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Entwicklungspsychologie (Fach) / Entwicklungen der Adoleszens (Lektion)

Seminar 2

Diese Lektion wurde von aherbert erstellt.

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  • Einteilung der Adoleszenz a) frühe (11- 13) b) mittlere (14- 17) c) späte Adoleszenz (18- 21)
  • Entwicklungsaufgaben nach Havighurst -> Aufgabe, die sich in einer bestimmten Lebensperiode des Individuums stellt - erfolgreiche Bewältigung führt zu Glück - Versagen macht unglücklich, stößt auf Ablehnung der Gesellschaft und führt zu Schwierigkeiten bei der Bewältigung späterer Aufgaben - Entwicklungsaufgaben unterlaufen historischer Wandlungen - Quellen der Entwicklungsaufgaben: -> biologische Reifungsprozesse -> gesellschaftliche Erwartungen (abhängig vom historischen Wandel) -> individueller Zielsetzungen und Werte - Annahme, dass es in der Lebensspanne Zeiträume gibt, die für bestimmte Lernprozesse besonders geeignet sind (vgl. sensible Phasen) - Entwicklungsaufgaben der Adoleszenz sind: Körperliche Reifung, Identität, Gemeinschaft mit Peers, formales Denken
  • Entwicklungsaufgaben der Adoleszenz nach Dreher und Dreher -> Erlangung von Unabhängigkeit vom Elternhaus und Entwicklung einer Zukunftsperspektive auf verschiedenen Ebenen a) soziale & partnerschaftliche: - Aufbau eines enger (freundschaftlicher & romantischer) Beziehungen - Entwicklungen von Vorstellungen bezüglich Partnerschaft und Familie b) selbstbezogene: - Akzeptanz körperlicher Veränderungen - Gewinnung von Klarheit über sich Selbst - Entwicklung einer eigenen Weltanschauung c) (finanzielle) Unabhängigkeit: - Orientierung auf Ausbildung und Beruf 
  • hormonelle Veränderungen a) Sexuelle Reifung - genetische Faktoren und Bereitschaft des Organismus bestimmen den Start der Pubertät durch Bildung des Botenstoff Neurokinin B im Hypothalamus -> Bildung der Gonadotropin-Releasing-Hormons, Freisetzung von Gonadotropin (Sexualhormon) in der Hypophyse  -> Bildung von Sexualhormonen (Östrogene, Androgene) in Ovarien und Hoden b) Wachstumsschub: Sekretion des Wachstumshormons (STH), des Schilddrüsenhormons Thyroxin c) Schlafrhytmus: Veränderung im Melatoninstoffwechsel durch Verringerung der Serotoninausschüttung, aus dem in der Epiphyse Melatonin entsteht -> weniger Melatonin, spätere Ausschüttung 
  • Gehirnentwicklung - zunehmende Myelinisierung und Abbau nicht genutzter Neuronen und Verbindungen -> Zunahme an weißer und Abnahme an grauer Substanz => effizientere, schnellere Informationsverarbeitung - Umstrukturierung laufen nicht in allen Hirnregionen simultan ab: -> zuerst Regionen zur Beherrschung von Motorik und Sensorik -> später Bereiche des limbischen Systems (Emotionsverarbeitung) und des präfrontalen Cortex (exekutive Funktionen, Handlungssteuerung) -> Umstrukturierung im präfrontalen Cortex bis ins frühe Erwachsenenalter => vorübergehende Probleme bei Emotionsverarbeitung, Handlungssteuerung
  • Veränderungen im Transmitterhaushalt - Abnahme der Serotoninausschüttung -> negativere Grundstimmung  -> veränderter Schlafrhytmus  - nachlassender Einfluss von Dopamin im limbischen System -> geringere Stimulation des dopaminergen Hirnbelohnungssystem -> vermehrt negative Gefühlszustände, vermehrt Aufwand für positive Gefühlszustände  + Probleme der Emotionskontrolle (PFC noch nicht voll ausgereift) => erhöhte Risikobereitschaft, Alkohol- und Drogen zu konsumieren, um Dopaminausschüttung anzukurbeln
  • körperliche Veränderungen a) Körperwachstum und Gewichtszunahme (w: ca. 11 - 16, m ca. 13-18) - pre-pubertäres Wachstum (Wachstum primär der Extremitäten) dauert bei Jungen länger an, ab 14 überholen sie Mädchen dann i.d.R. mit ihrer Größer  - Durchschnitt: w 168 cm, m 180 cm b) Körperproportionen: proximo-distaler Wachstumstrends des Säuglingsalters drehen sich um (erst distaler, dann proximaler Wachstum) - Geschlechtsunterschiede: Jungen bekommen breitere Schultern, Mädchen breitere Hüften
  • Pubertätseintritt - w mit ca. 11 Jahren, m mit ca. 13 Jahren - große interindividuelle Unterschiede -> genetische und hormonelle Faktoren, Ernährung, Extremsport, Erkrankungen - Körperfett spielt große Rolle bei Pubertätseintritt - „säkulare Akzeleration“: in den USA ist Puberträtseintritt in den letzten 120 Jahren stark gesunken durch verbesserte Ernährung und medizinische Versorgung (-> Eintritt Menarche von 17. – 13. Lebensjahr) - Risiken sehr frühen oder späten Pubertätseintritts: a) internalisierende Probleme: Stimmung, Selbstwert, Körperbildprobleme (bei Mädchen eher bei frühen, Jungs eher bei späten Eintritt) b) früherer Alkohol- und Drogenkonsum, durch Kontakt zu älteren Peers
  • Denkleistungen der Adoleszenz (Keating) 1. das Bedenken von Alternativen 2. vorrausschauendes Denken 3. Hypothesentestung 4. Denken 2. Ordnung -> Metakognitionen, Antizipation der Gedanken anderer Menschen, Repräsentation mehrerer Wertesysteme parallel 5. unkonventionelles Denken -> Überarbeitung bestehender Regel- und Normensysteme, Aufstellen eines eigenen
  • Folgen abstrakter Denkfähigkeit a) erhöhte Streitlust durch bessere Argumentfindung b) Befangenheit und erhöhter Selbstbezug/-reflektion -> Jugend- Egozentrismus (Elkind): eigenes Erleben und Verhalten steht im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit, oft mit Selbstzweifeln verbunden (ca. 10-14 Jahre) - Imaginiary Audience (Elkind, 1985): Annahme, dass auch alle anderen Personen ihre Aufmerksamkeit auf einen gerichtet haben - Personal Fable (Elkind, 1985): Annahme, dass andere Menschen das eigene Denken und Handeln nicht nachvollziehen können c) idealisierendes und teils realitätsfernes Denken d) bessere Entscheidungsfindung und -treffung (späte Pubertät) durch verbesserte kognitive Selbstregulation, planvolleres Vorgehen (PFC-Reifung)
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  • emotionale Veränderungen - Stimmungs- und Gemütsschwankungen - vermehrt negative Gefühlszustände - kurvilinearer Verlauf des Selbstwertgefühls -> zuerst Abfall mit Tiefpunkt mit ca. 12-13 Jahren, dann allgemeiner Anstieg mit verbesserter Emotionskontrolle - Selbstwertgefühl bei Mädchen geringer, ins. in Verbindung mit negativer Körperwahrnehmung -> Bedeutung von Emotionsregulationsmöglichkeiten und sozialer Unterstützung für die Bewältigung emotionaler Charakteristika der Pubertät 
  • Identität- und Selbstentwicklung - Identität und Selbst kein Synonym! a) Selbst/ Selbstbild/ Selbstkonzept: System aus Kognitionen, Gefühlen, Selbstkonzepten b) Identität: Selbst-Kohärenz - zentrale Aufgabe in der Adoleszenz (nach Erikson): Entwicklung einer kohärenten, konsistenten Identität, die zahlreiche Selbstkonzepte integriert ohne diese als Widerspruch wahrzunehmen -> umfasst Aspekte wie Lebensplanung, politische Einstellungen, Religiösität, Sexualität, Wertesystem etc. 
  • Entwicklung des Selbstkonzeptes in der Kindheit 1. frühe Kindheit - basierend auf dyadischer (mit z.B. Mutter), später tryadischer Interaktion - Ausdruck selbstbezogenen Emotionen (z.B. Scham, Verlegenheit)  2. Kindergarten-Vorschulzeit => überwiegend positive, nicht-generalisierte Selbstbeschreibungen anhand beobachtbarer Eigenschaften  3. Schulalter - basierend auf sozialen Beziehungen zu Gleichaltrigen, durch vermehrte soziale Vergleiche => globalere Selbstbeschreibungen
  • Entwicklung des Selbstkonzeptes in der Adoleszenz - wachsende Komplexität des Selbstbildes ausgelöst durch kognitive Reifung (abstraktes, sowie differenzierteres Denken): -> abstraktere Selbstwahrnehumg -> stärkere Trennung von Real- und Selbstbild -> Einbeziehung der zeitlichen Veränderung des Selbst und verschiedener Perspektiven auf das Selbst  a) frühe Adoleszenz: verschiedene kontextspezifische Selbstkonzepte parallel ohne Bedürfnis, diese zu integrieren, starke Abhängigkeit von Bewertung durch Andere b) mittlere Adoleszenz: Auseinandersetzung mit verschiedenen, widersprüchlichen Selbstkonzepten, aber noch nicht Erfolg, diese zu integrieren c) späte Adoleszenz: Ausbildung einer konsistenten, kohärenten Identität, widersprüchliche Selbstkonzepte können akzeptiert und begründet werden, geringere Abhängigkeit vom Urteil Anderer, vermehrtes Auftreten internalisierter persönlicher Wertvorstellungen
  • soziale Veränderungen - Peers gewinnen immer mehr Einfluss -> Ausbau sozialer und kommunikativer Kompetenzen (+), aber auch Beeinflussbarkeit bei Alkohol/ Drogenkonsum u.ä., Gruppenzwänge etc. (-) - vermehrtes Interesse an gleichem/anderem Geschlecht, Intimpartner - Loslösung vom Elternhaus - Wichtiges Thema: Identitätssuche und Auseinandersetzung mitNormen und Werten (vgl. auch Erikson)
  • verschiedene Sichtweisen auf Adoleszens a) biologische Sichtweise  - erhöhte Emotionalität und Konflikpotenzial ist biologisch determiniert (Neurotransmitter, Hormone, Veränderungen im Gehirn) - z.B. Rosseau, Stanley Hall  b) soziokulturelle Sichtweise  - erhöhte Emotionalität ist kulturell bedingt, nicht in jeder Kultur, abhängig von Anforderungen , die in einer Gesellschaft mit körperliches Reifungsprozessen einhergehen  - z.B. Erikson, Havighurst c) moderne Sicht  - Psychische Veränderungen in der Adoleszenz werden bestimmt durch biologische, soziale und kulturelle Faktoren
  • kognitive Veränderungen - höhere Gedächtniskapazität -> sowohl inhaltliches, als auch Strategiewisen nimmt zu  -> effektiver Einsatz von kognitiven Strategien - Intelligenzuwachs (vor allem fluide Intelligenz) - Zunahme des abstrakten und formal-logischen Denkens, Metakognitionen
  • Entwicklung exekutiver Funktionen - v.a in Verbindung mit Reifung des PFC und zunehmender Myelinisierung in diesem Bereich  a) Aufmerksamkeit - Fokussierung auf aufgabenrelevante Informationen, flexibler Wechseln der Aufmerksamkeitsfokus  b) Arbeitsgedächtnis  - verbesertes Rehearsal im AG => Gedächtnisverbesserung  - Automatisierungsprozesse im AG => höhere Verarbeitungskapazität c) Handlungsplanung- und Steuerung d) Emotionskontrolle