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Klinische Psychologie 1 (Fach) / Substanzbezogene Störungen (Lektion)

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  • Definition: Psychotrope Substanzen - natürliche, chemisch aufbereitete oder synthetische Stoffe - wirken zentralnervös auf den Organismus ein - beeinflussen Wahrnehmung, Denken, Emotion und Verhalten 
  • Veränderungen von DSM-IV zu DSM-5 DSM-IV: Unterscheidung zwischen - Substanzmissbrauch - Substanzabhängigkeit DSM-5: einheitliche Diagnose der Substanzkonsumstörung - Schweregrad abhängig von der Anzahl der erfüllten Kriterien - Leicht unterschiedliche Kriterien je nach Art der Substanz ICD-10 (und ICD-11): nach wie vor Unterscheidung zwischen - Schädlichem Gebrauch (= Missbrauch) - Abhängigkeit
  • Alkoholintoxikation (DSM-5) A. Kurz zurückliegender Alkoholkonsum. B. Klinische bedeutsame verhaltensbezogene oder psychische Veränderungen (z.B. unangemessenes Verhalten, Affektlabilität, beeinträchtigtes Urteilsvermögen), die sich während oder nach dem Alkoholkonsum entwickeln. C. Mind. eines der folgenden Anzeichen/Symptome, die sich während oder kurz nach dem Alkoholkonsum entwickelt haben: 1. Verwaschene Sprache2. Koordina1onsstörungen3. Unsicherer Gang4. Augenbewegungsstörung5. Aufmerksamkeits- oder Gedächtnisstörungen6. Stupor oder Koma D. Ausschluss anderer medizinischer Krankheitsfaktoren oder andere psychische Störung
  • Alkoholentzug (DSM-5) A. Beendigung oder Reduktion von schwerem oder langandauerndem Alkoholkonsum. B. Mind. 2 der folgenden Symptome, die sich innerhalb einiger Stunden oder weniger Tage nach der in Kriterium A beschri. Beendigung oder Reduktion des Alkoholkonsums entwickeln: 1. Vegetative Hyperaktivität2. Handtremor3. Insomnie4. Übelkeit oder Erbrechen5. Vorübergehende visuelle, taktile oder akustische Halluzinationen oder Illusionen6. Psychomotorische Unruhe7. Angst8. Krampfanfälle C. Klinisch bedeutsames Leiden oder Beeinträchtigungen D. Ausschluss anderer Krankheitsfaktoren, andere psychische Störung, andere Substanzwirkung/-entzug
  • Alkoholkonsumstörung (DSM-5) A. Problematisches Muster von Alkoholkonsum führt in klinisch bedeutsamer Weise zu Beeinträchtigungen oder Leiden; min. 2 Kriterien innerhalb von 12 Monaten: 1. A. wird häufig in größeren Mengen oder länger als beabsichtigt konsumiert.2. Anhaltender Wunsch/erfolglose Versuche, A.konsum zu verringern oder zu kontrollieren.3. Hoher Zeitaufwand, um A. zu beschaffen, konsumieren oder sich von Wirkung zu erholen.4. Craving oder ein starkes Verlangen, A. zu konsumieren.5. Wdh. A.konsum, führt zu Versagen bei Erfüllung wichtiger Verpflichtungen bei der Arbeit, in der Schule oder zu Hause.6. Fortgesetzter A.konsum trotz sozialer oder zwischenmenschlicher Probleme.7. Wichtige soz., berufl. od. Freizeitaktivitäten werden wegen A.konsums aufgegeben oder einschränkt.8. Wiederholter A.konsum in Situationen, in denen er zu körperlichen Gefährdungen führt.9. Fortgesetzter A.konsum trotz Kenntnis eines körperl. od. psychischen Problems, das wahrscheinlich durch A. verursacht oder verstärkt wurde.10. Toleranzentwicklung (Dosissteigerung und/oder verminderte Wirkung)11. Entzugssymptome -> Schweregrad: leicht (2-3 Symptomkriterien), mi[el (4-5) schwer (6 oder mehr)
  • Entwicklungsmodell der Substanzkonsumstörung - Erstkonsum (Experimentieren) -> Regelmäßiger Konsum -> Substanzkonsumstörung
  • Einflussfaktoren auf Erstkonsum - Verfügbarkeit: Legalität, Kosten, Verbreitung- Familiäre Faktoren- Einfluss der Peer-Group- Medieneinflüsse
  • Einflussfaktoren auf regelmäßigen Konsum - Emotionsregulationsdefizite - Selbstmedikation (Coping mit alltäglichen Stressoren) - Substanzwirkungserwartungen - Kulturelle Einflüsse
  • Biopsychosoziales Modell der Abhängigkeit Ein biopsychosoziales Modell erscheint am ehesten geeignet, die Entstehung und Aufrechterhaltung einer Alkoholabhängigkeit zu beschreiben. Erhöhter Anreiz und Automatisierung des Alkoholkonsums -> führt zu: Alkohol: Enthemmung/Stimulierung, Dämpfung/Beruhigung -> führt zu: - Intrapsychischer Teufelskreis - Neurobiologischer Teufelskreis - Psychosozialer Teufelskreis -> führen zu Erhöhter Anreiz 
  • Intrapsychischer Teufelskreis Beeinträchtigte Selbstwahrnehmung, unrealistische Wirkungserwartung, Copingdefizite, suchtbezogene Grundannahmen
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  • Neurobiologischer Teufelskreis Toleranzsteigerung, Endorphinmangel, Suchtgedächtnis, Cue reactivity
  • Psychosozialer Teufelskreis Gestörte Trinkkultur, veränderte Familieninteraktion, soziale Folgeschäden, Mangel an Alternativressourcen
  • Zentrale Bestandteile neurobiologischer Modelle 1. Toleranzentwicklung und Entzugserscheinungen - Toleranzentwicklung gekennzeichnet durch Dosissteigerung oder verminderte Wirkung - Bei toleranten Probanden ist eine größere Dosis nötig - Entzugssymptome werden von denselben funktionellen Veränderungen verursacht, die auch bei Toleranzentwicklung eine Rolle spielen 2. „Suchtgedächtnis“ (Böning 1994) - Auslösesitutionen für Substanzkonsum führt zu neurophysiologischen Reaktionsweisen, die Craving auslösen - „Cue reactivity“ und “Incentive salience“ (Neurobiolog. Teufelskreis
  • Dot-Probe Aufgabe Dotprobe-Aufgaben werden zur Messung von selektiver Aufmerksamkeit auf bestimmte Reize in der Umwelt herangezogen. Vorgehen: In der Mitte des Bildschirms wird ein Fixationskreuz präsentiert, um die Aufmerksamkeit auf den Bildschirmmittelpunkt zu lenken. Dannw erden simultan zwei Reize wie Wörter oder Bilder präsentiert. Ein Reiz entspricht einem bestimmten Zielkonzept, der andere Reiz ist neutral. Einer der beiden Reize wird durch einen Punkt ersetzt. Aufgabe der Person ist es, auf die Position des Punkts zu reagieren. Die Personen reagieren schneller, wenn der Punkt den Reiz ersetzt, auf den die Aufmerksamkeit bereits gelenkt wurde.
  • 1. Therapieziel: Aufbau von Veränderungsmotivation Absichtslosigkeit -> führt zu Absichtsbildung -> führt zu Vorbereitung -> führt zu Handlung -> führt zu Aufrechterhaltung -> führt zu Dauerhafter Ausstieg od. Rückfall
  • Behandlungen Entzugsbehandlung - Überwindung von Entzugserscheinungen - Motivierung zu weiteren Maßnahmen Entwöhnungsbehandlung - Aufbau von Abstinenzmotivation - Soziale Stabilisierung - Wiederherstellung der Erwerbsfähigkeit - Rückfallprävention Ambulante Nachsorge - Abstinenzstabilisierung - Behandlung von Komorbidität Adaptionsbehandlung - Berufliche Wiedereingliederung Langzeitbehandlung - Soziale Stabilisierung Selbsthilfegruppe - Aufbau von abstinentem Lebensstil und Identität
  • Medikamentöse Behandlung Medikation während der Entzugsbehandlung (z.B. Distraneurin) Entwöhnung/Nachsorge: Anti-Craving-Medikamente - Acamprosat (Campral) - Naltrexon
  • Evidenzbasierte psychotherapeutische Verfahren Motivational Interviewing (Miller & Rollnick) - Ziel: Förderung der Veränderungsbereitschaft Kognitive Verhaltenstherapie - Verschiedene Programme - Überlappung in Bezug auf zentrale Interventionen Familienfokussierte Behandlungen bei minderjährigen Suchtpatienten Selbsthilfegruppen (z.B. Anonyme Alkoholiker)
  • Wirksamkeit psychotherapeutische Verfahren - Hohe Rückfallraten, häufig mehrere sequentielle Behandlungen notwendig - Metaanalyse: mittlere Effektstärke von d = 0.37 - Erfolgsquote stationäre Behandlung (1-Jahres-Follow-up): 42-76% - Durchschnittliche Erfolgsraten in Deutschland: 40-50% nach 1-2 Jahren