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RAAP Klinische Psychologie (Fach) / 7 Affektive Störungen (Lektion)
Symptome & Diagnostik, Epidemiologie & Verlauf, Ätiologie, Therapie
Diese Lektion wurde von PsychologieSemester6 erstellt.
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- Welche zwei Extrempole gibt es bei den affektiven Störungen. Beschreibe diese kurz. Depression: - depressive Verstimmung - Verlust an Interesse oder Freude - verminderter Antrieb Manie: - gehobene, expansive oder reizbare Stimmung - abnorm und anhaltend gesteigerte zielgerichtete Aktivität oder Energie
- Was sind die Kernsymptome der Depression? Emotionale SymptomeTraurigkeit, Niedergeschlagenheit, Ängstlichkeit, Verzweiflung, Schuld, Schwermut, Reizbarkeit, Leere, Gefühllosigkeit. Kognitive SymptomeGrübeln, Pessimismus, Negative Einstellungen zu sich selbst und anderen, Suizidgedanken,Konzentrations- und Gedächtnisschwierigkeiten Physiologisch-vegetative SymptomeEnergielosigkeit, Müdigkeit, Antriebslosigkeit, Weinen, Schlafstörungen, Morgentief, Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust, Libidoverlust, innere Unruhe, Spannung, Reizbarkeit, allgemeine vegetative Beschwerden Verhalten und motorische SymptomeVerlangsamte Sprache und Motorik, geringe Aktivitätsrate, Vermeidung von Blickkontakt,Suizidhandlungen, kraftlose, gebeugte, spannungslose Körperhaltung oder nervöse, zappelige Unruhe, starre, maskenhafte, traurige Mimik, weinerlich besorgter Gesichtsausdruck.
- Was sind die Kernsymptome der Manie? Emotionale Symptomeanhaltende gehobene oder gereizte Stimmung, flegelhaft, lustig, überzogen, positiv, angstfrei, sorglos, optimistisch, expansiv Kognitive Symptomegrenzenloser Optimismus, Überschätzung eigener Fähigkeiten, Ideenflucht oder Gedankenrasen, Gedankendrängen, erhöhte Ablenkbarkeit, Impulsivität, Größenideen, wahnhafte Selbstüberschätzung Physiologisch-vegetative Symptomeverringertes Schlafbedürfnis, hektisch, unter Strom, voller Energie, angespannt, erregt, wenig Schlaf, reduzierter Appetit, Gewichtsverlust, gesteigerte Libido und sexuelle Überaktivität Verhalten und motorische Symptomegesteigerte Aktivitätsrate, Gesprächigkeit und laut, unterhaltsam, psychomotorische Unruhe,risikoreiches Verhalten (Geldausgeben, Sexualität, Autofahren), andauernder Wechsel von Aktivitäten
- Nenne die Hauptkategorien affektiver Störungen (inkl. Häufigkeit des Auftretens, manisch vs. depressiv). Manisch erstmalig: F30 Manische Episode wiederholt: F31 Bipolare affektive Störung anhaltend (>2 Jahre): F34.0 Zyklothymia Depressiv erstmalig: F32 Depressive Episode wiederholt: F33 Rezidivierende depressive Störung; F31 Bipolare affektive Störung anhaltend (>2 Jahre): F34.1 Dysthymia; F34.0 Zyklothymia
- Nenne und beschreibe die DSM-5 Kriterien der Major Depression. A. mind. fünf der Symptome bestehen während derselben 2-Wochen-Periode und stellen eine Änderung gegenüber dem vorher bestehenden Funktionsniveau dar; mindestens eines der Symptome ist entweder (1) depressive Verstimmung oder (2) Verlust an Interesse oder Freude1. Depressive Verstimmung für die meiste Zeit des Tages an fast allen Tagen (überdauernd), … selbst berichtet oder … beobachtet (bei Kindern auch reizbare Stimmung)2.Deutliche vermindertes Interesse oder Freude an allen oder fast allen Aktivitäten (überdauernd)3.Deutlicher Gewichtsverlust ohne Diät /Gewichtszunahme oder verminderter/gesteigerter Appetit4. Insomnie oder Hypersomnie an fast allen Tagen5. Psychomotorische Unruhe oder Verlangsamung (überdauernd und durch andere beobachtbar)6. Müdigkeit oder Energieverlust an fast allen Tagen7. Gefühle von Wertlosigkeit oder übermäßige oder unangemessene Schuldgefühle (u.U. wahnhaft) an fast allen Tagen (nicht nur Selbstvorwürfe oder Schuldgefühle wegen des Krankseins)8. Verminderte Fähigkeit zu denken oder sich zu konzentrieren oder verringerte Entscheidungsfähigkeit an fast allen Tagen9. Suizidalität: Wiederkehrende Gedanken an den Tod, wiederkehrende Suizidvorstellungen ohne genauen Plan, tatsächlicher Suizidversuch oder genaue Planung eines Suizids B. … in klinisch bedeutsamer Weise Leiden oder Beeinträchtigungen in sozialen, beruflichen oder anderen wichtigen Funktionsbereichen C. … nicht Folge der physiologischen Wirkung einer Substanz oder eines medizinischen Krankheitsfaktors D. Ausschluss: andere psychische Störung erklärt die Symptome E. Ausschluss: manische oder hypomane Episode in der Vergangenheit A., B., C. Symptomatik = Depressive Episode
- Wie kann man angemessene verlustbezogene Trauer von einer Major Depression unterscheiden? Reaktionen auf erhebliche Verlustereignisse (z.B. Trauerfall, finanzieller Ruin, materielle Verluste bei Naturkatastrophen, schwerwiegende Erkrankungen oder Behinderungen) können Gefühle intensiver Traurigkeit, Grübeln über den Verlust, Schlaflosigkeit, verminderten Appetit und Gewichtsverlust – wie in Kriterium A – zur Folge haben, die einer depressiven Episode ähneln. Auch wenn diese Symptome nachvollziehbar und bezogen auf den Verlust angemessen erscheinen, sollte sorgfältig geprüft werden, ob nicht dennoch eine Episode einer Major Depression diagnostiziert werden sollte. Diese Entscheidung erfordert einen einzelfallbezogenen klinischen Bewertungsprozess auf Grundlage der Vorgeschichte und die Berücksichtigung kultureller Normen bezüglich des Ausdrucks von psychischer Belastung im Zusammenhang mit Verlusterfahrungen. Unterscheidungsmerkmale: Trauer - Gefühle von Leere & Verlust - traurige Stimmung nimmt mit der Zeit ab, tritt in Wellen auf - Erinnerungen an den Verlust verbunden - positive Emotionen möglich Major Depression - depressive Verstimmung, Unfähigkeit Glück und Freude wahrzunehmen - durchgehende depressive Stimmung - nicht an spezifische Gedanken geknüpft - selbstkritische, grüblerische, pessimistische Gedanken
- Nenne die DSM-5 Kriterien einer Persistierenden Depressiven Störung (Dysthymie). A. Depressive Verstimmung für die meiste Zeit des Tages an der Mehrzahl der Tage über einen mind. 2-jährigen Zeitraum, von der betroffenen Person selbst berichtet oder von anderen beobachtet (KiJu: mind. 1 Jahr) B. Während der depressiven Verstimmung bestehen mind. zwei der folgenden Symptome:1. Schlechter Appetit oder Überessen2. Insomnie oder Hypersomnie.3. Geringe Energie oder Erschöpfungsgefühle4. Geringes Selbstbewusstsein5. Konzentrationsschwierigkeiten oder Schwierigkeiten beim Treffen von Entscheidungen6. Gefühle der Hoffnungslosigkeit. C. Während des 2-Jahres-Zeitraums (bzw. 1 Jahr) gab es keinen symptomfreien Zeitraum von mehr als 2 Monaten ohne die Symptome aus Kriterium A und B D. Die Kriterien der Major Depression können in dem 2-Jahres-Zeitraum durchgängig erfüllt sein E. Ausschluss: keine manische/hypomane Episode oder Zyklothyme Störung F. Ausschluss: andere psychische Störung G. Ausschluss: physiologischen Wirkung einer Substanz oder medizinische Krankheitsfaktor H. … in klinisch bedeutsamer Weise Leiden oder Beeinträchtigungen in sozialen, beruflichen oder anderen wichtigen Funktionsbereichen
- Nenne die DSM-5 Kriterien der Manischen Episode. A. … abnorm und anhaltend gehobener, expansiver oder reizbarer Stimmung und abnorm und anhaltend gesteigerter zielgerichteter Aktivität oder Energie von mind. 1 Woche Dauer, welche die meiste Zeit des Tages an fast allen Tagenvorhanden sind B. Während der Periode … bestehen mind. drei (bei reizbarer Verstimmung mind. vier) der folgenden Symptome in einem deutlichen Ausmaß und stellen eine deutliche Veränderung des üblichen Verhaltens dar:1. Übersteigertes Selbstwertgefühl oder Größenideen2. Vermindertes Schlafbedürfnis3. Vermehrte Gesprächigkeit oder Rededrang4. Ideenflucht oder subjektives Gefühl des Gedankenrasens.5. Erhöhte Ablenkbarkeit (z.B. Aufmerksamkeit wird zu leicht auf unwichtige oder irrelevante äußere Reize gelenkt) wird berichtet oder beobachtet6. Zunahme zielgerichteter Aktivität (im sozialen, beruflichen/schulischen oder sexuellen Bereich) oder psychomotorische Unruhe (z.B. planlose, nicht zielgerichtete Aktivität)7. Übermäßige Beschäftigung mit Aktivitäten, die mit hoher Wahrscheinlichkeit unangenehme Konsequenzen nach sich ziehen (z.B. ungezügeltes Einkaufen, sexuelle Abenteuer oder törichte geschäftliche Investitionen) C. … in klinisch bedeutsamer Weise Leiden oder Beeinträchtigungen in sozialen, beruflichen oder anderen wichtigen Funktionsbereichen D.… nicht Folge der physiologischen Wirkung einer Substanz oder eines medizinischen Krankheitsfaktors
- Nenne die DSM-5 Kriterien der Hypomanen Episode. (Was unterscheidet sie konkret von der Manischen Episode?) A. … abnorm und anhaltend gehobener, expansiver oder reizbarer Stimmung und abnorm und anhaltendgesteigerter zielgerichteter Aktivität oder Energie von mind. 4 Tagen Dauer, welche die meiste Zeit des Tages anfast allen Tagen vorhanden sind B. Während der Periode … bestehen mind. drei (bei reizbarer Verstimmung mind. vier) der folgenden Symptome ineinem deutlichen Ausmaß und stellen eine deutliche Veränderung des üblichen Verhaltens dar:1. Übersteigertes Selbstwertgefühl oder Größenideen2. Vermindertes Schlafbedürfnis3. Vermehrte Gesprächigkeit oder Rededrang4. Ideenflucht oder subjektives Gefühl des Gedankenrasens.5. Erhöhte Ablenkbarkeit (z.B. Aufmerksamkeit wird zu leicht auf unwichtige oder irrelevante äußere Reize gelenkt) wird berichtet oder beobachtet6. Zunahme zielgerichteter Aktivität (im sozialen, beruflichen/schulischen oder sexuellen Bereich) oder psychomotorische Unruhe (z.B. planlose, nicht zielgerichtete Aktivität)7. Übermäßige Beschäftigung mit Aktivitäten, die mit hoher Wahrscheinlichkeit unangenehme Konsequenzen nach sich ziehen (z.B. ungezügeltes Einkaufen, sexuelle Abenteuer oder törichte geschäftliche Investitionen) C. … einer eindeutigen und für den Betroffenen untypischen Veränderung des Funktionsniveaus D. Die Stimmungsveränderung und Veränderung im Funktionsniveau sind für andere beobachtbar E. Episode ist nicht schwer genug, um deutliche … Funktionsbeeinträchtigungen zu verursachen… Bei psychotischen Symptomen wird eine manische Episode diagnostiziert. F. … nicht Folge der physiologischen Wirkung einer Substanz oder eines medizinischen Krankheitsfaktors
- Nenne die ICD-10 Kriterien für eine Depressive Episode (F32). A. Allgemeine Kriterien• mindestens 2 Wochen• keine Manie / Hypomanie in der Vorgeschichte• nicht auf psychotrope Substanzen / organische psychische Störung zurückzuführen B. Mindestens 2 Symptome aus:• durchgehend depressive Stimmung• Interessenverlust / Freudlosigkeit• vermind. Antrieb / gesteig. Ermüdbarkeit ==> bei 2 B. Symptomen (leicht/mittel), bei 3 B. Symptomen (schwer) C. Mindestens 1 weiteres Symptom aus:• Verlust des Selbstvertrauens oder des Selbstwertgefühls• unangemessene Schuldgefühle / Selbstvorwürfe• Suizidgedanken / -handlungen• (subjektive) Konzentrationsstörung, Unschlüssigkeit oder Unentschlossenheit• psychomotorische Agitiertheit / Hemmung• Schlafstörungen• Appetitverlust oder gesteigerter Appetit mit Gewichtsveränderung ==> bei mind. 4 B./C. Symptomen (leicht), mind. 6 (mittel), mind. 8 (schwer) Beeinträchtigung alltäglicher AktivitätenAusschluss: Trauerreaktion (DSM-IV 2 Monate, ICD 10 6 Monate, DSM-5 weggefallen)
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- Nenne die ICD-10 Kriterien für eine Depressive Episode (F32). A. Allgemeine Kriterien• mindestens 2 Wochen• keine Manie / Hypomanie in der Vorgeschichte• nicht auf psychotrope Substanzen / organische psychische Störung zurückzuführen B. Mindestens 2 Symptome aus:• durchgehend depressive Stimmung• Interessenverlust / Freudlosigkeit• vermind. Antrieb / gesteig. Ermüdbarkeit ==> bei 2 B. Symptomen (leicht/mittel), bei 3 B. Symptomen (schwer) C. Mindestens 1 weiteres Symptom aus:• Verlust des Selbstvertrauens oder des Selbstwertgefühls• unangemessene Schuldgefühle / Selbstvorwürfe• Suizidgedanken / -handlungen• (subjektive) Konzentrationsstörung, Unschlüssigkeit oder Unentschlossenheit• psychomotorische Agitiertheit / Hemmung• Schlafstörungen• Appetitverlust oder gesteigerter Appetit mit Gewichtsveränderung ==> bei mind. 4 B./C. Symptomen (leicht), mind. 6 (mittel), mind. 8 (schwer) Beeinträchtigung alltäglicher AktivitätenAusschluss: Trauerreaktion (DSM-IV 2 Monate, ICD 10 6 Monate, DSM-5 weggefallen)
- Nenne und beschreibe vier wiederholte affektive Episoden. F31 bipolare affektive Störung- mind. 2 Episoden affektiver Störung, davon mind. 1 (Hypo-)Manie• Bipolare I Störung: manische, hypomane und depressive Episoden• Bipolare II Störung (keine manischen Episoden): hypomane und depressive Episoden• „rapid cycling“ (mind. 4 Stimmungsumschwünge pro Jahr) bei schnellem Phasenwechsel F33 rezidivierende depressive Störung- mindestens 2 depressive Episoden; dazwischen mindestens 2 Monate (Teil-)remission F34.0 Zyklothymie- andauernde Instabilität der Stimmung (mind. 2 Jahre)- zahlreiche Episoden leichter depressiver oder leicht gehobener Stimmung (nur 3 Symptome)- Kriterien für rezidivierende depressive Störung od. bipolare Störung nie erfüllt F34.1 Dysthymie- konstante oder konstant wiederkehrende Depression (jeweils nur 3 Symptome), mindestens 2 Jahre- Kriterien für depressive Episode werden nicht oder selten erreicht- Double Depression: Dysthymie + aktuelle depressive Episode
- Was sind diagnostische Kernfragen zur Depressions-/Maniediagnostik? Mit welchen Methoden kann man den Schweregrad einschätzen? DEPRESSION:Diagnostische Kernfragen:- Gab es in Ihrem Leben einmal eine Zeitspanne von 2 Wochen oder länger, in der Sie sich fast täglich, die meiste Zeit über traurig, niedergeschlagen oder deprimiert fühlten?- Gab es (jemals) eine Zeitspanne von 2 Wochen oder länger in der Sie Ihr Interesse an fast allen Dingen verloren haben? Schweregrad einschätzen:Selbstbeurteilung• Beck Depression Inventar: BDI-II, Beck, Hautzinger, Keller & Kühner, 2006Fremdbeurteilung• Hamilton Depression Scale: HAM-D; Hamilton, 1960• Montgomery-Asberg-Depressionsskala (MADRS) MANIE:Kernfragen:- Erinnern Sie sich an einen Zeitraum, in dem... Sie euphorischer oder reizbarer waren als sonst?... Sie ungewohnt aktiver waren und mehr Tatendrang besaßen?... Sie redseliger waren als üblich? Schweregrad einschätzen:Selbstbeurteilung- Internal State Scale« (Bauer et al. 1991; deutsch: Meyer & Hautzinger, 2004)Screeninginstrumente:- Mood Disorder Questionnaire (MDQ, Hirschfeld et al. 2000; dt. Hautzinger & Meyer, 2002)- Hypomanie Checkliste-32« (HCL-32; Angst et al. 2005).
- Beschreibe die Epidemiologie der affektiven Störungen. Prävalenz, Geschlechtsunterschiede & deren mögliche Erklärungen 6-12 Monatsprävalenz Major Depression: 6-8% Dysthymie: ca. 1% Bipolare Störung: ca. 1% Zyklothymie: / Lebenszeitprävalenz Major Depression: ca. 15% Dysthymie: ca. 4% Bipolare Störung: ca. 1-2% Zyklothymie: ca. 2% Geschlechtsunterschiede• Depression / Dysthymie: Frauen vs. Männer: 2:1• rezidivierende Störungen: 3:1• Bipolare Störung: keine eindeutigen Unterschiede• (Bipolar II: erhöhtes Risiko bei Frauen) mögliche Erklärungen:• Bereitschaft Symptome zu berichten• Symptomausdruck bei Männern• biologische Unterschiede: Geschlechtshormone• psychologisch: erhöhte Selbstaufmerksamkeit• soziale Benachteiligung, mehr Belastung bei Frauen
- Was sind Verlaufsmerkmale der Depression (Erstmanifestation, Episodendauer, Wiederauftretenswkt.)? Erstmanifestation: 25-35 Jahre- evtl. zweiter Gipfel nach dem 60. Lebensjahr- Prävalenz im Kindesalter (< 14J.): 2-3% Episodendauer: ca. 3-6 Monate- je 1/3: *Remission ohne weitere Episode*rezidivierender Verlauf mit vollständiger Remission*chronischer Verlauf, nur Teilremission - Wahrscheinlichkeit für das Wiederauftreten:nach 1 Episode: 60%, nach 2 Episoden 70%, nach 3 Episoden 90% - Wahrscheinlichkeit für einen bipolaren Verlauf:ca. 5-10% (v.a. bei jüngerem Ersterkrankungsalter <17 Jahre)
- Was sind Verlaufsmerkmale der Dysthymia? DysthymiaErstmanifestation: 10-25 JahreSpontanremission: <10% der Fälle pro Jahrerhöhtes Risiko für depressive Episode (75% in 5 Jahren) = Double Depression
- Was sind Verlaufsmerkmale einer Bipolaren Störung? Bipolare StörungErstmanifestation: 15-21 JahreErstdiagnose oft Depression (Hypomanien werden oft übersehen)Episodendauer: ca. 3-4 Monate (viele kürzer, wenige länger)Gesamtdauer: depressive Phasen > manische PhasenRemission (Symptomfreiheit > 5 Jahre): < 25% der Fälle
- Was sind die Komorbiditätsraten für affektive Störungen? Was sind häufige komorbide Störungen? Komorbiditätsraten:depressive Störung: ca. 60-75%bipolare Störung: ca. 65% Komorbide Störungen:• Angststörungen (bei Depression häufig primär)• Substanzbezogene Störungen (primär und sekundär)• Zwangsstörung• Persönlichkeitsstörungen Suizidalität• Suizidgedanken: 40-80% der Patienten• Suizidversuche: 20-60%• 1:10-20 Suizide:Suizidversuche• Suizidversuche: Frauen:Männer 2-3:1;• Suizide: Frauen:Männer 1:2 Suizidbedingte Lebenszeitmortaliät• depressiven Episoden aller Schweregrade: 4.3% (Wolfersdorf, 2000)• schweren depressiven Episoden: 14.4% (Wolfersdorf, 2000)• bipolaren Störungen: ca. 15% (Inskip et al., 1998)
- Beschreibe die Theorie, dass Stress zu Depressionen führt. Was ist daran problematisch? Hypothese: Stress (Lebensereignisse/chron. Belastung) --> Depression Klinische Beobachtung:Depression = Reaktion auf krit. Lebensereignisse/chron. Belastungen Aber:1) subjektiv verzerrte Wahrnehmung?2) zufällige Koinzidenz? Kritische Lebensereignisse (LE)• gehen ca. 80% aller Fälle von Depression voraus• oft interpersonelle Verlusterlebnisse, z.B. (drohende) Trennung• aber auch persönliche Misserfolge• Im Vergleich zu Gesunden vor depressiven Episoden 2.5-fach erhöht Chronische Belastungen• Beispiele: chronische körperliche Krankheiten, Pflege von Angehörigen, Langzeitarbeitslosigkeit, Partnerschaftsprobleme• Risikoerhöhung für Depression vergleichbar zu LE ➔ Zusammenhang zwischen Stress & Depression Probleme:- kritische Lebensereignisse (z.B. Scheidung) lösen nur bei einer Minderheit Depression aus- Patienten mit Depression erleben generell mehr negative Lebensereignisse (auch in nicht-depressiven Phasen) ➔ Stress-Generierungs-Hypothese (Hammen, 1991)
- Wie wirkt sich der Faktor "Vulnerabilität" im Stress --> Depressionsmodell aus? Vulnerabilität (biologische & psychologische Merkmale) wirken sich sowohl auf das Stresslevel eines Individuums aus, als auch auf die Wechselwirkungsprozesse von Stress und Depression. Risikofaktoren (die zu Vulnerabilität führen):• genetische Faktoren• negative Kindheitserfahrungen• niedriger soziökonomischer Status• Geschlecht (Bei dieser Folie [VL 7, Folie 30] war ich mir nicht ganz sicher, ob ich das so richtig erklärt hab... - LG, Rebecca)
- Was für biologische Faktoren können bei der Ätiologie einer Depression eine Rolle spielen? 1) Genetische FaktorenFamiliäre Häufung (Patienten unipolarer depressiver Störung): Erkrankungsrisiko für erstgradig Verwandte etwa um das 3-fache erhöht Konkordanzraten bei Zwillingen (Sullivan et al. 2000):• Monozygote (100% gemeinsame Gene): 23-67%• Dizygote (50% gemeinsame Gene): 15-43%• Heritabilität (Varianzaufklärung durch genetische Faktoren): 31-42%= moderater Effekt genetischer Faktoren 2) Monoaminmangelhypothese• Mangel der Neurotransmitter Noradrenalin, Serotonin und Dopamin (Monoamine)• basiert auf der Wirksamkeit von Antidepressiva• Problem: verringerter Monoaminspiegel nicht konsistent nachweisbar & Wirklatenz der Antidepressiva 3) Dysregulation der HPA/HHN-Achse (Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden Achse)• Aktivierung durch Stress & schnelle Rückregulation• chronischer unkontrollierbarer Stress- hyperaktive HPA/HHN-Achse und erhöhter Cortisolspiegel, Reduktion der Glukokortikoidrezeptrooden -> gestörteRückkopplung- beeinträchtigt Emotionsregulation 4) Neuroplastizitätshypothese (Castren, 2005)• Dynamische Interaktion aus Stress und Traumata, HHN-Achse und Schilddrüsenfunktion sowie Monoaminen• Schädigung des Hippocampus -> remittiert mit antidepressiver Medikation
- Welche Arten kritischer Lebensereignisse in der Kindheit wirken sich auf die Depressionsentwicklung aus? (Was ist an LEs problematisch?) Verlust eines Elternteils- vermittelnd: Qualität der Fürsorge nach Elternverlust- Beispiel: längere Heimunterbringung -> erhöhtes Risiko Sexueller Missbrauch & Misshandlung- überwiegend (aber nicht nur) retrospektive Evidenz- unspezifisch (auch mit anderen psychischen Störungen assoziiert)- assoziiert mit anderen familiären Risikofaktoren Schlechte Qualität der Eltern-Kind-Beziehung- Eltern abweisend, wenig Fürsorge & Wärme, Feindseligkeit- unsichere Bindung (nur retrospektive Evidenz) Lebensereignisse (LEs) = unspezifische Risikofaktoren!
- Beschreibe die psychoanalytische Theorie der Depressionsentwicklung. Freud (1917)Orale Fixierung: Inadäquate Bedürfnisbefriedigung in oraler Phase• unzureichend: sich nicht liebenswert fühlen• übermäßig: Beibehaltung, weil angenehm --> Selbstwertgefühl bleibt abhängig von anderen Verlust eines geliebten Menschen (auch symbolisch)• Introjektion: Verschmelzung der eigenen Identität mit verlorener Person• Aggressive Gefühle gegen die Person wenden sich gegen sich selbst• Überwindung durch Trauerarbeit, die bei übermäßig abhängigen Personen missglückt aktuellere Sichtweise: depressiver Grundkonflikt (Rudolf, 2000)– Konflikt zwischen Nährwunsch/Trennungswunsch vs. Autonome/Trennungswut– unsichere Bindung, unsicheres Selbstwertgefühl, starke Bedürftigkeit nach Zuwendung oder Bestätigung (an andere Menschen oder innere Ideale gerichtet).– Neigung zu Enttäuschbarkeit und Kränkbarkeit– maladaptive Interaktionen (Ambivalenz, unterschwellige Aggression, Selbstentwertung, Pseudoaltruismus)– lösen Ärger und Distanz bei anderen aus und wachsende Bedürftigkeit und Hilflosigkeit Evaluation • Verlusterlebnisse (inkl. Trennungen & Rollenverluste)- gehen vielen Depressionen voraus (Paykel & Cooper, 1992)- sind häufiger als bei anderen psychischen Störungen• “Abhängige” Menschen reagieren auf interpersonelle Verlusterlebnisse eher als andere mit Depression (Zuroff et al., 2004)• Zusammenhang zwischen wenig liebevollem elterlichen Erziehungsstil und späterer Depression (z.B. Lindelow, 1999)➡einzelne Vulnerabilitätsfaktoren & auslösende Ereignisse mit psychoanalytischer Theorie vereinbar Kritik:• Depression auch ohne Verlusterlebnisse & bei Nicht-Abhängigen• “Symbolische” Verluste = schlecht definiert• spezifische Mechanismen (orale Fixierung, Introjektion) nicht belegt & kaum überprüfbar
- Beschreibe das Verstärkerverlust Modell nach Lewinsohn, 1974). Wie wird es evaluiert? Um zur Abbildung des Modells zu gelangen, bitte auf den Link klicken: https://drive.google.com/open?id=1P8FYGUyGCi2ePB9Rup1_NwkEV9XwNq0X Evaluation: belegt: - einige Risikofaktoren der Depression sind mit Verstärkerverlust verbunden (z.B. Trennung) - Soziale Defizite bei Depression (z.B. Blickkontakt) - negative emotionale Reaktion und Rückzug von Interaktionspartnern - Aufbau (verstärkender) Aktivitäten = wirksame Therapiekomponente ==> v. a. Hinweise auf Verstärkerverlust = aufrechterhaltender Faktor (wichtige Implikationen für Verhaltenstherapie) nicht belegt: - ob Verstärkerverlust ein entscheidender Faktor ist - ob soziale Defizite der Depression voraus gehen - ob kurzfristige positive Reaktion ein aufrechterhaltender Faktor sind
- Kann erlernte Hilflosigkeit als Modell für Depressionen angesehen werden? Experimente zur Furchtkonditionierung mit Hunden (Seligman & Maier, 1967)Hilflosigkeitsbedingung (Schocks können nicht vermieden werden)• langsamere oder keine Fluchtreaktion, Passivität: Stehenbleiben, Hinlegen, Winseln, Gewichtsverlust• niedriger Noradrenalinspiegel Humanstudien: (z.B. Hiroto, 1974)• unkontrollierbarer Lärm -> reduzierte Problemlösefähigkeit• Hilflosigkeitserfahrung induzieren bei Gesunden depressive Symptome Probleme• experimentell induzierter „depressiver Zustand“: kurze Dauer• Hilflosigkeitsbedingung führt nicht bei allen Tieren zu „Depression“
- Beschreibe das kognitive Modell der Depression nach Beck (1970). Was sind Beispiele für kognitive Fehler? Kognitive Triade:negative Sicht auf• sich selbst• Umwelterfahrungen• (eigene) Zukunft Kognitive Schemata= stabile kognitive Verarbeitungsmuster und Überzeugungen• wurden durch frühere Erfahrungen erworben (z.B. Verlust)• lenken Wahrnehmung & Interpretation der Umwelt• können durch ähnliche Ereignisse wieder aktiviert werden Kognitive Fehler:• Systematische Denkfehler, die den Glauben an negative Grundannahmen & Bewertungen aufrechterhalten Beispiele für kognitive Fehler• Willkürliches Schlussfolgern: ohne Beweis und trotz gegenteiliger Erfahrung - Schlussfolgerung aus Misserfolg im Leistungshandeln „Ich bin ein Versager“• Übergeneralisieren: unzulässiger Induktionsschluss auf eine allgemeine Regel aus isolierten Einzelereignissen – Ablehnung beim Speed-Dating „Ich werde nie eine Beziehung führen“• Maximieren und Minimieren: Bedeutung von Ereignissen wird über- oder unterschätzt – das Ausbleiben eines erwarteten Briefes wird als höchst bedeutsam interpretiert (oder ein beachtlicher Erfolg heruntergespielt)• Verabsolutiertes, dichotomes Denken: alle Erfahrungen werden in einer von zwei disjunkten Kategorien verortet (ohne Abstufungen) – schwarz/weiß, entweder/oder Abbildung des Modells: https://drive.google.com/open?id=1qgZ3ASpSemTnWVd-ttU_hu1DjKAQLSxS
- Was lässt sich zum Einfluss von Kausalattribution und erlernter Hilflosigkeit auf die Ätiologie von Depression sagen? Wie kann man Attributionsstile messen? Abramson, Seligman & Teasdale (1978):Wahrnehmung von Kontrolle und Ursachenzuschreibung als zentrale Variable Attributionsstil (bei negativen Ereignissen)bei Depression: internal, global, stabil Beispiel: nicht bestandene Prüfungdepressiv: internal, global, stabilz.B. „Ich bin dumm und werde es auch immer bleiben“selbstwertdienlich: external, spezifisch, variabelz.B. „Diese Prüfung war unfair.“ = kognitive Vulnerabilität für Depression Messinstrumente für Attributionsstil: - Attributional Style Questionnaire (ASQ) - Dysfunctional Attitude Style (DAS)
- Erkläre das Attributionstheoretische Modell der Depression. https://drive.google.com/open?id=1vQW098ZClM3QEocw4Fx4SeKMzzPL96NV
- Was gibt es für Befunde zur Evaluation der verschiedenen kognitiven Depressionsmodelle. Querschnittsanalysen Depressive vs. Gesunde:• mehr negative Kausalattributionen (ASQ) & dysfunktionale Einstellungen (DAS)• Gedächtnis- und Aufmerksamkeitsbias für negative Reize• aber auch: realistischer Einschätzung eigener Leistungen➡ fehlende positive Verzerrung („sadder but wiser“): Effektstärke Gesunde vs. Depressive (d=.29 vs. d=.14, Moore & Fiesco, 2012) Längsschnittstudien• positive Belege für kognitive Risikofaktoren (siehe Temple-Wisconsin Studie, Alloy et al. 2000, 2006): depressives Denken (dysfunktionale Einstellungen u. Attribution) erhöht Risiko für spätere Depression aber:• depressives Denken als Vorläufersymptom?• Depressive nach Remission oft kognitiv unauffällig
- Erkläre das kognitive Modell der Depression (n. Disner et al., 2011). https://drive.google.com/open?id=1_uoYu1OHvzqopqufVR-bQapzth5e99dK
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- Was sind Besonderheiten bipolarer Störungen? größere Bedeutung genetischer Faktoren:• Konkordanzraten: MZ 71% DZ 14%,• Erblichkeit ca. 80% Frühe Kindheitserfahrungen• möglicherweise ähnliche Faktoren wie bei unipolarer Depression• weniger gut untersucht Lebensereignisse (LE)• Depression: mit negativen LE assoziiert (ähnlich unipolarer Depr.)• Manie: mit negativen & positiven (Zielerreichung) LE assoziiert Kognitive Stile• Depression: mit negativen Kognitionen assoziiert (ähnlich unipolar)• Manie: explizit positive Kognitionen, implizit eventuell negativ• „manic defense hypothesis”: Manie als Reaktion auf selbstwertbedrohliche Lebensereignisse / Kognitionen
- Was sind die beiden häufigsten Arten der Therapie affektiver Störungen? Pharmakologische Behandlung• Selektive Serotonin Wiederaufnahmehemmer (SSRI)• Serotinin und Noradreanalin Wiederaufnahmehemmer (SNRI)• Trizyklische Antidepressiva• Monoaminooxidase-Hemmer (MAO-Hemmer)• Phasenprophylaxe (Bipolare Störung): Lithium, Carbamazepin, ValproatElektrokrampftherapie (EKT)LichttherapieSchlafentzug Psychotherapie:• Kognitive Verhaltenstherapie• Psychoanalyse und Psychodynamische Psychotherapie• Interpersonelle Psychotherapie (IPT)• Gesprächspsychotherapie
- Was sind die (depressionsspezifischen) Basiselemente der kognitiven Verhaltenstherapie (KVT)? Erkläre ihre theoretischen Hintergründe und Ziele. Was sind die Voraussetzungen für die KVT? 1) Aktivitätsaufbau Theoretischer/empirischer Hintergrund: Verstärkerverlust Ziele: Steigerung positiven Erlebens, Verringerung belastender Erfahrungen 2) Kompetenzaufbau Theoretischer/empirischer Hintergrund: Defizitäre soziale & Problemlösefertigkeiten Ziele: Sozial kompetentes Verhalten, Problemlösefertigkeiten 3) Kognitionsveränderung Theoretischer/empirischer Hintergrund: Dysfunktionale Kognitionen/kognitive Schemata Ziele: Identifikation & Veränderung automatischer Gedanken & Grundannahmen Voraussetzungen: gute therapeutische Arbeitsbeziehung, Akzeptanz, Vermittlung desTherapierationale (Störungsmodelle)
- Was weiß man zur Wirksamkeit verschiedener Therapiemethoden bei Depressionen? KVT: Symptomreduktion (prä-post-Vergleich) d ~ 1.5-2.3 KVT vs. andere Verfahren: d ~ 0.16 – 0.24 Psychotherapie (KVT oder IPT) vs. Placebo Medikation: d =0.82Psychotherapie (KVT oder IPT) vs. Pharmakotherapie: d =0.38 aber bei schwerer Depression:beste Wirkung bei Kombination aus Psychotherapie und Pharmakotherapie Symptomreduktion durch körperliche Aktivität: d ~ 0.3-0.6