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Klinische Psychologie (Kinder) (Fach) / Prävention psychischer Störungen Zsfassung (Lektion)

Ziele,Therapien, Risiko und Schutzfaktoren

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  • Prävalenzen von psychischen Erkrankungen Mind. jeder dritte Deutsche erlebt irgendwann in seinem Leben ausgeprägte psychischeBeschwerden, die die Diagnosekriterien für eine manifeste psychische Störung erfüllen. Diese Erkrankungen beginnen in vielen Fällen bereits in Kindheit und Jugend bzw. im jungen Erwachsenenalter. Schon bei 13- bis 18-Jährigen finden sich in großen repräsentativen StudienLebenszeitprävalenzraten von über 20 % für Erkrankungen mit schwerwiegender Beeinträchtigung.→ nur ca. 25 % suchen/erhalten Hilfe (wahrscheinlicher, wenn mehrere Störungen vorliegen)→ meistens medikamentöse Behandlung, nur 1/3 bei Spezialisten für psychische Probleme→ Kinder und Jugendliche besonders schlecht versorgt ( 10 % in psychotherapeutischer    Behandlung)→ psychische Gesundheit und Inanspruchnahme von Versorgungsangeboten schlechter bei    niedrigem SÖS→ hohe Kosten durch psychische Erkrankungen
  • Ziele der Prävention 1. Verhinderung des Neuauftretens von psychischen Störungen (Reduktion der Inzidenz)2. Verzögerung des Störungsbeginns (Reduktion Prävalenz zu bestimmten Zeitpunkt)3. Verhinderung von Komorbidität (Reduktion der Inzidenz anderer Störungen)4. Verhinderung von Rückfällen bzw. neuen Krankheitsepisoden (Reduktion der Prävalenz) zu 2.: je früher der Beginn, desto schlechter die Prognose; früheres Ersterkrankungsalter: größere Störungsschwere (Beeinträchtigung und Belastung), längere Störungsdauer, Gefahr der Chronifizierung → Schweregrad und Dauer erhöhen Risiko für Komorbidität
  • Primäre Prävention Verhinderung von bestimmten Erkrankungen bei gesunden Personen durch gezielte Reduktionidentifizierbarer Risikofaktoren und Förderung protektiver Kompetenzen → Ziel ist die Verringerung der Inzidenz- und Prävalenzraten von Störungen → richtet sich auch gezielt an Personen, die einem erhöhten Risiko für die Entwicklung    bestimmter Krankheiten ausgesetzt sind
  • Sekundäre Prävention richtet sich an Menschen, die bereits Krankheitszeichen im subklinischen oder frühen klinischen Stadium entwickelt haben. → Angestrebt ist hier eine möglichst frühzeitige Erkennung und sofortige Intervention → Verminderung von Risikofaktoren für die stabile Manifestation, Wiedererkrankung bzw.Chronifizierung einer Problematik (Verringerung der Prävalenz)
  • Tertiäre Prävention Behandlung von Krankheitsfolgen → die Verminderung der Beeinträchtigung durch Verbesserung der individuellenKrankheitsbewältigungsfähigkeiten und die weitere Rückfallprophylaxe Begriff Prävention teilweise irreführend, da es sich vielmehr um Behandlung bereits vorhandener Störungen handelt, jedoch möglicherweise mit rückfallprophylaktischen bzw. bezüglich möglicherweise zukünftiger komorbider Folgeproblematik auch präventiven Komponenten
  • Gesundheitsförderung eigenständiger und der primären Prävention zeitlich und bezüglich des Krankheitsverlaufsvorgelagerter Interventionsbereich → Perspektive der Salutogenese, d. h. eine Sichtweise, die auf Schaffung der bestmöglichenRahmenbedingungen für die Erhaltung der Gesundheit und weniger auf die Verringerungbestehender Risikofaktoren und Krankheitszeichen (pathogene Perspektive der Prävention) abzielt → Ziel: Modifikation von gesellschaftlich vermittelten Lebensstilen (z. B. Halte dich fit und treibeSport!) unter bewusster Abgrenzung von medizinischen Versorgungsstrukturen      → Ziel der Veränderung sind entweder die Gemeinde in ihrem natürlichen Lebensumfeld          oder die Umweltbedingungen      → Es werden daher keine speziellen Risikopopulationen ausgewählt
  • Therapie von Krankheiten kurative Maßnahmen→ klassisches Thema der Klinischen Psychologie und Medizin→ Im Fokus steht dabei das einzelne erkrankte Individuum→ beinhaltet Elemente von sekundärer und tertiärer Prävention → Grenzbereiche zwischen verschiedenen Interventionsansätzen unscharf, ungenaue   Verwendung immer wieder kritisiert → neue Differenzierung nach Zielgruppe, nicht dem zeitlichen Verlauf
  • Universelle Prävention richtet sich an ganze Bevölkerungsgruppen, unabhängig von ihrem jeweiligen Risikostatusbezüglich einer bestimmten Erkrankung → überlappt mit Gesundheitsförderung und primärer Prävention in unselegierten Stichproben
  • Selektive Prävention beinhaltet Maßnahmen für selegierte Stichproben, d. h. Gruppen von Menschen, die sich aufgrund bestimmter biologischer, psychologischer oder sozialer Charakteristika, die mit der Ätiologie einer ausgewählten Erkrankung in Zusammenhang gebracht werden, besonders für bestimmte Maßnahmen eignen
  • Indizierte Prävention erfolgt, wenn bestimmte minimale, aber diagnostizierbare psychopathologische Auffälligkeiten vorliegen, die mit bedeutsamer Wahrscheinlichkeit für das Auftreten einer spezifischen Erkrankung sprechen. Die Intervention ist aus dieser Sicht indiziert, d. h. vom klinischen Standpunkt hersinnvoll und/ oder sogar notwendig. → Das individuelle Screening von Risikopersonen hat bei diesem Interventionsansatz einebesondere Bedeutung. Anhand operationaler Kriterien werden betroffene Individuen ausgewählt (Einzeldiagnostik) und nicht nur ganze Gruppen, von denen insgesamt ein überdurchschnittlicher Risikostatus angenommen wird. Parallelen gibt es zu primärer und sekundärer Prävention.
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  • Gemeinamkeiten selektive und indizierte Prävention Selektive und indizierte Prävention werden oft als zielgruppenorientierte oderzielgruppenspezifische (engl.: „targeted prevention“) Prävention zusammengefasst. Ist die Störung bereits manifest, so wird nach dem IOM nicht mehr von Prävention gesprochen, sondern explizit von Therapie, Behandlung oder Rehabilitation. Im Einzelfall kann dies, wie oben schon erwähnt, in Bezug auf komorbide Erkrankungen ebenfalls teilweise präventiven Charakter haben.
  • Verhaltensorientierte Maßnahmen (Synonyme: person- oder individuumzentrierte Interventionen) richten sich an das einzelneIndividuum und dessen Verhalten. → Personen sollen befähigt werden, ihr Verhalten derart zu modifizieren, dass dies möglichstgesundheitsförderlich ist bzw. Risikofaktoren vermieden und abgebaut werden. In der Regel findet verhaltensorientierte Prävention im Gruppensetting statt
  • Verhältnisorientierte Maßnahmen (Synonyme: systemorientierte, Umwelt- oder ökologische Interventionen) hingegen setzen an der physischen, aber vor allem auch psychologischen, sozialen, ökologischen,ökonomischen und/oder kulturellen Umwelt des Individuums an. Hierzu gehört insbesondere auch die Schaffung entsprechender rechtlicher und struktureller Rahmenbedingungen. Die Umwelt wird derart gestaltet, dass dies der Gesundheit der darin lebenden Menschen möglichst zuträglich ist. Krankheiten sollen somit verhindert oder deren Ausbreitung vorgebeugt werden. Dabei kann aufgrund der Bedeutung der Person-Umwelt-Interaktion die gleiche Umweltfür verschiedene Individuen unterschiedlich gesundheitsförderlich sein.
  • Settingsansätze - allgemeine Info -> Maßnahmenbündel von präventiven und gesundheitsfördernden Interventionen, die sich nicht nur auf einzelne Personen, sondern auf die Lebensräume richten, in denen die Menschen große Teile ihrer Zeit verbringen. Dies ist insbesondere von Belang, weil spezifische Zielgruppen mit besondersungünstigen Gesundheitschancen, aber einem erhöhten Erkrankungsrisiko (z. B. sozialBenachteiligte) über personen- bzw. verhaltensorientierte Maßnahmen nur schwer zu erreichen sind.
  • Was versteht man unter Setting ? Als Setting gelten soziale Systeme, von denen man annimmt, dass sie einen starken Einfluss auf die Gesundheit ausüben, in denen die Bedingungen von Gesundheit aber gleichzeitig auch gestaltet und beeinflusst werden können. Beispiele solcher Settings sind: Kommunen/ Stadtteile,Kindertagesstätten, Schulen, Einrichtungen für spezielle Zielgruppen. Diese sind von besonderem Interesse, wenn sich hier viele Menschen mit einem niedrigen sozialen Status zusammenfinden (z. B. Haupt- und Sonderschulen, Stadtteile mit hohem Migrantenanteil). Für die Entwicklung mancher Störungen, z. B. Essstörungen bei jungen Frauen, kann gerade auch ein sehr anspruchsvolles und leistungsorientiertes Umfeld ein ungünstiges Setting darstellen und somit zum Zielgebiet für Präventionsmaßnahmen werden (z. B. Campus einer Universität oder Ballettschule).
  • Maßnahmen bei Settings Maßnahmen auf drei Ebenen: - Schaffung einer gesunden physikalischen und psychosozialen Umwelt- Integration der Gesundheitsförderung, Prävention, Bildung und Erziehung in Alltagsprozesse- Netzwerkbildung mit anderen Settings
  • Wichtig bei Präventionen in Settings: Partizipation: aktive Beteiligung der im Setting lebenden Menschen bei der Zielbildung, derAusschöpfung der Gesundheitspotenziale und der Schaffung der dafür notwendigenorganisatorischen Rahmenbedingungen. Empowerment: die einzelnen Menschen müssen in ihrer individuellen Handlungsfähigkeit bei der Gestaltung der gesundheitsbezogenen Lebensbedingungen gestärkt werden
  • Welche Maßnahmen beinhalten Settingansätze? Settingansätze beinhalten somit sowohl verhältnis- (system-) als auch verhaltens-(person-)orientierte Maßnahmen der Gesundheitsförderung und Prävention. Als Beispiel sei das in Australien entwickelte und erfolgreich evaluierte Programm „MindMatters“ genannt, das derzeit auch in Deutschland und in der Schweiz verbreitet wird
  • Was bedeutet Risiko (Risikofaktoren)? Risiko: Wahrscheinlichkeit eines bestimmten gesundheitsbezogenen Ereignisses (engl: „outcome“) innerhalb einer bestimmten Population von Personen
  • Was bedeutet Risikofaktoren und welche gibt es? ein messbares Charakteristikum eines jeden Mitglieds der Population, dasnachweislich dem Outcome vorausgeht und mit diesem korreliert ist - Attribute eines Individuums (z. B. mangelnde Fertigkeiten)- Attribute der Umwelt (z. B. mangelnde soziale Unterstützung)- demographische Charakteristika (z. B. Geschlecht)- beeinflussbares Verhalten (z. B. Vermeidungsverhalten) → Einteilung Population in Hoch-Risiko- und Niedrig-Risikogruppe
  • Was ist ein kausaler Risikofaktor? wenn für einen Faktor gezeigt werden kann, dass er mit dem interessierenden Outcome - korreliert,- ihm zeitlich vorausgeht,- beeinflussbar (variabel) ist- eine Modifikation des Risikofaktors zu einer Modifikation des Outcomes führt
  • Was sind nicht kausale Faktoren? - feste Marker: nicht veränderliche oder manipulierbare Faktoren - variable Marker: veränderliche, aber nicht manipulierbare Faktoren → können als Moderator/Mediator bei Störungsgenese wirksam werden
  • Distale Risikofaktoren - werden früh im Leben einer Person wirksam- tragen zur Vulnerabilität für eineStörungsentwicklung bei
  • Proximale Risikofaktoren - liegen zeitlich unmittelbar oder unmittelbar vor Störungsausbruch - können im Sinne des Vulnerabilitäts-Stress Modell als Auslöser betrachtet werden
  • Schutzfaktoren (protektive Faktoren) Die Auftretenswahrscheinlichkeit eines pathologischen Zustands (z. B. Psychische Störung) wirddurch diese erniedrigt bzw. die eines positiven oder gesunden Ergebnisses erhöht. → direkte Wirkweise: Verringerung der Wahrscheinlichkeit für ein direktes Problem → indirekte Wirkweise: Einwirkung auf vorliegenden Risikofaktor, puffert dessen schädlicheWirkung ab → Schutzfaktor nicht das Gegenteil eines Risikofaktors und umgekehrt
  • Auswahl von Risiko- und Schutzfaktoren für Präventionsmaßnahmen wegen Komplexität der Ätiologie der meisten psychischen Störungsbilder: nicht ein einzelner Faktor ist für Entstehung der Störung verantwortlich, sondern ganze Kausalketten mit verschiedenen Moderatorvariablen und Wechselwirkungen→ kaum potenzieller Risikofaktor korreliert höher als r=0,30 mit bestimmten Outcome → möglichst große Klarheit über gegebenen Risiko- und Schutzfaktoren und ihreWirkungsweise bei Entstehung bestimmten psychischen Störung herzustellen, ist Grundvoraussetzung für Auswahl geeigneter Interventionsstrategien bei Entwicklung von effizienten und spezifischen Präventionsmaßnahmen → Bedingt durch multifaktorielle Genese psychischer Erkrankungen werden geeigneteInterventionen i.d. R auf mehrere spezifische + unspezifische Risiko- bzw. Schutzfaktoren gleichzeitig abzielen     → Möglicherweise werden aufgrund unterschiedlichen Wirkungsweise des gleichen        Faktors in verschiedenen Subpopulationen auch mehrere Varianten einer Intervention        benötigt.
  • Risikofaktor: Kognitive Fehleinschätzung von Bedrohungsreizen Primäre Präventionsstrategie: Wissen über Angst vermitteln, um die Fähigkeit zur Erkennung eines ängstlichen Affektes und assoziierter somatischer Symptome zu verbessern und die Fehlinterpretation von Symptomen zu vermeiden Fähigkeit vermitteln, unrealistische Bedrohungsinterpretationen in Frage zu stellen und realistische alternative Erklärungen der Situation zu betrachten Fähigkeiten zur adäquaten Bewertung von Bedrohung in der Umwelt vermitteln Fähigkeiten im Umgang mit der Umwelt und zur Kontrolle der Umwelt verbessern
  • Risikofaktor: Vermeidender Temperamentsstil in neuen oder potenziell bedrohlichen Situationen Primäre Präventionsstrategie Fähigkeit vermitteln, mehrere Lösungen für eine Situation zu generieren und angemessene Annäherungs- oder Vermeidungsstrategien auszuwählen Wissensvermittlung zur Angstbewältigung in Situationen, die unrealistische Furcht verursachen, aber dennoch bewältigt werden müssen
  • Risikofaktor: Vermeidender oder emotionsfokussierender Coping-Stil Primäre Präventionsstrategie Problemlöseansätze zum Umgang mit Angst vermitteln (problemorientiertes Coping fördern)
  • Risikofaktor: unsichere Bindung Primäre Präventionsstrategie Wissen über eine sichere Eltern-Kind-Beziehung vermitteln sowie Eltern beim Aufbau einer solchen unterstützen
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  • Risikofaktor: Angst der Eltern Primäre Präventionsstrategie: Wissen und Fertigkeiten zum Umgang mit der eigenen Angst an die Eltern vermitteln, bewältigendes Modellverhalten entwickeln
  • Risikofaktor: Umwelt, die Vermeidungverhalten unterstützt Primäre Präventionsstrategie Fähigkeiten zur konstruktiven Unterstützung ängstlicher Familienmitglieder, Freunde oder Kollegen vermitteln Angemessenes Annäherungs- statt Vermeidungsverhalten fördern
  • Risikofaktor: Peereinflüsse durch Shaping Primäre Präventionsstrategie Ökologische Veränderungen in Schul- und Arbeitsumfeld anstoßen; paarweises Zusammenführenängstlich-gehemmter und angepasster Personen (Modellbildung)
  • Risikofaktor: Mobbing Primäre Präventionsstrategie Insbesondere in Schulen die Akzeptanz von Unterschieden fördern, um das Mobbing-Potenzial ängstlicher Kinder zu verringern
  • Risikofaktor: mangelnde soziale Unterstützung Primäre Präventionsstrategie: Wissen über die Vorteile sozialer Unterstützung vermitteln, insbesondere darüber, wie man solche Unterstützung bekommt und sie in Stresszeiten nutzt
  • Rahmenbedingungen für Präventionsmaßnahmen 2012: Für Kinder im Schulalter gab die Kultusministerkonferenz entsprechende Empfehlungen zur nachhaltigen Implementierung präventiver und gesundheitsfördernder Maßnahmen in der Schule heraus (Kultusministerkonferenz 2012). → Umsetzung regional sehr abhängig vom Engagement und auch Idealismus der Akteure auf Schul-, Eltern und Verwaltungsebene, da Lehrziele einerseits und Erziehungsziele andererseits um zeitliche und personelle Ressourcen konkurrieren. 2016: Präventionsgesetz (Bundesministerium für Gesundheit): deutlich verbesserter strukturelle und finanzieller Rahmen für die nachhaltige Implementation von Präventionsmaßnahmen in verschiedenen Lebensbereichen mit Fokus auf die national definierten Gesundheitsziele
  • national definierte Gesundheitsziele - Diabetes Mellitus Typ 2: Erkrankungsrisiko senken, Erkrankte früh erkennen und behandeln- Brustkrebs: Mortalität vermindern, Lebensqualität erhöhen- Tabakkonsum reduzieren- Gesund aufwachsen: Lebenskompetenz, Bewegung, Ernährung- Depressive Erkrankungen: verhindern, früh erkennen, nachhaltig behandeln- Gesund älter werden,- Alkoholkonsum reduzieren- Patientensicherheit und Patient(inn)ensouveränität
  • Prävention - Ziele Für die Prävention von psychischen Störungen gerade unter einer entwicklungspsychopathologischen Perspektive sind die Ziele „Gesund aufwachsen: - Lebenskompetenzen, - Bewegung, - Ernährung sowie - Depressive Erkrankungen wichtig wie herausfordernd.Aktuelle Übersichtsarbeiten im Bereich der Prävention international wie auch in Deutschlandmahnen gleichermaßen die Diskrepanz zwischen dem in den letzten Jahren erbrachten Nachweis der Wirksamkeit und auch der Kosteneffektivität von Präventionsmaßnahmen bezüglich einer Reihe von Zielstörungen einerseits und ihrer unzureichend erfolgenden nachhaltigen Implementierung an
  • Allgemeinde Wirksamkeit von Präventionsmaßnahmen → mittlerweile ausreichend Evidenz für die Wirksamkeit von Präventionsmaßnahmen fürverschiedene Adressaten, zu verschiedenen Entwicklungszeitpunkten und in verschiedenen Settings gibt, die ihren breiten Einsatz rechtfertigen → Metaanalyse von 146 kontrollierten Evaluationsstudien im Bereich Prävention undGesundheitsförderung bei Kindern und Jugendlichen bis zum Alter von 18 Jahren imdeutschsprachigen Raum durchschnittliche Post-Effektstärke (ES) der Programme von d=0,24. Bei einer beträchtlichen Schwankungsbreite von d=–1,86 bis d=3,0 deuten die Berechnungen damit auf zumeist kleine bis mittlere Effekte hin      → längerfristigen Wirksamkeit ist zu konstatieren, dass die Effekte in den meisten Studien         im unmittelbaren Follow-up-Intervall von 3–12 Monaten deutlich zurückgehen    (oder in anderen Variablen als den primären Zielbereichen zu finden sind)            → vielfach fehlen langfristige Nachuntersuchungen (falls vorhanden, Zunahme                 mittlerer Effekte)
  • Allgemeine Wirksamkeit von Präventionsmaßnahmen - universell vs. zielgruppenspezifisch → nach derzeitigem Stand belegt, dass zielgruppenspezifische Maßnahmen, die sich anRisikopopulationen richten, im Durchschnitt eine höhere Wirksamkeit zeigen als solche, diegroßflächig unselegierte Stichproben angeboten werden → selektive/indizierte Ansätze scheinen größere Effektstärken zu haben (internationale Studien) → in Risikokonstellationen homogenere Gruppen, an dessen Bedürfnisse Interventionenangepasst und zugeschnitten werden können
  • Wie muss ein wirksames Programm aufgebaut sein? → derzeitiger Kenntnisstand: kognitiv-behavoriale Methoden→ Maßnahmen sollten   - strukturiert   - fähigkeitsorientiert   - interaktiv sein → nicht nur Wissen vermitteln, sondern Verhaltenskompetenzen systematisch und praktischtrainieren → praktische Erfahrung fördern Kompetenzerwerb und Einstellungsänderung
  • Prävention - Ziele Für die Prävention von psychischen Störungen gerade unter einer entwicklungspsychopathologischen Perspektive sind die Ziele „Gesund aufwachsen: - Lebenskompetenzen, - Bewegung, - Ernährung sowie - Depressive Erkrankungen wichtig wie herausfordernd.Aktuelle Übersichtsarbeiten im Bereich der Prävention international wie auch in Deutschlandmahnen gleichermaßen die Diskrepanz zwischen dem in den letzten Jahren erbrachten Nachweis der Wirksamkeit und auch der Kosteneffektivität von Präventionsmaßnahmen bezüglich einer Reihe von Zielstörungen einerseits und ihrer unzureichend erfolgenden nachhaltigen Implementierung an
  • Entwicklungspsychopathologische Perspektive für nachhaltige Prävention Verschiedene Autoren betonen ausdrücklich die entwicklungspsychopathologische Perspektive für nachhaltige Prävention – von der Schwangerschaft bis ins Erwachsenenalter → psychische Erkrankungen der Eltern, Stress und soziale Faktoren entfalten bereits in derSchwangerschaft und Postpartalzeit wirksam und entfalten über epigenetische Prozessepotenziell lebenslang ihre Bedeutung → Verhaltensstörungen des (Klein-)Kindes oder Jugendlichen sind häufig Vorläufer spätererkomorbider Erkrankungen (z. B. Sucht) und haben in der Regel auch einen Ursprung inelterlichen Faktoren (z. B. Fürsorge, Erziehungsfaktoren, Traumatisierung, elterlichePsychopathologie) bzw. werden dadurch aufrechterhalten
  • Wie lange muss eine Intervention sein? Vermutlich ist diese Frage auch nicht allgemeingültig zu beantworten. Vielmehr liegt nahe, dassTeilnehmer mit einer unterschiedlichen Risikobelastung, in unterschiedlichem Alter oder Settingauch eine entsprechend angepasste „Dosierung“ (und ggf. auch inhaltliche Anpassung) einerIntervention benötigen
  • Für wen wirkt Prävention? - Systematische Daten, die einen umfassenden Vergleich von Präventionsmaßnahmen mitunterschiedlichen Altersgruppen bei gleichem Präventionsziel erlauben würden, liegen nicht vor. - ebenso wenig für Unterscheidungen nach Geschlecht - Auswahl der Teilnehmer: Orientierung an einer evidenzbasiertenPräventionsmaßnahme am spezifischen Präventionsziel -  eng gekoppelt an Wissen über relevante Risikofaktoren + zeitliches Auftreten im Entwicklungsverlauf -  Bei Jugendlichen mit geschlechtsgetrennten Gruppen arbeiten, um altersspezifischen Themen angemessen aufgreifen zu können - Wichtig für die Wirksamkeit: Intervention inhaltlich und didaktisch abgestimmt auf Teilnehmer und ihre emotionale und kognitive Leistungsvoraussetzungen Beispielsweise - viele kognitiv-behaviorale Ansätze, die mit Rollenspielen und Verhaltensübungen arbeiten, setzen Mindestmaß an sozialer Kompetenz der Teilnehmer voraus. - ausreichende Homogenität der Gruppe in Bezug auf das Präventionsziel ist im Interesse der Wirksamkeit somit unbedingt zu achten. -> gilt auch für kognitive bzw. sprachliche Anforderungen, die z. B. Bei schulischen Maßnahmen dem Schultyp und dem kulturellen Hintergrund der Schulpopulation angemessen sein sollten.
  • Sollte man Eltern und andere Bezugspersonen miteinbeziehen? vor Hintergrund einer entwicklungspsychopathologischen Perspektive sprichtgrundsätzlich vieles dafür, die Eltern mit in Präventionsmaßnahmen einzubinden oder solche sogar speziell an sie zu richten. Die Notwendigkeit ihres Einbezugs trifft – gerade im Rahmen vonverhältnisorientierten Präventionsmaßnahmen – selbstverständlich auch für Lehrer und andereBezugspersonen zu, die das erzieherische Umfeld der Kinder und Jugendlichen prägen und Modelle für angemessenes Gesundheitsverhalten darstellen sollten
  • Triple P - Programm → ursprünglich aus AustralienMittlerweile ist Triple P durch die konsequente Evaluation und den Wirksamkeitsnachweis in Bezug auf den - Rückgang von Verhaltensauffälligkeiten des Kindes, - die Verbesserung des Erziehungsverhaltens der Eltern - Stressbewältigung in der Familie als effiziente Präventionsmaßnahme international anerkannt. Neuere Versionen für Teenager (Teen Triple P), Eltern von Säuglingen (Baby Triple P), Eltern von Kindern mit einer Behinderung (Stepping Stones) oder in Trennungssituationen (Familiy Transitions) wurden ebenso entwickelt wie eine Online-Variante des Programms.
  • Einbezug der Eltern bei Präventionsprogrammen mit älteren Kindern Je älter die Kinder und Jugendlichen sind, desto schwieriger wird es unserer Erfahrung nach in der Praxis, die Eltern für eine begleitende Maßnahme zu rekrutieren-> spezifische TargetingStrategien nötig. Programme wie Incredible Years/Head Start  (starten mit 4-jährigen): gutes Beispiel dafür, wie die frühzeitige Einbindung von Eltern und Lehrern durch geeignete Programmmodule Verhaltensproblemen in Risikogruppen signifikant vorbeugen kann. -> für Prävention von Verhaltensproblemen ist konsistente und positive Erziehungsverhalten der Bezugspersonen in verschiedenen Kontexten von zentraler Bedeutung. -> Maßnahme, die möglichst viele Interaktionspartner integriert, ist somit vonbesonderer Relevanz.
  • Einbezug der Eltern bei Präventionsprogrammen mit älteren Kindern - Fazit Die Entscheidung, ob eine eltern- oder kindzentrierte Präventionsmaßnahme gewählt wird,sollte somit letztlich vom Wissen über die Ätiopathogenese und Aufrechterhaltung einer Störung,d. h. über die entscheidenden Risikofaktoren und ihre Wirkungsweise in sensiblenEntwicklungsphasen vor der Ersterkrankung sowie die Kenntnis der entwicklungsbezogenenBesonderheiten der jeweiligen Zielgruppe abhängig gemacht werden
  • Prävention im Internet Internet-Präventionsangebote reichen von Online-Plattformen wie beispielsweise www.drugcom.de, einem umfassenden Angebot der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zur Prävention von Substanzmissbrauch, bis zu internetgestützten Kursen für spezifische Zielgruppen(z. B. Programm „Quit he shit“ als Bestandteil von www.drugcom.de der BZgA für User mit einem auffälligen Cannabiskonsum; Student Bodies zur Prävention von Essstörungen, diejeweils nur für geschlossene Gruppen zugänglich sind und durch professionelle Therapeuten online eng betreut werden. Dabei werden die heute zur Verfügung stehenden Multimedia-Möglichkeitenzur Wissensvermittlung, aber auch für interaktive Trainingsmodule sowie die Evaluation genutzt.