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Entwicklungspsychologie (Fach) / Kontexttheorien (Lektion)

Wygotski & Bronfenbrenner

Diese Lektion wurde von aherbert erstellt.

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  • Kontextualistische Weltsicht -> Mensch ist eingebunden in eine soziale Matrix (den Kontext), ohne die sich sein Verhalten nicht erklären lässt  - Verwebung von räumlicher (sozialer Kontext) und zeitlicher Dimension (Historie)
  • wichtigsten Merkmale von Kontexttheorien (ins. Wygotski) 1. Untersuchungseinheit: Das aktive Kind in seinem Kontext 2. Zone der proximalen Entwicklung 3. soziokulturelle Ursprünge der geistigen Aktivität 4. Mediation der kognitiven Aktivität durch kulturell vorgegebene Werkzeuge 5. kontextualistische Methodologie
  • Das aktive Kind in seinem Kontext als Untersuchungseinheit - "die kleinste bedeutsame Untersuchungseinheit" ist Kind in seinem sozialen Kontext  - Kind ist nicht alleine Mittelpunkt der Theorie, sondern Kind in seinem sozialen Kontext - wechselseitige Beeinflussung von Kind und Umwelt - Verschmelzung von Kind und Umwelt (weitreichender als Interaktionismus) zu einer Prozesseinheit  -> isolierte Betrachtung des Kindes unzureichend, verzerrt 
  • Kontexte a) Kontextverständnis von Wygotski:  - Mensch ist in einen sozialen Kontext eingebunden - sozialer Kontext unterliegt historischem und kulturellem Wandel (vgl. Ebenen auf denen Kultur auf sozialen Kontext Einfluss nimmt)  b) Kontextverständnis von Bronfenbrenner: - Mensch ist in mehrere Kontexte eingebunden, welche ineinander verschachtelt sind - reichen von dyadischen Interaktionen bishinzu Freundesgruppen & Familie, Zugehörigkeit zu Insitutionen & kulturellen Wertesystemen  -> Differenzierung zwischen Mikrosystem, Mesosystem, Exosystem und Makrosystem 
  • Einfluss der Kultur auf den sozialen Kontext  - Kultur bestimmt sozialen Kontext mit, hat Einfluss auf verschiedenen Ebenen  a) WAS: worüber nachgedacht wird, welche Fähigkeiten erworben werden b) WIE Informationen und Fähigkeiten erworben werden c) ab WANN bestimmte Aktivitäten erlaubt sind d) WER sich an bestimmten Aktivitäten beteiligen darf  - Ebenen sind dynamisch -> Veränderungen auf einer Ebene geht mit Veränderungen auf anderen Ebenen einher  - Kultur unterliegt historischem Wandel 
  • Zone der proximalen Entwicklung -> Zone zwischen dem, was Kind bereits kann und dem, was Kind imstande ist durch Andere zu lernen  - Lernen/ Entwicklung = Überbrückung der Zone der proximalen Entwicklung  - Fokus auf den Prozess der Veränderung statt auf den Ist- oder Soll-Zustand  -> Implikationen für die Schulbildung: Orientierung an Lernbereitschaft statt Entwicklungsstand
  • Bronfenbrenner: Einfluss des Kindes auf seinen sozialen Kontext 1. Persönlichkeit des Kindes  - regt Reaktionen der sozialen Umwelt an, welche wiederum Reaktion des Kindes anregen etc. - in Abhängigkeit der Persönlichkeit wird die Umwelt geschaffen (Passung der Umwelt zur Persönlichkeit des Kindes) 2. Temperamentsunterschiede - bestimmt Vermeidungs- und Näherungstendenzen, Extra vs. Introversion, Schüchternheit  - in Abhängigkeit des Temperamentes sucht Kind andere Stimuli & Kontexte auf, welche wiederum Einfluss auf seine Entwicklung haben (z.B. Zwei-Personen vs. Mehr-Personen-Kontext) 3. Kreativität und Bedürfniss nach Lernen & Veränderung  - interindividuelle Unterschiede, beeinflussen die (Komplexität & Steigerung der Komplexitätseinschätzung) Kontexte, die ein Kind aufsucht & wieviel sie von diesen profitieren  4. Selbstwirksamkeitseinschätzung  - altersbedingt und interindividuell unterschiedlich  - bestimmt die Distanz, die Kind sich selbst zutraut in der Zone der proximalen Entwicklung zurückzulegen 
  • Das Intermentale konstruiert das Intramentale - jegliche Fähigkeiten & Denkprozesse (Sprache, Aufmerksamkeit, Wille, Gedächtnis) des Kindes entspringen der intermentalen (zwischenmenschlichen) Ebene  -> wesentlicher Unterschied zu anderen Theorien (Entwicklung vom Individuum aus)  - Internalisierung des Intermentalen und Integration in die Intramentale Ebene - währrenddessen Transformation entsprechen des Interesses und Verständnisses des Kindes  -> Denken reflektiert die Kultur und den sozialen Kontext, indem ein Individuum operiert  - unterschiedliche geistige Funktionen entstehen durch Interaktion mit unterschiedlichen Kontexten 
  • Rolle der Sprache - Sprache dient nicht nur der interpersonellen Kommunikation, sondern auch der Kommunikation des Kindes mit sich selbst  => verbales Denken - wird wie jede intramentale Aktivität durch intermentale Aktivität erlernt  -> interpersoneller Kommunikation wird zur intrapersonellen Kommunikation  - Sprache ist eines der wichtigsten psychologischen Werkzeuge, stark kulturabhängig 
  • Rolle der Werkzeuge - zwei Arten von Werkzeugen: psychologische und technische - beide Arten vermitteln zwischen Kind und materieller und sozialer Umwelt - werden währrend der Entwicklung angeeignet und dienen der Entwicklung -> Kind nutzt die Werkzeuge zu seiner eigenen Entwicklung  - werden durch das soziale Umfeld überliefert, sowie bei ihrer Benutzung von diesem unterstützt  - sowohl Art der Werkzeuge, als auch Situationen, in denen sie verwendet werden sind kulturspezifisch (z.B. Anwendung des abstrakten Denkens) 
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  • kontextualistische Methodologie - Erfassung der Zone proximaler Entwicklung zur Beurteilung des geistigen Potenzials  -> Beurteilung des dynamischen Entwicklungspotenzials (dem was Kinder mit Unterstützung Anderer vermögen) und nicht dem statischen Entwicklungsstand (dem, was Kinder alleine bewältigen) - Vorteil: Erfassung von Performanzzuwächsen -unterschieden, die in standardisierten Beurteilungen nicht erfasst werden (Veränderungen und Unterschiede in der Weite der Zone proximaler Entwicklung)  - Erfassung mittels der sog. "Mikrogenetischen Methode"
  • Mikrogenetische Methode -> mikrogenetische Methode: Erfassung eines "Augenblicks der Entwicklung", indem sich Kind durch den Raum proximaler Entwicklung entwickelt  - z.B. durch Konfrontation mit unbekanntem Material, Einbauen von Hindernissen in routinemäßige Verhaltensabläufe - Stellen von Aufgaben und stufenweise Darbierung von Hinweisreizen - im Vordergrund ist immer der Prozess des Problemlösens  - um Prozess zu erfassen, muss Kind sorgfältig beobachtet und Verhalten qualitativ beschrieben werden 
  • multikontextuelle Forschung - sozialer Kontext spielt bei Verhalten, so auch bei Performanz eine große Rolle (z.B. soziale Kognition zu Hause besser ist als im Labor) -> sozialer Kontext muss immer mit untersucht werden  -> ideal wäre Untersuchung des Kindes in einer "Stichprobe von Kontexten", die alle Kontexte Bronfenbrenners enthält (Untersuchung in Dyaden, großen Gruppen,....) => multikontextueller Ansatz zur Erforschung a) einzelner Individuen (Labor vs. Alltag, Familie vs. Peergroup)  b) universeller Entwicklungsprozesse (verschiedene Kontexte = verschiedene Kulturen, soziale Schichten, ethnische Gruppen) 
  • Menschenbild - Anspruch auf dialektisches Menschenbild -> "Dialektische Prozess" als Entwicklungsmechanismus -> Kind und Kontext sind untrennbar verbunden, entwickeln sich immer zusammen (=> beide verändern sich)  -> bei der Bewegung durch die Zone proximaler Entwicklung stehen Kind und soziale Umwelt in einem Kooperationsverhältnis  - Biggi: organismisches Menschenbild 
  • kritische Evaluation PRO: - Berücksichtigung des sozialen und kulturellen Kontextes von Entwicklung  - Integration von Alltagslernen und Entwicklung - Hinweis auf Vielfalt von Entwicklung  KONTRA: - Begrifflichkeiten (z.B. Zone proximaler Entwicklung) teils sehr vage - keine prototypischen Aufgaben zur Untersuchung interessanter entwicklungstypischer Phänomene - schwierig historische und kulturelle Kontexte zu untersuchen  - heuristischer Wert
  • Entwicklung nach Wygotski = Bewegung durch die Zone proximaler Entwicklung - kann durch Erwachsene initiiert werden -> Konfrontation mit etwas, was leicht über aktuellem Fähigkeitsstand ist (vgl. Mikrogenetische Methode) - passiert auch automatisch als Nebenprodukt der Teilhabe des Kindes an unbekannten Situationen - Kind kann in diesen Situationen die Rolle des Beobachters haben oder des aktiven Problemelösers => Entwicklung und Lernen basiert auf Kooperation des Kindes und der Umwelt bei Bewältigung von (für das Kind) neuen Problemen => Kind ist gleichermaßen Aktiv an seiner eigenen Entwicklung beteiligt, wie Erwachsene
  • Rolle der Intersubjektivität - Entwicklung läuft immer in Interaktion ab zwischen Kind und Erwachsenem/ Peer - kooperatives Lernen basiert auf Intersubjektivität: geteilte Repräsentationen, die sich durch gemeinsame Erfahrungen, Ziele oder einen gemeinsamen Aufmerksamkeitsfokus ergeben  -> sowohl Ergebnis als auch Basis von Entwicklungsprozessen 
  • Rolle des Spiels bei der Entwicklung - im Spiel können sich Kinder vin der eigentlichen Rolle eines Objektes abwenden und ihr eine andere symbolische Rolle zuschreiben  - z.B. Stock wird zum "fliegenden Besen" oder zum "Pferd" => fördert abstraktes Denken 
  • psychologische vs. technische Werkzeuge a) psychologische Werkzeuge - z.B. Sprache, Zahlensystem, Diagramme, Landkarten, konventionelle Zeichen, Kunstwerke, Aufmerksamkeits-und Lernstrategien  -> intern orientiert, d.h. sie haben Einfluss auf Denken, Erleben und Verhalten  - heben menschliches von tierischem Verhalten ab  b) technische Werkzeuge - z.B. Axt, Computer -> extern orientiert, d.h. sie verändern die externe Umwelt