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Medien und Kommunikation (Fach) / 02 (Lektion)
- Organon-Modell (Bühler 1934) Bühlers‘ Modell gehört zur Klasse der Theorien, die Kommunikation als soziale Interaktionmodellieren Kommunikation läuft nach Bühler in folgender Sequenz ab:1. Der Sprecher nimmt einen Reiz wahr und dieser bewirkt, dass…2. …der Sprecher ein Reaktionsprodukt erzeugt, welcher als Zwischenreiz dient3. Der Hörer wird vom Zwischenreiz angeregt, seine Aufmerksamkeit auf denselbenReiz auszurichten Zentral in Bühlers‘ Modell ist der Begriff des „Zeichens“ Órganon ´Werkzeug´ Sprache als Werkzeug, mit dem „einer – dem anderen – überDinge – etwas mitteilt Die folgende Abb. stellt das Organon-Modell der Sprache dar: Das sprachliche Zeichen ist Symptom,da es von der Innerlichkeit des Senders abhängt, die es ausdrückt Das sprachliche Zeichen ist Signal,da es an den Empfänger appelliert(und dessen äußeres und inneresVerhalten steuert) Das sprachliche Zeichen ist Symbol,da es sich auf Gegenstände und Sachverhaltebezieht (Darstellungsfunktion der Sprache) In der Regel sind in einer Kommunikationssituationalle drei Funktionen vorhanden.Eine wird aber immer als dominantangesehen – z.B. die Appellfunktionin der Werbung Von hoher Bedeutung sind auch die zwei Eigenschaften des Zeichens: Das Dreieck (Zeichen) umschließt zum Einen weniger als der Kreis (Schallphänomen),denn bei der Entschlüsselung von Zeichen durch den Adressaten werden von diesembedeutungsirrelevante Aspekte weggelassen (Prinzip der abstraktiven Relevanz)Zum anderen geht das Dreieck über den Kreis hinaus, da manch Bedeutungsrelevantesergänzt wird (apperzeptive Ergänzung; Apperzeption = Bewusste Wahrnehmung vonSinneseindrücken). Schallphänomen: Nicht alle Schallwellen (d.h. Laute),die beim Aussprechen einer Äußerung auftreten,sind semiotisch relevant. Manche Teile sind irrelevantund das Ausblenden dieser ist eine Verstehensleistungdes Hörers.Das Zeichen kann aber auch defizient sein(z.B. wird der Appell, der nur implizit in einer Aussagesteckt, vom Empfänger „apperzeptiv“ ergänzt) Einschub: Zeichen Zeichen sind allgemein definiert als sinnlich wahrnehmbare Erscheinungen, denen eineBedeutung zugeordnet wird Zeichen werden nicht unbedingt von allen geteilt Zeichen sind nicht selten mehrdeutig
- Semiotik (Morris, 1938) Dimensionen sprachlicher Zeichen Semantik = adressiert die Bedeutung von ZeichenPragmatik = adressiert die Beziehung zwischen Zeichen und ihren Benutzern (Sender undEmpfänger); z.B. Aufforderungscharakter einer AussageSyntax = betrifft Regeln und Beziehungen der Zeichen untereinander Die pragmatische Dimension wird heute oft in den Mittelpunkt von Kommunikationgestellt Die Bedeutung einer Äußerung erschließt sich erst dann gänzlich, wenn man erkennt, wasder Sprecher mit sprachlichen Zeichen tut, wozu er sie benutzt Sprachakt (Langshaw, 1962): Was „tun“ wir mit Worten?u.a.: Bitten Fragen Auffordern Befehlen Drohen Entschuldigen Sprechakte können auch implizit formuliert sein:„Könnten Sie mich bitte vorlassen?“ „Ja“ (Es ist grammatikalisch eine Frage, jedochpragmatisch eine Aufforderung)
- Systemisch-interaktionaler Ansatz (Watzlawick, Beavin & Jackson, 1967) Nicht das einzelne Familienmitglied hat ein Problem (z.B. Drogenkonsum des Sohnes),sondern es existiert ein dysfunktionales Muster innerhalb des Systems Familie Die betroffene Person (Sohn) wird lediglich als Symptomträger angesehen für einegestörte Kommunikation im Gesamtsystem (Familie) Keine linearen Kausalitätsabläufe, vielmehr zirkulär via Rückkopplungen ( Kybernetik) Homöostasis bedeutet, dass sich das System hinsichtlich der in ihm wirkenden Kräfte (z.B.Familienmitglieder) im Gleichgewicht befindet Auffälligkeiten bei einem Systemelement (z.B. Sohn) sind unerwünschte Formen einerHomöostasis Ziel: Aufbrechen des Status Quo durch kleine Veränderungen (Gesamtsystem muss sichneu ordnen) Zentral für diesen Ansatz ist ein Kommunikationsmodell mit dem Fokus auf Pragmatik 5 Axiome 1. Axiom: Man kann nicht nicht kommunizieren!Sobald sich zwei Personen gegenseitig wahrnehmen, kommunizieren siemiteinander. Nach Watzlawick ist jedes Verhalten Kommunikation. Da es keinGegenteil von Verhalten gibt, ist es auch unmöglich, nicht zu kommunizieren. 2. Axiom: Jede Kommunikation hat einen Inhalts- und einen Beziehungsaspekt, wobeiletzterer den ersten bestimmt. Inhalt: Was gesagt wirdBeziehung: Wie etwas gesagt wird (Metakommunikation)Es gibt keine rein informative Kommunikation!Kommunikation gelingt, wenn bei beiden Interaktionspartnern Einigkeitüber Inhalt und Beziehung in der Kommunikation besteht.Es kann zu gestörter Kommunikation kommen, wenn eine negativeBeziehung auf der Inhaltsebene ausgetragen wird. Bsp.: In einer Talk-Show wertet ein Politiker die Argumente des anderenPolitikers deshalb ab, weil er mit ihm im Wettkampf um Wählerstimmensteht. 3. Axiom: Die Natur einer Beziehung ist durch die Interpunktion der Kommunikationsabläufeseitens der Partner bedingt Jeder Kommunikant strukturiert den Kommunikationsprozess, indem erihn in Verhaltenssequenzen bzw. Ereignisfolgen gliedert (interpunktiert),d.h. Kommunikation ist immer Ursache und Wirkung Quelle vieler Beziehungsprobleme: Jeder Partner macht das Verhaltendes anderen für sein eigenes verantwortlich 4. Axiom: Menschliche Kommunikation bedient sich analoger und digitaler Modalitäten Digitale Codes über das gesprochene Wort beziehen sich auf alles, was manbenennen kann, z.B. „Ich bin verärgert“. Informationen auf der Inhaltsebene(Axiom 2) werden also digital vermittelt (in Anlehnung an das Prinzip einesComputers „digital“). Diese Codes haben eine vielseitige und logische Syntax. Analoge Codes dienen der sprachfreien, nonverbalen Übermittlung vonBedeutung und emotionalen Färbungen (z.B. durch Bilder, Mimik, Gestik)und sind mehrdeutig. Informationen auf der Beziehungsebene (Axiom 2)werden also vorwiegend analog vermittelt. Digitale und analoge Codes bei einer Person müssen zueinander passen(man sagt „ja“ und nickt mit dem Kopf statt ihn zu schütteln), sonst kommtes zu unterschiedlichen Interpretationen und Unklarheiten. 5. Axiom: Kommunikation ist symmetrisch oder komplementär Symmetrisch: Gleichwertige BeziehungKomplementär: Ungleiche Beziehung In komplementären Beziehungen ergänzen sich unterschiedlicheVerhaltensweisen und bestimmten den Interaktionsprozess (hier hatmeistens einer der beiden die Oberhand, z.B. Mutter-Kind-Beziehung).Es geht nicht um „stark vs. schwach“ oder „gut vs. schlecht“, sondern beidePartner ergänzen sich. In symmetrischen Beziehungen bemühen sich beide Partner, Ungleichheitenuntereinander zu minimieren (Streben nach Gleichheit). Eine Kommunikationsstörung kann aufkommen, wenn es zu einer symmetrischen Eskalation kommt , d.h. jeder versucht, den anderenauszustechen d.h. eine „Ich-bin-der-Boss-Haltung“ (Bsp.: Wettrüsten vonNationen) Komplementären Eskalation, bei der eine Partei immer mehr nachgibt,während die andere immer weitere Forderungen stellt (Bsp.:Nachgiebigkeit erzeugt weitere Forderungen)
- Vier-Seiten-Modell der Kommunikation (von Thun, 1981) S. von Thun verknüpft die Funktionen der Sprache aus dem Organon-Modell (Bühler,1934) mit dem Beziehungsaspekt der Kommunikation von Watzlawick et al. (1967) Er postuliert, dass jede Mitteilung eine Einheit mit vier gleichzeitigen Botschaften darstellt die 4 Seiten einer Nachricht vom Sender zum Empfänger 1. Sachebene 2. Appellseite 3. Beziehungsebene 4. Selbstkundgabe Kommunikationsstörungen können auftreten, wenn die Kommunikationspartner einseitigkommunizieren d.h. aus jeder Aussage einen Appell heraushören wollen oder beiInkongruenz bzgl. der fokussierten Ebene (Sachaussage vs. beziehungsbezogene Nachricht)
- Symbolischer Interaktionismus (Mead, 1934) Menschen leben nicht nur in einer natürlichen Umwelt, sondern auch in einer Welt vonSymbolen. Diese Symbole repräsentieren für den Menschen die subjektive WirklichkeitDer symbolische Interaktionismus basiert auf demGrundgedanken, dass die Bedeutung von sozialenObjekten, Situationen und Beziehungen im symbolisch vermittelten Prozess der Kommunikation hervorgebracht wird.3 Grundprinzipien (nach Herbert Blumer): 1. Bedeutung (meaning)2. Sprache (language)3. Denken (thought) 1. Prinzip: Bedeutung Menschen verhalten sich gegenüber anderen Menschen und Dingen auf der Grundlage derBedeutungen, die sie diesen zuschreiben. 2. Prinzip: Sprache Die Bedeutung von Menschen und Dingen entsteht in sozialen Interaktionen miteinander.Bedeutung ist kein inhärentes Merkmal von Objekten, sie ist ihnen nicht von Natur ausgegeben.Erst durch den Gebrauch von Sprache (Symbolen) entsteht Bedeutung Symbolischer Interaktionismus Die Benennung und Verwendung von Symbolen ist die Grundlage der menschlichenGesellschaft Das Ausmaß des Wissens entspricht dem Ausmaß, in dem man Dinge benennt/benennenkann (Symbole zur Bezeichnung verwendet) 3. Prinzip: Denken (oder auch „minding“) Die Bedeutung der Symbole für das Individuum wird durch einen individuellen Denkprozessverändert/angepasst, bei dem sich das Individuum mit den Symbolen auseinandersetzt. Denken meint eine reflexive Pause (2 Sekunden?) Denken findet statt durch Verwendung von Sprache (sonst wäre innere Reflexion derDinge nicht möglich) Unter Denken versteht man einen internen Dialog, um den nächstenKommunikationsschritt zu proben, Alternativen zu testen, Reaktionen des Gegenübers zuantizipieren Selbst-Konzept Das Selbst-Konzept eines Individuums entsteht im symbolischen Prozess der Interaktion, esist eine Funktion der Sprache Das Selbstkonzept entwickelt sich aus einer ständigen Reflexion zwischen dem „I“(personales Selbst) und dem „me“ (soziales Selbst) „I“ = spontan, aktiv und subjektiv.Das „I“ stellt eine Reaktion auf die Haltung anderer gegenüber der eigenen Persondar. „me“ = stabiles Selbst-Konzept, das sich über die Zeit entwickelt.Das „me“ ist die verinnerlichte Vorstellung dessen, was die anderen von demIndividuum erwarten. Ohne Sprache könnte man kein Selbst-Konzept entwickeln (siehe Tiere) Das Selbst und die Gesellschaft Das „me“ ist ein generalisierter Anderer, zusammengesetzt aus den Reaktionen der anderenauf das Selbst Daher ist das Selbst eine Reflexion der Gemeinschaft, in der das Individuum sozialisiertwurde. Es ist sprichwörtlich die „organisierte Gemeinschaft/Gesellschaft innerhalb desIndividuums“. Anwendung Sich Selbst-erfüllende Prophezeiung: Die Tendenz, aufgrund von eigenen Erwartungen andas Verhalten (die Reaktionen) von anderen genau dieses erwartete Verhalten durch daseigene zu erzwingen. Beschimpfungen, z.B. „Idiot!“, Blödmann!“ sind verletzend, doch gleichsam ist es schwer,das von sich abzuschütteln ( „me“) Kritik vage Theorie mit weit reichenden Anwendungen zeigt wie Kommunikation das Selbst und die soziale Welt entwickelt überschätzt die Unterschiede zwischen Menschen und Tieren? unterschätzt den Einfluss genetischer Faktoren? empirische Überprüfung schwierig weit verbreitet und benutzt, um die Gesellschaft zu interpretieren spielt die Rolle von Individualismus und persönlicher Verantwortlichkeit herunter
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