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Persönlichkeitspsychologie (Fach) / Persönliche Umwelt und Beziehungen (Lektion)

Persönliche Umwelt Beziehungen - Netzwerke - Soziometrie - Bindungen - Unterstützung - Partnerschaft

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  • Persönliche Umwelt - Situation? - Sarason et al. 1987? - Setting? - Beispiel Gosling et al. 2002 Situation: aktuelle Umweltbedingung einer Person Situationsexposition: Häufigkeit oder Dauer, mit der eine Person Situationen eines bestimmten Typs ausgesetzt ist, abhängig von Persönlichkeit und Umwelt. Oft ist bereits Situationsdefinition personabhängig: Sarason et al. 1987: Selbstbeurteilte Einsamkeit korrelierte -.28 mit Zahl der Beziehungen -.53 mit Zahl der als unterstützend erlebten Bez. -.63 mit Zufriedenheit mit der Unterstützung Setting: unabhängig von der Person definiert Beispiel Gosling et al. 2002: Zimmerbetrachtung: Beurteilerübereinstimmung für Big Five des Bewohners ca. .50; Korrelationen mit Big Five des Bewohners (Selbst- und Fremdurteile) substanziell: .20 (Verträglichkeit) bis .65 (Offenheit)
  • Situationsexposition - Messverfahren? - Beispiel Logbuch (Perrez & Reicherts 1989)? Messverfahren 1.retrospektive Einschätzung (ungenau bereits für vorangegangenen Tag, sehr unzuverlässig für vergangene Woche) 2. Tagebuch, Logbuch (z.B. Palmtop, Internet; wichtig zur Kontrolle des Aufzeichnungsdatums) 3.Piepsertechnik (6-10 pro Tag in randomisierten Abständen) 4. direkte Beobachtung (Protokollierung durch Beobachter oder kontinuierliche Verhaltensmessung) Beispiel Logbuch (Perrez & Reicherts 1989): Computergestütztes Erfassungs-System COMES zur Erfassung von Bewältigungsstilen: Personal einer Krankenhausstation beantwortet zwei Wochen lang möglichst direkt nach definierten Belastungen Fragen zu Bewältigungsverhalten und dessen Erfolg in verzweigter Programmstruktur  auch komplexe Verhaltens-Reaktions-Sequenzen sind erfassbar
  • Persönliche Beziehungen - Charakteristika? - Beziehungsschema? - Beziehungsentwicklung? Eine soziale Beziehung ist eine Beziehung zwischen zwei Bezugspersonen. Beziehungen charakterisieren Dyaden (Personen-Paare) Persönliche Beziehungen sind abhängig von Persönlichkeit, charakterisiert durch: 1.stabiles Interaktionsmuster 2. Beziehungsschema: - Bild eigener Person in Beziehung - Bild der Bezugsperson - Interaktionsskript -> Beziehungsentwicklung: dynamische Wechselwirkung zwischen zwei Persönlichkeiten: Beziehung ist Funktion von Persönlichkeit 1, Persönlichkeit 2, Interaktionsgeschichte
  • Egozentrierte Netzwerke - Beziehungsmatrix? - Beziehungsstatus? - Asendorpf & Wilpers 1998? Netzwerkansatz: individuelles Netzwerk (egozentriertes Netzwerk) aller Beziehungen Beschreibung durch Beziehungsmatrix: Bezugspersonen x Beziehungsqualität -> Berechung von Merkmalen des Beziehungsstatus (u.a. Netzwerkgröße, Konflikthäufigkeit mit Eltern, Zahl der unterstützend empfundenen Beziehungen) -> mittelfristig weniger stabil als Persönlichkeitseigenschaften (Beziehungsqualität, wechselnde Bezugspersonen) korreliert mit der Persönlichkeit, weil - er persönlichkeitsabhängig definiert ist - die Persönlichkeit Beziehungen beeinflusst - Beziehungen die Persönlichkeit beeinflussen Asendorpf & Wilpers 1998: Persönlichkeit beeinflusste Beziehungen, nicht umgekehrt, z.B. wuchs Peer-Netzwerk bei Schüchternen langsamer als bei Nichtschüchternen nach Eintritt in Universität
  • Soziometrischer Status - Moreno 1934? - 4 soziometrische Typen? Moreno 1934: Soziometrie, z.B. Soziogramm einer Schulklasse beruht auf positiven oder negativen Wahlen Bei positiven und negativen Wahlen nur mäßig negative Korrelation zwischen Beliebtheit und Unbeliebtheit, eher 4 soziometrische Typen 1. Abgelehnt 2. Kontrovers 3. Beliebt 4. Ignoriert
  • Bindungen - Definition? - Bindungsstile? - Ainsworth et al. 1978: Fremde-Situation-Test? - Main & Solomon 1986? - Mutter und Vater mit dem Kind? - Persönlichkeitsmerkmal? - Korrelation? Besonders enge, emotional bedeutsame Beziehungen werden als Bindung bezeichnet, stabile Unterschiede in der Qualität der Bindung als Bindungsstile Ainsworth et al. 1978: Beobachtung von Bindungsstilen bei 12-18 Monate alten Kindern im Fremde-Situation-Test -> Drei Bindungsstile empirisch identifiziert: B: sicher -> Keine Vermeidung des Kontaktes und der Nähe zur Mutter A: vermeidend -> Ignorieren oder aktives Vermeiden der Mutter C: ängstlich-ambivalent -> Zeichen eines Annäherungs-Vermeidungs-Konflikts gegenüber der Mutter Main & Solomon 1986: Erweiterung auf D: desorganisiert-desorientiert in klinischen Stichproben oft häufiger als sicher Stabilität über mehrere Monate, wenige Jahre: In Risikostichproben ist die Stabilität geringer als in stabilen Familien Werden Mutter und Vater mit dem Kind beobachtet, ist der Bindungsstil bezüglich sicher - unsicher nicht konsistent; nur die Form der Unsicherheit (Typ A, C, D) zeigt eine mittelhohe Konsistenz zwischen den Eltern: der Bindungsstil ist kein Persönlichkeitsmerkmal des Kindes, sondern beziehungsspezifisch Bindungssicherheit korreliert am höchsten  mit der Einfühlsamkeit der Bezugsperson in die kindlichen Bedüfnisse (um .25)
  • Bindungsstile bei Erwachsenen - George et al. 1985? - Klassifikation? - Validität? - Transmissionslücke? - Langfristige Stabilität? Bindungsstile im Erwachsenenalter werden mit zwei völlig verschiedenen Methoden untersucht - Interviewmethode (AAI) - Selbstbeurteilung prototypischer Bindungsstile George et al. 1985: Adult Attachment Interview (AAI): Erwachsene beschreiben Beziehung zu Mutter und Vater in der Kindheit durch Adjektive und sollen dies dann durch konkrete Erlebnisse belegen. Positive, nicht konkret belegbare Beziehungsbeschreibungen und Widersprüche im Interview werden als unsichere Bindung interpretiert Extrem aufwändiges Verfahren: 1-2 Std. Interview plus 8 Std. pro Interview Transkription+Auswertung Klassifikation: autonom-sicher, unsicher-distanziert, unsicher-verwickelt, unverarbeitet -> entspricht Ainsworth-Main-Typen B, A, C, D Gute Validität: AAI-Bindungstyp der Mutter vor der Geburt des Kindes sagt die Bindung des eigenen Kindes im Alter von 12-18 Monaten gut vorher Aber Transmissionslücke: Die mütterliche Einfühlsamkeit korreliert nur mäßig mit AAI sicher/unsicher und Kind sicher/unsicher, erklärt also Zusammenhang nicht ausreichend Langfristige Stabilität des Bindungsstils ist gering: Längsschnittstudien von früher Kindheit (Fremde- Situation-Test) bis zum frühen Erwachsenenalter (AAI) fanden nur geringe oder keine Stabilität der Bindungsstile Stabilität höher in stabilen Familien als in instabilen
  • Bindungsstile bei Erwachsenen -Prototypen-Ansatz von Hazan & Shaver 1987? - Korrelation mit AAI? - Golfkriegsstudie von Mikulincer et al. 1993? - Bartholomew 1990? - Beziehungsspezifität? - Furman et al. 2002? Prototypen-Ansatz von Hazan & Shaver 1987: „Liebes-Quiz“ durch Beurteilung prototypischer Bindungsstile an Liebespartner A,B,C, z.B. A: „Ich empfinde es manchmal als unangenehm, anderen nahe zu sein; ich finde es schwierig, ihnen vollständig zu vertrauen, schwierig, es mir zu erlauben, von ihnen abhängig zu sein. Ich werde nervös, wenn jemand mir zu nahe kommt, und oft wollen Liebespartner mir näher kommen, als mirangenehm ist“ ->Beurteilung auf Likert-Skala: Nur geringe Korrelationen mit Bindungsstilen im AAI, 1. weil kein Bezug aus Eltern 2. idealisierte Beziehungen = unsicher im AAI, aber im Selbsturteil sicher Validität aber auch gut: z.B. Golfkriegsstudie von Mikulincer et al. 1993: Im 1. Golfkrieg berichteten an den Partner sicher gebundene Israelis (Prototypen-Ansatz) über mehr Suche nach Unterstützung durch andere und weniger Angst und Depression, ängstlichambivalente berichteten mehr emotionsbezogene und vermeidend Gebundene mehr defensive Bewältigungsversuche. Dies galt aber nur in Gebieten mit hohem Risiko für irakische Raketenangriffe -> Bindungssystem durch drohende Gefahr aktiviert Bartholomew 1990: Erweiterung des 3-Typen-Modell von Hazan & Shaver 1987, indem sie den vermeidenden Stil in einen abweisenden und einen ängstlichen differenzierte und den ängstlich-ambivalenten Stil als besitzergreifenden Stil interpretierte. Es resultierten 4 Stile: 1. Sicher 2. Abweisend 3. Ängstlich 4. Besitzergreifend Bindungsstile sind auch im Jugend- und Erwachsenenalter stark beziehungsspezifisch: Cook 2000 untersuchte Familien mit 2 Eltern und 2 Jugendlichen und ließ sie ihren Bindungsstil zu allen 3 anderen Familienmitgliedern einschätzen. Unterschiede zwischen den Stilen beruhten primär auf der Interaktion Urteiler x Beurteilter und den Urteilern, nur sekundär auf den Beurteilten Furman et al. (2002) untersuchten mit dem AAI und analogen Interviews für Freunde und Partner Bindungsstile bei Jugendlichen und fanden Korrelationen zwischen Eltern und Freunden, Freunden und Partner, aber nicht Eltern und Partner: Eltern --> Freunde --> Partner
  • Soziale Unterstützung - Stresspuffer-Hypothese von Cohen & Wills 1985? - Unterstützungsformen? - Flor et al. 1995? Stresspuffer-Hypothese von Cohen & Wills 1985: Soziale Unterstützung (instrumentelle, emotionale) fördert die Bewältigung von Belastungen („puffert die Belastungen ab“) verschiedene Formen der Unterstützung, die in unterschiedlicher Weise mit dem Bewältigungserfolg bei Belastungen zusammenhängen: 1. Unterstützungsressourcen 2. Erhaltene Unterstützung 3. Erfahrene Unterstützung 4. Potenzielle Unterstützung Nicht immer ist Unterstützung hilfreich, z.B. Flor et al. 1995: Unterstützung durch den Partner während Rückenschmerzperioden steigerte die Schmerzen und trug zur Chronifizierung der Schmerzen bei
  • Partnerschaft - Welche Persönlichkeit hat ein "guter" Partner? - Neurotizismus? - Kelley & Conley 1987? - Ähnlichkeit - Zufriedenheit? Welche Persönlichkeit hat ein "guter" Partner? Antwort abhängig von Kriterium: - Zufriedenheit mit Partnerschaft (individuell) - Partnerschaftsstabilität (dyadisch) - dyadische Passung der Persönlichkeit Bezüglich individueller Persönlichkeit ist der Neurotizismus bei Mann und Frau der beste Prädiktor für aktuelle Unzufriedenheit und künftige Unzufriedenheit und Trennung Kelley & Conley 1987: Aus Bekanntenurteilen im Alter von 20-30 Jahren zum Zeitpunkt der Heirat wurde der Ehestatus 45 Jahre später vorhergesagt (angegeben sind z-Werte) -> Neurotizismus sagt Trennung überzufällig Bezüglich Passung der Persönlichkeit der Partner zueinander gibt es schwache Beziehungen derart, dass die Ähnlichkeit in manchen Merkmalen die Zufriedenheit mit der Beziehung fördert, z.B. in: - Radikalität der politischen Einstellung - sexuelles Verlangen - Gewissenhaftigkeit - Neurotizismus z.B. sind zwei neurotische Partner zufriedener miteinander, als man nur bei Betrachtung der individuellen Werte erwarten würde Ähnlichkeit in den Einstellungen der Partner fördert auch die Stabilität der Partnerschaft  
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