendzinen hohe Erträge erwirtschaftet werden. Wegen der zahlreichen Probleme werden Rendzinen heute aber nur noch selten als Acker genutzt. Teilweise, vor allem in den Karstgebieten, sind Weiden zu finden, auf denen bei extensiver Nutzung ein aus Naturschutzsicht wertvoller Kalkmagerrasen vorkommt. Mähweiden sind seltener, da hervorstehende Steine den Mähbalken gefährden können. Eine in Mitteleuropa typische Nutzung ist die forstwirtschaftliche. Rendzinen sind klassische Standorte für Buchenwälder.
  • Regosol Ein Regosol (von griech: "rhegos" = Decke, bedecken) ist ein flachgründiger Boden, der sich in einem frühen Stadium der Bodenentwicklung auf kalkfreiem bis kalkarmem Lockermaterial bildet; dies ist klassischerweise Sand. Der Bodentyp weist zwei Horizonte auf und wird in die Klasse R (Ah/C-Böden) eingeteilt. Seine Abkürzung lautet RQ.
  • Regosol - Entstehung Sand ist das klassische Ausgangsmaterial für Regosole, da andere kalkarme bis kalkfreie Lockermaterialien äußerst rar sind. Wenn dieser an der Oberfläche ansteht, so liegt vorerst nur ein Horizont („reiner Sand“) vor. Sobald sich eine Besiedlung mit Pflanzen einstellt, kommt es zur Bildung von Humus, so dass sich an der Oberfläche ein zweiter Horizont („humoser Sand“) bildet. Dieses Anfangsstadium wird als Lockersyrosem bezeichnet. Sobald der humose Horizont eine Mächtigkeit von über 2 cm erreicht, ist der Boden ein Regosol. Damit ist die Bodenentwicklung aber nicht abgeschlossen. Im weiteren Verlauf kommt es durch die Verwitterung zur Verbraunung und Verlehmung, so dass sich ein B-Horizont bildet und das Folgestadium erreicht wird (nährstoffarme Braunerde). Am Ende der Bodenentwicklung steht der Podsol.
  • Regosol - Verbreitung In Mitteleuropa kommen Regosole nur auf jungen Oberflächen vor, da sie sich im Zug der Bodenentwicklung relativ schnell zu Braunerden und Podsolen weiterentwickeln. Längerfristige oder gar dauerhafte Regosole gibt es nur auf erosionsanfälligen Standorten. Das sind in erster Linie Küstendünen im Stadium der Graudüne. Darüber hinaus sind Regosole heutzutage aufgrund menschlicher Tätigkeit allgemein weit verbreitet. In erster Linie auf erodierten Flächen durch unangepasste Nutzung. Auch Materialverlagerungen im Zuge des Tiefbaus oder Truppenübungsplätze mit sandigem Untergrund können genannt werden. Weltweit sind Regosole in Trockengebieten mit sandigen Wüsten und Halbwüsten weit verbreitet. Dort sind sie wegen der geringen Biomasseproduktion und der ständigen Winderosion auch häufig das Endstadium der Bodenbildung.
  • Regosol - Horizontierung Der Regosol besitzt laut Deutscher Bodensystematik die Horizontierung Ah/ilC. Ah: Der Oberbodenhorizont (A) ist humos (h). Er besitzt eine Mächtigkeit von mindestens 2 cm und maximal 40 cm (durchschnittlich 10–20 cm). Unter landwirtschaftlicher Nutzung kann auch die Bezeichnung Ap (p = gepflügt) vorkommen. ilC: Das Ausgangsmaterial (C) ist locker (l) und kalkarm bis kalkfrei (i = silikatisch; ≤ 2 Gew.% Kalk). In der Regel handelt es sich um Sand. Das Material ist weitgehend unverwittert und muss eine Mächtigkeit von mindestens 30 cm haben. In der internationalen Bodensystematik WRB gehören Regosole teilweise zur Referenzbodengruppe der Arenosole, größtenteils aber zur gleichnamigen Gruppe der Regosole.
  • Regosol - Eigenschaften Sand kann kaum Wasser und Nährstoffe speichern. Von daher sind Regosole Risikostandorte für Trockenstress und Nährstoffmangel. Wegen des Einzelkorngefüges von Sand ist das Material sehr erosionsanfällig. Vorteile von Sand sind eine gute Bearbeitbarkeit, Durchwurzelbarkeit, Durchlüftung und Erwärmbarkeit. Der pH-Wert kann stark schwanken. Auf den meisten Sanden sind sie sehr niedrig; nur an Küsten wegen der Muschelschalen sehr hoch. Durch die niedrige Nährstoffhaltefähigkeit von Sand kommt es aber zu einer schnellen Entkalkung, so dass die Werte mit der Zeit sinken.
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  • Regosol - Nutzung Regosole sind prinzipiell landwirtschaftlich nutzbar. Wegen der Eigenschaften des sandigen Ausgangsmaterials (Nährstoffarmut, niedrige pH-Werte, Erodierbarkeit und geringen Wasserhaltefähigkeit) sind die Ertragserwartungen aber gering und unsicher. Im Anbau befinden sich Kulturen mit geringen Ansprüchen (Roggen), solche die lockere, warme Böden bevorzugen (Spargel, Kartoffeln) oder Generalisten (Mais). Mögliche Maßnahmen zur besseren Ackernutzung sind z.B. Bewässerung, regelmäßige und angepasste Düngung oder Humusanreicherung durch Organische Düngung (Verbesserung der Haltekapazität von Nährstoffen und Wasser). Insbesondere der Erosionsschutz muss beachtet werden, vor allem wenn der vorliegende Regosol erst durch Erosion entstanden ist. Sandböden werden in Mitteleuropa oft forstwirtschaftlich genutzt (Kiefern). In den Dünengebieten der Küsten ist eine Nutzung weder möglich, noch zweckmäßig. Der Dünengürtel ist wichtig für Natur- und Küstenschutz.
  • Terra fusca Die Terra fusca (von lat. terra‚ Land, Erde‘ und fuscus ‚braun‘), auch Kalksteinbraunlehm genannt, ist ein Bodentyp, der sich auf einem Untergrund aus Kalkstein oder Gips entwickelt. Sie ist ein plastischer, tonreicher und dichter Boden, der durch die Anreicherung von Lösungsrückständen aus einer durch Kalk- oder Gipslösung entstandenen Rendzina hervorgeht.
  • Terra fusca - Entstehung Die Ursache der Entstehung einer Terra fusca ist die Lösung des unterlagernden Karbonatgesteins. Das lösliche Carbonat in Kalkgesteinen (Kalkstein, Dolomit) und Gipsgesteinen (Gips, Anhydrit) wird durch Lösung abgeführt, zurück bleiben die unlöslichen Anteile, also meist Silikate wie etwa Tonminerale. Die oft leuchtende Färbung kann die ursprüngliche Farbe des Lösungsrückstandes sein, in den meisten Fällen geht sie jedoch auf eine Verbraunung zurück, also eine Freisetzung des in den Carbonaten und Silikaten gebundenen Eisens, das anschließend oxidiert wurde. Die Bildung von Terrae fuscae findet unter den heutigen Klimaverhältnissen in Mitteleuropa nicht mehr statt, so dass derartige Böden als Bodenbildungen aus der Zeit des Tertiärs bis Altpleistozäns angesehen werden. Die Terra fusca kommt in Mitteleuropa nur auf alten Landoberflächen fern von aktiver Erosion, etwa durch Flüsse, vor. Solche Verhältnisse finden sich zum Beispiel auf den mesozoischen Kalken des süddeutschen und schweizerischen Jura. Verschiedentlich treten dort in den Bodenbildungen so genannte Bohnerze auf. Dies sind kleine kugelförmige Konkretionen aus Eisen, deren Entstehung noch nicht vollständig geklärt ist. Ebenso ungeklärt ist, ob die Bildung dieser Konkretionen nur auf die lange Zeit der Verwitterung zurückzuführen oder ob das tropische Klima des Tertiärs die Hauptbildungsursache ist.
  • Terra fusca - Horizontierung Die Terra fusca weist die Bodenhorizonte Ah/Tv/cC auf. Der oberste Horizont ist ein mineralischer Bodenhorizont (A) mit einem deutlichen Humusanteil (h), der jedoch unter 30 Masseprozent liegt. Unter dem A-Horizont ist ein mindestens 10 bis 30 Zentimeter mächtiger mineralischer Unterbodenhorizont aus Lösungsrückstand von Carbonatgesteinen ausgebildet (Tv statt üblichem B-Horizont). Dieser Lösungsrückstand besteht zu mehr als 65 Masseprozent aus Ton (Residualton), meist mit den Tonmineralen Illit und Kaolinit als Hauptbestandteile. Die leuchtend gelbliche bis rotbraune Farbe des T-Horizontes ist in der Regel das Ergebnis eines reliktischen oder rezenten Verbraunungsprozesses (v). Zudem weist er ein ausgeprägtes Polyedergefüge auf. Er ist sauer, besitzt also einen niedrigen pH-Wert, und geht über eine Übergangszone aus aufgelockertem Festgestein in den C-Horizont aus massivem (m) carbonathaltigem (c) unverwittertem (n) Festgestein über (cmCn). Die Terra fusca gehört nach der Bodenkundlichen Kartieranleitung wie die Terra Rossa zur Klasse C, den Terrae calcis. Im WRB-System wird der Bodentyp der Terra fusca nicht eigens erwähnt, hier gehört die Terra fusca zur Hauptklasse der Cambisole.
  • Terra fusca - Eigenschaften Die Terra fusca ist aufgrund des hohen Tongehaltes sehr dicht und schwer zu bearbeiten, zumal sie oft im Wechsel mit steinreichen, flachgründigen Böden vorkommt. Ihr Humusgehalt variiert. Besonders bei schlechter Durchlüftung und unter kühlfeuchtem Klima kann es zu einer starken Humusanreicherung kommen. Die Terra fusca besitzt eine hohe Wasserkapazität, deren durch Pflanzen nutzbarer Anteil jedoch durch den hohen Tongehalt im Tv-Horizont des Bodens eingeschränkt ist. Aufgrund dieser Eigenschaften wird sie vorwiegend als Wald- oder Weideland genutzt.
  • Terra Rossa Terra Rossa ist ein – etwa im Mittelmeerraum häufig anzutreffender – Bodentyp von leuchtend roter Farbe. Obwohl humusarm, ist der auch als Kalksteinrotlehm bezeichnete Boden bei ausreichender Wasserversorgung relativ fruchtbar.
  • Terra Rossa - Horizontierung Als Horizontenfolge wird Ah - Tu - cC genannt. Ah: Nach unten hin abnehmender mineralischer Oberbodenhorizont mit nur wenig Humus (max: 10 %), da dieser im Winter wegen des fehlenden Frostes abgebaut wird. Tu: Carbonatgestein (Kalkstein oder Dolomit) hat sich im Regen oder Bodenwasser gelöst und die darin enthaltenen Verunreinigungen, Tonminerale, bleiben zurück und bilden mit einem Gehalt von über 50 Masse-% den Hauptbestandteil dieser Horizontschicht. Sie hat eine braunrote Farbe, was auf eine Anreicherung mit Hämatit (bis > 5 %) zurückzuführen ist. cC: Bodenhorizont aus tonigem Rückstand von Carbonatgesteinen (Kalkstein oder Dolomit) mit mehr als 75 Masse-% Sekundärcarbonat angereichert.
  • Terra Rossa - Entstehung & Eigenschaften Die für diesen Boden verantwortlichen bodenbildenden Prozesse fanden meist schon im Tertiär vor max. 15 Mio. Jahren statt und bestanden vor allem aus Auswaschung der im Ausgangsgestein enthaltenen Carbonate bei gleichzeitiger Konzentration der Eisenanteile, wodurch die rote Farbe zustande kam. Man vermutet, dass dieser Prozess den Endzustand der Bodenbildung der Rendzina darstellt. Neuere mineralogische und chemische Analysen zur Entstehung der Terra Rossa im Mittelmeerraum weisen hingegen den Eintrag von rotem mineralischem Staub aus der Sahara- und Sahel-Region nach, der zwischen 12.000 und 25.000 Jahren erfolgte. [1] [2] Damit wäre der Bodentyp deutlich jünger und die bisher diskutierten möglicherweise beteiligten Bodenbildungsprozesse müssten um einen weiteren Punkt ergänzt werden: Theorie der autochthonen nicht-karbonatischen residualen Anreicherung: Der Boden entsteht als Produkt der nicht-karbonatischen Verwitterung des zugrundeliegenden Karbonatgesteins Aszendenztheorie: Anhäufung von Eisen- und Aluminiumhydroxid (Sesquioxide) durch kapillaren Aufstieg vom Gesteinsuntergrund Theorie der allochthonen Bodenanreicherung: Boden wurde allochthon gebildet, z.B. durch Eintrag aeolischen Staubs Die wissenschaftliche Klassifizierung der Terrae Rossae Böden ist nicht eindeutig; die FAO ordnet sie den Chromic Luvisols (also den gefärbten Luvisolen) zu, während sie in der europäischen Bodenkunde zusammen mit dem Bodentyp Terra fusca in die Klasse Terrae calcis gehört. Die Klasse Terrae calcis zählt zusammen mit z. B. Braunerden, Schwarzerden zur Abteilung der Terrestrischen Böden.
  • Podsol Der Podsol (aus dem Russischen подзол, von под pod „unter“, зола zola „Asche“, frei übersetzt „Ascheboden“), auch Bleicherde oder Grauerde genannt, ist ein saurer, an Nährstoffen armer bzw. verarmter Bodentyp in einem feuchtkalten oder feuchtgemäßigten Klima.
  • Podsol - Entstehung Die Entstehung von Podsolen bezeichnet man als Podsolierung. Sie bilden sich aus quarzreichen Ausgangsgesteinen wie Sandstein, Granit oder aus lockeren, ebenfalls quarzreichen Sanden, wie z.B. Dünensand. Der geringe Gehalt an verwitterbaren Mineralen führt einerseits zu einem Mangel an Tonmineralen und andererseits zu geringem Puffervermögen gegenüber der Bodenversauerung. Aufgrund des niedrigen pH-Wertes kommt es zu einer abwärts gerichteten Verlagerung (Auswaschung) von Eisen- und Aluminiumhydroxid sowie Huminstoffen mit dem Sickerwasser aus dem Ober- in den Unterboden. Dort werden, bei etwas höheren pH-Werten, die Eisen-, Aluminium- bzw. Humusverbindungen wieder ausgefällt bzw. fixiert. Es entsteht ein ausgeblichener, stark verarmter Oberbodenhorizont (Ae-Horizont) und ein mit Eisenverbindungen und/oder Humus stark angereicherter Unterbodenhorizont (Bs, Bh oder Bsh-Horizont). Die Entwicklung dauert bis zu 1000 Jahre. Der grobporige (wasserdurchlässige) und nährstoffarme Podsol (wenig Humus im Mineralboden) weist aufgrund des niedrigen pH-Wertes ein geringes Bodenleben auf. Dies führt in natürlichem Zustand unter Wald zu einer schwer abbaubaren, mächtigen Rohhumusauflage, die aufgrund ihrer geringen Mineralisierung nur in geringen Mengen pflanzenverfügbare Nährstoffe liefert. Die wasserstauende Ortsteinschicht behindert das Wurzelwachstum. Durch Kalkung und intensive Humuswirtschaft mit Grün- und Stalldüngung kann die Fruchtbarkeit des leicht zu bearbeitenden Podsols deutlich verbessert werden.
  • Podsol - Nutzung In der Agrarwirtschaft gehören die Podsole zu den ertragsarmen Böden. Sie sind sandig, nährstoffarm und sauer, haben also Eigenschaften, die einem optimalen Wachstum der meisten Nutzpflanzen entgegenstehen. In Gegenden mit hohem Anteil von Podsolböden war in der Vergangenheit die Bevölkerung häufig vom Hunger bedroht. Zur Bodenverbesserung wendete man in Nordwestdeutschland auf solchen Böden das Plaggen an, so dass die Podsole allmählich in Plaggeneschböden umgewandelt wurden. Heute ist es mit gleichmäßig hohen Düngegaben und eventuell mit Beregnung möglich, auch auf Podsolen ertragreich zu wirtschaften. Da Podsole jedoch zur Auswaschung neigen, besteht die Gefahr, dass Dünger und Pflanzenschutzmittel ins Grundwasser gelangen können. Gebiete mit überwiegendem Podsolanteil, wie z.B. Sanderflächen oder Gebiete mit periglaziärer oder holozäner Flugsandsedimentation (Binnendünen), sind heute meistens mit Wald bestockt.
  • Podsol - Verbreitung Der Podsol ist der typische Boden der borealen Nadelwälder und daher auf der Nordhemisphäre einer der am weitesten verbreiteten Bodentypen überhaupt. Das geringe Nährstoffangebot und die niedrigen pH-Werte bieten für Nadelbaumarten wie Kiefer, Fichte und die verschiedenen Lärchenarten noch ausreichend günstige Lebensbedingungen. Außerhalb der borealen Nadelwälder sind Podsole aber auch in der gemäßigten Mischwaldzone auf quarzreichen Gesteinen weit verbreitet. Typische Podsolgebiete Mitteleuropas sind die Sander und trockenen Urstromtäler Niedersachsens sowie die großflächigen Granit- und Gneisvorkommen in den Mittelgebirgen.
  • Podsol - typische Horizontfolgen Humusauflage (Rohhumus) Ae - gebleichter Auswaschungshorizont Bhs - Sesquioxidanreicherungshorizont (Humus (Bh) eingewaschen) C - Ausgangsgestein Normpodsol (Eisenhumuspodsol) Ahe - Auswaschungshorizont mit leichtem Humusgehalt Ae - gebleichter Auswaschungshorizont Bsh - Humusanreicherungshorizont mit erkennbarer Sesquioxidanreicherung Bhs - Sesquioxidanreicherungshorizont mit erkennbarer Humusanreicherung C - Ausgangsgestein Eisenpodsol Ahe - Auswaschungshorizont mit leichtem Humusgehalt Ae - gebleichter Auswaschungshorizont Bs - Sesquioxidanreicherungshorizont C - Ausgangsgestein Humuspodsol Ahe - Auswaschungshorizont mit leichtem Humusgehalt Ae - gebleichter Auswaschungshorizont Bh - Humusanreicherungshorizont C - Ausgangsgestein
  • Plaggenesch Der Plaggenesch ist ein fast ausschließlich auf den Raum Nordwestdeutschland beschränkter Bodentyp, der durch eine über Jahrhunderte durchgeführte Plaggendüngung entstand. Da die Entstehung dieses Bodens auf menschlicher Tätigkeit basiert, wird er in der Deutschen Bodensystematik in die Klasse Y (anthropogene Böden) eingeordnet. Seine Abkürzung lautet YE.
  • Plaggenesch - Entstehung Plaggenesche sind durch eine spezielle Bewirtschaftung zur Bodenverbesserung entstanden, der Plaggenwirtschaft. Auf nährstoffarmen Sandböden, wie sie im Raum der nordwestdeutschen Geest typisch sind, bilden sich bei mittleren bis hohen Niederschlägen in der Regel Podsole, die keine guten Ackerstandorte sind. Diese Flächen wurden von den Ackerbauern so lange wie möglich gemieden. Als aber der Bevölkerungsdruck im Mittelalter etwa ab dem Jahr 1000 stark stieg, wurde eine Inkulturnahme dieser geringwertigen Areale notwendig. Die Erträge dieser Felder waren marginal und unsicher. Das völlige Fehlen mineralischer Dünger machte es notwendig, andere Formen der Düngung zu entwickeln, um die Ertragshöhe und -sicherheit zu gewährleisten. Neben der damals üblichen Dreifelderwirtschaft wurde im Raum Nordwestdeutschlands hierzu die Plaggenwirtschaft entwickelt: Einige wenige dorf- oder hofnahe Fluren (in Norddeutschland als Esch bezeichnet) wurden regelmäßig mit Gras- oder Heideplaggen gedüngt. Als Plaggen wird abgestochener, humoser (Gras)Oberboden mit Teilen der darauf befindlichen Vegetation und Streu bezeichnet. Die Plaggen wurden ortsfern in den so genannten „gemeinen Landen“ (im Osnabrücker Land „Mark“) gewonnen, in den Ställen zunächst etwa ein Jahr als Einstreu genutzt und anschließend zusammen mit dem Mist, Asche und Küchenabfällen auf die Felder gebracht. Das Ende der Plaggenwirtschaft erfolgte schlagartig zu Beginn des 20. Jahrhunderts: Mit der Einführung der Minderaldünger wurde die arbeitsintensive Arbeit mit den Plaggen überflüssig. Spätestens seit den 1930er Jahren wird der Plaggenhieb nicht mehr praktiziert. Die Plaggenesche dürften unter Ackernutzung noch längere Zeit erhalten bleiben. Man muss aber bei diesem Bodentyp bedenken, dass er nicht mehr aktiv neu geschaffen wird und sich somit in einer Phase der Degradierung befindet. Bei ausbleibender Plaggenwirtschaft wird er sich auf längere Sicht wieder in Richtung Podsol entwickeln.
  • Plaggenesch - Verbreitung Plaggenesche sind weltweit nur sehr kleinflächig vorzufinden, denn ihre Verbreitung ist an die ehemalige Bewirtschaftung gebunden. Genauer betrachtet sind sie eine regionale Besonderheit des nordwestdeutschen Raums mit einem Schwerpunkt um Osnabrück und Cloppenburg. Hier nehmen sie große Flächenanteile von bis zu 20 % ein. Sie kommen aber in Mitteleuropa bis ins Ruhrgebiet sowie in Belgien, den östlichen Niederlanden und Dänemark vor. Darüber hinaus gibt es analoge Vorkommen auf den Orkneys und einigen Shetlandinseln.
  • Plaggenesch - Eigenschaften Die beständige Materialzufuhr bewirkte eine Aufhöhung der Geländeoberfläche und die Entstehung tiefgründig humoser Esch-Horizonte, die in der deutschen Bodensystematik eine eigene Bezeichnung besitzen (E-Horizont). Die Anhebung des Bodenlevels erfolgte mit einer Geschwindigkeit von etwa einem Millimeter pro Jahr Plaggenwirtschaft. Ein 40 cm mächtiger E-Horizont muss demnach über mindestens 400 Jahre geplaggt worden sein. Da immer die gleichen Flächen geplaggt wurden, kam es mit der Zeit zu abrupten Höhenänderungen (Eschkanten). Diese können durchaus 1 m betragen. Der fremde Mineralboden führte oft zu einem Wechsel der Bodenart. Über dem Ausgangsmaterial Sand finden sich häufig schluffigere Bereiche. Die Düngewirkung von Mist, Asche und Küchenabfällen ist auch Jahrzehnte nach Ende der Plaggenwirtschaft nachweisbar: Die Eschhorizonte besitzen bis heute eine signifikante Erhöhung der Nährstoffe Phosphor (Sand des Podsols: < 20 mg P/100 g Boden; E-Horizont: 400-1000 mg P/100 g Boden) und Kalium, wobei der Phosphor mit dem Mist der Tiere und das Kalium mit der Asche zugeführt wurden. Die Anhebung des Stickstoffgehalts lässt sich wegen der schnellen Auswaschung dieses Nährelements nicht mehr ermitteln. Mit den Plaggen gelangten auch sogenannte Artefakte wie Ziegel- oder Keramikbruchstücke in die Böden. Geradezu typisch ist die im gesamten E-Horizont eingestreute Holzkohle aus der Asche. Durch den hohen Gehalt an organischer Substanz wurde nicht nur der Nährstoff- sondern auch der Wasserhaushalt der Böden verbessert.
  • Plaggenesch - Horizontierung Die Deutsche Bodensystematik ist die einzige weltweit, die Plaggenesche als eigenen Bodentyp ausweist. In ihr gehören sie zur Klasse Y der terrestrischen anthropogenen Böden. Um einen Boden als Plaggenesch auszuweisen, muss die kombinierte Mächtigkeit des A- und des E-Horizonts mindestens 40 cm betragen. Ist dieser Bereich geringmächtiger, so erfolgt die Bezeichnung als "mit Eschauflage". Die Horizontierung lautet: Ap/E/IIf... Ap: Oberbodenhorizont (A) unter Ackernutzung (p: gepflügt). Teilweise sind Plaggenesche auch nicht ackerbaulich genutzt. In diesem Fall steht an der Oberfläche ein Ah-Horizont (humoser (h) Oberboden). Der A-Horizont ist von Humus dunkel-schwarz gefärbt. E: E ist der eigentliche Eschhorizont. Er entstand durch die langjährige Plaggenwirtschaft und ist durchgängig von Humus dunkel verfärbt. Stammten die Plaggen aus Rasensoden, so geht die Farbe ins bräunliche, da das organische Material leicht zersetzbar war und die Mineralisation stärker vorangeschritten ist (Brauner Esch). Plaggen aus Heideflächen bewirkten dagegen eine graue Färbung. In ihnen sind die Zersetzungsbedingungen schlechter, so dass die Humifikation überwiegte (Grauer Esch). Waldplaggen können beide Farben entwickeln. Der E-Horizont enthält in aller Regel sichtbare Artefakte (Holzkohle, Ziegelbröckchen...). Im Labor muss ein stark angehobener Phosphorgehalt nachgewiesen werden. IIf...: Unter dem E-Horizont liegt der ursprüngliche, begrabene Boden (f: fossil). Da es sich oft um anderes Bodenmaterial handelt, kann ein Schichtwechsel (II) anstehen. Die ... stehen für die je nach Standort variablen Horizonte des überdeckten Bodens. Bei dem häufig anstehenden Podsol sind dies meist die Horizonte fAe, fBhs, Bv und C (siehe auch unter Podsol). In der internationalen Bodensystematik (World Reference Base for Soil Resources) gehören die Plaggenesche zu den plaggic, hortic oder terric Anthrosolen.
  • Plaggenesch - Nutzung Plaggenesche sind bis heute klassische Ackerstandorte. Aufgrund der hohen Sandgehalte handelt es sich um gut wasserdurchlässige, nährstoffarme Standorte. Zur Erzielung zufriedenstellender Erträge ist eine ausreichende, regelmäßige Düngung Voraussetzung. Die über Jahrhunderte betriebene Plaggenwirtschaft sorgte aber für eine starke Aufwertung der Standorte, die im Schnitt zu einer geschätzten Verdopplung der Bodenwertzahl und vor allem zu sichereren Erträgen führte. Früher war die klassische Anbaufrucht der Roggen. Durch die ortsnahen Lagen der Plaggenesche ist dieser Bodentyp oft durch Überbauung verschwunden. In vielen Siedlungen weisen noch Straßennamen wie "Am Esch" oder "Auf dem Esch" auf die ehemalige Eigenschaft dieser Flächen hin.
  • Syrosem Der Begriff Syrosem stammt aus dem Russischen und bedeutet rohe Erde. Es handelt sich um einen Bodentyp aus der Klasse der terrestrischen Rohböden, der am Anfang der Bodenentwicklung auf Festgestein steht. Teilweise ist auch die Bezeichnung Schuttboden gebräuchlich. In der Bodenkunde wird er mit OO abgekürzt.