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Politikwissenschaft (Fach) / theoskript34 (Lektion)

theoskript34

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  • Nennen die Strukturmerkmale der Moderne im 19. Jahrhundert! 1. Eintritt der Massen2. erhöhte Regulierungskapazität (Industrie, Verkehr, Kommunikation, soziale Frage)3. Nationalgedanke4. Legitimitätskrise nach Französischer Revolution5. Expansion des Staates; höchste Machtentfaltung
  • Welcher Konflikt liegt zwischen Souveränität von Bund und Ländern? (USA-Europa) Konflikte in Europa: Waitz: Lehre von der geteilten Souveränität im Bundesstaat Max von Seidel: "Die Lehre vom Bundesstaat" --> Einheit der Souveränität Paul Laband: Deutsches Reichsstaatsrecht --> Souveräne und nicht-souveräne Staaten   Konflikte in den USA: Federalists und Tocqueville argumjentieren für geteilte Souveränität im Bundesstaat John c. Calhoun und Andrew Jackson sind scharfe Verfechter der Einheit der einzelstaatlichen Souveränität
  • In welchen Bereichen konkurrierten die Staaten Europas im 19. Jahrhundert hauptsächlich? - Militär - Kolonien
  • Was waren Prallelgesellschaften in den neu gegründeten Nationalstaaten (Europas)? (Beispiele) - Katholiken - Nationale Minderheiten - Arbeiter (Konflikt: Nationalstaat vs. Internationalismus der Arbeiterbewegung)
  • Was sagte Ernest Renan in seiner Rede "Was ist eine Nation?" ("Qu'est-ce qu'une nation?") bzw. wie definierte er die Nation? Was ist sein Hauptwerk? Renan sah Nation als große Solidargemeinschaft Zufriedenheit un dden klar ausgedrückten Willen, das gemeinsame Leben fortzusetzen Existenz einer Nation ist ein tägliches Plebiszit Nationen sind nichts ewiges, haben einen anfang und werden enden! ("Europäische Konföderation wird sie wahrscheinlich ablösen.")   Sein Hauptwerk: La vie de Jésus 1863 (Das Leben des Jesus); Dort charakterisierte er Jesus als Mensch, der von seinen Anhängern Gott genannt wird
  • Was sind die 6 Strukturmerkmale des Staates im 20. Jahrhundert? Unsicherheit der Legitimation bei zugleich höchster Machtentfaltung Ausdehnung des europäischen Modells auf ehemalige Kolonien Demokratie = einzige Legitimationsquelle (Volksherrschaft als breite legitime und einzige legitime Quelle von Macht) Beginn der Überwindung des Nationalstaates durch supranationale Organisationen (EU) Skepsis an Steuerungsfähigkeit des Staates in der Postmoderne (Internationale Organisationen, NGOs, Globalisierung der Wirtschaft) Wachsende Kritik am Souveränitätsbegriff (Ohne neue Alternative!)
  • Was ist charakteristisch für den Staat zur Zeit der Weltkriege (1914-1945)? (Aufzählen!) - diese Zeit war der Höhepunkt der Macht und der Ohnmacht für den Staat per se - 1918 war man nicht in der Lage, eine Friedensordnung zu installieren (es herrschte praktisch nur ein großer Waffenstillstand) | Eine Friedensordnung gab es erst nach Ende des zweiten Weltkrieges! - Ökonomische Katastrophen (1923 nur in Deutschland; 1929/30 weltweit) - sich anbahnender Systemischer Konflikt! (Im Prinzip schon seit der Revolution 1917 absehbar! Mit dem Faschismus gab es teilweise sogar drei Systeme) --> Systeme sind unvereinbar, friedliche Koexistenz auf Dauer nicht denkbar
  • Die Staats- und Machtskepsis war 1945 am höchsten. Was war die einzige Funktion, die dem Staat zugestanden wurde? Wie änderte sich das Verhältnis der Staaten nach 1945? Lediglich die Schutzfunktion wurde dem Staat zugewiesen (d.h. Sicherung der Grundrechte, Sicherheit und Sozialstaat) - Nach 1945 gab es eine internationale Kooperation anstatt Konfrontation (EWG, NATO)
  • Was war die Grundphilosophie ("offizielle Theorie") des Staates und von wem? (Nach 1945; d.i. "Postmoderne") Welche Ansicht vertrat sie? Wie hieß die Gegenbewegung? - Grundphilosophie des Staates nach 1945: Kritischer Rationalismus um Karl PopperAnsicht: Fortschritt könne es nur durch sukzessive Reformation geben (in kleinen Schritten; "piecemeal engineering")   Gegenströmung: Kritische Theorie der Frankfurter Schule (Adorno, Horkheimer)Vertrat die Auffassung, dass Liberalismus zwangsläufig zum Faschismus führe
  • Der Staat befindet sich in der Postmoderne in der Krise. Wodurch wurde er in den 1960er/ 70er Jahren angegriffen? - Staatsskepsis (v.a. im Westen)- Entkolonialisierung und dritte Welt- Aufbruch der politischen Kultur in der BRD- abgeschwächte Rolle der USA als Vorbild (durch: (a) Bedeutung des Vietnam-Krieges; (b) Legitimitätsverlust durch Kooperation mit Diktaturen)- Deutschland: Debatten um "Drittes Reich" - Gewaltdiskurs bei RAF und den Grünen (Grüne: "Gewalt gegen Sachen") --> RAF gleitet in Terrorismus ab; Grüne integrieren sich in den Staat
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  • Wer hat nach Max Weber das Monopol an legitimer Zwangsgewalt? Nach Max Weber hat der Staat das Monopol an legitimer Zwangsgewalt.
  • Wer schrieb "Formen bürgerlicher Herrschaft. Liberalismus, Faschismus"? Wann schrieb er es? - Kernaussage? - Reinhard Kühnl schrieb 1971 "Formen bürgerlicher Herrschaft. Liberalismus, Faschismus"   --> Kernaussage war dass Liberalismus zwangsläufig zum Faschismus führe
  • Welche Verbindung zog der Feminismus bzgl. des Staates? Was für eine Rolle spielt "Gerd Brantenberg" dabei? - Aufkommener Feminismus zog eine Verbindung von Staat und Patriarchat --> Legitimitätsproblem für Staat   - Gerd Brantenberg ist eine Mitbegründerin der (lesbischen) Frauenbewegung - Sie entwarf eine Utopie, Hauptwerk: Gerd Brantenberg (1977): Die Töchter Egalias. Ein Roman über den Kampf der Geschlechter. (Egalias dotre)
  • In der Postmoderne kam die Gerechtigkeitsdiskussion auf. Welche Rolle spielt John Rawls? John Rawls veröffentlichte 2 wichtige Bücher und war ein enorm wichtiger Denker der Gerechtigkeitsdiskussion: - Theory of Justice (1961) --> darin entwickelt er ein Gerechtigkeitskonzept (hohe Wirkungsgeschichte) 1999 wendet er sein Konzept auf das Völkerrecht an: - The Law of Peoples (1999)
  • Man könnte argumentieren, dass die Existenz des Staates in der Postmoderne vor der Abschaffung bedroht ist. Was wären Argumente dafür? - Staat lediglich ein historischer Begriff (wie auch Souveränität) - Die Souveränität wird unterminiert - wachsende Bedeutung von NGOs - Regulierungskompetenz angesichts globaler Wettbewerbe ist gering           --> Gefahr des Zusammenbruchs der Sozialsysteme
  • Welche Theorien für die Welt nach dem Kalten Krieg (1990) gibt es? Was haben sie (Ausnahme Kagan.) alle gemeinsam? - Die Theorien sind alle kritisch gegenüber der Wirksamkeit des Staates! (Kagan ausgeklammert) Paul Kennedy 1987: Rise and Fall of The Great Powers: Economic Chance and Military Conflict from 1500 to 2000 Untergang von Imperien, die sich übernehmen (Imperien haben eine Phase ihrer obersten Macht, dann brechen sie zusammen)   Francis Fukuyama 1992: The End of History and the Last Man Wettbewerb von legitimen Modellen der Staatskonstruktion ist vorbei, sieht nur Demokratie als legitimes Modell   Samuel Huntington 1996: The Clash of Civilizations and the Remaking of World Order Kampf der Kulturen Huntingtons These: Kulturen sind die neuen Konfliktlinien der Zukunft, an deren Grenzen kommt es zu Auseinandersetzungen   Richard Rosecrance 1999: Rise of the Virtual State Postuliert den virtuellen Staat, der mti dem Internet und NGOs konkurrieren muss Staat hat in diesem Bild sukzessive weniger Bedeutung   Robert Kagan 2003: Of Paradise and Power; America and Europe in the New World Order Postuliert eine These des amerikanischen Imperiums leitende außenpolitische Ansicht der Bush-Administration  
  • Skizziere die Entwicklung der Souveränitätsdebatten! Jean Bodin (1576) Einheit der Souveränität als Staatsmerkmal Charles de Montesquieu (1748) Teilung der Souveränität unter den Gewalten Jean Jacques Rousseau (1762) Einheit der Volkssouveränität Alexis de Tocqueville (1835) Teilung der Souveränität im Bundesstaat Georg Waitz (1853/1862) Teilung der Souveränität im Bundesstaat Max von Seydel (1872) Notwendige Einheit der Souveränität Paul Laband (1876) Souveräner und nicht-souveräner Staat Hugo Preuß (1889) Souveränitätsbegriff ist historisch überholt
  • Diskutiere die Staatsformen aus Aristoteles Konzept in Bezug auf deren Legitimität heute! Gibt es die Formen von Aristoteles noch in der Praxis? Wenn ja: Beispiele - Lediglich die Demokratie wird als legitim anerkannt!- Die Herrschaft aller ist die einzige zugelassene Legitimationsbasis --> Theorie Praxis: Monarchie --> Vatikan, Saudi-Arabien Tyrannis --> Nordkorea, Simbabwe Aristokratie (heute eigentlich nur noch als Oligarchie möglich) --> Geschichtliche Beispiele: Rhodesien, Südafrika (Apartheit) Politie --> Landsgemeinde Glarus (Schweizer Kanton
  • Wie findet die Entscheidung zwischen Demokratie und Diktatur in der Ideengeschichte statt? Ist es eine einfache Dichotomie? - Ob ein Staat eine Demokratie oder Diktatur ist, wird normativ entschieden; es sind beides normative Ideen! - Es gibt hier keine faktisch-politische Geschichte - Erste Hälfte des 20. Jahrhunderts war vom Kampf Demokratie/Diktatur gezeichnet gezeichnet --> Kampf endültig 1989 entschieden (Fukuyama; End of History; "Wettbewerb von legitimen Modellen der Staatskonstruktion ist vorbei; sieht nur noch Demokratie als legitimes Modell)   -- Eine einfache Dichotomie zwischen Diktatur und Demokratie ist aber auch nicht möglich! Beispiele: gelenkte Demokratie (Russland unter Putin) Iran: Theokratie mit demokratischen Elementen Westliche Demokratie: Rolle von Gelt in den Wahlen (v.a. US-Wahlkampf
  • Wie heißen die Hauptwerke von Karl Loewenstein? Wie war seine Unterscheidung der Staaten? Was sind die Hauptmerkmale? Hauptwerk Von Karl Löwenstein: Verfassunbgslehre (1969) [ Erstmals 150er als Plitical Power and the Governmental Process   - Karl Loewenstein unterschied zwischen Konstitutionalismus und Autokratie--> Wesentlich hierbei: Frage der Macht (beschränkt; unbeschränkt) / Frage der Willensbildung (von unten nach oben; von oben nach unten) Demokratie: Wenn die Macht beschränkt ist und Willensbildung von unten nach oben statt findet. Diktatur: Wenn die Macht unbeschränkt ist und die Willensbildung von oben nach unten statt findet   Problem: Keine eindeutige Zuordenbarkeit!
  • Nehmen wir an, man hätte einen Staat ohne System.. Welche Staatsform könnte man leichter etablieren, Demokratie oder Diktatur? - Demokratie! lässt sich einfach etablieren man muss lediglich die Gleichberechtigung der Bürger als Basis akzeptieren und alle Bürger einbeziehen   (In Diktaturen werden bestimmte Gruppen von der Macht ausgeschlossen. Sie erhält ihre Legitimation durch die Begründung, warum bestimmte Gruppen ausgeschlossen werden.)
  • Warum haben sich Demokratien nur im Westen von innen heraus entwickelt? Nenne auch die wesentlichen Elemente der westlichen Zivilisation!(Ältere und neuere) Ursachen dafür, dass es nur im Westen Demokratie von Innen heraus gab: Verfolgungsphase des Christentums (Beim Islam gehörten Politik und Religion eng zusammen, Staat und Religion als Einheit; Christentum --> Verfolgung --> staatsunabhängige Glaubensstrukturen --> Doppelstruktur/Trennung Staat und Religion  ) Trennung von Staat und Religion (--> Kritische Denker, die von Kirche verfolgt wurden, konnten sich in weltliche Macht retten) Kombination der wesentlichen Faktoren der westlichen Zivilisation!   Wesentliche Faktoren der westlichen Zivilisation: (Ältere Elemente) Griechische Philosophie Römisches Recht Jüdisch-christlicher Monotheismus Germanistischer Freiheitsgedanke(neuere Elemente:) Mittelalterliche Scholastik Humanismus und Renaissance (Individualismus) Moderne Wissenschaften (empirisch orientierte Wissenschaften) Säkularisierung der Aufklärung Industrielle Revolution (stellt letztlich auch die Basis für technische Durchfürbarkeit)
  • Was sind die Definitionen von Macht und Herrschaft bei Max Weber? Welche Formen legitimer Herrschaft kennt er? Definitionen von Max Weber: (Aus Wirtschaft und Gesellschaft, 1922) Macht: "Macht bedeutet jede Chance, Innerhalb einer sozielen Beziehung den eigenen Willen auch gegen Widerstreben durchzusetzen, gleichviel worauf diese Chance beruht."  Herrschaft: "Herrschaft soll heißen die Chance, für einen Befehl bestimmten Inhalts bei angebbaren Personen Gehorsam zu finden.“   Formen legitimer Herrschaft nach Max Weber: traditional: Alltagsglauben und Heiligkeit von jeher geltender Ordnung; z.B. Feudalismus, Stammesgesellschaft, Monarchie rational/legal: Legalität gesetzt Ordnungen (Bürokratie) charismatisch: Hingabe an außeralltägliche Heiligkeit einer Person (Prophet)
  • Nenne zwei Denker der Frankfurter Schule! - Theodor W. Adorno - Max Horkheimer
  • Welche vier Phasen kennt die Ideengeschichte der Demokratie? Antike Reformation (erstmals Menschenwürde als Begriff) Aufklärung im 18. Jahrhundert England, USA: Repräsentation als Mechanismus (Westminster-Modell)
  • Was sind die Grundprinzipien der Diktatur? (Autoritär und Totalitär) Grundprinzipien der Diktatur: Autoritäre Diktatur: "wer nicht gegen uns ist, ist für uns" Totalitäre Diktatur: "wer nicht für uns ist, ist gegen uns"
  • Was ist die Voraussetzung für eine totalitäre Diktatur? Und warum gab es sie erst in der Neuzeit? Voraussetzung für eine totalitäre Diktatur: eine starke Durchdringung der Gesellschaft! (wg. Überwachung) Das wurde erst möglih, als die technischen Voraussetzungen gegeben waren. Daher kann es sie "erst" seit der Neuzeit geben
  • Zeichne die Ideengeschichte der Diktatur! Beginne in der Antike und höre bei Carl Schmitt auf! - Ideengeschichte der Diktatur begann in der römischen Republik: - normalerweise gab es dort zwei gleichberechtigte Konsuls, die sich gegenseitig kontrollieren (Einer kann die Entscheidungen des anderen ungültig machen. --> Machtbeschränkung)- in Krisensituationen, die Handlungen erfordern (z.B. Anstehender Krieg; Akute Bedrohung etc.) konnte Doppelspitze hinderlich werden, daher konnte ein Diktatur bestimmt werden, der auf Zeit bestimmt wurde (6 Monate) und keiner Machtbeschränkung unterlag!--> War also ein Notfallinstrument. Das Notfallinstrument wurde von Sulla und Cäsar zur beständigen Regierungsform ausgebaut. Sie machten sich durch eine Erklärung des Dauernotstands zu ständigen Diktaturen   - Begriff der "Diktatur" kam erst in der Neuzeit auf - Marxismus und Diktatur des Proletariats - Schwäche der Weimarer Demokratie rief Carl Schmitt auf den Plan. Dieser argumentierte gegen die Weimarer Demokratie und befürwortete eine Führerdemokratie. Damit wurde er zum "Totengräber der Demokratie in Deutschland."--> Werke Dazu:                             - Carl Schmitt (1923): Zur geistesgeschichtlichen Lage des heutigen Parlamentarismus                             - Carl Schmitt (1924): Die Diktatur des Reichspräsidenten  
  • Was sind die Grundelemten autoritärer Diktaturen? Was sind Beispiele? Grundelemente autoritärer Diktaturen: Ausschaltung demokratischer Willensbildungsprozesse Willkür statt Rechtsstaat, keine Gewaltenteilung Gelenkte Presse Gewisse Spielräume für Privatsphäre und freie Wirtschaft Politischer Quietismus als Überlebensrichtlinie (also Füße still halten)   Beispiele für autoritäre Diktaturen: Absolute und konstituionelle Monarchien Militärdiktaturen (Idi Amin Dada [Uganda], Augusto Pinochet [Chile]) Entwicklungsdiktaturen (linke Diktaturen, haben sich die "Entwicklung ihres Landes" zum Ziel gesetzt)
  • Zur Zeit des Kalten Krieges kooperierte der Westen z.T. mit diktatorischen Regimen, um gegen den Sozialismus zu kämpfen. Bzw. um "Bollwerke gegen den Kommunismus" zu schaffen. Gibt es solche Kooperationen heute auch? Wenn ja, wofür? - Ja, auch heute kooperiert der Westen mit diktatorischen Regimen - sie suchen die Diktaturen für den Kampf gegen den Terror auf (Beispiele: Kasachstan, Usbekistan, Pakistan)
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  • Von wem stammt der Begriff der totalitären Diktatur? - Der Begriff der totalitären Diktatur stammt vom (liberalen) italienischen Politiker Giovanni Amendola (nennt Faschismus"systema totalitario") - er war gegner des Faschismus und wurde 1926 umgebracht
  • Wie wurde der Begriff der totalitären Diktatur in Deutschland verwendet? - von deutschen Juristen wurde der Begriff ab 1933 positiv verwendet (v.a. von Carl Schmitt und Ernst Forsthoff) (Ernst Forsthoff: 1933 Der totale Staat)   - Kritik von Karl Popper in The Open Society and its Enemies (1945) und The Poverty of Historicism (1961)
  • Was sind die Merkmalel totalitärer Diktaturen nach Carl Friedrich und Zbigniew Brzezinski? Wie arbeitet Hannah Arendt totalitäre Diktaturen auf? Was sind Beispiele für totalitäre Diktaturen? Merkmale totalitärer Diktaturen nach Friedrich und Brzezinski: Verbindliche Ideologie (umfassende, allgemeinverbindliche auf Schaffung einer neuen Gesellschaft ausgerichtete Ideologie mit Wahrheitsanspruch) Hierarchische Massenpartei (eine einzige, hierarchisch orientierte Massenpartei, die mit dem Staat identisch ist, oder ihn bestimmt; (Partei = Staat)) Geheimpolizei und Terror (ein physisches, psychisches Terrorsystem: Kontrolle und Überwachung durch Geheimpolizei) Monopol an Massenkommunikation (nahezu vollständig, z.B. Radio in NS-Diktatur) Monopol an Waffen  (Monopol der Anwendung der Kampfwaffen) Zentral gelenkte Wirtschaft (zentrale, bürokratisch koordinierte Überwachung und Lenkung der wirtschaft; z.B. Vierjahresplan! ) -->  Friedrich/Brzezinski 1956: Totalitarian Dictatorship and Autocracy   Hannah Arendt 1951: The Origins of Totalitarianism Arendt: jede beliebige Ideologie kann durch Terror in eine neue Staatsform (Totalitarismus) transformiert werden (NS mit Antisemitismus, Stalin mit klassen- und nationsloser Gesellschaft)--> Neudefinition der Moral im Namen einer Ideologie! italienischer Faschismus und DDR sind bei ihr keine totalitären Staaten Beispiele für Totalitäre Staaten: Mussolini Hitler (6 Mio. Juden) Lenin Stalin (20 Mio.) Mao (70 Mio.) Kim Il Sung (auch heute noch "ewiger Präsident") Pol Pot (2 Mio | von 7 Mio!)
  • Wie lautet das Fazit zu Demokratie vs. Diktatur als Staatsform? - Welche Form kann im 20. Jahrhundert als einzige Legitimität erhalten? - Welche Rolle spielt die gesellschaftliche Komplexität? Demokratie und Diktatur sind zwei grundlegend unterschiedliche Entscheidungsvorlagen. Legitimität beanspruchen beide. Im 20. Jahrhundert hat sie nur noch die Demokratie. Diktaturen versuchen trotzdem, ihre Legitimität zu begründen. Moderne Gesellschaft ist zu komplex als dass sie durch Anordnungen gesteuert werden könnte. „Komplexität der Welt lässt sich nur pluralistisch begreifen. Pluralismus lässt sich nur in liberalen, demokratischen Gesellschaften verwirklicht.“
  • Was sind die drei wesentlichen Hochkulturen, die in eigenen Entwicklungen eigene (andere) Denkformen (als wir) entwickelt haben? China Indien Islam
  • Was sind die Strukturen des politischen Denkens in Asien? Strukturen des politischen Denkens in Asien: Stabilität statt Veränderung als Ziel (Gegensatz zum europäischen Fortschrittsgedanken) (Anderes Verhältnis zu despotischen Systemen, da sie Stabilität gewährleisten konnten) Gemeinschaft statt Individuum (Seit Renaissance ist Individuum in Europa Ausgangspunkt des Denkens! // Dagegen: Pflichten des Individuums stehen in Asien im Vordergrund) andere Rolle der Region (Islam; schärferer Monotheismus, der immer mit Politik verbunden ist; China/Indien: Polytheismus, verbunden mit religiöse Toleranz) Kreislauf statt Teleogie und Fortschritt (Wiederkehr statt Fortschritt; Europäische Weltsicht: Definitiver Anfang und definitives Ende (jüngstes Gericht); Asien: Ewige, immer gleiche Wiederkehr des bestehenden, Kreislauf aller Geschöpfe, Kreislauf der Jahreszeiten) Ganzheitlich-holistisches statt analytisches Denken (ganzheitliches Denken, nicht in Bestandteile zerlegend (analytisch)) Kein Interesse an Eroberungen und Entdeckungen (gilt nicht für Islam, der ist an Ausbreitung interessiert ("Eroberungsreligion")) Keine industrielle Revolution (--> technologischer Vorsprung des Westens; Osten will die industriellen Errungenschaften übernehmen ohne westliche Werte zu übernehmen)
  • Wie liefen die Kontakte zwischen westlicher und östlicher Welt ab? - Kontakt China/Indien & Westliche Welt : Handel und einzelne Gelehrte (diplomatische Missionen) - Kontakt Islam & Westliche Welt: Von Gewalt geprägt, viel intensiver als zwischen Westen und China/Indien.. | Gelgentlicher Austausch von Gesandtschaften (Karl der Große und Harun al-Raschid
  • Gab es Missionare von China/Indien bzw. vom Islam in die westliche Welt? Nein! --> Indien/China sind nicht an einer Ausbreitung interessiert und der Islam muss es mit der Eroberung der Gebiete verbinden (besser unter muslimischem Tyrann leben als unter ungläubigen gerehten Herrscher!) - Es nur Missionare vom Westen zum Osten
  • Was sind die Grundkonzepte des indischen Denkens? Wie stehen sie zueinander, was bedeuten sie? Grundbegriffe: rta, dharma, artha, kama, moksha, danda, artashastras, ahamkar Rta = "Ordnung der Dinge" (Gesetze. Sie sind nicht von Gott gegeben, sondern sie sind Gott! Sind natürlich, moralisch und rational. = Göttliche Ordnung, bleibt dadurch erhalten, dass jeder seinen Platz einnimmt und gemäß den Gesetzen lebt. Nicht-Einordnung ==> Gefahr der Zerstörung der Ordnung des Universums selbst.)Rta führt zu dharma (Hinduismus und Buddhismus) dharma = Recht, Sitte, Gesetz, ethische Pflichten ( "das was richtig ist" --> unpersönlich und kein feststehender Kanon wie die 10 Gebote. Vom dharma hängt das persönliche Karma ab; Folgen und Konsequenzen der Handlungen des Menschen Artha (Wohlstand, Macht), Kama (Lust, Sexualität) und Moksha (Erlösung) sind die legitimen Lebensziele. Unterschiedliche Gewichtungen: Moksha ist das höchste Ziel. Würden die Menschen die objektiven Regeln des dharma einhalten, wäre alles in Ordnung, dann gäbe es kein danda und keine Regierung (!), da dem nicht so ist benötigt man eine Kraft (d.i. eine politische Ordnung!), das ist Danda Danda = Kraft, Strafe (Braucht Mensch, um ihn beim dharma zu halten.Danda führt zu Literatur (Eigentliche Literatur über Politik:) Dharma und Danda sind Zentralbegriffe, die von späteren Autoren getrennt diskutiert wurden! (Also entweder das eine oder das andere) Schriften über Danda führen zu artashastras = Schriften über Politik - Menschliche Gesellschaft ist aus Kasten mit je unterschiedlichen Pflichten und Möglichkeiten zusammengesetzt (Individuum spielt keine Rolle). Moral und Gesetz ist von sozialer Gruppe und der Zeit abhängig. Keine Einheit im Staat. Strafen sind abhängig von der Kaste! Niedergang des moralischen Gefühls für Pflicht der Kaste führt zu ahamkar = Individualität, Selbstliebe, Stolz (ist negativ konnotiert und macht die Regierung notwendig!)
  • Wer befördert das dharma? Was bedeutet das? (Erinnerung: Rta = Ordnung der Dinge; Rta führt zu dharma = Recht, Sitte, Gesetz, ethische Pflichten) - Der König befördert dharma! (Damit auch Gerechtigkeit, Handel, Wohlstand, Künste) --> Er ist auch mit verantwortlich für die Taten/ das Verhalten seiner Untertanen!  
  • Was sind die sieben Organe des Staates? (Weitgehender Konsens der indischen Autoren über die Rolle des Politischen) König seine Minister Territorium des Staates Befestigung des Staates die Armee die Verbündeten
  • Was sind die Vier Wege zum Machterhalt im indischen Denken? Was benötigen sie? (Weitgehender Konsens der indischen Autoren über die Rolle des Politischen) Vier Wege zum Machterhalt Überredung Bestechung Intrige Gewalt --> Alle benötigen effiziente Beamte und viele Spione
  • Was ist im indischen Denken erlaubt, um der Erhaltung der Gemeinschaft zu dienen? (Weitgehender Konsens der indischen Autoren über die Rolle des Politischen) - Gewalt, Grausamkeit und Lüge sind erlaubt, wenn es der Erhaltung der Gemeinschaft dient  (vgl. mit Machiavelli!)
  • Bitte eine strukturelle Zusammenfassung / Merkmale des politischen Denkens der Hindus nennen! Politisches Denken der Hindus ist didaktisch-deskriptiv ohne analytisch-theoretische Interessen. (Man begnügt sich damit, wiederzugeben, was andere vorher geschrieben haben!) Politisches Denken der Hindus ist konservativ und apologetisch, ohne kritischen Impuls (z.B. Bezogen aufs Kasten-System) Politisches Denken der Hindus ist Pflicht-orientiert (und nicht Rechte-orientiert) Pflichten ergeben sich aus der sozialen Rolle. Die soziale Rolle ergibt sich aus der Kaste und ist somit für die Menschen unterschiedlich! Im politischen Denken der Hindus ist die Wahrheit inhärent pluralistisch! (Es gibt viele Wahrheiten, nicht die eine Wahrheit! --> Erkenntnistheorie und Wissenschaft entwickelte sich nicht, da die Unterscheidung von wahr und falsch keine Rolle spielt) Im politischen Denken der Hindus spielen Sitten und Gebräuche eine große Rolle! (Ordnung ist vorgegeben, Mensch kann nichts daran ändern; --> Idee der Gesetzgebung entwickelte sich nicht! Ebenso: Souveränität, politische Rationalität, sozialer Wandel; --> es fehlen praktisch alle westlichen politischen Begriffe!) Abwesenheit fast aller westlichen politischen Begriffe im politischen Denken der Hindus!  
  • Wer war der einzige indische Denker, der aus dem Rahmen der anderen Denker herausfiel? Mit wem wird er gern verglichen? - ein großer Denker: Kautilya - wird gern als "indischer Machiavelli "bezeichnet (Ebenso Han Fei als "chinesischer Machiavelli" und Ibn Khaldun als "arabischer Machiavelli"..) - Kautilya war Berater und Premiermenister von Chandragubta Maurya (Chandragupta begründete Maurya Dynastie und eroberte ganz Indien, Pakistan, Afghanistan (Südindienm eroberte er nicht); Kautilya war zunächst Chandraguptas Berater. Später war er selbst Premierminister) - Kautilya kämpfte auch gegen die Garnisonen Alexanders!- Laut Plutarch trafen sich Kautilya und Alexander der Große sogar! --> Treffen eher unwahrscheinlich, trotzdem zeigt es, dass er den griechisch-römischen Autoren bekannt war (als "Sandrakottos")  
  • Was sind die Hauptwerke des indischen Denkers Kautilya? Was ist deren Inhalt? - Kautilya schreibt zwei wesentliche Bücher:   Arthashastra ("Lehrbuch der Macht"; "Wissenschaft der Politik"; Aufgeteilt in 15 Bücher) Nitishastra (Abhandlung über das ideale Leben (216 der 455 Aphorismen beschäftigen sich mit dem richtigen Leben für einen König) --> Art Fürstenspiegel - Arthashastra ist ein umfassendes Handbuch; finanzielle und diplomatische Politik, Wohlfahrt, Internationale Beziehunbgen, Kriegsstrategien - Ziel lt. Arthashastra ==> Machterhalt (dafür waren alle Mittel erlaubt!; Max Weber: Machiavelli ist harmlos dagegen)
  • Was sind die Grundcharakteristika des politischen Denkens Chinas? Was ist der Hauptunterschied zwischen dem indischen Denken und dem chinesischen Denken? (Wirkung!) - Denken Chinas ist eng Verbunden mit Kunst (Musik!) und Politik // (weniger mit Relgiion und Naturwissenschaft - Himmel, Erde, Mensch sind die drei Komponenten des Kosmos; sie werden durch eine Gemeinsame Ordnung regiert (= dao; der Weg) - Chinesisches Denken ist sehr vielfältig und strahlt sehr weit aus (Taiwan, Korea, Japan; ähnlich wie Griechenland) - Indiens Denken bleibt eher reduziert
  • Was ist "dao" im chinesischen Denken? - Dao ist die friedliche, objektive Ordnung des Kosmos Kosmos hat drei Komponenten: Himmel Erde Mensch
  • Was sind die vier Phasen des politischen Denkens in China? Phase: Beginn des politischen Denkens: c.a. 1766 v.Chr. (Xia-Dynastie) Phase: größte Blüte theoretischer Schriften: ab Beginn der Desintegration der Zhou-Dynastie (ab ca. 770 v.Chr.) in der "Zeit der streitenden Reiche" (475-221)--> Entwicklung von Konfuziuanismus, Taoismus, Legalismus Phase: Herrschaft des Konfuzianismus (als Staatsdoktrin) (ab ca. 206 v.Chr. ) Phase: Neo-Konzuianismus (ab 11./12. Jahrhundert bis zur Republik 1911) ( rigorose Beamten-Examen; geschult in konfuzianischen Schriften   Neo-Konfuzianismus: Reformen des Konfuzianismus
  • Wer war die Zentrale Figur des Konfuzianismus? Was war sein Hauptwerk? Um was kreist der Inhalt des Hauptwerks? Was war sein Ziel? - Zentrale Figur des Konfuzianismus war Konfuzius (oder auf Kong Fu Zi)(er war reisender Gelehrter und Lehrer, hatte auch verschiedene Beamtenpositionen) - Sein Hauptwerk ist Lunyu ("Gespräche", "Analekten") Inhalt kreist um: (/ Elemente seines Denkens) Humanität Rechtschaffenheit Kindliche Pietät Riten   Sein Ziel war: Wiederherstellung der Riten und Zeremonien der Zhou Dynastie (Zuordnung: Zweite Phase; Zerfall der Zhou Dynastie) hat weltlichen Charakter mit religiösen Obertönen