26

Wirtschaftsethik (Fach) / Lektion 5(2) - Ethikmanagementprogramme (Lektion)

Lektion 5(2) - Ethikmanagementprogramme

Diese Lektion wurde von ASchaetz erstellt.

Lektion lernen

Diese Lektion ist leider nicht zum lernen freigegeben.

Anzeige
  • Ethikkodizes - Definition und Funktionen auch: Leitbilder, Leitsätze --> Ziel: Beschreibung und Kodifizierung des entwickelten Wertesystems Fuktionen: - Orientierungsfunktion: formulierte Ziele stellen Soll-Vorgaben dar- Motivationsfunktion: Einbindung der Mitarbeiter in das Gesamtgefüge des Unternehmens- Legitimationsfunktion: Rechtfertigung (im positiven Sinn) von Produkten, Unternehmensformen etc.
  • Anforderungen an Ethikkodizes - Inhalt: unternehmensspezifisch und umfassend; langfristig orientiert; konsistente Aussagen; Herz und Verstand ansprechend; keine vagen Formulierungen - Form und Gestaltung: Formulierung im Präsens statt im Futur; keine negativen Formulierungen; Einsatz von Bildsprache - Entstehung und Prozess: partizipativ; Grundaussagen im Konsens entwickeln - Situation: Kodizes immer situationsabhängig (kein Königsweg)
  • Compliance-Ansatz Vorgehensweise zur Verankerung von Ethik im UN Ziel: Konformität mit externen Verhaltensstandards herstellen --> Steuerungsphilosophie: Begrenzung von Handlungsspielräumen Menschenbild: opportunistisch; vom materiellen Eigeninteresse geprägtes Wissen Maßnahmen: es besteht eine Misstrauenskultur daher Überwachung, Fremdkontrolle, Sanktionsmaßnahmen
  • Integrity-Ansatz Vorgehensweise zur Verankerung von Ethik im UN Ziel: Selbststeuerung des Mitarbeiters --> Steuerungsphilosophie: Ermöglichung moralischen Verhaltens   Menschenbild: verantwortungsbewusst und lernfähig; von eigenen und sozialen Interessen geprägt Maßnahmen: es besteht eine Vertrauenskultur daher Freiräume für Eigenverantwortung schaffen
  • Organisatorische Maßnahmen zur Verankerung ethischer Handlungsmaßstäbe Umgestaltung bestehender Strukturen (z.B.: Dezentralisierung von Entscheidungsprozessen beim Integrity Ansatz) Einführung neuer ethikspezifischer Organisationselemente: - Formulierung des Ethikkodex, - Ethikdirektoren/-beauftragte - Ombudsmänner = neutrale Personen mit Vermittlerrolle als vertrauensvolle Ansprechpartner - Integration ethischer Aspekte im Bereich des strategischen Managements - Ethikseminare - Sensibilisierung und Training von Führungskräften - Einrichten einer Ethikhotline  - Einrichtung einer Ethikkomission = außerbetrieblich; Einbezug externer Berater zum Vorbeugen und Lösen von Konflikten mit externen Stakeholdern
  • Unternehmenskultur = Summe der von den UN-Mitgliedern erlernten, als selbstverständlich akzeptierten, weitergegebenen und im Unternehmensalltag praktizierten Grundannahmen - historisch gewachsen - ständige Weiterentwicklung - prägt das Denken und Handeln aller unternehmensinternen und externen Interaktionen - bestimmt Sinn und begründet Aktivitäten der Unternehmensmitglieder
  • Bedeutung der Unternehmenskultur bei der Verankerung von Ethik Organisationsstrukturelle Aktivitäten wirken nur, wenn eine Unterstützung durch unternehmenskulturelle Elemente erfolgt --> ethikförderliche Unternehmenskultur ist nötig Annahme:  - Unternehmen stellen Miniaturgesellschaften dar.- Unternehmen können das Verhalten der MA über gemeinsame Verhaltensweisen, Regeln und Einstellungen steuern
  • Drei-Ebenen-Modell der Unternehmenskultur nach Edgar Schein - Aufbau Untergliederung der Unternehmenskultur in drei Bereiche: - Symbole (z.B. Sprache, Mythen, Kleidung, Organigramme) --> sichtbar, aber interpretationsbedürftig - Normen und Wertesystem (z.B. Verhalten, Ideologien, Verbote) = Konkretisierung der Weltanschauung in Regeln  --> teilweise sichtbar, teils unbewusst --> z.B. "Keine Kritik am Vorgesetzten", "Wer Fehler macht ist selbst schuld" - Grundannahmen/Weltanschauungen (= Denken über die Umwelt, die Natur des Menschen,  seines Handelns und der zwischenmenschlichen Beziehungen) --> leiten Wahrnehmung und Handeln des Menschen in grundsätzlicher und unbewusster Form --> unsichtbar, meist unbewusst
  • Drei-Ebenen-Modell der Unternehmenskultur nach Edgar Schein - Aussage 90-10-Regel = 90 % dessen, was zur Unternehmenskultur zählt, ist unsichtbar und nur schwer offen zu legen
  • Merkmale starker Unternehmenskulturen - Prägnanz: konkrete Vorstellung was erwünscht ist und was nicht; konsistente Werte, Standards und Symbolsysteme - Verbreitungsgrad = Ausmaß, in dem die Mitarbeiter die Unternehmenskultur teilen - Verankerungstiefe = Grad der Internalisierung der kulturellen Muster; bei starken Unternehmenskulturen sind diese selbstverständlicher Bestandteil des täglichen Handelns - Persistenz = Stabilität der Unternehmenskultur über längere Zeit hinweg; eng mit der Verankerungstiefe verbunden
  • Anzeige
  • Ansätze beim Management von Unternehmenskulturen - Variablen-Ansatz --> "Unternehmen haben eine Kultur" geht von der prinzipiellen Gestaltbarkeit der Unternehmenskultur aus - Metaphern-Ansatz --> "Unternehmen sind eine Kultur" verneint die Gestaltbarkeit der Unternehmenskultur: Unternehmenskultur existiert nicht, sondern ist ein soziales Konstrukt, d.h. eine Nebenerscheinung menschlicher Handlungen - Integrative Perspektive --> "Unternehmen haben und sind eine Kultur" geht von der Gestaltbarkeit von Unternehmenskulturen innerhalb enger Grenzen aus --> der zugrundeliegende Ansatz bestimmt inwieweit Unternehmenskulturen mit bestimmten Maßnahmen gestaltet werden können
  • Gründe für die Gestaltung der Unternehmenskultur die historisch gewachsene Kultur kann moralisches Handeln behindern, z. B. durch - strenge Rollenerwartungen an die Mitarbeiter- hohe Gruppenkohäsion- Unklare/widersprüchliche Vorgaben der Unternehmensleitung- Defizite in der Informationspolitik Daher: Schaffung ethikfreundlicher Unternehmenskulturen
  • Besonderheiten bei der Gestaltung von Unternehmenskulturen Bei der Gestaltung sind zwei Aspekte zu beachten: - Zentrale Aufgabe der Führungsethik ist es, normative Orientierung für den Umgang derUnternehmensmitglieder untereinander zu entwerfen und umzusetzen --> Die Frage, wie die Beziehungen fair und angemessen gestaltet werden können, steht in engem Zusammenhang mit der Unternehmenskultur - Kollision der Unternehmenskultur mit den tatsächlichen Werthaltungen und Fähigkeiten desManagements ist möglich --> Unterstützung der Kulturentwicklung durch Ethik Trainings
  • Unternehmensexterne Handlungspostulate = nach außen gerichtete Maßnahmen mit dem Ziel den gesellschaftlichen Ansprüchen an das ethische Verhalten von UN gerecht zu werden Unterscheidung nach Wettbewerbsstrategie, Organisationspolitischer Strategie und Marktaustrittsstrategie
  • Wettbewerbsstrategie Fokus auf moralischen Innovationen: = moralischen Ansprüchen soll durch die Suche nach innovativen Produkten, Prozessen oder Geschäftsmodellen entsprochen werden Aufbau/Ausbau öffentlicher Reputation durch moralische Vorleistungen --> d.h. kurzfristige ökonomische Nachteile werden in Kauf genommen, um mittel- und langfristige Vorteile zu erzielen mittel- und langfristige Vorteile = z.B. höhere Zahlungsbereitschaft und Treue der Kunden, höhere Leistungsmotivation der Mitarbeiter, geringe Risikoprämien am Kapitalmarkt
  • Ordnungspolitische Strategie wird in den Fällen verwendet, in denen moralische Konfliktsituationen nicht durch eineWettbewerbsstrategie gelöst werden können Maßnahmen: - Einflussnahme auf politischer Ebene (z. B. Verbandspolitik), um eine Änderung der gesetzlichen Regelungen zu erzielen - Branchenvereinbarungen bzw. Standeskodizes --> flexible und schnelle Lösung
  • Marktaustrittsstrategie falls das unternehmerische Handeln den moralischen Ansprüchen auf Dauer nicht genügenkann - Rückzug von Produktmärkten, z.B. im Falle neuer Erkenntnisse über die gesundheitsgefährdende Wirkung von Produkten - geographische Marktaustritte, d.h. Rückzug aus Ländermärkten, z.B. aufgrund von Verstößen der dort geltenden politischen/gesellschaftlichen Bedingungen gegen Menschenrechte bzw. ethische Standards (Korruption)
  • Ethik-Audits = Prüfung und ggf. Optimierung der Effektivität und Effizienz ethikrelevanter Maßnahmen; Analyse der Ethikqualität eines Unternehmens Ziele: - unternehmensinternes Informations- und Kontrollsystem - Befriedigung externer Stakeholderinteressen --> Nachweis der Relevanz und Ernsthaftigkeitvon unternehmensinternen Ethikaktivitäten Drei Ansätze zur Verwirklichung von Ethik-Audits: - pragmatischer Ansatz - normativer Stakeholder Ansatz, - Management Prozess Ansatz
  • Pragmatischer Ansatz = Firmenaktivitäten in sensiblen Bereichen werden analysiert und kontrolliert, um ggf. Verbesserungsvorschläge zu generieren Vorteil: Identifikation von Unternehmensbereichen, die besonders anfällig für unmoralisches Verhalten sind Nachteil: kein ganzheitliches Bild der UN-Moral
  • Normativer Stakeholder-Ansatz Fokussierung auf Stakeholder Stakeholder haben den Anspruch, Einfluss auf das Unternehmen zu nehmen: - Interesse: Person oder Gruppe ist von unternehmerischen Entscheidungen betroffen - Rechtsanspruch: Stakeholder hat das Recht, bei den unternehmerischen Aktivitäten berücksichtigt zu werden - Eigentum: Person oder Gruppe ist (Teil-)Eigentümer des Unternehmens Anspruchsgründe treten typischerweise in Kombination aufoftmals widersprüchliche Teilinteressen verschiedener Stakeholdergruppen
  • Stakeholderanalyse 1) Scanning = Wahrnehmung/Identifizierung der Stakeholder durch Rückgriff auf Checklisten und Lebenszyklusmodelle 2) Monitoring = Analyse der Stakeholder z.B. Analyse des Vernetzungsgrads, des Machtpotenzials, typischer Verhaltensweisen & Verhandlungsstrategien 3) Forecasting = Prognose der für Stakeholder jeweils typischen Ursache-Wirkungsrelationen 4) Assesment = Zusammenfassung und Bewertung der Ergebnisse (z.B. in Portfolios)
  • Analysekorridor = Kategorisierung von Stakeholdern 1) Kunden- und Absatzmärkte  2) Wettbewerber und Branche 1) + 2) beziehen sich auf die Marktarena (Kunden, Lieferanten, Konkurrenten) und die interne Arena (Mitarbeiter) 3) Weitere (interne und externe) Anspruchsgruppen --> u.a. Finanzarena (Kapitalgeber) 4) Allgemeine Umwelt --> öffentliche Arena (Staat, Verbände)
  • Stakeholder-Portfolio = Systematisierung der Stakeholder und ihrer Ansprüche nach: - Macht (Fähigkeit zur Durchsetzung der Interessen) - Dringlichkeit der Interessen Zusammenfassung der Ergebnisse in einem Portfolio (ABCD-Matrix)
  • Ideal und Bewertung des normativen Stakeholder-Ansatzes - Ausgrenzung bzw. differenzierte Priorisierung von Stakeholdern wird abgelehnt - legitime Interessen aller Anspruchsgruppen sind in zumutbarer Weise zu berücksichtigen - Idealfall: Unternehmen stellt sich der Öffentlichkeit im kritischen Diskurs Nutzen des Ansatzes ist umstritten: - diskursiver Prozess kann mit betriebswirtschaftlichen Aspekten unvereinbar sein - Gefahr des Missbrauchs für reine PR bzw. Marketingzwecke
  • Management-Prozess-Ansatz Ziel: Implementierung standardisierter Ethikmanagementprogramme im Unternehmen - Relevanz und Güte der Programme kann von externen, objektiven Auditoren geprüft undzertifiziert werden
  • Ethikmanagementprogramme Grundlage ist der unternehmensinterne Ethikkodex Unterteilung in unternehmensinterne und -externe Handlungspostulate Unternehmensintern - Entscheidung für strategische Ausrichtung --> Compliance-Ansatz, Integrity-Ansatz - Entscheidung für organisatorische Maßnahmen --> z.B. strukturelle Elemente (Umgestaltung bestehender Strukturen oder Etablierung neuer Organisationselemente) Unternehmensextern - Strategische Entscheidungen für Markt und Umwelt --> z.B. Umgang mit Dilemmasituationen Beide Bereiche werden in den Ethik-Audits behandelt