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Psychische Stoerungsbilder im Kinder- und Jugendalter (Fach) / Stoerungen des Sozialverhaltens (Lektion)
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- 1. Erscheinungsbild - Definition Definition Verletzung sozialer Regeln und Prinzipien des Zusammenlebens Ein wiederholendes, andauerndes Muster Dissoziales Aggressives Aufsaessiges Verhalten Verletzung altersentsprechender sozialer Erwartungen
- 1. Erscheinungsbild - Verhaltensweisen Verhaltensweisen Extremes Streiten oder Tyrannisieren Grausamkeit gegen Personen oder Tiere Destruktivitaet gegen Eigentum Zuendeln, stehlen, luegen Schulschwaenzen, weglaufen Wutausbrueche
- 2. Klassifikation Persistierendes Verhalten, das die Grundrechte anderer oder soziale Normen/Gesetze verletzt Min. 6 Monate -> Offen: Wutausbrueche/Zerstoeren/Drohen/verbale oder physische Aggression ->Verdeckt: Luegen, stehlen, betruegen, heimliche Rache, verstecktes Provozieren Reaktive und proaktive Aggression Reaktiv: Explosiv bei Anlaessen, Reaktion auf Erleben von Bedrohnung oder Herabsetzung Proaktiv:Zielgerichtet und funktional; zur Erreichung persoenlicher materieller oder sozialer Vorteile (Dominanz)
- 3. Epidemiologie Epidemiologie Jungs 6%-16%; Maedchen 2%-9% (APA 1996) Lebenszeitpraevalenz 10,2%
- 3. Epidemiologie - Verlauf Oft stabil und progredient -> Stabiler, wenn: Frueher Beginn; Jungen; mehrere Lebensbereiche betroffen -> auch mehr Komorbiditaeten
- 4. Diagnostik Abklaeren, was sich hinter dem aggressiven Verhalten verbirgt Ist das Kind angstmotiviert aggressiv? Ist es bestrebt seine Beduerfnisse egoistisch durchzusetzen? Liegt eine noch akzeptable Form des Sich- Selbstbehauptens vor? -> Erhebliche Konsequenzen fuer therapeutisches Vorgehen Ermittlung aufrechterhaltender und ausloesender Faktoren Aufrechterhaltende Faktoren: Durch bestimmte Verhaltensweisen der Bezugspersonen Ausloesende Faktoren: Durch die Situation Aggressives Verhalten multimodal und multimethodal erfassen
- 4.1. Erhebungsverfahren - Befragung und Beobachtung der Eltern Befragung und Beobachtung der Eltern Mit Hilfe von Checklisten Befragung zum Untersuchungsanlass (z.B. MVL) Systematische Exploration zum Stoerungsbild mittels eines standardisierten Elternexplorationsbogens Beobachtung waehrend der Elternexploration Beurteilung des Interaktionsverhaltens von Mutter und Vater in einer Einschaetzliste durch Therapeuten
- 4.1. Erhebungsverfahren - Befragung des Kindes Befragung des Kindes Kontaktaufnahme zum Kind und Exploration Intelligenz- und Leistungsdiagnostik: Ist schulisches Leistungsversagen Folge der Verhaltensstoerung oder ist aggressives Verhalten Konsequenz aus schulischer Ueberforderung? Tests zur direkten Erfassung von Aggression -> DISYPS (Diagnostik- System fuer psychische Stoerungen im Kindes- und Jugendalter nach ICD 10/DSM-IV) ->Kinder- DIPS (Diagnostisches Interview bei psychischen Stoerungen im Kindes- und Jugendalter) EAS (Erfassungsbogen fuer aggressives Verhalten in konkreten Situationen) Situations- und Verhaltensorientierter Test, in einer fuer Jungen und Maedchen getrennten Version, mit je 22 Beschreibungen von Alltagssituationen in Bildern Im Rahmen der Diagnosestellung 3 Infos ableitbar Summenwert zur Kennzeichnung der generellen Behandlungsbeduerftigkeit Eine Differenzierung der Angaben nach Umweltbereichen Eine Differenzierung der Angaben nach Reaktionsformen
- 4.1. Erhebungsverfahren - Beobachtung des Kindes Exemplarische Vorstellung: BAV (Beobachtungsbogen fuer aggressives Verhalten) Einschaetzung aggressiven und sozial kompetenten Verhaltens in Altagssituationen durch Therapeuten und Bezugspersonen auf 14 Kategorien. 4 Dimensionen Verbale Aggression vs. nonverbale Aggression Offen- gezeigte Aggression vs. verdeckt- hinterhaeltige Aggression Zielobjekt der Aggression: Eigene Person, fremde Person sowie Gegenstaende Grad der Beteiligung bei der aggressiven Handlung
- 5. Erklaerungsansaetze - 5.1. Biologische Faktoren - Geschlechtsunterschiede Biologische Faktoren Geschlechtsunterschiede Jungen Koerperliche, offen- direkte Form Instrumentelle Aggression Starkes Dominanzstreben in Gruppen Begrenzte soziale Fertigkeiten Maedchen Hinterhaeltig- verdeckte Formen Emotional motivierte Aggression Staerker ausgepraegtes prosoziales Verhalten Differenzierte soziale Fertigkeiten
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- 5. Erklaerungsansaetze - 5.1. Biologische Faktoren - Prae- und perinatale Risiken Prae- und perinatale Risiken Durch Schwangerschafts- und Geburtskomplikationen -> neuropsychologische Funktionsstoerungen des kindlichen zentralen Nervensystems -> Veraenderung des Lernverhaltens eines Kindes und Beeintraechtigung des Sozialverhaltens Viele Schaedigungen abhaengig vom Verhalten der Mutter in Schwangerschaft: Substanzmissbrauch
- 5. Erklaerungsansaetze 5.2. Soziale Faktoren Soziale Faktoren (Modelllernen) Soziale Ablehnung durch Gleichaltrige Negative Erziehungspraktiken Mangelnde Aufsicht durch die Eltern Inkonsistentes Erziehungsverhalten durch unzureichende Erziehungskompetenz der Eltern Beim Erziehungsverhalten der Eltern von Kindern erweisen sich 4 Faktoren als auffaellig: In der Familie werden Regeln nicht ausgesprochen und nicht befolgt Die Eltern besitzen keine Informationen darueber, was ihre Kinder tun Eltern verstaerken ihre Kinder nicht oder zumindest nicht konsequent Es besteht keine Faehigkeit, Probleme innterhalb der Familie darzustellen und zu loesen "Erpresserspirale" (Patterson et al.) Inkonsistentes Erziehungsverhalten -> Negative Verstaerkung -> Aversive Reaktion des Kindes -> Eltern: Zuruecknehmen der Anforderungen/Versuch diese durch Ueberreaktionen durchzusetzen -> Keine positiven, sozialen Fertigkeiten erlernbar -> Inkonsistentes Erziehungsverhalten ...etc.
- 5. Erklaerungsansaetze 5.3. Psychische Faktoren Psychische Faktoren Schwieriges Temperament Unzureichende Impulskontrolle und Emotionsregulation Verzerrte sozial- kognitive Informationsverarbeitung Unzureichendes Einfuehlungsvermoegen -> Bei sozialen und psychischen Faktoren zur Behandlung ansetzen!