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Ethnologie (Fach) / Politikethnologie (Lektion)
- Nativismus Orientierung von politischen Bewegungen an ausgewählten Aspekten der eigenen Kultur, die für die im Land geborene nationale Mehrheit bzw. gegen die Ansprüche einer Minderheit kämpft. Unterscheidung zwischen wiederbelendem und fortführendem (das Bestehende erhalten) Nativismus. Nativismus ist meist als reaktive Bewegung auf den Einfluss der Kolonisation zu verstehen, auf Unterdrückung und Benachteiligung.
- Unterwerfungstheorie Theorie, das die Staatsbildung aus staatsfreien Gesellschaften erklären soll. Demnach ist der Staat mittels der Unterwerfung friedlicher Bauernvölker durch kriegerische Hirtenvölker entstanden. Es wird in Phasen unterteilt (z.B. bei Oppenheimer), die teils mehrere Jahrhunderte dauern können. 1. Phase: Plünderungen (immer weniger Anstrengung auf Mindestmaß der Machterhaltung) 2. Phase: Nachhaltigkeit von Plünderungen (Schutzbeziehung) 3. Phase: Tributzahlungen (Regelhaftigkeit und Arbeitserleichterung) 4. Phase: Gebietsvereinigung (bessere Regelung der Abgaben) 5. Phase: Eroberer als gewaltlegitimierte Schiedsrichter (Herrschaftsstruktur) 6. Phase: Durchmischung der Völker Die Theorie ist ethnologisch recht gut belegt (so z.B. keine staatliche Herrschaft in kulturell homogenen Gesellschaften, Bauern besetzten Ackerland und töteten Eroberten)
- Soziale Stratifizierung Aufbau von Gesellschaften (nicht allen!) in Form von sozialer Schichtung. Individuen innerhalb der verschiedenen Schichten werden als gleichartig analysierbare Akteure angenommen; Schichten stehen in hierarchischem Verhältnis zueinander; Schichtzugehörigkeit oft mit moralischen Aussagen über „Charakter“ der darin eingeordneten/sich selbst einordnenden Individuen verbunden.
- Machtbildungsprozesse Ausgangspunkt „dass jemand ein Privileg definiert und wahrnimmt oder sich gesellschaftliche Ressourcen aneignen kann, die gewisse Überlegenheit verbürgen.“ (Imbusch 2010: 168)Privilegien betreffen knappe Güter; Durchsetzung der Privilegien auf Kosten andererRessourcen können materieller oder symbolischer Art sein (Grenzen aber fließend), z.B. Ackerland (hauptsächlich materiell, aber auch symbolisch), Exkommunikation, Reliquien (hauptsächlich symbolischer Natur, aber mit konkreten materiellen Implikationen)Solidarität der Privilegierten: erkennen sich gegenseitig an um Widerstände zu minimieren und Revolten abzuwendenDem folgt: Institutionalisierung von Machtpotentialen und Machtbeziehungen durch a) Abgrenzung der Herrscher von den Beherrschten, b) Definition von Nähe und Ferne zu Macht, c) Macht selbst wird zur knappen Ressource --> Macht stabilisiert sich also über soziale Schließungsprozesse und über die gestufte Partizipation an ihr!
- Lineage Einlinige Abstammungslinie; bezeichnet eine große Familiengruppe, deren Angehörige ihre gemeinsame Abstammung von einer Stammmutter oder einem Stammvater herleiten, in einliniger Abfolge entweder über die Mütterlinie (Matri-Lineage) oder über die Väterlinie (Patri-Lineage) und umfassen damit auch Seitenlinien von entsprechenden Geschwisterteilen. Eine umfangreiche Lineage kann sich in größere und kleinere Teile untergliedern, in einzelne Kern- und Großfamilien, als einzelne Segmente bezeichnet – ganze Lineages können wiederum die Segmente einer gesellschaftlichen Erblinie bilden. In der Regel organisieren sich mehrere zusammengehörende Lineages als eigenständiger Clan. Eine Lineage bildet oft eine stabile Solidaritäts- und Wirtschaftsgemeinschaft, sie übernimmt rechtliche, religiöse und politische Aufgaben für ihre Mitglieder und vertritt diese korporativ nach außen, in der Art einer Körperschaft. In Gesellschaften, die ohne Zentralgewalt (segmentär) und ohne Oberhaupt (akephal) organisiert sind, übernehmen die Lineages auch politische Funktionen. Die gesellschaftliche Ordnung bildet sich dabei durch das Zusammenspiel von Lineages, die als gleichartige und gleichrangige Segmente aufgefasst werden. Die Lineages kooperieren durch einstimmige Konsensfindung.
- Strukturfunktionalismus Betrachtet soziale Systeme als ihre eigene Existenz erhaltende Gebilde. Es wird untersucht, welche Bestandsvoraussetzungen gegeben sein müssen, um den Bestand strukturell zu sichern und welche Funktion diese Struktur hat. Zum Teil wird der Strukturfunktionalismus zu den Handlungstheorien gezählt. Bleibt im Kern abstrakt und interessiert sich nicht für Einzelfälle und Normabwechungen. Der englische Sozialanthropologe Alfred Radcliffe-Brown (1881–1955) sah Institutionen als Schlüssel zum Erhalt der globalen sozialen Ordnung der Gesellschaft. Dabei ging er von einer Analogie zu den Organen des Körpers aus. Die Studien der sozialen Funktion von Radcliffe-Brown untersuchen, wie Rituale und Bräuche dazu beitragen, die allgemeine Stabilität der Gesellschaft zu erhalten. Dabei ignorierte er die Effekte historischer Veränderungen. Kritik: Bei sozialen Systemen dagegen stößt man auf Probleme der Selbstreferenz. Nur das System selbst kann definieren, wann es sich zu einem völlig anderen System entwickelt hat, also worin es sich unterscheidet bzw. zu einem früheren Stadium seiner Systemidentität sich innerlich abgrenzt.
- Funktionalismus Legt seinen Schwerpunkt auf die Untersuchung sozialer Institutionen in Hinblick auf ihren Nutzen zur Bedürfnisbefriedigung. Kultur wird als instrumenteller Apparat zur Bedürfnisbefriedigung verstanden. Alle einzelnen Aspekte des Ganzen stehen in einer Abhängigkeit zueinander. Interdependenz verschiedener sozialer Institutionen. Das Individuum hat biologisch festgelegte Bedürfnisse (seine Biologie), ist kulturell determiniert und braucht die Gruppe. In der Gruppe, die sich über gemeinsame Werte definiert, organisiert es sich und schafft Institutionen und Technologie, um die Bedürfniss zu befriedigen. Die Institutionen und Technologie, die das Individuum nun umgibt, wird von Malinowski als sekundäre Umwelt bezeichnet. Die Institutionen werden nicht nur vom Menschen geformt, sondern formen auch rückbezüglich den Menschen. Individuen können auch versuchen, Normen zu umgehen, wenn es ihrem Interesse entspricht. Die Bedürfnisbefriedigung ist abhängig von der materiellen Umwelt, also von dem, was überhaupt vorhanden ist (z.B. Ressourcen). --> Individuum hat z.B. das Bedürfnis, gesund zu bleiben und schafft daher die Institution Hygienevorschriften. Kritik: Bedürfnisse sind nicht universal, sondern kulturell geprägt; Austausch zwischen Kulturen nicht berücksichtigt; Kulturen nicht auf das Funktionieren einzelner Institutionen reduzierbar.
- Dispositiv (Foucault) Gesamtheit bestimmter begrifflich fassbarer Vorentscheidungen, innerhalb derer sich die Diskurse und die sozialen Interaktionen entfalten können. Heterogenes Ensemble von Diskursen, Institutionen, Gesetzen, wissenschaftlichen Aussagen etc., welches Gesagtes und Ungesagtes umfasst und zu bestimmten Zeiten relevant ist. Konstituiert sich durch komplexe Verbindungen im erwähnten Ensemble.
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