83
Psychologie (Fach) / Diagnostik Prüfung (Lektion)
Anzeige
- Nennen und beschreiben Sie ein Beispiel eines Objektiven Verfahrens zur Messung eines Persönlichkeitsmerkmals! Extraversion: pursuit rotor task: Kontakt zur sich drehenden Scheibe nicht verlieren Extraversionsmuster: Leistungsphase nach Erholungsphase stärker
- Nennen Sie die drei Merkmale des klassischen Projektionsbegriffs! anderen Menschen werden Gefühle unterstellt, die man selbst nicht einsieht, weil sie als negativ bewertet werden unbewusster Vorgang Abwehrmechanismus
- Was versteht man in einer verallgemeinerten Version unter Projektion und welche Konsequenzen ergeben sich daraus für das Testmaterial? ... dass sich eigene Interessen, Gewohnheiten, Zustände, Wünsche etc. auf die Wahrnehmung bzw. Interpretation von mehrdeutigem Material auswirken. Damit kommen als »Projektionsfläche« auch Tintenkleckse, andere mehrdeutige Objekte und sogar ein weißes Blatt Papier infrage.
- Nennen Sie Kategorien, in die man projektive Tests unterteilen kann! Nennen Sie jeweils ein Verfahren als Beispiel! Formdeuteverfahren (Beispiel: Rorschach-Test; Aufgabe: Tintenkleckse deuten) zeichnerische- und Gestaltungsverfahren (Beispiel: Familie in Tieren; Aufgabe: die eigene Familie als Tiere zeichnen) verbal-thematische Verfahren (Beispiel: TAT; Aufgabe: Geschichten zu Bilder erfinden) Vervollständigkeitsverfahren (PFT) Auswahlverfahren (Wunschprobe)
- Wie erfolgt die Motivmessung im TAT? Thematischer Apperzeptionstest (TAT) Wort/ Bildassoziation zu Registrierung emitionaler Reaktionen ermöglicht Zugang zu unbewussten Gedanken
- Beschreiben Sie das Leistungsmotiv, das Anschlussmotiv und das Machtmotiv kurz! Was sind wesentliche Inhalte? Leistungsmotiv: Jedes Anzeichen eines Gütemaßstabes wird gewertet Anschlussmotiv: Anzeichen von Freundschaft bzw. freundschaftlicher Beziehung Machtmotiv: Wirkung, Kontrolle,Einfluss, den jm auf eine andere Person ausübt
- Geben Sie einen Überblick über die Gütekriterien des TAT! niedrige Reliabilitä und konvergente Validität niedrige Objektivität
- Grenzen Sie implizite Motive von expliziten Motiven ab! Implizites LM: Vorsprachlich früh erworben nicht bewusst begrenzte Anzahl universeller Bedürfnisse Unterschiede genetisch oder früherfahrungsbedingt Anregung über situative Hinweisreize Messung durch Phantasiestichproben sagt Konzentrationsverhalten vorher bei individueller Bezugsnorm Explizites LM: später erworben bewusst und sprachlich repräsentiert Selbstdefinition Individuelle Unterschiede sind lernabhängig Anregung über Aktivierung selbstbezogener Kognitionen Messung durch Selbstberichte sagt Entscheidungsverhalten vorher bei sozialer Bezugsnorm
- Nach welchen Hauptkategorien wurde ein Psychogramm anhand des Rorschachtests erstellt? Erfassungsmodus (Ganz- oder Detaildeutung) Determinanten (Form, Farbe, Bewegung) Inhalt (z. B. Tier, Mensch, Anatomie) Grad der Originalität
- Aus welchen Gründen sollte ein Diagnostiker einen Auftrag ablehnen? Dem Diagnostiker fehlt die nötige Sachkunde; der Auftrag fällt nicht in seinen Kompetenzbereich. Der Auftrag ist mit dem eigenen Gewissen oder mit gesetzlichen Vorschriften nicht vereinbar. Der Diagnostiker ist nicht neutral und kann den Auftrag daher vermutlich nicht hinreichend ergebnisoffen bearbeiten. Der Erkenntnisgewinn für den Auftraggeber ist gemessen an der Belastung des Probanden oder den anfallenden Kosten voraussichtlich gering.
- Anzeige
- Worin unterscheiden sich mechanische (statistische) und klinische Urteilsbildung? Bei der mechanischen Urteilsbildung werden vorliegende diagnostische Informationen nach einem festgelegten Modell (Formel) in ein Urteil überführt (statistisch: Modell ist explizit statistisch begründet). Bei der klinischen Urteilsbildung nimmt ein Mensch (Kliniker) die Integration der vorliegenden diagnostischen Informationen zu einem Urteil vor; er ist dabei frei in der Nutzung und Gewichtung der Informationen.
- Nennen Sie zwei unabdingbare Qualitätsanforderungen an ein Gutachten! Vorgehen wissenschaftlich fundiert Nachvollziehbar und transparent
- Was wird im Rahmen von diagnostischen Entscheidungen unter solchen von institutioneller und individueller Art verstanden? individuell: allein der Nutzen für die Einzelperson steht im Vordgrund institutionell: Nutzen für Institutionen
- Was zeichnet kompensatorische und konjunktive Entscheidungsstrategien aus? Kompensatorisch: Prädiktoren können sich gegenseitig ausgleichen Konjunktiv: Festgelegte Mindeswerte müssen erreicht werden
- Welche (zwei) ein- und (drei) mehrstufigen Entscheidungsstrategien unterscheidet man in der diagnostischen Praxis? Nichtsequentielle Batterie Einzelstrategie Vorauswahl Vorentscheidung Vollständig sequentielle Strategie
- Worin unterscheiden sich freie und systematische Verhaltensbeobachtung? freie Beobachtung: Beobachter entscheidet selbst, welche Verhaltensweisen er beobachtet, gibt meist einen Anlass für Beobachtung, gleicht der Alltagsbeobachtung, Aufmerksamkeit wird global auf ganzes Geschehen gelenkt systematische Beobachtung: Beobachtendem wird genau vorgeschrieben was er beobachten soll und wie er es protokollieren soll
- Was ist beim Einsatz einer verdeckten Beobachtung zu beachten? aus ethischen Gründen nur mit Zustimmung der beteiligten Personen durchgeführt werden kann mit fest installierter Kamera nur zu bestimmten Zeiten aufgezeichnet werden enstprechende technische Voraussetzungen müssen gegeben sein
- Was bedeuten Time- und Event-sampling? In welcher Beobachtungsperiode wird beobachtet? Zeitstichprobenplan (time sampling): festes Zeitintervall (a priori festgelegt) Ereignisstichprobenplan (event-sampling): Zeitpunkt ist variabel protokolliert wird wenn ein zuvor festgelegtes Ereignis eintritt
- Nach welchen sechs Aspekten kann Verhaltensbeobachtung näher charakterisiert werden? frei oder systematisch (gebunden) direkt oder indirekt (anhand von Aufzeichnungen) in natürlicher Umgebung (»im Feld«) oder in einer Situation, die vom Beobachter geschaffen wurde verdeckt oder offen wenn offen, dann teilnehmend oder nicht teilnehmend Selbst- oder Fremdbeobachtung
- Was bedeuten Selektion, Segmentierung und Quantifizierung? Selektion: auswählen Segmentierung: was im Verhaltensstrom als relevant entdeckt wird, grenzen wir voneinander ab und benennen es nach seiner vermuteten Bedeutung. Quantifizierung: Aussagen über die Intensität, Dauer oder Häufigkeit
- Was bedeuten Time- und Event-sampling? In welcher Beobachtungsperiode wird beobachtet? Zeitstichprobenplan (time sampling): festes Zeitintervall (a priori festgelegt) Ereignisstichprobenplan (event-sampling): Zeitpunkt ist variabel protokolliert wird wenn ein zuvor festgelegtes Ereignis eintritt
- Wodurch zeichnet sich ein Kategoriensystem aus? Verhalten vollständig erfassen Das Verhalten wird dazu in mehrere, klar definierte und voneinander abgrenzbare Kategorien unterteilt.
- Worin unterscheidet sich die Verhaltensbeurteilung von der Verhaltensbeobachtung? Bei der Verhaltensbeurteilung nimmt der Beobachter selbst Schlussfolgerungen über die Ausprägung eines Merkmals vor, während er sich bei der Verhaltensbeobachtung auf die neutrale Registrierung/Beschreibung von Verhaltensweisen beschränkt
- Mit welchen statistischen Verfahren wird die Übereinstimmung zwischen Beobachtern und Beurteilern berechnet? Beschreibe dieses Verfahren! Intra-Class Correlation Maß der Beobachtungsübereinstimmung und damit ein Indikator der Reliabilität des zugrundeliegenden Beobachtungssystems je geringer die Effekte der Beurteiler, desto höher der ICC (0 - 1) wenn adjustiert, dann ICC = Cronbachs Alpha Varianz des Merkmals/ (Varianz des Merkmals + des Beobachters + Fehlervarianz)
- Nennen Sie wichtige Fehler, die bei der Verhaltensbeobachtung und –beurteilung auftreten könnnen! Fehler zu Lasten des Beobachters Wahrnehmungsfehler (Erwartungseffekt, observer drift) Interpretationsfehler (Halo Effekt, Tendenz zur Milde/ Strenge) Erinnerungsfehler (Primacy-/Recency Effekt) Fehler zu Lasten der Beobachtungssituation Fehler zu Lasten der Beobachtung (Mangelhaftes Beobachtungssystem) Fehler zu Lasten äußerer Bedingungen (Problem durch technische Geräte)
- Was versteht man unter Anamnese und unter Exploration? Anamnese: Erkundung der Vorgeschichte einer Erkrankung oder Störung verstanden. Exploration: Erkundung des subjektiven Lebensraums eines Probanden Anamnese und Exploration können daher Bestandteil, in bestimmten Fällen auch alleiniger Bestandteil, eines diagnostischen Interviews sein
- Was bedeutet eine standardisierte Auswertung? Antworten werden nach festen Regeln verwertet Entscheidung in welche Kategorie Antwort passt Verrechnung der Antworten wird vorher festgelegt (Punkte für jede Frage und am Ende addiert) unterschiedliche Gewichtungen der Antworten Grund: Verzerrung des Interviews soll minimiert werden
- Wann bietet sich der Einsatz standardisierter Interviews besonders an? wenn sich eine Fragestellung oft wiederholt und wenn die Ergebnisse mit denen anderer Probanden verglichen werden sollen im klinischen Bereich (Fragestellungen kommen immer wieder in der gleichen Form vor) in der Eignungsdiagnostik (Fragen richten sich immer nach den Anforderungen)
- Warum ist es problematisch, Kappa-Koeffizienten über .70 für die Übereinstimmung zweier Interviewer als gute Übereinstimmung zu interpretieren? Trotz guter Übereinstimmung gibt es immer noch fehlende Übereinstimmung bei den Interviewern. Das bedeutet, dass bis zu 14% klinischer Patienten bei denen fälschlicherweise keine Angststörung diagnostiziert wird kein Treatment erhalten könnte und andere ein Treatment erhalten, obwohl sie dies nicht benötigen.
- Von welchen Faktoren hängt die Beurteilung im Eignungsinterview ab? Welche Rolle spielt die Art des Interviews dabei? äußeres Erscheinungsbild (körperliche Attraktivität, angemessene Kleidung, gepflegtes Äußeres) impression management (sich selbst positiv darstellen, Interviewer durch nettes Auftreten überzeugen, vorgetäuschte Hilflosigkeit) verbales Verhalten (klare Aussprache, flüssige Sprache) nonverbale Verhaltensweisen (Lächeln, Blickkontakt, zugewandte Körperhaltung) der Einfluss dieser Faktoren hängt vom Grad der Strukturiertheit des Interviews ab in hoch strukturierten Interviews ist die Beurteilung wenig anfällig insbesondere für das äußere Erscheinungsbild und für »impression management«.
- Anzeige
- Welche drei Phasen unterscheiden Westhoff und Kluck (2008) bei der Grobstruktur eines Interviews? Eröffnungsphase (Ablauf schildern, Zentrale Themenbereiche, Dauer, über Rechte aufklären, Einverständniserklärung) Informationserhebungsphase mit mehreren Themenblöcke (Einleitung - Thema nennen und begründen, Fragen zum Thema, Kurze Zusammenfassung) Abschlussphase (Zusammenfassung der wichtigsten Informationen, Klärung der weiteren Vorgehensweise, nach ungeklärten Fragen erkundigen, Verabschieden)
- Welche Vorteile hat man, wenn man einen Leitfaden ausformuliert? Überblick, ob alle wichtigen Fragen gestellt wurden Interviews mit verschiedenen Probanden vergleichbar Entlastung für den Interviewer während des Interviews (Überblick über das was noch gefragt werden muss, freie Kapazitäten für Verhaltensbeobachtung) erleichtert die Auswertung des Interviews (Leitfaden enthält sinnvolle Struktur für den Bericht, der nach dem Interview zu erstellen ist) erlaubt eine direkte Verwertung der Antworten
- Wozu verwendet man die Spearman-Brown Formel? Mit der Spearman-Brown Formel lässt sich allgemein die Höhe der Reliabilität bei Verlängerung oder Verkürzung des Tests um k Testteile bestimmen. Umgekehrt lässt sich auch die erforderliche Testlänge (Itemanzahl) ermitteln, um eine gewünschte Höhe der Reliabilität zu erreichen