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Entwicklungspsychologie Teil A (Fach) / Vl 1 (Lektion)

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Diese Lektion wurde von S508 erstellt.

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  • Zentrale Themen der Entwicklungspsychologie -->Wie entwickeln sich Menschen? (Allgemeine Gesetzmäßigkeiten) --> Warum entwickeln sich Personen unterschiedlich? (Individuelle Unterschiede) -->Wie geht man vor, um solche Fragen zu beantworten? (Forschungsmethoden) -->Mit welchen anderen Disziplinen arbeitet man hier zusammen? (Interdisziplinarität) --> Welchen praktischen Nutzen sollte die Gesellschaft aus den Erkenntnissen der Entwicklungspsychologie ziehen können? (Anwendungsbezug)
  • Bedarf an Entwicklungspsychologie in Praxisfeldern 1 Eltern, Lehrer, Schulpsychologen, klinische Psychologen, psychologische Gutachter vor Gericht, Sozialpädagogen, Sozialarbeiter, Bewährungshelfer, Gerontologen, Altenpfleger, Kriminologen, Strafrichter usw. brauchen Entwicklungspsychologie Entwicklungspsychologische Erkenntnisse und Überzeugungen fließen in das Bildungs-, das Wirtschafts-, das Sozial- und das Rechtssystem der Gesellschaft ein
  • Bedarf an Entwicklungspsychologie in Praxisfeldern 2 1. Orientierung am Lebenslauf: --> Welche Kompetenzen, Einstellungen, Interessen darf man wann voraussetzen?  -->Welche Anforderungen sind angemessen, in welcher Hinsicht ist Schutz oder Schonung geboten? -->Welches Mindestalter für Geschäftsfähigkeit, Strafmündigkeit, Volljährigkeit, Wahlrecht, Heiratsfähigkeit, Rentenalter? 2. Normatives Wissen bereit stellen: - Beschreibung von Lebensphasen  - Kataloge altersspezifischer Entwicklungsaufgaben und –probleme -Zusammenstellung von Leistungsinventaren und Entwicklungsnormen für verschiedene Altersstufen
  • Bedarf an Entwicklungspsychologie in Praxisfeldern 3 •  Individuelle Unterschiede beachten: •  Welche Abweichungen vom Durchschnitt sind wie wahrscheinlich? •  Wie sind sie zu erklären? Was bedeuten sie aktuell? Was bedeuten sie für das weitere Leben? Sind sie stabil, sind sie veränderbar? •  Wie kann man die künftige Entwicklung in günstiger Weise beeinflussen? •  Welche präventiven Maßnahmen gegen Fehlentwicklungen sind wann und in welcher Weise zu ergreifen? •  Wie kann man die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass belastende Erfahrungen bewältigt werden?
  • Bedarf an Entwicklungspsychologie in Praxisfeldern 4 •  Prognose der Ausprägung und Veränderung von Personenmerkmalen, Ermittlung von Entwicklungsbedingungen •  Begründung von Entwicklungszielen •  Planung und Evaluation von Entwicklungsinterventionen
  • Entwicklungsbegriff Definition „Entwicklung erscheint als eine Reihe von ... miteinander zusammenhängenden Veränderungen, die bestimmten Orten des zeitlichen Kontinuums eines individuellen Lebenslaufes zugeordnet sind.“ (Thomae, 1959) Allen (entwicklungspsychologischen Forschungstraditionen) gemeinsam ist, dass sie sich mit Veränderungen und Stabilitäten im Lebenslauf befassen.“ (Montada, 2002)
  • Entwicklungsbegriff traditionell traditionell Entwicklung vollzieht sich: • für alle Personen relativ identisch • in geordneten Sequenzen • hin auf ein Entwicklungsziel und • ist nicht umkehrbar. Entwicklung entspricht Reifung. z. B. Entwicklung d. Lokomotion (Laufen lernen)
  • Entwicklungsbegriff modern modern Dem steht empirisch entgegen: Beobachtete: •  Variabilität, •  Äquifinalität, •  Multifinalität, •  und Nichtlinearität. Entwicklung vollzieht sich unter der Organisation von Reifung bei spezifischen Umweltbedingungen.
  • Variabilität moderner Entwicklungsbegriff: Beispiel für komplexes Entwicklungsgeschehen: Entwicklung der Lokomotion Der normale Zeitraum für den Erwerb des freien Gehens erstreckt sich von 9 bis zu 18 Monaten: --> Hohes Maß an interindividueller Variabilität
  • Äquifinalität moderner Entwicklungsbegriff: Aus verschiedenen Ausgangsbedingungen wird das gleiche Entwicklungsziel erreicht: --> Prinzip der Äquifinalität
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  • Multifinalität moderner Entwicklungsbegriff: Eine Startbedingung mündet in viele zwischenzeitliche Entwicklungsausgänge: --> Prinzip der Multifinalität
  • Nichtlinearität moderner Entwicklungsbegriff: Im Entwicklungsverlauf erfolgt zugunsten eines qualitativen Entwicklungsfortschrittes ein Rückschritt auf ein vorheriges Niveau -->  transitorische Regression (vorübergehende Rückentwicklung)
  • Zentrale Konzepte der Entwicklungspsychologie 1 Warum kommt es zu Veränderungen und warum gibt es es diesbezüglich inter- und intraindividuelle Unterschiede Was ist Reifung? Als Reifung werden genetisch ausgelöste, altersbezogene Aufbauprozesse von Strukturen und Funktionen der Organe, des Zentralnervensystems, der hormonalen Systeme, der Körperformen usw. bezeichnet.
  • Zentrale Konzepte der Entwicklungspsychologie 2 Warum kommt es zu Veränderungen und warum gibt es es diesbezüglich inter- und intraindividuelle Unterschiede Was sind sensible Perioden? Sensible Perioden: Entwicklungsabschnitte, in denen spezifische Erfahrungen maximale positive oder negative Wirkungen haben, also als Perioden erhöhter Plastizität unter dem Einfluss spezifischer Bedingungsfaktoren. (entgegen vorangehenden oder nnachfolgenden Perioden)
  • Zentrale Konzepte der Entwicklungspsychologie 3 Warum kommt es zu Veränderungen und warum gibt es es diesbezüglich inter- und intraindividuelle Unterschiede Was ist Entwicklung? Entwicklung ist eine beliebige sachlich wie logisch geordnete Folge von Konstruktionsschritten, die durch Strukturanalysen verständlich zumachen sind.
  • Zentrale Konzepte der Entwicklungspsychologie 4 Warum kommt es zu Veränderungen und warum gibt es es diesbezüglich inter- und intraindividuelle Unterschiede Was ist Entwicklung als Konstruktion? Entwicklung als Konstruktion: Aktiver Austausch zwischen Person und Umwelt, um Strukturen und Funktionen aufzubauen, die zielgerichtetes Handeln ermöglichen. Bsp.: »geben« – »nehmen« – »zahlen« werden zeitlich früher richtig verstanden und gebraucht als »kaufen« – »verkaufen« -->höhere Komplexität; verkaufen enthalt die Elemente (1) Akteur A (2) gibt (3) ein Gut (4) an Akteur B (5) und (6) verlangt (7) von diesem (8) im Austausch (9) Geld, (10) das dieser (11) zahlt.
  • Zentrale Konzepte der Entwicklungspsychologie 5 Warum kommt es zu Veränderungen und warum gibt es es diesbezüglich inter- und intraindividuelle Unterschiede Was ist Entwicklung als Sozialisation? Entwicklung als Sozialisation: Erfolgt durch Anleitung und Anforderung, Information und Belehrung, Beobachtung und Nachahmung von Vorbildern, Strafen und Belohnungen usw. •  durch Familie, Schule, Beruf, Freunde, Medien •  Lebenslang Bsp.: Wie Kinder ihre Eltern beeinflussen (Pauls & Johann, 1984): -konstruktiv-aktive Steuerung (z. B. logisches Argumentieren,Kompromissaushandlung) -Vorwürfe und oppositionelle Steuerung (z. B. Drohen,Trotzen,Fordern,Erpressen) -Steuerung durch Bestrafung(Schreien,»Nerven«,für die Eltern unangenehmes Verhalten in der Öffentlichkeit) -Steuerung durch Ignorieren elterlicher Normen -passiv-resignative Steuerung (z. B. demonstrative Hilf-undMachtlosigkeit) "-SteuerungdurchSchmusenundSchmeicheln -Verlangen einer Begründung von Vorschriften und Verboten, von Einstellungen und Urteilen, was eine ReflexionerzwingtundnichtseltenzueinerRevision führt
  • Zentrale Konzepte der Entwicklungspsychologie 6 Warum kommt es zu Veränderungen und warum gibt es es diesbezüglich inter- und intraindividuelle Unterschiede Was sind Entwicklungsaufgaben und kritische Lebensereignisse? Entwicklungsaufgaben und kritische Lebensereignisse •  Entwicklungsaufgaben: altersnormiert, d.h. Personen gleichen Alters sind mit denselben Aufgaben konfrontiert (Übergang von Ausbildung ins Berufsleben) •  Kritische Lebensereignisse: unvorhersehbar, betreffen einzelne Personen (z.B. Tod eines nahen Angehörigen, Trennung vom Partner, Geburt eines Kindes)
  • Zentrale Konzepte der Entwicklungspsychologie 7 Warum kommt es zu Veränderungen und warum gibt es es diesbezüglich inter- und intraindividuelle Unterschiede Was sind die Folgen der Entwicklungsaufgaben und kritische Lebensereignisse? Entwicklungsaufgaben und kritische Lebensereignisse -->  Können Entwicklungskrisen hervorrufen: Personen sind emotional belastet, aber nicht in der Lage, eine angemessene Lösung zu entwickeln oder sich an die veränderte Situation anzupassen --> Krisen können positive Entwicklungsfolgen haben, wenn sie als Herausforderungen angenommen, gemeistert oder emotional bewältigt werden
  • Zentrale Konzepte der Entwicklungspsychologie 8 Warum kommt es zu Veränderungen und warum gibt es es diesbezüglich inter- und intraindividuelle Unterschiede Was bedeuten Kontinuität und Diskontinuität der Entwicklung? Kontinuität: Wir sprechen von absoluter Stabilität,wenn keine Veränderung festgestellt wird. (Parallelen zur  X-Achse) Diskontinuität: Mit relativer Stabilität ist gemeint, dass die Positionen der Individuen bezogen auf die Verteilung eines Merkmals oder einer Leistung in der Alterskohorte als Bezugsgruppe erhalten bleiben. (lineare Parallelen: // ) In vielen Bereichen der Entwicklung relative Stabilität von individuellen Unterschieden bis ins höhere Erwachsenenalter
  • Welches Konzept vertritt Paul Baltes (1990) und was besagt es? Konzept der lebenslangen Entwicklung Entwicklung ist ein lebenslanger Prozess. Keine Altersstufe nimmt bei der Bestimmung dessen, was Entwicklung ist, eine bestimmte Rolle ein. Während der gesamten Entwicklung (d.h. in allen Phasen der Lebensspanne) können sowohl kontinuierliche als auch diskontinuierliche Prozesse auftreten. Paul Baltes (1990)
  • Was ist das Life-span Development, wer ist der Hauptvertreter und was ist die Kernaussage? Entwicklungspsychologie der Lebensspanne: „Life-span Development“ •  Einflussreiche Verbreitung seit den 60er Jahren •  Hauptvertreter: Paul Baltes (1939-2006) Entwicklung endet nicht im frühen Erwachsenenalter • Beruf • Partnerschaft • Elternrolle • Lebensumgebung • Freizeit
  • 7 Leitsätze (nach Baltes, 1990) 1. 1.  Entwicklung endet nicht im frühen Erwachsenenalter •  Alter ≠ Abbau --> Längsschnittuntersuchung über die Entwicklung der Intelligenz (Schaie, 1988) : •  Zwischen 60. und 80. Lebensjahr •  Kein universeller Leistungsabfall •  Große interindividuelle Unterschiede
  • 7 Leitsätze (nach Baltes, 1990) 2. Multidimensionalität und Multidirektionalität 2. Multidimensionalität und Multidirektionalität --> Unterschiedliche Fähigkeiten zeigen über die Lebensspanne hinweg unterschiedliche Entwicklungsverläufe -->  Auch zwischen einzelnen Individuen gibt es große Entwicklungsunterschiede
  • 7 Leitsätze (nach Baltes, 1990) 2. Multidimensionalität und Multidirektionalität Das Zwei-Komponenten Modell der intellektuellen Entwicklung Mechanik: Basisprozesse der Informationsverarbeitung -  inhaltsarm -  universal, biologisch -  primär genetisch bedingt z.B. Geschwindigkeit, Genauigkeit und Koordination einzelner Prozesse, z.B. logisches Schlussfolgern, Merkfähigkeit, räumliche Orientierung --> nimmt im hohen Alter ab Pragmatik: Wissenskörper: Fakten und Strategien -  inhaltsreich -  kulturabhängig -  primär erfahrungsbedingt Biografisch erworbenes Wissen --> bleibt im hohen Alter erhalten
  • 7 Leitsätze (nach Baltes, 1990) 2. Multidimensionalität und Multidirektionalität Interaktion zwischen Mechanik und Pragmatik Interaktion zwischen Mechanik und Pragmatik •  Kognitive Anforderungen enthalten zumeist pragmatische und mechanische Anteile --> normale Entwicklung besteht in einem Zusammenspiel beider Komponenten •  Erwerb, Erhalt und Anwendung der Pragmatik setzt Mechanik voraus; Mechanik kann sich aber in der Kindheit nicht ohne den Erwerb von Pragmatik entwickeln (Elbert et al., 1995; Schneider & Lockl, 2006) •  Verhältnis ändert sich im Laufe des Lebens: Leistungsdefizite in der Kindheit sind oft eher pragmatischer Natur, im höheren Alter aber häufig Ausdruck des altersbedingten Abbaus der Mechanik (Brehmer et al., 2007
  • 7 Leitsätze (nach Baltes, 1990) 3.  Entwicklung als Gewinn und Verlust 3.  Entwicklung als Gewinn und Verlust --> Entwicklung nicht nur Zuwachs in der Kapazität/Effizienz --> Über die gesamte Lebensspanne hinweg Zusammenspiel aus Gewinn (Wachstum) und Verlust (Abbau) zusammen --> Kompensationsstrategien Wachstumszunahme sinkt im hohen Alter, Beibehaltung Verlustregulation steigt im Alter bezogen auf den Anteil investierter Ressourcen (über Kreuz)
  • 7 Leitsätze (nach Baltes, 1990) 4.  Entwicklung hat Spielräume (Plastizität) und Grenzen (limits) 4.  Entwicklung hat Spielräume (Plastizität) und Grenzen (limits) --> Entwicklung ist durch eine hohe intraindividuelle Plastizität gekennzeichnet. --> Der Entwicklungsverlauf einer Person variiert in Abhängigkeit von ihren Lebensbedingungen und Lebenserfahrungen
  • 7 Leitsätze (nach Baltes, 1990) 5.  Geschichtliche Einbettung 5.  Geschichtliche Einbettung --> Entwicklung variiert auch in Abhängigkeit von historisch-kulturellen Bedingungen
  • 7 Leitsätze (nach Baltes, 1990) 6.  Kontextualismus 6.  Kontextualismus Entwicklungsverläufe unterliegen der Wechselwirkung verschiedener Entwicklungseinflüsse: - Altersbedingt: Beeinflussen Personen unterschiedlicher Kohorten in einem ähnlichen Alter (z.B. Pubertät, Schulbeginn, Berentung) - Geschichtlich bedingt: Betreffen zu bestimmten historischen Zeitpunkten Personen unterschiedlicher Geburtskohorten gemeinsam (z.B. Wirtschaftskrisen, Kriege, technologische Innovationen - Nicht-normativ: Beeinflussen unabhängig von Alter und historischem Zeitpunkt einzelne Personen zufällig (z. B. kritische Lebensereignisse)
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  • 7 Leitsätze (nach Baltes, 1990) 7.  Multidisziplinäre Betrachtung 7.  Multidisziplinäre Betrachtung  Psychologische Entwicklung muss multidisziplinär gesehen werden, also auch im Kontext anderer Disziplinen, die sich mit menschlicher Entwicklung beschäftigen. - Biologie -  Medizin - Soziologie -  Bildungswissenschaft - Pädagogik