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Persönlichkeitspsychologie (Fach) / Geschlechtsunterschiede (Lektion)
1. Entwicklung
2. Effektgrößen
3. Erklärungen
- lerntheoretische
- kulturpsychologische
- evolutionäre
Diese Lektion wurde von CliffordBo erstellt.
Diese Lektion ist leider nicht zum lernen freigegeben.
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- Geschlecht und Geschlechtsstereotyp Geschlechtsstereotype sind meist Übertreibungen oder Übergeneralisierungen tatsächlich vorhandener Geschlechtsunterschiede.
- Geschlechtsentwicklung - Genetisches Geschlecht? - Abweichungen? Das genetisches Geschlecht ist qualitativ bestimmt durch ein einziges Gen auf dem Y-Chromosom (sehr selten verschoben auf andere), das die Entwicklung in männliche Richtung lenkt: SRY-Gen -> Ohne dieses Gen wird die Entwicklung in die weibliche Richtung gelenkt ("Voreinstellung") Nur 0,2% der Bevölkerung haben nicht XX oder XY, sondern X ("Turner-Syndrom") oder XXY (Klinefelter-Syndrom) oder XYY Bei der Zeugung wird das Geschlecht (fast) zufällig dadurch bestimmt, ob das Spermium das X- oder das Y-Chromosom des Mannes enthält
- Hormonelles Geschlecht - Bestimmung? - Kongenitale adrenale Hyperplasie? - Hormonspiegel - psychologisches Geschlecht? - Beispiel Jacklin et al. 1988? - 2D:4D? Das hormonelle Geschlecht ist quantitativ bestimmt durch Rate von männlichen Geschlechtshormonen (Androgene, insbesondere Testosteron) zu weiblichen (Östrogen und Progesteron) ->primär von den Genen des Kindes, sekundär durch pränatale Umwelteinflüsse bestimmt Beispiel für genetischen Einfluss unabhängig vom SRY-Gen: kongenitale adrenale Hyperplasie: -> Überschuss an Androgenen, führt bei Mädchen zu Vermännlichung in Kognition und Verhalten, später zu vermehrter Homo- und Bisexualität; keine Wirkungen auf Jungen Beispiel für pränatalen Umwelteinfluss: Früher eingesetzte Wehenhemmer auf der Basis von synthetischem Progesteron führten bei Jungen zu "kognitiver Verweiblichung" und bei Mädchen zu 20% Homo- oder Bisexualität Warnung: Entgegen populären Darstellungen in Medien gibt es keine einfachen Zusammenhänge zwischen Hormonspiegel und psychologischem Geschlecht Beispiel Jacklin et al. 1988: Androgenspiegel in der Nabelschnur nach Geburt korreliert bei Mädchen negativ mit räumlichem Vorstellungsvermögen im Alter von 6 Jahren 2D:4D Quotienten problematisch
- Neuronales Geschlecht - Neuronale Ebene? - Unterschiede? Warum? - Breedlove 1997? Umstritten sind auch Geschlechtsunterschiede auf neuronaler Ebene beim Menschen wegen ihrer meist einseitig-biologistischen Erklärung: sie werden als Ursache von Geschlechtsunterschieden im Verhalten und Erleben betrachtet Natürlich können sie aber auch Konsequenzen des Verhaltens und Erlebens oder einer geschlechtstypischen Umwelt sein (incl. Geschlechtsstereotype) Breedlove 1997: Bei Ratten führte experimentell variierte Häufigkeit des Geschlechtsverkehrs zu neuronalen Veränderungen: Sex wirkte auf das Gehirn
- Geschlechtsentwicklung - 3 Leistungen bei der Entwicklung des Geschlechtsverständnisses von Kindern? - Geschlechtspräferenzen? - Kinderläden-Studie? Drei Leistungen bei der Entwicklung des Geschlechtsverständnisses von Kindern: 1. Erwerb des Geschlechtsstereotyps 2. Erwerb der typischen Geschlechtsrollen 3. Erwerb der Geschlechtskonstanz Unabhängig vom Geschlechtsverständnis können Geschlechtspräferenzen im Verhalten bestehen. Sie können, müssen aber nicht Konsequenzen des Geschlechtsverständnisses sein Beispiel: Frühe Präferenzen für bestimmtes Spielzeug, bevor das Geschlechtsstereotyp erworben ist Kinderläden-Studie: Versuche in den 1970er Jahren, Kinder in antiautoritären Kinderläden „geschlechtsneutral“ zu erziehen, scheiterten; Jungen dominierten dort Mädchen stärker, da Erzieher nicht einschritten
- Geschlechtsentwicklung Resumee Geschlechtsunterschiede sind primär genetisch bestimmt und werden sekundär im Verlauf der Schwangerschaft durch hormonelle Einflüsse und nach der Geburt durch das Geschlechtsstereotyp der Kultur überformt Hierbei entwickeln sich geschlechtstypische Einstellungen und Verhaltensmuster weitgehend unabhängig vom Erwerb des Geschlechtsstereotyps der jeweiligen Kultur. Es gibt kulturelle Unterschiede in der Größe bestimmter Geschlechtsunterschiede, aber keine Umkehrung der Unterschiede
- Geschlechtsunterschiede - Effektgröße d? - Metaanalysen? - Eaton und Enns 1986? - mentale Rotation? - Mathematikbegabung? - Korrelation Leistung - Selbstvertrauen? Die Größe kann unabhängig von der Skalierung der jeweiligen Persönlichkeitseigenschaft gemessen werden durch die Effektgröße d: Mittelwertsdifferenz / Standardabweichung -> Die Mittelwertsdifferenz wird also ausgedrückt als Anteil an der Standardabweichung Beispiel: IQ-Test mit M=100, SD=15, Mittelwert Männer 103, Frauen 98: d = (103-98)/15 = 0,33 ->Bei z-transformierten Werten (M=0, SD=1) handelt es sich einfach um die Mittelwertsdifferenz Deshalb sind Metaanalysen möglich, in denen die Effektgrößen der einzelnen Studien gemittelt werden (z.T. gewichtet nach Stichprobengröße) Beispiel Metaanalyse von Eaton und Enns 1986: Geschlechtsunterschiede in der motorischen Aktivität -> Jungen motorisch aktiver, auch pränatal Die größten Geschlechtsunterschiede gibt es in westlichen Kulturen in räumlichen Fähigkeiten, insbesondere der Fähigkeit zur mentalen Rotation -> In 18 Studien ergab sich ein mittlerer Geschlechtsunterschied von fast einer Standardabweichung zugunsten der Männer: d=0,94. Keine Unterschiede in Mathematiktests in unausgelesenen Stichproben, aber wachsende Begünstigung der Männer mit Zunahme des Alters und der Schwierigkeit der Aufgaben Zudem: Deutlich häufiger ist bei Männern mathematische Hochbegabung und völliges mathematisches Versagen Beispiele für Hochbegabung: 17:1 für SAT-Werte über 700 142:2 für Sieger bei Mathematikolympiaden in USA Mathematikleistung korreliert .75 mit Selbstvertrauen bzgl. Mathematik: was ist Ursache, was Wirkung? Vermutlich 3 Gründe für Geschlechtsunterschiede: - mentale Rotation korreliert mit Mathekompetenz - mangelnde Ermutigung von Mädchen - dadurch abnehmendes Selbstvertrauen bei ihnen -> geschlechtsgetrennter Unterricht in Mathematik fördert mathematisches Interesse bei Mädchen, nicht aber mathematische Fähigkeiten
- Geschlechtsunterschiede - Effektgröße d? - Metaanalysen? - Eaton und Enns 1986? - mentale Rotation? - Mathematikbegabung? - Korrelation Leistung - Selbstvertrauen? Die Größe kann unabhängig von der Skalierung der jeweiligen Persönlichkeitseigenschaft gemessen werden durch die Effektgröße d: Mittelwertsdifferenz / Standardabweichung -> Die Mittelwertsdifferenz wird also ausgedrückt als Anteil an der Standardabweichung Beispiel: IQ-Test mit M=100, SD=15, Mittelwert Männer 103, Frauen 98: d = (103-98)/15 = 0,33 ->Bei z-transformierten Werten (M=0, SD=1) handelt es sich einfach um die Mittelwertsdifferenz Deshalb sind Metaanalysen möglich, in denen die Effektgrößen der einzelnen Studien gemittelt werden (z.T. gewichtet nach Stichprobengröße) Beispiel Metaanalyse von Eaton und Enns 1986: Geschlechtsunterschiede in der motorischen Aktivität -> Jungen motorisch aktiver, auch pränatal Die größten Geschlechtsunterschiede gibt es in westlichen Kulturen in räumlichen Fähigkeiten, insbesondere der Fähigkeit zur mentalen Rotation -> In 18 Studien ergab sich ein mittlerer Geschlechtsunterschied von fast einer Standardabweichung zugunsten der Männer: d=0,94. Keine Unterschiede in Mathematiktests in unausgelesenen Stichproben, aber wachsende Begünstigung der Männer mit Zunahme des Alters und der Schwierigkeit der Aufgaben Zudem: Deutlich häufiger ist bei Männern mathematische Hochbegabung und völliges mathematisches Versagen Beispiele für Hochbegabung: 17:1 für SAT-Werte über 700 142:2 für Sieger bei Mathematikolympiaden in USA Mathematikleistung korreliert .75 mit Selbstvertrauen bzgl. Mathematik: was ist Ursache, was Wirkung? Vermutlich 3 Gründe für Geschlechtsunterschiede: - mentale Rotation korreliert mit Mathekompetenz - mangelnde Ermutigung von Mädchen - dadurch abnehmendes Selbstvertrauen bei ihnen -> geschlechtsgetrennter Unterricht in Mathematik fördert mathematisches Interesse bei Mädchen, nicht aber mathematische Fähigkeiten
- Aggressivität - Aggressionsform? - Geschlechtsunterschiede? Analyse der Aggressionsform: Männer zeigen mehr physische und verbale Aggression, Frauen mehr Beziehungsaggression (relational aggression): indirekte Schädigung durch Beeinflussung Dritter (nachgewiesen nur für Kinder und Jugendliche, im Erwachsenenalter schwer nachweisbar) Archer 2000: Bei physischer Aggression Ausnahme Gewalt zwischen Partnern: Frauen greifen Männer etwas öfter an, erleiden aber mehr Verletzungen -> Mythos von männlicher Gewalt in der Ehe gefördert durch Übergeneralisierung und Tabuisierung
- Sexualität - Warum berichten Männer mehr GV als Frauen? Warum berichten Männer mehr GV als Frauen? 1. Antwortverzerrungen: In Bogus Pipeline Studie berichteten Frauen mehr und Männer weniger GV und es gab keinen Geschlechtsunterschied mehr; entsprechend für Fremdgehen 2. Unterrepräsentation von Prostituierten in Befragungen 3. Zunehmender Frauenanteil in Population ab Alter 18 Jahre 4. Höhere Rate GV bei Schwulen relativ zu Lesben
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- Partnerwahl - Kriterien Mann/Frau? Insgesamt gewichten Männer Schönheit höher als Frauen, Frauen dafür - sozialen Status (d=0,75) - Ambitioniertheit (d=0,55) - guten Charakter (d=0,29) - Intelligenz (d=0,25) - Humor (d=0,22) Im konkreten Fall ist der Einfluss gering, weil viele Merkmale gleichzeitig berücksichtigt werden und die Partnerwahl auch von nicht bewusst wahrgenommenen Partnermerkmalen beeinflusst wird (z.B. Kompatibilität des MHC-Komplexes, vermittelt über Geruch)
- Lerntheoretische Erklärungen - 2 Ansätze? - 3 Hypothesen der Bekräftigungstheorie? - Metaanalyse von Lytton & Romney 1991? Zwei Ansätze: - Bekräftigungstheorie - Imitationstheorie Bekräftigungstheorie besteht aus drei aufeinander aufbauenden Hypothesen: 1.Differentielle Erwartungen der Interaktionspartner 2.Differentielle Bekräftigung durch sie 3.Differentielle Bekräftigungseffekte nachweisbar Differentielle Erwartungen Sie bestehen aufgrund der Geschlechtsstereotype, wobei die Erwartungen in Subkulturen dem vorherrschenden Geschlechtsstereotyp widersprechen können (vgl. Kinderläden-Studie) Differentielle Bekräftigung Metaanalyse von Lytton & Romney 1991: mittlere Effektgröße d=0,43; Väter bekräftigen stärker differentiell (0,49) als Mütter (0,34), besonders bei ihren Söhnen -> Kausalinterpretation unklar: Eltern bekräftigen ihre Kinder oder Kinder bekräftigen ihre Eltern Imitationstheorie beinhaltet zwei mögliche Wege, Geschlechtsunterschiede durch Imitation zu erwerben: 1. Differentielle Beobachtungsgelegenheiten 2. Selektive Imitation gleichgeschlechtlicher Personen Für 1. spricht in westlichen Kulturen wenig, auch bei alleinerziehenden Müttern nicht Gegen 2. spricht - selektive Imitation erst ab Schulalter - Mädchen ahmen weibliches Verhalten männlicher Modelle eher nach als männliches Verhalten weiblicher Modelle, entsprechend für Jungen -> Insgesamt wird Einfluss von Lernen auf die Entwicklung von Geschlechtsunterschieden überschätzt. Die kulturspezifische Form des geschlechtstypischen Verhaltens wird erlernt, aber die meisten grundlegenden Geschlechtsunterschiede können nur durch Lernen nicht erklärt werden, insbesondere nicht warum es bestimmte Geschlechtsstereotype gibt
- Kulturpsychologische Erklärungen - Arbeitsteilung? - Studie von Schlegel & Barry 1986? - Ultimater Erklärungsansatz? - 6 Ableitbare Konsequenzen? - Hauptprobleme evolutionspsychologischer Erklärungen? Gemeinsamkeiten von Kulturen in Geschlechtsunterschieden werden auf körperlich begründete universelle Arbeitsteilung zurückgeführt (z.B. Kraft, Schnelligkeit, Gewicht), Unterschiede zwischen Kulturen auf Unterschiede in deren Ökologie Studie von Schlegel & Barry 1986: In 186 nichtindustriellen Kulturen variierte der Beitrag der Frauen zur Ernährung des Haushalts zwischen 0% (Jäger) und 75% (Sammler) Der Beitrag der Frauen korrelierte mit: - längerem Geschlechtsverkehrstabu nach Geburt - mehr Bekräftigung von Mädchen für Fleiß - geringerer Sanktion vorehelichen GVs bei Frauen - geringerer Vergewaltigungsrate - positiverer Bewertung von Frauen (r=.18) -> Manche Geschlechtsunterschiede lassen sich durch Arbeitsteilung erklären, die meistenaber nicht Ausgangspunkt: Männer können wesentlich mehr Kinder zeugen als Frauen Ultimater Erklärungsansatz Deshalb zahlt sich Investition in viele Kinder ohne elterliche Sorge (quantitative Strategie) für Männer mehr aus als für Frauen, die eher viel in das einzelne Kind investieren sollten (qualitative Strategie). Begrenzt wird dieser Unterschied durch: - Rivalität der Männer um Frauen (Beispiel Harem) - Präferenz von Frauen für investierende Männer - Minimalinvestition in Kinder durch Männer notwendig, variiert mit Ökologie der Kultur Ableitbare Konsequenzen aus Asymmetrie: 1. Männer sollten weniger wählerisch bei Wahl ihrer Partnerin sein und schneller Sex haben wollen bestätigt (Buss & Schmitt 1993) 2. Männer sollten eher Sex ohne emotionale Bindung bevorzugen bestätigt (d=0,81 in Metaanalyse) 3. Männer sollten mehr Wert auf Merkmale von Fruchtbarkeit legen (Jugend, gutes Aussehen), Frauen mehr Wert auf ressourcenreiche und ambitionierte Partner bestätigt (d=0,50 - 0,75 in Metaanalysen) 4. Polygynie sollte verbreiteter sein als Polyandrie bestätigt: in 849 traditionellen Kulturen war in 83% Polygynie erlaubt, aber in nur 0,05% Polyandrie, und dort war gleichzeitig auch Polygynie erlaubt (z.B. Tibet) 5. Männer sollten sich weniger an der Kindererziehung beteiligen im Mittel bestätigt, wobei die Beteiligung zwischen 0% und über 50% interkulturell variiert 6. Frauen sollten eifersüchtiger bei "emotionalem Seitensprung" des Mannes sein bestätigt durch Beurteilung hypothetischer Situationen Hauptprobleme evolutionspsychologischer Erklärungen: - beruhen auf Optimalitätsüberlegungen, nicht auf nachgewiesenen Entwicklungen - vermittelnde Gene nicht bekannt - Gefahr der Erfindung passender Umwelten, um bekannte Geschlechtsunterschiede zu erklären Überzeugender ist empirische Bestätigung vorher unbekannter Geschlechtsunterschiede (Beispiel: sexuelle versus emotionale Eifersucht)
- Erklärungen Die drei Erklärungsansätze widersprechen sich nicht, sondern sind miteinander vereinbar! Universell vorhandene Geschlechtsunterschiede rechtfertigen nichts: aus Sein folgt nicht Sollen! Beispiel: Vergewaltigung von Frauen durch Männer Umgekehrt ist die Abwesenheit von Geschlechtsunterschieden nicht unbedingt erstrebenswert: hierfür spricht wissenschaftlich gar nichts, rein politische Entscheidung! Beispiel: Anteil von Männern im Psychologiestudium