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Grundwissen (Fach) / Stadtökologie (Lektion)
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- Was sind Städte? - Anfänge, Wachstum, Schrumpfung, - Urbanisierung als Megatrend - Prinzip der Naturtransformation - hohe Siedlungsdichte (> 620 Einwohner pro Quadratkilometer) - funktionaler Verbund (Umland, andere Städte, Regionen)
- Soziologische Definitionen von Stadt Pessimistische Perspektive (klassisch: Louis Wirth, 1897-1952) 1938 „Urbanism as a way of life“): • Eine Stadt ist eine relativ große, dichte und dauerhafte Siedlung von heterogenen Individuen • Mit zunehmender Dichte und Heterogenität werden die sozialen Beziehungen oberflächlicher und anonymer (soziale Distanz) • mit zunehmender sozialer Distanz steigt die Desintegration
- Soziologische Definitionen von Stadt Optimistische Perspektive (klassisch: Georg Simmel, 1858-1918) „Die Großstädte und das Geistesleben“ (1903) • Dichte und Heterogenität steigert Möglichkeit zur Individualität • Mensch steht im Schnittpunkt verschiedener sozialer Netzwerke und gewinnt somit an Einzigartigkeit • Anonymität und Subkulturen der Stadt befreien Menschen von enger sozialer Kontrolle dörflicher Gemeinschaften
- Was sind Städte? • hohe Siedlungsdichte (> 620 Einwohner pro Quadratkilometer) • funktionaler Verbund regional (und global) • Arbeitsteilung und soziale Hierarchien • Orte der Bildung und des Fortschritts
- Warum gerade hier in Berlin? 1. günstiger Übergang über das an dieser Stelle nur 5 Kilometer breite Spreetal => Naturraum 2. Treffpunkt zweier großer Straßen (Verbindung Elbe – Oder; Straße von Sachsen und Böhmen => Handel
- Wann entstehen Städte? - Bedeutung klimatischer Gunstperioden - politisch-strategische Gründe - ökonomische, ökologische Faktoren
- Indikatoren für Schrumpfung / Wachstum: • Bevölkerungsentwicklung • Gesamtwanderungssaldo • Arbeitsplatzentwicklung • Arbeitslosenquote • Realsteuerkraft • Kaufkraft
- Trends der Entwicklung Zunahme der Siedlungs- und Verkehrsflächen (ca. 115 ha täglich in Deutschland) Flächenumwandlung auf Kosten von Landwirtschaftsflächen (-125 ha/Tag im Zeitraum 1985-89) Ausweitung von Agglomerationsräumen, Verstädterung ländlicher Gebiete Gegenläufiger Trend in altindustriellen Gebieten: „schrumpfende Stadt“ => zunehmende Bedeutung der Stadtökologie
- Was ist Stadtökologie? Teildisziplin der Ökologie als Naturwissenschaft, die sich mit Bestandteilen, Struktur, Funktion, Dynamik und Geschichte städtische Ökosysteme beschäftigt Im weiteren Sinne: Integriertes Arbeitsfeld mehrerer Wissenschaften mit dem Ziel der Verbesserung der Lebensbedingungen und einer dauerhaft umweltverträglichen Stadtentwicklung
- Zur Geschichte der Stadtökologie … verschiedene Wurzeln…. • Tradition der Naturkunde • Lösung von Umweltproblemen • Entdeckung der Natur in der Stadt
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- Zerstörung der ursprünglichen Waldlandschaft -Ausweitung der Siedlungsflächen -Folgen der Industrialisierung: außerhalb der Städte: zerstörerische Fernwirkungen innerhalb der Städte: “natürliche” Gefährdungen
- Folgen der Industrialisierung: innerhalb der Städte: “natürliche” Gefährdungen außerhalb der Städte: zerstörerische Fernwirkungen
- Adventivfloristik Inventarisierung neu auftretender nichteinheimischer Pflanzenarten
- Geschichtliche Perspektive Natur Stadt: Emanziation von den Gewalten der Natur Þ Zurückdrängen natürlicher Elemente in der Stadt Stadt als Ausgangspunkt von Umweltproblemen Þ Zivilisationskritik = Kritik der Großstadt Stadtfeindlichkeit des Naturschutzes Þ Wurzeln des Naturschutzes im Heimatschutz unversöhnlicher Gegensatz Stadt – Natur ?
- Unterschiedliche Perspektiven Städte als Ausgangspunkt ... Städte als Ausgangspunkt von Naturzerstörung Städte als Ausgangspunkt von Naturtransformation
- Naturschutzes im „Urban Millenium“? „Transformationen“ als Herausforderung - Schutzobjekte - Leitbilder - gesellschaftliche Einbindung
- Prinzip der Naturtransformation ursprüngliche Natur Traditionelle Kulturlandschaft: Neue Ökosystemtypen als Ergebnis von Land- und Forstwirtschaft gärtnerisch hervorgebrachte Natur urban-industrielle Natur
- Zur Geschichte der Stadtökologie - Urbane Naturtransformationen - Ökologische Gliederung von Städten
- Ökologische Gradienten abnehmend: Bebauungsdichte Versiegelungsdichte Klima, Boden, Wasser Vegetation, Tierwelt
- Stadt als Wärmeinsel („Wärmearchipel”) Karte der langjährigen Jahresmitteltemperatur von Berlin Überwärmung der Innenstadt 2-3 °C (Jahresmitteltemperatur) in austauscharmen Nächten bis 10 °C Differenz zum Umland
- Städte als Importzentren Aufhöhung des Reliefs
- Stadt als Trockenheitsinsel Versiegelung => verminderte Grundwasserneubildung, erhöhter Oberflächenabfluss und andere Folgen
- Stadt als Trockenheitsinsel Grundwasserabsenkungen => z. T. verminderte Wasserverfügbarkeit, Beeinträchtigung von Feuchtgebieten
- Stadt als Trockenheitsinsel Überwärmung => erhöhte Verdunstung (Evapotranspiration)
- Was ist die Stadtflora? => Flora des gesamten Stadtgebietes
- Flora von Berlin Gesamtheit der wildwachsenden Pflanzenarten innerhalb der politischen Grenzen der Stadt Berlin
- „Urbanophilie “ Arten mit innerstädtischem Verbreitungsschwerpunkt Beispiele: Mäusegerste Götterbaum
- Urbanophobe Urbanophile Urbanoneutrale Arten Urbanophobe („stadtfliehende“ Arten) • Urbanophile („stadtliebende“ Arten) • Urbanoneutrale Arten (allgemein verbreitete Arten)
- Ursachen: Veränderungen entlang von Stadt-Land-Gradienten => Reliktvortkommen urbanophober Arten eher am Stadtrand => eingeschränkte Ausbreitungsfähigkeit verhindert Besiedung neuer urbaner Standorte => Extreme Bedingungen neuer urbaner Standorte fördern neue Arten (Neophyten) => Anpflanzungsmuster beeinflussen Verbreitungsmuster
- Phänologie Wissenschaft vom jahreszeitlichen Ablauf der Lebensereignisse
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- Ursachen für den urbanen Artenreichtum • Standortheterogenität • Historizität der Stadtflora • Einführung und Ausbreitung nichteinheimischer Pflanzen
- Standortheterogenität (=> Anzahl ökologischer Nischen) „Harlekinmuster der Biotope“ => räumliche Musterbildung mit jeweils unterschiedlichen Umweltbedingungen
- Städte als Zentren der Biodiversität Ursachen: a) Standortheterogenität b) Historizität der Stadtflora • Relikte der Naturlandschaft • Relikte der Kulturlandschaft c) Anthropogene Ausbreitungsmechanismen • Städte als Einführungszentren
- Diasporenquellen • Relikte • Einführungen / Anpflanzungen • Einschleppungen
- Apophytie Ausbreitung einheimischer Arten auf anthropogene Standorte (analog: Synanthropie bei Tieren)
- Biologische Invasionen Ausbreitung nichteinheimischer Arten auf anthropogene oder naturnahe Standorte => Ausbreitungsprozesse
- Fernausbreitung durch Handel, Transport und Verkehr _ mit Gütern und Waren (z.B. Wolle) _ an Fahrzeugen _ mit Erdaushub _ an Kleidern und Schuhen
- Evolutionäre Entwicklungen Entstehung anthropogener Sippen
- Was ist Vegetation? ... das Pflanzenkleid einer Gegend... ... Gesamtheit der Pflanzengesellschaften eines Gebietes „ Komplex von Pflanzenpopulationen, die in Wechselbeziehungen zu ihrem Standort stehen und einen Teil des Ökosystems bilden zusammen mit den Standortfaktoren und allen anderen Lebewesen dieses Standorts“
- Ruderalvegetation Rudera (lat.) = Schutt, Ruinen im engeren Sinne: Vegetation von Schuttplätzen im weiteren Sinne: Vegetation spezifischer Siedlungsstandorte
- Sukzession zeitliches Aufeinanderfolgen von Vegetationsstadien an einem Ort
- Welche Faktoren bestimmen die Sukzession? • Ausgangsbedingungen (z.B. Böden) • Entwicklungszeitraum • Nutzungen, Störungen • Nachbarschaftseffekte (z.B. Diasporenquellen)
- Typische Sukzessionsabfolge Pioniervegetation (kurzlebige Kräuter, Gräser) Kräuter- und Gräser dominierte Vegetation (mehrjährige Kräuter, Gräser) Gebüschstadien (Sträucher) Waldstadien (Bäume)
- Klassifikationsansatz der Pflanzensoziologie - Grundbaustein: Pflanzengesellschaften (Assoziationen) - hierarchische Zusammenfassung zu höheren Einheiten => Beschreibung der Vegetation in unterschiedlicher Genauigkeit Pioniervegetation: Ersttbesiiedllung II:: Einjährige Arten auf jungen Störungsstandorten Ersttbesiiedllung IIII:: Zweijährige Arten (Rosettenpflanzen) Königskerze (Verbascum thapsus)
- Standortheterogenität (=> Anzahl ökologischer Nischen) „Harlekinmuster der Biotope“ => räumliche Musterbildung mit jeweils unterschiedlichen Umweltbedingungen
- Städte als Zentren der Biodiversität Ursachen: a) Standortheterogenität b) Historizität der Stadtflora • Relikte der Naturlandschaft • Relikte der Kulturlandschaft c) Anthropogene Ausbreitungsmechanismen • Städte als Einführungszentren
- Vergleich Robinie –Sand-Birke Robinien ... _ beschleunigte Sukzession _ schnelle Vegetationsveränderungen _ neue Vegetationstypen _ Auswirkungen auf Biodiversität?
- urbane Tierökologie Teilgebiet der Stadtökologie, das sich mit der Fauna in Städten und Siedlungen befasst. _ Grundlagen in dieser Veranstaltung _ Vertiefung im Master (Modul Urbane Tierökologie)
- Aufgaben der urbanen Tierökologie _ urban-tierökologische Grundlagenermittlung und –analyse _ urban-tierökologische Bewertung und Theorieentwicklung _ angewandte urbane Tierökologie _ methodisch-urbane Tierökologie
- Schutzgut Tiere in der LP und PEPL _ Tiere sind als eigenes Schutzgut im Umweltrecht verankert _ viele Tiere haben Zeigerfunktion (Bioindikation i. w. S.) _ Biotoptypenkartierungen reichen nicht aus, da Tiere spezielle ökologische Ansprüche haben; Eigenständige faunistische Untersuchungen sind notwendig! _ rechtssichere Gutachten sind unerlässlich