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Einführung Politikwissenschaft (Fach) / Politische Ideengeschichte - "Revolutionäre Gedanken" (Lektion)
6. November 2018
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- Was unterscheidet Wissenschaftstheorie, normative politische Theorie, empirisch-analytische Theorie, Ideengeschichte und politische Philiosophie? Wissenschaftstheorie: Lehre von den Voraussetzungen, Methoden und Zielen von Wissenschaft sowie den zulässigen und unzulässigen Formen der Erkenntnisgewinnung Theorien: Systeme von Begriffen, Definitionen und Aussagen, die dazu dienen sollen, die Erkenntnisse über einen Bereich von Sachverhalten zu ordnen, Tatbestände zu erklären und vorherzusagem Normative politische Theorie: Begründung und Beschreibung von "Soll-Zuständen" des Politischen Empirisch-analytische (positive) Politische Theorie: Beantwortung von Ist- und Warum-Fragen Politische Ideengeschichte: "Archiv der Politikwissenschaft" (Münkler 2003) Wie haben sich politische Ideen entwickelt ? Politische Philosophie: ist der Versuch, Meinungen über das politische "Ganze" gegen Erkenntnisse des selben zu tauschen (leo Strauss) -Teilbereich der Politikwissenschaft, der sich mit der philosophischen Lehre aus Vergangenheit und Gegenwart beschäftigt -normative oder politische Ordnungswissenschaft -kommt nicht ohne politische Ideengeschichte aus
- Wie betreiben wir die Politische Ideengeschichte? 3 unterschiedliche Herangehensweisen in der politikwissenschaftlichen Beschäftigung mit der politischen Ideengeschichte und Philosophie (Druwe 1993) - die normativ-ontologische - die kritisch-dialektische - die analytisch-rekonstruktive Methode
- Moderne politische Theorie Hauptanliegen und Ziel dieser Theorie liegt daran, eine präzise Erfassung politischer und sozialer Phänomene zu ermöglichen und mit Hilfe empirischer Theorien zu erklären, weshalb bestimmte Phänomene auftreten, wie sie beschaffen sind und wie sie sich weiter entwickeln werden
- Vertreter der Politischen Ideengeschichte - Hobbes 1588-1679 - Ideenlehre: Realismus - Schwerpunkte: Naturzustand und Sozialvertrage - Naturzustand ist ein hypothetischer Zustand (Krieg aller gegen alle) - Menschen sind rationale Wesen, die ihre Macht maximieren wollen und aus Eigeninteresse handeln (Selbsterhaltung) - Problem des kollektiven Handelns: Individuen trauen einandern nicht genug, um die Waffen niederzulegen - Lösung: Übertragung der Macht an eine dritte Partei mittels eines Sozialvertrags - Aufgabe des Souveräns ist dem Bürger Schutz zu gewähren, Bürger geben individuelle Freiheit auf und ordnen sich dem Souverän über - Sozialvertrag wird überflüssig, wenn Souverän nicht für Stabilität und Frieden sorgen kann
- Vertreter der Politischen Ideengeschichte - Rousseau 1712-1778 - Ideenlehre: Republikanismus - Schwerpunkt: der allgemeine Wille - Systematische Unterscheidung zwischen Gesellschaft und Politik: Gesellschaft wird durch politische Institutionen geformt und kann durch politisches Handeln zum Besseren verändert werden - Mensch ausgelöst von der Gesellschaft und geprägt durch eine natürliche Selbstliebe und dem Wunsch nach Selbsterhaltung; das Leben in bürgerlicher Gesellschaft (die Besitzenden) beendet diesen Naturzustand (Leben in Unschuld) - Gesellschaftvertrag als positiver Impuls, um eine souverände Macht in der Gesellschaft entstehen zu lassen - ohne Aufgabe der individuellen Freiheit - Freiheit und Gleichheit als eine Einheit - Volkssouveränität ist nicht direkte Beteiligung der Bürger an der Demokratie: Souveränität sollte in Volksversammlungen/allgemeiner Wille ausgeübt werden und die Regierungsaufgabe an eine Exekutive/Einzelwille übertragen (sonst droht Korruption und Bürgerkrieg) - Problem: Was ist der allgemeine Wille? Minderheitenschutz? - Rousseau als Aushängeschild der Franösischen Revolution
- Vertreter der Politischen Ideengeschichte - Burke 1729-1797 - Ideenlehre: Konservatismus - Schwerpunkt: die politische Tradition - "Reflections on the Revolution in France" (1790): direkte Auseinandersetzung mit der frz. Revolution; Leidenschaft des Einzelnen darf nicht das politische Urteilsvermögen trüben - Regierung entspricht einem Organismus mit Vergangenheit (und Zukunft), weshalb ihre Ausrichtung nicht grundlegend verändert werden kann; Prägung von Stabilität und Inkrementalismus; Erbe, das sicher in die Zukunft gebracht werden muss - Aufgabe der Regierung: zwischen den Bedürfnissen der Menschen vermitteln - Leben in einer freien gerechten Gesellschaft ohne Chaos, nur dann wenn sie das Recht aufgeben über viele Dinge bestimmen zu wollen - Glaube an Überlieferung, Gewohnheit und ererbtes Eigentum - somit Fortbestehen von Ungleichheiten
- Vertreter der Politischen Ideengeschichte - Wollstonecraft 1759-1797 - Ideenlehre: Feminismus - Schwerpunkt: die Emanzipation der Frau - Adressiert eine Lücke in der politisch-philosophischen Auseiandersetzung im Zuge der Franzöischen Revolution: die Rechte der Frauen - nichtmal Rousseau betrachtete Frauen als gleichberechtigt - im Zentrum ihrer Überlegungen stehen die "ehrbare" Frau, die darauf verzichtet, ihre Reize einzusetzen, um auf diese Weise durche eine Ehe finanzielle Sicherheit zu erwerben - Frauen sollten die Freiheit haben, ihren Lebensunterhalt selbst zu verdienen, worfür sie auch in den Genuss einer Ausbildung kommen sollten; Forderung im Kern: Bildungsreform
- Vertreter der Politischen Ideengeschichte - Bolivar 1783-1830 - Ideenlehre: Liberaler Republikanismus - Schwerpunkt: revolutionäre Kriegsführung - Ausgangspunkt: Kleine Republiken vs. Große Reiche - Überlegungen nach Napoleons Einmarsch in Spanien wie groß ein Staat sein sollte, um gut regierbar zu sein - wenn ein Staat zu groß geworden ist, geht er unter bzw. kann seine Aufgaben nicht mehr wahrnehmen und es kommt zur Tyrannei
- Vertreter der Politischen Ideengeschichte - Hegel 1770-1831 - Ideenlehre: Idealsimus - Schwerpunkt: Menschliches Bewusstsein - Ausganspunkt: Wie sieht der denkende Mensch die Welt? - Entwicklung des Menschen nur möglich, wenn er die Rekaktion eines anderen Bewusstseins erlebt; es geht Individuen um Bestätigung und Anerkennung - Für die Stabilisierung einer Gesellschaft muss eine Beziehung zwischen einer Person (Herr), der die Freiheit mehr schätzt und einer Person (Knecht), der das Leben mehr schätzt - Sklaven sind Sklaven, weil sie es vorziehen, sich zu unterwerfen anstatt zu sterben; nur wenn man sein Leben riskiert, kann die Freiheit gewinnen - nicht wörtlich, aber es geht um den Kampf um die Vorherrschaft zwischen Geistwesen - dialektische Beziehung: These (die Geistwesen) und Antithese (das Ergebis der Begegnung zwischen den Geistwesen) führen zur Synthese (Lösung) - mit der Synthese geht es nur noch um das Selbstbewusstsein des Herrn und es kommt zu einer neuen dialektischen Beziehung - Herr dann schwächere Position, weil er auf die Existenz des Knechtes angewiesen ist - durch reale Arbeit des Knechts, wird seine Existenz bestätigt und er erlangt Selbstbewusstsein; Rollentausch: Herr verschwindet als unabhängiges Geistwesen, während der Knecht eines wird - menschliche Existenz ist ein endloser Kampf um Anerkennung bis in den Tod - Furcht Menschen zu Sklaven zu machen - Was sind Machtverhältnisse ? Ist das nicht realitätsfern ?
- Aktuelle Relevanz Hobbes: Staaten trauen anderen Staaten nicht und verweigern die Kooperation (Ausstieg der USA aus dem Atomabkommen mit dem Iran) Rousseau: Erstarken (rechts-)populistischer Parteien, die typischerweise mehr Beteiligungsrecht für die Bürgerschaft fordern Burke: Forderung von Emmanuel Macron: Europa neu gründen Wollstonecraft: Die Frage nach gerechter Bildung Bolivar: Die Unabhängigkeitsbewegung in Katalonien und anderswo in Europa Hegel: Verhältnis zwischen Russland und Nachbarländern
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