30

ISO (Fach) / Soziotechnische Systeme und Komplexität (Lektion)

ISO Soziotechnische Systeme und Komplexität

Diese Lektion wurde von anduenacurri erstellt.

Lektion lernen

Anzeige
  • Nennen Sie drei Eigenschaften, die für ein komplexes System charakteristisch sind und geben Sie ein Beispiel für ein komplexes System an. (5 Eigenschaften) Große Anzahl an Akteuren  Komplexität der Beziehungen zwischen Einheiten  Vielzahl von Hierarchiebeben  Große Kundenzahl  Bereichsegoismen              Beispiel: Universität Hamburg
  • Erläutern Sie die Wet und Dry Aspekte von Stimmen Wet: Beschreibt Informelle Kommunikationsvorgänge, sozialen Interaktionen und alles nicht formalisierbare innerhalb eines Systems, das für dauernde Veränderungen der Konstellationen und Strukturen sorgt Dry: Beschreibt formalen internen informatischen Repräsentationen der Lebenswelt              → Motivation für ISO Experten 
  • Begrenzte Rationalität (+ Bezug zur Standardsoftware) • Individuen und Organisationen haben Grenzen der Informationsaufnahme und –verarbeitung      o Unvollständigkeit des Wissens      o Schwierigkeiten der Bewertung zukünftiger Ereignisse      o Begrenzte Auswahl an Entscheidungsalternativen Bezug zu Standardsoftware (Nutzenmaximierung) Zeitmangel, Informationsmangel, Unfähigkeit  Stopp der Suche nach Alternativen bei einer zufriedenstellenden Variante (obwohl es evtl. bessere gibt) 
  • Nennen Sie Gründe, warum IT-Experten wenig auf die Komplexität integrierter Software- und Organisationsentwicklung (ISO) vorbereitet sind? (6 Punkte) IT-Experten befinden sich in einer Identitätskrise            →zu viel Zeit mit Menschen und zu wenig mit PCs  Maschinen stehen nicht im Mittelpunkt der Informatik, sondern die Organisation und die Gestaltung von Arbeitsplätzen, also sehr starke soziale Bezüge  Technologie wird oft als Ziel angesehen, obwohl Mittel zum Zweck  Problembestimmung ebenso wichtig wie die Problemlösung geworden →Problembestimmung ist keine primär technische Aufgabe              → damit auch dem Selbstverständnis der Profession zuwider läuft  Traditionelle Wissen der Profession reicht nicht aus, um auf die neuen Rahmenbedingungen und die gestiegene Komplexität der Lebenswelt zu reagieren                      →IT-Experten unzureichend auf nichttechnische Aufgaben vorbereitet sind  IT-Experten verfügen oft über zu wenig methodische Ausrüstung
  • Ziele und Folgen des ISO-Experten (jeweils einmal 3 Punkte für Ziele und einen für Folgen) Ziel des ISO-Experten ▪ Gestaltung gemeinsamer Lösungen, ▪ Einigkeit über Strategie und Maßnahmen ▪ Einschätzung der Gesamtsituation und externer Einflussgrößen Folge des ISO Experten ▪ Unzertrennbares Ineinander von Organisations- und Softwareentwicklung
  • Vor welchen Herausforderungen steht eine Informatik, die sich ISO widmet? Welche Aspekte interessieren Sie daran im Besonderen? (4 Punkte) Denker und Macher arbeiten nicht auf der gleichen Sprache  soziotechnische Perspektive  Fremderwartung, Rituale  Problembestimmung ist keine primär technische Aufgabe → soziale Fertigkeiten notwendig 
  • Nennen Sie die drei Hauptaspekte des Ansatzes „The Reflective Practitioner“ und beschreiben Sie diese. Wissen-in-Aktion: spontanes Wissen / Reflexion in-Aktion: Improvisierung Reflexive Befragung der Situation              eintauchen in die Problematik, dennoch objektiv beurteilen  Kontinuierlicher Aufbau von Konstanten / Mustern              Wertesystem in Bezug auf das Problem  Forscher in Praxis: interaktiv Ziel und Mittel bestimmen             Mittels Reflexion-in-Aktion interaktiv Ziel-und Mittelbestimmung,             d.h. das implizite   Wissen oberflächlich zu verstehen und zu kritisieren 
  • Argumentieren Sie, wie könnte eine Vorbereitung Ihrer Meinung nach im Studium aussehen, um eine (Aus-)Bildung zum reflexiven ISO-Experten (Designer/ Architekten/Entwickler) zu unterstützen? (5 Punkte) Im Studium sollte es eine Vermittlung von viel verschiedenem Wissen und Wiederholung erfordern, um das Wissen dem Studenten zu verinnerlichen  Orientierungswissen und gesellschaftliches Wissen, nicht nur technisches →z.B. psychologische Vorlesungen  Zudem sollte die Anwendung in der Praxis nicht vernachlässigt werden →praktische Arbeit  Aufgaben die den Studenten mit verschiedenen Perspektiven auseinander setzen lassen sollten und eine geisteswissenschaftliche Hinterfragung von geglaubtem Wissen soll trainiert werden.  Es sollte mehr Muster und Konstanten antrainiert werden als nur Methoden. 
  • Welche in der Vorlesung vorgestellten Ansätze können Sie als Beispiele für den zweiten Hauptaspekt anführen, welche weiteren aus Ihrem gesamten bisherigen Studium? Muster: sind abstrakte Realitäten zum Widerverwenden mit dem Ziel des Lernens  Wie es früher war  Schrittweise Erhöhung der Komplexität  Bildung von Objektpakten  Medienbrüche  fragmentierte Information  Erstellen von (Teil-)Prozessvarianten  Orts-/Arbeitsplatzbezug 
  • Business Ecosystems Wenn sich Firmen heute als geschäftliches Ökosystem begreifen, stellen sie ihre Geschäftsstrategie im Kern auf Zusammenarbeit um und bauen die Kontakte zu ihren Partnern zu Kooperationen aus. Besonderheiten: Fragmented Information Soziotechnische Systeme
  • Anzeige
  • Soziotechnische Systeme (insbesondere: Rolle des Menschen darin und 6 grundlegende Charakteristika!) Der Mensch ist nicht User des Systems, der Mensch ist Teil des Systems. ist nicht deterministisch vergesslich ermüdet schwer zu testen situativ lernfähig 
  • Soziotechnische Systeme und soziotechnische Perspektive (Definition + Merkmal). Warum sind Informationssysteme soziotechnische Systeme? (kurz) Definition: In einem Soziotechnischen System bilden ein technisches Sachsystem und ein soziales System eine Einheit. Merkmal: das kein Ergebnis zustande kommt wenn die soziale bzw. technische Komponente fehlt. Bei Informationssystemen handelt es sich um soziotechnische („Mensch-Maschine“-) Systeme, die menschliche und maschinelle Komponenten (Teilsysteme) umfassen      Beispiele: jede Fließbandproduktion, Van Carrier
  • Economy of scale (Skaleneffekte) sinkende Erzeugungskosten je Produktionseinheit mit steigender Ausbringungsmenge      z.B.: Skaleneffekte durch Spezialisierung und Automatisierung (Iphone) 
  • Das Collaboration-Modell (Definition) kooperative Zusammenarbeit von Projektgruppen, Mitarbeitern, Unternehmen und deren Zulieferern und Partnern zur Optimierung der Wertschöpfungskette. Zur Kollaboration gehören die Verteilung von Informationen und die gemeinsame Nutzung von Ressourcen
  • Charakteristika soziotechnischer Systeme (3 Oberpunkte) Wechselwirkungen  Benötigtes Alignment (Aufgabe Codesign)            o Soziale und technische Systeme werden auf einander abgestimmt           o Design: die technologiebasierte Definition von Design wird um soziokognitive                        und ökonomische Aspekte erweitert Soziales System und Technisches System (auch untereinander): hohe Komplexität →Hybrider Mix (keine getrennten Welten): extrem hohe Komplexität 
  • Worauf zielt der soziotechnische Gestaltungsansatz? (3 Oberpunkte) ▪  ... zielt auf die Verbesserung von Produktionssystemen durch gleichzeitige Veränderung von sozialem und technischem Teilsystem ▪  ... zielt auf eine Humanisierung und Demokratisierung der Arbeitswelt ab. ▪  ... schlägt spezifische Gestaltungsmittel (u. a. teilautonome Gruppen) vor.  CoDesign von Business und IT                                                                                      -> bei jeder Veränderung eines Bereichs auch eine Veränderung des anderen Bereichs unausweichlich  Verwobenheit der Bereiche und die Wechselwirkungen machen es notwendig                     -> Design auf multiplen Ebenen durchzuführen, das Software Artefakte, Entwicklung der Infrastruktur sowie Regeln und Prinzipien der Organisation gleichzeitig als Einheit entwirft 
  • Warum benötigen wir in soziotechnischen Systemen ein Codesign (Multiples Design) und was bedeutet dies?  Was folgt aus den Wechselwirkungen zwischen technischen und sozialem System? (3 Punkte) soziale und der technische Teil eines soziotechnischen Systems stehen nicht nebeneinander, sondern agieren als Einheit             -> starke Wechselwirkungen zwischen beiden                   -> die Verwobenheit eine extrem hohe Komplexität bedingt  Aufgrund dieser Wechselwirkungen benötigen oft mehrere Anläufe, bis das gewünschte Ergebnis vorliegt (auch weil das soziale System sehr unvorhersehbar reagiert). Bedeutet, dass beim Design eines Teils des Systems immer auch der andere Teil berührt wird und nicht nur abgebildet wird. Es werden also Veränderungen immer auf beiden Seiten vorgenommen            ->  in dem nicht nur Software-Artefakte, sondern auch die Infrastruktur und Regeln       sowie Prinzipien der Organisation entwickelt werden. 
  • Wodurch unterscheiden sich die Methoden/Hintergrundordnungen der Natur- und Sozialwissenschaften? Sozialwissenschaften bieten eine Vielzahl von Gesichtspunkten und Interpretationsmöglichkeiten Mensch im Mittelpunkt der Betrachtung → problematisch aussagekräftige Prognosen aufzustellen. Naturwissenschaften stehen einen funktionalistischen Paradigma entgegen, das Objektivität erlaubt und eine einheitliche Vorgehensweise vorschreibt Komplexität zu reduzieren, so dass Versuche reproduzierbar werden daraus empirisch Erkenntnisse erlangen oder diese gegebenenfalls widerlegen kann (Reduktionismus – Reproduzierbarkeit – Widerlegung) 
  • Erörtern Sie, warum unterschiedliche Organisationstheorien existieren? (4 Punkte) 1) Organisation sind hochkomplexe soziale Gebilde, mit vielen Problemen, breitem Gegenstandsbereichen und vielen Teilaspekten Rolle von Machtprozessen Wandel von Organisationen Verhältnis von Organisation und Umwelt 2) Verschiedene theoretische Perspektiven 3) Verschiedene Methoden 4) keine Einigkeit über Zweck der Forschungstätigkeit 
  • Was versteht man unter einem Paradigma? (+ Was sind die grundlegenden Annahmen eines Forschers?) Ein Paradigma beschreibt im weiteren Sinne die Standards der Wissenschaftlichkeit innerhalb einer bestimmten Wissenschaftlergemeinde, die innerhalb anerkannt, außerhalb aber bezweifelt werden. Es stellt das Erkenntnisinteresse als Zweck der Forschungstätigkeit, Ontologie als Charakter des betrachteten Gegenstandes und Epistemologie als Methodik diesen Gegenstand zu erforschen zusammen. Grundlegende Annahme eines Forschers über: Zweck seiner Tätigkeit (Erkenntnisinteresse) Charakter des untersuchten Gegenstandes (Ontologie) geeignete Methodik zur Untersuchung des Gegenstandes (Methodologie) 
  • Inkommensurabilitätsbegriff (3 Punkte) (hinsichtlich Paradigmata) Radikale Verschiedenheit (Unvergleichbarkeit) zwischen Orientierungssystemen  Konkurrenzverhältnis von Paradigmata Keine objektiven Vergleichsmaßstäbe Eine „transparadigmatische“ Beurteilung ist ... nicht mehr möglich, weil die Standards der Wissenschaftlichkeit selbst nicht begründet werden können. 
  • Was ist ein Referenzmodell? (Beispiele?) Ein Konkretes, aber vom Einzelfall abstrahiertes Modell zur Darstellung eines standardisierten Wirklichkeitsausschnittes mit dem Gestaltungsanspruch eines Soll-Modells. Referenzmodelle sollen allgemein gültige Zusammenhänge für Problemstellung, die vielfach vorkommen, beschreiben. Beispiele Von Neumann Architektur (Referenzmodell für Computer) ISO/OSI-Modell (Referenz-Schichtenarchitektur zur Standardisierung der Datenkommunikation)  Handels-H-Modell (Referenzmodell für betriebliche Anwendung) 
  • Grund und Hauptvorteil des Referenzmodells? Wiederverwendbarkeit von bestehenden Modellen → Kostenreduktion bei der Modellerstellung
  • Nutzen von Referenzmodellen (2 Punkte) Problematik von Referenzmodellen (2 Punkte) NUTZEN ▪  Kostenminimierung durch Erleichterung der Strukturierung von Projekten Beschleunigung des Modellerstellungsprozesses Schnelleres Erlernen von Modellierungsmethoden ▪  Risikominimierung druch Mehrfachvalidierung der Modelle zur Vermeidung einer fehlerhaften Entwicklung ---------- PROBLEMATIK: Modellierung ist ein kreativer, subjektiver Prozess Mit der zunehmenden Verbreitung von Informationsmodellen steigt auch das Interessen nach Anhaltspunkten zu ihrer Bewertung 
  • Ziel von Referenzmodellen (1 Satz) Gewährleistung von semantischer Qualität von Modellen
  • Typische Zwecke von Referenzmodellen (5 Punkte) Ausgangspunkt der Entwicklung spezifischer Unternehmensmodelle (Vereinfachung der Modellierung, etwa auch beim Aufbau einer einheitlichen Begriffswelt) Dokumentation von Standardanwendungssoftware (im Hinblick auf die Unterstützung bei der Anpassung /Einführung) Soll/Ist-Vergleich mit Best-Practice-Modellen, um Verbesserungspotenziale zu erkennen Standardisierung von Software-Architekturen Anwendungsframework zur Unterstützung der Implementierung 
  • Grundsätze ordnungsmäßiger Modellierung (GoM) 6 Punkte Gestaltungsempfehlungen, die sich über die Einhaltung syntaktischer Regeln hinaus positiv auf die Modellqualität auswirken.  1. Inhaltsadäquanz (Richtigkeit): Bemisst, inwiefern Modellnutzer die mit dem Modell konstruierten Inhalte hinsichtlich der von ihnen verfolgten Zwecke als angemessen beurteilen. 2. Darstellungsadäquanz (Relevanz): Bemisst, inwiefern Modellnutzer die Darstellung der Inhalte hinsichtlich des von ihnen verfolgten Zwecks als angemessen beurteilen. Die Darstellung umfasst sämtliche Aspekte der Gestaltung und Anwendung des zu verwendeten Informationsträgers. 3. Wirtschaftlichkeit: nach dem Grundsatz sind die von der Konstruktion ausgehenden Einflüsse auf ökonomischen Zielsetzungen zu berücksichtigen. 4. Klarheit: 5. Vergleichbarkeit: stellt auf die Möglichkeit der Prüfung inhaltlicher Entsprechungen zwischen Modellen ab. Als Ansatzpunkte des Vergleichs werden entweder das zugrunde liegende Problem (Modellsystemebene) als Ausgangspunkt oder die sprachliche Repräsentation (Metamodellebene) als Ergebnis der Konstruktion gesehen. 6. Systematischen Aufbau: bei multiperspektivischer Modellierung ist die Konsistenz zwischen verschiedenen Sichten zu gewährleisten. 
  • Prozesse der Referenzmodellierung (2 Punkte, jeweils 4 Unterpunkte) Konstruktionsprozess von Referenzmodellen Problemdefinition Entwicklung Bewertung Pflege Anwendungsprozess von Referenzmodellen Auswahl Anpassung Integration Nutzung
  • Referenzmodelle: Vorteile (6 Punkte) Nachteile (4 Punkte) Vorteile Modellerstellung wird beschleunigt Hilfe bei der Automatisierung von Prozessbestandteilen Modellqualität  Bessere Verständigung  Kostenminimierung  Geringeres Risiko durch Orientierung an Standards Nachteile Nur wenige Betriebe können sich einen von Grund auf eigenständigen Ansatz leisten Problem der Geheimhaltung Komplexität des Modellierungsprozesses Verlust strategischer Wettbewerbsvorteile und Kernkompetenzen
  • Beitrag der Referenzmodelle zur Komplexitätsreduktion (4 Punkte) Anspruch auf gewisse Allgemeingültigkeit (Best Practices) Strukturierung grundsätzlicher Systemelemente und deren Wechselwirkungen (Orientierungsrahmen) Besseres Verständnis des Problemfeldes durch terminologischer Konsistenz (Schaffung einer gemeinsamen Sprache) Wiederverwendbarkeit → Kosten-, Risiko-, Komplexitätsreduktion