Geschichte (Fach) / VL 5 (Lektion)

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Jahrhundert der SALIER

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  • Konrad II Der erste Salier sah sich selbst in der Tradition Karls des Großen. Als Zeichen seiner unangefochtenen Herrschaft im Reich bestieg Konrad II. während seines Besuchs in der Pfalzkapelle den Thron seines legendären Vorgängers. In Speyer beauftragte er einen Baumeister, einen Dom zu errichten. Die Kathedrale sollte damals die größte Kirche der Christenheit werden. Konrad II. bestimmte sie zur Grablege für sich und seine Nachfolger. Die Krypta ist der einzige Teil des Doms, den er zu seinen Lebzeiten noch gesehen hat. Wenige Monate später machte Konrad II. sich wieder auf den Weg. Er zog mit seiner Gefolgschaft nach Italien, das zum Reich dazugehörte. In Oberitalien bei Ravenna wurde er in einen Aufstand verwickelt, den er blutig niederschlagen musste. Erst seine Demonstration der Härte machte das Land gefügig. Konrads eigentliches Ziel war Rom. Hier erhielt er die höchsten Weihen, die ein Herrscher aus dem deutschen Reich erlangen konnte. Im März 1027 fand die Kaiserkrönung in Rom statt. Nur wenig später bot sich Konrad II. eine weitere Gelegenheit, das Territorium des Reiches zu erweitern. Der burgundische König starb ohne Nachkommen. Konrad II. ritt nach Burgund und griff nach der burgundischen Krone.
  • Heinrich II  Königsgedanken bis zur Blasphemie. Heinrich III. war davon überzeugt, selber Christus zu sein und wollte auch wie Christus regieren. Probleme und Zwistigkeiten im Reich glaubte er damit zu lösen, dass er den Frieden von oben herab anordnete. Seine Herrschaft nahm theokratische Züge an. -> Wut der Fürsten heraufbeschworen-> Mordpakt aber klappte nicht _Er sah den Papst als seinen zweiten Mann an  Erste Konflikte zwischen König und Kirche bahnten sich auf der Synode von Sutri an. Heinrich III. drang darauf, dass der Bamberger Bischof Suidger als Papst inthronisiert wurde. Schließlich wurde der amtierende Papst Benedikt IX. förmlich abgesetzt und der Wunschkandidat Heinrichs III. zum neuen Papst Clemens II. gewählt. Unmittelbar im Anschluss daran setzte der neue Papst Heinrich III. und seiner Gemahlin Agnes die Kaiserkrone aufs Haupt.
  • Heinrich IV Streit wird fortgeführt zwischen ihm und der Kirche, wer das wahre Oberhaupt ist  Auslöser des Streits war die Besetzung des Erzbischofstuhls in Mailand. Als Heinrich IV. sich weigerte, den päpstlichen Kandidaten anzuerkennen, wurde er vom Papst gebannt. Im Winter 1076/77 musste er unter den härtesten Bedingungen über die Alpenziehen. Im Büßerhemd bat er um Absolution. Heinrichs Widersacher im Reich und in Rom verstummten aber auch danach nicht. GANG NACH CANOSSA Die päpstlichen Nachfolger Gregors VII. belegten Heinrich IV. wieder mit dem Bann. Um das Jahr 1100 schauten die Menschen auf einen jahrzehntelangen Bürgerkrieg zurück. Die meisten Bewohner kannten überhaupt nur Kriegszeiten. Im alten Kaiser erkannte die junge Fürstengeneration den Hauptgrund, dass sich der Konflikt nicht beilegen lasse. Sie überzeugten seinen Sohn, den späteren Heinrich V., durch eine List seinen Vater abzusetzen. Der alte König wurde gezwungen, die Reichsinsignien herauszugeben. Ein halbes Jahr nach dieser Demütigung, im August 1106, starb Heinrich IV. in Lüttich und wurde erst fünf Jahre später nach Aufhebung seines Bannes post mortem in Speyer beigesetzt.
  • Gang nach Canossa Als Gang nach Canossa bezeichnet man den Bitt- und Bußgang König Heinrichs IV. von Dezember 1076 bis Januar 1077 zu Papst Gregor VII. zur Burg Canossa, wo dieser als Gast der Markgräfin Mathilde von Tuszien verweilte. Dies war notwendig geworden, nachdem Heinrich IV. im Zuge des Investiturstreits exkommuniziert worden war. Er soll drei Tage lang kniend um Einlass gefleht haben.
  • investiturstreit Der Investiturstreit (lateinisch investitura, einkleiden) war der Höhepunkt eines politischen Konflikts im mittelalterlichen Europa zwischen geistlicher (imperium sacerdotium) und weltlicher Macht (imperium regnum) um die Amtseinsetzung von Geistlichendurch die weltliche Macht. Als Zeit des Investiturstreits gelten für gewöhnlich die Jahre ab 1076 (Hoftag in Worms) bis zur Kompromisslösung des Wormser Konkordates im Jahr 1122. Die kirchliche Reformbewegung sah in der Simonie – dem Kauf oder Verkauf kirchlicher Ämter, Pfründen, Sakramente, Reliquien oder Ähnlichem – das Grundübel der Zeit, da sich einerseits die Praxis stark gegen biblische Interpretationen wandte und sich andererseits durch die Abschaffung der Simonie eine engere Bindung an Rom ergäbe. Von vielen Synoden wurde wiederholt gefordert, dass Kleriker auf keinen Fall von Laien Kirchenstellen annehmen sollten, weder für Geld noch geschenkt. Das Hauptaugenmerk lag dabei auf der Abschaffung simonistischer Abhängigkeiten der Kirche von Laien als auch von Klerikern.
  • Hoftag in Worms Im Dezember 1075 richtet Gregor ein Schreiben an Heinrich, in dem er ihn dringlichst ermahnt, die Bischofsernennungen, die er in der Folge des Mailänder Bischofsstreits ausgesprochen hatte, zurückzunehmen.[1] Er erinnerte ihn an seine Gehorsamspflicht eines christlichen Königs gegenüber dem Papst. Anderenfalls drohte er ihm mit dem Kirchenbann. Als Reaktion auf dieses Schreiben berief Heinrich noch in Goslar, wo er in diesem Jahr das Weihnachtsfest beging, für den kommenden Januar eine Reichsversammlung ein. Neben einem Brief der Bischöfe, in dem sie dem Papst den Gehorsam aufkündigten, ließ Heinrich durch Gottschalk von Aachen sein berühmtes Schreiben Descende, descende verfassen, in dem er den Papst zum Zurücktreten auffordert:
  • Wormser Konkordat Das Wormser Konkordat (erstmals von Gottfried Wilhelm Leibniz 1693 so bezeichnet), auch als Pactum Calixtinum sive Heinricianum bezeichnet, ist ein am 23. September 1122 in Worms öffentlich ausgetauschtes Konkordat zwischen dem römisch-deutschen Kaiser Heinrich V. und Papst Calixt II., mit dem der Investiturstreit beigelegt wurde. Die Kompromisslösung des Wormser Konkordats geht unter anderem auf Ivo von Chartres zurück, der jedoch den Abschluss nicht mehr selbst erlebt hat. Das Original der kaiserlichen Ausfertigung ist noch im Vatikanischen Geheimarchiv erhalten, von der päpstlichen Gegenurkunde existieren nur Abschriften.
  • inwiefern hat sich die Sichtweise der Salier Dynastie verändert? Neues Familienbewusstsein: Betonung der agnatischen Linie* löst älteres ‚Sippendenken‘ abfrüher: ‚Große‘ (maiores natu) erkennbar an ererbtem reichem Besitz – Herrschaftsfunktionen – berühmten Ahnen von Mutter- und Vaterseitenun: agnatische Abstammung wird entscheidend für Position unter den Ersten der Gesellschaft →  Weitergabe der Herrschaft vom Vater auf nur einen (i. d. R. den ältesten) Sohn→  neue Beständigkeit: Hauptbesitz beim jeweiligen Hauptvertreter der Familie, darauf Stammburg und Hauskloster-  Herkunftsbezeichnungen von der Stammburg als Vorläufer der späteren Familiennamen-  Entstehung von Familiengrablegen (z.B. Gräberfeld in der Krypta des Speyrer Domes für die Sa- lier)
  • Tendenz zur Konzentration adeliger Herrschaft Tendenz zur Konzentration adeliger Herrschaft -  Hausklöster mit Familiengrablegen-  Höhenburgen als neue Wohnsitze des Adels Funktionen- militär. Befestigung - Herrschaftssicherung -  Repräsentation adeliger Lebensführung-  Stammburg als Bezugspunkt der Personenbenennung („Herr von ...“)
  • • Landesausbau • Landesausbau = Bestreben nach Herrschaftskonzentration durch Kauf, Tausch, Erheiratung, Lehns- nahme aneinandergrenzender Gebiete- Erwerb möglichst aller Herrschaftsrechte in diesem Gebiet, d.h. der Gerichtsrechte, Markt-,Münz-, Zollrechte, Straßenbau- und Geleitsrechte, Befestigungsrechte, Klostervogteien usw.→ neben Personenverbänden werden auch Territorien relevant für den Herrschaftsaufbau
  • Bauboom der salierzeit Bauboom der Zeit: es entstehen -  romanische Kathedralen (Um- und Neubauten)-  (Stadt)klöster,-  erste städtische Steinhäuser- Bischofspfalzen- steinerne Brücken, - Burgen• Landesausbau = Bestreben nach Herrschaftskonzentration durch Kauf, Tausch, Erheiratung, Lehns- nahme aneinandergrenzender Gebiete- Erwerb möglichst aller Herrschaftsrechte in diesem Gebiet, d.h. der Gerichtsrechte, Markt-,Münz-, Zollrechte, Straßenbau- und Geleitsrechte, Befestigungsrechte, Klostervogteien usw.→ neben Personenverbänden werden auch Territorien relevant für den Herrschaftsaufbau[Die salische Neuerung ‚Ministeriale’ ~ unfreier, im späten 12. Jh. aber dennoch oft schon 'adeliger' Dienstmann (Verwaltungs/Verteidigungsspezialist) wird an anderer Stelle behandelt]
  • Sakralkönigtum ●  Selbstsicht der salischen Könige: Sakralkönigtum: Der König als -  vicarius Christi-  gottgewollter Wahrer der Ordnung-  Mittler zwischen Gott und den Menschen
  • Die Synode von Sutri ●  Die Synode von Sutri 1046 als Ausgangspunkt der Kirchenreform-  Papstamt als Zankapfel römischer Adelsfamilien. Diese lancieren zwischen 1003 und 1046 zehn mehr oder weniger geeignete Päpste.-  Befremdliche Feststellung König Heinrichs III. auf seiner Reise zur Kaiserkrönung nach Rom 1046: Es leben in Rom drei Päpste – ein amtierender und zwei zurückgetretene → Problem 1: Krönung durch ungültig Amtierenden entwertet das Kaisertum → Problem 2: Leitung durch Unwürdige erniedrigt die Kirche-  Die von dem defensor ecclesiae Heinrich III. einberufene Synode von Sutri und Rom setzt im De- zember 1046 alle drei Päpste ab.
  • Folgen der Synode von Sturm Nach der Synode von Sutri verhilft Kaiser Heinrich III. als patricius Romanorum nacheinander vier deutschen ‚Reformpäpsten‘ zum Amt1. Clemens II. (1046-1047), Bischof von Bamberg 2. Damasus II. (1048), zuvor Bf. von Brixen3. LeoIX.(1049-1054),zuvorBf.vonToul 4.VictorII.(1055-1057),zuvorBf.vonEichstätt Folgen -  Papstamt der V erfügung römischer Familien entrissen-  Der Papst ist ein Reichsbischof und Mitglied der Reichskirche → enge Kooperation mit dem Kaiser-  Die vier deutschen Päpste – und danach ihre italienischen Nachfolger – propagieren die Ideen der ‚Kirchenreform‘ in Rom und fördern ihre Umsetzung in ganz Europa
  • ●  Grundziel der Kirchenreform: libertas ecclesiae = Freiheit der Kirche von weltlichen Einflüssen und Abhängigkeiten. Daher: -  Klosterreform: Rückkehr der Mönche zum einfachen, gottzentrierten Leben-  Kampf gegen den Nikolaitismus (d.h. die Priesterehe)-  Kampf gegen die Simonie (d.h. den Ämterkauf und die Verleihung geistlicher Ämter durch Laien)-  Durchsetzung des Lehr- und Jurisdiktionsprimates des Bischofs von Rom.
  • Gregor vii Gregor VII. (1073-1085) beansprucht für den ‚Bischof von Rom’ alias Papst den Primat = die höchste Autorität in Sachen des Glaubens, der Moral und der kirchlichen Verwaltung.-  Basis dieser Überzeugung: Er sieht sich als direkten Nachfolger des Apostels Petrus und als dessen Stellvertreter auf Erden. Biblische Grundlage für dessen Position Knappe Äußerungen Gregors zur Rolle der römischen Kirche und ihres Bischofs im ‚Dictatus papae’von 1075 [Vgl. den Gesamttext im Reader S. 52] -  Die römische Kirche wurde vom Herrn allein gegründet (1).-  Sie ist niemals in Irrtum verfallen ... (22).-  Wer sich nicht in Übereinstimmung mit der römischen Kirche befindet, gilt nicht als katholisch (26).-  Der römische Bischof wird mit Recht 'allgemein' genannt (2).-  Kein Rechtssatz und kein Buch gilt ohne seine Autorisation für kanonisch (17) = Lehrprimat-  Sein Urteilsspruch darf von niemandem widerrufen werden; er selbst aber kann die Urteile aller widerrufen (18) = Jurisdiktionsprimat-  Der Papst darf von niemandem gerichtet werden (19).Äußerungen des ‚Dictatus papae’ zu weltlichen Befugnissen des Papstes -  Dass er allein die kaiserlichen Herrschaftszeichen verwenden kann (8).-  Dass es ihm erlaubt ist, Kaiser abzusetzen (12).-  Dass er Untergebene vom Treueid gegenüber Sündern lösen kann (27).
  • ● Langfristige Folgen des Schlagabtausches in der ersten Phase des Investiturstreites ● Langfristige Folgen des Schlagabtausches in der ersten Phase des Investiturstreites -  Etappensieg des Papsttums im Streit um die Hierarchisierung der beiden Gewalten-  Durchsetzung der Jurisdiktionshoheit des Papstes innerhalb der Kirche und fallweise auch ‚in der Welt’-  Gegenkönigswahlen 1077 und 1081: nicht Verwandtschaft, sondern ‚Eignung‘ (idoneitas) als Kriterium für einen Herrscher