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Psychische Stoerungsbilder im Kinder- und Jugendalter (Fach) / Depressive Stoerungen im Kindes- und Jugendalter (Lektion)

Depressive Stoerungen im Kindes- und Jugendalter

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  • Epidemiologische Daten 6-12 Monatspraevalenz Kindesalter: 2% w=m Jugendalter: 4-8% Fruehes Erwachsenenalter: 8-10%, wobei w>m 14-24 Jaehrige: LZP 10,1% (Wittchen, 1998) Suizid-Inzidenz mittleres Jugendalter am hoechsten Suizide im Jugendalter neben Verkehrsunfaellen zweithaeufigste Todesursache Suizidrate 15-18Jaehrige: m:9,68; w:2,48 Onset: fruehes und mittleres Jugendalter Dauer: einige Wochen bis Jahre (im Mittel 3-9 Monate) Kinder/Jugendliche genesen schneller als Erwachsene (Besserung nach 1-2 Jahren in 90% der Faelle) Risiko einer erneuten Depression: 25% nach einem Jahr; 75% nach fuenf Jahren
  • ICD-10: F32 Kriterien einer Depression im Kindes- und Jugendalter Hauptsymptome (min. 2 Wochen) Depressive Stimmung Interessenverlust/Freudlosigkeit Kein Antrieb/gesteigerte Ermuedbarkeit Zusatzsymptome: Vermindertes Selbstwertgefuehl/Schuldgefuehle Wiederkehrende Gedanken an den Tod Konzentrations-/Aufmerksamkeitsprobleme Psychomotorische Agitiertheit/Hemmung Schlafstoerung Appetitverlust Morgentief/Gewichtszunahme/-abnahme/Libidoverlust Leicht: 4 (2HS); mittelgradig: 5-6 (2HS); schwer: 7(3HS) -> ICD-10 stellt keine eigene Kategorie zur Codierung   von depressiven Stoerungen im Kindes- und Jugendalter zur Verfuegung; F92 nur kombinierte Stoerung mit depressiver Symptomatik Zusaetzliche Symptome: koerperliche Beschwerden wie Kopf-, Muskel-, Magenbeschwerden oder Muedigkeit Gelangweiltsein Trennungsaengste kein Interesse am Kontakt mit Gleichaltrigen Alkohol- oder Drogenmissbrauch soziale Isolation Angst vor dem Tod erhoehte Reizbarkeit Beziehungsprobleme Depressive Kinder:eher Angstsymptome, koerperliche Beschwerden, Alptraeume, Verhaltensprobleme als Erwachsene -> untypisches Erscheinungsbild; psychotische Symptome seltener als im EA Fruehestens ab mittlerer Kindheit: Niedriges Selbstwertgefuehl und Schuldgefuehle Depressive Jugendliche: Eher Schlaf/Appetitstoerungen, Suizidgedanken -und Versuche, weniger vegetative Symptome Verlauf: Rueckfall innerhalb von 2 Jahren: 40%; innerhalb von 5 Jahren 20% einen Rueckfall; mit fortschreitendem Verlauf werden komorbide Stoerungen wahrscheinlicher     
  • Wichtige psychische Stoerungen mit depressiver Symptomatik F31 Bipolare affektive Stoerungen F32 Depressive Episode F33 Rezidivierende depressive Episode F34 anhaltende depressive Stoerungen (u.a. Dysthimia) -> nur einjaehrige Symptomdauer F43.2 Reaktionen auf schwere Belastungen und Anpassungsstoerungen F92.0 Stoerungen des Sozialverhaltens und depressiver Stoerung F92.8 Kombinierte Stoerung des Sozialverhaltens und der Emotionen Bipolar affektive Stoerung im Kindesalter sehr selten; Vergabe einerMajor Depression umstritten Hypomanie? Stimmungsschwankungen haeufig eher die Regel, als die Ausnahme (Trotzalter, Pubertaet)
  • Veraenderung der Symptome im Entwicklungsverlauf Kleinkindalter (1-3 Jahre): Wirkt traurig, ausdrucksarmes Gesicht, erhoehte Irritabilitaet, gestoertes Essverhalten, Schlafstoerungen, selbststimulierendes Verhalten: Jactatio capitis, exzessives Daumenlutschen, geniale Manipulationen, auffaelliges Spielverhalten: reduzierte Kreativitaet und Ausdauer, Spielunlust Vorschulalter (3-6): Trauriger Gesichtsausdruck, verminderte Gestik und Mimik, leicht irritierbar und aeusserst stimmungslabil, mangelnde Faehigkeit sich zu freuen, introvertiertes,aber auch aggressives Verhalten, vermindertes Interesse an motorischen Aktivitaeten, Essstoerungen bis zu Gewichtsverlust/- zunahme, Schlafstoerungen, Alptraeume, Ein- und Durchschlafstoerungen Schulkinder: Verbale Berichte ueber Traurigkeit, suizidale Gedanken, Befuerchtung, dass Eltern nicht genuegend Beachtung schenken, Schulleistungsstoerungen Pubertaet und Jugendalter: Vermindertes Selbstvertrauen, Apathie, Angst, Konzentrationsmangel, Leistungsstorungen, zirkadine Schwankungen des Befindens, Kriterien der depressiven Episode
  • Komorbiditaet: Primaere oder sekundaere Depression? Bezug zu anderen Stoerungen Schizophrenie Anorexia Nervosa Bulimia Nervosa Angststoerungen Zwangsstoerungen Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstoerungen Stoerungen im Sozialverhalten Entwicklungsstoerungen (LRS, Legasthenie) Persoenlichkeitsstoerungen Drogen- und Alkoholabusus Hirnorganische Erkrankungen Chronische koerperliche Erkrankungen Schlafstoerungen Intelligenzminderung (Ueberforderung) Erschoepfungssyndrom durch chronische Belastung Autistische Stoerung Asperger Syndrom
  • Erklaerungsansaetze depressiver Symptome Unerwuenschte Wirkungvon MedikamentenGenetische PraedispositionTraumatische Erfahrungen,Deprivation, Verlussterlebnisse,HilflosigkeitPhysiologische, organischeEinfluesse (z.B. Schilddruesen-dysfunktion)Persoenlichkeitsfaktoren(z.B. Schuechternheit, Angst- Besonderheiten im Neuro-neigung) transmittersystem (NA, 5-HAT)Aktuelle psychosoziale Bela-stungen (Trennung, Schul-versagen)Physikalische Einwirkungen(Lichtentzug)
  • Erklaerungsansaetze depressiver Symptome Genetische Risikofaktoren Risiko 1 Elternteil bereits erkrankt: 20%; Beide Elternteile erkrankt: 50%; Hereditaet: 33%-45% Erkrankung der Eltern induziert psychopathologisches Umfeld, welches depressives Verhalten, entsprechende Erziehungs- und Lernprozesse beguenstigt; spezifisches elterliches Verhalten und Umweltfaktoren
  • Persoenlichkeitsfaktoren Dynamik und Variabilitaet z.B. durch Entwicklungsaufgaben Gehemmtes, stilles, ruhiges Temperament im Alter von 3 Jahren Praediktor fuer spaetere Depression Judenliche: Korrelationen zwischen Eigenschaften wie Unflexibilitaet, geringe positive Grundstimmung, Rueckzugstendenzen, geringe Konzentrationsfaehigkeit und depressiver Symptome (Garber, 2006) Depressogener Effekt von Prae/Postfaktoren: dysfunktionale Gedanken, Pessimismus, Selbstwertprobleme, internalisierte Probleme, geringes Selbstvertrauen Theorien zur Depressionsentstehung (Brown, 2005)Bindung Unsichere, fruehkindliche Bindungen fuehren zu verzerrten und unsicheren Arbeitsmodellen von sich  und anderen  Verhalten Verstaerkung durch angenehme und positive Erlebnisse geht verlorenKognitiv Die eigene Person, die Umwelt und die Zukunft werden verzerrt und betont negativ wahrgenommen und bewertet Selbstkontrolle Moeglichkeit, Verhalten im Hinblick auf laengerfristige Ziele zu organisieren und Faehigkeit zur Selbstbeobachtung, -verstaerkung,  -bewertung sind beeintraechtigt Psychodynamisch Verlorenes Objekt wird introjiziert; Aerger und Wut werden gegen sich selbst gekehrt Interpersonell Mangelnde soziale Fertigkeiten, zwischenmensch- liche Schwierigkeiten und besondere Heraus- forderungen (Todesfaelle, Entwicklungs- uebergaenge) interagieren mit der StimmungSozial undumwelt-Kritische Lebensereignisse und Stress koennen in bezogen Abhaengigkeit sozialer Unterstuetzung und per- soenlicher Fertigkeiten nicht bewaeltigt werdenNeurologisch Besonderheiten in synaptischer Reizuebertragung, im Hormonhaushalt und in der Hirnanatomie beguenstigen Depression oder halten sie aufrechtWechselwirkung Temperament (z.B. Schuechternheit, unguenstige Stimmungsregulation) und Merkmalen des elterlichen Erziehungs- und Bindungsverhaltens (z.B. weniger Zuwendung, Ablehnung, Bestrafung) -> Vulnerabilitaet -> kann sich auf unterschiedlicher Ebene herausbilden (soziale Fertigkeiten und Rueckzug, mangelnde Emotionsregulation, hoeherer Stressempfindlichkeit, negative, kognitive Erwartungs und Bewertungsmuster)
  • Ausloesende Faktoren Psychopathologie der Eltern Armut Alleinerziehendes Elternteil Verlustbezogener Stress Verluste Eltern-Kind-Trennung Elterliche Trennung oder Scheidung Verlust von Freundschaftsbeziehungen Kindesmissbrauch Tyrannisierung Krankheit oder Verletzung Schulwechsel Umzug Schulversagen
  • Suizidalitaet im Kindes- und Jugendalter Suizidales Verhalten im Kindesalter extrem selten Im Jugendalter nach Verkehrsunfaellen zweithaeufigste Todesursache (Nicht enthalten: einige Verkehrsunfaelle in suizidaler Absicht); Nachahmungssuizid (Werther-Effekt) Haeufigste Todesursache: Erhaengen und toedliche Aufprallverletzungen (Schmidt et al., 2002) Risiko: Jungen, komorbide Stoerung des Sozialverhaltens, Stoerung des Substanzgebrauchs Allgemeine Hinweise: Suizidalitaet immer abklaeren Staerkster Praediktor: Hoffnungslosigkeit/Perspektivlosigkeit Konkrete Vorstellung zur Durchfuehrung vorhanden? Deutliche Verhaltensaenderung Vorsicht bei ploetzlich gehobener Stimmung (weniger Hemmung und Traurigkeit)
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  • Diagnostik bei Depression im Kindes- und Jugendalter Multimodales und multimethodales Vorgehen (hohe Komorbiditaet, entwicklungsspezifische Auspraegungen der Symptomatik) Interview mit Kind/Jugendlicher und Eltern; Befragung von Erziehern, Lehrern, Freunden ->depressive Symptomatik haeufig unterschaetzt Befunderhebung insb. bei depressiven Kindern schwierig: Gefuehle nicht differenziert beschreiben, kognitives Niveau, sowie Stimmung Beruecksichtigen   Erhebungsform: Depressionsdiagnostik: Diagnosecheckliste, Selbst- und Fremdbeurteilungsfragebogen -> Bezeichnung: DISYPS-KJ Diagnostik-System fuer psychische Stoerungen im Kindes- und Jugendalter nach ICD-10 und DSM-IV -> Autor/in bzw. Bearbeiter/in dt. Version: Doepfner und Lehmkuhl (1998) -> Alter: Kinder und Jugendliche -> Informationsquelle: Kinder ab 11: Eltern/Lehrer/innen/Erzieher/innen Erhebungsform: Selbstbeurteilungsfragebogen ->Bezeichnung: DIKJ Depressionsinventar fuer Kinder- und Jugendliche-> Autor/in bzw. Bearbeiter/in dt. Version: Stensmeier-Pelster et al. (2000)->Alter: 8-17 -> Informationsquelle:Kind Erhebungsform: Selbstbeurteilungsfragebogen ->Bezeichnung:DTK Depressionstest fuer Kinder Autor/in bzw. Bearbeiter/in dt. Version:Rossmann (1993)-> Alter: 9-14-> Informationsquelle: Kind Erhebungsform: Depressionsdiagnostik im Jugendalter -> Bezeichnung:BDI, ADS, FDD-DSM-IV Autor/in bzw. Bearbeiter/in dt. Version:Hautzinger et al.(1995,1993) Kuehner (1997) -> Alter: ab 16-> Informationsquelle: Jugendlicher Erhebungsform: Erfassung komorbider Stoerungen -> Bezeichnung: Kinder-DIPS, Kiddie-SADS Autor/in bzw. Bearbeiter/in dt. Version:Unnewehr et al. (1995);Kaufmann et al.(1997) -> Alter: Kinder und Jugendliche -> Informationsquelle: Kind
  • Therapie bei Depression im Kindes- und Jugendalter: Geringe Anzahl an Studien zur Wirksamkeit Leichte- mittelgradige Depression: Wirksamkeit belegt fuer KVT und IPT (vgl. Compton et al.,2004; Ihle et al., 2007) (Alter 12-18) Weniger eindeutige Belege fer >12 Jahre Allgemeine Wirkfaktoren beruecksichtigen (Grawe, 2004)
  • Therapiebausteine der KVT zur Behandlung von Depression im Kindes- und Jugendalter Erkennen von Emotionen: Zusammenhang Gedanke und Gefuehl Selbstbeobachtung: Zusammenhang Ereignis, Gedanke, Gefuehl Selbstverstaerkung und Aktivitaetenaufbau: internale Kontrolle durch Selbstverstaerkung Kommunikation und interpersonale Faehigkeiten Soziales Problemloesen Kognitive Umstrukturierung: Modifikation negativer Gedanken und dahinter liegende Schemata
  • Take Home Message Depression im Kindes- und Jugendalter koennen sich auf ganz unterschiedliche Weise manifestieren (Traurigkeit vs. Gereiztheit) Schwierigkeit bei Diagnosevergabe (Major Depression?) Je nach Entwicklungsphase sind die Symptome einer Depression sehr heterogen Suizidalitaet ist in der Kindheit selten und betrifft vor allem das Jugendalter Multimethodales Vorgehen bei der Diagnostik; geeignet sind strukturierte Interviews, Selbst- und Fremdbeobachtungsverfahren Der kognitive Entwicklungsstand ist zentral bei Diagnostik und Therapie Zentrale Bausteine in der Behandlung sind Beziehungsaufbau, Psychoedukation, individuelles Erklaerungsmodell, kognitive, familienbezogene, verhaltensorientierte, emotionsorientierte Techniken