23
Entwicklungspsychologie SoSe 13 (Fach) / 1. Sprachentwicklung (Lektion)
Anzeige
- Sprache kontextunabhängige und gen-unabhängige Tradierung von kulturellem Wissen Anwachsen von Lebenserfahrung über Generationen hinweg > kulturelleevolution Kommunikation über Irreales möglich Sprache als System von Zeichen, die primär lautlich vermittelt werden
- Funktionen von Sprache - Das Organon-Modell von Karl Bühler Ausgangspunkt: Platon (Sp. als Werkzeg, um anderen etwas mitzuteilen) > Bühler: Sprache nicht ohne Funktion betrachten (Kommunikation) Zeichen: Information, die wir mit Sprache vermitteln Symbol: Zuordnung zu Gegenständen und Sachverhalten Symptom: abhängig vom Sender, Ausdruck des inneren Zustandes Signal: Appell an den Hörer, steuert dessen Verhalten
- Komponenten-Modell der Sprache Sprachkomponenten als Wissenssysteme, assoziiert/paralell verarbeitet Kind lernt Konzepte & Regeln der Komponenten und d. Zusammenspiels suprasegmentale Komponente, Grammatik (linguitische Kompetenz), Pragmatik (pragmatische Kompetenz)
- Komponenten-Modell der Sprache - suprasegmentale Komponente Strukturierung der Sprache durch Intonation, Betonung, rhythmische Gliederung (prosodische Kompetenz)
- Komponenten-Modell der Sprache - linguistische Kompetenz Wissen über kategoriale Einheiten und Regularitäten, sprachliche Ausdrücke (zugrundeliegende Strukturprinzipien) > Sätze verstehen & selbst produzieren Phonologie: Lautstruktur, Phoneme (kleinste bedeutungsdifferenzierende Laute), in jeder Sprache bestimmte Gesetzmäßigkeiten (lahm - Lamm) Morphologie: Wortbildung, Morpheme (kleinste bedeutungstragende Einheiten: Hund-e, Hünd-innen) Syntax: Regeln zur Kombination von Wörtern zu Sätze Lexikon und Semantik: Bedeutung von Wörtern und Sätzen (Bank-Bank)
- Komponenten-Modell der Sprache - pragmatische Kompetenz sozial-normative Regeln: Sätze in angemessenem Kontext, Art & Weise, Erwartungen, gesprächspartnerabhängig (Dinge verschweigen?) Sprechakte: Herstellung sozial-interaktiver Beziehungen zwischen Kommunikationspartnern Diskurs: Strategien für eine kohärente sequentielle Orgnisation von Konversation
- Phonologische Entwicklung - Sprachproduktion 0-1M.: erste Laute (Schreien, vegetative Laute) 1-2: Gurren (silbenähnliche Verbindungen, Beginn mit Verschlusslauten) 2-5: Lachen & Lautproduktion (Nachahmung, Sprachlauten immer ähnlicher, Auswahl von Phonemen, elementare Laute: k,g,x,i,a) 6-9: Lallstadium (Konsonant-Vokal-Kombinationen: dada, baba; Kontrolle über Sprachwerkezuge, Lautproduktion als Grundlage sämtlicher Sprachen, erste sinnvolle Laute: p,m,b,t > Mama, Papa) 10-14: Produktion erster Wörter
- Phonologische Entwicklung - Sprachrezeption Grundlagen für phonolgisch-prosodische Fähigkeiten schon vor Geburt nach Geburt: Unterscheidung sprachliche und nicht-sprachliche Laute Wahrnehmung prosodischer Merkmale bei 4 Tagen alten Säuglingen: Präferenz der Muttersprache, keine Diskrimination von Fremdsprachen oder bei rückwärts gesprochenem Text (rhythmisch prosodische MM!) 4M.: Präferenz für an Kind gerichtete Sprache (starke Gliederung, hohe Tonlage, übertriebene Intonation) ab dem 1.Monat: kategoriale Wahrnehmung von "b" und "p" 6M.: Lautunterscheidung sämtlicher Sprachen 7M.: Präferenz korrekt-segmentierter Sätze 10M.: Erwerb der Lautstruktur der Sprache
- Lexikalische Entwicklung - Benennungsexplosion, Constraints intensiv belehrende Umwelt nicht ausreichend, schnelle Zurodnung zwischen Wort und Bedeutung herstellen (inzidentelles Lernen) Übergeneralisierung, Überdiskriminierung Constraints: Reduktion zahlreicher Wortbedeutungsmöglichkeiten auf wenige > erleichtertes Lernen Ganzheitsannahme: Bezug d. Wörter auf ganzes Objekt ("Becher") Disjunktionsannahme: pro Objekt eine Bezeichnung, neues Wort steht für etwas anderes > Eigenschaften ("blauer Becher") Taxonomieannahme: kategorialer Bezug (unterschiedliche Tiere) wichtiger als thematischer (Milch > Kuh)
- Lexikalische Entwicklung - "syntactic bootstrapping" Verwendung grundlegender Aspekte für Worterwerb (Nutzung der Wortordnung für Interpretation von Sätzen) "syntaktische Constraints": Satzrahmen schränkt Bedeutungen eines Verbes ein Meilensteine bei US-amerikanischen Kindern (jedoch große Variabilität): 13 Monate: erstes Wort 19 Monate: "Vokabelspurt" 24 Monate: einfache Sätze
- Anzeige
- Syntaxentwicklung Einwortsätze (Holophrasen): Mama, Milch, fort, Löffel ab 18 Monaten Zwei-/Dreiwortsätze (Wortkombinationen, produktive Grammatik): Telegraphischer Stil (Satzelemente ausgelassen, nur im Kontext verständlich), Bedeutungsrelationen gegeben, Beachtung formaler Regularitäten (Wortordnung: mama weg; kontextabhängige Grammatik) > Max auf, Papa Hut, Mama arm mit 4 Jahren: Satzkonstruktionen der Muttersprache Bowerman: 5J rote stage (grammatik. richtige Sätze ohne Anwendung von Regeln); 6J: rule stage (mit Regeln); korrekt gebildete Formen Karmiloff-Smith: implizites Sprachwissen > Fehler auf Verhaltensebene, Selbstkorrekturen > explizites Sprachwissen
- Entwicklung der pragmatischen Kompetenz 8-10M: intentionale Kommuniktion (Gesten) 16-22: erster sprachl. Ausdruck (Informationen/Fragen) 2J: längere Kommunikationseinheiten, Anpassung an Status d. Partners 3J: frühe pragmatische Kompetenzen Umformulierung von Äußerungen nah Erklärungsaufforderung kontextabhängiges Variieren in Formen des Bittens Verständnis/Verwendung versch. Typen indirekter Anweisungen weitere Ausdifferenzierung in den Folgejahren: spezifische sprachliche Ausdrücke, Nutzung linguistischer Infos, inhaltl. Anpassung an Rolle
- Voraussetzungen für Sprachentwicklung - sprachspezifisch und sprachunspezifisch sprachunspezifische kogn. Voraussetzungen: sensumotorische Entwicklung (Piaget), IV-Fähigkeiten, vorsprachliche Gesten sprachspezifische Voraussetzungen: zeitl. Verlauf, kompetenter Säugling, Lateralisation (linke Hemisphäre des lateralen Cortex), Zeichensprache bei gehörlosen Kindern
- Voraussetzungen für Sprachentwicklung - menschliches Gehirn Sprache ist humanspezifisch, Zuordnung zu spezifischen Hirnarealen, frühe Lebensjahre als kritische Phase für Spracherwerb, Spracherwerbsfähigkeit ist robust, Kind ist für Spracherwerbsprozess vorbereitet (prä-verbale Entwicklung), auch bei eingeschränkten kogn. Fähigkeiten möglich Zweitspracherwerb: desto früher desto eher linkshemisphärisch; bis zum 7. LJ kann Zweitsprache als "Muttersprace" gelernt werden
- Voraussetzungen für Sprachentwicklung - menschliche Umwelt Spracherwerb ohne sprachliche Umwelt nicht möglich an Kind gerichtete Sprache, direkte Interaktion Qualität/Quantität des Inputs spielen bedeutsame Rolle bei Entwicklung, aktive Verarbeitung des Inputs
- Voraussetzungen für den Spracherwerb kognitiv: phonologische Gedächtnisfähigkeiten sozial-kognitiv: gemeinsamer Aufmerksamkeitsfokus, zunächst von der Mutter gesteuert sozial-kommunikativ: qualitativ (Verwendung versch. Sprachlehrstrategien), quantitativ (idealer Umfang von Input)
- Chomsky - LAD (Language Acquisition Device) Struktur, die dem Kind ermöglicht eine Sprache zu verarbeiten, Regeln zu extrhieren bzw. konstruieren > Tiefenstruktur der Sprache universell: für jede Sprache anwendbar sprachl. Universalien: formal (Transformationsregeln), substantiell (Vorhandensein von Wortklassen) Hypothesenbildungsverfahren: H. über Regelsystem auf Input-Basis Hypothesenbewertungsverfahren: Vergleich und Bewertung versch. H. problematisch: gebildete H. falsch? > ohne neg. Evidenz nicht möglich Universalgrammatik: abstrakte, universelle Prinzipien, beschränkte Zahl von Parametern innerhalb eines Prinzips (in jeder Sprache anders)
- zwei Theoriefamilien outside-in (UMWELT!), Piaget/Brunner inside-out Theorien (ANLAGE!), Noam/Chomsky · generelle Lernmechanismen, keine angeborene sprachspezifische Voraussetzungen · kognitive vs. sozial-interaktive Theorien · Unterscheidung von anderen Lernprozessen, angeb. Sprachwissen/sprachspez. Fähigkeiten · starke (Universalgrammatik) vs. schwache Version (emp. Ergebnisse der Forschung) Fazit: inside-out empirisch kaum überprüfbar, Belege für "schwache" inside-out-Theorie > Säuglingsforschung (falsche Pausierung), Befunde zu Constraints, Bootstrapping-Ansätze Umwelt & Kind liefern Voraussetzungen für Spracherwerb Problem: keine Theorie kann alle Aspekte des Spracherwerbs erklären
- Bruner - LASS (Language Acqusition Support System) vorsprachl.: Lernen von Kommunikationsregeln/ standardisierte Interaktionsstrukturen Einschränkung der Freiheitsgrade beim Bedeutungslernen (soz. Constraints)
- Anpassung des inputs an Entwicklungsniveau des Kindes bis 12 Monate: Ammensprache (überzogene Intonation, hoher Tonfall, lange Pausen, einfach, kurze Sätze, kindgemäßer Wortschatz > Spracherkennung Prosodie, Phonologie) 2J: stützende Sprache (gem. Aufmerksamkeitsfokus, Routinen, Worteinfürung > Dialog, Wortschatz) 24-27M: lehrende Sprache (Modellsprache, Anregung durch Fragen > sprachanregend, lehrend, Grammatik)
- Lehrende Sprache Ersetzung schwieriger Laute durch einfache neue Infos durch Intonation hervorgehoben, Übertreibung der Intonation Eigennamen statt Pronomen 1./2. Person, Verwendung von Verkleinerungsformen längere Pausen an Phrasen/Satzgrenzen, kurze grammatik. korrekte S. Wdh von Wörtern/Satzteilen, begrenzter kindgemäßer Wortschatz
- individuelle Unterschiede in der Sprachentwicklung Geschwindigkeit des Spracherwerbs qualitative Unterschiede: Spracheinstieg referentiell: einzelne phonetische Elemente/Wörter > erste äußerungen = isolierte einsilbige Wörter; Bezugnahme zu Objekten expressiv (holistisch): Gesamtklang der Sprache (Rhyhmus, Intonation); Bezugnahme auf Routinen, Interaktionen abwartender Stil: später Eintritt des Sprechens, großer Wortschatz Geschlechtsunterschiede, Sozialschicht
- Fis-Problem, Probleme mit der Grammatik VL: Ist das dein Fis K: Nein, das ist mein Fis ..... VL: Ist das dein Fisch K: Ja, das ist mein Fisch K: Als ich dann größer wurdete VL: Als du größer wurdest? K: Als ich dann größer wurdete