10
Sozialpsychologie (Fach) / Prosoziales Verhalten (Lektion)
Definition: Prosoziales Verhalten, Motive für prosoziales Verhalten (evolutionspsychologische Erklärungen, sozialer Austausch, Empathie und Altruismus), Persönlichkeit als moderierende Variable, Situationale Determinanten, Wie werden wir zu besseren Menschen?
Diese Lektion wurde von Yanfei erstellt.
- Definiere prosoziales Verhalten und Altruismus. Prosoziales Verhalten ist jede Handlung, die das Ziel hat, einem anderen Menschen Gutes zu tun. Altruismus ist das Bedürfnis, anderen Menschen zu helfen, auch wenn dies mit Kosten/Nachteilen für den Helfer verbunden ist.
- Nenne 3 evolutionspsychologische Erklärungen für prosoziales Verhalten. Die erste Erklärung ist Verwandtenselektion. Ab 3 Geschwistern lohnt es sich, sich für sie zu opfern. Die zweite Erklärung stellt die Reziprozitätsnorm dar, nämlich die Erwartung, dass die Hilfeleistung die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass der Andere in Zukunft hilft. Drittens sind Menschen genetisch programmiert, soziale Normen wie Altruismus zu lernen.
- Was ist die Theorie des sozialen Austauschs? Was wir tun, entspringt dem Bedürfnis, Belohnungen zu maximieren und Kosten zu minimieren. Jemandem zu helfen, ist eine Investition in die Zukunft. Zu helfen, kann eigenes Leiden reduzieren und man erhält soziale Belohnungen durch Anerkennung. Man hilft allerdings umso weniger, je mehr die Kosten steigen.
- Wie beeinflusst Empathie unsere Neigung zu helfen? Nenne eine passende Studie. Wenn wir Empathie fühlen (Fähigkeit, uns selbst in die Lage eines Anderen zu versetzen und Ereignisse/Emotionen genau wie dieser zu fühlen) helfen wir aus rein altruistischen Gründen. Wenn keine Empathie gegeben ist, kommt sozialer Austausch zum Tragen. Bei einer Studie hörten eine Tonbandaufnahme einer verunglückten Studentin mit/ohne Empathieinstruktion und mit/ohne hohen Kosten. Bei hoher Empathie halfen die Probanden unabhängig von der Höhe der Kosten, bei niedriger Empathie eher bei hohen Kosten.
- Welche Auswirkungen haben eine altruistische Persönlichkeit, Geschlechtsunterschiede und kulturelle Unterschiede auf prosoziales Verhalten? Hilfe in einer Situation korreliert nach Studien nur schwach mit Hilfe in einer anderen Situation, also hat eine altruistische Persönlichkeit keine großen Auswirkungen auf prosoziales Verhalten. Männer zeigen eher heroische Handlungen, während Frauen eher in lang andauernden Beziehungen hilfreich sind (entsprechen den Geschlechterrollenerwartungen). Somit helfen Männer eher Fremden und Frauen eher Freunden. In allen Kulturen helfen Menschen eher in der In-Group als Personen der Out-Group, allerdings ist dies in kollektivistischen Kulturen stärker ausgeprägt.
- Was hat die Stimmung für eine Auswirkung auf prosoziales Verhalten? Wenn zuvor eine 10 Cent-Münze gefunden wurde, wird in einem Einkaufszentrum eher Hilfe geleistet, da man in positiver Stimmung eher positive Aspekte des Lebens und der Menschen, die ein Missgeschick hatten, sieht. Außerdem möchte man seine gute Laune erhalten und ist eher in einem Zustand der Selbstaufmerksamkeit, sodass man sich schlecht fühlen würde, wenn man nicht hilft. Hilfreiches Verhalten kann auch dazu dienen, sich aus miserabler Stimmung herauszuholen, dies nennt sich negative state relief.
- Ist prosoziales Verhalten in der Stadt oder auf dem Land wahrscheinlicher? Hilfeverhalten ist in ländlichen Gegenden wahrscheinlicher, da es in der Stadt zu einem urban overload kommt. Dies bedeutet, dass man sich in Städten eher in sich selbst zurückzieht, um nicht von der Vielfalt von Reizen überflutet zu werden.
- Erkläre den Bystander-Effekt und nenne eine passende Studie. Erkläre auch den mehrstufigen Entscheidungsprozess, der abläuft bevor man Hilfe anbietet (oder auch nicht). Nenne auch eine passende Studie zu Punkt 2 (pluralistische Ignoranz). Je mehr Personen die Notlage beobachten, desto weniger helfen. Bei einem Experiment mit vorgetäuschtem epileptischen Anfall und variierter Menge an Zeugen halfen Teilnehmer, die glaubten, sie wären die einzigen Zeugen, eher. Aus dieser Teilnehmergruppe halfen 100% zumindest irgendwann, während in den anderen Gruppen manche auch nach langer Zeit noch nicht halfen. Ein Geschehen bemerken: Dies funktioniert nicht, wenn man in Eile oder abgelenkt ist. Ereignis als Notfall interpretieren: Man geht eher von Harmlosigkeit als von einem Notfall aus, wenn andere dabeistehen. Ursache dafür ist informativer sozialer Einfluss, wir beobachten also andere Menschen, um mit deren Hilfe die soziale Realität zu definieren. Bei einer Studie wurde Rauch in einen Versuchsraum geleitet, während die Probanden Fragebögen ausfüllten. Wenn die Probanden alleine im Raum waren, verließ der Großteil nach einer Weile den Raum und meldete den Rauch. Bei 3 Probanden im Raum meldeten schon deutlich weniger Personen den Rauch, da einem durch das Nicht-Reagieren der Anderen versichert wurde, dass alles in Ordnung sein müsste. Bei 3 Freunden ist dieser Effekt weniger ausgeprägt, da diese eher miteinander kommunizieren. Übernehmen von Verantwortung: ist die Entscheidung, dass es nicht in der Verantwortung von jemand Anderem liegt, einzugreifen. Bei vielen Zeugen entsteht jedoch Verantwortungsdiffusion, also die Frage warum man Nachteile in Kauf nehmen sollte und sich z.B. blamieren sollte, wenn auch Andere da sind, die helfen könnten. Wissen, wie Hilfe zu leisten ist: Bei Ratlosigkeit, welche Hilfe angebracht ist, wird man nicht helfen. Entscheidung, die Hilfe anzuwenden: Selbst wenn man weiß, was zu tun ist, kann man die nötige Technik vielleicht nicht anwenden (z.B. Herzmassage).
- Hilft man eher Freunden oder Fremden? Bei Freunden/Familie geht es nicht um sozialen Austausch oder negative state relief, sondern um langfristige Vorteile. Daher ist man Freunden gegenüber hilfsbereiter als Fremden und es macht auch mehr Spaß. Laut der Theorie der Selbstwerterhaltung gibt es jedoch eine Ausnahme. Man hilft eher dem Fremden als dem Freund, wenn Hilfe auf einer Dimension benötigt wird, die einem selbst wichtig ist (z.B. Bestehen einer Aufnahmeprüfung).
- Wie lässt sich die Wahrscheinlichkeit, im Notfall einzugreifen, steigern? Nenne eine passende Studie. Bei einer Studie wurde in einer Vorlesung der Bystander-Effekt besprochen/nicht besprochen und anschließend fand eine Konfrontation mit einem auf dem Boden liegenden Studenten statt. Probanden die an der Vorlesung zum Bystander-Effekt teilgenommen hatten, halfen häufiger als die Anderen. Es ist somit hilfreich, sich an diesen Effekt zu erinnern. Zudem können prosoziale Aktivitäten durch Programme an Schulen, etc. gefördert werden, allerdings könnte auch ein Überrechtfertigungseffekt auftreten. Starke extrinsische Motivation könnte das intrinsische Interesse vermindern.
Anzeige