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Psychologie (Fach) / Insgesamt (Lektion)
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- Was ist das Ultrakurzzeitgedächtnis? UKZG Das Ultrakurzzeitgedächtnis (auch sensorische Register oder Immediatgedächtnis) nimmt als 1. Instanz Reize und Informationen aus der Umwelt auf. Die Aufnahme erfolgt über die Sinnesorgane, die Informationen bleiben etwa 0,1 bis 2 Sekunden um Ultrakurzeitgedächtnis bestehen. Forschungen beziehen sich auf den visuellen und akustischen Sinn. Laut Sperling: visuelles ikonisches Gedächtnis: große Speicherkapazität, Dauer aber nur bei 0,5 Sekunden (akustisches) echoisches Gedächtnis: reicht bis zu den Sekundenbereich (bis 1 s), lässt sich nur unscharf vom stabileren Kurzzeitgedächnis unterscheiden Eidetik oder fotografisches Gedächtnis: Fähigkeit, optische Wahrnehmungseindrücke auch noch nach vielen Sekunden detailreich wiedergeben zu können.
- Erkläre das Kurzzeitgedächtnis. Welche Merkmale hat es? • bis zu zehn Sekunden (= die Zeitspanne, in der Bewusstseinsinhalte noch als gegenwärtig erlebt werden → Präsenzzeit) Dies variiert aber! (bis zu 30 Sekunden abhängig von der Art der Experimente und Art der Merkinhalte (Silben, Wörter, Bilder)) • Speicherumfang: 5-9 Informationseinheiten (Miller, 1956, Magical Number 7 +- 2); Die Einheiten können elementare Inhalte (z.B.: Ziffern, Objekte) oder Chunks (engl. für Brocken) sein (assoziativ verbundene Konfigurationen von Einzelheiten) → zB Man merkt sich Telefonnummern etwas leichter, wenn man sie nicht als lange Ziffernfolge, sondern als Folge von zwei- oder dreistelligen Zahlen genannt bekommt. • Je länger Informationseinheiten (chunks) sind, desto weniger kann man sich merken (Baddeley und Mitarbeiter 1975) → Vier Informationseinheiten deren Benennung nicht länger als 1,5 Sekunden dauert, können meist zu 80% wiedergegeben werden. • Durch Chunks leichtere Einprägung, auch wenn einzuprägende Kombi bereits in einem anderen Zusammenhang verknüpft war. • Für Chunks können Gesetzmäßigkeiten gefunden werden (Ähnlichkeit, Nähe, Zahlenrelationen) • KGZ ist im akustischen Wahrnehmungsmodus länger ausgedehnt als im visuellen, geruchlichen, geschmacklichen Bereich (variiert je nach Begabung, Vortraining, Konzentration, ... ) • Wenn kein Memorieren (Wiederholen) der Merkinhalte stattfindet, sind die Inhalte des KZG nach etwa 5 Sekunden zu 50% und nach etwa 20 Sekunden zu 100% vergessen.
- Thema: Kurzzeitgedächtnis Erkläre das Experiment von Peterson und Peterson 1959. • ProbantInnen mussten sich 3-er Kombinationen von Buchstaben merken • wurden nach verschiedenen Zeiten geprüft • Während der wartezeit mussten sie rückwärts Zählen, damit sie die 3-er Kombinationen nicht wiederholen konnten (= Distraktoraufgabe) • Ergebnis: nach vier Sekunden - 50% der Tripletts konnten noch wiedergegeben werden - nach 20 Sekunden war ugf. alles vergessen
- Thema: Kurzzeitgedächtnis Erkläre das Experiment von Baddeley und Mitarbeitern (1975). Tipp: Wortlängeneffekt ♥ Ergebnis: Auch die Länge von Benennungen wirkt sich auf die (kurzfristige) Speicherleistung aus ♥ Experiment: ProbantInnen wurden 5 kurze Wörter einmalig dargeboten, wovon sie sich sofort danach durchschnittlich noch 4,17 Wörter merkten. ♥ Bei längeren Worten, konnten sie sich nur mehr an ca. 2,8 Wörter erinnern.
- Erkläre den Begriff Arbeitsgedächtnis. ♥ Kurzzeitgedächtnis = Arbeitsgedächtnis (theoretisch weiteres Konzept, neuer) ♥ Frontallappen (bei Verletzung od. nicht vollständiger Entwicklung → vorgegebene Objekte, die nach kurzer Betrachtung mehrere Sekunden verdeckt werden, werden nicht am richtigen Ort erwartet; Bsp. Spielzeug-Zug in Tunnel → mangelnde Objektpermanenz) ♥ Informationen aus den Bereichen Wahrnehmung, Erinnerung, Emotion und Motivation fließen zusammen und werden entsprechend den aktuellen Handlungsanforderungen integrativ verarbeitet. ♥ Baddeley (1986) → 3 Komponenten des Arbeitsgedächtnises 1. Zentrale Exekutive →Kontolle d. Aufmerksamkeit (Selektive Aktivierung bestimmter Bewusstseinsinhalte = Aufmerksamkeitskontrolle) 2. phonologische Schleife & 3. visuell-räumlicher-Notizblock → akustisches bzw. visuelles Memorieren -> Untersysteme zur Zwischenspeicherung (= absichtliche Aufrechterhaltung von Bewusstseinsinhalten) ♥ ZNS = stark verbundenes Gesamtnetzwerk ("Modell des globalen Arbeitsspeichers") ♥ Ausmaß der neuronalen Aktivierung in einem Unterbereich des Gesamtnetzwerkes gibt die momentane mentale Konzentration auf die entsprechenden Wahrnehmungen, Gedanken, Erinnerungen oder Handlungen wieder. ♥ Arbeisspeicher = fluktuierende Teilbereich des gesamten Speichernetzwerkes, dessen Neuronenaggregate zum jeweiligen Zeitpunkt gerade am stärksten aktiviert sind
- Welche Funktionen hat das Arbeitsgedächtnis laut Anderson (1983)? • AG nimmt Daten aus der Außenwelt → interpretiert diese mithilfe das deklarativen Gedächtnisses (Abruf von Begriffen, Fakten und Episoden) →AG gibt deklarativen Gedächtnis wieder Daten zur Speicherung • Wenn Informationsmuster im AG = Auslöser der im prozeduralen Gedächtnis gespeicherten Fertigkeiten → Ausführungssignale werden an AG gesendet →AG entscheidet, ob Verhalten ausgelöst werden soll • im prozeduralen Gedächtnis können durch Verkettung von Abläufen/Anwendungen komplexe Wenn-Dann-Produktionen erzeugt werden. Definitonen: deklaratives Gedächtnis: Du nennst es auch Wissensgedächtnis, denn es speichert explizites Wissen, also Tatsachen und Ereignisse. Wir können sie wörtlich wiedergeben und beschreiben. Die wichtigste Struktur im Gehirn für das Speichern dieser Gedächtnisinhalte ist der Hippocampus. prozedurale Gedächtnis: Das prozedurale bzw. implizite oder nicht-deklarative Gedächtnis beinhaltet Fertigkeiten, die automatisch, ohne Nachdenken eingesetzt werden. Dazu gehören vor allem motorische Abläufe (Fahrradfahren, Schwimmen, Tanzen, Skifahren, Klavierspielen, Zähneputzen, Schreiben, Stuhlgangbeherrschung etc.).
- Was ist die Langzeitspeicherung (LZS) / das Langzeitgedächtnis (LZG) und welche Merkmale hat sie? ♠ Merksatz: Unter Langzeitgedächtnis versteht man die Gesamtheit an dauerhaft gespeicherten Erfahrungen im Zentralnervensystem. ♠ enthält dauerhaft gespeicherte Erfahrungen und Erlebnisse, die nicht mehr im KZG präsent/abrufbar sind (Bewusstseinsinhalte, die länger als 10 Sekunden zurückliegen und nicht bewusst durch Memorieren aufrechterhalten werden) ♠ Speicherinhalte: Informationen aus den Bereichen der Wahrnehmung, des Denkens und des Verhaltens ♠ psychischen Abbilder der inneren und äußeren Realität des Menschen in den Neuronennetzwerken des Großhirns (Neokortex), des Kleinhirns und des Zwischenhirns ♠ Speicherinhalte sind miteinander vernetzt und beeinflussen sich gegenseitig. ZB: Umlernprozesse (an bereits gespeicherte Begriffsstrukturen wird dann eine Veränderung in den Ähnlichkeitsrelationen nachgewiesen, Maderthaner und Kirchler, 1982) oder "Fächer-Effekt" (Durch Anreicherung von Begriffen anhand von immer mehr Assoziationen wird ein Verarbeitungskonflikt erzeugt (Interferenz), der die Wiedergabe von Einprägungen beeinflusst, Anderson, 1996) ♠ Theorie der Aktivierungsausbreitung (Collins und Loftus, 1975): Wird das neuronale Gedächtnisnetzwerk durch konkrete Wahrnehmungen, Vorstellungen oder durch andere Kognitionen stimuliert, entstehen spezifische neuronale Aktivitätsmuster (= Erregungskonstellationen), die sich in Richtung der stärksten assoziativen Verbindungen ausbreiten. →Diese Netzwerke sind die Basis für ein dynamisches "inneres Modell" der Realität, aufgrund dessen für jeden Zeitpunkt antizipiert wird, welche Veränderungen in der Wahnehmungswelt zu erwarten sind. (Voraktivierungen entstehen) Versuch zur Vernetzung von Begriffen wird im Versuch in Abb. 7.10 auf Seite 222 illustriert. Empirische Hinweise zu Voraktivierungen →Experimente zum Priming
- Thema: Langzeitgedächtnis Empirische Hinweise auf Voraktivierungen im psychischen System lieferten Experimente zum Priming. Was Zeigen sie? ◊ Dass auf beliebige Reize (Bilder, Worte, ... ) schneller reagiert werden kann, wenn vorher an ähnliche Reize oder an mit Ihnen assoziierte Inhalte gedacht wurde. ◊ Seite 223, Box 7.3 "assoziative Priming": Begriffe, die miteinander assoziiert sind, fördern einander wechselseitig in der Reproduktion (sofern einer zeitlich vor dem anderen wahrgenommen oder gedacht wurde) Experiment von Meyer und Schvaneveldt (1971) ProbantInnen wurden gefragt, ob ein Wortpaar zur deutschen Sprache gehört. 1. Paar: Brot, Butter (Reaktionszeit beim Beantworten: 0.86s) →starke Assoziation 2. Paar: Krankenschwester, Butter (RZ: 0,94s) →geringe Assoziation
- Was sind die Komponenten des Langzeitgedächtnisses? • episodische Inhalte: beziehen sich auf konkrete Erlebnisse und deren Aufeinanderfolge; Erinnerungen sind meist analog bzw. imaginativ, also in Form von Vorstellungen gespeichert • semantische Inhalte: repräsentieren die Abstaktionen der Erlebniswelt, nämlich Merkmalsdimensionen, Begriffe und Klassifikationsschemata, was auch als kontextfreies Faktenwissen bezeichnet wird; Erinnerungen haben propositionalen Charakter, d.h. in Aussageform gespeichert • deklarative Gedächtnisinhalte: (episodische) Erinnerungen und (semantisches) Wissen über Sachverhalte bzw. Fakten ("Gewusst was") • prozeduale Einprägungen (nicht-deklarative): fassen jene geistigen oder motorischen Operationen zusammen, die zu Veränderungen der inneren oder äußeren Realität führen ("Gewusst wie") • explizites Wissen: bewusster Zugang zu den Wissensinhalten, formulierbar und erinnerbar • implzites Wissen: manifestiert sich nur im Denken oder Verhalten, Unterbewusstsein Tabelle 7.1 Seite 225 Auswahl an verbreiteten Typisierungen des LZG, bei denen entweder von der Art gespeicherter Inhalte oder ihres Zustandekommens ausgegangen wird. ♦ Tulving (1972) ♦ episodisch (räumlich und zeitlich definierte Erlebnisse) + semantisch (Begriffe, Klassifikationen, Begriffsnetzwerke) ♦ Anderson (1976) ♦ deklarativ (Sachverhalte, Wissen) - prozedural (Reiz-Reaktions-Folgen, Fertigkeiten) ♦ Dörner (1976) ♦ epistemisch (bildhaft) - heuristisch (aufgabenbezogen) ♦ Kosslyn, Ball und Reiser (1978), Paivio (1971) ♦ propositional (aussagenlogisch, prädikatenlogisch) - analog/imaginativ (Vorstellungen, kognitive Landkarten) ♦ Graf und Schacter (1985) ♦ implizit (automatisch Gelerntes) - explizit (absichtsvoll Gelerntes) ♦ Squire (1987) ♦ deklarativ (Fakten, Sachverhalte) - nicht-deklarativ (Abläufe, Aktionen) Zusammenhänge zwischen den Arten: Seite 226 Abb. 7.12
- Was ist das Ultralangzeitgedächtnis? • ULZG ("very long-term memory") • bezieht sich auf Sprachkenntnisse oder auf autobiografische Inhalte • Untersuchungen (mit Tagebüchern) zeigen, dass langjährige Gedächtnisleistungen von geeigneten Erinnerungshilfen abhängen und dass 20-30% konkreter Inhalte (ZB Erlebnisse) oder lebensnah trainierter Sprachinhalte (zB Vokabeln) über Jahrzehnte erhalten bleiben können. Abbildung 7.11 Seite 224 →Versuch zum ULZG
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- Thema: Langzeitgedächtnis In der modernen Gedächtnisforschung strebt man einerseits nach einer Integration aller experimentell bestätigten Gedächtnisformen und versucht andererseits die Gehirnareale ausfindig zu machen, die für die einzelnen Gedächtniskomponenten zuständig sind. Welche Gehirnareale sind für welche Gedächtniskomponenten zuständig? Repräsentation von Gestalten und Schemata → unimodale und polymodale Projektionsfelder des Kortex Definitonen: unimodal: Als unimodal werden Rezeptoren oder nervale Strukturen bezeichnet, die Informationen lediglich einer Sinnesmodalität erhalten bzw. auf diese mit einer Reizantwort reagieren. (Sinnesmodalitäten = Sinnesorgane) + unimodale Projektionsfelder sind nur für eine Sinnesart (visuell, akustisch, ... ) zuständig, polymodale für mehrere polymodal: Als polymodal werden Rezeptoren oder nervale Strukturen bezeichnet, die Informationen aus mehreren Sinnesmodalitäten erhalten bzw. auf diese mit einer Reizantwort reagieren. Projektionsfelder des Kortex: primäres sensorisches Rindenfeld, primäres sensorisches Cortexareal, ein Areal der Großhirnrinde, auf das sensorische und sensible Impulse projiziert werden, d.h., das Informationen von den Sinnesorganen erhält. Episodische Inhalte → Assoziationszentren der rechten Gehirnhämisphere mit wesentlicher Beteligung des Hippocampus Semantische Inhalte → Assoziationszentren der linken Gehirnhälfte mit wesentlicher beteiligung des Hippocampus Aufbau des Gedächtnisses →Limbisches System Abruf von Gedächtnisinhalten →frontaler und temporaler Kortex Steuerung von Aufbau, Konsolidierung und Abruf von geistigen und motorischen Fertigkeiten → Basalganglien (Striatum, Pallidum), prämotorische Region im Vorderhirn und das Kleinhirn
- Von welchen Faktoren ist die Leistung des Langzeitgedächtnisses abhängig? Thema: Stadien der Gedächtnisbildung: Aufnahme von Wissen (Enkodierung, Akquisition) 1. wie die zu speichernde Information aufgenommen wurde Entscheidend ist die Form, in welcher Informationen dem Gedächtnis zugeführt werden. (z.B. als Melodie, sprachliche Inhalte, Vorstellungen, Gedanken, ...) und die Bedingungen, unter denen dies geschieht (zB Aufmerksamkeit, Bedürfnislage, Kontext, Gliederung der Inhalte, Reihenfolge der Einprägung usw. ). 2. ob und wie sie sich in gespeicherter Form verändert 3. wie sie wieder aus dem Speichermedium zurückgewonnen werden kann Der Enkodierung von Speicherinformationen geht eine Filterung voraus, die durch Gestaltsbildung, Aufmerksamkeitsausrichtung und Begriffskategorisierung zustande kommt, wobei auch irrelevant wirkende Details Einfluss ausüben, wie etwa die jeweilige Stimmung, der räumliche Kontext, verbale Kommentare oder Ähnliches. Merksatz: Der Erwerb und die Nutzung von Wissen werden durch die Form und die Bedingungen der Informationsaufnahme, mögliche Veränderungen im Speicher und durch die Art ihres Abrufs bestimmt. Seite 226, Abb. 7.13 → Experiment von Carmichael, Hogan und Walter (1932); Es wurden 86 Studenten 12 Figuren gezeigt, die sie nachher nachzeichnen sollten. Jeweils die gleiche Figur wurde aber mit unterschiedlichen Worten kommentiert. (Diese Figur ähnelt einer Brille (Liste 1). Diese Figur ähnelt einer Handtel. (Liste 2)) Die danach produzierten Zeichnungen hatten zu 75% eine Ähnlichkeit mit den Wortbedeutungen, im Vergleich zu 45% bei einer Kontrollgruppe ohne Begleitworte.
- Beschreibe die fünf relevanten Effekte für die Aufnahme von Gedächtnismaterial in das Langzeitgedächtnis. 1. Arousal-Effekt ♦ Förderung von Lern- und Einprägungsprozessen: → mittleres (tonisches) Aktivierungsniveau oder → Aktivierungsschwankungen bei d. Informationsaufnahme (phasische Aktivierung) → Auslösung von Aktivierung durch Speicherung von Bewusstseinsinhalten (Interesse, Motivation, Emotion, Aufmerksamkeit) + positive Konsequenzen danach (Aha-Erlebnis, Entspannung, Verstärkung, Lernpause) im Sinne einer zentralnervösen Desaktivierung (= Schwankung) Manchmal ist die Merkleistung unmittelbar nach erfassen von aktivierenden Merkinhalten schlechter. Dies hat aber den Grund, dass gerade ein intensiver Konsolidierungsprozess stattfindet, der den sofortigen Zugriff auf die Speicherinhalte erschwert. ("perseverative consolidation")
- Beschreibe die fünf relevanten Effekte für die Aufnahme von Gedächtnismaterial in das Langzeitgedächtnis. 2. Distinctiveness-Effekt ♥ Originalität von Speicherinhalten (Unähnlichkeit zu anderen Speicherinhalten) = Einprägungshilfe ♥ desto markanter das Eigenschaftsprofil von Informationseinheiten - desto klarer prägt sich dessen Ihalt ins Gedächtnis ein ♠ Akzentuierte Verarbeitung bzw. distiktive Enkodierung kann dadurch gesteigert werden, dass unverwechselbare Charakteristika für d. Merkinhalte herausgefunden werden müssen. Hierbei konnten sich zB ProbantInnen die Inhalte besser merken, wenn sie selbst die Charakteristika herausgefunden haben und dies nicht von anderen Personen für sie übernommen worden ist. ♥ bei selbst generierten distinkten Beschreibungsmerkmalen: mehr als 500 Worte unmittelbar nachdem Lernen zu mehr als 90% und 7 Tage danach noch zu 65% korrekt wiedergegeben werden ♥ bei Beschreibungsmerkmalen anderer Personen: Nur 55% bzw 43% Seite 227, Abb. 7.14 → Experiment von Mäntylä und Nilsson (1988): 24 ProbantInnen, 30 Substantive. ProbantInnen sollten sich für d. Substantive spontan 3 Beschreibungsmerkmale ausdenken. Diese Merkmale sollten in 1, 3 und 6 Wochen als Erinnerungshilfe dienen. Weitere 24 ProbantInnen mussten dasselbe machen. Jedoch sollten sie Beschreibungsmerkmale wählen, die sich von einander stark unterscheiden (also distinkive Merkmale). Die Gruppe mit distinktiven "recall cues" schnitt um 15-45% besser ab. Nach 6 Wochen konnten sie sich sogar noch an 80% der Substantive merken.
- Beschreibe die fünf relevanten Effekte für die Aufnahme von Gedächtnismaterial in das Langzeitgedächtnis. 3. Positionseffekt ◊ Primacy-Effekt: Merkinhalte, die nach einer Pause in der Informationsaufnahme als Erste ins Bewusstsein kommen, haben eine größere Chance langzeitlich gespeichert zu werden. ◊ Recency-Effekt: Bessere Wiedergabe von Lerninhalten, die am Ende einer Lernserie stehen und dofort danach geprüft werden. (Kurzzeitgedächtnis) Seite 230, Abb. 7.15 Experiment von Jahnke (1965). 48 Studierende unterschiedlich lange Wortlisten einmalig präsentiert und dann abgeprüft. Positionen der Worte (Reihenfolge) wurde notiert. Die Worte am Anfang und Ende der Liste wurden immer besser gemerkt als die in der Mitte.
- Beschreibe die fünf relevanten Effekte für die Aufnahme von Gedächtnismaterial in das Langzeitgedächtnis. 4. Gliederungseffekt Lernmaterial wird dann besser behalten, wenn es sprachlich (gut formuliert), begrifflich (oberbegrifflich kategorisiert) oder assoziativ klar geordnet (Zusammenhänge) ist. Das Wissen lässt sich dann besser speichern, wieder auffinden oder logisch rekonstruieren. Besonders erfolgreich: Mnemotechniken →ursprünglich isolierte Lerneinheiten werden in Reimform gebracht, in eine Geschichte eingebaut oder in der bildlichen Vorstellung assoziativ miteinander verbunden. Imagery-Effekt → besondere Form der assoziativen Gliederung Seite 230, Abb. 7.16 Experiment von Miller und Selfridge (1950) Versuchspersonen bekamen verschieden lange Wortketten (10-50 Wörter), deren grammatikalischer Ordnungsgrad kontinuierlich abgestuft war. Zufällige Auswahl an Wörtern → Grad 0 zufällige Wortpaare → Grad 1 usw. Bis es ganze Sätze/Texte waren. Die Reproduktionsleistung nahm von 10-50 ab, jedoch nahm die Merkfähigkeit mit dem Grad der Annäherung an die grammatikalische Struktur der Sprache um 40-50% zu.
- Beschreibe die fünf relevanten Effekte für die Aufnahme von Gedächtnismaterial in das Langzeitgedächtnis. 5. Elaborationseffekt ◊ Craik und Lockhart (1972) → Tiefe der Verarbeitung "levels of processing theory" ◊ das Reflektieren über die Bedeutung der Inhalte und über deren Anbindung an bereits aufgenommenes Wissen ◊ Je mehr der Bedeutungsumfang neuer Informationen bewusst wird, je lebendiger die davon ausgelösten Vorstellungen sind und je mehr Assoziationen zu anderen Wissensinhalten geweckt werden, desto größer die Chance, dass diese Informationen langfristig gespeichert werden. ◊ Elaborationseffekt kann künstlich erzeugt werden: Text muss korrigiert werde oder es müssen Textinhalte in eigenen Worten zusammengefasst werden (= Paraphrasieren) ◊ Selbstbezugseffek: Assoziationen zu eigenen Erlebnissen Seite 232, Abb. 7.18 Experiment von Rogers, Kuiper und Kirker (1977): ProbantInnen stuften 40 Eigenschaftswörter entweder nach deren Wortlänge, nach möglicher Reimbildung, nach Bedeutungsübereinstimmung mit einem anderen Wort oder nach dem Selbstbezug der jeweiligen Eigenschaft ein. Danach sollten sie so viele Wörter wie möglich wiederholen. Beim Vergleich mit dem oberflächlichen Lenren (strukturell, phonemisch) war die Leistung besser, wenn über die Bedeutung der Worte nachgedacht werden musste (semantische Bedingung), am besten war sie aber, wenn die Eigenschaften vorher selbstbezogen reflektiert waren. Seite 231, Abb. 7.17 Experiment von Glover, Bruning und Plake (1982): Abhandlung über d. Sonnensystem (800 Worte, 16 Absätze, jeder der Absätze wurde durch einen Satz am Ende zusammengefasst) Behaltensleistung wurde getestet. Verglichen mit einer Kontrollgruppe (K, bloßes Lesen und Lernen) schnitt die Gruppe, die den Test paraphrasieren musste und die, die den Text korrigieren musste (= Redigieren), sowohl beim Merken der Zusammenfassung (55%) als auch beim Merken des Textes (30%) besser ab. Am besten konnten die ProbantInnen sich den Text merken, wenn man beide Strategien anwandt (Redigieren + Paraphrasieren). Definitonen: Propositionen: Mit dem Ausdruck Proposition bezeichnet man in der Linguistik, genauer gesagt in der linguistischen Semantik, den Inhalt, der mit einem Satz ausgesagt wird.
- Thema: Aufnahme von Wissen Erkläre den Imagery-Effekt. Konkrete Objekte werden besser behalten als Abbildungen von diesen und diese wieder besser als abstrakte Worte. Paivio (1971) → "Theorie der dualen Kodierung"→ verbale Inhalte und Bildinhalte stellen 2 komplementäre Quellen der Informationsaufnahme dar und viele Gedächtnisinhalte sind sowohl verbal-semantisch in Form von Propositionen als auch visuell-anschaulich in Form von Vorstellungen gespeichert. Mnemotechniken die den Imagery-Effekt verwenden: ♥ Loci-Technik ("Technik der Orte") → Bildliche technik; Ähnlich wie beim Zusammenfassen von Worten in z.B. Sätze (= Chunking). Verknüpfung von Merkinhalten mit Orten. (Beispiel: Stadt. Häuser mit Themen assoziieren.) ♥ Hakenmethode → "pegword technique" → Im Vorraus wird eine fixe Kopplung von Ziffern mit Hakenwörtern (gut vorstellbar) erlernt (zB 0 = "Ei", 1 = Kerze, 2 = Schwan, ...) → Zu merkenden Inhalte werden interaktiv mit den Wörtern verknüpft → Einsparung an Wiederholungen bzw. Lernaufwand → 20-30% Lerngewinn → mehr Lerngewinn bei zb Furst-Methode Seite 234, Abb. 7.19 → Wollen, Weber und Lowry (1972) → Alleinige Visuelle Vorstellung von Wörtern (Klavier, Zigarre) = 36% Merkleistung → Verknüpfung der beiden Wörter/Vorstellungen (zB Klavier raucht Zigarre) = 74% →humorige, absonderliche oder bizarre Vorstellungskombinationen werden sogar noch besser eingeprägt als realistische
- Was ist die Festigung von Wissen im Allgemeinen? Nachverarbeitung bzw. Umstrukturierung von Merkinhalten bzw. Informationen nach der Aufnahme. ♠ Erlebnisse durch Erzählen sprachlich nachformuliert und geistig nachgeformt ♠ neues Wissen wird in vorhandenes Wissen eingepasst ♠ logische Zsammenhänge werden hergestellt ♠ Wiedersprüche werden geglättet ♠ verbale Nachrichten werden in Vorstellungen transformiert, usw.
- Thema: Festigung von Wissen Nenne die vier Einflussquellen, die zur Stabilisierung von kognitiven Einprägungen beitragen. ♥ Konsolidierungseffekt ♥ Wiederholungseffekt ♥ Interferenz-Effekt ♥ Rekonstruktionseffekt
- Thema: Festigung von Wissen Beschreibe den Konsolidierungseffekt. ♥ positive Wirkung des Schlafs auf Gedächtnisprozesse →1. Nachhälfte: deklarative Gedächtnisinhalte werden gefestigt (Episoden, Faktenwissen); 2. NH: prozedurale Speicherinhalte (Konditionierungen, Fertigkeiten) → Ausschüttung von Stresshormonen (zB Cortisol) ist im Tiefschlaf gehemmt und nimmt im Traumschlaf wieder zu (da Streshormone deklarative Gedächtnisleistungen beeinträchtigen) Seite 235, Abb. 7.20 Untersuchung: Konsolidierungswirkung des Schlafes auf das Gedächtnis → Born und Plihal (2000) → 4 Personengruppen lernten Vokabeln →eine Gruppe lernte sie vor dem Tiefschlaf, die andere vor dem Traumschlaf, dazu gab es jeweils 2 Vergleichsgruppen, die nach dem Lernen wach blieben. → Die Gruppe, die vor dem Tiefschlaf lernte hatte eine Leistungssteigerung von 15%, die Gruppen die wach blieben hatten dieselbe, um einiges niedrigere Leistung.
- Thema: Festigung von Wissen Beschreibe den Wiederholungseffekt. ♥ Wiederholung des Stoffes hilft bei der Einprägung ♥ Spacing-Effekt: Wiederholungen sollen nicht sofort hintereinander erfolgen, sondern zeitlich aufgeteilt sein. Zb. Anstatt 5 mal pro Tag, ist es besser Lernstoff einmal am Tag zu wiederholen. Auswertungen von 254 Studien ("Metaanalyse") von Cepeda und Mitarbeiter (2006) zeigen, dass bei verteiltem Lernen durchschittlich 10% bessere langfristige Reproduktionsleistungen erzielt werden. Empfehlung: Aufteilung von Stoff in zumindest 2 Lernphasen. Seite 236, Abb. 7.21 Experiment von Keppel (1964) Wie wirkt sich die Verteilung von Lerninhalten über bestimmte Zeiträume auf die Behaltensleistung aus? Bei einer Gruppe von ProbantInnen →8 Lerndurchgänge/Tag (= verdichtetes bzw. massiertes Lernen); bei der 2. Gruppe →2 Lerneinheiten/Tag an 4 Tagen (= verteiltes Lernen). Unmittelbar nach den 1. Lernphasen war die 1. Gruppe etwas besser als die 2.; Aber am 2. Tag schon viel die Leistung von Gruppe 1 auf ein Drittel der Leistung von Gruppe 2.
- Thema: Festigung von Wissen Beschreibe den Interferenz-Effekt. Da im ZNS viele Speicherinhalte knapp hintereinander aufgenommen und nebeneinander abgelegt werden, kommt es zu Wechselwirkungen und Störungen zwischen den Wissensinhalten. Bei knapp aufeinanderfolgenden Lernprozessen: ♥ proaktive Interferenz →Konsolidierung d. früheren Lernprozesse stören die der späteren ♥ retroaktive Interferenz →Konsolidierung d. späteren Lernprozesse stören die früheren Hubert Rohracher: "Das Gehirn lernt länger als das Bewusstsein" → Nachverarbeitung von Speicherprozessen ♥ Zwischen Lerninhalten sollten viele kurze Pausen eingelegt werden; verwechslebare Lernstoffe sollten im deutlichen Abstand voneinander gelernt werden
- Thema: Festigung von Wissen Beschreibe den Rekonstruktionseffekt. ♠ positive Wechselwirkungen zwischen Lerninhalten (zB bei gleicher Grundstruktur, bei einer Ursache-Wirkungs-Beziehung oder wenn eine Oberbegriffsbeziehung vohanden ist) ♠ diese wechselseitigen Beziehungen zwischen Wissensmaterialien ermöglichen bei Vergessen von Einzelelementen oder Teileinheiten deren logische Rekonstruktion ("reconstructive and inferential memory")
- Thema: Abruf von Wissen Beschreibe den Abrufmodus-Effekt. ♥ Art, wie die gespeicherten Inhalte abgefragt bzw. angewendet werden, entscheidet über die zu erwartende Gedächtnisleistung ♥ implizite Gedächtnisleistung abrufen: Wahrnehmung (zB durch Musterergänzung), Denken (zB durch assoziatives Priming), Verhalten (Signallernen, Fertigkeiten) = im Allgemeinen: Verhaltensumsetzung (Schachspielen, Gutachten erstellen, Fertigkeiten) ♥ explizite Gedächtnisleistung abrufen: Wiedererkennen ("recognition", leichter als recall) + Wiedergabe ("recall"; Es gibt hier "free recall" und "cued recall", wobei das 2. eine Wiedergabe des Gedächtnisinhalts durch Erinnerungshilfen ist)
- Thema: Abruf von Wissen Beschreibe den Retrieval-Cue-Effekt. ♥ Encoding-Specifity Principle: Gedächtnisinhalte werden dann besser reproduziert, wenn in der Prüfsituation die gleichen Merkmale als Abrufhilfen herangezogen werden, die auch bei der Aufnahme der Information als deren Charakteristika wahrgenommen wurden. ♥ Alltag: Wenn man etwas machen möchte und es dann vergisst und dann in das andere Zimmer zurückgeht um sich daran zu erinnern. ♥ Besonders wirksam sind Retrieval Cues, wenn sie in enger logischer und kausaler Beziehung zu den Merkinhalten stehen und in der Einprägungssituation mit diesen assoziiert waren. ♥ Probleme bei Zeugenaussagen →Art zu fragen kann Antowort in bestimmte Richtung lenken; Fischer, Geiselman und Amador (1989) → "kognitives Interview" → erhöht Brauchbarkeit von Zeugenauskünften um ca. 50% →reduziert Verfälschung von Aussagen →Kriterien: Vermeidung von Angst und Stress, Unterlassen von beurteilenden und persönlichen Kommentaren →sprachlichen nachvollziehen (Paraphrasieren) →offenes Interpretieren →Pausen zwischen Befragungen → Anpassung der Sprache Seite 238, Abb. 7.22 Thomson und Tulving (1970): 24 Wörter unter 3 Bedingungen lernen: mit keinem, schwachen oder starken Hilfswort. Anschließende Prüfung mit gleichen Bedingungen. Starkes Hilfswort (Abruf + Einprägung): 83% Erfolg; Starkes Hilfswort (Abruf) + kein Hilfswort (Einprägung): 79%; bei schwacher oder fehlender Hilfe: 50%-65% Seite 239, Abb. 7.23 Loftus und Palmer (1974) Studenten sahen einen Kurzfilm über den Zusammenstoß von 2 Autos. Später wurden sie gefragt, mit welcher Geschwindigkeit sie unterwegs waren und je nach Formulierung antworteten sie anders. How fast were the two cars going when they smashed into (66 km/h)/ collided with (62 km/h)/ bumped into (61 km/h)/ hit (54 km/h)/ contacted (50 km/h) each other?
- Thema: Abruf von Wissen Beschreibe den Schematisierungseffekt. ♥ Reproduktion von Speicherinhalten = kreativer Rekonstruktionsprozess ♥ angesprochene Speicherinhalte → reaktiviert + durch Altwissen miteinander verknüpft ♥ nur teilweise gemerkte Erlebnisse werden aus Schemata abgeleitet ♥ dynamische Schemata → Frederic Bartlett (1886 - 1969) → Kurzgeschichten werden systematisch verzerrt durch 3 Komponeneten: 1. Nivellierung: Vereifachung 2. Akzentuierung: Überbetonung und Hervorhebung von Details 3. Assimilation: Anpassung der Kurzgeschichte an eigenem Verständnis und Hintergrundwissen Desto komplexer und länger die Geschichte/das Erlebnis her ist - desto stärker sind diese rekonstruktiven Anteile. Beispiel für dynamische Schemata: Skripts → in ihnen sind häufig erlebte Sequenzen/Abläufe von Erfahrungen gespeichert → zB Restaurant-Skript (Eintreten - Platzsuchen - Hinsetzen - Bestellen - Konsumieren - Bezahlen) →Hilft bei der Rekonstukiton vergessener Teilerlebnisse eines weit zurückliegenden Restaurantbesuches Seite 240, Abb. 7.24 Kintsch und van Dijk (1978): Studenten hatten Abhandlung von 1300 Wörtern zu lesen und mussten diese danach in einem Bericht wiedergeben. Danach wurde analysiert, welche Inhalte bei den Erinnerungsberichten richtig reproduziert und welche nur rekonstruiert wurden. Im Vergleich zur sofortigen Wiedererzählung gehen bei der Testung nach 3 Monaten die Reproduktionen von 72% auf 48% zurück, während die Rekonstruktionen von 25% auf 44% anstiegen.
- Thema: Denken und Schlussfolgern Definiere, was "geistiges Problemlösen" ausmacht und welche 2 Denkprozesse dabei involviert sind? geistiges Problemlösen: Einsatz von mentalen Operationen zur Transformation von psychischen Zuständen. induktives Denken: aus Einzelnen (z.B. Sachverhalten), allgemeine Regeln (Gesetze) ableiten deduktives Denken: der Schluss vom Allgemeinen (z.B.: Menge von Annahmen) auf das Besondere (zB. Konsequenzen daraus)
- Thema: Induktives Denken Begriffslernen →für Gruppen von Objekten, Situationen oder Prozesse sollen Merkmale und Merkmalsrelationen herausgefunden werden, die sie gemeinsam haben (wie bei der Inferenzstatistik, wo man Zusammenhänge zwischen Variablen sucht) Ausbildung von Begriffen = kontinuierlicher Lernprozess (wie bei Mustererkennung) 1. Begriffe bilden sich aufgrund der statistischen Beziehungen zwischen ihren Merkmalen (z.B. Korrelationen) und rückmeldungsgesteuerter Prozess des Hypothesenlernens 1. Annahmen über Merkmale und deren Zusammenhänge 2. Überprüfung auf Basis von Erfahrungen (hypothetische Begriffsstruktur wird anhand von Fallbeispielen verifiziert oder falsifiziert) • Problem: Bestätigungsfehler ("confirmation bias") → Bestätigungstendenz beim Prüfen von eigenen Hypothesen (Wir suchen eher nach Beispielen, die unsere Hypothese bestätigen und neigen dazu, falsifizierende Fälle zu ignorieren bzw. zu übersehen)
- Thema: Deduktives Lernen - Logisches oder Schlussfolgerndes Denken: von schon Bekanntem zu weiterem Wissen - aus explizit formulierten komplexen Wissensbestand werden implizite (indirekt erschließbare) Wissensinhalte abgeleitet. - sind nicht immer wahr - Möglichkeiten, wie psychologische Ableitungen zustande kommen können: 1. kognitive Modelle: Produktionssysteme: basieren auf Tatsachenwissen; Vorhersagen über die Wahrscheinlichkeit vom Übergang von einen Realitätszustand in einen anderen (zB Wenn etwas brennt, wird sich Hitze erzeugen) 2. formaler Prozess ("abstract-rule theory"): zB. "A impliziert B. A ist wahr, also ist B ebenfalls wahr." 3. aufgrund der Konstruktion mentaler Modelle im Arbeitsgedächtnis: zB: Burgtheater ist gegenüber von Rathaus. Uni ist rechts vom Rathaus, also ist Uni links vom Burgtheater. - Konditionale Schlüsse: spezielle Klasse von aussagenlogischen Schlussfolgerungen bei denen Wenn-Dann-Formulierungen (Implikationen) verwendet werden. - aussagenlogischer Schluss: besteht aus Prämissen (Vorraussetzungen), aus denen unter Verwendung von Schlossformen (Ableitungsoperationen) Schlüsse (Konklusionen) gezogen werden. - Modus ponens = Schlussform bei der von einer Wenn-Dann-Gesetzmäßigkeit und einer gegebenen Wenn-Bedingung auf die Gültigkeit einer Dann-Bedingung geschlossen wird. - Modus tollens = Wenn-Dann-Gesetzmäßigkeit vorrausgesetzt; Man schließt von einer negierten Dann-Bedingung auf eine negierte Wenn-Bedingung; nur 50-60% Zustimmung von ProbantInnen (wird eher nicht nachvollzogen; Logische Schlussfolgerungen fallen schwerer, wenn darin verneinungen vorkommen. Um Kanalkapazität d. Arbeitsgedächtnises nicht zu überfordern, scheinen in mentale Modelle hauptsächlich wahre Propositionen einbezogen zu werden. Verneinende werden eher nicht beachtet.) - Ableitungen sind umso weniger fehleranfällig, umso öfter sie im Alltag (als Schlussfolgerungen) vorkommen. ("domain-specific-rule theories") Seite 267, Abb. 8.12 "selection task" von Wason (1966) ProbantInnen mussten abstakte Wenn-Dann-Regel (Wenn auf einer Seite d. Karte ein Vokal ist, ist auf der anderen Seite eine gerade Zahl.) auf ihre Gültigkeit prüfen. Sie bekamen 4 Karten vorgelegt (E, K, 4, 7). Mussten so wenige Karten wie möglich umdrehen. 90% drehten E Karte um, da eine 7 auf der anderen Seite die Aussage falsifizieren würde. 62% schauten auf die 4, was dumm ist, da dahinter ein E oder ein K sein kann. 25% entschieden sich für 7, was auch logisch ist. (dahinter darf kein E sein) Nimmt man jetzt aber ein konkretes "Erlebnisschema" (Wenn eine Person Bier trinkt, dann muss sie älter als 19 sein.), dann wählen 74% der Versuchspersonen die richtigen Karten. Nämlich "Trinkt Bier" und "16 Jahre alt". - Kategoriale Schlüsse: enthalten in den Prämissen Quantoren. (Mengenangaben: Allquantor, Existenzquantor usw.); basieren auf Operationen der Prädikatenlogik. Bsp.: Kein Rechteck ist ein Kreis. Alle Quadrate sind Rechtecke. Alle Quadrate sind keine Kreise. Diese Mengenrelationen werden mit Venn-Diagrammen dargestellt. S. 268, Abb. 8.13 Venn-Diagramme für bestimmte Quantoren !!! Ursachen für systematische Fehler bei deduktiven Schlussfolgerungen: 1. Vergessen einzelner Annahmen od. Modellen 2. Missinterpretation von logischen Relationen. Konversionsfehler: Wenn einseitige Wenn-Dann-Beziehungen auch umgekehrt interpretiert werden 3. Logische Gesetzmäßigkeiten werden nicht zu 100%, sondern nur zu einer bestimmten Wahrscheinlichkeit als gültig angesehen. (Viele Dinge im Alltag haben ja auch mehrere Ursachen) 4. Logische Bezeichnungen werden im Alltag anders wahrgenommen. (zB Quantor "einige" in der Mathematik 1 bis alle Elemente; im Alltag 2-5 Elemente) 5. Atmosphärenfehler: Wenn Schlussaufgaben nicht verstanden werden aber man dennoch eine Antwort geben muss, lassen sich ProbantInnen zu gleichen Formulierungen verleiten ("keine", "alle", "einige"), wie sie in den Prämissen stehen. 6. Hedonistischer Bias: Erwünschtheit von Konsequenzen (im Alltag) spielt vor allem dann eine Rolle, wenn die Struktur logischer Annahmen eher komplex und unüberschaubar ist. - "bounded rationality": Einfluss von Emotionen auf Entscheidungen und Urteile
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- Thema: Entscheidungsfindung und Urteilsbildung Beschreibe, was Ähnlichkeitsurteile sind. Ähnlichkeitsurteile ist nicht nur die Übereinstimmung von Merkmalsausprägungen. Tversky (1977) → Bei unterschiedlicher Gruppierung von Objekten werden diese als unterschiedlich erlebt. → Ähnlichkeitsurteil: Gemeinsamkeiten von Objekten + Unähnlichkeitsurteil: Unterschiede werden stärker gewichtet Seite 270, Abb. 8.14 Tversky präsentierte 4 Länder mit der Aufforderung, jeweils für ein Land (zB Österreich) aus drei anderen Ländern jenes auszuwählen, welches am ähnlichsten ist. 1. Gruppe: Österreich - Schweden am ähnlichsten (49%; im Kontrast zu damals kommunistischen Ländern Polen und Ungarn) 2. Gruppe: Österreich - Ungarn am änlichsten (60%; in Abgrenzung zu skandinavischen Ländern Norwegen und Schweden) Ähnlichkeitsurteil ist umso größer, desto mehrere gleiche Merkmale ihnen zugeschrieben werden und desto weniger verschiedenartige Merkmale sie haben. (Auffälligkeit und subjektive Gewichtung der Merkmale spielt eine Rolle. zB Intensität, Bekanntheit, Prototypikalität, Informationsgehalt)
- Thema: Entscheidungsfindung und Urteilsbildung > Urteilsheuristiken und Urteilsrahmung Was sind Hueristiken? Welche 3 Arten gibt es? Erkläre diese. Heuristiken → Urteilsstrategien, die relativ schnell und mit vergleichsweise geringem Aufwand Erklärungen, Vorhersagen und Schlussfolgerungen ermöglichen. →notwendig, da wir im Alltag nicht genug Informationen und Zeit für streng logische Urteile haben 3 Arten von Urteilsheuristiken (= judgmental heuristics): 1. Verfügbarkeitsheuristik ("availability heuristic") → für Denk und Urteilsprozesse werden jene Informationen herangezogen, die im Moment kognitiv verfügbar sind. (schnell aktivierbare Gedächtnisinhalte, auffällige Wahrnehmungen, logisch leicht reproduierbare Denkergebnisse - s. Priming) 2. Repräsentatvitätsheuristik ("representativeness heuristic") → Erfahrungsinhalt (Objekt od. Vorgang) passt in ein kognitives Schema (Begriff, Kausalprozess) und wird dann von diesem repräsentiert zB Person wird als repräsentativ für ihre Nationalität empfunden. Je mehr eine kognitive Repräsentation (Klassifikation, Schema, Skript) auf einen Erfahrungsinhalt zutrifft (zB je mehr Syptome einer gewissen Krankheit entsprechen), desto mehr werden auch die in der Repräsentation gespeicherten Gesetzmäßigkeiten als gegeben angenommen. (zB desto mehr wird einfach angenommen, dass es sich tatsächlich um diese Krankheit handelt (auch wenn Auftrittswahrscheinlichkeit für Krankheit sehr gering - "Prävalenz")) => Missachtung der Grundrate ("base rate fallacy") 3. Anker- oder Anpassungsheuristik (anchoring, adjustment): Anpassung von Urteilen an vorhandene Orientierungsrichtlinien → schnell, aber Quelle für "kognitive Täuschungen" → Bsp. für ankerbedingte Verfälschung von Urteilen: lange Multiplikationsrechnung auf Seite 272 Rahmung ("framing") → Art von Ankerheuristik - In ihr sind bereits richtungsweisende Bezugsgrößen für die Schätzung oder Klassifikation enthalten; Unter Rahmung eines Urteils versteht man die Beschreibung einer Urteilssituation, in der die Richtung des Urteils bereits eingegerenzt ist; Kann durch Formulierung von Konsequenzen einer Entscheidung erzeugt werden Seite 273, Box 8.2 Versuchspersonen sollen sich in d. Rolle von Gesundheitsbeauftragten im Kampf gegen eine Krankheit versetzen und sich für eine von 2 Strategien entscheiden. 600 Menschen könnten sterben. Strategie A: 200 Personen leben. - 72% Strategie B: Mit 1/3 Wahrscheinlichkeit leben alle 600 Menschen und mit 2/3 Wahrscheinlcihkeit lebt niemand. - 28% Weitere Versuchspersonen - andere Beschreibung: Strategie C: 400 Personen werden sterben - 22% Strategie D: 1/3 Wahrscheinlichkeit stirbt niemand und mit 2/3 Wahrscheinlichkeit sterben alle. - 78% FAZIT: Gewinnrahmung → risikoscheu; Verlustrahmung → risikofreudig Rahmeneffekt schwächt sich, wenn statt 600 nur 60 oder 6 Personen gerettet werden können + wenn es sich um nahe Verwandte handelt. Prospekttheorie: (erklärt Rahmungseffekte durch Annahme einer nichtlinearen psychophysischen Wertefunktion: subjektive Nutzen nimmt nicht linear mit der Größe des Gewinnes zu, sondern schwächt sich immer mehr ab, was ebenso auf den Subjektiven Schaden bei Verlusten zunimmt. Bsp. Abwesenheitsrate 10% erscheint größer als Anwesenheitsrate 90%) Die Prospekttheorie geht davon aus, dass für viele Menschen nicht das Gewinnen, sondern das Vermeiden von Verlusten die entscheidenden Motivation darstellt. Für ein Urteil wird eher der mögliche Verlust betrachtet.
- Thema: Entscheidungsfindung und Urteilsbildung > Wahrscheinlichkeitsurteile Beschreibe folgende Begriffe: Wahrscheinlichkeitsurteile, Apriori-Wahrscheinlichkeit, bedingte Wahrscheinlichkeit, Aposteriori Wahrscheinlichkeit, Bayes-Theorem, Wahrscheinlichkeitsverhältnis, statistisches Denken/Bayes Logik, ... Wahrscheinlichkeitsurteile = Bildung von Meinung über die Realität durch Auswertung einschlägiger empirischer Erfahrungen. Annahmen über die Realität manifestieren sich in Wahrscheinlichkeitsurteilen, die durch Einbezug neuer Realitätserfahrungen modifiziert werden. Apriori-Wahrscheinlichkeit der Hypothese = Grundrate p(H) = Auftrittswahrscheinlichkeit der postulierten Gesetzmäßigkeit allgemein bedingte Wahrscheinlichkeit = p(D/H) = bei Hinzukommen neuer Daten (D) = Wahrscheinlichkeit, bei der eine hypothesenkonforme Erfahrung bei Gültigkeit der Hypothese auftritt Aposteriori-Wahrscheinlichkeit = p(H/D) = Wahrscheinlichkeit für eine Hypothese nach deren Revision aufgrund neuer Erfahrungen = aktualisierte Wahrscheinlichkeit, dass das Ereignis auftritt, nachdem neue Informationen berücksichtigt wurden Bayes-Theorem = Verbindet alle diese Wahrscheinlichkeiten und erlaubt wahrscheinlichkeitstheoretisch korrekte Schätzungen über die Gültigkeit von Hypothesen: p(H/D) = p(H) * p(D/H) / p(D) = p(H) * p(D/H) / (p(H) * p(D/H) + p(H Strich) * p(D/H Strich)) !!! auf Seite 274 ist die Formel Prüfung von Wahrscheinlichkeitsverhältnis (wie viel wahrscheinlicher ist H1 im Vergleich zu H2): p(H1/D) / p(H2/D) = p(H1)/p(H2) * ( p(D/H1) / p(D/H2) ) statistisches Denken / Bayes Logik ("Bayesian reasoning"): Wenn Denk- und Schätzprozesse die in den obigen Formeln aufgezeigten Verhältnisse zumindest annähernd abbilden Im Alltag durch Missachtung von Wahrscheinlichkeitsgesetzen → drastische Fehleinschätzungen von Wahrscheinlichkeit von Ereignissen → Hoffrage und Gigerenzer (1995): kognitive Denkmuster der evolutionären Entwicklung des Menschen sind nicht auf den Umgang mit Wahrscheinlichkeiten zugeschnitten, sondern auf Häufigkeiten → ProbantInnen bei Vorgabe von Problemen in Häufigkeitsformat: 48% korrekte logische Bayes-Logik verwendet; im Wahrscheinlichkeitsformat nur 22% → Allgemeine Regel für Praxisgerechte Revision der Wahrscheinlichkeit für Hypothesen aufgrund von hypothesenkonformen oder hypothesendiskrepanten Häufigkeitsdaten lautet: p(H/D) = f(H vereinigt mit D) / ( f(H vereinigt mit D) + f (H Strich vereinigt mit D) ) f (H vereinigt mit D) ... Trefferfrequenz f (H Strich vereinigt mit D) ... Falscher-Alarm-Frequenz Hypothesen-Negation ... H Strich Seite 275 Seite 276 Beispiel: Vergleich von Häufigkeits- und Wahrscheinlichkeitsformat beim Rechnen: gutes Bsp zum durchrechnen und ausprobieren
- Thema: Entscheidungsfindung und Urteilsbildung > Risikowahrnehmung → unterscheidet sich von Person zu Person (Auftrittswahrscheinlichkeit + Folgen) - Laien sehen Risiken differenzierter als Experten; Experten haben statistischen Zugang und schätzen Wahrscheinlichkeit von Risiken genau ein Seite 277, Abb. 8.16 Risiken werden sowohl hinsichtlich ihrer Auftrittswahrscheinlichkeit, als uach bezgl. ihres Schadenspotenzials beurteilt. Im Diagramm sind Risikocharakteristika oder Risikodimension, die die individuellen und öffentlichen Reaktionen auf Bedrohungen besser vorhersagbar machen. Unteruchung von Slovic, Fischoff und Lichtenstein→18 differenzierende Charakteristika zur Klassifikation von Risiken →geben Rückschlüsse auf Risikoeinschätzung in der Bevölkerung Merkmale für erhöhre Risikoeinschätzung: • Unfreiwilligkeit ("involuntary") → Freiwillig = weniger gefährlich • Katastrophenartigkeit ("catastrophic") → übermäßig großer Verlust = bedrohlicher • Ungewöhnlichkeit ("dread") • Tödlichkeit ("certainly fatal") • Betroffenheit ("known to exposed") • Unmittelbarkeit ("effect immediate") → plötzlich zu erwartende Ereignisse • Unerforschtheit ("not known to science") • Unkontrollierbarkeit ("not controllable") • Neuheit ("new risk") → Unbekannte Gefahren (COVID) werden mehr gefürchtet als bekannte (Lungenentzündung) - Auftreten von Risiken -> verfälschte Einschätzung via Verfügbarkeitsheuristik (wird oft über eine Gefahr gesprochen (zb in Massenmedien), denken Menschen, dass es wahrscheinlicher ist, dass sie auftritt; triviale Bedrohungen wie Herzerkrankungen werden dafür um das 10- bis 15- Fache unterschätzt; auch Aktivitäten und Technologien, die oft für Todesfälle verantwortlich sind (zb Rauchen, Motorräder) werden unterschätzt) Risiko-Optimismus: Menschen schätzen ihr eigenes Risiko, einer Gefahr ausgesetzt zu ein/davon betroffen zu sein (zB AIDS, Herzinfarkt, etc) geringer ein, als das der restlichen Bevölkerung davon betroffen zu sein. Ruff (1990) → Wenn man ständig mit einer Gefahr konfrontiert wird (zb man wohnt neben Atomkraftwerk), wertet man ihr Risiko ab (s. auch kognitive Dissonanz) Support-Theorie: subjektive Wahrscheinlichkeit einer Gefahr hängt wesentlich von der Beschreibung der Ereignisse ab → höhere Einschätzung des Risikos je detaillierter die Gefahr geschildert → Auswirkung von explizitem Beschreiben ("unpacking"): ProbantInnen schätzen Risiko von natürlichen Todesursachen erst auf 58% und unnatürlichen auf 32%; nach Aufschlüsselung und Beurteilung von Todesursachen schätzen die ProbantInnen die nat. Todsursachen auf insgesamt 73% und die unnatürlichen auf 53%
- Thema: Entscheidungsfindung und Urteilsbildung > Intelligenz - Geistige Leistungsfähigkeit Definiere das Wort Intelligenz. Was ist der Ursprung der Intelligenzdiagnostik? Intelligenz:= Fähigkeit, aus Erfahrungen zu erlernen, Probleme zu lösen und Wissen einzusetzen, um sich an neue Situationen anzupassen. (Meyers); Ein theoretisches Konstrukt, das die geistige Leistungsfähigkeit einer Person charakterisiert: die erfolgreiche Verarbeitung von Informationen, der erfolgreiche Einsatz von Lernprozessen und die Nutzung von Wissen zur Lösung von Problemen. Ursprung der wissenschaftlich begründeten Intelligenzdiagnostik und der psychologischen Diagnostik: 1905, französische Bildungsminister rief zur Entwicklung besserer Lernmethoden für Kinder mit Entwicklungsstörungen auf → Psychologe Alfred Binet, Arzt Theodore Simon: "Es muss eine Möglichkeit geschaffen werden, mit der eine Selektion der Kinder nach ihrer geistigen Leistungsfähigkeit ermöglicht wird." psychologische Diagnostik: Besteht im Einsatz festgelegter Testverfahren zu Bewertung von Fähigkeiten, Verhaltensweisen und Persönlichkeitseigenschaften von Personen. Testverfahren müssen Gütekriterien genügen! (Testbeispiele: Seite 280, Abb. 8.17 und 8.18)
- Thema: Entscheidungsfindung und Urteilsbildung > Intelligenz - Geistige Leistungsfähigkeit > Intelligenzdiagnostik Zuerst kam die "Binet-Simon-Intelligenzskala" → Man fand 1. das Intelligenzalter haeraus und verglich dieses mit dem Lebensalter; Je größer der Unterschied zwischen den beiden, je mehr wich die Intelligenzleistung vom Durchschnitt der Altersgruppe ab. → Problem: Abweichung von 2 Jahren bei einem 3 Jährigen bedeutet mehr als bei einem 15 Jährigen Lösung: Intelligenzquotient → IQ = IA / LA * 100 Ab bestimmten Alter nimmt Intelligenzleistung in manchen Bereichen wieder ab (analytisches Denken, reasoning, fluide Intelligenz, ...) Lösung: Abweichungsquotient: Bezieht die Aweichung der individuellen Testleistung vom Mittelwert auf die Streuung aller Testleistungen der altersentsprechenden; Leistung des Einzelnen wird auf Mittelwert der entsprechenden Altersklasse bezogen → gruppenbezogene Normierung der Intelligenzwerte IQ = 100 + (Punktewert - Punktemittelwert) / Punktestreuung * 15 IQ = 100 → 50% der altersspezifischen Bevölkerung besser - 50% schlechter IQ = 70 → 2.5% der entsprechenden Altersgruppe haben geringeren IQ ("Intelligenzminderung" bzw. "geistige Behinderung") Seite 282, Abb. 8.19: Es werden individuelle Ergebnisse mit denen der anderen Personen verglichen. Man testet hierfür eine große Stichprobe der Gesamtbevölkerung und nimmt deren Normalverteilung um auf eine Skala/Norm zu kommen bzw. zur Bestimmung von Standard- oder Normwerten. Die Abweichung der individuellen Punktezahl vom Mittelwert der Bezugsgruppe dividiert durch die Standardabweichung der Verteilung ergibt den Standardwert der Person. IQ Mittelwert = 100; Streuung = 15 oder 10; Werte sind normalverteilt deswegen sind Angaben in Prozenten möglich. Flynn-Effekt: Lineare Anstieg in den Intelligenzleistungen seit Beginn der Intelligenzmessung in 14 Ländern, der bis zu 25 Punkte von einer Generation zur nächsten (30 Jahre) beträgt. Zeigt sich besonders in kulturunabhängigen Intelligenzleistungen (zB fluid Intelligence); wird mit Verbesserung d. Ernährung, Hebung der Schulbildung, zunehmender Umweltkomplexität, Urbanisierung sowie mit ansteigender Testvertrautheit erklärt; inverser Flynn-Effekt wird diskutiert Beliebte IQ-Testformen im deutschsprachigen Raum (beziehen mehrere Intelligenzdimensionen ein): • Wechsler Adult Intelligence Scale (WAIS-IV) • Intelligenz-Struktur-Test 2000 R (IST 200 R) Merksatz: Mittels Intelligenztests wird eine quantitative und auf die Altersgruppe normierte Schätzung der geistigen Leistungsfähigkeit angestrebt. Vor einer Überinterpretation des globalen IQs in einer Weise, es handle sich um eine genetisch fixierte, angeborene Eigenschaft, muss dringend gewarnt werden. Tests, die nur eine einzige Intelligenzdimension berücksichtigen: • Raven-Matritzen-Test (Standard Progressive Matrices; SPM) • Dreidimensionaler Würfeltest (3DW) • Multifactor Emotional Intelligence Scale Geistige Leistungsfähigkeit kann nur für bestimmten Zeitpunkt und bestimmte Intelligenzformen erfasst werden. Psychische Verfassung spielt eine große Rolle. Angst, Stress und vor allem Depression drückt Messwerte nach unten. Deswegen ist bei einer zuverlässigen Intelligenzdiagnostik die zusätzliche Erhebung von leistungsbezogenen Persönlichkeits- und Einstellungsmerkmalen nötig, wie zum Bsp emotionale Labilität, Belastbarkeit und Leistungsmotivation. • Unterscheidung zw. Intelligenzanlage: genetische Voraussetzungen • Intelligenzstatus: momentan erfassbares Leistungsniveau • Intelligenzpotenz: potentiell entwickelbare intellektuelle Leistungsfähigkeit CAT: computer adaptive/assisted testing bzw. computergestütztes Testen zB: AID 3 Adaptives Intelligenz Diagnostikum 3 von Kubinger → hierfür ist aber eine probabilistische Testentwicklung ("Item-Response-Theory") mit einer wahrscheinlichkeitstheoretischen berechnung von Test- und Personenkennwerten ("Itemparameter und Personenparameter") Vorraussetzung
- Thema: Entscheidungsfindung und Urteilsbildung > Intelligenz - Geistige Leistungsfähigkeit > Formen der Intelligenz • Intelligenzprofil: enthält für die jeweilige Fragestellung (z.B. Berufseignung) interessierenden Stärken und Schwächen einer Person • Vollständige Erfassung aller intellektuellen Qualitäten eines Menschen ist nicht möglich • Charles Spareman (1863-1945) "Generalfaktor" (In vielen Intelligenzleistungen wirks mehr oder weniger stark ein allgemeiner Intelligenzfaktor mit); Rechtfertigt von einer "Intelligenz" zu sprechen • Guilford (1897-1988) "Intelligenzstrukturmodell" mit 120 Intelligenzaspekten; Intelligenz setzt sich aus 120 Komponenten zusammen • für viele Intelligenzbereiche existieren psychometrisch entwickelte Testverfahren mit statistisch begründeten Intelligenzdimensionen • Methoden zur Gewinnung von "Mess- und Strukturmodelle": linearkombinatorische Faktorenanalyse (= statistisches Verfahren, mit deren Hilfe sich experimentell gewonnene Daten, Testdaten oder Korrelationen zwischen den einzelnen Daten interpretieren lassen); in neuerer Zeit wahrscheinlichkeitstheoretische Testmodelle - "Item Response Theory" (= sie reglementiert, wie psychologische Tests zu konstruieren sind. Sie modelliert das Zustandekommen einer Reaktion (Antwort) auf eine Aufgabe, Frage oder Feststellung (= Item)) • Primärfähigkeiten / Primärfaktoren / primary mental abilities → Intelligenzkonzeption aus den 30er Jahren → die Primärfaktoren charaktisieren in unterschiedlicher Beteiligung die intellektuelle Leistungsfähigkeit des Menschen → 20 und mehr (Visualisierungskapazität, Informationsverarbeitungsgeschwindigkeit, Einprägungsfähigkeit, Einfallsreichtum, usw. ) → mittels interner Korrelationen zu Fähigkeitsdimensionen zusammengefasst ("Comprehensive Ability Battery", Hakstian und Cattell, 1978, ist son Kollektiv aus 20 Kuzen Tests) Seite 284, Tab. 8.4 Primary Mental Abilities (Thurstone und Thurstone, 1963) - Modell der Primärfaktoren der Intelligenz - Erstmals aus 1934 durch statistische Analyse (Faktorenanalyse) Fähigkeit - Aufgabenart Verbales Verständnis/Verbal comprehension - Erfassen von Wortbedeutungen (Synonyme) Wortflüssigkeit/Word fluency - Lösen von Anagrammen, Bilden von Reimen Rechenfähigkeit/Number - Erkennen korrekter oder inkorrekter Additionen Räumliches Vorstellungsvermögen/Space - Erkennen von zweidimensionalen grdrehten Figuren Merkfähigkeit/Memory - Auswendiglernen von Paarbildungen (Buchstaben und Ziffern) Wahrnehmungsgeschwindigkeit/Perceptual Speed - Wiedererkennen von Figuren, Bildvergleiche Schlussfolgerndes Denken/Reasoning - Fortsetzen von Buchstabenreihen Seite 285, Box 8.3 Howard Gardner (2000): Es gibt zumindest 8 voneinander unabhängige Intelligenzformen: 1. Sprachliche I. (Sprachverstehen, Schreiben, Reden und Lesen) 2. Logisch-mathematische I. (logisches Schlussfolgern, Gleichungen lösen) 3. Visuell-räumliche I. (Stadtpläne interpretieren, Gegenstände ordnen) 4. Musikalische I. (Musikverständnis, Rythmusgefühl, Gehör, Musizieren, Komponieren) 5. Motorisch-kinästhetische I. (Geschicklichkeit, Körperkontrolle, Tazen, Turnen, Ballspiele) 6. Interpersonale I. (Einfühlung, Kommunikation) 7. Intrapersonale I. (Selbstverständnis, Kenntnis der eigenen Stärken und Schwächen) 8. Naturalistische I. (Klassifikation und Verständnis von Strukturen und Vorgängen in der Natur) Dieses System wird noch nicht als ausreichend empirisch evaluiert angesehen. • kristalline Intelligenz / crystalized intelligence: kulturabhängige Fähigkeiten (verbale und motorische Fertigkeiten, Expertenwissen) • fluide Intelligenz / fluid intelligence: kulturunabhängige kognitive Grundausstattung der geistigen Leistungsfähigkeit (induktives, kombinatorisches und figurales Denken, Fächer mit hoher Anforderung zB Mathematik, Physik, Chemie) Kritik an Intelligenztests: geringe Prognoseleistung (25%) für schulischen oder beruflichen Erfolg und geringe Korrelation mit komplexen Problemlöseleistungen →Lösung (Annäherung der Intelligenzmessung an Alltagserfordernisse): Konzept d. Erfolgsintelligenz (Theory of Successful Intelligence von Sternberg, 1997): 1. Fertigkeit, im persönlichen Rahmen innerhalb des soziokulturellen Kontextes Erfolg zu haben 2. Begabung zur Nutzung eigener Stärken und zur Kompensation eigener Schwächen 3. Balance zwischen analytischer (schulischer, akademischer), krativer und praktischer Intelligenz • emotionale Intelligenz (Goleman, 1996) = richtige Einschätzung, richtiger Umgang, richtige Mitteilung eigener Emotionen + Emotionslage anderer richtig einschätzen und erfolgreich beeinflussen → können nicht wirklich getestet werden, da Antworten auf Aufgaben nicht eindeutig Bewertet werden können (Probleme bei Objektivität, Reliabilität und Validität) • triarchischen Theorie der Intelligenz (Triarchic Theory of Intelligence) von Sternberg und Kaufman (1998) Seite 287, Abb. 8.20 - 3 Intelligenzformen (bestehend aus aunderen Unterkomponenten) manifestieren sich in je 3 Inhalts- bzw. Präsentationsebenen - 9 Faktoren wurden mittels einer Testbatterie "Sternberg Triarchic Abilities Test"/STAT bestätigt - dh. dass die analytische Intelligenz durch kreative und praktische Fähigkeiten ergänzt wird
- Thema: Entscheidungsfindung und Urteilsbildung > Intelligenz - Geistige Leistungsfähigkeit > Genetische Veranlagung und Umweltfaktoren der Intelligenz • Erblichkeitsschätzung: Ausmaß des genetischen Einflusses auf ein Persönlichkeitsmerkmal USA: Immigranten jüdischer, italienischer, russischer, latino Herkunft und Schwarze wurden aufgrund angeblich niedrigerer Intelligenzwerte diskriminiert → Einwanderungsbeschränkungen (Immigration Restriction Act) 1925 → Arbeitsgruppe von Intelligenzforschern ("Board of Scientific Affairs") der American Psychological Association (APA): Unterschiede der IQs zw. US-Amerikanern asiatischer, indianischer und afrikanischer Herkunft sind minimal max 10 Punkte und gleichen sich im Laufe der kulturellen Eingliederung an die der "weißen" Bevölkerung an. Erblichkeit IQ = 50% familiäre und Umwelteinflüsse IQ = 25% Rest IQ = Zufall Mit steigendem Alter nimmt Erblichkeit zu und Umwelteinflüsse ab. Seite 288, Abb. 8.21 - Nach Neisser und Mitarbeiter (1996) nimmt der Einfluss der Umwelt mit dem Alter ab (35% -> 10%) und jener der genetischen Disposition zu (45% -> 75%) Unterschied Frauen - Männer - gleicher IQ-Wert, andere Schwerpunkte (Geschlechtsspezifischen Intelligenzdiskrepanzen (werden oft übertrieben interpretiert)) Stärken (Frauen): schnelles Identifizieren von Bildern, Finden von Worten, Vergleichen von Objektlisten, Verbal- und Kommunikationsleistung (Lesen, Rechtschreibung, Ideen- und Wortflüssigkeit, Interpretation von Körpersprache), weisen weniger Lese- und Sprachstörungen auf Stärken (Männer): mathematische Schlussfolgerungen, identifizieren von rotierten Figuren, Strukturveränderungen erkennen, visuell-räumliche und mathematische Leistungen • Hemmung von Leistung durch ein gesellschaftliches Stereotyp: Stereotypen sind Kategorisierungen von Personengruppen, wobei bestimmte Konfigurationen von Eigenschaften als typisch angenommen werden. Stimmen nun bestimmte Eigenschaften (zB Mathematikfähigkeit) bei einer Person (zb Frau) nicht mit jenen überein, die zu ihrem Stereotyp gehören, dann resultiert eine subjektive Bedrohung der Zugehörigkeit zu ihrer Bezugsgruppe. (= Stereotypenbedrohung / "stereotype threats") Sie passt dann die Leistung dem Stereotyp an oder schwächt die Identifikation mit diesem Leistungsbereich ab. Seite 290, Abb. 8.23 Experiment, Steele (1997); Beweis der Stereotypenbedrohung mit einer Gruppe von Mädchen und Jungs im Fach Mathematik
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