6

Medien und Kommunikation (Fach) / 06 (Lektion)

.

Diese Lektion wurde von khoelsch erstellt.

Lektion lernen

  • Verbreitung von Medien Medien werden eingesetzt zur Informationsbeschaffung Unterhaltung KommunikationFür welches Medium man sich entscheidet hängt u.a. vom Verwendungsgrund ab… aber auch von der Reichweite (= Anzahl an Personen, die durch das Mediumerreicht werden d.h. es – zumindest gelegentlich – benutzen).Diese wird konstituiert durch die Kontakthäufigkeit (= Anzahl der Kontakte einerPerson mit einem Medium in einen bestimmten Zeitraum) und dieNutzungsintensität (= Dauer der Mediennutzung in einem bestimmten Zeitraum) Die größte Reichweite haben Fernsehen und Radio mit 98% bzw. 95% allerBundesbürger im Alter von 14-49 Jahren (Vehlow, 2005, nach Batinic, 2008)Marktanteile der Fernsehsender in 2012/2013 laut www.quotenmeter.de(>3 Jahre/14-49): ARD: 12.0/6.5 ZDF: 12.7/6.6 RTL: 12.0/15.4 Sat1: 8.5/9.6 Pro7: 5.6/11.1 VOX: 5.8/7.9 RTL2: 4.2/6.7 Kabel1: 4.0/5.5  Der Tagesmarktanteil schwankt entsprechend des Programm-Angebots  Die tägliche Sehdauer hält sich über Jahre relativ konstant zwischen 183min/Tag in 1997und 223min/Tag in 2015, war zuletzt aber etwas rückläufig; Frauen (ab 14 Jahren) sahenmehr fern als Männer; Kinder von 3-13 Jahren sehen weniger fern als früher(www.statista.com)  Über den Tag hinweg schwankt(e) der Fernsehkonsum beträchtlich (21-22 Uhr maximal),aber auch der Radiokonsum (die meisten Zuhörer zwischen 6-12 Uhr)  Kino: Pro Jahr <2 Besuche/Person, „Heavy Users“ (>7 Besuche) lösten 42% aller Tickets,insgesamt 118 Mio. Besucher in 2017 (Quelle FFA), 54% w. vs. 46% m., 38% derKinobesucher*innen sind unter 30 Jahre alt, 8.90 Euro pro Karte, 7.45 Euro für Verzehr  Mobiltelefone: 83.1 Mio. Verträge in 2007 (Studie des Bundesministeriums für Wirtschaftund Technologie), durchschnittliche Gesprächszeit pro Jahr 700min (Frankreich 1300min),Non-Voice Anwendungen nahmen stark zu: 10.7 Mio. SMS/Tag in 1999 vs. 162.9 Mio. in2012 vs. geschätzte 40 Mio. in 2015 - MMS seltener genutzt (0.36 Mio./Tag in 2013);WhatsApp steigt rapide an mit 400 Mio. Nachrichten/Tag in 2014 (www.statista.com)  Internet: Der Anteil der Internetnutzer in Deutschland stieg von 37% in 2001 auf 77.6% in2015 (www.statista.com) Die Verbreitung mancher Medien verändert sich rasend schnell und damit auchAspekte der Reichweite und damit verbundener Implikationen auf der Ebenevon Technologie, Produktion von Medieninhalten und Rezeptionsumfang Und: Die Trennung der Medien auf technologischer Ebene wird zunehmendschwieriger (mit einem Handy kann man nicht mehr nur telefonieren)
  • Medienwahl – UaG-Ansatz Herzog (1944) untersuchte mittels Tiefeninterviews die bedürfnisbefriedigende Wirkung vonSoap-Operas von Radiohörerinnen und fand 3 Bedürfnisklassen: Emotionale Entlastung durch Ablenkung von eigenen Problemen erzielen Wunschdenken durch Identifikation mit Serienhelden und deren Lebensstil Ratschläge und Anregungen für das eigene Leben und Informationen für unbekannteSituationen erhalten Fokus auf den Rezipienten gerichtet und dessen Bedürfnisse, zu deren Befriedigung eraktiv Medien auswählt Der Nutzen-Belohnungsansatz (Uses-and-Gratifications-Ansatz; Katz, Blumler, & Gurevitch,1973) nimmt diesen Gedanken auf und postuliert, dass Menschen explizit benennbareBedürfnisse haben und Erwartungen darüber, inwieweit die Bedürfnisse durch den Konsumvon Programmen in den Medien oder durch spezifische CvK befriedigt werden können.Auf Basis der Erwartungen gegenüber einem Medium entwickeln sich konkrete Motive, einbestimmtest Medienangebot zu nutzen (oder nicht).  Medienwahl als aktives und rationales Verhalten der Rezipient*innen Modelle und Studien, die den Uses-and-Gratifications-Ansatz verfolgen,beschäftigen sich mit… (1) “…the social and psychological origins of(2) needs, which generate(3) expectations of(4) the mass media or other sources, whichlead to(5) differential patterns of media exposure (orengagement in other activities), resulting in(6) need gratifications and(7) other consequences, perhaps mostlyunintended ones.” In der Forschung zum Uses-and-Gratifications-Ansatz werden Probanden i.d.R. dazu befragt,welche Motive wie stark auf ihre Mediennutzung zutreffen (z.B. „Ich höre gerne Radio, weil esmich entspannt“).Die Forschung liefert entsprechend Motivkataloge, oft lassen sich folgende Motivenachweisen (McQuail, 1994): Informationsbedürfnis: Informationen über Ereignisse in der Welt, Ratsuche,Neugierde befriedigen, Sicherheit durch Wissen erlangen Bedürfnis nach persönlicher Identität: Bestätigung persönlicher Werte, Finden vonVerhaltensmodellen, Identifikation mit anderen, Selbstfindung Bedürfnis nach Integration und sozialer Interaktion: Zugehörigkeitsgefühl,Gesprächsstoff für soziale Interaktionen erhalten, Einblicke in die Lebensweltenanderer erhalten und Empathie entwickeln, Ersatz für reale zwischenmenschlicheBeziehungen, Kontakte mit anderen Menschen aufbauen und halten, Auslebenbestimmter sozialer Rollen Unterhaltungsbedürfnis: Flucht vor Alltagsproblemen, Entspannung, kulturelles undästhetisches Vergnügen, verfügbare Zeit mit Tätigkeit füllen, emotionale Entlastungund sexuelle Stimulation Eine weitere Differenzierung ist die Unterscheidung zwischen gesuchter Gratifikation undtatsächlich erhaltener Gratifikation im Sinne eines Erwartungs-Bewertungs-Modells Erwartungen: Medium Z besitzt bestimmte Eigenschaften und die Mediennutzung führt zubestimmten ErgebnissenBewertungen: Affektive Einstellung, die man der Eigenschaft des Mediums oder dem Ergebnisgegenüber hat  Bei Erfüllung der Erwartungen ist Wahrscheinlichkeit größer, bei gleicher Bedürfnislagein Zukunft wieder zu diesem Medium zu greifen  Adressiert den Aspekt der Medienkompetenz: Man erwirbt Wissen über die Wirkungvon Medien und kann diese somit gezielter nutzen Es gibt einige Kritikpunkte am UaG-Ansatz:  Zu stark auf das Individuum bezogener Fokus und mangelnde Berücksichtigung dessozialen Kontexts bei der Medienwahl Medienauswahl fußt ggf. nicht immer auf rationalen Entscheidungsprozessen Sind Menschen überhaupt in der Lage, die Gründe für die Nutzung eines bestimmtenMediums zu benennen und können sie angeben, welches Bedürfnis eine Medium beiihnen befriedigt? Unberücksichtigt bleiben spezifische Lebensumstände, z.B. Medienverfügbarkeit undfinanzielle Ressourcen Kaum Aussagen zur Qualität der Bedürfnisbefriedigung, z.B. können mancheMedien(inhalte) bestimmte Bedürfnisse besser befriedigen als andereMedien(inhalte) Fehlende theorienbasierte und konsistente Motivkataloge Heterogenität der Objekte, auf die sich die Motive beziehen (z.B. Fernsehen alsGanzes vs. bestimmte Genres vs. bestimmte Fernsehprogramme) Oft wird nur auf die Motive fokussiert, jedoch nicht auf deren prädiktiven Wert mitBlick auf tatsächliches Nutzungsverhalten
  • Medienwahl – Selective Exposure Ansatz Entgegen des Uses-and-Gratifications-Ansatzes geht der Selective Exposure Ansatz(Zillmann & Bryant, 1985) davon aus, dass die Wahl des Medieninhalts nicht zielreichtetund rational abläuft und sich die Rezipient*innen i.d.R. ihrer Bedürfnisse nicht bewusstsind. Es wird lediglich die Entscheidung getroffen, z.B. fernsehen zu wollen. Danach wird nachdem Ausschlussprinzip das Programm letztlich gewählt, dass die Rezipient*innenanspricht im Sinne der Herstellung eines optimalen Stimmungszustandes.Dabei gibt es auch die Tendenz, jenen Informationen den Vorzug zu geben, diebestehende Ansichten bestärken, sowie gegenläufige Informationen zu vermeiden (vgl.kognitive Dissonanz)Im Sinne eines „Kanalsurfens“ tasten sich die Rezipient*innen an das für diejeweilige Situation optimale Programmangebot heran
  • Medienwahl – Mood-Management Theorie Entsprechend der Erregungstheorien der Medienwahl, sind Rezipient*innenbestrebt, ein optimales Niveau der internen Aktivierung und Erregungaufrechtzuerhalten bzw. herzustellenMedienwahl zum Zwecke des Mood-Managements: Herstellung einesstimulierenden Gleichgewichts, d.h. erhöhte positive Gefühle und geringeaversive GefühleAnnahme: Die Stimmung der Rezipient*innen passt sich der durch das Mediumvermittelten Stimmung an Rezipient*innen suchen Medien(inhalte) mit dem Ziel des Mood-Managements auf, wobei die eigentliche Stimmungsregulationautomatisiert und weitgehend unabhängig von willentlicher Steuerungder Rezipient*innen geschieht Kritik an dieser Theorie:  Zu starker Fokus auf Rezipient*innen und zu wenig Berücksichtigung vonsozialen Kontextfaktoren Zu geringe ökologische Validität der experimentellen Studien zurÜberprüfung der Theorie, z.B. schauen sich Menschen auch traurigeFilme an „Sad Film Paradoxon“: Kann u.a. erklärt werden via Katharsis-Theorie(reinigende Wirkung), Theorie des sozialen Vergleichs (besser fühlendurch Vergleich), Terror Management Theory (indirekte statt direkteKonfrontation mit dem Thema Tod)Einführung
  • Medienwahl – Persönlichkeitsvariablen Der Einfluss von Persönlichkeitsvariablen auf die Medienwahl zum Zwecke der Unterhaltungwurde bisher stärker untersucht als der Einfluss im Rahmen der CvK.Untersucht wurden im Rahmen von Unterhaltungsmedien (u.a. Film und Musik) z.B.Extraversion, Neurotizismus und Sensation Seeking (Hall, 2005), häufiger jedochGeschlechtereffekte (Oliver et al., 2000).Bei Unsicherheitsreduktion durch Kommunikation im Rahmen der CvK z.B. reichhaltigereMedien bei stärkerem Erleben von Unsicherheit (Neurotizismus hoch)?
  • Medienwahl und interpersonale Kommunikation Nicht selten ist die konkrete Auswahl eines Mediums oder Medieninhalts Ergebnis einerzwischenmenschlichen Interaktion (z.B. entscheidet die Gruppe gemeinsam, in welchenKinofilm es geht). Individuelle Präferenzen werden der Gruppenentscheidung dannuntergeordnet  Das Konzept der interpersonalen Medienwahl betont entsprechend, dass Medienwahl einsozialer Prozess des Austauschens und Aushandelns zwischen sozialen Gruppen ist, wobeiin einer bestimmten Situation das sozial passende Medium gewählt wird. Die Passung vonMedium und Situation ist dabei kulturell vermittelt.Auch spielen hier die bereits behandelten Modelle eine Rolle:  Das Modell des sozialen Einflusses nimmt an, dass die Nützlichkeitsbewertung desMediums durch das soziale Umfeld (soziale Determinante) einen starken Einfluss (nebender personalen Determinante) auf die Medienwahl hat.  Modelle, die Medienwahl als rationalen Prozess verstehen (z.B. Media-Richness-Modell),fokussieren zwar nicht primär auf die soziale Komponente bei der Medienauswahl, aberzumindest spielen im Prozess der Überlegung, welches Medium bzgl. Reichhaltigkeitaufgabenangemessen ist (z.B. für CvK) und zur Reduktion von Mehrdeutigkeit wieUnsicherheit beträgt, nicht zuletzt auch soziale Aspekte eine Rolle, z.B. wenn es um dasAustauschen von Meinungen zu einem Thema geht oder um die Überbringung vonGeburtstagsgrüßen etc.
Anzeige