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Organisationspsychologir (Fach) / 08 Thema 3: Sozialisation (Lektion)
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- Definition: Organisationale Sozialisation Prozess der Vermittlung von Wissen, Fertigkeiten und Kenntnissen, Regeln, Normen, Rollenerwartungen und Werten von Organisationen an Individuen Organisation als Akteur – was tun Organisationen um ihre Mitarbeiter zu sozialisieren? Vermittlung von Organisation AN Individuum, nicht umgekehrt => Individuum passiv Das meiste an Sozialisation passiert in den ersten 6 Monaten Bei Führungskräften bis zu 2 Jahre
- Sozialisationsbereiche (Items) Wie wird Sozialisations-‐Erfolg gemessen? Inhaltsbereiche nach Chao et al. (1994) Bewältigung der Arbeitsaufgabenzb. „Ich weiß, welche Aufgaben zu meiner Position gehören“Menschen / Kontaktezb. „In meiner Arbeitsgruppe gehöre ich dazu“ Informell Politischeszb. „Ich weiß nicht, was ich tun muss, um die angenehmen Arbeiten zugewiesen zu bekommen“ Sprachezb. „Nicht immer verstehe ich verwendete Abkürzungen“ Ziele und Werte der Organisation kennen und vertretenzb. „Ich kann nicht alle Werte der Organisation vertreten“ Geschichte / Hintergrundzb. „Ich kenne die Tradition dieser Organisation“ Sozialisations-‐Ebenen nach Haueter et al. (2003) Aufgabe Arbeitsgruppe Organisation Aufgabe der Sozialisation: Wissen über diese drei Ebenen erlernen
- Sozialisationstaktiken 1. Kontexttaktiken Wo findet Sozialisation statt? In welchem Kontext? Formal: Das Ausmaß, in dem das Umfeld in dem sozialisiert wird, vom üblichen Arbeitskontext getrennt ist Der Umfang in dem die Rolle als Neuling hervorgehoben und explizit gemacht wird Beispiel: Lehrlingswerkstatt (formal und abgesondert) vs. Informell Ausmaß, in dem es keine genaue Differenzierung von anderen Organisationsmitgliedern gibt Ausmaß, in dem Lernen innerhalb der arbeitsalltäglichen sozialen und aufgabenbezogenen Netzwerke stattfinden Bsp. kl. Betrieb, Lehrling geht einfach mit Kollektiv Ausmaß, in dem Individuen kollektiv sozialisiert werden In einer Art „Massenproduktion“ Beispiel: Police Academy vs. Individuell Ausmaß, in dem Individuen einzeln (individuell) sozialisiert werden
- Sozialisationstaktiken 2. Inhaltstaktiken Wie findet inhaltlich Sozialisation statt? Zeitliche Aspekte? Sequentiell Ausmaß, in dem die Übergangsprozesse durch eine Folge diskreter und identifizierbarer Stufen gekennzeichnet sind Individuum muss diese Stufen durchlaufen um eine definierte Rolle und einen Status innerhalb der Organisation zu erreichen Beispiel: Trainee-‐Programme: Verschiedene Abteilungen durchlaufen Beispiel: Volontariate: verschiedene Redaktionen durchlaufen um an Ende dann Status des ausgebildeten Journalisten zu haben vs. Zufällig Das Ausmaß in dem die Sozialisationsprozesse in einer Übergangsphase abgeschlossen werden Keine Folge von verschiedenen Stufen Fixiert Ausmaß, in dem präzise mitgeteilt wird, wie lange es dauern wird, bis ein bestimmter Schritt abgeschlossen ist Beispiel: Trainee-‐Programm klar festgelegte Dauer von 2 Jahren, Abteilung X 2 Monate, Abteilung Y 3 Monate (Kombination fixiert und sequentiell) vs variabel Ausmaß, in dem im Voraus keine genaue Aussage zu dem Übergangszeitplan gemacht wird
- Sozialisationstaktiken 3. Soziale Taktiken Seriell Ausmaß, in dem erfahrene Organisationsmitglieder Neulinge auf ähnliche Rollen in der Organisation einstimmen Beispiel: Paten, Mentoren vs. Disjunktiv Das Ausmaß in dem Neulinge keine Vorgänger haben, in deren Fußstapfen sie treten können àà Rolleninnovation Alles selber neu entwickeln, „Pionierin“ Weiterentwickelnd (investiture) Ausmaß in dem der Sozialisationsprozess an das anknüpft, was die Person bereits mitbringt Ausmaß in dem die anfängliche Identität des Neulings bestätigt wird vs. Neuentwickelnd (divestiture) Ausmaß, in dem der Sozialisationsprozess die Eigenschaften und die anfängliche Identität des Neulings in Frage stellt „Brainwash“ àà z.B. Mariens in den USA (Haare Schoren, neue Person werden)
- Institutionalisierte Sozialisation ist: Formal Kollektiv Sequentiell Fixiert Seriell Weiterentwickelnd führt zu Proximale Resultate : Rollenkonflikte Rollenambituität Wahren. passung führt zu Distale Resultate Arbeitszufriedenheit Leistung Fluktuationseignung Rollenorientierung
- Taktiken und soziale Resultate Wie stehen die Taktiken in Zusammenhang mit Proximalen (nahen) Resultaten? Rollenkonflikt Passen meine Rollen zusammen? Rollenambiguität Was ist eigentlich meine Rolle? Wahrgenommene Passung Passe ich in die Organisation?
- Taktiken und soziale Resultate Wie stehen die Taktiken im Zusammenhang mit Distalen (entfernten) Resultaten? Commitment Bindung an die Organisation, Identifikation mit den Normen & Werten einer Orga Arbeitszufriedenheit Leistung Fluktuationsneigung Kündigungsabsicht Rollenorientierung Rollenübernahme
- Taktiken und soziale Resultate Was sagt die Empirie zu diesen Zusammenhängen? Stärkste Effekte für soziale Taktiken Weniger Rollenambiguität (p) Mehr wahrgenommene Passung (p) Mehr Arbeitszufriedenheit (d) Mehr Commitment (d) Weniger Fluktuationsneigung (d) Mehr Arbeitsleistung (d) Aber auch Kontext und Inhaltstaktiken haben positiven Einfluss auf Rollenambiguität (verringert) Wahrgenommene Passung (erhöht) Arbeitszufriedenheit (erhöht) Commitment (erhöht) Fluktuationsneigung (verringert) Arbeitsleistung (erhöht, nur bei Inhaltstaktik) Institutionalisierte Taktiken i.A. günstiger (sieht man in den Daten nicht) Personen übernehmen eine Rolle eher Bei Innovation besser keine institutionalisierte Sozialisation Moderator: Stärkerer Effekt für Berufseinsteiger da weniger Vorwissen, brauchen klarere Taktiken bei der Sozialisation Ein Prozess kann aus mehreren Maßnahmen bestehen und dementsprechend verschiedene Taktiken verfolgen / zugeordnet werden!
- Sozialisationsmaßnahmen (Mögliche spezifische Programme) Formale Orientierungsveranstaltungen Informationen über das Unternehmen, die Produkte, die Abteilungen usw. Z.B. eine Werksführung, Vorstellung der Karrierepfade Schulungen außerhalb des Unternehmens Z.B. Einführung in eine Software Seminare für neue Mitarbeiter Patensystem Erfahrene Kollegen als Ansprechpartner Mentorensystem Hierarchisch höhergestellt Einarbeitung durch den Vorgesetzen Soziale und sportliche Aktivitäten im Kollegenkreis Eher zur Vermittlung von Werten und Normen, nicht ArbeitstätigkeitTraineeprogramme
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- Studie: „Shaking Hands with a Computer“ Unternehmensberatung: Untersuchung von zwei verschiedenen Sozialisationsmaßnahmen: 1. alle neuen Mitarbeiter fliegen nach Chicago Dort: Einwöchiges Orientierungsprogramm (OP) mit Präsentationen, Videos, Lektüren, Team-‐building-‐Maßnahmen, Fragesessions etc. sehr teuer 2. 2 – 3 tägiges multimediales Computer based training (CBT) identisches Material viel günstiger o Differenzielle Hypothese:Geringere Effekte des CBT für Skalen Mensch („In meiner Arbeitsgruppe gehöre ich dazu) informell Politisches („Ich weiß nicht, was ich tun muss, um die angenehmen Arbeiten zugewiesen zu bekommen“) Organisationale Ziele & Werte („Ich kann die Werte der Organisation vertreten) (Vgl. Sozialisationsinhaltsbereiche von Chao et. al., 1994, s. oben) Keine Unterschiedlichen Effekte in: Sprache Geschichte Bewältigung der Arbeitsaufgaben 2 Kohorten (N = 261)1. alle erhalten Orientierungsprogramm2. Zufällige Zuteilung zu Orientierungsprogramm und CBT Ergebnisse: Hypothese wurde bestätigt Bei Sprache, Geschichte und Arbeitsaufgaben relativ geringe Unterschiede zwischen OP und CBT Bei Ziele & Werte, Informell Politischesund Menschen signifikante Unterschiede zwischen CBT und OP Außerdem: Weniger Zufriedenheit und Commitment in CBT-‐Gruppe mediiert durch Sozialisationsinhalte d.h. CBT schlechtere Werte in Sozialisationsinhalte weniger Zufriedenheit/Commitment Vermutlicher Grund: Bei CBT weniger informelle Interaktionen (zusammen ein Bier trinken) und Wertschätzung (Du bist so gut, dass wir dich extra nach Chicago fliegen) weniger
- Die Rolle der Einsteigenden Bisher: Was kann die Organisation machen um Personen zu sozialisieren? Jetzt: Welche Faktoren der Person haben einen Einfluss auf die Sozialisation? Individuelle Faktoren fördern ebenfalls den Sozialisationserfolg Proaktive Persönlichkeit (= stabile Disposition) Proaktives Verhalten Aktive Informations-‐ und Feedbacksuche Aufbau von Beziehungen Positives Framing Wie beurteile ich eine Aufgabe? (Bedrohung vs. Herausforderung) D.h. Einsteiger sind nicht nur passive Rezipienten von Sozialisation, sondern können diese aktiv mitgestaltet